2S Jahre Lichtspielhaus in Gießen.
den Gefrierfleischexport und die umfangreiche Butter, wirtschaft. Mit großer Freude hörten die Zuhörer von den nach wie vor bestehenden deutschen kultu. retten Einrichtungen, der deutschen Vollschule in Windhuk usw. Der Redner schloß seine Ausführungen mit dem Wunsche, daß England und die Welt einsehen möchten, daß die Forderung nach Kolonien für Deutschland gerecht, vernünftig und weitschauend für Europa und nicht zuletzt für die Welt ist. Lichtbilder ergänzten den Vortrag in schöner Weise.
Ortsvereinsoorsitzender Schneider beschloß den Abend mit Hinweisen auf eine größere koloniale Veranstaltung in der nächsten Zeit.
WHW.-Abzeichen aus der Odenwälder
Elfenbeinschnitzerei.
Lpd. Auch in diesem Jahre ist die Odenwälder Elfenbeinschnitzerei wieder sehr maßgeblich an der Herstellung der schönen Winterhilfsabzeichen betei- ligt. Die Odenwälder Elfenbeinschnitzerei, die ein Saisongeschäft ist, konnte auf diese Weise auch für die Wintermonate, die sonst beschäftigungslos sind, alle Arbeitskräfte in Arbeit halten, ja es müssen sogar, um die Aufträge erfüllen zu können, noch zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. In allen Werkstätten in Erbach und Ober-Ramstadt sitzen die
Dein Opfer für Ooe flilferoech
„Mutter und fiinö*
wird lebendig In bet
Zukunft des deutschen Volkes.
fleißigen Schnitzer und bearbeiten die kleinen zierlichen Rosen, Veilchen, Schneeglöckchen, Stiefmütterchen, Apfelblüte, Vergißmeinnicht und Kleeblatt. Jedes einzelne Abzeichen muß oft in die Hand genommen werden, bis es endlich fertig ist. Insgesamt werden 15 Millionen dieser Abzeichen herge- ftellt. Davon entfallen allein 12 Millionen auf die Odenwälder Elfenbeinschnitzerei. Wenn wir also im Laufe des Winters die schönen geschnitzten Veilchen oder Rosen an den Rockkragen stecken, dann haben wir doppelt geholfen, einmal den notleidenden Volksgenossen, und weiter der Odenwälder Elfenbeinschnitzerei.
Gietzener lvochenmarktprette
* Gießen, 12. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 12%, Klasse A 11%, Klasse B 11, Wirsing, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 8 Mark, Weißkraut, % kg 6 Pf., 50 kg 4 bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 15 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Erbsen 25 bis 35, Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 12 bis 17, Zwiebeln 6 bis7, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25 Mark, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 18 Pf., Ausleseobst 18 bis 25 Pf., 50 kg 10 bis 25 Mark, Falläpfel, % kg 5 bis 6 Pf., Birnen 5 bis 25, Preiselbeeren 35, Zwetschen 15 bis 16, Nüsse 30 bis 40 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40 Pf., Salat 9 bis 12, Endivien 9 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, bas Bündel 8 bis 10 Pf.
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** Di e städtischen Tennisplätze werden am nächsten Freitag geschlossen.
** Schülerkonzert bei Frau Cläre Schlesier-Altmann. Durch ein Versehen wurde leider bei der Besprechung in Nr. 233 des „Gieß. Anz." die lobenswerte Stiftung von Inge (Biester nicht erwähnt, die den 1. Satz von Beet-1
Ein Dierteljahrhundert ist im Leben eines Menschen schon ein bedeutsamer Abschnitt, in der Entwicklung eines wirtschaftlichen Unternehmens aber noch in erheblicherem Maße. Dies trifft auch auf das Lichtspielhaus Bahnhof st raße in Gießen zu. Dieses Unternehmen kann in diesen Tagen auf fein 25jähriges Bestehen zurückblicken.
