Mit160 Stundenkilometer durch Deutschland.
Am Führerstand des Zernschnelltriebwagens.
Von Adolf Neß.
Der planmäßige Schnelltriebwagenverkehr in Deutschland ist soeben nach einer kurzen Pause wieder ausgenommen worden.
Von Berlin nach Leipzig m 76 Minuten, nach Nürnberg in 43/« .Stunden, nach Frankfurt in 5 Stunden und 5 Minuten — das sind Leistungen, die sich sehen lassen können Aber sie werden nicht etwa mit dem Flugzeug vollbracht — es sind die Zeiten, die ein moderner Fernschnelltrieb- wagen der Deutschen Reichsbahn benötigt, um die Reisenden nach der Stadt an der Pleiße, der Stadt der Reichsparteitage oder der Stadt am Main zu bringen.
Es hat wohl schon jeder einmal eines dieser neuesten Verkehrsmittel gesehen, die mit höchster Geschwindigkeit Deutschland durchqueren und in immer größerem Maße in den Verkehr eingesetzt werden. Hellfarben glitzernd jagen sie Tag für Täg über die Schienenstränge, und wo sie von den Neugierigen bestaunt werden, die sich jedesmal zu den Durchfahrtszeiten pünktlich einstellen, da gibt es stets ernsthafte Auseinandersetzungen über die Durchschnittsgeschwindigkeiten, die eines dieser modernen technischen Wunder erreicht. Die unmöglichsten Vermutungen und Behauptungen werden dabei aufgestellt, man überschätzt und unterschätzt. Da war es schon besser, einen der Männer aufzusuchen, die am Führerstand des Fernschnelltriebwagens stehen, um Genaueres zu erfahren.
In einem amtlichen Gebäude, abseits von einem der großen Berliner Bahnhöfe saßen wir uns gegenüber. Bereitwillig erhielten wir auf unsere Fragen Auskunft. „4 4 Meter lang ist der Doppelwagen", hieß es, „und er bietet Platz f ü r 7 7 Personen. Der Antrieb erfolgt diesel-elektrisch durch zwei Motoren von je 410 PS für jeden Wagen. Die Geschwindigkeit? Um davon eine Vorstellung zu bekommen, muß man wissen, daß der Wagen in jeder Sekunde seine eigene Länge, also 4 4 Meter zurücklegt. Eine Fahrt von Berlin nach Leipzig dauert also nicht länger als 76 Minuten, und die Einbuße von einer Minute Fahrzeit bedeutet einen aufzuholenden Rückstand von rund brci Kilometer."
Man überlegt: 44 Meter in der Sekunde! Das sind in der Minute 2640 Meter und in einer Stunde genau 158,4 Kilometer, rund 160 Kilometer. Das ist auch tatsächlich die Höchstgeschwindigkeit, die der Fernschnelltriebwagen erreicht. Die Frage liegt nahe, nach welcher Strecke der Triebwagen seine Höchstgeschwindigkeit erreicht und auf welche End- fernung er zum Halten gebracht werden kann. Was die Bremsen angeht, so erfährt man, daß neben der Luftbremse eine Magnetschienenbremse vorhanden ist, und daß der Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 160 Kilometer etwa 640 M e - t e r beträgt. Zudem ist der Fernschnelltriebwagen
durch die induktive Zugbeeinflussung gesichert. Sie wirkt selbsttätig, wenn ein auf Halt stehendes Signal nicht beachtet worden ist. Auf seine Höchstgeschwindigkeit kann der Wagen schon nach etwa fünf Kilometer gebracht werden.
Soviel von den rein technischen Dingen. Es erscheint selbstverständlich, daß der Führer eines Fernschnelltriebwagens eine besondere Ausbildung durchzumachen hat, ehe er zum ersten Male auf dem Führerstand steht. „Da wir vom Dampfbetrieb kommen", werden wir belehrt, „haben wir eine vierteljährige Sonderausbildung erhalten, der eine Nachausbilüung für den Wagen selbst folgte. Dazu mußte eine besondere Prüfung für jeden Motor abgelegt werden. Ob besondere Eignung erforderlich ist? Gute Nerven und eine unerschütterliche Ruhe muß der Fahrer haben, darf sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen!"
