Nr/'O Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)______________Aeitag, l2.März 1957
Lustschiffahrt über rhem-mamtschen Landen.
Das Luftschiff ^Hindenburg" beendete gestern die Zeit des Winterschlafes der deutschen Lustriesen mit seiner ersten Fahrt im Lahr 1937.
NSG. Um 8.20 Uhr am Donnerstaa früh.startete das Luftschiff „Hindenburg" vom Luftschiffhafen Rhein-Main zu einer sechsstündigen Reise, Die zum größten Teil über das Gebiet des Gaues Hessen- Nassau führte und dazu diente, die erneute Bestätigung der Zulassung des Luftschiffes zum gewerblichen Zweck zu erhalten. Diese Notwendigkeit ergab sich aus einigen baulichen Veränderungen, die in der Praxis von der Prüfstelle für Luftfahrzeuge geprüft und begutachtet wurden.
Selbstverständlich war es, daß auch diese Fahrt allen Teilnehmern ein unvergeßliches Erlebnis wurde, und selbstverständlich war es ebenso, daß das Erscheinen des silbergrauen Riesen in allen Städten und Dörfern die alte Begeisterung hervorrief. Da war vor allem das strahlende Sonnenwetter, das eine herrliche Sicht vermittelte, darüber hinaus aber war es das abwechslungsreiche Bild der eindrucksvollen Landschaft des Rhein
Luftschiff in die Pfalz ein. Ein Besuch in Landau, in N e u st a d t an der Weinstratze folgte. Bei Worms wurde dann der Rhein wieder erreicht. Rheinabwärts führte dann der Kurs über Mainz und Wiesbaden, lieber den dunklen Tannenwäldern des Taunus wandte sich darauf das Luftschiff in ruhig-sicherer Fahrt über Bad Homburg, Bad-Nauheim, Gießen wieder nach dem Süden. Hanau und Offenbach wurden ange- steuert. Noch einmal zog es eine Schleife über Frankfurt, dann wurde zur Landung angesetzt die mit Hilfe der geübten Kräfte des SA.- Hilfswerklagers um 14.20 Uhr wie immer glatt und ohne jeden Zwischenfall verlief.
Unter der Führung von Kapitän Buß hat das Luftschiff seine erneute Bewährungsprobe in jeder Hinsicht erfolgreich bestanden. „Hindenburg" ist zu seiner ersten Südamerikafahrt am 16. März startbereit!
Um 17.16 Uhr startete „LZ Hindenburg" zu einer zweiten Werkstättenfahrt, die wiederum nach Süden über Darmstadt und Heidelberg ging. Um 19.05 Uhr landete das Luftschiff wieder in seinem Heimathafen Rhein-Main.
Der Besuch über Gießen.
Flug in 900 Meter Höhe.
Am gestrigen Donnerstag um 13 Uhr erschien das Luftschiff „Hindenburg" überraschend und zur allgemeinen Freude aller Volksgenossen auch über Gießen. Es kam aus südlicher Richtung, fuhr etwas nach Norden und machte dann, noch im Bereich des Gießener Blickfeldes, eine große Schwenkung über Osten nach Süden, um in Richtung Frankfurt zu entschwinden. Das Luftschiff flog, wie wir heute früh auf Anfrage bei der Zeppelin-Reederei in Frankfurt a. M. hörten, in Höhe von 900 Meter über Gießen und durchschnittlich in gleicher Höhe über Oberhessen. In allen Straßen und aus allen Fenstern blickten die Volksgenossen mit größtem Interesse zu dem Luftschiff hinauf, dem sie ihre herzlichen Grüße und Wünsche für gute Fahrten im Jahre 1937 mit auf den Weg gaben.
Gauleiter und MchsstatthalM Sprenger spricht!
Anläßlich einer Großkundgebung der Hiller- Jugend und des Jungvolks in Gießen wird auch Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger das wort ergreifen.
Zu dieser Großkundgebung am 16. wär; in der Volkshalle laden wir alle Volksgenossen herzlichst ein und erwarten recht zahlreiche Beteiligung.
Bannführung 116.
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zu bedienen hat, sofort über den zulässigen Grad der Neigung der Leiter informiert. Es kommt hier also auf keinerlei Gefühlsmäßigkeiten und entsprechende Erwägungen mehr an, vielmehr nehmen die modernen Geräte auch hier dem Menschen einige Arbeit ab.
Die Motorspritze.