Wer von den älteren Gießener Einwohnern sich jenes Anfangs des Lichtspielhauses erinnert und ihm den heutigen Stand gegenüberstellt, der wird die Feststellung machen müssen, daß sich in diesem Dierteljahrhundert Lichtspielhaus ein an Ereignissen und persönlichen Leistungen reicher Abschnitt der Gießener Lokalgeschichte offenbart. Die älteren Gießener werden sich noch der kleinen Filmtheater erinnern, die vor 25 Jahren das Interesse am Film zu befriedigen suchten. Wir denken hier an die kleinen und engen Räume der Kinos in der Blockstraße, im Seltersweg und in den ungemütlichen, kalten Räumen des einstigen „Einhorn". Gewiß freute man sich unter den damaligen Verhältnissen über diese Dorführungsstätten des Films, aber ein der Bedeutung der Universitäts- und Garnisonstadt Gießen entsprechendes Heim hatte der Film in jenen Jahren nicht.
Die Wendung zum Besseren bahnte sich im Oktober 1912 an, als in der Bahnhofstraße ein Neubau für das Lichtspielhaus geschaffen wurde, der damals in seiner Art einzig in Hessen-Nassau dastand und mit seinen 400 Sitzplätzen einen außerordentlichen Schritt auf Kino-Neuland bedeutete. Der kühne Wurf war von Erfolg gekrönt. Das neu- geschaffene Lichtspielhaus Bahnhofstraße mit seiner modernen Platzanordnung, u. a. auch Logen und Balkone, bildete die Kino-Sensation nicht nur in Gießen, sondern auch für andere Städte in Hessen und Hessen-Nassau. Der Pionier auf diesem Wege war Herr 21. Henrich, der im Jahre 1911 schon in Frankfurt ein Kinotheater gegründet hatte und dabei feine vielfachen Erfahrungen in der Welt — er war von seinem 17. bis zum 30. Lebensjahre in San Franzisko und in Kapstadt tätig gewesen, hatte auch den Burenkrieg mitgemacht — für fein neues Unternehmen verwerten konnte.
Das neue Lichtspielhaus Bahnhofstraße entwickelte sich in verheißungsvoller Weife. Es brachte an jedem Tage in drei Vorführungen bereits die nach dem damaligen Stande der Filmproduktion guten und bestes Filme, bot gute Unterhaltungsmusik und unterhielt feine Besucher auch durch gelegentliche artistische Vorführungen auf der für diesen Zweck eingerichteten Dorführungsbühne. Durch diese Leistungen war das junge Unternehmen bald zu einer beliebten Unterhaltungsstätte der Gießener und vieler Besucher aus der Umgebung geworden. Der Krieg ging natürlich auch an dem Lichtspielhaus nicht spurlos vorüber. Zwar fanden die Filmdarbietungen und die übrigen Unterhaltungsveranstaltungen bei den in jenen Jahren hier weilenden Soldaten und bei der Bevölkerung starkes Interesse, auch für die Kriegsgefangenen wurden gelegentlich Filmvorführungen mit Heimat- und Landschaftsfilmen geboten, dennoch drückte aber das Leid des Krieges auch diesem Unternehmen seinen Stempel auf.
Die ersten Nachkriegsjahre brachten in dieser Hinsicht ebenfalls wenig Erfreuliches, zumal die Filmproduktion jener Jahre vielerlei Hoffnungen und
Hovens Sonate G-dur, op. 49,2 zum Vortrag brachte. Es fei noch nachträglich ausdrücklich anerkannt, daß sie in gediegenem und flüssigem Spiel gutes musikalisches Verständnis offenbarte und viel ernstes Streben und Sorgfalt erkennen ließ.
