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Tonnen herab. Die Preise blieben dagegen unver­ändert. Diese Politik bedeutet, daß das Kartell die jetzigen Ausfuhrpreise, die seit langem zum ersten Male wieder über den Inlandspreisen liegen und daher für die Werke keinen Verlust bedeuten, un­bedingt halten und nicht beim ersten Nachlassen der Nachfrage in den Preisen zuruckgehen will, zumal die Zurückhaltung der ausländischen Käufer viel­fach spekulativen Charakter hat. Deutschland kann mit dieser Ausfuhrpolitik nur einverstanden sein, sichert sie doch seinen Werken die dringend notwen­digen auskömmlichen Preise. Die deutsche Ausfuhr von Walzprodukten hat sich von 289 851 Tonnen im Juli auf 185 371 Tonnen im Septemder vermin­dert, und zwar infolge der Zunahme des deutschen Eisenbedarfs. Dementsprechend ist auch aus inner­wirtschaftlichen Gründen eine Zunahme des Erz- bedarfs zu verzeichnen, die Wege des Vierjahres­planes, die deutschen Eisenerzquellen zu erschließen, sind daher absolut zweckgegeben.

Der Konjunkturrückschlag in den Ver­einigten Staaten scheint schärfer zu sein, als gemeinhin angenommen wurde Aus allen Zweigen der Industrie und des Einzelhandels kom­men geradezu schwarzseherische Berichte. Die Stahlproduktion hat allein im Oktober 10 o. 5). ihres Umfanges eingebüßt und blieb unter der des Jahres 1936. Die Preiserhöhungen, zu denen die Industrie durch das Roofeoeltsche Sozial­programm und durch das Anziehen der Rohstoff­preise gezwungen wurde, stoßen auf einen sehr starken Käufer st reik. Heute ist es drüben so, daß, genau wie in den Zeiten der schlechtesten Konjunkturperiode, der Käufer der Wirtschaft den Preis diktiert und nicht umgekehrt Das wird mit Recht von den liberalistischen Wirtschaftspolitikern der USA als ein zweites Menetekel für die ameri­kanische Wirtschaft aufgefaßt, und die Kapitalflucht aus Amerika, der schlechte Stand des Dollars ver­vollständigen das Bild des allgemeinen Mißtrauens Einst war der Golddollar der Magnet, nach dem sich alles richtete. Seitdem der Roofeoeltsche Papier­dollar eingeführt wurde, ist er das Schmerzens­kind der Weltwirtschaft und eine dec Quellen der Währungsunruhen geworden

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Es ist fast unbekannt, daß in den letzten Jahren auf dem Balkan erfolgreiche Versuche gemacht worden sind, Baumwollkulturen anzulcgen und einen Teil des Baumwolloerbrauches aus Eigenem zu decken. An und für sich verträgt die Baumwolle keine Trockenheit und ist sehr frost­empfindlich. Aus diesen Gründen kommt ein Teil der höhergelegenen Lagen für den Anbau von Baumwolle überhaupt nicht in Betracht, aber in Südserbien, in Rumänien, in Griechenland und Bulgarien gibt es noch große Flächen, die zur Baumwollkultur vorzüglich geeignet sind. Die Ernte­ergebnisse für 1937 sind durchaus befriedigend. In Griechenland wurden 1932 7500 Hektar Baum­wolle angebaut, im Jahre 1937 aber fast 80 000 Hektar, und heute wird der Bedarf der griechischen Textilindustrie an Baumwolle zu 60 o. H. aus eigenen Kulturen gedeckt. In Rumänien gedeiht die Baumwolle vor allem in der Dobrudscha und im Bezirk Oltenia. Aber die Anpflanzungsversuche wurden erst in den letzten zwei Jahren in größe­rem Umfange vorgenommen, und zwischen die Baumwollstauden wurde, um das. Risiko zu ver­mindern, Mais gesät. In der abgelaufenen Kampa­gne wurden 30Ö0 Hektar mit Baumwolle bepflanzt. Einen überaus starken Auftrieb haben die bul­garischen Kulturen zu verzeichnen, und zwar wurden 1937 61 188 Hektar mit Baumwolle be­pflanzt gegen 50 058 Hektar im Vorjahre. Die bul­garische Baumwollerzeugung ist seit 1932 auf das Zehnfache gestiegen! In Südslawien wurden 3500 Hektar Baumwolle angepflanzt und in diesem Jahr 800 Tonnen Baumwolle geerntet. Der Ertrag ist erstklassig, denn im Durchschnitt wurden 800 Tonnen reine Baumwolle gegen 300 Tonnen im Vorjahre erzielt. Für Jugoslawiens Textilindustrie ist das noch wenig, aber der Weg zur Selbstver­sorgung ist entdeckt worden.