Schon eindreiviertel Stunden vor Abgang muß der Führer anwesend sein. Dor jeder Fahrt wird der Wagen in allen seinen Teilen sorgfältig untersucht, alle beweglichen Teile werden gut abgeölt, die Steuerung und der Laufweg des Motors jedesmal genau geprüft. Wenn dann die Fahrt beginnt, dann stehen dem Führer und seinem Begleiter, der die hintere Anlage des Triebwagens zu überprüfen hat, Stunden angestrengtester und verantwortungsvollster Tätigkeit bevor. Angespannt bis zum Aeußersten steht er auf seinem Stand, weder rechts noch links geht fein Blick, durch nichts läßt er sich ablenken. Seine ganze Aufmerksamkeit richtet sich auf den vor ihm liegenden Schienenstrang, denn durchschnittlich alle zwei bis drei Minuten ist ein Signal zu beachten. Es ist eben fein Beruf, der irgendwelchen Nebengedanken Raum läßt. Und wenn von den etwas über 40 Dienststunden, die der Führer des Fernschnelltriebwagens in der Woche Dienst zu tun hat, auch nur etwa vier bis fünf Stunden reiner Fahrzeit auf den Tag entfallen — in diesen Stunden werden allergrößte Anforderungen an ihn gestellt, ist er bis zum letzten in Anspruch genommen. Das Gefühl größter Verantwortung läßt kein anderes Denken bei ihm aufkommen neben dem Bestreben, den Triebwagen sicher und pünktlich an fein Ziel zu bringen.
Das wissen auch die Reisenden. Hatte man anfänglich eine gewisse Scheu vor dem neuen Verkehrsmittel — sie ist jetzt überwunden. Die Züge sind heute stets gut besetzt und werden von allen, die es eilig haben, geschätzt. Die Fahrt ist gleichmäßig und ruhig, und für die Bequemlichkeit und die leiblichen Bedürfnisse der Reisenden ist ebenfalls aufs beste gesorgt. Im Speiseraum werden von einem Koch und meheren Kellnern einfache Speisen und Getränke zur Verfügung gehalten.
Die für unsere Unterhaltung vorgesehene Zeit ist fast verstrichen. Noch aber wollen wir wissen, wie es möglich ist, sich ohne Schwierigkeit an die
überdurchschnittliche Geschwindigkeit zu gewöhnen, mit der der Triebwagen seinem Ziele zujagt.^
Die Antwort klingt beruhigend: „Das Steigen der Geschwindigkeit von den 120 Stundenkilometer, die ein PD-Zug fährt, auf 160 Kilometer ist nicht sehr zu merken. Man hat sich schnell daran gewöhnt. Und Zwischenfälle während der Fahrt — offengestanden, ein solcher Gedanke ist mir noch nie gekommen. Daß sich hin und wieder ein Bussard oder ein anderer Vogel an den splitterfreien Scheiben des Führerstandes das Gemck bricht, kann man ja schließlich nicht als aufregenden Zwischenfall bezeichnen. Das spielt sich in Sekundenschnelle ab, und der Reisende merkt nichts davon. Im übrigen hat sich das Wild, das in der ersten Zeit geradezu in den Wagen hineinlief, heute an uns gewöhnt und sieht dem sausenden Triebwagen nur noch staunend nach — genau wie die Menschen."
„Freiwillige
der Flieger- undLustnachrichlentruppe."