** 91. Stiftungsfest d e s Großfchen Männerchors. Am Samstag vereinigte der Großsche Männerchor (gegründet 1846) seine Mitglieder und Freunde zum 91. Stiftungfest in der Restauration „Karlsruhe". Nach einigen Musikstücken und Lieddarbietungen des Chores des fest- gebenden Vereins hielt Sangesbruder A. Neu- r ath die Begrüßungs- und Festansprache. Sanges
berechtigte Ansprüche nicht erfüllte. Durch diese Hemmungen ließen sich Herr Henrich als Besitzer und — im weiteren Verlaufe der Jahre — auch seine Geschäftsführer Ludwig und Karl Hof, seit etwa zehn Jahren sein jetziger Direktor Geyer, nicht beirren in dem anerkennenswerten Bestreben, das Lichtspielhaus Bahnhofstraße zu einer guten Filmbühne zu machen, deren Darbietungen nicht nur die zeitgemäß besten Leistungen, sondern auch in technischer Hinsicht vollendete Vorführungen bringen sollte.
Mit der durchgreifenden Wandlung in der Film- produktion und dem Uebergang zum Großfilm, insbesondere auch zu dem vor etwa zehn Jahren noch verhältnismäßig seltenen, dann aber immer mehr in den Vordergrund tretenden Film von hohen künstlerischen Qualitäten begann für das Lichtspielhaus Bahnhofstraße eine neue Zeit des Aufschwungs. Herr Henrich und seine Mitarbeiter in der Geschäftsleitung paßten sich allen neuzeitlichen technischen Errungenschaften auf dem Filmvorführungsgebiet an, machten sich die Modernisierungen für den Ausbau des Lichtspielhauses zunutze, waren auf eine den Zeitverhältnissen entsprechende gute künstlerische Besetzung der Vorführungsfolgen bedacht und hatten dadurch den Erfolg zu verzeichnen, daß bas Lichtspielhaus in seiner damaligen Gestaltung dem ständig steigenden Besuch nicht mehr genügte und im Jahre 1927 erheblich erweitert werden mußte. Weitere rund 500 Plätze wurden geschaffen, der Kinosaal modern gestaltet und bald auch der Tonfilm eingeführt.
So kam es denn, daß schon nach kurzer Zeit das Lichtspielhaus Bahnhofstraße dank feiner vortrefflichen Leistungen zum alleinigen Lichtspieltheater in Gießen wurde und seine Leitung sich noch stärker als vorher verpflichtet fühlte, stets für eine gute Kinounterhaltung Sorge zu tragen. Es fand denn auch weithin in der Umgegend, ja sogar in den benachbarten Städten, viele Interessenten und treue Freunde, die sich den Besuch dieses modernen Lichtspieltheaters angelegen sein ließen. Die Herren Henrich und Geyer kannten in ihrem Streben nach weiterem Ausbau dieses Unternehmens der Filmbranche keine Rast, sie machten das Lichtspielhaus Bahnhofstraße immer mehr Zum Mittelpunkt der guten Filmvorführungen im Gießener Bezirk, und ihre unermüdliche Tätigkeit konnte denn auch den schönen Erfolg verbuchen, daß das Lichtspielhaus Bahnhofstraße durch die Neuschaffung des Gloria-Palastes im Seltersweg als zweite Gießener Filmstätte im Besitze des Herrn Henrich ergänzt werden mußte.
So kann denn nun das Lichtspielhaus Bahnhofstraße mit feinem Besitzer Henrich und feinem geschäftsführenden Direktor Geyer an der Spitze auf ein erfolgreiches und für die Gießener Lokalgefchichte bedeutsames Vierteljahrhundert des Wirkens auf dem Gebiete des Films zurückblicken. Anläßlich dieses Jubiläums wird vom 18. bis 24. Oktober eine Festwoche im Lichtspielhaus eröffnet, die mit einem Festabend am 18. Oktober ihren Anfang nehmen wird. Oberbürgermeister Ritter als Vertreter der Stadt Gießen und ein Vertreter des Reichs- verbandes der Filmtheaterbesitzer werden aus diesem Anlaß zu den Besuchern sprechen. Dann wird em erlesenes Programm die Stunden des Abends und auch die folgenden Tage festlich gestalten.
bruder Kleinhaus nahm sodann die Ehrung derjenigen Mitglieder vor, die 25 Jahre lang dem Verein aktiv bzw. passiv die Treue hielten. Den Sangern Franz Adam, Adam Neurath, Heinrich W i l h e lm i, Karl Poppen heier, August R ö h m i g und dem passiven Mitglied Karl Dor - seld wurden Diplome überreicht. Im weiteren Verlaufe der Feier wurden vom Chor unter großem Beifall noch einige Lieder zum Vortrag gebracht. Für humoristische Unterhaltung sorgte Sangesdru- der Hederich aus Niedergirmes. In kameradschaftlicher Weise blieb man dann noch geraume Zeit beisammen.
