Einzelbild herunterladen

Aus der Vrovinzialhaupistadi.

Oie Liebe geht durch die Feldküche.

Schon als junges Mädchen hatte ich sehr viel Sympathie für den Soldaten. Richtiger gesagt: nicht nuL für den, also für einen Soldaten, sondern für alle miteinander. In allen Ehren selbstverständ­lich. Es gibt ja auch Männer, die eine ausgesprochene Soldaten l i e b e besitzen. Heute, wo auf meinem Lebenswege die Jahreszahl 37 auftaucht, ist meine Sympathie für die Soldaten noch größer. Ja, ich muß sogar sagen: ich liebe alle unsere Feld­grauen! Das klingt zwar etwas stark, ist aber doch wahr! Denn seitdem wir in Gießen wieder richtig viel Soldaten haben, ist unser Städtchen erst wieder in Ordnung. Vor ein paar Jahren hatten wir hier ja auch schon Soldaten, aber das waren leider nicht allzu viele. Nun haben wir wieder 116er, dazu sogar noch 9er-Artilleristen. Das ist fein. Und dadurch allein schon ist meine Sympathie für die Soldaten viel größer als früher. Seit dem vorigen Dienstag bin ich aber geradezu von Soldatenliebe erfüllt. Das ist für eine Frau und Mutter von fünf Kindern allerlei. Aber auch hier wieder in allen Ehren! Diese Soldatenliebe ist ganz einfach zu erklären: die alte Sympathie wurde zur lodernden Flamme der. Liebe, als ich im Gießener Anzeiger vom Dienstag gelesen hatte, daß die Soldaten am nächsten Sonntag auch meine Befreier sein wollen!

Befreier? Nun ja: Befreier vom Küchenherd? Manche Frauen, deren Männer ein gut gespicktes Portemonnaie besitzen, haben SonntagsFerien vom andern Ich", d. h. vom Küchenherd. Mein Mann hat ein solches Portemonnaie leider nicht. Und daher muß ich auch an jedem Sonntag Küchen­fee sein. Schon am Montan früh beginnt ja meine Küchentour. Da muß für den Mann und für die Kinder der Kaffee gekocht werden, und es sind die Frühstücksbrote fertigzumachen. Nach einigem Rackern in der Wohnung beginnt wieder meinTanz" in der Küche. Wieviel Touren dabei zutanzen" sind, kann jede Hausfrau selber ermessen. Nachmittags der gleicheDreh". Zum Abend wird die Küchenoper in allen Spielarten noch einmal aufgeführt. So geht's Tag für Tag, manchmal auch noch verspätet nach der Nachtessenzeit, jahraus, jahrein bis zum Samstagabend. Und selbst am lieben Sonntag, ja auch an den hohen Festtagen, muß ich von Kops bis Fuß auf Küche eingestellt sein! Bei aller Frauen- und Mutterliebe gewiß etwas reichlich viel. Be­greiflich daher meine Sehnsucht, auch einmal wenig­stens an einem Sonntag abgelöst zu werden. Diese Ablösung bringen mir jetzt die Soldaten, meine Befreier. Am nächsten Sonntag erlösen sie mich von meinemanderen Ich" in der Küche.

Es muß wohl viele Frauen in meiner Lage in Gießen geben. Denn daß die Soldaten mit elf Feldküchen ihre Befreiertätigkeit vom Sonntag­mittagkochen ausüben wollen, läßt doch den Schluß auf einen großenNotstand" bei vielen Haus­frauen zu. Mir sind meine Soldaten bei diesem Be­freiungswerk von ganzem Herzen willkommen. Ein kräftiger Schlag wird bei den Feldküchensoldaten geholt. Meine beiden Aeltesten werden sich mit großen Töpfen bewaffnen. Und ich werde diesmal nicht in der Küche racksen, sondern im Sonntags­kleid an der FeldkücheZahlmeister" spielen. Mein Aeltester, der Bub. und seine Nachfolgerin, das Mädel, kennen die Fetdküchenschläge ja schon von der HI. und vom BDM. Und meinem Mann, einem alten Soldaten ist die Gulaschkanone auch ohne Gulasch eine sehr angenehme Erinnerung an feine Soldatenzeit. Er hat jetzt erst wieder beim Artilleristentreffen in Gießen fröhliches Wieder­sehen mit ihr gefeiert. Drei Schläge Erbsen mit Speck hat er sich aus ihrem großen Kessel geholt. Und ganz vortrefflich hat es ihm geschmeckt. Er behauptet sogar, das Essen war besser gewesen, als aus meinem Kochtopf. Ob's wahr ist, weiß ich nicht. Aber am nächsten Sonntag werde ich die Probe aufs Exempel machen. Gemüsesuppe mit Rindfleisch und Kartoffeln will uns die Feldküche bringen. Mein Mann und die beiden ältesten Kinder freuen

