187. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Nr.9 Erstes Blatt * - 187. Jahrgang Dienstag, 12. Januar 1937
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Neuer Friedensbeitrag des Führers.
Austausch von Integritäts-Erklärungen über Spanien und Spanisch-Marokko zwischen dem Führer und dem französischen Botschafter in Berlin.
Eine französische Erklärung zur Marokko-Frage.
Paris, 12. Ian. (DRV. Funkspruch.) havas veröffentlicht folgende Mitteilung:
Gelegentlich des gestrigen diplomatischen Empfanges in Berlin versicherte Reichskanzler Hitler dem französischen Botschafter, daß Deutschland nicht die Absicht habe, noch jemals gehabt habe, die Integrität Spaniens oder der spanischen Besitzungen in irgendeiner Form anzutasten.
Der französische Botschafter versicherte im Hamen seiner Regierung, daß Frankreich fest entschlossen sei, die Integrität Spaniens und das Statut von Spanisch- Marokko im Rahmen der be st eh enden Verträge zu lassen.
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Bei dem feierlichen Empfang des Diplomatischen Korps hat der Führer in seiner Ansprache auch die Sorgen der Gegenwart erwähnt, die für alle Völker ein Ansporn sein sollten, für den Frieden, für Völkerverständigung und Völkerversöhnung zu arbeiten. Der Führer gab dem Wunsche des deutschen Volkes Ausdruck, ein Bollwerk der europäischen Ordnung und des Friedens zu sein. Wer hat von den Vertretern der ausländischen Mächte in diesem Augenblick wohl nicht an die spanische Krisis und an die Marokko-Affäre gedacht, die dank einer unverantwortlichen Pressehetze über das Wochenende im Brennpunkt des politischen Interesses stand. Die Ausführungen des deutschen Staatsoberhauptes waren von dem Geist wirkender Wahrheits- und Friedensliebe getragen, die ihr Wort durch die Tat bezeugt. Gibt es dafür einen besseren Beleg als die Erklärung, die der Führer, bei dem gleichen Neujahrsempfang dem französischen Botschafter über den deutschen Standpunkt in der Marokko-Affäre abgegeben hat?
Die Versicherung des Führers, daß Deutschland niemals die Absicht gehabt habe, die Unversehrtheit Spaniens oder der spanischen Besitzungen in irgendeiner Form anzutasten, und dies auch in Zukunft nicht tun werde, macht mit einem Schlage dem schamlosen Lügenfeldzug einer verantwortungslosen Pariser Sensationspresse ein Ende, die nach den Richtlinien Moskaus sich nicht genug tun konnte in Verdächtigungen und Verleumdungen Deutschlands, um einen Vorwand zu finden, das durch die Antworten Deutschlands und Italiens ausgelöste energischere Anpacken des Nichteinmischungsproblems zu Hintertreiben. Die Erklärungen der zuständigen spanischen Stellen in Burgos und Te- tuan haben ebenso wie die Berichte englischer Korrespondenten, die sich an Ort und Stelle von der Haltlosigkeit der von Paris ausgestreuten Gerüchte überzeugen konnten, das ganze Lügengewebe zerrissen.
Die Erklärung des Führers beim gestrigen Neu- jahrssmpfang und die Versicherung des französischen Botschafters, daß auch Frankreich entschlossen sei, sich an die bestehenden Vertrage über Spanisch-Marokko zu halten, haben die Atmosphäre gereinigt. Wieder einmal ist den bösartigen Hetzern rechtzeitig das Handwerk gelegt worden, deren
ganzes Streben einzig und allein dahin geht, die immer wieder betonte und durch Beweise der Tat unterstrichene Ehrlichkeit der deutschen Friedens- politik anzuzweifln und zu verdächtigen. L.
Genugtuung in London.
Englische Korrespondenten bestätigen die Grundlosigkeit der Marokko-Gerüchte.
London, 12 Ian. (DNB Funkspruch.) Die Erklärung des Führers gegenüber dem französischen Botschafter in Berlin, in der der deutsche Friedensstandpunkt erneut zum Ausdruck kommt, wird von den Londoner Morgenzeitungen mit Genugtuung und Erleichterung begrüßt. In großer Aufmachung wird der Inhalt der gegenseitigen Versicherungen unter dem Leitwort „Entspannung" wiedergegeben. Im allgemeinen ergänzen in den Zeitungen Berichte aus Paris das Bild, denn auch aus diesen Pariser Berichten geht hervor, daß nunmehr auch an der Seine eine Beruhigung eingetreten ist.