Große Strafkammer Gießen.
Gestern hatte sich der O. M. aus Rupvertsburg wegen Verleitung zum Meineid und falscher Anschuldigung vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Gegen den Ängstigten war im Jahre 1936 ein Verfahren wegen Sittlichkeitsverbrechens anhängig. Die Anklage wurde damals in dieser Form fallen gelassen und nur noch auf den Tatbestand der Verführung beschränkt. Da dieses Delikt nur auf Antrag verfolgt werden kann, drehte es sich nunmehr um die Frage, ob die Antragsfrist von drei Monaten gewahrt war, oder nicht. Die Einlassung des Angeklagten ging damals dahin, daß die Mutter des Mädchens von dem Verhältnis schon im Jahre 1934 erfahren habe, so daß die Antraas- frist verstrichen sei. Demgegenüber beschwor die Mutter, daß'sie erst kurz vor dem Termin von diesen Dingen Kenntnis erhalten habe. Diese Aussaga hatte die Verurteilung des Angeklagten zur Folge. Darauf erstattete dieser gegen die Mutter Strafanzeige wegen Meineids und suchte gleichzeittg eine andere Zeugin in einem Briefe zu veranlassen, eine für ihn günstige Aussage zu machen, die er jedoch als dem wahren Sachverhalt entsprechend ansah. Diese Handlungen bildeten den Gegenstand des gestrigen Verfahrens. Die Beweisaufnahme gestaltete sich recht schwierig, da eine Reche von Zeugen ein recht merkwürdiges Benehmen an den Tag legte. Sa behauptete ein Zeuge, infolge einer Nervenkrankheit nichts mehr zu wissen, während ein anderer fein Gedächtnis verlor haben will. Trotzdem hielt der Vertreter der Anklagebehörde den Angeklagten für überführt und beantragte eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 2 Monaten. Demgegenüber vertrat das Gericht die Auffassung, daß die Hauptv-erhandlung trotz gewisser Verdachtsmomente den völligen Nachweis der Schuld nicht habe erbringen können und sprach den Angeklagten frei.
Aus der engeren Heimat.
Oer neue Kreiskeiter
für den Kreis Alsfeld-Lauterbach.
NSG. In der Turnhalle zu Lauterbach hat- ten sich am Sonntag die Politischen Leiter, sowie Abordnungen aller Gliederungen, Ehrengäste der Wehrmacht, des Arbeitsdienstes und der Behörden der Kreise Alsfeld und Lauterbach eingefunden, um der Vereinigung der beiden Kreise zu dem Groß- kreis Alsfeld-Lauterbach durch den Stellvertretenden (Bauleiter Linder beizuwohnen. Der Stellvertretende (Bauleiter ging in feiner Ansprache auf die Notwendigkeit der Zusammenlegung der Kreise ein und dankte dem Kreisleiter Kirchner, Alsfeld, für feine aufopfernde Tätigkeit. Anschließend verabschiedete sich Parteigenosse Kirchner als Kreisleiter. Kreisleiter Z ü r tz übernahm mit den Worten „Ich bin als Soldat gewohnt, jeden Befehl auszuführen, so auch den des (Bauleiters, den Großkreis als Kreisleiter zu übernehmen". Er versprach, daß er, sowie alle Gliederungen ihre Pflicht tun würden im Sinne Adolf Hitlers, um mitzuhelfen am Ausbau des Vaterlandes.
Auftakt zum Grünberger Gal usmarkt.
