des Geständnis abgelegt hat, versuchte bei der Vernehmung vor Gericht mit den ausgeklügelten juristischen Schlüssen seine Angaben zu beschränken und seine Untaten als ein „erzieherisches System" hinzustellen. Er wollte dem Gericht einreden, daß er Die Schülerinnen nur berührt habe, weil er sie entweder zu einer geraden Haltung zwingen wollte oder sie vor Magenerkrankungen (!) bewahren wollte.
Dem Angeklagten werden sodann die einzelnen Fälle vorgehalten, und er gibt dabei die Vorgänge der ihm zur Last gelegten Verbrechen im wesentlichen zu, will aoer im juristischen Sinne nach wie vor keine strafbaren Absichten gehabt haben. Eine der Zeuginnen, die früher von dem Angeklagten belästigt wurde, erklärte, daß sie sich oft mit ihren Schulkameradinnen über das befremdliche Benehmen des Angeschuldiaten unterhalten habe. „Wir hatten uns gedacht", so sagt sie, „daß der Pfarrer so etwas nicht tun dürfe. Wir hatten das Gefühl, daß der Pfarrer scharf auf uns Mädchen sei." — In der gleichen Richtung bewegen sich auch die Aussagen der übrigen Zeuginnnen.
Der Angeklagte wird wegen Sittlichkeitsverbrechens in 24 Fällen, zusammen in Tateinheit mit Verbrechen nach § 176 III zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Don der Anklage wegen Sittlichkeitsverbrechens in 16 Fällen sowie der Anklage wegen Untreue und Unterschlagung wird der Angeklagte frei- gejprochen. Aus der Urteilsbegründung ergibt sich, daß das Gericht die unsittlichen Handlungen des Angeklagten in 24 Fällen als erwiesen angesehen hat. Unzüchtig ist eine Handlung dann, wenn sie das Volksbewußtsein verletzt. Eine Zuchthausstrafe war nicht am Platze, weil der Angeklagte bei seinem Tun nicht sehr weit gegangen
ist und auch die Mädchen die Handlungen nicht so aufgefaßt haben, daß Gefahr für ihre Zukunft bestand. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft uno hat schwer unter der Pflicht der Enthaltsamkeit gelitten. Auch wird ihm ein gutes Zeugnis der Führung seines Amtes ausgestellt. Aus diesen Gründen sind 'hm mildernde Umstände zugebilligt worden. Der Urteilsspruch erweist die korrekte Sachlichkeit, mit der deutsche Gerichte entscheiden und entkräftet aufs
Hetze gewisser Kreise, die bei den Verfahren gegen katholische Geistliche von „ungerechter Verfolgung" zu sprechen wagen.
polizeilicheSchließungdesSt.Vinzenz- Krankenhauses in Duisburg.
Duisburg, 11. Mai. (DNB.) Der Polizeipräsident teilt mit: Infolge einer grundsätzlichen Stellungnahme der Leitung des St.-Vinzenz-Kranken- hauses, die eine sachgemäße, den medizinischen Notwendigkeiten entsprechende Behandlung aller Krankheitsfälle nicht gewährleistet, und die in einem besonderen Fall nach ärztlichem Urteil zur Hauptursache für den Tod einer Duis- burger Volksgenossin geworden ist, habe ich mich veranlaßt gesehn, die sofortige Schließung des Krankenhauses anzuordnen. Im Interesse der Allgemeinheit kann eine weitere Behandlung von Kranken im St.-Vinzenz-Krankenhaus nicht mehr zugelassen werden. Für die anderweitige krankenhausmäßige Betreuung der zur Zeit im St.- Vinzenz-Krankenhaus untergebrachten Kranken ist Sorge getragen. Die Umlegung erfolgt unter ärztlicher Aufsicht. Auf Schwerkranke und Transportunfähige wird jede Rücksicht genommen. Sie können an Ort und Stelle verbleiben.
Die Partei Träger einer neuen Staatsanssaffnng.