„Times" und „Mornjng Post" haben Sonderberichterstatter nach Marokko geschickt, um an Ort und Stelle zu prüfen, was an den Gerüchten ist, denen zufolge deutsches Militär sich in Spanien-Marokko aufhalten solle. In den Berichten des „Times"-Korrespondenten wird zwar eine deutsche Betätigung auf wirtschaftlichem Gebiet zugegeben, aber auch die „Times" hat keinerlei militärische Betätigung seststellen können. Der Sonderkorrespondent
Paris, 12. Ian. (DNB. Funkspruch.) Die französische Presse, die über die Feststellung der deutschen Zeitungen zur Lage in Südfrankreich und zu den Falschmeldungen über angebliche Pläne Deutschlands in Spanisch-Marokko im Tone größter Entrüstung schrieben, muß in den Sachberichten ihrer Korrespondenten selbst zugeben, wie richtig die deutsche Presse die Dinge beurteilt hat. So veröffentlicht „Echo de Paris" heute eine Meldung seines Londoner Berichterstatters, die die regellosen Zu stände in Südfrankreich in vollem Umfange bestätigt. Der Berichterstatter weist darauf hin, daß die Initiative der englischen Regierung zum Verbot der Entsendung von Freiwilligen u. a. dem Wunsche entspringe, mit der skandalösen Hilfe Schluß zu machen, die gewisse Clemente in Frankreich den Roten in Valencia und Barcelona geleistet hätten. Die Londoner Regierung sei über eine Reihe von Tatsachen sehr erregt gewesen.
Besonders stark sei dabei eine Darstellung des Abgeordneten Denville ins Gewicht gefallen, der kürzlich das französische Gebiet an der katalanischen Grenze besucht habe. Nach diesem Bericht herrsche in perpignan offen der Kommunismus, Kommunisten hätten dort die Zufarn-
der „Morning Post" in Tanger erklärt ausdrücklich, keine deutschen Truppen in Spanisch- Marokko gefunden zu haben. Die Berichte über militärische Absichten Deutschlands in Spa- nisch-Marokko werden vielmehr als sowjet- russische Verdächtigungen bezeichnet, die von Propagandisten, an deren Spitze der Sowjetbotschafter Moses Rosenberg steht, ausgestreut seien. 6
Starker Eindruck in Paris.
Die Pariser Morgenblätter im Zeichen der „Entspannung".
Paris, 12. Ian. (DM. Funkspruch.) Die pariser Morgenpresse bringt an erster Stelle und in großer Aufmachung die Meldung über die Unterredung zwischen dem Führerund dem französischen Botschafter in Berlin Fr an?ois-P oncet. Die Blätter sprechen in ihren Artikeln von einer Entspannung. „Petit parisien" meint, daß die deutsche Zusicherung, von Hitler persönlich und unter solchen Umständen ausgesprochen, natürlich große Bedeutung habe. Die Erklärung des deutschen Reichskanzlers habe selbstverständlich in diplomatischen französischen Kreisen wie auch in London einen ausgezeichneten Eindruck gemacht.
menvrbeit mit der Bürgermeisterei und unter freundlicher Duldung der Präfektur ein Re- krutierungsz en trum für die Spanien-Bolschewisten aufgetan. Am 3. Januar seien sogar 300 sowjetrussische Soldaten, die von den katalanischen Roten nach Bilbao geschickt wurden, geschlossen und unter dem Gesang der Internationale durch Bayonne marschiert.
„Victoire" bestätigt, daß die Autorität von Paris in den Pyrenäen fast nicht mehr stimmt. Die Volksfront, so schreibt die Zeitung, t u t d ort alles, was sie will, und je nach ihren Leidenschaften und Interessen hebt sie die Grenzen auf. Von Deutschland her gesehen, das ein disziplinierter Staat sei, könne das wie Separatismus aussehen. Das Blatt bezichtigt dann selbst die französische Presse der Lüge und zählt eine gan3e Liste von Falschmeldungen französischer Blätter auf. Es schreibt: Kürzlich hat man angekündigt, Hitler wolle auf seinen Kanzlertitel verzichten und ihn Göring übertragen. Das ist nicht wahr. Man teilte mit, daß die Kasernen von Kehl gegenüber Straßburg von deutschen Regimentern besetzt seien; das trifft nicht zu.
Man behauptet, daß deutsche Truppen in Melilla eien und daß deutsche Ingenieure den spanischen Hafen von Ceuta gegenüber Gibraltar befestigen. Das ist bestritten und dementiert. Um das Maß voll zu machen, heißt es sogar, daß japanische Soldaten (!) in Cadiz erwartet würden, um Francos Streitmächte zu verstärken (!).