+ Grünberg, 10. Okt. Auch dieses Jahr fand als Einleitung zum Gallusmarkt ein gut besuchter Heimatabend in der Turnhalle statt. Begrüßungsworte des ersten Beigeordneten Alba ch und Geleitworte des Ortswartes für ,^Kraft durch Freude", Spenglermeister Schröder, leiteten den Abend ein, der unter dem Leitgedanken „Unser Stadtwald" stand. Er brachte zwei Licht- bildervorttäge, wovon der erste von Forstmeister S u ß n e r einen Einblick in die Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung unseres Waldes vermittelte, während der zweite von Reallehrer Müller- A h l h e i m an der Hand von Aufnahmen die schönsten Partien im Stadtwalde vor Augen führte. In Form einer Rundfunkreportage braute bann Lehramts-Assessor Dr. Trapp mit Förster Ritter und der Holzhauerrotte Frank ein getreues Bild
MWWMGU!
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz:
Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.
39 Fort'etzung (Nachdruck verboten.)
„Ich komme wieder", sagte Stefan. „Wenn ich eine Maske tragen würde, könnte ich gewichtig sagen: bas Schicksal läßt heute bie Würfel rollen, 3um Spiel um bich unb mich. Aber für einen Menschen ohne Maske klingt bas zu geschraubt. Darum sage ich nur: überlege bir inzwischen, ob es wirklich richtig ist, biete Stunde ungenützt vor- übergehen zu lassen. Bedenke, daß sie nicht wieder- kommt, wenn sie einmal vorbei ist."
Eine knappe Verbeugung, bann war er Der« schwunben.
Annelore spürte eine jähe Schwäche in den Knien. Eine ungenützte Stunde ...! Eine Stunde des Spiels, morgen wieder vergessen ober boch verwelkt wie ein Strauß blasser Rosen ... Ach, Stefan ...!
Suse und Vollrath kamen zurück. Nichts verriet, daß sie von Stefans Anwesenheit in ber Nische wußten. Auch Annelore erwähnte nichts bavon, Scham und schmerzliche Enttäuschung verschlossen ihr den Mund. Suse plauderte lebhaft, aber Annelore gab nur halbe Antworten unb erbat sich ein Glas Sekt. Vollrath tanzte den nächsten Tanz mit wr, unb sie hatte Mühe, ein unbekanntes Schwindelgefühl zu überwinden.
Und dann kam ber gefürchtete Augenblick. (Befürchtet und boch herbeigesehnt, weil er volle Klarheit unb Entscheibung bringen mußte.
Entscheibung? Sie war schon gefallen — der Stefan v. Achenbach, ber nur eine flüchtige Stunde suchte, war in weite Fernen entrückt ...
Suse unb Vollrath waren wieder zum Tanz auf- gestanden. Wenige Augenblicke daraus trat Stefan rmefcer in die Nische. Langsam erhob sich Annelore. Schweigend standen sie einen Augenblick gegenüber. Zwei Herzen schlugen — drängend das eine, schmerzhaft brennend das andere.
„Hat sich die Rokododame besonnen?" begann Stefan.
„Es gibt kein Besinnen. Ich denke nicht daran, die Stunde zu nützen, die Ihnen gefällt."
Stefan trat einen Schritt näher. Ein fremdes Licht war in feinen Augen. Fremd klang auch seine Stimme.
„Nimm die Maske ab unb sage mir bas noch1 einmal, Auge in Auge, Mensch zu Mensch, — wenn I du es kannü " |
Vor Annelores Augen wogte alles. Das — nein, das würde sie nicht können...! Trotz allem nicht! Das ging über ihre Kraft!
Ihre Stimme klang wie splitterndes Glas:
„Es wäre überflüssig. Was ich Ihnen sagte, muß Ihnen auch so genügen."
. „Es genügt mir nicht. Ich will wissen, ob mir diese Stunde gehört. Sie könnte ein Anfang fein..."
