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restlosen Ablehnung der parlamentarischen Repu­blik und in dem Willen, sie zu vernichten.

In der positiven politischen Zielsetzung allerdings trennten sich ihre Anschauungen. Dem revolutionären Drang der F a l a n g e, em moder­nes Spanien, in starker Anlehnung an die heutigen europäischen Führer staaten zu schaffen und insbesondere das soziale Leben in Spanien von Grund auf umzugestalten, stand die traditionsge­bundene Auffassung der Carl ist en (Requetes) gegenüber, die eine Aufwärtsentwicklung Spaniens von der Wiederaufnahme der vor-liberalistischen, monarchisch-autoritären staatspoli- tischen Grundlinie erhofften. Wenn auch nicht zu leugnen ist, daß diese Divergenz hinsicht­lich der Beantwortung der Frageund nach­her?" (nach dem Kriege nämlich) da und dort zu Reibereien geführt hat, so ist doch die Tatsache, daß die kämpferische Zusammenarbeit der beiden Gruppen darunter niemals gelitten hat, ein glän­zender Beweis für ihre innere Disziplin.

Dem Oberbefehlshaber und gleichzeitigen Staats­chef, General Franco, konnte aber dieser Riß in der politischen Zielsetzung seiner beiden besten Freiwilligenorganisationen nicht gleichgültig sein. Insbesondere schon deshalb nicht, weil er weder der einen, noch der anderen Gruppe entscheidenden politischen Einfluß im Werden des neuen Spanien einräumen wollte, da ganz nüch­tern gesprochen einerseits die Falange noch in keiner Weise zur Uebernahme politischer Verant­wortlichkeiten erzogen und ausgereift war und weil andererseits die politische Starrheit der Traditiona­listen einen zu großen Hemmschuh für die auch ihm selbstverständliche Notwendigkeit einer Erneuerung Spaniens bedeutete. Angesichts dieser Verhältnisse und beseelt von dem Willen, die in der Jugend dieser beiden Organisationen vorhandenen starken Kräfte dem Vaterland zu erhalten, faßte Franco einen kühnen Entschluß: er legte die beiden Orga­nisationen in einer von ihm neu gegründeten E i n- heitspartei, derFalange Espanola Tradi- cionalista y de las J.0. N.S, zusammen und stellte sich s e l b st an deren Spitze. Die Kräfte und Werte der altspanischen Tradition, auf das engste vereint und verschmolzen mit dem Neuerungswil­len der Falange sollen Spaniens Zukunft formen. Garantie und Unterpfand hierfür ist das Blut der hunderttausend Toten, die in fünfzehn Monaten im Kampf um Spaniens Befreiung fielen. Ihnen als den Schöpfern des neuen Spaniens zu danken, das ist der Sinn des 29. Oktober.

VordeminnerenZufammenbruch in Sowjetspamen?

Die Hintergründe

der Waffenstillstandsgerüchte.

Paris, II.Nov. (DNB. Funkspruch.) Im Zu­sammenhang mit Gerüchten von einem an Eng­land gerichteten Waffen st ill st andsgesuch der spanischen Bolschewisten veröffentlicht derJour" Meldungen über schwere Mißstirnrnig- keiten unter den Bolschewistenhäuptlingen in Bar­celona. Die roten Rädelsführer dächten daran, zu­rückzutreten, derLandesverteidigungs-Minister" Prieto wolle in Salamanca einen Schritt für den Abschluß des Waffenstillstandes unternehmen. Seit der Uebersiedelung nach Barcelona sei der Wille zum Durchhalten bei den roten Ober­bonzen schwer erschüttert. Auch italienische Zeitungen meldeten, daß die Bolschewistenhäuptlinge England gebeten hätten, in Salamanca für einen Waffenstillstand einzutreten. Die letzten na­tionalen Erfolge hätten Azana und Companys völlig mutlos gemacht. Wenn kein Wunder einträte, dann scheine der innere Verfall des bolschewistischen Gewaltregimes nahe beoorzustehen.

3um Tode Macdonalds.

