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Oberheffen

Sie saßen an einem der kleinen Tische vor dem Eingang seines Hotels beim Nachmittagstee, den Evelyn'jetzt doch manchmal mit ihm zusammen ein­nahm, obwohl er dabei die kleine Kriegslist ge­brauchte, den Betrag auf seine Hotelrechnung setzen zu lassen, um sie am Zahlen zu verhindern. Die Terrasse nach der Seeseite lag noch zu sehr in der Sonne, es war besser, hier im Schatten zu sitzen

Ihr flehender Ton entwaffnete ihn vollends. Er faßte sie unter und trat mit ihr hinter einen Mauer- vorsprung, wo vor neugierigen Blicken vom Hotel her sicher waren. Dort nahm er sie in die Arme und sagte sehr innig:

Ich werde nie aufhören, dich liebzuhaben, Eve­lyn und wenn du alle Haare auf einmal ver­lieren würdest. Für mich bleibst du immer die Schönste. Wenn man wirklich liebt, gibt es nichts, was einen abstoßen könnte"

Ja? Meinst du?" fragte sie mit skeptischer Be­tonung. Einen Augenblick war es, als wollte sie etwas sagen, als ringe sie mit einem Wort. Nur für die Dauer eines Atemzuges. Dann schloß sich ihr schon geöffneter Mund, wurde herb und schmal, die Verschwiegenheit selbst. Und mit einer raschen Bewegung wandte sie sich zum Gehen ...

Je länger Alland über den kleinen Zwischenfall nachdachte, um so mehr neigte er zu der Ueber- zeugung, daß hinter dieser Haarfärberei noch etwas anderes steckte als eine törichte Mädchenlaune. Aber er konnte den eigentlichen Beweggrund nicht er­raten, und er wußte auch, daß er ihn niemals er­fahren würde. Er kannte Evelyn jetzt »chon gut genug, um zu wissen, daß nichts aus ihr heraus­zubringen war, weder im Guten noch im Bösen, wenn sie etwas nicht sagen wollte. Auch die mensch­liche Vertiefung ihres gegenseitigen Verhältnisses,

-f- Allendorf (Lahn), 12. Jan. Am vergange­nen Sonntag erlag in der Klinik zu Gießen der Altveteran Heinrich H ä u-s e r den Folgen eines Un­falles, den er am letzten Tage des alten Jahres erlitten hatte. Der Verstorbene war der letzte Vete­ran aus dem Kriege 1870/71 und zugleich der älteste Einwohner unseres Dorfes.

nsf. Langsdorf, 11. Jan. In unserem Orte läuft bis zum 16. Januar ein Lehrgang i m Kochen, den der R e i ch s m ü t t e r d i e n ft ver­anstaltet. Fräulein Hechler leitet den Kurs und versteht es, die 24 Teilnehmerinnen anregend zu beschäftigen und ihre volle Aufmerksamkeit zu ge­winnen. Es herrscht eine frohe Kameradschaft, und alle sind mit Eifer bei der Sache. Am Donners­tag 14, Januar, findet für die anderen Frauen des Ortes ein F i s ch k o ch a b e n d statt, der kosten­los gegeben wird. Die Vorbereitungen sind schon getroffen, und es werden wohl recht viele Frauen diese Gelegenheit, sich über die sachgemäße Ver­arbeitung des Seefisches zu unterrichten, nicht un­genutzt vorübergehen lassen.,

Es war, als ob sie sich damit den Gedanken an den Abschied krampfhaft fernhielte, ja, es hatte so­gar zuweilen den Anschein, als höre für sie mit dem Ende dieser Tage überhaupt alles Denken auf. Sie verlor kein Wort über ihre weiteren Pläne, und Alland konnte nicht einmal aus ihr herausbnngen, ob sie dann wieder nach Paris zurückkehren würde, oder was sie sonst vorhatte.