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Ueber der Straße „Am Kugelberg" in Gießen. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Main-Gebietes, das ein Gefühl der Freude und des Stolzes auslöste, wie man es nur empfinden kann, wenn fein Urgrund nichts anderes ist als das Erleben der Wirklichkeit selbst.
Ueber Frankfurts Dächern glitt der Schatten des Luftschiffes, drei-, viermal zog es feine großen Kreise über der Gauhauptstadt und genügte damit einer Pflicht, die die Frankfurter nicht unerwidert ließen. Geschwenkte Taschentücher und der allenthalben stockende Verkehr, der rufende Lärm von den Schulhöfen, der selbst durch das ruhige Gebrumm der Motoren bis nach oben drang, waren untrügliche Beweise der alten Freundschaft. Ueber die Wälder in Darmstadts Umgebung ging dann die ruhige Fahrt. Das in der Erinnerung breite Band der Autobahn grüßte als schmaler, weißer Streifen. Der Rhein sandte dann den spiegelnden Glanz seiner Wasser nach oben und blieb lange unser Begleiter. Mannheim und Ludwigshafen wurden berührt, rheinaufwärts ging dann die Fahrt über Gernsheim bis Speyer. Unter schrillten die Sirenen von den Stätten der Arbeit, die Rheindampfer gaben ihre heulenden Signale, keine Stadt, kein Dorf und fein Gehöft wurde überfahren, in denen nicht alles auf den Beinen war, um dem Meisterwerk deutscher Jnge- nieurkunst ihren jubelnden Gruß zuzuwinken. Die bewaldeten Berge des Schwarzwaldes begrenzten im Süden den Blick, im Westen stiegen die Hänge der Hardt empor. Im weiten Bogen schwenkte das
Gestern nachmittag trafen aus Gattenau bei Karlsruhe, nach einer raschen Fahrt von kaum fünf Stunden, eine Motorspritze und eine große Motorleiter für die Gießener Feuerwehr in unserer Stadt ein. Die Ergänzung der Geräte der Gießener Feuerwehr war aus betriebstechnischen Gründen notwendig geworden. Die beiden neuen Wagen, die nun dem Gerätebestand der Gießener Städtischen Feuerwehr eingegliedert worden sind, sind Hilfsmittel, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen und die Gießener Feuerwehr instandsetzen werden, mit größter Energie und Kraft selbst größten Bränden entgegenzutreten. Beide Maschinen sind in vorbildlicher Weise ausgerüstet und mit einer Reihe von Neuerungen versehen, die sehr dazu angetan sein werden, die Schlagkraft der Gießener Wehr zu erhöhen. Die Motorleiter, wie auch die Motorspritze entsprechen in ihren Ausmaßen den neu herausgekommenen und für das ganze Reich verbindlichen Normen. Beide Wagen find noch in roter Farbe gehalten. Don jetzt ab werden die Wagen aller Feuerwehren in grüner Farbe gehalten werden und die Städtischen Wappen werden in Zukunft durch das Hoheitsabzeichen des Reiches ersetzt.
Beide Wagen, die nunmehr in den Besitz der Gießener Feuerwehr übergegangen sind, stammen im Motor und Chassis von den Mercedes-Benz-Wer
ken, die feuerwehrtechnische Ausrüstung von der Firma Metz (Karlsruhe).
Oie Motor-Ausziehleiter.
Die neue Motor-Ausziehleiter unterscheidet sich in vielen Dingen von der von der Gießener Städtischen Feuerwehr bisher benützten Motor-Leiter. Vor allem ist interessant, daß die Leiter in kaum 20 Sekunden auf ihre volle Länge von 24 Metern ausgezogen und gleichzeitig auch im Winkel von 90 Grad geschwenkt werden kann. Dabei geschieht die Bedienung nicht etwa vom Führerstand des Wagens, sondern unmittelbar von der Leiter aus. Der Bewegungsmechanismus steht in engster Verbindung mit dem 60 PS leistenden Dieselmotor. Der stehende Motor kann sogar Dorf der Leiter aus und ohne Zutun des Wagenführers in Gang gefetzt und die Kraft des Motors durch einfache Schaltungen auf die Leiter übertragen werden. Durch diese Neuerungen sind Befehlsubermittlungen van der Leiter zum Wagenführer also nicht mehr nötig. Die rasche und leichte Bedienung der Leiter trägt also erheblich zur Steigerung dex Schlagfertigkeit bei.
