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Nr.238 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Vien5tag?2. Oktober 193Z

Aus der Stadl Gießen.

Letzte Sonnentage.

Es ist ein Abschiednehmen ringsumher. Das Strauchwerk in den Borgärten wird durchsichtiger, das satte Grün der Grasnarben in den Anlagen hat einer fahleren Farbe weichen müssen, und von den Laubbäumen rieselt Blatt für Blatt zur Erde. In den Nächten kommt die Kühle herbei, und oft genug verdichten sich die Nebelschwaden am frühen Morgen zu Wolken, die schwer und bleiern den Tag verhüllen. Ungemütlich ist es an solchen Tagen, die voller Eintönigkeit sind und Gedanken wachrufen, die jenen Krähen gleichen, welche am Rande der Stadt mit düsterem Geschrei von einem Baum- wivfel zum andern flattern.

Aber dann behauptet mit einem Male die Sonne wieder das Feld. Am zeitigen Morgen zerteilt sie die Nebelschleier mit feurigen Blitzen, so daß sie in rosigem Schein erglühen und schließlich ganz ver­schwinden. Und nun zeigt der Himmel ein lichtes Blau, das mit zunehmendem Tage an Leuchtkraft gewinnt und in den Mittagsstunden so strahlend er­scheint, daß es fast südlichen Charakter gewinnt. Sie sind verführerisch schön, diese letzten Sonnentage, und es ist, als wollten sie zu guter Letzt noch ein­mal alles an Schönheit und Farbe verschwenden, was ihnen zu Gebote steht, ehe die dunklen Tage endgültig ihr Regiment führen und mit allem auf­räumen, was an sommerliche Daseinslust erinnert.

In diesen letzten Sommertagen bekommt die Stadt noch einmal ein frohes, nahezu festliches Aussehen. Der Glanz der Helligkeit liegt auf allen Straßen. Der Bummel in den Straßen reizt wie­der mit einem Male, und so man die Nachmittags­stunden zu einem Spaziergange nutzen kann, tut man es gern und freudig. Weshalb es in den An­lagen so belebt ist wie sonst nur an schönen Früh­lingstagen, wenn der Lenz seine ersten Grüße schickt.

Mit dem Frühling hat der Herbst überhaupt mancherlei Verwandtes. Es sind gleichgeartete Jah­reszeiten, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Doch gerade darin liegt der Unterschied, und wenn der Frühling ein Schrittmacher des Optimismus ist, so hält es der eHrbst mit der Wehmut und der melancholischen Einkehr. An den letzten schönen Sonnentagen jauchzt noch einmal die Lebensfreude in voller Lust, und deshalb sind sie uns zum Ab­schied willkommen als gesegnete Himmelsgabe, die wir dankbar genießen. Sch.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22.15 UhrIm Rebeloch ru­morts". Gloria-Palast, Seltersweg:Walpurgis­nacht". Lichtspielhaus:Der Scheidungsgrund".

Stadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Infolge anhaltender Erkrankungen im Personal findet heute Abend die Aufführung des Lustspiels Im Reb^sch rumorts" von Vomhof statt, das bei seiner Erstaufführung am Erntedankfest einen gro­ßen Erfolg errang. Die Spielleitung führt Dr. Erich Schumacher. Die Vorstellung findet als dritte Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.

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ASG.Kraft durch Zreude", Kreis Gießen.

Theatervorstellung

Große KdF.-Miete" Gruppe I, 2. Vorstellung.

Samstag, den 16. Oktober, 20 Uhr: Die Dorothee", Operette. Preise 1,20 und 1, R2N.

Karten durch die Vetriebswarte und Kreisdienskstelle, Schanzenstraße 18. 6656D

Oer Maler und Graphiker Melchior Lechter 1*.

In dem Dörfchen Raron im schweizerischen Kan­ton Wallis, wo Rainer Maria Rilke seine letzte Ruhestätte gefunden hat, ist der Maler, Graphiker und Buchkünstler Melchior L e ch t e r wenige Tage nach der Vollendung seines 72. Lebensjahres g e - st o r b e n. Gebürtiger Westfale (er kam am 2. Ok­tober 1865 in Münster zur Welt), hat Lechter gewiß der alten Kirchenbaukunst seiner engeren Heimat frühe, die Richtung und Haltung seiner schöpfe­rischen Persönlichkeit mitbestimmende Eindrücke zu verdanken: hier liegen wohl die tiefsten Wur­zeln einer Kunst, die bewußt zu den deutschen Gotikern zurückkehrte, von hier aus eine erneuernde Entwicklung zeitgenössischen Schaffens erhoffte und jedenfalls für seine Person und in dem ihm ge­mäßen Stil auch durchsetzte. Wir wissen nur vom Hörensagen von jener für Lechters Werdeaang be­deutungsvollen Ausstellung seines Werkes bei Gur- litt in Berlin im Jahre 1896, aber wir können uns auch heute noch vorstellen, wie sie auf den Beschauer gewirkt haben muß in einer Zeit, als Impressio­nismus und Naturalismus nach neuen Wegen, For­men und Zielen suchten.

