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Nr.lv Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen) Mittwoch, IZ.Zanuar 1957

S.jtxfport

Oas Sportamt kommt zu dir!

NSG. Als man 1933 an die Gründuna der ersten Sflortkupse in der NS.-GemeinschaftKraft durch Frrude" ging, war es eigentlich eine logische Folge­rung, daß die Leibesübungen eines Tages auch in die Abtriebe direkt getragen würden.

Das Sportamt kommt zu dir, Volksgenosse! Und das ist auch notwendig. Mancher von uns wandert nach Feierabend seelisch und körperlich ausgepumpt nach Hause. Er istsatt" in des Wortes wahrster Bedeutung, er will seine Ablenkung haben. Das tut nun jeder nach seinem Geschmack. Der eine liest die Abendzeitung, der andere schläft, der dritte geht ins Kino. So sah es früher aus! Gerade hierin hat sich vieles geändert, seitdem es eine NS.-Ge­meinschaftKraft durch Freude" gibt und dort Leute sitzen, die tagaus, tagein rastlos an der Feier­abendgestaltung unserer Volksgenossen arbeiten! Neben den täglichen Ausflügen, Konzerten, Theater­aufführungen usw. stehen auch die Sportleh­rer vonKraft durch Freude" in der vordersten Front, und nichts mag die Bedeutung der Leibes­übungen mehr beweisen, als die großartige Stellung, die sie nun seit Jahren in den zahllosen Sport­kursen immer erfolgreicher einnehmen.

Abgesehen von der reich weltanschaulichen Er­wägung, daß jedes Volk ohne Leibesübungen zum moralischen Verfall verurteilt ist, müßte jeder Mensch aus seinem natürlichen Instinkt heraus wieder den Weg zur natürlichen Bewegung und zum Kampf im Sport finden. Nicht auf dem Steh­platz mit derMeckertüte" in der Faust, sondern im Sportanzug auf der Kampfbahn. Man kann von keinem Menschen verlangen, daß er 100 Meter in 10,5 Sekunden herunterrast, man kann nieman­den dazu zwingen, sechs Meter weit zu springen. Wichtig ist allein, daß überhaupt jeder einmal in der Woche Leibesübungen treibt und Freude daran hat. Wenn er tatsächlich 10,5 läuft, ist es groß­artig, läuft er aber 20 Sekunden, dann ist es auch großartig.

Alt und jung, dick und dünn, kurz und lang, jeder muß hier mitmachen! Das Sportamt macht es ja so leicht. Es kommt in die Betriebe selbst! Es kommt nicht mit leeren Händen: Es bringt Lebensfreude und gesteigerte Leistungskraft. Aus- reden-Erfinder, hütet euch! Millionen Deutsche sind über euch schon hinweggeschritten, gesprungen und geritten, geturnt oder radgefahren!

Ein Seitenblick in die Teilnehmerlisten der bis­herigen Sportkurse der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" genügt.

Oie Winterkampsipiele der hessischen Schulen.

Nach zum Teil sehr spannenden Kämpfen waren noch vor Weihnachten in der Unterstufe des Kreises Gießen die Bezirkssieger ermittelt. Im Fußball sind dies Leihgestern, Garbenteich, Ettingshausen, Hungen und Daubrinqen. Handballsieger wurden: Neue Pestalozzischule Gießen, Holzheim, Grünberg und Obbornhofen. Im Korbball kommen m die Endspiele: Annerod, Grüningen, Göbelnrod, Bellersheim und Odenhausen. Wer Sieger wird, kann nicht mit Bestimmtheit vorausgesagt werden. Den Vorspielergebnissen nach zu urteilen haben im Fußball Daubringen, im Handball Neue Pestalozzi­schule Gießen und im Korbball Bellersheim die größten Aussichten, Kreissieger zu werden.

Wenn anschließend die Termine der Endrunden bekanntgegeben werden, so holst man gleichzeittg, daß alle, die Zeit und Gelegenheit haben, sich die Spiele unserer Jüngsten ansehen.

Spiellermine der Zwischenrunde um die kreismeisierschaft.