Schließlich veröffentlicht der „Jour" eine Meldung aus Oran über die Lage in Marokko. Der Berichterstatter schreibt, daß ein französischer Flieger, der einen regelmäßigen Dienst zwischen Algerien und Melilla fliegt, ihm am Montagmorgen Auskünfte über die Lage in Melilla gegeben habe. Dieser Franzose, dessen Vaterlandsliebe nicht in Zweifel gezogen werden könnte, habe ich in Melilla am 6., 7., 8., 9. und 10. Januar aufgehalten. Er habe dem Berichterstatter folgendes gesagt:
..In den letzten lagen sind in Melilla keine Deutschen ausgeschifft worden. Ich war durch algerische Zeitungen vom 9. Ianuar alarmiert und habe alle Deutschen gezählt, die sich in Melilla aufhalten. Ich habe 49 gezählt, sämtlich Zivilisten, die Handelsaufträge durchführen. Allerdings ist in den letzten Tagen in Melilla Kriegsmaterial eingetroffen. Es handelt sich um Geschütze, diefürdieküstenverteidigung bestimmt sind. Diese Geschütze sind außerordent- lich alt. Als ich einem meiner spanischen Freunde sagte, daß sie nicht viel nutzen könnten, hat mir dieser geantwortet: Das ist alles, was wir in den spanischen Arsenalen von Eadiz und Ferrol haben finden können.
SvamsKer OberkommM weist französischen „Protest" energisch zurück-
Keine Truppenlandung in Marokko.
Paris, 11. Jan. (DM.) Das französische Außenministerium gibt bekannt: „Entsprechend den Weisungen des französischen General- residenten in Marokko hatte der französische Konsul in Teluan, Serres, am 9. Januar eine Unterredung mit Oberst Beigbeder, der das Amk des Oberkommissars in der spanischen Marokkozone ausübt. Der Vertreter Frankreichs in Tetuan erinnerte ihn an die förmlichen Bestimmungen des französisch-spanischen Abkommens von 1904 und 1912 und lenkte die Aufmerksamkeit des Oberst Beigbeder auf die Gerüchte, die in Melilla die Ankunft und in Ceuta die demnächstige Landung ausländischer Kontingente im Dien st e des General Franco ankündigen. Oberst Beig- beder erwiderte, daß in Marokko keine ge- chlossene Truppeneinheit und kein Kontingenl Fremdenlegion stationiert istoder erwartet wird.
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Die amtliche französische Verlautbarung ist insofern interessant, als nach der sranzösischen Mitteilung der spanische Oberkommissar in Marokko Frankreich eine deutliche Antwort erteilt und damit die pariser Pressemache ebenfalls als großangeleglesBetrugsmanöverent- larvt hat.
Die Kontrolle der Nichteinmischung.
L 0 n d 0 n , 12. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der Besuch des Ersten Lords der Admiralität und des Ersten Seelords bei dem Außenminister Eden wird stark beachtet. Man nimmt an, daß die Kontrolle des Seeverkehrs nach Spani ejt erörtert worden fei. „Morning Post" hält es nicht für unmöglich, daß man die Frage erwäge, ob Kriegsschiffe aller dem Nichteinmischungsabkommen angehörenden Staaten in spanischen Häfen stationiert werden sollten, um Schiffe an» zuhalten, die des Waffen- oder Frei- Willigentransportes verdächtig seien. Dieser Plan wäre dazu bestimmt, die Ueber- wachung zu Lande zu ergänzen. Die Seekontrolle hätte vielleicht manchen Vorteil, weil man noch nicht wisse, ob die kämpfenden Parteien überhaupt einem Kontrollplan zustimmen würden. Wäre das der Fall, könnte die Seekontrolle durch eine Landkontrolle auf französischem und portugiesischem Boden ergänzt werden. Die britische Regierung scheine jedoch nicht geneigt zu sein, eine Seekontrolle etwa allein zu übernehmen.
Wie aus einer Meldung des Labour - Blattes „Daily herald" hervorgeht, träumt man in dec Londoner sowjetrussischen Botschaft von einer i in ternationalen Flotte naktion im Mittelmeer gegen die Tätigkeit der nationalen spanischen Flotte, wobei man sich besonders um die Bete, ligung der britischen Flotte bemüht. Dec Sowjetbotschafter M a i s k y soll Eden ein Ersuchen der Moskauer Regierung in diesem Sinne unterbreitet haben, wobei er mit einem Hinweis auf den angeblichen „Ernst" der Lage operierte.
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Die französische presse widerlegt sich selbst.
Oie kommunistischen Umtriebe in Güdfrankreich bestätigt. — Keine deutschen Soldaten in Melilla zu finden.