Lechters Kunst war dem sehr entgegengesetzt, eine strengem Maß unterworfene, reine, wirklich- kcitsserne Welt des Traumes und der Phantasie, ihrem innersten Wesen nach nicht dazu angetan, Sensation zu machen oder auch nur volkstümlich zu werden. Neben dem deutschen Mittelalter sind spä­ter auch andere geistige Strömungen in Lechters Kunstübung wirksam geworden: der Katholizismus seiner westfälischen Heimat, die Kunst der Naza­rener und auch der Buddhismus sind nicht ohne Einfluß auf seine Entwicklung geblieben. Bei alle­dem war er als Persönlichkeit stark, eigenwillig und ausdrucksmächtig genug, einen ganz eigenen und ohne Manier nicht nachzuempfindenden Stil heraus­zubilden. Dieser Stil begegnet uns auf allen Ge­mälden, Glasmalereien, zeichnerischen und graphi­schen Arbeiten Lechters. Von seinen Hauptwerken seien genannt die Glasgemälde in der Simeonskirche in Berlin, im Pallenberg-Saal des Kunstgewerbe- Museums in Köln und im Landesmuseum seiner Heimatstadt Münster: ferner die großen Tafelbilder Der heilige See",Schattenland",Orpheus",Der Garten der Ehe",Die Weihe am mystischen Quell" undPanis Angelorum". Was an diesen Gemäl­den, besonders den Glasmalereien von allem Stofflichen, Figürlichen und persönlichen Stilcharak-

Die Einführung -es neuen Kreisleiters.

Alle Volksgenossen sind zu der Feier in der Volkshalle eingeladen.

Am nächsten Freitag, 15. Oktober, um 19 Uhr, wird in der Dolkshalle zu Gießen die Feier der Verabschiedung des bisherigen Kreisleiters Dr. Hildebrandt und der Einführung des neuen Kreisleiters Backhaus stattfinden. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger wird persönlich die Verabschiedung bzw. die Diensteinführung vorneh- men. Zu der Feier werden neben den Ehrengästen von der Wehrmacht, den Behörden usw. alle Par­teigenossen und Volksgenossen erwartet, die sämtlich herzlich eingeladen sind.

Eine Ehrenformation her Politischen Leiter mit den Fahnen, die von den vier Gießener Ortsgrup­pen gestellt wird, marschiert gegen 18 Uhr in Stärke von etwa 60 Mann vom Hause der Kreisleitung in der Lonystraße zur Volkshalle. Die Kreiskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Schleuse stellt die Marschmusik. Der Marsch geht durch die Bleich­straße, Hindenburgwall, Seltersweg, Sonnen- straße, Neuen Bäue, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Kaiserallee zur Dolkshalle.

Die Feierstunde beginnt um 19 Uhr mit dem Einmarsch der Fahnen und dem Eintreffen

des Gauleiters, der zunächst vor der Volkshalle die Front der Ehrenformationen abschreiten wird.

Um 19.05 Uhr wird der seitherige Kreisleiter Dr. Hildebrandt die Feier eröffnen.

Um 19.15 Uhr wird Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger zu der Versammlung sprechen, dabei den seitherigen Kreisleiter Dr. Hildebrandt aus seiner bisherigen Dienststellung im Kreis Wet­terau verabschieden und den neuen Kreisleiter B a ckhaus in fein Amt als Kreisleiter des Krei­ses Wetterau einführen.

Kreisleiter Backhaus wird das Schlußwort sprechen und den Gruß an den Führer ausbringen. Mit dem Deutschlandlied, dem Horst-Wessel-Lieb, dem Ausmarsch der Fahnen und des Gauleiters und der Ehrengäste wird die Feierstunde ihren Abschluß finden.