NSG. Gauleiter Sprenger besuchte die auf der Gauschulungsburg Hessen-Nassau in Kronberg versammelten Teilnehmer eines Lehrganges und sprach zu ihnen über den „Staatsaufbau im Dritten Reich". Ausgehend von der Sehnsucht des deutschen Volkes nach der Einigung feiner Stämme, der von jeher ein richtiger Begriff vom Staat zugrunde lag, erklärte der Gauleiter diese Bestrebungen aus den Bedingungen des Blutes. Die ersten Versuche auf diesem Wege wurden anhand geschichtlicher Beispiele eingehend behandelt, und auch in den Werken deutscher Geistesgrößen, wie Schiller, Wagner und Luther wurde auf den politischen Willen hingewiesen, welcher immer wieder die Erkenntnis der Einheit des deutschen Volkes vermitteln sollte. Wohl kam in der Mitte des vorigen Jahrhunderts zugleich mit dem politischen^Wirksamwer- den des Liberalismus der Gedanke eines Großdeutschland auf, und dennoch sollte er sterben, da der Hintergrund seiner Lebendigkeit der Parlarnen- tarismus war, der noch stets zum Grab der Völker wurde.
Am 9. November 1918 feierte dieses Staatssystem seinen Triumph. Steil abwärts ging es dann von Versailles zur internationalen Geldaristokratie, von den Parlamenten -zur Verelendung unseres ganzen Volkes. In dieser Zeit des völligen Zerfalles ließ bann der Gauleiter vor den gespannt folgenden Zuhörern die Tat des Fürers erstehen, der es nicht bei Versuchen zur Einigung des Volkes bewenden ließ, sondern zu Taten schritt. Er lebte ein Beispiel und bildete eine Gefolgschaft, die zum Staat im Staate wurde. Nicht nur zum Schöpfer einer neuen geistigen Weltanschauung, sondern auch zugleich zu ihrem gigantischsten Organisator sollte er werden. Sein Erfolg wurde die NSDAP. Sie lebte bereits in der Kampfzeit nach eigenen Gesetzen, in dem Bewußtsein, einmal zu siegen und Au führen. Mit der Machtübernahme aber bewies sie, daß sie nicht gewillt war, mit Bajonetten, wohl aber mit dem Vertrauen des deutschen Volkes die Führung der Geschicke der deutschen Nation zu übernehmen. Der Führer machte damit das Vertrauen zur Grundlage allen Handelns. Jeder widernatürliche Zwang lag ihm fern, und das, was praktisch in den Reihen der NSDAP, erprobt wurde, lieferte dann die Grundlage für die Gesetze des Staates und machte damit eine Verfassung überflüssig. Von der Partei also nimmt die Dolksfüh- rung ihren Ausgang. Sie allein hat die Aufgabe, die Gemeinschaft zu praktischen Nationalsozialisten au machen. Dabei erlange jeder die Führungsmöglichkeit, wenn er qualitative Eignung dafür besitze. Als zweite Säule des Staates schuf der Führer dann die Wehrmacht, der die Aufgabe der Per- teidigung unserer Arbeit und unseres Lebensraumes obliege. Der dritte Faktor ist dann die Verwaltung, deren Aufgabengebiet es ist, die bereits vorhandenen geistigen und materiellen Güter zu hüten und zu entwickeln
Daran anschließend entwickelte der Gauleiter die gesetzlichen Maßnahmen, die nach der. Machtübernahme durch den Nationalsozialismus zur Ausrichtung und Willensbildung des deutschen Volkes nach den Forderungen des Führers durchgeführt wurden. Die stete Erfüllung des Parteiprogramms bewies er daran und ließ an der Größe der Forderungen seine einzelnen Punkte erkennen, daß es niemals ein Zeitprogramm sein könne, sondern eine ewigeAufgabe darstelle Die Partei wurde damit nicht nur als der bewährte Kämpfer für die nationalsozialistische Weltanschauung, sondern auch der berufene Träger einer neuen Staats- au ffaffung herausgestellt. „Wenn es je eine wahre Religion der Tat auf Erden gegeben hat, dann ist es der Nationalsozialismus!" führte der Gauleiter aus, „niemals werden wir es den Geistlichen verwehren, für das Jenseits zu sorgen. Für das Diesseits aber sorgen wir. Und wir stehen nicht an, darauf hinzuweisen, daß doch selbst jene politisierenden Geistlichen unser Diesseits sorgend
für sich in Anspruch nehmen, indem sie eben demselben nationalsozialistischen Staat, den sie angreifen, ihre wirtschaftliche Basis verdanken. Unter dem begeisterten Beifall der Versammelten schloß der Gauleiter mit dem mahnenden Hinweis auf die Erfüllung des Programms und in verpflichtenden knappen Worten „Das fei euere Aufgabe!"