Sie wußte gar nicht, wie sie ihn mit dieser Un­gewißheit folterte. Das hoffnungslos Vorüber­gehende, das sie selbst dieser Beziehung gab, das eben war es, worunter er am meisten litt. Er hätte die Tage festhalten mögen, diese kurzen Frühherbst­tage, die so unerbittlich schnell verstrichen. Jetzt waren es nur noch fünf eine armselige Galgen­frist, die einem das Glück noch vergönnte. Dann kam die Trennung. Der heranbrausende Schnellzug. Ein letzter flüchtiger Kuß auf dem Trittbrett. Em paar Tränen. Ein weißes Taschentuch .n der Ferne. Dann war es vorbei. Vorbei für immer ...

Mit aller Kraft seines Herzens wehrte Frank Alland sich gegen diese schreckliche Vorstellung. Mit aller Kraft wünschte er, es möchte in den fünf Tagen noch etwas dazwischen kommen, irgend etwas, das dieses Todesurteil aufhob. Er glaubte selbst nicht daran, er wünschte es nur. Ja und dann kam es wirtlich. Dann kam jener Nachmittag, der ihn endlich von allen Zweifeln erlöste.

und zur Abwechslung einmal nur die Berge zu sehen und das glatte, meist leere Band der Auto­straße, die am Hotel vorbeisührte. Es kam nur sel­ten ein Wagen und noch seltener ein Fußgänger eine alte Bäuerin mit einem großen Gemüse­korb auf dem Kopf und dem Kind an der Hand; und dann weiter zurück die braune Gestalt eines Gendarmen, der, wie hier üblich, mit philosophischer Gelassenheit friedlich spazierend, seinen Dienstgang absolvierte.

Alland schaute ein wenig verwundert auf, irgend etwas in Evelyns Stimme und auch in der Be­wegung, mit der sie ihren Stuhl von ihm abrückte, schien ihm eine plötzliche Gereiztheit zu verraten. Hatte er irgend etwas gesagt, womit er sie un­wissentlich verletzt hafte? In die Stille ihrer Ge- sprächspause klang, langsam näher kommend, der gemütliche Schritt des Gendarmen, der eben jetzt gerade von der asphaltenen Straße abbog und durch den knirschenden Kies des Vorgartens auf den Hoteleingang zukam.

Evelyn spielte nervös mit dem kleinen Spiegel ihrer Handtasche, ohne sich nach dem Geräusch der Schritte umzudrehen, die jetzt fast unmittelbar hinter ihr stockten. Alland sah unwillkürlich auf und be­gegnete dem unschlüssig fragenden Blick des Poli­zisten, der, zwei Finger am Käppi, sich nachlässig höflich erkundigte, ob derPatron", das heißt der Besitzer, im Haus oder im Garten sei um dann auf Ällands Auskunft im'Hausflur zu verschwinden.

Als Allands Blick wieder zu der Geliebten zu­rückkehrte, erschrak er fast zu Tode. Aus einem geisterhaft blassen Gesicht starrten ihm zwei von Entsetzen geweitete Augen entgegen, als sähen sie durch ihn hindurch irgend etwas unsagbar Furcht­bares, Drohendes. Unwillkürlich faßte er nach ihrer Hand und dabei gewohnheitsmäßig gleich nach dem Puls, den er in raschen, harten, hüpfenden Stößen unter seinem Finger fühlte.

Um Gottes willen, Herz was ist dir? Bist du krank?"

Sie antwortete nicht, sondern blieb unbeweglich zu Stein erstarrt, als hätte sie das Antlitz der Meduse gesehen. Er zweifelte, ob sie überhaupt seine Stimme hörte, und dabei konnte er im Augenblick . nicht einmal weiter in sie dringen. Denn eben trat : der dickePatron" in Begleitung des kleinen Gen- barmen wieder aus der Haustür, wo eine tordiale i Verabschiedung erfolgte.

Schulung des llnterbannes 11/116 in Londorf.

Am Samstag und Sonntag wurde in Londorf die monatliche Führerschulung im Unter­bann 11/116 durchgeführt.