London, 10. Nov. (DNB.) Dem Unterhaus teilte der Sprecher den Tod von Ramsay Mac - d o n a l d mit. Ministerpräsident Chamberlain schlug als Ausdruck der Trauer des Hauses eine Vertagung der Sitzung vor. In einem kurzen Nach­ruf hob er die staatsmännischen Fähigkeiten des Verstorbenen hervor. Man könne sagen, daß fein

britischer Staatsmann der heutigen Zeit eine tiefere Erkenntnis der internationalen Geschehnisse besessen habe als Macdonald. Nachdem A 111 e e im Namen der Opposition und der Labour-Party und Sir Archibald Sinclair im Namen der Liberalen über den Verstorbenen gesprochen hatten, vertagte sich das Unterhaus. Wie verlautet, wird Macdonald in seiner schottischen Heimatstadt Lossiemouth auf dem Friedhof von Spynie Kirk in der Fami­

liengruft beiaefetzt werden. Der DampferReina del Pacifico , auf dem Macdonald gestorben ist, wird zum 15. November in Bermuda erwartet. Dort wird der Leichnam auf ein anderes Schiff gebracht, das ihn nach England zurückbringen wird. Der Dominienminister MalcolmMacdona Io, der an den Brüsseler Neunmächtebesprechungen teil» nahm, befindet sich auf der Rückreise nach London.

Langemarck mahnt die deutsche Lugend.

Don Ludwig Geiger.

NSG. In diesen Tagen weilen die Gedanken bei den Toten des Friedhofes von Langernarck. Aus Kriegsfreiwilligen und Landwehrleuten wurde im August 1914 eine neue Armee aus dem Boden ge­stampft, die sich in ihrer Masse aus Studenten und Schülern der höheren Schulen zusammensetzte. In wenigen Wochen war sie notdürftig ausgebildet worden, um im äußersten Norden der Westfront, in Flandern, zur Umfassung des enZlisch-französi- schen Heeres eingesetzt zu werden.

Aus den Hörsälen und höheren Schulen war Deutschlands Jugend zu den Waffen zusammenge­strömt. Die bunte Mütze wurde nut dem Helm vertauscht. Unter fröhlichen Gesängen fuhren sie nach Westen und marschierten der flandrischen Front entgegen. War auch ihre Ausbildung nur dürftig, um so mehr waren sie mit ihrem Her­zen bei derSache, was sie später zu so einzig­artigen Leistungen befähigte. Ganze Universitäten schienen geschlossen in den Krieg zu ziehen, Pro­fessoren und Studenten. Mit ihnen Arbeiter und Bauern. Alle hatten den Willen, tapfer und treu zu jein, ihrem Vaterland in seinen schwersten Stun­den zu helfen.

Oestlich von P p e r n trafen die jungen Regi­menter auf die englische Hauptstellung, die von ihnen genommen werden sollte. Ohne Artillerie­vorbereitungen schritten die Anariffskolonnen vor gegen kampferfahrene Truppen. Jeder Tag brachte ihnen grauenvolle Verluste. Immer wieder kamen neue Reihen. Vergeblich wurde gegen die Stellung der Gegner angelaufen. Ein erbittertes Ringen setzte ein um die flandrischen Dörfer, in deren Mitte Langernarck lag. Wenn auch zwei Drittel ihrer Kameraden auf dem Schlachtfelde blieben, Sturm auf Sturm brandete über das Leichenfeld gegen einen unsichtbaren Feind, dem die Natur eine günstige Verteidigungsstellung geschenkt und der mit einer Zähigkeit ohnegleichen jeden Strauch, jeden Hof, jeden Graben ausgebaut hatte. Mit dem Deutschlandlied auf den Lippen stürmten sie vor­wärts in den Tod. Niemand weiß, wer das Lied zuerst anstimmte, aber sieghaft erhob es sich über das Sterben einer jungen Generation.

Mit Recht und voll Stolz hat sich d a s d e u t s ch e

Studententum zum Träger des Gedankens von Langernarck gemacht, der lange Zeit vom deutschen Volk vergessen schien. Es feiert keinen Sieg, es feiert den Opfergang der heldischen Jugend, der alle Siege überglänzt. Der Friedhof von Lange- marck wurde in den Jahren 1928 bis 1932 von der Deutschen Studentenschaft zu einem würdigen Ehrenmal ausgebaut, das das deutsche Stu­dententum für die aefamte deutsche Jugend über­nahm mit der Verpflichtung, das Vermächtnis von Langernarck für alle Zeiten dem deutschen Volke lebendig zu erhalten. Nach dem Willen des Füh­rers roirb die ßangemarcffeier künftig eine Feier der Studentenschaft sein. An allen Hoch- unb Fachschulorten bes Deutschen Reiches werben am 11. November öffentliche Kunbgebungen durch­geführt. Das unter dem Reichsstubentenführer Dr. Scheel jtarke geeinigte Studententum ist stolz auf diese Tradition und greift heute mit Entschlossen­heit die Symbole auf, die ihm in den Jahren der inneren Uneinigkeit und Zerrissenheit verloren ge­gangen sind.

