Ausgabe 
12.1.1937
 
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nicht aus der Welt geschafft.

Es wird abzuwarten bleiben, ob die europäische Diplomatie heute überhaupt noch in der Lage ist, die entfesselten internationalen Volksfrontenergien in ein Nichteinmischungsnetz hineinzubekommen und Europa auf die Linie des Neutralen zu brin­gen. Daß selbst dieses Mindestmaß von europäischem Gemeinschaftsgeist und gesundem Instinkt rnancher- orts so schwer aufzubringen ist, ist erschütternd.

an den Reichskanzler eine Ansprache, deren Ueber- setzung wie folgt lautet:

An Stelle Seiner Exzellenz, des Apostolischen Nuntius, der durch Krankheit zu Hause festgehalten ist und dem wir alle unsere Wünsche für baldige Genesung entbieten, beehre ich mich, folgende An­sprache, die unser Doyen vorbereitet hatte, zur Ver­lesung zu bringen.

Herr deutscher Reichskanzler!

Die bei Ihrer Nation akkreditierten Mitglieder des Diplomatischen Korps danken Eurer Exzellenz lebhaft dafür, daß Sie ihnen Gelegenheit geben, Ihnen ihre Wünsche darzubringen. Zu Beginn eines Jahres, das so beladen ist mit Beunru-

baldiae Genesung an. r ,

In tiefer Dankbarkeit gegen die Vorsehung, die unsere Arbeit segnete, kann Deutschland mit Be­friedigung auf das abgelaufene Jahr zurückblicken. Es ist unseren Bemühungen ge­lungen, im inneren harten Daseins­kampf unseres Volkes große Erfolge zu erzielen, seiner Stellung in der Welt aber jene Rechte zu sichern, wie sie allen großen Nationen zukommen. Am meisten aber empfinden wir Genugtuung darüber, daß es uns gelungen ist, die so viele Völker hartbedrückende Not der Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter zu mildern und damit zahlreiche Volksgenossen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch seelisch wieder aus dem Tiefstand der Bedrückung, ja Verzweiflung emporzuheben. , ...

Wir sind entschlossen, im neuen Jahre dieses Werk mit allen Kräften f o r t z u s e h e n. Wenn wir zu diesem Zweck die wirtschaftliche Selbständigkeit des deutschen Bol­tes weiter erhöhen und sichern, dann geschieht es nicht, um uns von der Umwelt abzuschliehen, sondern in der Ueberzeugung, daß sich eine wirklich gesunde Weltwirtschaft nur aufbauen kann auf gesunden Einzelwirtschaf­ten und daß überhaupt die Lösung der Welt­wirtschaftskrise in erster Linie ihren Ausgang nehmen muß von der Lösung der politischen und wirtschaftlichen inneren Krise der einzelnen Bölker. Indem wir uns be- mühen, das deutsche Bolt politisch, moralisch und wirtschastlich in Ordnung zu bringen, sichern wir nicht nur damit die eigene Zutunft, sondern wir dienen damit unserer Ueberzeugung

dolf Heß, überbracht.

Es folgte dann um 12 Uhr der feierliche Nemahrs- empfang des Diplomatischen Korps. Bei der Anfahrt der fremden Missionschefs erwies die Ehrenkom­panie militärische Ehrenbezeugungen durch Präsen­tieren, wobei die Musik beim Eintreffen der Bot- chafter den Präsentiermarsch spielte, während für die Gesandten und die Geschäftsträger das Spiel gerührt wurde. Im Großen Saal desHauses des Reichspräsidenten" waren sämtliche 53 in Berlin be­glaubigten fremden Botschafter, Gesandten und Ge­schäftsträger erschienen. Der Führer betrat um 12 Uhr den Saal. In seiner Begleitung waren u. a.: der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath, die Staatssekretäre Dr. Meiß­ner und Dr. Lammers, der zur Zeit den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes vertretende Ministerialdirektor Dr. Gaus, Obergruppenführer Brückner, der Adjutant der Wehrmacht beim Führer Oberstleutnant und Abteilungschef im Ge­neralstab des Heeres H o ß b a ch und der stellver­tretende Ehef des Protokolls.