Die deutschen Werkstoffe.
Eine Ausstellung des Handwerks.
Berlin, 11. Mai. (DNB.) Im Hause des Deutschen Handwerks wurde die Ausstellung „Deutscher Werkstoff im Handwerk" von dem Chef des Amtes für Roh- und Werkstoffe, Oberst Löb, eröffnet. Oberst Löb erklärte, die verstärkte Nachfrage nach Eisen, die gegenwärtig zu einer gewissen Verknappung geführt habe, werde durch eine Erweiterung der Hüttenkapa- z i t ä t und durch Förderung innerdeutscher Erze in absehbarer Zeit mühelos gedeckt werden können. Bei den Nichteisenmetallen sei die Lage günstiger; für Blei, Zinn und Kupfer stünden deutsche W e r k st o f f e in ausreichendem Maße zur Verfügung, wobei dem Leichtmetall eine besondere Bedeutung zukomme. Die Beschaffung der erforderlichen Austauschstoffe bereite bei dem heutigen Stand der Chemie keine Schwierigkeiten. Was die Holzversorgung angehe, so werde es möglich sein, die Einfuhr überflüssig zu machen, allerdings müsse das deutsche Volk von der unwirtschaftlichsten Verwendung des Holzes, dem Verbrennen, allmählich abkommen und hierfür Torf und Kohle heranziehen. Die notwendige Einschränkung des Pavierverbrauches werde sich ebenfalls ermöglichen lassen. Bei der Textilversorgung seien Ansätze zur hundertprozentigen Eigendeckung vorhanden. Die Ersetzung des natürlichen Kautschuks durch Buna dürfe insofern als ein technischer Fortschritt bezeichnet werden, als der künstliche Kautschuk in seiner Zusammensetzung den einzelnen Verwendungszwecken besser angepaßt werden könne. Hinsichtlich der K r a f t'st o f f v e r s o r - g u n g werde Deutschland innerhalb der vom Führer festgesetzten Frist in Bezug auf Leichtkraftstoffe vom Ausland unabhängig sein. Darüber hinaus werde auch die Einfuhr von schweren Kraftstoffen überflüssig werden. Alle diese Maßnahmen würden eine entscheidende Erleichterung der deutschen Devisenlage zur Folge haben und damit einen für ein großes Volk unwürdigen Zustand beseitigen, den wir infolge der langen Gewöhnung beinahe überhaupt nicht mehr empfunden hätten. Der Vierjahresplan besitze deshalb neben seiner wirtschaftlichen Seite noch wichtigere ethische Aufgaben, an deren Erfüllung das deutsche Handwerk maßgeblichen Anteil habe.
Friihlinasfest der rhein-niainischen presse in Wiesbaden.
Am 29. Mai, 20 Uhr, findet im Wiesbadener Kurhaus das Frühlingsfest der rhein-mai- nifchen Presse statt. Die Berufsorganisationen der Verleger und Schriftleiter des Rhein-Maingebiets find die Veranstalter. Zum An- und Abtransport der Gäste stehen Omnibusse dauernd zur Verfügung. Preis für Hin- und Rückfahrt nur eine Mark. Wiederum wird es eine imponierende Tombola mit einem Auto als Hauptgewinn geben. Wieder erhält jeder Besucher einen entzückenden Almanach, und wieder wird das Kurhaus im Schmuck festlicher Frühlingsblumen prangen. Es werden aufspielen: Städtisches Kurorchester, Kapelle Hauck, Tanzkapelle Bastian, Schrammel-Kapelle Nicolay, Tanzkapelle Chrhard, Tanzkapelle des Kurhauses Wiesbaden. Erste Künstler aus dem Rhein-Maingebiet wirken mit.
Schaf und Schäfer im deutschen Volkstum.
Bon Werner Lenz.