Schanghais Zukunft.

Tokio, 12. Nov. (DNB Funkspruch.) Die japa­nischen Truppen haben nach mehrtägigen heftigen Kämpfen N a n \ i a n g (20 Kilometer nordwestlich von Schanghai) erobert. Es befanden sich hier die sehr stark ausgebauten chinesischen Verteidigungs­linien, auf die sich die Chinesen während der großen Offensive aus Schanghai zurückgezogen hatten. Nach­dem die Japaner auch Nantao und Putung besetzt haben, dürfte der Donnerstag wohl der letzte Großkampftag in Schanghai gewesen sein. Das Hauptkampfgebiet ist jetzt weit von Schanghai weg nach Westen zu verlegt worden. Die chinesische Hauptlinie verläuft vermutlich von Kuinsan SutschauKasching, also vom Pangtse über das Seengebiet bis zur Hangtschaubucht.

Für die Internationale Niederlas­sung in Schanghai, die völlig von den Japanern eingekreist ist, ergibt sich jetzt eine ganz neue poli­tische und wirtschaftliche Lage Die japanische Zei­tung von Schanghai,Todo Schimbun", erhebt nach­stehende Forderungen: Unterdrückung antijapani­scher Bewegungen, Maßnahmen gegen politische Intrigen. Ausweisung aller chinesischen politischen Verwaltungsorgane aus der Internationalen Niederlassung, Verstärkung der japanischen Vertretung im Stadtrat, Revision der zwischen den Chinesen und dem Kon­sularkorps abgeschlossenen Landverfügungen, Durch­brechung des englischen Monopols in der Polizei­direktion. Falls die Behörden der Internationalen Niederlassung die Erfordernisse der Lage verken­nen würden, würden die japanischen Organe ge­zwungen sein, Maßnahmen zur Sicherung der voll­kommenen Neutralität der internationalen Konzes­sionen zu ergreifen.

Der Oberkommandierende des japanischen Expe­ditionskorps in Schanghai, General Matsui, ver­wies auf kommunistische Umtriebe und auf chine­sische, in Zivilkleidung in die Internationalen Nie- oerlassungen gelangte Soldaten, die hinter der ja­panischen Front Gefahren heraufbeschwören könn­ten Er beabsichtige nicht, die gegenwärtige Lage einseitig auszunützen Die Japaner würden jedoch die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um Stö­rungen ihrer militärischen Belange zu verhindern.

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Unter der ÜberschriftW a s wird das näckste Ziel fein" schreibtPomiuri Shim- bun . der chinesische Konflikt sei nur ein Glied in der fortschreitenden Entwicklung der Weltgeschichte. Die Beendigung des augenblicklichen Streites könne vielleicht ein Anfang viel ernsterer Dinge fein.Jeder Japaner fühlt mehr und mehr, daß der eigentliche Gegner des gegenwär­tigen Streites nicht China selb ft sei. Aber nichts Endgültiges kann getan werden, bevor dieser

Skandal um Leon Blum.