Da der Doyen des Diplomattschen Korps, der Apostolische Nuntius, zur Zeit erkrankt ist, richtete als Wortführer des Diplomatischen Korps, der Botschafter Frankreichs

Francois Poncet

Oer Prüfstein.

Von Or. Hans von Maloiiki.

Der Abschluß der politischen Feiertagsruhe in Deutschland sieht die europäische Politik in einem höchst unerfreulichen Zustand. Was dieTimes als Aufgabe des neuen Jahres formulierte: Berei­nigung des spanischen Problems, um den Weg frei zu bekommen für die Erörterungderjenigen Dinge, die notwendig seinen, um Zufriedenheit und Frie­den zu sichern", das scheint über die moralische Willenskraft und politische Urteilsfähigkeit Euro- ] pas zu gehen. Statt dessen wird von wichtigen und , bestimmenden Zentren mit vollem Bedacht e i n e trübe und vergiftende Atmosphäre j verbreitet. Scheinheilig werden die Probleme ver­fälscht und Ansatzpunkte eines Fortschrittes, wie etwa das englisch-italienische Mittelmeerabkommen und die jüngsten Antworten Deutschlands und Ita­liens, um ihre befreiende Wirkung gebracht. Man bekommt in diesen Tagen wieder einmal einen Be­griff von der zerstörenden Kraft und Skrupellosig­keit jener negativen Energien, die Europa nicht zur Ruhe kommen lassen und jede Einebnung der Ge- qensätze zu verhindern trachten. Heute ist es soweit, daß das spanische Problem nicht nur einen besorg­niserregenden internationalen Gefah rem ar ad erreicht hat, sondern durch seine künstlich herbeiqeführte Aufblähung und Auswertung all das in den Hintergrund abdrängt, was unter dem Namene u r o p ä i s ch e R e g e l u n g auf der Tagesordnung steht. .. .

Das grohangelegte Storunasmanover inter­nationaler Volksfrontkreise, mit dem der klärenden Wirkung der deutschen und italienischen Note ent­gegengearbeitet werden soll, liegt ganz in der Linie solcher Absichten. Im Umkreis der Volksfronten sowie von der Zweiten und Dritten Internationale ist von Anfang an mit dem Schlagwort gearbeitet worden, es ginge in Spanien um den Kamps zwischen Demokratie und Faschismus. Diese Parole war an sich schon falsch. Sie wurde zur Groteske durch den Versuch, den Begriff der Demokratie mit dem Prinzip des Guten gleichzu­setzen, während der Faschismus als Inbegriff sin- fterer und bedrohlicher Gewalten firmierte. Zweier­lei wurde damit bezweckt: Einen Unüberbrückbaren Gegensatz innerhalb der europäischen Staatenge­meinschaft aufzureißen und darüber hinaus die Sache des roten Spanien mit der Gloriole des Friedens zu umhüllen. Schon allein die Tatsache, daß Moskau sich ungeniert eine führende Rolle auf der Seite derdemokratischen Friedensfreunde zumaß, hätte diese Irreführung entlarven müssen. Daß dies nicht geschah, daß sogar die Urteilsbildung von Staaten, die jeder Blockbildungstendenz öffent­lich abschwören, von dieser naiven und zugleich ge­fährlichen Schwarz-Weiß-Malerei getrübt wurde ist einer der entmutigendsten Züge in der europäischen Entwicklung und zugleich der tiefste Grund der gegenwärttgen Krise, nicht nur was Spanien be-

higung und Sorgen, ist es üblich, daß wir uns freundschaftlich versammeln, der Hoffnung in unserem Herzen Raum geben und den glühenden Wunsch Ausdruck verleihen können, g e m e i nja m an einer besseren Zukunft für d i e V o l- ker zu arbeiten. Möge dieses Jahr von Gott gesegnet sein und endlich allen Volksschichten, und unter Ihnen vor allem den Aermften, W o h l . e r - gehen bringen; möge es sich bei allen Volkern durch einen moralischen Aufstieg auszeichnen, der fest verwurzelt ist in den ewigen Grundsätzen der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit, den wahren Garanten der sozialen Ordnung und der interna­tionalen Ruhe. Es möge im neuen Jahr zwischen allen Nationen und innerhalb jeder einzelnen wirklich Frieden herrschen.