V. A Ein altes Sprichwort sagt: „Das Schaf hat einen goldenen Fuß" und meint damit die vielseitige Verwendung aller Einzelteile des Schafes. Schon vor Jahrtausenden war es in Germanien wichtiges Fleischtier, vorherrschend aber Wolle- spender und Milchgeber. Aus der Milch wurde außerdem Butter gemacht, denn Schafmilch ist sehr fettreich, vor allem aber der sehr gesunde, wohlschmeckende Schafkäse, der auch heute noch von den ertragreichen ostfriesischen Schafen im Marschenlande gewonnen wird. Leder und Horn bilden einen Grundstock für einheimische Gewerbe; und der Schafmist ist ein wichtiger Kraftdünger. So gilt denn für alle einheimischen Schafrassen der Bauern- spruch: „Ein Schaf ist besser als ein Seide n w u r m." Die schwäbischen Bastardschafe nehmen es übrigens mit der Seide fast an Feinheit des Fadens auf. Sie sind Kreuzungen mit spanischen Merinoböcken. Diese führte erstmals der Alte Fritz ein. Anno 1748 setzte er fünf Merinos auf feinen Domänen an. Er hatte sie zu Zuchtversuchen aus Spanien kommen lassen. Bald aber witterten die Spanier, daß hier ein Wettbewerb getrieben werden sollte und verboten die Ausfuhr von Merinos bei Androhung der Todesstrafe! So wichtig war ihnen der Alleinbesitz der wertvollen Zuchttiere.
Die kulturelle Bedeutung der Schafe hat natürlich reichen Ausdruck im volkstümlichen Wortschätze gefunden. Man svricht von einem reichen Manne, der „warm in der Wolle sitze"; und man sagt von einem anderen, daß er „sein Schäfchen im Trocknen habe", das bedeutet, sein Haus und Hof seien gut bestellt, denn Schafe gedeihen schlecht in feuchten, vernachlässigten Ställen oder in sumpfigen Hürden*; wohl aber sind diese anspruchslosen Tiere sehr ertragswillig, wenn man sie im Trockenen hält. Daß die Scbaw besonders empfindlich nach der Schur sind, ist selbstverständlich, deshalb mahnt eine alte Bauernregel: „Die geschorenen Schafe soll der Schäfer im Hemd austreiben", also wenn es tüchtig warm ist. Voraussetzung für das Gedeihen der Herde ist ein guter Hirte, der auf die Tiere wohl achtet. Der Wolf ist ja in Deutschland nicht mehr heimisch; damit entfällt eine wichtige und gefährliche Aufgabe des Schäfers, die sich heute noch in manchem Spruche widerspiegelt, so wenn man vom „Wolfe im Schafstalle" redet oder wenn man sagt: „Das Schaf ist verloren, das sich Rat beim Wolfe holt." Aber es kann auch anderweit Schaden nehmen, und es trifft schon zu, wenn man meint: „Ein Schaf kann wohl feinem Feinde Wolf entrinnen, aber nicht seinem Freunde Mensch." Nun — dafür züchtet ja der Mensch auch diese Tiere. Und er sorgt für sein Geschöpf; jeder rechte Schäfer empfindet die Wahrheit dieses Worte: „Das Schaf ist nicht wegen des Schäfers, sondern der Schäfer ist fürs Schaf da." Ein tüchtiger Schäfer weiß auch, daß die Herde gut zusammenbleiben muß, denn „ein Schaf, das in den Dornen weidet, verliert seinen Pelz" und „wer die Schafe nicht füttert, dem tragen sie keine Wolle", und „wo keine Wolle ist, da ist bös scheren."