Oer ehemalige französische Ministerpräsident wird beschuldigt, Gelder der Auslandspropaganda für Parteizwecke verwendet zu haben.

Parts, 11 Nov. (DNB.) Jrn Auswärtigen Ausschuß der Kammer kam es wegen des Propa­gandafonds des Außenministeriums zu einer lebhaften Aussprache. Der ehemalige Ministerpräsi­dent F l a n d i n erklärte, er erkenne die Wichtigkeit dieses Fonds an, aber der Ausschuß müsse die Ge­wißheit haben, daß diese Kredite einzig und allein für den Auslandspropagandadienst und nicht etwa zur Subventionierunggewisser Nach­richtenagenturen" verwendet würden. Flandin hat damit darauf angespielt, daß die Regierung Blum seinerzeit auf die Nachrichtenagen­tur Radio Einfluß genommen hatte Durch Schaffung neuer Verwaltungsratsposten in dieser Agentur hatte man einige politische Freunde des sozialdemokratischen Parteiführers und damaligen Regierungschefs untergebracht DieEpoque" schreibt, Flandin fordere eine Kontrolle über den Propagandafonds, der von Leon Blum seiner eigentlichen Bestimmung entzogen worden sei. Es handele sich darum, zu wissen, ob größere Beträge des Geheimfonds für die Propaganda der Volksfront oder bester gesagt zur Unterbrin­gung einigerKreaturen Leon Blums" abgezweigt worden seien. DasPetit Journal" will wissen, daß jeder der so versorgten Freunde L6on Blums 150 000 bis 200 000 Franken jährlich beziehe. Nach diesem Keulenschlag möge Leon Blum nun ruhig

seinen Gesetzesvorschlag über die Presse und Kon­trolle ihrer Einkünfte wieder aufgreifen!

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Die Enthüllung, daß Leon Blum auf die Nach­richtenagenturRadio" sie hat mit dem Rund­funk nichts zu tun und ist rein politischer Art Einfluß genommen und in ihrem Aufsichtsrat Freunde mit Gehältern zwischen 150 000 und 200 000 Franken untergebracht hot, ist in Frank­reich mit erheblichem Staunen und Befremden aus­genommen worden. Einmal sind die Gehälter für französische Verhältnisse, besonders gemessen an den Gehältern der Beamten und Offiziere, phantastisch hoch und zweitens schlägt das Verfahren des frühe­ren Ministerpräsidenten und jetzigen stellvertreten­den Ministerpräsidenten seiner eigenen purita­nischen Gesetzesvorlage ins Gesicht, wonach Zeitun­gen verpflichtet sind, ihre Buchhaltungsbelege vor­zuweisen. Damit sollten fremde Einflüsse ausgeschaltet werden. Nun ist Leon Blum dabei ertappt, Staatsgelder für reine Futterkrippen verwandt zu haben. Dieser Tage hat erst eine tsche­chische Zeitung enthüllt, daß ein Neffe L 6 on Blums an der Spitze von einem Konsortium levantinischer Juden Sowjetspanien mit Benzin und Petroleum beliefert Und vor einigen Monaten meldete die belgische Polizei, daß der Sohn des be­kannten französischen Gewerkschaftsführers Jou- h a u x verhaftet worden ist, weil er in Belgien Waffen- und Munitionsankäufe zugunsten Rot­spanienstätigte".

Zwei privatbahnen verstaatlicht.

Die Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschast und die Braunschweigische Landes- Eisenvabngeselljchast werden Eigentum des Reiches.

Berlin, 11. Nov. (DNB.) Der Reichs- und preußische Verkehrsminister hat sich entschlossen, die L ü b e ck - B ü ch e n e r E i s e n b a h n g es e li­sch a f t und die Braunschweigische Lan­deseisenbahn-Gesellschaft in das Eigen­tum des Reiches zu überführen. Für diese Ent­schließung war maßgebend, daß die Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft wichtige Reichsbahn­strecken verbindet; ihre organische Einglie­derung in das Netz der Deutschen Reichsbahn war deshalb aus Verkehrs- und Betriebsgründen eine schon seit langem erkannte Notwendigkeit.