Nach Meldung des Gefolgschaftsfuhrers H e i n tz an den Unterbannführer Dr. Schneider am Samstag wurde die Führerschaft in einem eigens hergerichteten Raume versammelt, und der Unter­bannführer gab zunächst Richtlinien für die Arbeit im kommenden Jahr. In der Hauptsache wurde die H e i m b e s ch a f f u n g s f r a g e behandelt die für das kommende Jahr im Mittelpunkt der HJ.-Arbeit steht. Weiter wurde in Frage und Antwort alles das besprochen, was für den Dienstbetneb der Ein­heiten im kommenden Jahre notwendig ist

Der Sonntagmorgen stand im Zeichen der kör­perlichen Ertüchtigung. Nach allgemeiner Gnmnastik wurde an einzelnen Geräten geturnt und auf dem nahqelegenen Sportplatz ein Handballspiel durch­geführt. Nach Erledigung des sportlichen Teils marschierte die Führerschaft auf eine nahegelegene Anhöbe, G-folgschaftLführer Allgeier lehrte hier einiges aus dem Gebiet des Gelandesports. Nach dem Mittagessen war Bannfübrer Heim emgetrof- fen. Der Referent für Technik in der Kreisleitung Pq. Kronjäger sprach über den Pierjahresplan und schilderte in eindringlichen Worten die Große und Wichtigkeit dieses Planes und forderte die an= wesenden Führer auf, auch in diesem Rahmen durch tätige Mitarbeit und durch Leistung mitzuhelfen an dem Gelingen dieses großen Werkes. Nach einem Schlußwort des Unterbannführers wurde die Wo- chenendschulung geschlossen. Jedem einzelnen Führer war es klar geworden, daß das kommende Jahr von ihm alles verlangt und restlosen Einsatz für Die Arbeit in der Hitler-Jugend fordert.

Mit dem Sieg-Heil auf den Führer und dem Lied der HI. trennte sich die Führerschaft und kehrte zu den Standorten zurück.

Geflügelschau in Mein-Linden.

sg, g.

Obst- und Gartenbauverein Lang-Göns

Lang-Göns, 10. Jan. Am heutigen Nach­mittag sand eine außerordentliche Hauptversamm­lung des hiesigen Obst- und Gartenbau­oereins statt, die sehr gut besucht war. Der Ver­einsleiter Willi Spies begrüßte die Mitglieder und leitete die Verhandlungen. / Der Kassenwart Wilhelm Ad. Rudolph verlas den Kassenbericht, aus dem hervorging, daß ein Ueberschuß dazu ver-

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auch die Liebe, hatte daran nichts geändert. Nach wie vor blieb sie, was ihr Eigenleben betraf, für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Sein innerstes Gefühl sagte ihm, daß sie ihn liebte, daß es mehr war als ein vergängliches Feuerwerk. Dennoch wollte sie von nichts hören nichts vom Brief­schreiben und nichts von Verlobung, nicht einmal von einem Wiedersehn.

Diese paar Tage, Frank, können durch nichts überboten werden", erklärte sie ihm immer wieder. Mehr Glück kommt für andere Menschen nicht einmal auf ein ganzes Leben."