Erzellenz! Diesen allgemeinen Wünschen, die der ganzen Welt und damit auch Deutschland gelten, möchten wir noch einen ganz besonderen Wunsch für Ihr Land hinzufügen. Möge Deutschland in diesem neuen Jahre, dank seiner Anstrengungen auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet, seinem Volke einen immer größeren Wohlstand sichern und in immer stärkerem Maße zum festbegrundeten und allgemeinen Frieden in Europa und der Welt bei­tragen, in dem Sie mit bangem Herzen das Ziel Ihrer Bestrebungen sehen und der der eigentliche Zweck unserer Mission ist. Wollen Eurer Exzellenz auch die aufrichtigsten und wärmsten Wunsche für Ihr persönliches Glück entgegennehmen, die wir heute im Namen unserer Staatsoberhäup­ter und in unserem eigenen Namen aussprechen."

Der Reichskanzler

ziger deutscher, italienischer oder portugiesischer Soldat befinde. Die marxistischen Intriganten sollten lieber andere Märchen erfinden. Das Märchen von Blarotto sei zu abgeschmackt, da es über die dortige Lage nicht die geringsten Zweifel gebe.

Moskau als Drahtzieher der Gerüchtemacher.

L o n d o n , 12. Jan. (DNB. Funkspr.)Morning Post" stellt fest, daß S o w j e t r u ß l a n d die Hauptverantwortung für die Vorgänge in Spanien trage. Seine Agenten hätten ine Revolution ge­schürt, sein Botschafter organisiere und leite den Krieg und s o w j e t r u s si s ch e Waffen und Munition machten es den Roten möglich, sich gegen ihre Feinde zu halten. Außerdem habe aber die Sowjetpropaganda viel dazu beigetragen, Europa gegeneinander z u hetzen, und jetzt versuche sie friedliebenden, aber nervösen Völ­kern das Gruseln beizubringen. Man habe Ge­schichten von der Verschenkung der Ba­learen oder von Spanisch-Marokko durch General Franco als Gegenleistung für fremde Unterstützung gehört. An diesen Geschichten, die offenbar den Moskauer Stempel trugen, obwohl sie von einer anderen Hauptstadt ausge­gangen seien, sei kein Funken Wahrheit. Dann sei Alarm geschlagen worden gegen ein deutsches Eindringen in (Teuta. All denen, die mit diesen Dingen zu tun hätten, sei jedoch wohl be­kannt, daß diese haarsträubenden Berichte der Grundlage entbehrten. Die drittsche Oef- fentlichkeit werde gut daran tun, ruhig Blut zu behalten.

Auch in der Antwort, die d i e R o t e n dem Dor- schlag einer Kontrolle der spanischen Küste und Grenzen geben, könne unschwer erkannt werden, daß Moskau die Feder ge­führt habe Unverschämt und provozierend ver­drehe diese Antwort Tatsachen, indem man in ihr behaupte,die totalitären Regierungen" hatten Menschen und Munition nach Spanien geschickt und dabei die Hilfe verschwiegen, die die Roten von französischer und sowjetru - sischer Seite erhalten haben. Der Sowiet- botschafter in Valencia werde das auf alle Fälle besser wissen. Mit Recht könne man annehmen, daß

Denn die italienischen Blätter haben gar nicht so s unrecht, wenn sie die Frage aufwerfen, ob diese i Haltung der Neutralität überhaupt noch an- i gemessen und ausreichend ist gegenüber her katalanischen Wirklichkeit, die auch nach eng­lischem Urteil heute bereits eine fest ausgebaute bolschewistische Bastton und Ausfallspforte darstellt.