Die festlich geschmückte Volkshalle wird gut ge­heizt, so daß allen Besuchern der Aufenthalt bei dieser denkwürdigen Feier angenehm sein wird. Die Ansprachen werden durch Lautsprecher über­tragen. Die musikalische Umrahmung der Anspra­chen erfolgt durch die Kreiskapelle unter Leitung von Kapellmeister Schleuse.

NSV., Ortsgruppe Gießen-Ost.

Befr.: Whw.-Pfundspenden.

Die Sammlung wird Mittwoch, 13., und Donners­tag, 14. d. M., von der NS.-Frauenschaft durchge­führt. Diejenigen Volksgenossen, die sich im Laufe des Sommers nicht an dem Lebensmittel-Opferring beteiligt haben, werden gebeten, sich nicht auszu- schließen, da die Pfundspende restlos dem WHW. zugeführt wird. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben.

Befr.: whW.Anfräge.

Bedürftige Volksgenossen, die seither noch keinen WHW.-Antrag auf WHW.-Unterstützung gestellt haben, werden gebeten, während der Dienststunden, die täglich von 15 bis 18 Uhr festgelegt sind, auf unserer Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, vorzusprechen. Unterlagen, die Auskunft über die wirtschaftliche Lage geben, sind vorzulegen.

BOM- u.ZM.-ilntergau 116, Gießen.

Diensfbesehf.

Am Donnerstag, 14. Oktober, veranstaltet der Volksbund für das Deutschtum im Ausland um 20.15 Uhr in her Aula her Universität eine Kunh- gebung, bei her Bundesrehner hes VhA. Alfred Rieger! aus Graz überDas Dritte Reich und das Auslanddeutschtum" sprechen wird.

Alle M.- und IM.-Gruppen des Standortes Gie­ßen können diesen Abend besuchen. Für hie Führe­rinnen ist der Besuch dieser Veranstaltung beson­ders empfohlen.

Zur Einführung des neuen Kreisleiters am 15. Oktober treten, wie schon einmal durchgegeben, alle M.- und JM.-Gruppen, Schar- und Schafts­führerinnen und her Gruppen 17, 18, 19/116, außerdem die Gruppenführerinnen her Lanbstanb- orte um 18.30 Uhr an her Volkshalle pünktlich an.

Bett.: Fahrt nach Düsseldorf.

Die JM.-Führerinnen, hie an her Fahrt nach Düsseldorf teilnehmen, treten am Donnerstag, 14. Oktober, um 10 Uhr pünktlich am Bahnhof an. Mitgliedsausweise nicht vergessen!

Befr.: HI.-Theaferring.

Am Donnerstag, 14. Oktober, können zwischen 15 und 17 Uhr durch die Gruppenführerinnen die Mitgliedsausweise desHJ.-Theaterrings" und hie Karten für die 1. Vorstellung am 18. Oktober auf her Dienststelle abgeholt werben.

Volle Namensnennung bei Fahrerflucht!

DNB. Der Reichsführer SS. und Ches her deut­schen Polizei hat angeorbnet, baß die Polizeibehör­den von nun an auch her Tagespresse den vollen Dor- und Zunamen, sowie die Wohnung der Kraft­fahrzeugführer anzugeben haben, die sich nach einem Unfall der Fahrerflucht schuldig gemacht haben und deswegen rechtskräftig gerichtlich bestraft find. Ausgenommen bleiben lediglich Fälle, bei denen besonders gelagerte Umstände eine Ausnahme notwendig machen.

Oie erste Zusammenkunst der Zugend­gruppen des Kreises Welterau.

Zu einer Gründungsfeier hatte die Leiterin her Jugendgruppen unseres Kreises, Fräulein S ch we n g - b e r, die Leiterinnen der Ortsfrauenschasten und die neuernannten Führerinnen der Jugendgruppen eingeladen. Es fand sich imBurghof" eine statt­liche Zahl ein, außerdem waren die Mitglieber der Gießener Jugenbgruppen zahlreich gekommen unb boten in ihrer frischen Jugenb, in ben weißen, kleidsamen Blusen ein hübsches Bild.