Fußball. 15. Januar: Leihgestern Garben­teich in Watzenborn um 14.30 Uhr; Ettingshausen gegen Hunge^ in Lich um 13 Uhr.

Handball. 15. Januar: Grünberg Obborn­hofen in Lich um 15.15 Uhr; 19. Januar: Holzheim gegen Neue Pestalozzischule in Watzenborn um 14.30 Uhr.

Korbball. 15. Januar: Grüningen Bellers­heim in Lich um 14.15 Uhr; 20. Januar: Annerod gegen Göbelnrod in Reiskirchen um 14 Uhr.

Oie Kreisklaften am Sonntag.

Steinbach Steinberg 2:8, Klein-Linden gegen Garbenteich 2:1, Hungen Ruppertsburg 3:3, Leihgestern Lich 2:6, Rodheim Heuchelheim 5:1, Alten-Buseck Großen-Buseck 1:0, Tv. 1846 2. gegen Großen-Linden 2:4, Launsbach Staufen­berg 3:2, Wieseck Wißmar (Wißmar nicht an­getreten), Flensungen Rüddingshausen 1:3.

Steinbach hatte den mit mehrfachem Ersatz an­tretenden Teutonen Steinbergs nichts Gleichwerti­ges entgegenzusetzen und verlor fast wie im Vor­spiel. Klein-Linden, dem man einen sicheren Sieg gegen Garbenteich zugetraut hatte, mußte sich ge­waltig strecken, um die bis in die zweite Hälfte in Führung liegenden Gäste mit 2:1 niederzuhalten. Leihgestern mußte sich auf eigenem Platz den über­aus eifrigen Rasenspielern aus Lich beugen. Hungen gelang gegen die sehr spielstarken Ruppertsburger ein Unentschieden. Im Biebertal gab es eine große Ueberraschung. Heuchelheim wurde von Rodheim 5:1 geschlagen. In dem anderen Treffen blieb Alten-Buseck gegen Großen-Buseck mit 1:0 erfolg­reich.

I.-Sp.-V. 1926 Steinbach.

Steinbach I Watzenborn-Steinberg I 2:8

Vor rund 200 Zuschauern standen sich in Stein­bach der Tabellenführer der ersten Kreisklasse und Steinbach zum fälligen Derbandsrückspiel gegenüber. Während das Vorspiel die Teutonen mit 8:1 sieg­reich sah, konnten die Gäste diesmal mit 2:8 Toren siegreich sein. Die Zuschauer bekamen einen schönen und jederzeit fair geführten Kampf zu sehen. Die gut herausgearbeiteten Torgelegenheiten, von denen die größere Anzahl auf die Teutonen entfiel, sorgten für die nötige Spannung. Von entscheidender Be­deutung für den Ausgang des Kampfes war, daß der Gästesturm fast jede ihm gebotene Torgelegen­heit auszuwerten vermochte, während man dies von den Steinbachern nicht behaupten konnte. Wieder­holt hatte der einheimische Sturm Erfolgsmöglich­keiten, er vergab jedoch alle Chancen. Die Ein­heimischen hatten es diesmal mit zwei seitherigen Jugendlichen in der Angriffsreihe versucht, die sich auch gut in das Mannschaftsgefüge einpaßten. Wa­ren es doch diese Beiden, die die Tore schossen. Durch Unachtsamkeit der Steinbacher Hintermann­schaft vermochten die Teutonen nach einer 1 ^-Füh­rung und 1:1 Gleichstand bis zur Halbzeit das Er­gebnis auf 4:1 zu schrauben. Nach der Pause war es den Gästen noch fünfmal vergönnt, das gegne­rische Tor zu finden, während Steinbach von zwei ihm zugesprochenen Handelfmetern nur einen zu verwerten vermochte.

©pielabfeilung Tv 1889 Klein-Linden

Klein-Linden I Garbenteich I 2:1 (0:1).