Das Mädchen mit dem Gilberhaar.

Roman von Anny von panhuys.

26. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sie sah, wie in die schönen grauen Augen ein erschrockener Ausdruck trat, und lächelte in sich hinein. Es gab eine Verbindung zwischen ihrem zukünftigen Mann und der blonden Frau, das schien ihr jetzt ganz gewiß!

Franziska wandte sich an den Grafen.

Verzeihen Sie meine Ungeschicklichkeit, die ich sehr bedaure."

Der Graf unterbrach sie.Aber ich bitte Sie, gnädige Frau, das kleine Mißgeschick gar nicht zu erwähnen. Glas ist rasch zu ersetzen."

Mabel Jnoson reichte das Bild Berthold Radix.

Möchten Sie sich vielleicht auch einmal den Adoptivsohn des Herrn Grafen ansehen, Herr Direktor?"

Er nahm die Photographie entgegen, stellte fest, daß es derselbe Herr war, den er neulich vor dem Hotel gesehen. Er betrachtete das Gesicht interessier­ter. Es schien ihm plötzlich längst bekannt. Er grübelte. An wen erinnerte es ihn nur?

Ihm war es, als verändere sich mit einem Male das Zimmer, und er befände sich wieder in der Frankfurter Weinstube mit den vielen Künstler­bildern. Eins war darunter von einem berühmten Geiger. Da ging ihm plötzlich ein Licht auf. Fran­ziska hatte auf dem Bild in der Weinstube den Fremden von dem Maskenball wiedererkannt, und wenn er sich den Spitzbart wegdachte, blieb die Photographie des Geigers übrig. Er verstand, wes­halb Franziska das Bild aus der Hand gefallen war, und er wußte auch mit einem Male, wes­halb Günther, den man hier Francois nannte, plötzlich leidend geworden. Ihm war nur daran gelegen, sich nicht vor Franziska blicken zu lassen.

Er sagte, das Bild auf ein Tischchen legend: Mr möchten jetzt aufbrechen, Herr Graf. Sie sind gewiß Ihres Kranken wegen etwas besorgt."

Mabel Jonson hatte Berchold Radix genau be­obachtet, aber sie konnte ihm nicht anmerken, ob auch er Günther kannte. Anscheinend nicht. Aber die blonde Frau kannte ihn dafür um so besser, davon war sie überzeugt.

Mabel Jonson meinte:Vielleicht können wir zusammen ins Continental fahren, Monsieur Radix. Ich fühle mich auch mübe.

So brachte denn das Auto Berthold Radix und die zwei Damen ins Hotel Continental. Unterwegs sprach man wenig; alle drei hingen ihren eigenen

Oie Goldaien-Kel-küchen liefern das Mittagessen.

Oie Gießener Bevölkerung empfängt am nächsten (Sonntag ihr Mittagessen aus elf Feld­küchen der Wehrmacht.-Oie Ausgabezeiten genau beachten!

Zu dem gemeinsamen Eintopfessen der Gießener Bevölkerung mit unseren Soldaten am nächsten Sonntagmittag, bei dem es eine kräftige Gemüsesuppe mit Rindfleisch und Kar­toffeln zum Preise von 55 Pf. pro Person gibt, stellen die Gießener Truppenteile elf Feldkü­chen für die Effenausgabe bereit. Die Hausfrauen müssen die nachstehend bekanntgegebenen Ausgabe­stellen und -zeiten genau beachten, damit sie die Mittagsmahlzeit für ihre Familien rechtzeitig in Empfang nehmen können und die Fahrt der Feld­küchen durch die Straßen keine Verzögerung er­leidet.