Die vollautomatische Leiter ist außerdem noch mit einer besonderen Kippsicherung ausgerüstet, die durch Lichtsignale dem Mann, der die Maschine
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Die yeuen Löschgeräte vor der Feuerwache. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Die Motorspritze weist ebenfalls zahlreiche Neuerungen gegenüber den bisher bei der Gießener Feuerwehr in Gebrauch befindlichen Geräten aufi Der Wagen der Motorspritze, ein 3V2-Tonnen- Wagen, ausgerüstet mit einem 100-PS-Mercedes- Benz-Dieselmotor, vereinigt in universeller Weise alles in sich, was eine gut ausgerüstete Feuerwehrmannschaft zweckmäßig mit sich führen soll. Der Wagen gestattet Mn Mannschaftsraum einschließlich des Fahrzeugführers 11 Mann die Mitfahrt. Der Mannschaftsraum ist gegen alle Witterungsemflüsse abgeschlossen. Die Feuerwehrleute merken in diesem Raum weder von Wind noch von Regen etwas und kommen stets trocken und bei aller Kraft an der Brandstelle an. Unmittelbar hinter dem Mannschaftsraum befinden sich die Gerätekammern, die so eingerichtet sind, daß alle notwendigen Geräte darin untergebracht, befestigt und rasch heraus- genommen werden können.
Unter dem Mannschaftsraum und den Gerätekammern befinden sich die Kästen für insgesamt 15 Meter Saugleitungen von starkem Durchmesser. Die Pumpe ist fest in das Chassis bzw. in den Wagen eingebaut und gleichzeitig mit einem Schaumlöschgerät kombiniert, das ohne weiteres in Betrieb gesetzt werden kann, ohne daß besondere Vorbereitungen dafür notwendig sind. Die außerordentlich starke Pumpe, angetrieben von dem 100-PS-Motor, leistet die Menge von 3000 Liter Wasser in einer Minute bei einer Steighöhe von 80 Meter. Die Pumpe gestattet unmittelbar den Anschluß von sechs Druckleitungen; die Zahl der Anschlüsse kann aber durch Derteileranschlüsse auf 18 erhöht werden, und selbst dann noch wird der Wasserstrahl auf beachtliche Höhe gebracht. Auf dem Wagen sind außerdem noch eine Ausziehleiter und eine Hängeleiter untergebracht, außerdem auch eine Tragbahre. Zur Ausrüstung des Wagens gehört ferner noch ein großer abnehmbarer Scheinwerfer, der durch Verlängerungskabel bis dicht an den Brandherd herangebracht werden kann. Außerdem ist der Wagen mit dem sogenannten „M a r t i n s h o r n" und mit einem Klingelsignal ausgerüstet, die beide vom Führerstand aus elektrisch bedient werden.
Mit den beiden Wagen, die hier der Gießener Feuerwehr an die Hand gegeben sind, wird die Schlagfertigkeit der Gießener Wehr um ein Bedeutendes gehoben und der Allgemeinheit mancher wertvolle Dienste geleistet werden können, wenn es sich um die Beschränkung des Sachschadens bei Bränden handelt.
Amt- Feierabend der KdF.
Lustspiel „Die vier Gesellen" am 13. März. Zu dieser Vorstellung im Gießener Stadttheater sind noch Karten zum Preis von 70 und 90 Pf. zu haben.
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Giessen Schulstr6
Die Potsdamer Wachtparade.
Don Edles Koppen
Es mar Jahre vor dem Krieg. In Potsdam.
Wir waren so vierzehn, fünfzehn Jahre alt, Schuljungen, eine große Klaffe, an die vierzig Stück.
Schülermützen hatten wir zu unferm Kummer nicht, so oft wir sie erbeten hatten; aber wir ersetzten sie zu unsrer Tröstung infolge „Gemein- schaftsbeschlufses" durch eine Schirmmütze: eine , „Radfahrermütze", wie böswillige Angehörige jüngerer Semester das nannten. Und wir ersetzten sie idurch große, in allen Straßen Achtung gebietende Forsche.
Mancher von uns trug außerdem bereits lange Hosen, einer bereits goldenen Flaum ums Kinn, und die, die beides nicht wagten, schmückten ihr Knopfloch fast immer mit einer Blume oder einem Mättchen.
Und vor allem, wie gesagt: wir waren forsch.