Die Gastgeber setzten sich sofort mit Beginn des Spieles vor dem Tor des Gegners fest, aber alle Angriffe scheiterten am Gästetorhüter und an der zahlreichen Verteidigung. Demgegenüber führte einer der wenigen gefährlichen Durchbrüche der Gäste zum Führungstor. Für die Folge hielten die Gäste das Spiel offener. Nach der Pause stellten die Klein-Lindener um und gewannen ihrerseits wieder etwas Uebergewicht. Der Ausgleich war der erste Erfolg. Bald darauf mußten sich die Gäste ein zweites Mal geschlagen bekennen und vermoch­ten es nur durch ihre zahlreiche Verteidigung, das Ergebnis zu halten. Vor diesem Spiel standen sich die Jugendmannschaften von Klein-Linden und

VfB.-R. gegenüber; den Kampf gewannen die Gäste mit 0:1 Toren

Rodheim I Heuchelheim I 5:1 (0:0).

Rodheim hatte seit langem seine komplette Mann­schaft zur Stelle und schlug seinen Nachbarn Heu­chelheim ziemlich deutlich. Wenn auch Heuchelheim nicht vier Tore schlechter war als die Platzbesitzer, so arbeitete doch Rodheim in der zweiten Hälfte eine klare Feldüberlegenheit heraus. Beide Mannschaften bemühten sich, in Führung zu gehen, was jedoch bis zur Pause keiner gelang. Nach dem Wechsel waren die Platzherren tonangebend und erzielten vier Tore, ehe Heuchelheim zum verdienten Ehren­tor kam. Kurz vor Schluß konnte Rodheim noch ein fünftes Tor erzielen.

$u6boU £ofalfompf in Alien-Bnseck.

Alten-Buseck I Großen-Buseck I 1:0 (1:0).

Die Einheimischen landeten in diesem Spiel einen Sieg, durch den sie ihren Tabellenstand nicht un­erheblich verbessern konnten. Der hartgefrorene Platz stellte an die Spieler hohe Anforderungen. Das Spiel gestaltete sich sehr lebhaft. Technische Feinheiten waren allerdings weniger zu sehen. Beide Mannschaften waren bestrebt, eingeleitete Angriffe gleich im Keime zu zerstören, was um so mehr ge­lang, als das Spiel der Stürmer sehr ungenau und zu eigennützig war. Kurz vor Halbzeit kam der Mittelstürmer von Alten-Buseck zum Zug, um­spielte zwei Gegner, schoß aber der Hüter wehrte zu kurz ab; im Nachschuß erzielte der nach?

setzende Alten-Busecker Halblinke das einzige Tor des Kampfes. Nach der Pause wurde erbittert wei- tergekämpft. Beide Mannschaften wollten das Re­sultat verbessern, und Großen-Buseck mindestens einen Punkt retten. Aber die Hintermannschaften waren auf beiden Seiten auf der Hut und ließen keinen Erfolg mehr zu. Schiedsrichter Küster (Berghausen) sicherte dem Spiel den schönen Ver­lauf.

GportamtKraft durch Freude"

Wegen der Verdunkelungsübung fallen heute abend sämtliche Sportkurse der NSG.$raft durch Freude" aus.

Kurze Sportnotizen.

In Oberammergau finden vom 15. bis 17. Januar die bayerischen Skimeisterschaften statt. Da* Endspiel um die bayerische Eishockey-Meister­schuft zwischen SC. Rießersee und HG. Nürnberg rou-ö voraussichtlich in Oberstdorf ausgetragen.

Sigmund Ruud tritt am 17. Januar die Ueberfahrt nach den Staaten an, um dort an einigen großen skisportlichen Veranstaltungen teil­zunehmen.

16 Nennungen sind bisher für die deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften der Männer und Frauen am Wochenende in Hamburg abgegeben worden. Bei den Frauen vermißt man noch die Meldungen von Viktoria Lindpaintner und Maxie Herber.

Skisport-Rundschau 1936/37.