bruch erlitten. _

*Y* Watzenborn-Steinberg, 10. Januar. Gestern abend hielt der GesangvereinI u - qenbfreunb" im DereinslokalZur Krone un­ter dem Vorsitz von Karl Häuser VIII. seine Jahreshauptversammlung ab. Dereinsführer H a u - s e r gedachte zunächst der drei Mitglieder, die im verflossenen Dereinsjahr durch den Tod abberufen wurden: Otto Sommer, Johann Georg 5) au« ser IV. und Johannes Schmidt, die von der Versammlung in üblicher Weise geehrt wurden. Aus dem vom Vereinsführer vorgetragenen Jahresbericht war zu ersehen, daß der Verein unter der Stab­führung seines Drigcnten A Sch l eu se (Steinbach, ein gutes Stück zum kulturellen Ausbau und zur Pflege des deutschen Männergesanges beigetragen hat und schöne Erfolge buchen konnte. Der Derem beteiligte sich am Bundessingen in Garbenteich, an den Sängerfesten des BrudervereinsSangerkranz Watzenborn und GesangvereinEintracht Leih- gestern. Der Kassenbericht, vorgetragen von Rechner Karl Mandler, wurde von den Rechnungsprüfern Karl Laux und Otto S o m rn e r für richtig befun- de; es konnte somit Entlastung erteilt werden, tfunr Neuaufnahmen konnten getätigt werden. Der -her­ein zählte am Ende des Vereinsjahres 140 Mit­glieder. Anläßlch seiner 25jährigen Vereinszuge- hövigkeit wurde Robert H a n n a ck zum Ehrenmit­glied ernannt. Der Vorstand blieb in seiner bis­herigen Besetzung bestehen. Ergänzt und erweitert wurde der Vorstand durch die Sänger Friedrich Burger, Karl Haas und Heinrich L ede. kreis- führer Müller (Gießen) erläuterte Die Finanzie­rung des Besuches des Deutschen Sängerfestes in Breslau, zu dem sich bis jetzt schon 120 Mitglieder aus dem Sängerkreis XII fest gemeldet haben. An­läßlich des 50jährigen Bestehens des Vereins wurde beschlossen, dieses Jubiläum im kommenden Jahr mit einem größeren Sängerfest würdig zu feiern. Bür­germeister Schäfer und Ortsgruppenletter Phi- ; sipp gaben ihre Anerkennung über die Pflege des deutschen Liedes in unserer Gemeinde Ausdruck und richteten an die Sänger den Appell, auch in Zukunft treu zum deutschen Lied und Vaterland zu stehen.

sechs Vereinsmitglieder, deren Andenken in der Üblichen Weise geehrt wurde^ Nach Verlesung des Protokolls und des Jahresberichts erstattete der Ehrenvorsitzende Ludwig S ch e l d den Kassenbericht, der keine Beanstandung ergab. Infolge Wegzugs von hier legte der seitherige Schriftführer 5erbinanD Damm sein Amt nieber. Der Vorsitzende danke ihm für seine treuen Dienste und bestimmte als neuen Schriftführer Otto Fabel. Nach Erlebigung einiger allgemeiner Angelegenheiten wurde bie har­monisch verlaufene Versammlung in der üblichen

Zeit von einer Viertel- bis zu einer Funftel- sekunde verstreicht. Das erscheint auf den ersten Blick nicht Diel. Es ist aber in der Tat eine recht lange Zeit, wenn wir sie mit den unwillkürlichen Reak­tionen des Organismus, etwa der Schließung der Augenlider bei Annäherung eines Fremdkörpers, vergleichen. Bei solchenReflexzeiten" kommen wir bis auf eine Dreißigstelsekunde herab! Außerdem ist in der Praxis des Verkehrs, von der hier die Rede ist, noch damit zu rechnen, daß dabei größere Muskelpartien in Bewegung gesetzt werden müssen, und das schiebt den Vollzug der rettendenReaktlons- bemegung hinaus. Der Kraftfahrer, der das plötzlich auftretende Hindernis vermeiden will, hat an seinem Steuerrad und an dem Bremshebel viel umfang­reichere Bewegungen auszuführen als bei jenen einfachen Reaktionshandlungen in dem Versuch im psychologischen Laboratorium. Je nach dem Um­standen kann sich hierdurch die Reaktionszeit auf das Doppelte und Dreifache der Zeiten erhöhen und sich leicht dem Betrage von einer Sekunde nahem. Wir wollen aber nicht vergessen, daß em Auto bet bem durchaus mäßigen Tempo von 35 Kilometer pro Stunde im Laufe einer Sekunde schon fast zehn Meter zurücklegt!