Man kann 'eben nicht mit der falschen Bewertung des bolschewistischen Faktors zu einer glatten europäi- chen Rechnung gelangen. Das gilt nicht nur für Spanien, sondern ebenso auch für die anderen aku­ten europäischen Probleme, wie etwa den Westpakt- Komplex und den Rohftoffschwierigkeiten. Frieden und Zufriedenheit, Vertrauen und Sicherheit kön­nen sich nicht einstellen, solange maßgebliche Mächte das Wirken der Sowjetunion als Gewinnpunkt in der europäischen Bilanz betrachten. Zu Beginn des Jahres wurde in englischen und französischen Blät­tern viel von einer neueneuropäischen Initiative" geredet; man wolle endlich mit Deutschland ins Reine kommen. Unter der beunruhigenden Entwick­lung der Dinge in und um Spanien ist es stiller geworden. Aber man weiß, daß auch hier falsche Problem st ellungen die Aussichten der diplo­matischen Sondierungen Frankreichs und Englands beeinträchtigen.

Es ist gewiß ein Fortschritt, daß man sich auch in Frankreich der Notwendigkeit einer Lösung der Kolonial- und Rohstoffprobleme grundsätzlich nicht mehr, verschließt. Wenn aber diese Lösung im Rahmen einer allgemeineneuropäischen Rege­lung" gesucht wird, bei der Deutschland seine Lebensrechte und seine Sicherheit gegen wirtschaft­liche Vorteile verschachern und sich ein diplomatisch- militärisches Netz über den Kopf ziehen lassen soll, so hat das mit europäisch gedachter Ausgleichs- polittk nichts zu tun. Es ist bezeichnend, daß kürz­lich sogar dieTimes" diese Zumutung in die irre­führende Formel von der Wahl Deutschlands zwi­schenPartnerschaft mit gleichen Rechten oder ab- , sichtlicher Selbstisolierung" kleidete. Wer auf solchen Methoden beharrt und sich vorbehält, den guten

Willen Deutschlands an ehrenrührigen oder sicher- ; heitsgefährdendenAngeboten" zu messen, der setzt

sich dem begründeten Verdacht aus, andere Ab- i sichten zu verfolgen. Ehrlicherweise sollte man i aber nicht vonSelbstisolierung" bei einem Vor- - fallen sprechen, der eher als Einkreisung und poli- t tischer Belagerungszustand anzusprechen wäre. In - London und auch in Paris versichert man immer . wieder, daß nichts ferner liege als derartige Ab­

sichten. Die subjektive Ehrlichkeit solcher Versiche­rungen soll gar nicht bestritten werden. Aber chon manche gutgemeinte Politik ist das Opfer fal­scher Mittel geworden, und die befreiende Wendung im Sinne wahrer Zusammenarbeit, die auch Deutschland anstrebt, wird dann erst eintreten, wenn man d i e b o I f ch e w ist i s ch e K arte aus dem europäischen Spiel läßt. Das ist der Prüfstein europäischer Friedenspolitik.

Zurückweisung der pariser «gen

Eine Erklärung

der spanischen National-Regierung.

Salamanca, 12. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die spanische Nationalregierunger- klärt zu den Lügenmeldungen über angebliche deutsche Truppenansamm lung e n in Marokko u. a.: Frankreich schickt feit Be­ginn der nationalen Erhebung ununterbrochen sog.