Drei Stand-Feldküchen

werden vor dem Club, dem Cafe Leib und dem Studentenhaus auffahren und dort das Mittagessen ausgeben. Diejenigen Volksgenossen, die an diesen Feldküchen ihren Schlag holen, müssen Löffel mit­bringen. Jede dieser Feldküchen ist mit 300 Tel­lern ausgerüstet. Die Räume des Klubs, des Cafe Leib und des Studentenheims sind den Volksgenof- fen zur Einnahme der Mahlzeit zur Verfügung ge­stellt. Die Feldküchen stehen ab 11.45 Uhr an diesen Standorten zur Essenausgabe bereit.

Acht bewegliche Feldküchen

werden durch die Straßen fahren und den Haus­frauen den Effenempfang in allen Stadtteilen er­möglichen. Die Essenausgabe wird jeweils von einem Trompeter durch Hornsignale angekündigt. Diese beweglichen Feldküchen führen keine Teller und Löffel mit sich, die Essenholer müssen also die erforderlichen Gefäße zum Empfang der Porttonen entsprechend der Familiengröße mitbringen. Die Feldküchen werden im langsamen Tempo durch die Straßenzüge fahren. Das Personal der Feldküche ist angewiesen, die festgesetzten Haltezeiten der Feld­küchen nach bester Möglichkeit einzuhalten, damit sich der Betrieb allenthalben pünktlich und glatt abwickelt.

Die Fahrstrecken der beweglichen Feldküchen.

I ./J.-R. 116.

Küche a): Von Gartenstraße Ecke Lonystraße (dort 1. Essenausgabe, 11.30 Uhr), über Löberstraße

bis Bleichstraße Ecke Lonystraße (dort 2. Essenaus­gabe, etwa 12 Uhr), über Bleichstraße bis Selters­weg Ecke Goethestraße (dort 3. Essenausgabe, etwa 12.45 Uhr), über Hindenburgwall bis Bismarck­straße Ecke Hindenburgwall (dort 4. Essenausgabe, etwa 13.15 Uhr).

Küche b): Von Kaiserallee bis Ecke Wolfstraße (dort 1. Essenausgabe, etwa 11.30 Uhr), über Kaiser- aU.ee Moltestraße bis Moltkestraße Ecke Roon- straße (2. Essenausgabe, etwa 12 Uhr), über Moltke­straßeHitlerwall bis Landgrafenstraße Ecke Hitler- wall (dort 3. Essenausgabe, etwa 12.45 Uhr), über Landgraf^Philipp-Platz bis Brandplatz Ecke Schloß- gasie (dort 4. Essenausgabe, etwa 13.15 Uhr).

II ./I. -R. 11 6.

Küche a): Licher Straße Kaiserallee bis Lud- wigsplatz (dort 1. Essenausgabe, etwa 11.30 Uhr), über Ludwigstraße bis Ecke Bleichstraße (dort 2. Essenausgabe, etwa 12.30 Uhr), durch Bleich­straßeGnauthstraße bis Ecke Schisfenberger Weg (dort 3. Essenausgabe etwa 13 Uhr).

Küche b): Von Friedensstraße bis Verbindungs­weg Am Kugelberg (dort 1. Essenausgabe, etwa 11.30 Uhr), über Am Kugelberg Kaiserallee bis Ecke Gg.-Phil.-Gail-Straße (dort 2. Essenausgabe, etwa 12.15 Uhr), durch Gg-Phil.-Gail-Straße Licher Straße bis Memeler Straße Ecke Schlesische Straße (dort 3. Essenausgabe, etwa 13 Uhr).

Hl. / A. - R. 9.

Küche a): Von Horst-Wessel-Wall bis Ecke Bahn­hofstraße (dort 1. Essenausgabe, etwa 11.30 Uhr), durch Bahnhofstraße Marktstraße Marktplatz (dort 2. Essenausgabe, etwa 12.15 Uhr), über Lin­denplatz Asterweg bis Aster weg Ecke Wernerwall (dort 3. Essenausgabe, etwa 13 Uhr).