Wenn wir bei unserem Verhalten innerhalb des Verkehrs nur auf dieReaktionszeit" angewiesen wären, dann stünde es in der Tat schlecht um uns. In Wirklichkeit aber hat sich wenigstens der mo­derne Großstädter so an den Straßenverkehr ge­wöhnt, daß er meistens ganz instinktiv die mög­licherweise drohenden Gefahren voraussieht, ehe sie überhaupt eintreten können. Wir leben im Gewühl des Verkehrs eigentlich immer schon im nächstfolgenden Augenblick, sehen Schnittpunkte von Fahrtrichtungen und Ausweichstellen voraus aus diese Weise wird so mancher Unfall durch die stän­dig zunehmende Gewöhnung der Verkehrsteilneh­mer vermieden.

kürzlich in Amerika versuchsweise in kleinem Umfang eingeführt worden, mit deren Hilfe jene außerordentlich gefährlichen Unfälle emgedammt werden sollen, die durch Zusammenstöße von Kraft­fahrzeugen mit Bäumen am Straßenrande per- ursacht werden. Man hat an einigen Straßen links und rechts elastische S t a t) l b a n b e r an Pfo­sten befestigt, die sozusagen Schutzgitter für alle Fahrzeuge bilden. Kommt nun etwa em Auto von der Straße ab, so prallt es gegen das Stahlband, das elastisch nachgibt und dadurch bereits einen großen Teil der Energie des Anpralls vernichtet. Das Auto rutscht dann noch eine gewisse Strecke an demSchutzgitter" entlang und fommt infolge der hierbei auftretenden Reibung ziemlich rasch zum Stehen. Eingehende Versuche an einer au, diese Weise eingebauten Autostraße sollen befriedigend verlaufen sein, die praktische Ausgestaltung dieser Neuerung wird hauptsächlich davon abhangen, ob die Stahlbänder hinreichend billig geliefert wer­den können. Eine andere Lösung geht darauf hin­aus, in Zukunft die Straßen mit Hecken einzu- fassen. Eine solche Hecke könnte selbst schwere Wa­gen, die ins Schleudern geraten oder sonst von Der Fahrbahn abkommen, federnd auffangen und da­durch ein Unglück verhüten, mindestens aber mil­dern.

Die Psychologie hat sich in der letzten Zeit sehr eingehend mit der Untersuchung der sogenann­tenSchrecksekunde" beschäftigt. Hierbei -handelt es sich bekanntlich um die Reaktionszeit, die ein Mensch braucht, um auf irgendeinen auslosen- den Reiz hin eine bestimmte Handlung vorzuneh­men. Bei Laboratoriumsoersuchen zeigte sich, datz von der Auffassung irgendeines ©innreres, etwa eines Lichtzeichens, bis zur Beantwortung dieses Signals mit einer verabredeten Bewegung, z. B. dem Loslassen eines Tasters, im Durchschnitt eine

wandt werden konnte, praktische Gegenstände für \ bie Baumpflege einzukaufen, die nun an die Mit- i glieber verlost werden sollten. Der Kassenbericht 1 wurde nicht beanstandet..

Sodann hielt Lehrer Hofmann einen Vortrag 1 übpr .Die Schädlingsbekämpfun g". Der i Redner gab zunächst seiner Freude Darüber Aus- ! druck, daß Der hiesige Obst- und Gartenbauverein, i der vor etwa 24 Jahren gegründet wurde und i bann einen Bestand von 110 Mitgliedern umfaßte, - sich nun wieder zu regen beginne, nachdem er veranlaßt durch die Inflation usw. eingefchlafen gewesen sei. Bei der Neugründung im vorigen Jahre traten zwölf Mitglieder bei. Diese Zahl habe sich inzwischen auf 50 erhöht, und er hoffe, daß Der alte Stand bald wieder erreicht werden könne. Darauf ging Der Vortragende in ausführlicher Dar­stellung auf die einzelnen Schädlinge, die besonders in hiesiger Gegend dem Obstbau Schaden zittugen, näher ein, schilderte ihre Lebensweise und gab Rat­schläge über die Vertilgung. Aus der Menge der Schädlinge griff er nur die bekanntesten heraus, wie Frostspänner, Blattläuse, Gespinstmotte, Apfel­wickler, Blutlaus, Schorf, Monilia usw. Die Obst­baumbesitzer dürften auch nicht vergessen, durch rich­tige Baumpflege, Auslichten der Kronen, gute Dün­gung usw. dafür zu sorgen, daß das Ungeziefer nicht überhandnehme; denn an schwachen, unge- nlegten Bäumen zeigten sich die Schädlinge zuerst. Aber auch die verschiedenen Helfer im Obstbau /Marienkäfer, Flvrfliegen usw.), besonders aber die Singvögel wurden erwähnt und darauf hingewie­sen, daß man diese Tiere schützen müsse. Obgleich die Lage unseres Dorfes für einen ausgedehnten Obstbau nicht besonders geeignet sei (Tiefenlage, Frühlingsnebel usw.), dürfe man doch nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern müsse alles tun, um aus den Bäumen herauszuholen, was nur mög- lief) sei. Das sei ein Haupterfordernis, besonders jetzt im Rahmen des Vierjahresplanes. Den Aus­führungen wurde lebhafter Beifall zuteil.