Die Braunschweigische Landes-Eisenbahn-Gesell- schaft hat in jüngster Zeit im Zusammenhang mit der Errichtung neuer Jndustrieunter- nehmungen im mitteldeutschen Raum weitere richtige Verkehrsaufgaben erhalten, zu deren Be­wältigung die Ueberführung der Gesellschaft in die Hand des Reiches erforderlich ist. Die Verstaat­lichung dieser beiden Privatbahnen bedeutet indes­sen keine Abkehr von dem vom Reichsver- kehrsministerium vertretenen Grundsatz, daß die Privat- und Kleinbahnen auch in Zu­kunft in ihrer Selbständigkeit erhalten bleiben sollen. Es handelt sich vielmehr hier um Ausnahme­fälle, in denen die Eingliederung in die Deutsche Reichsbahn aus den angegebenen besondereen Grün­den unabweisbar ist.

Die Verstaatlichung soll bei beiden Gesellschaften nach § 253 des Aktiengesetzes durch U e b e ft r a = gung ihres Gesamtoermögens auf das Deutsche Reich unter Ausschluß der Abwicklung durchgeführt werden. Damit gehen die Aktiva und die Passiva auf das Deutsche Reich über. Die G e - f o l g \ cf) a-f t wird unter Vermeidung von Nach­teilen und sozialen Härten in den Reichsbahn­dienst übernommen. Die Aktionäre, die seit Jahren keine regelmäßige Dividende erhalten haben, sollen durch Umtausch ihrer Aktien in Reichsbahn­schatzanweisungen 1936 im Verhältnis 1:1 abgefun­den werden, so daß sie in Zukunft eine regelmäßige Verzinsung von 4/2 v. H. bekommen

Die Ueberführung der Lübeck-Büchener Eisen­bahn und der Braunschweigischen Landesbahn in den Besitz des Reiches erinnert an das Verhältnis zwischen Staat und Verkehrswesen, das im Laufe der Jahrzehnte immer enger geworden ist. Die ersten Eisenbahnen waren Privatbahnen, aber von Anfang an sicherte sich der Staat die Oberaufsicht über die Betriebsführung, vor allem mußte er die Konzession für Neubauten erteilen. In Preußen ist die Verstaatlichung der meisten Eisenbahnen in dem Jahrzehnt nach 1878 durchgeführt worden. Die preußischen Staatsbahnen waren das Rückgrat der Finanzen des Staates und wurden später, nach 1918, der Grundstock der Reichsbahnen. Daneben sind aber immer noch stattliche Reste des privaten oder Kleinbahnwesens erhalten geblieben. Meist handelte es sich um Linien rein lokalen Charakters, vielfach auch um Schmalspurbahnen. Wenn der Staat sich nicht entschließen konnte, eine solche Strecke zu bauen, so schlossen sich wohl Provinzen,