Unwirklich war das zauberhafte Licht in der Grotte. Wie aus weiter Feme klang bas selig- füße Schluchzen der (Beigen herein. Und hier, einen knappen Schritt von der schönen Maske entfernt, stand Stefan von Achenbach. Aber das war nicht der Stefan, dessen Bild man im Herzen getragen batte. Das war nicht einmal mehr ber Kamerab. Es war ein frember, gleichgültiger Mann, ben es Zum Spiel mit einer Maske lockte, die ihm aus irgendeinem Grunbe gefiel.
„Ich will keinen Anfang", entgegnete Annelore mit halb erstickter Stimme. „Diese Stunbe gehört Ihnen nicht, wie Ihnen auch bie Rokokodame nicht gehören wird."
Noch einen halben Schritt weiter trat Stefan Zu ihr heran. Seine Augen suchten forschend unb brängenb in ben ihren.
„Äch bitte nochmals: nimm die Maske ab und sage mir das ins Gesicht. Dann erst will ich glauben, daß ich umsonst gehofft habe."
Wieder war Annelore versucht, die Maske herabzureißen und ihn sehen zu lassen, wer sich dahinter verbarg. Aber sie war nicht fähig, ein Glied zu rühren.
„Die Zeit vergeht", drängte Stefan. „Noch sind wir allein. Niemand sieht uns, nicht einmal ein Stern."
„Nein, nicht einmal ein Stern. Nehmen Sie das als Symbol. Uns beiden leuchtet fein Stern, Herr von Achenbach."
$„Sie^fennen mich also — und trotzdem sagen
„Ich kenne den Frauenhasser Stefan von Achenbach. Und ich sehe ihn beute zu meinem Erstaunen in einem neuen Licht."
„Weil Sie nicht wissen, was in ihm vorgeht."
„Es ist besser, es nicht zu wissen. Aber vielleicht weiß ich es nur zu gut ..."
„Unb trotzbem —?"
„Nicht trotzbem, fonbern gerabe deshalb ...!"
Stefans Blick schien zurückzusinken. Er wurde plötzlich blaß. Hart und schmal lagen seine Lippen ( einen Augenblick aufeinander. Dann trat er stumm Zurück. Ohne Annelore noch einen Blick zu schenken, verließ er die Nische.
2Us Suse und Vollrath vom Tanz zurücktamen,
sanden sie Annelore ohne Maske vor. Ihre Augen glühten feberhaft. Zwei kreisrunde Flecke hoben sich von ihrem Gesicht ab.
.. „Äa — was ist denn das...?" forschte Suse überrascht. „Schon vorzeitig demaskiert?"
Annelore lächelte hilflos.
„Die Maske hat ihren Zweck erfüllt. Ich brauche sie nicht mehr. Es ist nun alles klar. Es ist mir nun auch klar geworden, daß die Menschen ohne Maske im Grunde boch auch eine Maske tragen Eine unsichtbare zwar, aber einmal sieht man boch dahinter. Unb bas ist geschehen. Ich habe Gelegenheit gehabt, hinter eine solche unsichtbare Maske zu sehen. Es wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht selber eine Maske getragen hätte. Unb darum werbe ich mir biefe entzückenbe schwarze Setbenmasfe für alle Zeiten aufheben. Als Erinnerung. Ober besser: als Mahnung unb Warnung. 2ßenn ich es auch nicht mehr nötig haben werbe, mich mahnen und warnen zu lassen."
Mit unsicheren Händen löste auch Suse bie Maske von ihrem Gesicht.
„Ader, Annelore, was ist benn nur mit dir? Was hat es benn gegeben? Stefan war doch wieder hier —?"
„Dein Vetter war wieder hier, ja ..."
„Nun, und?"
Annelore sah mit wirrem Mick an ihr vorüber.
„Unb? Ich sagte ja schon ... bie Maskerade ist vorbei. Das ist alles. Aber es ist fein Grund, euch das Vergnügen zu verderben. Seid luftig. Die Stunde kommt nicht wieder, wie ich horte. Es wird so sein."
Mit einer eigenartig ‘ flatternden Bewegung wandte sie sich zu Vollrath um.
„Geben Sie mir ein Glas Sekt, schwarzer Domino! Aber nehmen Sie die Maske ab, unb sagen Sie mir ins Gesicht, baß bie Stunde schön genug ist, um ein Herz zerspringen zu lassen."