Eine rege Aussprache schloß sich an. Jul. Keß- l e r gab aus der Praxis noch einige Beispiele und tarn dann auf die Organisation der Baumspritzung zu sprechen. Es wurde beschlossen, in diesem Früh­jahr die halbe Gemarkung, die Bäume östlich der Bahnlinie, mit Karbolineum spritzen zu lassen. Die kreisamtlichen Verfügungen gäben den Gemeinden und damit auch dem Obstbauverein die Handhabe, damit nun alle Bäume gespritzt werden konnten. Die Kosten sind nur gering, werden auf Die einzel­nen Bäume ausgeschlagen und dann vom Besitzer eingezogen. Die Versammlung war damit einver­standen. In der Ausspraclje wurden außerdem noch einzelne Wünsche und Forderungen laut, die sich auf die vor 20 Jahren gepflanzte größere Obst­baumanlage links der Holzheimer Straße be- zogen. Hier wies Polizeidiener i. R. Joh W ei I daraufhin, daß es einst Das Verdienst von Dr. Hoffmann (Friedberg) und von Lehrer H o f- mann (Lang-Göns) gewesen sei, daß diese Anlage überhaupt ins Leben trat. (800 Bäume!) Er schlug deshalb vor, den mittleren Weg, der durch die Baumanlage führt und der zur Zeit noch keinen Namen besitzt, Hofmannsweg zu nennen, und stellte zugleich Den Antrag, daß dieser Beschluß der Gemeindebehörde zugeleitet würde, Damit Die noti­gen Eintragungen gemacht werden könnten. Der Vorschlag wurde mit Beifall gutgeheißen. In kurzen Worten dankte Lehrer Hofmann für die Ehrung, die ihm durch diesen Beschluß zuteil wurde. Nach­dem Polizeidiener i. R. W e i l noch feine Erlebnisse bei der Besichtigung der Obstanlagen in Ortenberg und Konradsdorf mitgeteilt hatte, wies Ortsbauern­führer Albert Weil in trefflichen Worten darauf hin, welche Aufgaben zur Zeit dem deutschen Bauern gestellt seien und daß auch bie Pflege, so- mie die Schädlingsbekämpfung im Obstbau hierher

Weise geschlossen.

> Daubringen, 11. ©ärtner

Vogel von hier, Der bei der Friedhofsverwaltung Der Stadt Gießen beschäftigt ist und täglich von hier nach seiner Arbeitsstätte mit Dem Rad fahrt, wurde bei seiner Heimfahrt heute abend kurz vor dem Dorfe von dem Anhänger ^mes Lastwagens an gefahren. Der Fahrer, Der selbst den Unfall nicht bemerkte, war weiter gefahren, und erst von einem des Weges kommenden Einwohner wuroe der Verunglückte aufgefunden. Mit dem Sanitats- auto brachte man ihn nach Gießen in die Klinik. Der bedauernswerte Mann hat einen Schadet-

bekundet und Dem Verein einen Geldbetrag über- , wiesen. Preisrichter Philipp (Watzenborn-Stein- berg) nahm am Samstagvormittag die Bewertung der Tiere vor. Die höchste Auszeichnung errang das Mitglied Wilhelm S ch l o s s e r , nämlich den von der Landesfachgruppe Hessen-Nassau gestifteten Landesfachgruppenzusatzpreis, und zwar auf eine Henne der silberfarbigen Italiener.