Küche b): Don Asterweg bis Ecke Schwarzlach­weg (dort 1. Essenausgabe, etwa 11.30 Uhr), ourch Schwarzlachweg Im Gartfeld Dammstraße Streinstraße Wernerwall über Lahnbrücke bis Schützenstraße (dort 2. Essenausgabe, etwa 12.15 Uhr), durch Schützensttaße Lahnbrücke bis Lahn- straße Ecke Gabelsbergerstraße (dort 3. Essenaus­gabe, etwa 12.45 Uhr), über Horst-Wessel-Wall bis Neustadt Ecke Sandgasse (dort 4. Essenausgabe, etwa 13.15 Uhr).

E./J.-R. 116.

Küche a): Von Liebigstraße bis Ecke Aulweg (dort 1. Essenausgabe, etwa 11.30 Uhr), durch Lie­

bigstraße Ebelstraße bis Ecke Leihgesterner Weg (dort 2. Essenausgabe, etwa 12 Uhr), durch Leih- gefterner Weg Röntgenstraße Friedrichstraße bis Ecke Frankfurter Straße (dort 3. Essenausgabe, etwa 12.30 Uhr), durch Frankfurter Straße Lie­bigstraße Am Riegelpfad bis Ecke Ludwigstraße (dort 4. Essenausgabe, etwa 13 Uhr).

Küche b): Von Frankfurter Straße bis Ecke Wetzlarer Weg (dort 1. Essenausgabe, etwa 11.30 Uhr), durch Wetzlarer Weg Hofmannstraße Crednerstraße bis Ecke Klinikstraße (dort 2. Essen­ausgabe, etwa 12 Uhr), durch Crednerstraße Glaubrechtstraße Am Steg Frankfurter Str. Schubertstraße Händelstraße bis Ecke Thaer- straße (dort 3. Essenausgabe, etwa 12.45 Uhr), durch Händelstraße Am Zollstock bis Frankfurter Straße (Stempel-Kreuter, dort 4. Essenausgabe, etwa 13 Uhr).

Appell an die Möllerung in Stadt und Land.

Der Stanborlälfeffe, Herr Generalleutnant 0fe­rn alb, bittet auf diesem Wege alle Volksgenossen von Gießen und Umgebung, von Stadt und Laub, am Sammeltag ber Wehrmacht:

Am Sonntag, 14. INörz, im Interesse ber guten Sache recht gebesreubig zu sein;

bas Militär - Großkonzerl am Samstag, 13. Wärz, 20 Uhr, in ber Volkshalle, recht zahl­reich zu besuchen!

Die Eintrittspreise zur Sport­veranstaltung der Wehrmacht.

Vor einigen Tagen veröffentlichten wir die Ein­trittspreise für die sportlichen Veranstaltungen der Wehrmacht am nächsten Sonntagnachmittag. Die Preise wurden mit 30, mit 50 Pf. und 1, Mark genannt. Zu berücksichtigen und nachzutragen ist dabei, daß zu diesen Pre>isen noch der Sport­groschen erhoben wird, und zwar beträgt er zur Eintrittskarte für 30 und 50 Pf. je 5 Pf., für die Eintrittskarten zu 1, Mark 10 Pf.

sich wie die Schneekönige auf den Feldküchenfchlag. Meine Kleinsten und ich sind gespannt wie ein neuer Regenschirm. Mein Mann hat gesagt, ich soll ja drauf achten, daß der Soldat mit dem Schöpf­löffel ganz von unten herausschöpst, weil unten die größten Brocken wären. Darauf hat er in seiner Soldatenzeit nämlich auch immer gesehen. Und er l)at mir weiter aufgetragen, wenn ich nach dem Fassen meiner sieben Portionen noch um eine Por­tion von vornherein kapitulieren könnte, so solle ich das ja nicht versäumen. Was ich natürlich versuchen werde. Und wenn dann meine beiden Aeltesten mit den gefüllten großen Töpfen heimwärts ziehen, ich nebenher, so wird uns allen der Sonntag noch ein­mal so schön sein. Am schönsten aber wird er sich für mich präsentieren, denn an ihm werde ich docy endlich einmal die leidige Sonntagskocherei los­geworben fein. Ich werde für diesen Tag im Geiste die drei Buchstaben KdF. vor meinem Mittagsteller sehen, nämlich .Kraft durch Freude", weil ich dann auch einmal an einem Sonntag von der Kocharbeit beurlaubt sein werde.