Langernarck mahnt die deutsche Jugend an die Pflichten, die sie tagtäglich zu erfüllen hat. Wir leben heute in einem Deutschland, in dem der Führer von jedem einzelnen verlangt, daß er sich mit aller Kraft für die Volksgemeinschaft einsetzt. Dazu ist es nötig, in Kameradschaft z u - sammenzu stehen. Studenten und Arbeiter wollen diese Kameradschaft halten, die sich im Krieg in ihrer reinsten Form geprägt hat. Es war eine einzige große Gemeinschaft, als im Oktober und November 1914 dieKinderregimenter" bei Lange- marck immer wieder zum Angriff oorgingen. Die deutsche Geschichte beweist, daß unsere Studenten bei allen entscheidenden Umwälzungen Pionier­arbeit geleistet haben. Aber Schulter an Schulter kämpfte mit ihnen die Jugend aus allen Schichten bes Volkes. Unb wie im Kriege Schlosserlehrling, Student und Jungbauer beim An­griff als Kameraden auf gleicher Höhe blieben und jeder es als eine Schande ansah, zurückzubleiben, so müssen heute im politischen Kampf unserer Tage alle in gleicher Front vorwärts marschieren. Die heuttge Zeit stellt alle vor gewaltige Aufgaben. Im

Geist der Kameradschaft von Langernarck wollen mtf ie lösen! *

Der Reichsstudentenführer, ^-Standartenführer Dr. Scheel, wird am 11. November 1937, 16 Uhr. an dem von der Deutschen Studentenschaft ge­soffenen Ehrenmal auf dem Langemarckfriedhof in Langernarck in Begleitung von zehn Amts­leitern der Reichsstudentenführung und einem Ver­treter Dr. Leys und zehn Werkscharführern zum 23. Jahrestag des Sturmes von Langernarck einen Kranz niederlegen. Zur selben Stunde wird a n allen Hoch- und Fachschulen bes Reiches von ben örtlichen Studentenführern ebenfalls der Gefallenen von Langernarck gedacht werden.

Volkskunde im Gau Heffen-Raffau.

NSG. Am Sonntag, 14. November, wird wäh- renb der Gaukulturwoche imKleinen Haus" in Darmstadt dieGauarbeitsgemeinschaft für Deut- che Volkskunde" gegründet. Die Arbeitsgemeinschaft wurde für das Reich am 4. Januar b. I. von ben Reichsleitern Rosenberg, Darre, Hier!, Himmler unb v. Schirach gebildet. Die Arbeitsgemeinschaft setzt ich zum Ziel, das Wesen und die mannigfaltigen Lebensäußerungen unb Lebensformen unseres Vol­kes zu ergrünben. Ihre Arbeit wirb aus ber Er­kenntnis betrieben, baß bie Rasse ber Kern bes Volkstums ist. Daher erfolgt bie Arbeit in engster Zusammenarbeit mit ber Vorgeschichte unb Rassenkunbe, auch mit ber Sieblungs- unb Sprachkunbe. Sie wirb neben bem Brauchtum un­seres Volkes bas Volkslied, den Volkstanz und das Volksspiel betrachten, Märchen und Sagen werden nach ihrer Ursprünglichkeit und ihrem, wahren Sinn erforscht werden. Aber auch Handwerk, Volkskunst und Hausbau in ihren örtlichen Erscheinungsformen werden Gegenstand von Untersuchungen sein. Einen wichttgen Platz wird die Familien- und Sippen­kunde einnehmen.

Unter ber Leitung des Gauschulungsleiters bear­beiten Parteigenossen unb Angehörige ber Gliede­rungen unb angeschlossenen Verbänbe bie verscho­benen Sachgebiete heimischen Volkstums. Zahlreiche Volksgenossen, bie volkskundliche Arbeit leisten, haben ihre Mitarbeit bereits zugesagt. Die straffe Aufteilung der Arbeitsgemeinschast gibt Gewäht für eine erfolgreiche Arbeit.

Der Gauleiter wird zur Eröffnung bas Wort ergreifen unb bie Mitglieber verpflichten. ^-Haupt« sturmführer Dr. Strobel aus bem Stabe bes 'Reichsbauernführers, Leiter bes Referats Schulung in ber Reichsarbeitsgemeinschaft, wirb überZi?l unb Aufgaben einer beutschen Dolkskunbe" sprechen^ Gauschulungsleiter Ruber spricht über bie beson­deren Aufgaben im Gaugebiet.

Rhein-Mainische Rundfunkschau auf der Gau-Kulturausstellung.