Das Luftkreiskommando 4 Münster gibt bekannt: Infolge regen Zustromes an Freiwilligen ist die Einstellung bei der Flieger- und Luftnachrichtentruppe im Luftkreis 4 f ü r das Frühjahr 1938 abgeschlossen. Es ist zu erwarten, daß bei dem zahlreichen Eingang von Gesuchen in kurzer Zeit die Annahme von Freiwilligen auch für den Herbst 19 3 8 beendet sein wird. Abschlußmeldetermin ist der 5. Januar 1938, weil die Freiwilligen der Geburtsjahrgänge 1915 und jünger vor der Einstellung, d. h ab 1. April 1938 ihrer Arbeitsdienstpflicht noch genügen müssen.
Zur Vermeidung verspäteter Anmeldung und dadurch bedingter Ablehnung und Zurückstellung ergeht daher die Aufforderung zur baldigen Vorlage von Gesuchen an folgende Annahmestellen: a) Fliegertruppe: Flieger-Ersatzabteilung Detmold, Flieger-Ersatzabteilung Quakenbrück, Flieger-Ersatzabteilung Handorf bei Münster; b) Luftnachrichtentruppe: Luftnach- richten-Ers.-Komp. Gütersloh. Die Verpflichtung geht über 4% oder 2 Jahre und kann bei besonderer Eignung auf 12 Jahre ausgedehnt werden. Die Einstellung erfolgt zunächst bei den Flie- ger-Ersatzabteilungen bzw. Luftnachrichten-Kompanien Gütersloh ober Münster. Die Dienstzeit bei den Flieger-Ersatzabteilungen beträgt 6 Monate. Anschließend erfolgt Versetzung zu den Fliegertruppenteilen. Bevorzugt eingestellt werden die Angehörigen des NS.-Flieger-Korps und die sonstigen im zivilen Flugwesen tätigen Personen. Ferner sind bevorzugt alle technisch vorgebildeten Freiwilligen (Motorenschlosser, Feinmechaniker, Elektriker, Mechaniker, Schmiede, Schlosser, Installateure, Kraftfahrer, Zeichen- und Vermessungspersonal). Den Gesuchen ist beijufügen: a) Freiwilligenschein (erhältlich bei der polizeilichen Meldebehörde) oder beglaubigter Auszug über Seite 1 und 3 bis 5 des Wehrpasses ober ber Wehrstammkarte; b) Lebenslauf; c) zwei Paßbilder. Deutliche Anschrift des ständigen Wohnsitzes. Weitere Auskünfte beim Wehrbezirkskommando ober Wehrmeldeamt.
Professor Rajewski, ber mit ber Leitung des neuen Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Biophysik in Frankfurt a. M. beauftragt würbe. — (Donath-M.)
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
In einem Zwischenhoch kam es in der vergangenen Nacht zu starken Ausstrahlungen, bie zu verbreiteten Frösten Anlaß gaben. Inzwischen hat die über Skandinavien hinwegführende Wirbeltätigkeit nach Deutschland übergegriffen und bringt von Norden her auch unserem Gebiete neue Witterungsverschlechterung. Am Ostrande des atlantischen Hochdruckgebietes verbleiben wir auch weiterhin im Zufuhrbereich kalter Luftmassen und im Einflußbereich der Tiefdruckstörungen.
Aussichten für Samstag: Vielfach dun- ftig, sonst weiter bewölktes Wetter mit lebhaften Winden aus West bis Nord, ziemlich kalt.
Aussichten für Sonntag: Noch immer unbeständig und kalt, aber nicht durchweg unfreundlich.
Lufttemperaturen am 11. November: mittags + 5,4 Grad; abends —0,8 Grad; am 12. November: morgens —1,4 Grad. Maximum 4- 6,4 Grad, Minimum heute nacht —4,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. November: abends + 4,2 Grad; am 12. November: morgens + 2,3 Grad. — Sonnenscheinbauer 0,7 Stunden.
Hauptlchriftleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Emst Blumschein Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr W Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Emst Blumschein Anzeigenleiter: Hans Beck Verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 37: 10 031. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr Einzelverkaufs- preis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit ber
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