Kreise und Gemeinden zur Errichtung einer Klein­bahn zusammen. Das Streckennetz der Privatbahnen umfaßt heute 4500 Kilometer, das der Kleinbahnen 14 500 Kilometer, das ist ein Viertel des Netzes der Reichsbahn. Zweifellos leisten diese Verkehrswege besonders für ländliche Bezirke eine wichtige Funk­tion. Es liegt aber in der Natur der Sache, daß sie an der Konjunktur nicht denselben Anteil neh­men konnten wie die Reichsbahn. So wurde auf der kürzlich in Goslar abgehaltenen Tagung der Reichsverkehrsgruppe Schienenbahnen" mitgeteilt, daß 122 dieser Unternehmungen einen Betriebs­fehlbetrag aufweisen, also der Hilfe bedürfen. Trotz­dem wird das Verkehrsministerium an seinem Grundsatz festhalten, die Kleinbahnen bestehen zu lassen, wenn auch im Einzelfall finanzielle Förde­rung notwendig sein sollte. Die nun durch Ver­fügung des Reiches in den Besitz der Reichsbahn­gesellschaften übergehenden normalspurigen Bahnen von LübeckBüchen und Braunschweig-Land ragen aus der Reihe ähnlicher Unternehmungen heraus. Das Reich ist an ihnen schon jetzt mit 86 bzw. 76 v. H. des Aktienkapitals beteiligt. Es besitzt also die qualifizierte Mehrheit der Gesellschaften und kann den Uebergang in den Reichsbesitz durch Be­schluß in der Gesellschafter-Versammlung herbei­führen.

Die Lübecker Bahn ist eine der ältesten, die Konzession stammt noch aus der dänischen Zeit des Lauenburger Landes, sie bildet auch die Durch­gangsstrecke für den Verkehr von Hamburg nach Skandinavien. Noch kürzlich machte sie von sich reden, als dort erstmalig ein Versuch mit zwei­stöckigen Wagen durchgesührt wurde. Sie beschäftigt 1133 Beamte und Angestellte sowie 1500 Arbeiter. Die Braunschweiger Bahn ist etwas länger, hat aber nur 237 Angestellte und Beamte sowie 395 Arbeiter. Ihre Bedeutung liegt darin, daß sie ein Gebiet durchschneidet, das einer industriellen Entwicklung entgegengeht. Das dürfte der Haupt­grund für die Uebernahme durch das Reich fein, denn die Planung der neuen Wirtschaftsräume er­fordert eine entsprechende Entwicklung des Schienen­verkehrs. Die Lübecker Bahn hat seit 1929 keine Dividende verteilt, damals waren es 5 v. H., die Braunschweiger Strecke war ebenfalls meist ohne Ueberschuß, 1936 wurden 2 v. H. verteilt Diese Er­gebnisse waren aber mir möglich, weil das Reich auf die Beförderungssteuer verzichtet, was übrigens bei vielen Privat- und Kleinbahnen der Fall ist. Durch seinen Mehrheitsbesitz der Anteile hätte das Reich schon früher diese Strecken erwerben können, es hat darauf verzichtet, da früher die Reichsbahnen als Pfand für die Reparationen belastet waren. Wenn das Reich beschlossen hat, den Kleinaktio- nären für ihre Anteile Reichsbahnschatzanweisungen zum Kurse von jetzt 99,6 v. H. mit einer Verzinsung von 4,5 v. H. auszugeben, so wird man sagen können, daß sie einen guten Tausch machen. Ebenso erfreulich ist, daß die Reichsbahn die Angestellten, Beamten und Arbeiter durchweg übernehmen will und sich dadurch in derjenigen sozialen Haltung be­tätigt, die im nationalsozialistischen Staat selbst­verständlich ist.

Gegner nicht in seine Schranken verwiesen ist." Dieser wahre Gegner, der die Mächte gegen Ja­pan aufhetzen oder einen Zwischenfall zwischen Japan und Sowjetrußland herbeiführen könne, sei England.

Krisis in dermexikanischenpeiroleumindustrie.

Mexiko-Stadt, 11. Nov (DNB.) In der mexikanischen Petroleumindustrie bereitet sich eine Zuspitzung der Lage vor Da ein Schiedsspruch der Regierung wird erwartet, der den Forderungen der in der Petroleumindustrie beschäftigten Arbeiter vermutlich jehr entgegenkommen wird, erklären die Gesellschaften schon jetzt, über ihr Angebot nicht weiter hinausgehen zu können. Nach den großen Streiks von Ende Mai und Anfang Juni hatten die Gesellschaften Lohnerhöhungen im Be­trag von 20 Millionen Peso jährlich zugestanden, während von der Arbeiterschaft 26 Millionen Peso gefordert wurden. Es liegt die Ver­mutung nahe, daß die Gesellschaften, in die ein Ka­pital von 400 Millionen Dollar investiert ist, s i ch gänzlich aus Mexiko zurückziehen wer­den. Mit diesem Schritt würden sie den Tendenzen der Regierung entgegenkommen, die auf eine Ver­drängung ausländischer Gesellschaften hinarbeiten.