Nachstehend folgt das weitere Ergebnis der Be­wertung (Es bedeutet sg sehr gut, Z Zusatzpreis, g gut, b befriedigend): Wyandotten, blaugold: Theo­dor Leib g. Rhodeländer: Hermann Müller sg 2, g; August Lenz fg 1, Z; Theodor Leib sg 1, g. Rheinländer, schwarz: Friedrich Allendörfer sgl.Z; zweimal sg 1, g. Italiener, braun: Friedrich Klm- gelhöfer sg 1, Z, fg 1, fg 2, g, b. Italiener, schwarz: Otto Lippert sg 1, Z, dreimal g. Italiener, gestreift: August Bierau sg 1, Z, sg 2, g, b. Italiener, silber­farbig: Wilhelm Schlosser: sg 1, Z, zweimal gl, fg 2, zweimal g. Italiener, gelb: August Lenz sg 1, Z, g. Leghorn, weiß: Hermann Rau fg 1, Z, fg 1, g. Zwergrhodeländer: Walter Müller fg 1, Z, fg 1, b. Zwergwyandotten, schwarz: Georg Lutz sg 1, Z, zweimal sg 1, fg 2, zweimal fg 2, g. Deutsche Zwerge, silberfarbig: Hermann Rau g, b. Deutsche Zwerge, porzellanfarbig: Wilhelm Steinmüller zweimal g, b. Hamburger Zwerge, silberlack: Hans Germer fg 1, Z, fg 1, fg 2, zweimal sg, g. Tauben. Hessische Kröpfer, getigert: Karl Hinterlang zweimal sg 1, g. Hessische Kröpfer, schwarz: August Lenz sg 1, Z. dreimal fgl, fg 2, g. Englische Zwergkröpfer-. Otto Lippert sg l, g. Mährische Niesenstrasser, blau: Wil­helm Schlosser sgl, Z, sgl. Schönheitsbrieftauben, ziegelrot: Georg Lutz sgl, Z, sg 1, dreimal g. edjom heitsbrieftauben, gelb: August Lenz sg 1, g. Reise- brieftauben, blau: August Bierau zweimal sgl, der­selbe auf gehämmerte Tiere sg 1, g, derselbe auf gescheckte Tiere g. Thüringer Flügeltauben, blau: Peinhold Weigel sgl, Z, zweimal sgl, g. Thunn- 1 ger Flügeltauben, rot: Wilhelm Lenz sg 1, Z, sg 1,

Sprechstunden der Redaktion. 1130 bis 1230 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach. mittag geschloffen.

Kaurn, daß Der Polizist den Rücken gekehrt hatte, wandte sich Der Wirt mit einem Achselzucken an Alland und brummte verärgert:Dieser dumme Papierkram! Wenn man mal die Fremdenliste nicht rechtzeitig abschickt gleich sind sie da. Aber mit Den Gaunern nehmen sie's nicht so genau wenig­stens nicht mit den großen. Dieser Skandal jetzt wieder in Paris ..."

Aber der deutsche Doktor schien heute nicht zu einem Schwätzchen aufgelegt, natürlich, er unterhielt sich lieber mit seiner schönen Dame, auf Deren an­mutige Rückenansicht Der Dicke im Abgehen rasch noch einen wohlwollend taxierenden Seitenblick warf, um sich dann mit einem verständnisinnigen Bon plaisier, monsieur-dame" wieder diskret im Hausflur zu verschwinden.