Freiwillige" nach Rotjpanien. Mexiko liefert ganze Schiffsladungen mit Waffen und stellt eben­fallsFreiwillige". In B e 1 g i e n arbeitet em gan­zes Büro, das sich ausschließlich mit der Anwerbung von kommunistischen Elementen für die fpantfdjen Bolschewisten und mit der Ausstellung falscher Pässe beschäftigt. In der Tschechoslowakei und in anderen Ländern arbeiten ähnliche Stellen. Die Roten in Valencia geben selbst zu, daß in Asturien ein aus Mexikanern zusammengesetztes Bataillon kämpft. An der Front von Madrid stehen ganze kommunistische Regimente r , Die ausschließlich aus Franzosen gebildet sind. Andere Regimenter auf feiten der Roten be­stehen aus Ausländern verschiedenster Nationen! IhreOffiziere" undKommandeure" sind auch Nichtspanier. Deutschland, Italien und Portugal haben gegen diese unverblümte Ein­mischung eines gewißen Auslandes bereits a u f das schärfste protestiert. Die oben ange­gebenen Beispiele können tausendfältig bewiesen werden.

Das nationale Spanien, so heißt es in der Er­klärung weiter, wende sich energisch gegen diese Maschenschaflen und die Aufdringlichkeit des in­ternationalen Kommunismus. Es gebe erneut die heilige Versicherung ab, daß sich weder im spanischen Teil der Halbinsel noch in Marokko auch nur ein ein-

erwiderte darauf:

Herr Botschafter!

Mit aufrichtigem Dank nehme ich die Glück­wünsche entgegen, die Eure Exzellenz im Namen des Diplomatischen Korps und zugleich im Namen der hier vertretenen Staatsoberhäupter mir und dem deutschen Volke zum neuen Jahre dargebracht haben. Ich bedauere von Herzen, daß es Seiner Exzellenz, dem Apostolischen Nuntius, in­folge ernstlicher Erkrankung nicht möglich ist, am heutigen Neujahrsempfang teilzunehmen. Ich schließe mich, Herr Botschafter, Ihren Wünschen für feine

Die Aeujahrswünsche der Wehrmacht.

Berlin, 11. Jan. (DNB.) Die Berliner Bevöl­kerung nahm an dem diesjährigen N e u j ah r s - empfang des Führers im Hause des Reichs­präsidenten in der Wilhelmstraße einen überaus lebhaften Anteil. Kurz nach 10 Uhr mar­schierte die Ehrenkompanie mit klingendem Spiel im Ehrenhof des Palais auf. Um 10.30 Uhr zog ein Doppelposten an der Freitreppe zum Pa­lais auf. Kurz darauf ging die Standarte des Füh­rers und Reichskanzlers am Flaggenmast über dem Haufe des Reichspräsidenten hoch. Als erste Gra­tulanten erschienen kurz vor 11 Uhr der Reichs- kriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtsteile. Als der Reichskriegsminister m Begleitung von Generaloberst Freiherr von Fritsch, Generaladmiral Räder und Generaloberst Göring das Haus des Reichspräsidenten verließ, intonierte der Musikzug den Präsentiermarsch. Der Reichs­kriegsminister schritt mit den Oberbefehlshabern die Front der Ehrenkompanie ab. Die Bevölkerung be­grüßte die hohen militärischen Führer auch bei ihrer Abfahrt besonders herzlich. Auch der Ober­bürgermeister und Stadtpräsident der Reichshaupt- stadt, Dr. Lippert, der dem Führer die Glück­wünsche der Bevölkerung ausgesprochen hatte, wurde mit Jubel begrüßt. Hierauf erschienen in ihrer alten Tracht die Halloren, die Abordnung der Salzwirker Bruderschaft im Tale zu Halle", die dem Reichsoberhaupt in der herkömmlichen Weise Salz, Schlackwurst und ein Glückwunschgedicht, den sogenannten Neujahrscarmen, überbrachten. Die Glückwünsche der Partei wurden dem Führer be­reits bei früherer Gelegenheit von dem Stell­vertreter des Führers, Reichsmimster Ru-

nad) audjber übrigen IBelL Denn dieses Bollwerk einer wahrhaft europäischen Kultur und einer starken sozialen Gerechtigkeit wird ein zuverlässigeres Element der europäischen Ordnung und des Friedens sein als ein turbulenter, von vielen Meinungen zerrissener und wirtschaftlich leidender Staat. Wir tragen damit bei zur Behebung jener Sorgen und jener Beunruhi­gung, von der mit Recht auch Sie, Herr Bot­schafter, gesprochen haben.