Und so kommt es denn, daß ich nunmehr nicht

Gedanken nach. Auch störte Franziska das starke Parfüm der Amerikanerin, und die Schönheit der jungen Frau störte roieberum Mabel Jonson.

In ihren Hotelräumen angekommen, fragte Berthold Radix feine Frau sofort:Du hast deinen Tänzer vom Maskenball natürlich auf dem Bilde erkannt?"

Sie nickte:Selbstverständlich! Er ist ja unver­kennbar; fein Bart irritierte mich nur flüchtig. Aber ich begreife nicht, warum er mir aus dem Wege ging, und das hat er offensichtlich getan. Er ist mir doch nichts schuldig und ich ihm auch nicht. Ich bin verheiratet, und er ist so gut wie verlobt. Wir wären also wie zwei völlig Fremde aneinander vor- beigegangen, er aber tut fast, als fürchte er sich vor mit/'

Berthold sah sehr verstimmt aus.

Ich möchte dem Kerl am liebsten an die Kehle springen! Daß er dich geküßt hat, vergebe ich ihm nie. Im übrigen muß er im (Selbe schwimmen. Ich finde, unser Vertreter ist durch ihn beinahe zu üppig geworden."

Franziska nahm die Rechte ihres Mannes, legte sie mit leiser Zärtlichkeit an ihre Wange.

Berthe!, dieser Mensch ist schließlich Nebensache. Ich möchte über etwas viel Wichtigeres mit dir sprechen." Sie zog ihren Mann auf das Sofa des Hotelsalons nieder und erzählte ihm, daß ihr auf dem Maskenball verlorengegangenes Diadem das­selbe Diadem gewesen sein müsse, das die Gräfin­nen de Rethel getragen, als sie den Malern zu ihren Bildern gesessen hatten. Sie erinnerte daran, daß ihre Mutter das Diadem aus Paris mitge­bracht, das ihre Großmutter für unecht gehalten, während der Wiener Geschäftsfreund, Doktor Steinle, den einen Stein, der aus dem Diadem stamme, doch Echtheit und Wert zugesprochen habe.

Berthold Radix hatte gespannt zugehört, erwiderte nachdenklich:Das ist wirklich eine befremdende und eigentümliche Sache, Fränze, und ich bin der An­sicht, ich sollte den Grasen ganz offen fragen, ob er mir nicht mitteilen könne, an wen das Diadem von ihm aus gelangt fei. Aus diese Weise fänden wie vielleicht heraus, wie es in den Besitz deiner Mutter kam." Er schüttelte den Kopf.Eine ganz tolle Geschichte ist das eigentlich! Denn, handelt es sich wirklich um das gleiche und sicher echte Schmuckstück, hättest du ja ein Vermögen verloren, und Doktor Steinle hätte recht mit feiner Behaup­tung, daß der Stein echt sei, den wir ja unter­suchen lassen können."

Sie sprachen noch lange über das Thema, und schließlich schlang Franziska die Arme um den Hals ihres Mannes.

Weißt du, Berthe!, ich habe Sehnsucht nach unserem Heim, nach Stille und Frieden. Auch nach Arbeit, sehr viel Arbeit."

Seine Brauen zuckten nervös. Es schoß ihm durch

nur Sympathie für die Soldaten habe, sondern ausgesprochene Soldaten liebe. Denn den Solda­ten werde ich als vielgeplagte Hausfrau einen schö­nen Sonntag verdanken. Ich weiß aber auch, daß ich durch ihre Arbeit und Kochkunst an der Feld­küche ein schönes Mittagessen auf den Tisch stellen farm. Und obendrein habe ich noch die Gewißheit, daß ich mit den 55 Pfennigen pro Portion noch mein Scherflein für das Winterhilfswerk bei­steuere, so daß mir auch um deswillen der Feld­küchenschlag noch köstlicher schmecken wird, als irgend sonst. Aus eines jedoch werde ich am näch­sten Sonntag sehr genau achtgeben und nach dieser Richtung hin gewaltig auf dem Posten sein: näm­lich sehr pünktlich an der Ausgabestelle der Feld­küche erscheinen. Damit wir zu unserem Feldküchen­eintopf, der Gemüsesuppe mit Rindfleisch, kommen.