Oie brit schen Handelsagenten für das nationale Spanien.

London, 11. Nov. (DNB.) Das englische Außenamt teilt mit:In Anbetracht der Tatsache, daß eine zufriedenstellendere Fühlungnahme als die bisher bestehende zwischen der britischen Regierung und den Behörden des Gebietes unter der Kontrolle von General Franco zum Schutze ihrer Staatsangehörigen und zur Wahrung der Handels­interessen in den beiden Gebieten wünschenswert ist, ist man übereingekommen, daß ein Agent der britischen Regierung für diese Zwecke ernannt werden soll, der in Salamanca oder an einem anderen Ort seinen Wohnsitz haben und daß entsprechend die britische Regierung einen Agenten General Francos in London erhalten soll, der' die gleiche Aufgabe hat. Außer diesem Agenten werden Unteragenten in beschränkter Anzahl an anderen Orten ernannt werden, worüber die beiden Parteien sich noch eini­gen werden. Die Aufnahme eines Agenten in Lon­don ft eilt in keiner Weise eine Aner­kennung der Behörden in dem Gebiete unter der Kontrolle des Generals Franco dar, und keine Partei wird diplomatischen Status gewähren oder ernwrtcn, daß ihren Agenten ein solcher zu- gestanden wird."

Brasilien.

Der Kamps gegen den Kommunismus wird fortgeführt.

Rio de Janeiro, 11. Nov. (DNB.) Der innenpolitische Umschwung in Brasilien hat nirgends zu politischen Zwischenfällen oder Ruhestörungen geführt. Der Kampf, den die brasilianische Regie­rung dem Kommunismus angesagt hat, wird plan­mäßig weitergeführt. Bisher sind 8 7 0 Personen verhaftet worden, die direkt oder indirekt mit Moskau in Verbindung standen. Die letzt verkündete Verfassung führt die Todesstrafe für Umsturz, Landesverrat und Mord wieder ein.

Präsident Dr. Gentulio Vargas, der die neue Bundesverfassung Brasiliens erließ. (Scherl-M.)

Sämtliche brasilianischen Gouverneure haben sich mit dem Bundespräsidenten solidarisch erklärt, ausgenommen die von Bahia und Pernam- buco, wo sogenannte Internen toren vom Bundespräsidenten eingesetzt worden sind. Auch im Staate Rio de Janeiro ist eine solcheInter- vention" vorgenommen worden.

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Die Einführung der neuen brasilianischen Ver­fassung hat in Paris beinahe Bestürzung her» vorgerufen. Ein Teil der Volksfrontpresse ist so hysterisch, zu behaupten, daß Deutschland seine Hand im Spiele gehabt habe.

DerTenips" ist der Ansicht, daß der Staats­streich großes Aufsehen Hervorrufen werde. Jeden­falls bleibe Vargas allein Herr der Lage. Die blu­tigen Ereignisse vom November 1935 hätten zur Genüge bewiesen, daß die brasilianische Regierung die kommunistischen Machenschaften mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen müsse. Von da bis zur Beseitigung einer in Kraft befind- liehen Verfassung durch einen Federstrich und zur Aufzwingung der Diktatur sei eine große Spanne. Diese Spanne scheine Präsident Vargas mit Ent­schlossenheit überschritten zu haben. Das jetzt in Brasilien beginnende Experiment werde be­sonders interessant. Denn mit diesem Versuch trä­ten das korporative System und faschi­stische Methoden in einem der wichtigsten süd- amerikanischen Länder in Erscheinung. Man glaubt in Paris, daß Präsident Vargas den Beschluß einer Verfassungsänderung gefaßt habe, weil es ihm nicht möglich gewesen sei, sich 1938 von neuem als Kandidat für d i e Präsident­schaf t s w a hl,e n aufzustellen. Das neue Regime könne sich nur dann zu einer totalitären Form hin entwickeln, wenn es die rückhaltlose Unterstützung der Jntegralisten (Grünhemden) finde.