Es ist ein poetisches Bild des Landlebens, wenn mir einen Schäfer beobachten können, wie er mitten auf einer weiten Weide auf feinen Stab gelehnt und von feinen Hunden umkreist, bei der emsig rupfenden Herde steht und entweder aus Schafwolle Strümpfe strickt oder „über Gott und die Welt nachdenkt." Wirklich tut dies unser Schäfer ausgiebig, und wir haben seiner Naturbeobachtung vielerlei zu danken; ein großer Schatz volkstümlichen Wissens in Heilkunde und Lebensweisheit entstammt den scharfen Beobachtungen und grübelnden Ueberlegungen unserer Schäfer. Wir dürfen ohne Uebertreibung behaupten, daß unsere germanischen Altvordern den größten Teil ihrer medizi -
* Das „Schäfchen" ist übrigens eine nachträgliche, volkstümliche Bedeutungsumbildung: es war nach dem ursprünglichen Sinn der Redensart das Schiffchen, niederdeutsch schepken, das einer ins Trockene, auf dem Strande in Sicherheit bringt.
ntfcfjen Hausmittel dem Schäfer verdanken, der beim Weidegange durch feine Tiere und deren Verhalten auf allerlei Pflanzen aufmerksam gemacht wurde. Denn heute ließ vielleicht ein Schaf, dem der treue Hirt ohnehin schon Unbehagen angemerkt hatte, eine Pflanze stehen, die es sonst nicht verschmäht hätte, oder morgen bemerkt er vielleicht, daß der genesende Patient zwar noch das Gras meidet, wohl aber jenes Kräutlein eifrig sucht und begierig rupft. Da pflückte sich dann unser Schäfer selbst einige B^tttiein dieses Gewächses, taute sie, fand einen aromatisch-bitteren Geschmack und nahm eine Hand voll Blätter heim, um bei irgendwelcher Unpäßlichkeit selbst einen Versuch damit zu machen.
So dürfte die Schafgarbe entdeckt fein, woraus man noch heute in der Volksheilkunde einen Tee bereitet gegen Krankheiten der Luftwege. Auch der Hirtenjunge träufelte den ausgequetschten Saft der Schafgarbe auf offene Wunden, und in Oesterreich kennt man die weißblühende Staude als „Bauchwehkräutel". Auf gleiche Weife dürfte der Schäfer dazu gekommen fein, sich mit der kühlenden und heilenden Wirkung des Wegerichs bekannt zu machen, die bei Hautentzündungen so gute Dienste leistet. Liebstöckel, Kamille und Sauerampfer — deren herbste Art man Schafampfer nennt — sind auf solche Beobachtungen hin in die Kräutertruhe der Bäuerin gekommen. Gleichfalls hatte der Schafhirt auch unerwünscht oft Gelegenheit, chirurgisch bei feinen Tieren einzugreifen, etwa ein gebrochenes Bein zu schienen oder den bösen Urheber der schlimmen Drehkrankheit, die Made der Schafbremse, operativ zu entfernen.
Alte Schädelfunde haben uns verraten, daß man bereits in Zeiten, als erst Feuersteingeräte anstatt metallischer Messer zur Verfügung standen, Stirn- schalen von Schafen angeschabt oder gar angebohrt hat, um den quälenden Schädling zu entfernen. Hieraus lernte der Mensch schon im Steinzeitalter, auch beim menschlichen Kranken, Deffnungen S's Gehirnes, sogenannte „Trepanationen", auszu ren, und zwar mit Hilfe von Feuersteinsägen, ein Verfahren, das wir bewundern müssen.
Ein uralter tierärztlicher Kunstgriff bestand kn der Entmannung des jungen Widders mit Hilfe eines Steinhammers; hieraus hat sich für das geschlechtslose Jungtier, für den Schöps, der Name „Hammel" entwickelt, denn „hamar" — ein althochdeutsches Wort — bedeutet eigentlich „Stein" ober „Steinhammer". Alle diese Kenntnisse haben dem Schäfer den Nimbus einer geheimnisvollen Persönlichkeit gegeben, die „mehr kann, als Brot essen." Dazu kam, daß er sich oft um die gefallenen Schafe kümmern mußte, sie auf den Schindanger brachte oder vergrub, wie sonst der „Abdecker". Er mag wohl auch öfter mit feinen „Geheimkünsten" — gleich wie der Scharfrichter — ein Geschäft gemacht haben. So kam dann die ehedem hochgeachtete Tätigkeit in Verruf; das Gewerbe wurde „unehrlich". Erst Kaiser Leopold gab — wie Gustav Freytag erzählt, um 1700 den Schäfern ein „Privilegium, worin er sie und ihre Knechte für ehrlich erklärte und die deutsche Nation ermahnte, das Vorurteil gegen diese nützliche Menschenklasse aufzugeben und ihre Kinder nicht mehr wegen Abdeckerei und Zauberei vom Handwerke auszuschließen. Wenige Jahre darauf schenkte er ihnen einen gnädigen Wappenbrief, gab ihnen die Rechte einer Zunft mit Siegel, Lade und einer Fahne."