Ich habe die Hoffnung, daß dieses unser ehrliches Wollen, durch unsere Mitarbeit einen bedeutsamen Anteil zum Fortschritt aller Bölker zu leisten, in steigendem Maße Ber­st ä n d n i s bei den anderen Regierungen finden wird. Denn die Sorgen der Gegenwart sollen für alle Bölker Mahnung und Ansporn sein, die Gefahren, die den Frieden und damit der Entwicklung Europas drohen, rechtzeitig zu erkennen, um entschlossen auf eine wahrhafte Bötferoer- ständigung und Bölkerversöhnung hinzuarbeiten, die allen Ländern die Ermög­lichung ihrer wirtschaftlich eigenen Existenz und damit die sicherste Gewähr für die Wohl­fahrt und den Fortschritt der ganzen Mensch- heit geben.

In der Hoffnung, daß das neue Jahre; uns; biefem Ziel näher bringen möge, spreche ich 7^ Botschafter, sowie Ihnen, meine Herren, 3jjgleid) für ihre Staatsoberhäupter Negierungen und Vol­ker in meinem und des deutschen Volke» Namea die' herzlichsten Neujahrswünsche aus.

Bo>t unö MM.

Herzliche Kundgebungen in der Wilhelmstratze.

Nach dieser Ansprache begrüßte der Führer und nach ihm der Reichsminifter des Auswärtigen Den stellvertretenden Doyen und die im Halbkreis nach ihrer Rangfolge stehenden Botschafter Gesandten und Geschäftsträger einzeln nut Händedruck unö nahm ihre persönlichen Glückwünsche ^9f9en woran sich kurze Unterhaltungen knüpften. Nachdem der Führer sich von den Diplomaten verabschiedet und mit seiner Begleitung zurückgezogen hatte, ver­ließen die fremden Missionschefs dasHaus des Reichspräsidenten". Die Ehrenkompanie erwies ihnen militärische Ehrenbezeigungen Zur gleichen Zeit trat der Führer auf den zur Wilhelmstraße ae- leqenen Balkon. Mit langanhaltenden Hellrusen begrüßte die vieltausendköpfige Menschenmenge den Führer. Immer wieder brausten die begeisterten Heilrufe der Massen zum Balkon empor. Der Fuh- rer dankte für die herzliche Begrüßung mit erhobe­ner Rechten. In der Wilhelmstraße gegenüber der Reichskanzlei schritt der Führer dann in Begleitung des Kommandanten von Berlin, Generalleutnant Schaumburg und des Kommandeurs des Wach­regiments, Oberst von Alten die Front der Ehrenkompanie ab. Hieran schloß sich ein Vorbei­marsch. Nach dem Vorbeimarsch grüßte der Führer wieder mit erhobener Rechten nach allen Seiten und dankte für die überaus herzliche Begrüßung. Immer wieder kam die Liebe und Verehrung der Massen für den Führer und ihre Begeisterung über das prächtige militärische Schauspiel in brausenden Heilrufen zum Ausdruck und auch, nachdem der Führer wieder die Reichskanzlei betreten hatte, harr­ten die Tausende noch immer auf dem Wilhelms- platz au. Wenige Minuten nach 13.30 Uhr erschien der Führer auf dem Balkon der Reichskanzlei und dankte nochmals nach allen Seiten mit dem deut­schen Gruß für die begeisterten Huldigungen der Berliner Bevölkerung. Minutenlang jubelten die Berliner jetzt noch einmal dem Führer zu, um dann endgültig den Wilhelmsplatz zu räumen.

Deutschlands Arbeit für -en Frieden der Welt

Oes Führers Botschaft beim Neujahrsempiang des Diplomatischen Korps.