Sybille Dielgeplagt.

Vonwtizen.

Tageskalender für Freitag.

NSLB., Fachschaft Höhere Schule, Abt.Deutsch­kunde", 16 Uhr Vortrag in der Oberrealschule:Die

den Kopf, daß Franziska nun wieder mehr unter der Erinnerung litt, weil sie jetzt genau wußte, wo sich der Mann befand, der ihr Herz betört hatte.

O, wie er diesen Menschen haßte!

Er schluckte heftig. Ruhig mußte er bleiben, durste die arme Fränze nicht noch erschrecken, ihre Nerven waren schon überreizt.

Dennoch konnte er sich die Bemerkung nicht ver­kneifen: ,Lch verwünsche den heutigen Abend!"

Franziska lächelte matt.

Glaube nur, mir geht es nicht viel besser, und trotzdem reizt es mich, herauszubringen, wie das Diadem in den Besitz meiner Mutter gelangte. Frage nur den Grafen, ob er dir nicht sagen kann, an wen das Schmuckstück von ihm aus kam."

Berthold antwortete:Ja, ja, das will ich tun!" Aber das Diadem schien ih munwichtig gegen das andere, was der heutige Abend gebracht, gegen das Auftauchen des Mannes, der feine Fränze geküßt und an den sie nun sicher wieder dachte, wenn sie über das Thema auch weggeglitten war, als wäre es nebensächlich.

Er erinnerte sich, wie ihr heute das Bild des einstmaligen Geigers aus der Hand gefallen, und von Eifersucht bedrängt, glaubte er in ihren Augen Schmerz zu lesen, um den Mann, dem ihre erste Liebe gegolten. Wie war es bis zum heutigen Abend alles so glatt und gut gegangen in ihrer Ehe! Er war sicher, daß er ganz nahe vor dem Glück gestanden hatte, daß ihm Fran­ziska in Kürze gesagt hätte: Ich liebe dich! Und nun tauchte wie ein Geist aus der Vergangenheit dieser Mensch plötzlich auf, dieser leichtfertige, rücksichtslose Mensch.

Franziska strich sanft über seine Stirn.

Du sollst nichts denken, was dich bekümmert, Berthe!! Zwischen uns beiden hat sich ja durch den heutigen Abend nichts geändert."

Er wollte erst die Antwort geben: Doch, sehr Die! hat sich zwischen uns beiden geändert. Dein Herz, das schon auf mich zu kam, hat sich um ge­wandt nach einem anderen, der mir, ohne daß ich ihn kenne, veradscheuungswürdig ist!

Aber er schwieg. Solche Worte wären ja wie ein Vorwurf gewesen, und ihm fiel noch rechtzeitig ein, daß er von Franziska, als er sie gebeten, seine Frau zu werden, keine Liebe, sondern nur ein biß­chen Gernhaben gefordert hatte. Wenn ihre Liebe bei dem anderen blieb, durfte er nicht klagen.

Franziska lächelte ihn an.

Wir wollen zur Ruhe gehen, Berthel. Ich bin schrecklich müde."

Er dachte, noch viel schwerer war wohl für Franziska die Neuigkeit, daß Günther ihr heute abend so nahe gewesen. Wenn sie das Diadem auch in den Vordergrund schob, datterte ihre große Auf-

Balladendichterin Agnes Miegel". Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr,Der Opernball." Gloria- Palast, Seltersweg:Togger." Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Frauenliebe = Frauenleid." 20 Uhr Gründungsversammlung des Tierschutz- Vereins Gießen und Umg. imFrankfurter Hof" (Marktlauben).

Stadltheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die Erstaufführung der Operette Der Opernball" von Heuberger statt. Die musika- lifche Leitung hat Kapellmeister Hans H. Ham­pel. Die Spielleitung führt Karl-Ludwig Lindt. Es wirken mit: Friedel Fomallaz, Ilse Laskus, Maria Perry, Luise Schubert-Jüngling; Gerhardt Frickhoeffer, Heinrich Hub, Paulus Kuen, Max Schneider - Oeft, Joh. Adam Uhl, Ernst August Waltz. Das Bühnenbild schuf Karl Löffler. Einstudierung der Tänze und choreographische Lei­tung Tanzmeisterin Irmgard Zenner. Die in eigener Werkstatt hergestellten Kostüme sind an- gefertigt nach Entwürfen von Sophie Buchner, ausgeführt von Willi Endrich. Die Vorstellung

regung doch von dem Moment an, als ihr der Graf das Bild des Geigers gezeigt. Aber nur nicht darüber sprechen! Das Thema war gefährlich.