Suse war ganz verstört. Aber sie brana nicht roeiter in Annelore. Sie wußte, baß ihre Stunde noch kommen würde.
14.
Witterung war plötzlich Umschlägen. Re- gengupe stürzten auf bie spärlichen Schneereste herab und verwandelten sie in schmutziges (Brau. Dom Sturm zerfetzte Nebelschleier hingen über dem Walde und ließen das alte Schloß noch düsterer erscheinen. Am zweiten Tage zerteilten sich die Wolken, für kurze Zeit wagte sich die Sonne hervor. Gegen Abend jagten wieder kalte Regenschauer um das Schloß. Es roch nach Moder unb feuchtem Rauch. Trüb b’ nften bie Lichter durch die sturmgepeitschte Feuchte.
Auch bie Stimmung tuf Schloß Achenbach war fühlbar umgeschlagen. Stefan war hart unb verschlossen wie in ben letzten Jahren. Er hatte das Fest sofort verlassen, ohne auch Suse noch einmal zu sprechen. Lange noch war er in jener Nacht auf- gewesen unb hatte sich Rechenschaft über fein Tun unb feine aussichtslosen Hoffnungen abgelegt unb die Rechnung abgeschlossen. Es war nicht die erste Rechnung, bie er auf diese Weise abzuschließen hatte, aber sie war schwerer als die erste.
Zu denken gab es dabei nicht viel, die Sache war ja klar genug. Annelore hatte ihn mit vollem Bewußtsein und mit voller Absicht in nicht mißzuver- stehender Weise abgewiesen. Der Grund dafür konnte nur der fein, daß ihr Herz nicht mehr frei war ober baß sie nichts für ihn empfand. Beides kam auf dasselbe heraus. Die Tatsache an sich war ihr nicht übel zu nehmen. Sie war so wenig für ihre Empfindungen verantwortlich zu machen, wie man für fein eigenes Herz verantwortlich war. Aber daß sie nicht bie schützende Maske abgenom- men unb ihm Auge in Auge gesagt hatte: Es tut mir leib, aber ich empfinbe nichts für Sie! War man eine Aussprache von Mensch zu Mensch nicht wert? Ober hatte sie bas bem „Chef" nicht sagen wollen, weil sie für ihre Stellung fürchtete?
Er hatte sich oorgenommen, ihr am nächsten Morgen zu sagen: ich habe gewußt, daß Sie die Ro- kokodame waren. Und ich verlange als Mensch, der Anspruch darauf hat, jetzt in aller Form von Ihnen zu hären, daß Sie meine Werbung nicht annehmen können. Aber er hatte es doch unterlassen. Es war zwecklos, das Thema noch einmal anzuschneiden. Und es wäre auch gegen fein Ehrgefühl gegangen.
Auch Annelore war erst beim Morgengrauen in einen kurzen, unruhigen Schlaf gesunken, von quälenden Traumbildern immer wieder aufgeschreckt. Mit Bangen hatte sie der ersten Begegnung ent- gegengesehen. Beruhigend war nur der Gedanke, daß Stefan ja nicht wissen konnte, wer fein Verlangen nach einer spielerischen Stunde zurückgewie- sen hatte.
Aber war es benn wirklich richtig gewesen, ihn adzuweisen? Hätte man nicht boch auf bas Spiel emgehen sollen? Vollraths waren ja mit ba, unb Uebergriffe hätte Stefan sich ohnehin nicht erlaubt. Sei ber Demaskierung hätte man bann ja lächelnd jagen können: Ein kleiner Irrtum, Herr von Achenbach! Wie Sie sehen, ist die Rokokodame Ihre Assistentin! Er würde sich wahrscheinlich schnell gefaßt und gesagt haben: Das habe ich natürlich ge- wußt, Fräulein Hildach. Es war eben ein Scherz, ein Maskenscherz. Unb es war boch sehr nett, nicht wahr?
Fortjetzung folgt