Der deutsche Skisport hat sich in den letzten Jahren daran gewöhnt, an der Jahreswende ohne Schnee zu fein. Er hat auch weise feinen Terminkalender nach diesen Erfahrungen aufgestellt und die wich­tigsten Veranstaltungen auf Ende Januar und den Februar gelegt. Hoffentlich läßt ihn der Wettergott auch diesmal nicht im Stich. Bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen öffnete er in elfter Stunde, aber noch rechtzeitig genug, am Tage vor dem Beginn der Spiele seine Schleusen. Alpenländer, wie die Schweiz und Oesterreich, sind natürlich besser daran. Sie besitzen bereits feit Mitte Dezember eine feste Schneelage und ausgezeichnete Witterungsverhältnisse, was die Austragung ski- kämpferischer Wettbewerbe außerordentlich begün­stigt. Die Rennläufer dieser Länder stehen bereits mitten im Training, haben schon eine gewisse Form erreicht, während unsere Leute erst das Training aufnehmen.

In den deutschen Wintersportquartieren sind da­her bis jetzt nur wenige Wettkämpfe durchgeführt worden, in der Hauptsache Sprungwettbewerbe. Bayern und Schlesien waren wieder einmal die Plätze, die genügend Schnee für die Durchführung von Wettbewerben aufwiesen.

Schon die ersten Sprungkonkurrenzen bestätig­ten die im Vorwinter gemachte erfreuliche Feststellung, daß im deutschen Skisport ein guter Springernachwuchs vorhanden ist.

Bei den verschiedenen Skispringen an den Feier­tagen waren es vor allem die Jungmannen, die mit den besten Leistungen am Hügel aufwarteten. Der Jungmann Paul Kraus, der in der deutschen Olympiamannschaft stand, sprang in Johanngeorgen­stadt die größte Weite, und bei einem Springen in Schreiberhau war der Jungmann Heinz Adolph aus der bekannten schlesischen Skifamilie Adolph der drittbeste Springer. Auch auf der Wurmberg­schanze im Harz und auf der Mittenwalder Schanze placierten die Jungmannen sich vor ihren älteren Kameraden. In den Laufwettbewerben war das Programm sehr scbmal. Die Schwaben ermittelten in Oberstdorf in Abfahrt und Torlauf die ersten Skimeister des Jahres, und Herbert Leupold, der Sieger im vorjährigen Ski-Marathon, gewann in Bad Reinerz den traditionellen Menfe-Lauf.

In der Schweiz hat das Sportprogramm bereits eine beneidenswerte Fülle erreicht. Einige Dutzend

Skikämpfe verschiedener Art gelangten zur Durch­führung. Im Vordergrund stehen zunächst die Sprungläufe, zumal die Schweizer in dieser ski­sportlichen Disziplin eine erstklassige Mannschaft für die FI8-Rennen zusammenbringen wollen. Dabei wirkt sich die für längere Zeit vorgesehene Anwesen­heit Birger Ruuds in der Schweiz für die eid­genössischen Springer zum Vorteil aus. Birger Ruud hat sich Denn inzwischen auch an einer Reihe von Skispringen beteiligt und dabei erneut ein­drucksvolle Beweise seines hervorragenden Könnens gegeben. Auch die Abfahrer und Slalomkünstler haben ihre ersten Prüfungen bereits hinter sich.

Die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaften x (FIS-Kennen)

in Chamonix gehen weiter. Der Schweizer Lang­läufer Gustav Julen aus der Zermatter Skifamilie der Julen trainiert zur Zeit die französischen Ab­fahrtsläufer in Chamonix. Im übrigen ist es um den französischen Nachwuchs nicht gut bestellt. Außer den paar Abfahrtsläufern von Rang (Allais, Beckert u. a. m.) werden die Franzosen bei den FI8-Rennen wohl kaum entscheidend in die Ereig­nisse eingreifen können. Die Amerikaner haben ihre FI8-Mannschaft schon beisammen. Unter ihnen be­findet sich auch Durance, der bereits die USA. bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Parten­kirchen vertrat. Die Amerikaner werden vor der Weltmeisterschaft eine Woche im Parsenngebiet un­ter Leitung Otto Furrers trainieren. Der Schwei­zer Skiverband versammelte feine Lang-, Dauer» und Kombinationsläufer zu einem Trainingskursus in Andermatt. Bemerkenswert, wenn auch nicht neu, ist die Feststellung des Kursusleiters, wonach den Schweizern noch die Wettkampfhärte der Nord­länder fehlt, während sie im Stil stark verbessert sind. Eine Feststellung, die übrigens für den gan­zen mitteleuropäischen Skilauf gilt.