Wir taten, jeder unter uns, als seien wir bereits idas, was auf Schritt und Tritt unsere Wege hier Ibegieitete: Soldaten.
Wir grüßten einander nie anders als durch „An- llegen der rechten Hand an die Kopfbedeckung", wir knallten die Hacken zusammen, wo immer es vor Lehrern oder älteren Bekannten anzubringen war, und wir gingen, besonders vor den jungen Damen der Höheren Töchterschule da am Stadtkanal, nie unders, als hätten wir Zollstöcke verschluckt. Aufrecht, nasehoch und männlich.
Aber gab es auch eine Stadt, in der all das so „naturgegeben" war wie in Potsdam?
Wie war es denn damals?
Im Sommer, früh vorm Aufstehen, zogen die iveißen Gardedukorps mit Kesselpauke und schmetternden Fanfaren zum Bornstedter Feld. Gingen toir zur Schule, begleitete dröhnend und ratternd Line Batterie der Artillerie unsre eiligen Schritte. Erste Schulstunde: mitten in Cäsars Bellum Galli- cum klapperten die Hufe einer Ulanen-Eskadron durch unsre Aufmerksamkeit.
Und so ging es weiter, immer neu, eigentlich den ganzen Vormittag. Musik, Uniformen, Offiziere, die zuweilen den Degen vor uns senkten, wenn wir — entgegen unsrer Gepflogenheit — die Mütze vom
Kopf rissen, Wachtmeister, die uns drohten, wenn wir zu laut aus den Klassenfenstern schrien, Soldaten aller Gattungen, die zumeist leider nicht sehen wollten, wie sehr wir uns bereits zu ihresgleichen zählten.
Und dann kam zu all diesem Glück auch noch das Ereignis unseres Tages, jedes Tages unserer Schulzeit.
Unvergeßlich, wie das vor sich ging.
Letzte Schulstunde, täglich, bis gegen 12.45 Uhr.
Es war langsam 12.30 geworden. Dor mir, hinter, neben mir brach eine seltsame Unruhe aus. Bücher wurden unter der Bank geschnallt, Mappen gepackt. Professorenblicke waren machtlos dagegen.
Und immer wieder sahen mir alle verstohlen auf unsere Uhren.
Endlich schellte die Klingel! Wie wildgeworben stürmten wir über die Bänke, durch die Tür, durchs Eingangstor, hinaus auf die Straße.
Und auch da gab es kein Halten! Wie Spürhunde, in Rudeln, preschten wir los. Stürmten an eine bestimmte Ecke. Einmal an die, am nächsten Tag an die andre.
Und da machten wir halt, die ganze Kolonne.
Wir sahen abermals zur Uhr. Sprachen kaum noch, standen da, am Rinnstein, aufgebaut in zwei Gliedern, und lauschten.
Und dann war's so weit! Musik!
Aber wie wußten wir auch Bescheid! Ob Gardejäger, Erstes Garderegiment zu Fuß oder Jnfan- terie-Lehrbataillon: auf den Tag genau konnten wir voraussagen, wer kam. (Ich weiß nicht mehr, wie wir das machten. Aber wir wußten es. Keinen Tag aus acht langen Jahren könnte ich nennen, an dem unsere Voraussage nicht Ecke für Ecke gestimmt hätte.)
Und wie kannten wir durch all die langen Jahre jeden Mann jeder Musik! Die Obermusikmeister — das ist selbstverständlich. Aber mehr, viel mehr: den schwarzen Schellenbaumträger des „Ersten Garde", die runden Klappenhörner der paukenlosen Jäger, jeden Fagottisten des Lehrbataillons.
Wieder tauschten wir Grüße. Offiziell, mit Hacken oder kameradschaftlich mit vertraulichem Augenzwinkern und Kopfnicken.
Und dann schloffen wir uns an.
Wir marschierten, Tag für Tag, Sommer und Winter, bei Hitze und Frost, Regen und Gewitter,
mit der Wachtruppe zum Stadtschloß. Ich glaube, es hätte einer wirklich schwer krank sein müssen, ehe er sich abbringen ließ von dieser Sitte.
Die Mauern dröhnen, die Steine schüttern, Echo klirrt von den Wänden, Schritt und Tritt und das Schrillen eherner Kommandos, daß uns das Herz an die Rippen schlägt.
„Vergatterung", Präsentiermarsch, „Ablösung richtig". „Wache marsch!" Danach sammelte sich die Musik draußen am Steubendenkmal im grünen Rondell zum Konzert.