Nach einem einleitenden Spruch und Chorgesang der Gießener Mädel sprach Fräulein S ch w e n g - her in längeren Ausführungen über den Zweck und das Ziel her Jugendgruppen, die den Nach­wuchs der Frauenschaft zusammenfassen wollen. Sie betonte die Erziehungsarbeit, die hier geleistet werden muß, indem in unserer weiblichen Jugend, die bis jetzt noch abseits stand, die Verantwortung zur Mitarbeit geweckt werden soll. In gegenseitiger Kameradschaft verbunden, wird die Jugendgruppe die Helferinnen her Frauenschaft entlasten unb in die Pflichtabende burch Gesang unb Volkstanz Freube unb Frohsinn bringen. Gemeinsame Wan- berungen sollen Abwechslung unb Entspannung in bas anftrengenbe Berufsleben fo mancher Karne- rabin tragen, wobei ihnen bie Vergünstigungen in ben Jugendherbergen zugute kommen. Aber das Mitglied der Jugendgruppe übernimmt auch Pflichten. So erklärte Fräulein Schwengber die Aufgaben, bie ben Teilnehmerinnen gestellt finb. Ein Samariterkurs beim Roten Kreuz muß ge­leistet werben, unb bie Beteiligung an der Mütter­schulung in Haushalt, Säuglingspflege unb Heim­gestaltung ist notwendig. Durch die Arbeit in einem kinderreichen Haushalt, beim Bauern ober Sieb­ter ober als Helferin bei her NSV. erwirbt sich bann bas Mitglieb her Jugenbgruppe ben Beweis

ter abgesehen auf ben ersten Blick besticht, ist die ungemeine Leuchtkraft der Farben, bie in her Tat an jene mittelalterlichen Vorbilder erinnert, von denen Lechters Entwicklung ihren Ausgang nahm. Die Themen feiner Bilder kann man roman­tisch nennen, unwirklich, phantastisch ober weltabge­wandt: das wird vom Auge und geistigen Stand­ort des Bettachters abhängen; aus jeden Fall finb sie der Ausdruck eines strengen und ganz persön­lichen Stils, der sich seine eigenen Gesetze und seine eigene Vorstellungswelt schuf; Kompositionen, Fi­guren unb Landschaften eines Mannes, dem es nicht ha rauf ankam, Schule zu machen oder in die Breite zu wirken: eine sehr in sich ruhende Kunstübung, bei unausWeichlicher und kompromißloser Befolgung einmal erkannter Gesetze über Stil und Maß der Malerei; eine esoterische Haltung, die um der Kunst willen am Werke war.

Eine solche Haltung war hie innere Voraussetzung für die entscheidende Begegnung in Lechters Leben. Schon unter ben ©tubienblättern zurWeihe am mystischen Quell" (1900) begegnet die Zeichnung mit ben verklärten und ganz entrückten Zügen Stefan Georges. In ihm fand Lechter die seinen eigenen künstterischen Tendenzen entsprechende, ins Groß­artige gehobene, mit gleicher Feierlichkeit, Aus­schließlichkeit und Gesetzessttenge sich äußernde dich­terische Form und Haltung. George seinerseits, dessenTeppich des Lebens"Dem erlauchten Na­men" des Malers zugeeignet ist, fand in Lechter vielleicht den einzigen, der feinem dichterischen Werke auch äußerlich in der Schrift, im Buchschmuck, in der Ausgestaltung des Einbandes die Form zu geben vermochte, dessen es bedurfte. In dieser, auf inneren Gemeinsamkeiten beruhenden Werkverbin­dung mag man am ehesten etwas von der sonst vermißten Wirkung über den aller engsten Kreis hinaus in Lechters Schaffen auf spüren, soweit von dergleichen im Zusammenhang mit Georges Dichtung überhaupt die Rede sein kann. Wer aber jemals auch nur ein einziges Buch Georges in Händen gehalten hat, dem muß dessen völlig ein­malige äußere Gestalt, her Einband, die Druckschrift, die Satzanordnung, die rahmende Ornamentik un­vergeßlich und zeitlebens unverwechselbar sein. Das geht, wie wir glauben möchten, so weit, daß man sich ein Gedicht Georges nicht einmal vorstellen kann, ohne zugleich bas ihm zugehörige, charakte­ristische Schriftbilb Lechters vor Augen zu haben, das aus der persönlichen Handschrift des Dichters, wie mir sie aus seinen frühesten Gedichtbänden kennen, entwickelt zu sein scheint. Daß diese Schrift, wie überhaupt die ganze äußere Form von Georges Büchern, keineswegs geeignet ist, den ohnehin nicht

bequemen Zugang zu feinen dichterischen Bezirken zu erleichtern, entspricht vollkommen der esoterischen Haltung, ben künstlerischen Grunbanschauungen Ge­orges und des um ihn versammelt gewesenen Krei­ses. Wie sehr George in Lechters Stil den seiner Kunstweise gemäßen Ausdruck erkannte, mag man aus den Worten seines GedichtesAn Melchior Lechter" ablesen, dessen Seelehoch überm träum- land regiert und her weit jahr um jahr neue wun­der gebiert!" hth.