Die Nordländer sind indessen nicht müßig.

Aus Finnland kommt die Nachricht von einem unglaublich harten Training der finnischen Langläufer.

Veli Saarinen, der Olympiasieger von Lake Placid, leitet das Training. Er hofft durch dieses scharfe Training, das selbst in Finnland Staunen hervor­gerufen hat, seinem Land die Vorherrschaft in den langen Skistrecken zurückzugewinnen. H. P. T.

etdla.

23on Lothar von 3Repperf<Koiifen

Eines Abends brachte Jeremias, der Viehhirt,, ein langer Herero, das kleine, zarte Geschöpf aus dem Busch Matt und ergeben lag es in seinen sehnigen Armen. Als wir das winzige Leben aus dem gro­ßen geheimnisvollen Buschland zu Boden setzten, sank es ganz langsam in sich zusammen. Die dunkel- glänzenden, arglos erstaunt blickenden Augen schie­nen eine stumme Bitte zu enthalten: die sehnsuchts­volle Bitte nach dem mütterlichen Schutz. Die langen, aufmerksam lauschenden Ohren, bas weiche, goldbraune Fellchen, die zierlichen Glieder glichen einem Symbol der ersten Frühstunde des licht­empfangenden afrikanischen Morgens.

Es war eine wohl erst an diesem Tage ge­borene Gazelle, eine Ducker-Ricke. Ich nannte sie Stella oder auch Stellina, weil sie mit den ersten Sternen der Nacht bei mir erschienen war.

Zunächst war es recht schwierig, das kleine Fräu­lein aus dem großen Urland an Nahrung zu ge­wöhnen. Doch nachdem einmal die Krisis der ver­änderten Natur um sie und in ihr überwunden war, gedieh sie bei verdünnter Ziegenmilch ausge­zeichnet. Stella wurde ein heiteres, bei allen belieb­tes, von Weiß und Schwarz gleicherweise verwöhn­tes Spielzeug.

In einer bunten Gesellschaft von Hunden, Katzen, einem jungen Löffelhund und einem Nashornvogel verband sie eine innige Freundschaft. Mit feinem unerbittlich harten, kampflustigen Schnabel, mit dem er sich allseitigen Respekt zu verschaffen wußte, ver­teidigte der Vogel die kleine vertrauensvolle Stella gegen alle üblen Launen, gegen alle rückfälligen Raubtiergelüste. Wie im Leben des Buschlandes der Nashornvogel durch feine unermüdliche Aufmerksam­keit, Neugier und Schwatzsucht die Schwächeren vor den Starken warnte, so stand Tuck hier seiner Freundin Stella schützend zur Seite.

So ging es ein Jahr. Mäxchen, der kleine Löffel­hund, war der unüberwindlichen Urfeindschaft meines Teckels längst zum Opfer gefallen. Aber Tuck versah seine Beschützerrolle nach wie vor, und aus Stella, dem zarten Fräulein, war ein selbst­bewußter, gesunder Duckerbackfisch etwa in der Große eines Rehs geworden.

Plötzlich aber war Stella verschwunden. Alle Suche blieb vergebens. Die Eingeborenen redeten sofort von einem stattlichen Duckerbock, Der die lieb­liche Stella in die Buschwelt heimgeführt habe.

Gut, gut: ich roars zufrieden. Niemals versuchte ich bei den mir vertrauensvoll befreundeten Tieren Die Gesetze ihres Naturlebens zu mißachten. Jetzt war ich im Gegenteil stolz Darauf, Das kleine, liebens­werte Wesen Durch meine Pflege seiner Bestim­mung erhalten zu haben. Nur Tuck schien anderer Ansicht zu sein. Er brauchte eine gute Weile, ehe er Stellas Treulosigkeit überrounben hatte.