^Das Mißbehagen, das die englisch-italie­nische Mittelmeervereinbarung in allen rnoskauhörigen Bezirken auslöste, war nur eine Be­stätigung dieses Sachverhaltes. Denn die zwischen England und Italien ausgetauschten Versicherungen über den Status quo in der Mittelmeerzone, alio Spanien einbegriffen, durchbrachen die Volksfront- Theorie. Jenseits des imaginären Gegensatzes: hie demokratisch", biefaschistisch" fanden sich ein autoritärer und ein nichtautoritärer Staat auf Ö er Grundlage der Wirklichkeit und des Notwendigen zusammen. Im Lichte ihrer Ver­einbarung wurde nicht nur deutlich, von welcher Seite in Spanien Gefahren drohen; es wurde da­neben ähnlich wie mit der deutsch-italienischen Verständigung auch ein Ansatzpunkt für eine wahre und zugleich, realistische europäische Gemein­schaftsarbeit sichtbar. Beides waren Wirkungen, die den bolschewistischen und Dolksfrontkräften das Kon­zept zu verwirren drohten. Daher die Hetze, bie in Moskauer Blättern auch vor der sonst so gelobten englischenBourgeoisie" nicht halt machte.

Nicht anders steht es um die Kritik an der deut­schen und italienischen Stellungnahme zum Nicht- einmischungsproblem. Sie spiegelt das Mißbehagen jener Kreise wider, die aus dem spa­nischen Problem eine deutsche, bzw. italienische Frage machen und im Schatten eines skrupellosen Derleumdungsfeldzuges ihr jakobinisches Treiben ungestört und unbeobachtet fortsetzen mochten. Was man allerdings der zwingenden deutsch-italienischen Beweisführung entgegenzuhalten hatte, ist kümmer­lich und leere Ausrede. Das gilt vor allem für den Vorwurf, daß beide Mächte Undurchführbares ver­langen, ja durch absichtlich undurchführbar gehal­tene Forderungen nur Sabotage treiben wollten. Man beruft sich auf das freiheitliche Regime der demokratischen Staaten, die keine Handhabe hätten, um ihre Freiwilligen zurückzuholen. Dieses Einge­ständnis steht in sehr auffälligem Gegensatz zu der Ueberheblichkeit, mit der man ansonsten die Ueber- legenheit demokratischer Regierungsmethoden anzu­preisen weiß. Im übrigen haben auch demokra­tische Staaten schon mit einer Entschiedenheit zu handeln gewußt, die ihrer Tatkraft und Rücksichts­losigkeit alle Ehre macht. Man denke nur an tue französische Politik während des Ruhreinbruchs, oder an gewisse innerstaatliche Praktiken, wenn es sich um sog.faschistische Organisationen" handelt. Es geht schon, wenn man will. Den Gipfelpunkt der Demagogie aber hat man, wie stets, in Moskau erklommen. Mit dem verblüffenden Argument nämlich, daß die Demokratischen Frei­willigen m Spanien die Garanten des Friedens und deshalb eine Notwendigkeit" seien!

Es ist zunächst Sache vor allem der englischen Politik, die in der weiteren Behandlung des Nicht­einmischungskomplexes federführend bleiben will, sich mit den hier angedrohten Folgerungen ausein­anderzusetzen. Unabhängig davon bleibt festzuhalten, wie weit die Dinge, nicht zuletzt durch die fehler­hafte Politik Englands und Frankreichs, bereits gediehen sind. Kann Herr Blum z.B. noch zurück, selbst wenn er wollte, was auch noch erst zu be­weisen ist? Die Hemmungslosigkeit mit der sogar offiziöse französische Blätter in den letzten Tagen Deutschland der Umtriebe in Spanisch-Ma­rokko bezichtigen, ist kein gutes Zeichen und deu­tet eher auf die Absicht, die weitere Unterstützung der spanischen Roten propagandistisch vorzubereiten. Die deutschen und italienischen Versicherungen hin­sichtlich der Achtung des spanischen Besitzstandes werden durch Verdächtigungen und Lügen freilich