Gloria-Palast:Walpurgisnacht".

Dies ist ein schwedischer Film der Märkischen- Panorama-Schneider in deutscher Sprache, der sich in Form einer Spielhandlung mit dem Problem der kinderlosen Ehe befaßt unb für uns aus mehre­ren Grünben aufschlußreich ist: zunächst um des- willen, weil wir hier die verhältnismäßig seltene Gelegenheit haben, eine auslänbische Produktion als solche auf uns wirken zu lassen unb mit unse­rer eigenen zu vergleichen, was immer lehrreich ist. Ferner, weil man sehen kann, wie anberroärts ein Problem zur Diskussion gestellt wirb, das bei uns gar kein Problem mehr ist unb jebenfalls auf an- bere Weise gelöst wirb. Die Tendenz gegen Kinderlosigkeit in der Ehe, gegen bie Trägheit des Herzens, gegen Geburtenoerweigerung und Unter­brechung der Schwangerschaft ist an sich be­grüßenswert, aber es ist eine Tendenz, mit der man heute bei uns offene Türen einrennt. Inter­essant ist, wie die Schweden Oscar Rydquist schrieb bas Drehbuch bas Thema auffassen unb filmisch anlegen: als eine Mischung nämlich aus Diskussionsstück unb Aufklärungsfilm, aus Gesell- fd)aftsbrama, Liebesgeschichte unb Kriminalfall. Der hitzige Meinungsstreit in her Rebaktion eines Boule- varbblattes bildet bie Vorbereitung für eine Spiel- hanblung, in welcher bargefteüt wirb, wie eine Ehe burch bie Weigerung her oberflächlichen unb ver­gnügungssüchtigen Frau, Kinber zu bekommen, in eine katastrophale Zerrüttung gestürzt wirb. Der Zusammenbruch scheint so enbgültig unb bie Ver­strickung her baüon Betroffenen fo hoffnungslos, baß man fast nicht mehr auf einen guten Ausgang zu hoffen wagt, wie ihn her Film bann mit der Bereinigung der Liebenden in einer kindergesegne­ten Ehe am Ende doch noch zeigt. Die Tendenz ist im ganzen Ablauf des Geschehens zweifellos wirksam, allerdings kann man sich des Eindrucks nicht recht erwehren, daß die negativen Seiten des Falles (Konzession an den Beschauer, der auch hier eine dramatisch spannende Handlung erwartet?) über­betont finb, während das, was pofttiv zu der Frage

Träger des silbernen GA- Gporiabzeichens!

Mit Wirkung vom 1. Oktober 1937 ist das wei­tere Tragen des silbernen SA.-Sportabzeichens ver­boten!

Unter Vorlage des Besitzzeugnisses unb bes F-Schemes können auf her Dienststelle her Stan- ha rte 116, Gießen, Senckerbergsttaße 1, täglich von 10 bis 13 Uhr, Umtauschanträge auf broncene SA.-Sportabzeichen gestellt werben. Letz­ter Termin 15. Oktober 1937.

Angehörige her SA., SS., NSKK., HI., Wehr­macht unb Polizei reichen ihre silbernen SA.-Spart- abzeichen bei ihrer vorgesetzten Dienststelle ein.

Der Führer her Stanbarte 116: Gez.: Lutter, Stanbartenführer.

ihrer Einsatzbereitschaft: bas Leistungsbuch bes beutfchen Frauenwerks.

Eine lebhafte Aussprache brachte Klärung über manche Frage. Fräulein Schwengber schloß die Tagung mit einem Aufruf an bie Frauen, mit frischen Kräften an biese neue Arbeit zu gehen, aufklärend unb roerbenb, bamit alle erfaßt und ge­wonnen werden zur freudigen Mitarbeit. F. K.

Sondcrzüge zum Gallusmarkt in Grünberg.

Arn morgigen Mittwoch, 13. Oktober, fährt ein Sonderzug von Gießen nach Grünberg ab Gießen

9.20 Uhr, Rödgen 9.29, Großen-Buseck 9.35, Reis- kirchen 9.42, Saasen 9.48, Göbelnrod 9.53, an Grün­berg 9.58 Uhr.

Außerdem verkehrt am gleichen Tage noch ein Svnderzug von Burg-Gemünden nach Grünberg, ab Burg-Gemünden 10.45, an Grünberg 11.12 Uhr.