Wochen unD Monate vergingen. Stella war fast schon vergessen, wie es Das Los alles LebenDigen auf ErDen im Drängenden, ewig sich erneuernden Kreislauf der Natur ist. Doch eines Morgens wollte es Der Zufall, Daß ich noch im Schlafanzug in Der kurzen Dämmerfrühe aus Dem Haufe trat. Ich wollte irgenD etwas nachsehen, was in schlafloser NachtstunDe meine GeDanken beschäftigt hatte. Still unD geheimnisvoll lag Der unermeßliche Busch vor mir. Da bewegte sich etwas vorsichtig Durch Das graue Gitterwerk Des Dornigen Gezweigs.

In etwa fünfzig Meter Entfernung trat eine stattliche Duckerricke auf Die geroDete Lichtung, um zaghaft, aber stetig Dem Hause entgegen zu streben. An ihrer Seite trippelte zierlich unD vertrauensvoll ein Kitz. Ich verhielt mich reglos und wartete.. Das Paar kam näher. Die Alte verhoffte zeitweilig, äugte, windete zu mir herüber. Nun pfiff ich leise durch die Zähne, jenen Lockruf, den ich bei all meinen Tieren anzuwenden pflegte. Das Ohrenspiel zeigte deutliches Erkennen. Ich rief:Stella!" und wie so oft, als sei es nie anders gewesen, trabte sie mit ihrem Kitzchen auf mich zu.

Ich holte Zucker und Milch, was sie willig an­nahm, ein wenig scheu vielleicht, besonders, wenn ich mich dem jungen Böcklein zu sehr näherte. Schützend drängte sie sich vor meine Hand. Nach wenigen Minuten, als Die Laute Des erwachenDen Hauses zu mir Drangen, verschwanDen beide ohne Eile wieder im Busch.

Stella kam noch zweimal, fast auf die Minute zur gleichen Zeit, um ihr Frühstück bei mir zu holen. Tuck, der herbeiflog und sich sehr aufgeregt unD sonderbar benahm, fand keine Gnade mehr vor ihren Augen. Als dann Die HunDe im Hof heftig anschlugen, war es vorbei. Kurzes Erschrecken, lange Fluchten von Mutter und Kind: von da ab blieben sie verschwunden.

Stella hatte mir wohl nur erzählen wollen, daß sie ihre Naturpflicht erfüllt, daß sie ihre Art in dem kleinen Leben aus ihrem Blute fortgesetzt habe. Ein neuesSternchen" war unter Afrikas Himmel aufgegangen.

Oie neuen Syndikat-Filme.

Im Syndikat-Film-Verleih werden in Kürze einige neue große Filme herauskommen. Wir nen­nen Den neuen Jannings-FilmDer Herr- f ch e r". Der Film ist stofflich an Gerhart Haupt­manns DramaVor Sonnenuntergang" angelehnt; er schildert Das Schicksal eines Großindustriellen, Der als alternder Mann in einen Liebeskonflikt ge­rät. Ein anderer Film, der vor der Fertigstellung steht, istPremiere" mit der schwedischen Schauspie­lerin Zarah Leattder, die man die zweite Garbo genannt hat. Die Künstlerin spielt einen Revue­star. Man Darf gespannt sein, ob Die Leander ihrem großen Vorbild gleichkommt. Knut Hamsuns Ro­manP a n" war der Stoff für einen künstlerischen Film, der in kurzer Zeit vollendet sein wird. Ein I o u r n a l i st e n f i l m, dessen Titel noch nicht fest- steht, wurde nach einem preisgekrönten Manuskript gedreht. Renate Müller, Paul Hartmann und Ma­thias Wiemann spielen hier die tragenden Rollen. Eine junge Nachwuchsschauspielerin, Wera Engels, spielt in dem FilmM a n spricht über Jac­queline" die Hauptrolle. Ihr Partner ist Albrecht Schönhals.

Karl Lenz in Marburg.

Hessische Landschaft, hessische Menschen Der stille Zauber ihrer Eigenheit, ihrer Einzigartigkeit lenkt seit einem halben JahrhunDert immer stärker Die Augen Der bildenden Klistier auf einen klar umgrenzten ,uralten Kulturkreis deutschen Bodens. In mannigfachen Temperamenten spiegelten sich im Lauf der Zeit hessische Landschaft und hessische Menschen. Romantik und Naturalismus, Impressio­nismus und auch Expressionismus bemühten sich um die Ausdeutung einer Ursprünglichkeit, Die sich in ihren Tiefen immer nur Dem erschließen konnte, Der aus eigenem Ursprung mit ihr verwachsen war. Zu Diesen gehört auch Karl Lenz, dessen Werk Das Museum Der Marburger Universität jetzt in einer umfassenden Gesamtschau zeigt.