Und dann — dann die kleinen Mädchen.
Jawohl: bann kamen sie. Dann kam, kaum weniger wichtig als „unsere" Truppe, die Mieze und die Hanni, die Trudi und die Irmgard, Martha und Grete. Schlenkerten die Zöpfe, kicherten und klatschten.
Wie viele viele unter uns hielten mitten im Wort inne! Wie viele Hacken knallten, Mützen flogen, Augen lachten — die kleinen Mädchen!
Nicht etwa, daß wir mit ihnen flanierten. O nein! Aber da trotteten wir, die Jungen, und hinter uns, und wenn das Glück es gab, neben uns, kurze Augenblicke — trotteten die jungen Damen. Und die Musik spielte.
Potsdam, damals! Schuljungen, damals!
Und dann?
Das Schlußexamen kam. An die vierzig vermeintlich unzertrennbare Kameraden trennten sich und gingen in alle Windrichtungen.
Und bann?
Einmal sahen bie meisten von uns Vierzig einander noch. Wieder in Potsdam. Jetzt hatten wir Uniform an und sahen aus wie jene, die wir jahrelang begleitet hatten.
Und nun begleiteten wir selber einander, in großen und kleinen Trupps. Abermals mit den kleinen Mädchen.
Zur Wachtparade ging es allerdings nicht; auch nicht zum Stadtschloß.
Hinaus gings nach Wildpark, zur großen Verladerampe ...
Musik, tänzelnde Pferde, Geschütze, die ratterten, Kommandos, daß uns das Herz an bie Rippen schlug.
Zweiundbreißig von den Vierzig tarnen nicht wieder.
2000 Jahre deutscher We n.
In Bad Dürkheim an der Weinstraße, inmitten des naturgesegneten Landstriches vor ber Mittelhaarbt, ber von bem fleißigen Pfälzer Volk fo gern als „Garten Gottes" bezeichnet wirb und den auch ber Frembe mit aufgeschloffenen Sinnen als ein Stück Parabies empfindet, hat die Landesbauernschaft Saarpfalz eine lehrreiche Ausstellung durchgeführt, die sich in erster Linie an die Winzerschaft wendet, die aber auch sonst jedem Deutschen etwas besagt. Sie nennt sich „2000 Jahre Weinbau" und sie zeugt von der zweitausend- jährigen Kulturgeschichte des deutschen Weines. Die Rebe ist gewiß älteren Datums. Auch auf deutschem Boden wuchsen längst früher Wildreben, die heute noch in einigen wenigen Stücken in den Pfalzwäl- bern zu finben finb. Aber bie Funbe in ber Pfalz zeugen davon, daß hier bie älteste Pflanzstätte des kultivierten Weinbaues auf deutschem Siedlungsboden ist. Von hier aus hat die Weinkultur ihren Weg über Deutschland genommen bis herauf zu den Ordenssiedlungen im Baltikum und nach Sübosten herunter nach Siebenbürgen. Bei diesen alten Fun- den handelt es sich um Winzermesser in der griechischen Form. Die Kultur von Hellas hat also die Grundlage für die Rebveredelung gegeben, wenn auch die Römer für die weitere Verbreitung gesorgt haben mögen. Der älteste Wein, vollkommen verharzt, in einer alten römischen Weinflasche mit dickem Bauch und langem Hals, befindet sich im Besitz von Geheimrat von Bassermann-Jor- d e n in Deidesheim. Er hat das respektable Alter von fast 19 00 Jahren. Nur wenig jünger ist eine andere Probe in einer Flasche, die fast die Form der Bordeaux-Flaschen hat, und bei der noch unten zwei Finger breit der Wein flüssig geblieben ist. Die Pfalz kann besonders stolz auf diese kulturgeschichtlichen Erinnerungen sein, weil hier die Geburtsstätte des deutschen Weinbaues liegt und weil auch heute der Pfälzer Wein an erster Stelle steht. Hier, nicht an Rhein ober Mosel, ist das größte beutsche Weinbaugebiet, da» rund 25 v. H. des Gesamtertrages liefert, aber mit runb der Hälfte an bem Weinverbrauch beteiligt ist, der burch ben Hanbel aus den Weinbaugebieten vermittelt wirb. Jebes zweite Glas, das außerhalb ber Weinbaugebiete getrunken wirb, ist ein edler Tropfen Pfälzer Weines. F.M.