Vortragsabend

über Oeutsch-Güdwestafrika.

Der Ortsoerein Gießen des Reichskolonialbundes veranstaltete am Samstag imBurghof" einen Vortragsabend. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Der Leiter des Ortsvereins, Schneider, dem die Fortschritte des Kolonialgedankens in unserer Stadt insbesondere zu danken sind, hieß die Mitglieder und Gäste aus befreundeten Organi­sationen herzlich willkommen.

Dann sprach Student Blümers aus Lüderitz- bucht überDeutsch-Südwestafrika". Er schilderte das Leben der deutschen Farmer, die dort Pionier­arbeit für ihr Volk leisten, führte die Größe des Landes vor Augen und sprach über das Klima, das, von Malariagefahr abgesehen, gesund sei. Der Redner verstand es ferner, die karge Schönheit der Steppe und des vorgelagerten Dünenlandes, die reiche Vegetation und die vielfälttge Fauna zu schildern. Er gab dann einen geschichtlichen Ueber- blick und umriß die Entwicklung des Landes ins­besondere seit der Zeit, da im Jahre 1882 her Bremer Kaufmann Lüderitz ansässig wurde. Er er­innerte an bie heroischen Kämpfe her kleinen beut- schen Schutztruppe gegen bie englische Uebermacht während des Weltkriegs, den Uebergang bes Lan­des in englische Mandatsherrschaft, dann an die Treue der Schwarzen, die die Erinnerungen an die Deutschen herzlich bewahren. Schließlich gab der Vortragende noch einen Ueberblick über die wirt­schaftliche Bedeutung Deutsch-Südwestafrikas, er­innerte an den Diamantenabbau, die Persianerzucht,

beigebracht werden konnte, im Vergleich dazu ein wenig nebenbei behandelt wurde. Im übrigen ist natürlich auch ein Aufklärungsfilm kein Zeitungs­artikel ober eine bevölkerungspolitische Broschüre: man kann also billigerweise nicht verlangen, baß anbere, mit biesem Fragenkreis eng zusammen- hängenbe Probleme anbers einbezogen wurden als eben mit einem Hinweis darauf im einleitenden Gespräch. Bemerkenswert für ben beutfchen Be­trachter ist enblich auch her Spielftil her schwedi­schen Darsteller; wir wissen nicht, wann dieser Film gedreht wurde, aber er wirkt darstellerisch auf uns, als ob der Tonfilm dort drüben eine noch jüngere Erfindung wäre als bei uns. Die Darstel­ler agieren unb sprechen mit einem Pathos, das uns altmodisch vorkommt und jedenfalls die Schlag­kraft ihrer Argumente nicht verstärkt. Es mag fein, daß die Schauspieler den Sprechstil des Theaters auf den Film übertragen; wir würden dergleichen viel fachlicher und viel weniger theatralisch vor­bringen. Allerdings muß man gerechterweise die unvermeidliche Umwandlung durch die Synchroni­sierung berücksichtigen, bie den ursprünglichen Ein­druck nur vermuten läßt. Die Spielleitung hatte Gustav E d g r e n. Von den Darstellern interessieren in erster Linie die geschickt kontrastierten weiblichen Gegentypen: Ingrid Bergmann, das jugendlich frische, saubere unb charaktervolle Mädchen, unb (Tarin Carlson, bas oberflächliche, reizbare unb unsympathische Luxusgeschöpf. Lars Hansen unb Viktor Sjöftröm finb bie männlichen Gegen­spieler.

*

Dom Beiprogramm ist außer zwei Kulturfilmen vor allem her ausführliche Bilbbericht her Ufa vom Besuch Mussolinis in Essen, bei ben Manövern in Mecklenburg unb endlich in der Reichshauptstadt hervorzuheben. Die vollständige Wiedergabe der Reden der beiden Staatsmänner während der Völkerkundgebung in Berlin bildet ben Höhepunkt der äußerst eindrucksvollen Reportage.

Hans Thyriot.

Hochschulnacbncbken.

Dr. Heinz Otto Burger, Dozent für deutsche Philosophie an der Universität Tübingen, rouibe mit her Vertretung her Professur für beutsche Sprache unb Literatur an her Technischen Hochschule Danzig beauftragt.

Dem Bezirksgeologen Professor Dr. Walter Schriet ist unter Ernennung zum Drbinarius her Lehrstuhl für Geologie an her Universität Göttin« gen übertragen worben«