Die humoristische Dichtung hat sich den Schäfer — wie so manchen Sonderling und Einsamkeitsmenschen — nicht entgehen lassen. Gottfried August Bürger führt uns in feiner Ballade „Der Kaiser und sein Abt" den liebenswürdig gescheiten Schäfer Hans Bendix vor Augen. Fritz Reuter hingegen greift sich einen mit geistigen Glücksgütern nicht gesegneten Schäferjungen heraus, der aber fein Abenteuer noch leidlich besteht und mit dem Tröste verabschiedet wird- ,.Ut'n Schäper und Avteiker bot kann allens warben "
Eine politische Komödie.
Der sowjetrussische Außenkommisfar Litwinow- Finkelstein hat sich auf feiner Reise nach London kurze Zeit in Paris aufgehalten und mit seinem französischen Kollegen D e l b o s unterhalten. An Gesprächsstoff hat es natürlich nicht gemangelt, ziehen doch die Regierungen der beiden nicht nur politisch, sondern auch militärisch aneinandergeketteten Länder westlich und östlich von uns am gleichen Strang. Man hat es nun für zweckmäßig gehalten, so zu tun, als zöge man den Schleier des Geheimnisses fort und gestatte der Öffentlichkeit einen Einblick in das zwischen beiden Ministern geführte Gespräch. Der Pariser Zeitung „Information" ist der Auftrag erteilt worden, die „Enthüllung" vorzunehmen, allerdings mit einem unverkennbaren Zweck. Litwinow habe, so heißt es in diesem Blatt, von seinem Kollegen gefordert, er möge bas französisch - sowjetrussische Abkommen durch einen Militärvertrag ergänzen, was den Außenminister Frankreichs wiederum veranlaßt habe, abwehrend beide Hände zu erheben und dieses Ansinnen unter Betonung des friedlichen Charakters der französisch-sowjetrussischen Zusammenarbeit abzulehnen. Franzosen und Sowjetrussen, stets bestrebt, jegliche militärische Vereinbarung zwischen sich zu leugnen, bedienen sich also einer Pariser Zeitung, um als Entlastungs- zeugen in eigener Sache aufzutreten. Sie führen eine kleine politische Komödie auf, in der sie die Rollen von Unschuldsengeln übernommen haben. Sie meinen, mit diesem Trick alle Welt davon überzeugt zu haben, daß zwischen Frankreich
und Rußland nicht die mindesten militärischen Verabredungen getroffen sind, obwohl jeder weiß, daß der Russenpakt nichts weiter als d i e Maske für das Militär abkommen zwischen Paris und Moskau ist, bas sich an Den Vorkriegsvertrag an- schließt und in seiner Tenbenz ebenso wie in seinem Ziel eindeutig gegen Deutschlanb gerichtet ist. Uns imponiert jedenfalls bas Stückchen mit der „Ausweitung" des Sowjetpaktes nach der militärischen Seite hin nicht, weil diese Ausweitung längst zu den politischen Tatbeständen Europas gehört.
Aus aller Wett.
Die wunderbare Reifung des kabinenjungen vom LZ. „Hindenburg".
Unter vielen wunderbaren Errettungen beim Absturz des „Hindenburg" verdient die des zwölfjährigen Kabinenjungen Werner Franz besondere Erwähnung. Er war aus dem brennenden Luftschiff gesprungen, als dieses auf dem Boden aufschlug. Vom Rauch bewußtlos geworden und rings von Flammen umgeben, schien er verloren zu sein. Da platzte über ihm ein riesiger Wasserbehälter, und die Wassermassen überschütteten den Jungen. Dadurch wurde er sofort ins Bewußtsein zurückgebracht und vor dem sicheren Verbrennungstode bewahrt, zumal die Flammen in feinte un, mittelbaren Umgebung vorübergehend gelöscht worden waren, und Franz konnte ohne die geringste Verletzung die Unglücksstätte verlassen.