Weit spannt sich Der Bogen, Der Das Werk um­grenzt: von Den AkaDemiearbeiten (Düsseldorf 1922) bis zu Den Arbeiten Des jüngst vergangenen Jahres. Karl Lenz eignet vorwiegenD Die eine Komponente dessen. Das sich zwiegespalten in jeder künstlerischen Schöpfung aufzeigen läßt: Das Zeichnerische im Gegensatz zum Malerischen. Eine bis ins Letzte sichere HanD führt ihm Den Pinsel. LanDschaft mit Figuren, Figuren mit LanDschaftsstaffage haben manche gestaltet; Lenz stellt Den Dem BoDen ver­wurzelten Menschentyp in Die typische Landschaft und schafft so die vollkommene Einheit der Bild-

kompositton. Scharf gezeichnet heben sich Die Ge­stalten aus Der Schwalm und aus Dem Ebsdorfer Grund (Mardorf) vor Der fein Durchgestalteten Kulisse ihrer HeimatDörfer ab. Erdhausen im Biedenkopfer Hinterland, die Heimat Des Künstlers, läßt die Vordergrundfiguren bewegt und wuchttg aus dem Boden wachsen. Aus dem Gesamtwert des Künstlers hat das Museum der Universität, das als Förderin heimischen Kunstschaffens bereits mehrere Gemälde von feiner Hand besitzt, ein Bild erworben, das alle Vorzüge des Schasfens von Lenz in sich vereinigt: eine großzügige Landschafts­komposition, Grün in Grün, mit Menschen, die weitausgreifenden Schrittes zur Mahd aus eigenem Boden schreiten. Hanns Herrmann.

Zeitschriften.

Das Innere R e i ch". Herausgeber: Paul Alverdes und K. B. v. Mechow. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München.) Im Januar- Heft' legt Hans Grimm unter dem TitelEnglische Begegnung" den Entwurf eines dichterischen Vor­worts zu einem neuen großen Roman vor; er spricht darin von Erfahrungen und Erlebnisfen bei einem Besuch in London. Dann deutet Ernst Bertram, Dichter und Forscher, das lyrische Werk Hans Ca- rossas. Eine Rede Rudolf G. Dindings betrachtet aus dem Geist unserer Tage den Sinn des huma­nistischen Gedankens und seine Möglichkeiten für die deutsche Zukunft. In Die Deutsche Vergangen­heit lädt Alfred Zacharias Den Leser ein mit feiner BetrachtungAus Den Blättern Der Bildermänner", d. h. Der volkstümlichen HolzfchneiDer, Kupferstecher unD Illustratoren, Die seit Dem Mittelalter bis fas«, in unsere Zeit gewirkt haben. inDem sie Das, was Die Menschen bewegte, in BilDern aufzeichneten, von denen Das Heft eine ganze Reihe roieDergibt. Zwei weitere Beiträge gelten Dem Dichter Ludwig Thoma, der am 21. Januar siebzig Jahre alt ge­worden wäre. Der Verleger Korsiz Holm erzählt, in feiner humorigen und gerecht würdigenden Art, wie er Thoma erlebte; eine Reihe von bisher un­veröffentlichten Briefauszügen unterstreichen da­von Holm gezeichnete Bild dieses aufrechten deut­schen Mannes. An weiteren dichterischen Beiträgen ist noch zu nennen eine Erzählung von Johannes Linke, eine Reihe von Gedichten meist jüngerer Autoren, G. Baron, A. Beiß, Ernst Egermann, Walter Kruppa, und schließlich dasVenezianische Medaillon", eine Art Tagebuch von einer Jtalien- reife, hinterlassen von E. G. Winkler, Dem vor kurzem sehr jung verstorbenen Essaiisten, von dem noch viel zu erwarten war.