Franziska dachte jetzt wirklich mehr an Günther als an das Diadem. Sie konnte nicht einfchlafen, aber sie stellte sich schlafend. Die Verganaenheit war gar so lebendig, und das Verlangen befiel sie, den Mann, der sie so heiß geküßt, wiederzusehen, ihm einmal gegenüberzustehen, Auge in Auae. Wie ein Fieber packte sie der Wunsch und ließ sich nicht niederzwingen.

Wie schlecht bin ich! dachte sie verzweifelt und wünschte den Schlaf herbei, damit die aufrühre­rischen Gedanken schweigen sollten. Sie sah am nächsten Morgen sehr blaß aus, und ihr Mann bemerkte es. Er dachte traurig: Arme Fränze! Wie mußte sie diesen Menschen lieben, den sie doch kaum kannte, wie mußte er es verstehen, Frauen­herzen zu gewinnen, weil ein paar kurze Ball­stunden genügt hatten, die kluge, schöne Fränze zu fesseln, daß sie nicht mehr davon loskam!

Heute früh war ein Besuch in Fontainebleau vorgesehen, und man wollte dort aleich das Mit­tagsmahl einnehmen. Berthold Radix dachte, brau» feen in der frischen Lust würde Franziska wieder etwas Farbe bekommen. Sie tat ihm so leid, und sein Haß auf Grevenstein wuchs ins Grenzenlose.

Albert Bergschlag aus Frankfurt am Main war mit seiner Tochter am Abend vorher in Paris an­gekommen.

Ehe sie den Zug verließen, fragte Tilli in ihrem glatten sauberen Schulfranzösisch einen Herrn im Abteil, ob er ihrem Vater und ihn nicht ein im Zentrum gelegenes Hotel in Paris empfehlen könne.

Der Herr nannte bereitwillig mehrere Hotels, meinte:Sehr günstig gelegen, namentlich für längeren Aufenthalt, ist das Hotel Continental, weil es sich gegenüber dem Tuileriengarten befindet. Man hat, wenn man des Großstadttrubels müde ist, immer gute Lust und hübsche Spazierwege nahe."

Eigentlich hatte man ein anderes Hotel gewählt, aber der Bekannte ihres Vaters, der ihnen das­selbe empfohlen, war ziemlich geizig und kleinlich; Tilli versprach sich nicht viel von dem Hotel, das er gelobt. Also fuhr man mit der Taxe nach dem Hotel Continental.

Und der Zufall, der große Freuden- und Aerger- nisftifter, brachte nun wieder zwei Personen unter dasselbe Dach, unter dem Mabel Jonson lebte, die Verlobte Grevensteins. Und es fügte sich, daß Vater und Tochter Zimmer bewohnten, die den Räumen von Berthold Radix und feiner Frau fast ebenso nahe lagen wie dem Appartement der Amerikanerin.

(Fortsetzung folgt!)

** Final rat Dr. Henna lach wurde ai gierungsrat 1 amt Gießen 1 Durlach.

" Wiede in fianau. ehem. Res.-In am 30. und 31 Wmmteappi M $)anau be gleich wirb bu weiht unb bc ments hort n an die Gesch waldstraße 14

der 0^

zahlreich

* #

Mncht ctöflnet W te ** groufflW m konnte von ein und seiner Ar lichten, ^on verband serng beitsgebiet get zelten für M abgehalten. Z' > verstorbenen des nerftorbei

Den Kaffer ger (Darmji J Stand der Kl zur Mithilfe Heims in Nie

Den haupti j (Laubach). Na die zu allgen fammlung do gefchloffen.

Bel hier-

ȟntlM 8'30

* Sfr,.

rfrttel- Bo ftm ist *

1937 tien

q-M-nDet