WaffenftiUftandsfeiern in London und Paris.

In stillem Gedenken an die Gefallenen des Welt­krieges ruhte Donnerstag in ganz England in der Zeit von 11 Uhr bis 11.02 Uhr der gesamte Verkehr. Hornsignale kündeten die zwei Minuten an, während derer die Menschen auf den Straßen stehen blieben und in allen Betrieben Englands die Arbeit ruhte. Zur selben Zeit fand am Londoner Gesallenen-Ehrenmal, dem Kenotaph, eine Ge­fallenenehrung statt, an der der König in der Uniform eines Feldmarschalls, mit der Königin und den Prinzessinnen des königlichen Hauses teilnahm. Kaum hatten die Schweigeminuten begonnen, als ein Mann die Kette der den Kenotaph umstehenden Ehrenkompanie der Manne durchbrach und Schmäh- rufe auf den König ausstieß. Die Blätter melden, daß die Menge über den Störenfried sehr entrüstet gewesen sei und nach Abschluß der Schweigezeit ge­rufen habe:Tötet ihn, tötet ihn!" Die Polizei konnte den Mann jedoch in ein Hospital bringen, wo feftgefteüt wurde, daß es" sich um einen im Sep­tember aus einem Asyl für Geisteskranke entkom­menen Geistesgestörten handelte

Auch in Paris fand wie alljährlich am 11. No­vember in Anwesenheit des Präsidenten der Re­publik, zahlreicher Vertreter der Regierung und hoher Persönlichkeiten aus Politik und Militär die Feier des Waffenstillstandstages am Grabmal des unbekannten Soldaten statt. Bereits kurz nach 9 Uhr begann am Triumphbogen am Etoile-Platz der Aufmarsch der Verbände, dem gegen 11 Uhr ein Vorbeimarsch der Truppen, der Frontkämpfer und Kriegsverletzten folgte. Wäh­rend des Truppenvorbeimarsches kam es an den Champs Elys^es zu einigen Zwischenfällen. Aus der zahlreich versammelten Menge ertönten Rust wieNieder die zweijährige Dien st' pflicht", die sofort mit RufenEs lebe die Armee" beantwortet wurden. Kurz danach kam es zu einem Handgemenge zwischen Anhängern der Sozialpartei und Mitgliedern der Action Fran- ?aise.

polen feiert seinen Unabhängigkeit«!««.

Warschau, 11. Nov. (DNB.) Zum erstenmal wird der polnische Unabhängigkeitstag am 11. No­vember als offizieller Staatsfeiertag gefeiert. Die Straßen der Hauptstadt find mit den Hoheitszei­chen der polnischen Republik geschmückt. Einen be­sonders festlichen Anblick bietet die historische UjaZ- dowski-Allee, in der der Staatspräsident als Ober­ster Befehlshaber der polnischen Armee und Mar­schall Rydz-Smigly die Parade der polnischen Wehrmachtsformationen abnahmen im Beisein der Regierung, der Generalität und anderer hoher Wür­denträger des Staates und der Kirche sowie her Diplomaten und Militärattaches der fremden Län­der. Gegenüber der letzten großen Parade im Som­mer vor König Carol von Rumänien sind die mo­torisierten Spezialformationen und ferner die Tank- und die Flugabwehr weiter verstärkt worden. Diö

L. _