Alland, der nur mit einem höflich zerstreuten Aufblicken die kleine Ansprache des Wirtes zur Kenntnis genommen hatte, beugte sich jetzt von neuem zu Evelyn vor und ergriff wieder besorgt ihre Hand, die noch immer wie leblos auf deni ihren Fingern entfallenen Taschenspiegel ruhte. Es war, als ob die Berührung sie aufgeweckt hätte. Wie ein Erschauern ging es durch ihren ganzen Körper. Und plötzlich schob sie mit der Linken die Tasse beiseite, wie um sich Platz zu schaffen, Platz für ihren Kopf, den sie, aufschluchzend, mit einer kindlich-verzweifelten Gebärde in den schützend, ver­bergend vorgehaltenen Arm fallen ließ. Ihre Rechte zuckte unter den heftigen Stößen dieses Tränenaus­bruchs in Allands Händen wie ein kleiner gefange­ner Vogel. Er war ratlos. Was war das nur? Womöglich ein richtiger Nervenanfall und wie peinlich, gerade hier an bet Straße! Wo jeder Vor­übergehende einen beobachten konnte! Er war noch zu fremd in dieser Gegend, um zu wissen, mit welch diskreter Gleichgültigkeit man hierzulande allen persönlichen oder gar amurösen Angelegenheiten sei­ner Mitmenschen begegnete, und daß selbst ein zu­fälliger Passant ganz bestimmt keine Notiz genom­men hätte von einer Szene, Die aussah wie ein Liebesstreit. Aber Evelyn schien trotz aller Ver­zweiflung seine GeDanken zu spüren, denn plötzlich, genau so plötzlich wie der Ausbruch begonnen hatte, hörte ihr Weinen auf. Sie hob ihr noch imme­tränennasses Gesicht ihm entgegen mit einem Aus» Druck von Entschlossenheit, ja beinahe lächelnder > Ueberlegenheit, wie er ihn noch nie an ihr gesehen : hatte. Ihre Augen leuchteten fremd, wie von einem geheimen Sieg verklärt. (Forftetzung folgt.)

CO Klein-Linden, 11. Jan. In der Wirt- schaftZur Burg" hielt der G -»l ü g ° l z u ch t. verein Klein-Linden 1931 bei starker Beteiligung seiner Mitglieder eine örtliche Werve- schau ab, der von der Einwohnerschaft reges Inter­esse entgegenbracht wurde. Auch die Gemeindever­waltung batte ihr Interesse an der guten Sache

Das fremde Gesicht.

Vornan von Caren.

14. Forftetzung. (Nachdruck verboten!)

Ach was!" Sie zuckte störrisch die Achseln, und ihr Mund wurde auf einmal ganz hart.Ich hatte Das langweilige Blond satt. Wo man hm kam, gaff­ten einen die Leute an unerträglich! Man konnte sich ohne Hut nirgends sehen lassen.'

Evelyn bohrte mit der Spitze ihres Sonnen­schirms kleine Löcher in den weichen Asphalt. Ihr finsterer Gesichtsausdruck ging allmählich in schmerz­liche Niedergeschlagenheit über. Schüchtern faßte sie nach der Hand des Geliebten und fragte leise mit einem rührend kindlichen Augenaufschlag:

Wirst du mich nun nicht mehr liebhaben,

gehörten. _.....

Eine Gratisverlosung von Obstbaumen, Fruchtsträuchern, Gartengeräten, Blumensamen usw. schloß sich an. Mit Dem Sieg-Heil auf Den Führer fand die anregend verlaufene Versammlung ihr Ende.

Landkreis Giesten

§ A 1 t e n - B u s e ck , 12. Jan. Wie in Den beiden vergangenen Jahren, wird auch im neuen Jahr in der hiesigen Volksschule bedürftigen Schülern em Milchfrühstück verabreicht.

rag. Großen-Buseck, 11. Jan. Am Sams­tagabend hielt der G e s a n g v e r ei nHeiter- k e i t - S ä n g e r k r a n z" im Vereinslokal Wagner seine Jahreshauptversammlung ab. Vor Beginn der Tagesordnung gedachte der 1. Vorsitzende Ludwig Wagner der im verflossenen Jahre verstorbenen