NSG. Seit Jahren findet in Frankfurt auf bem Festhallengelände roieber eine große Runbfunk- ausftellung statt. Sie soll im Rahmen ber Gäukulturwoche Hessen-Nassau als Teil ber Gaukulturausstellung eine Leistungsschau bes Runb- funts im Gau Hessen-Nassau sein. Hier wirb bie Runbfunkinbustrie bie neuesten Gerätetypen zeigen. An die Geräteschau werben sich Darstellungen ber Hauptstelle Runbfunk ber NSDAP., ber DAF., ber HI. unb bes Reichsnährstanbes anschließen. Ein Tonfolienschreiber gibt jebem Besucher bie Mög­lichkeit, seine eigene Stimme auf einer Schallplatte mit nach Hause zu nehmen. Be- sonberes Interesse dürften auch bie Stände ber Deutschen Reichspost erwecken, bie bie neueste Ent­wicklung bes Drahtfunks, bie Bilbtelegraphie, ein Mobell bes Fernsehsenbers auf bem Feldberg und ihren Entstörungsdienst zeigen wird. Das Fern­sehen wird erstmalig im Gau Hessen-Nassau ge­zeigt werden. Die kulturellen, politischen und tech­nischen Leistungen des deutschen Rundfunks wer­den auf großen Tafeln und statistischen Ha Stellun­gen gezeigt werden. Außerdem wird ber Reichs- fenber Frankfurt während der Ausstellung in einem Senderaum bei der Arbeit zu sehen sein. Jeder Bejucher wird Einblick in die umfangreiche, tech­nische und programmgestaltende Tätigkeit eines deutschen Reichssenders nehmen können.

Schöne alte Zinnsoldaten.

Das Steckenpferd eines englischen Generals.

Zinnsoldaten! Als Kinderspielzeug sind sie heute aus der Mode und durch Die haltbaren Plastilinsoldaten ersetzt. Aber dafür sind sie zu späten Ehren gekommen als Gegen­stand ernsten Sammeleifers. In ihren histo­risch echten Kostümen und ihrer oft künst­lerisch schönen Ausführung werden sie sowohl von Museen als auch von privaten Lieb­habern begehrt. Einer, der im Alter von die­ser Sammelleidenschaft ergriffen ist, ist der engliche Generalleutnant Sir George Mac Munn, der in berMorning Post" über seine Liebhaberei plaubert

Fast fünfzig Jahre lang", schreibt General M a c Munn,habe ich unseren Königen in allen Erbteilen als Solbat gebient, unb jetzt im achten Jahrzehnt sitze ich unb beobachte, wie die Welt sich dreht und alles einmal wiederkehrt. Und eine der Beobachtungen, die mich am meisten fesselt, ist das Abklingen pazifistischer Ideale und die Rückkehr der menschlichen Rasse zu Kampfbereitschaft, besonders in der Form, die unseren Knaben wieder Soldaten als Spielzeug erlaubt noch all den Menagerien und Bauernhöfen. Aber ich selbst kehre auch zu den Freuden meiner Knabenjahre zurück, denn ich bleibe vor den Spielzeugläden stehen und starre die solda­tischen Aufmärsche in der Auslage an, ja ich spiele selber mit Soldaten, ich, mit einer Brust voll Orden und Bändern, und was noch alles!

Vor drei Jahren wurde das Haus meiner Mut­ter verkauft, und zwischen dem Gerümpel fand sich eine Kiste mit wohlgeordneten Schachteln, in denen vor mehr als fünfzig Jahren meine Kindersolda­ten sorgsam für mich weggepackt worben waren. Ich hatte eine große Sammlung ber alten Art, bie kleinen, bie nur zwei Zentimeter hoch find. In meiner Kinbheit besaßen nur bie Söhne von Pluto­kraten bie große Sorte, bie wahren Enthusiasten hatten Massen von den kleinen, die besseren mit grünen Ständern, die billigeren ohne diese. An den neueren ist etwas Fremdes, unb ich weiß auch, was es ist: ber Geruch. Man benutzt yeute einen Lack, ber anbers riecht als ber alte Erinnert ihr euch, ihr jungen Männer von siebzig Lenzen, an den herrlichen Geruch einer neuen Schachtel voll Sol­daten zwischen Boden von Seidenpapier? Nun, er ist verschwunden, geheimnisvoll uergangen. Viel­leicht liegt es daran, daß man jetzt englische Farbe benutzt und nicht Farbe aus Deutschland, woher so viele der alten Sorte kamen.

Zinnsoldaten haben ihren Zauber durch die Jahr­hunderte bewahrt. Ihre Tragödie liegt nur darin, daß Jungen zerstörerische kleine Teufel sind und so viele zerbrechen, daß nur wenige aus alter Zeit er­halten bleiben. Ich erinnere mich, daß ich einmal ein Regiment Friederizianischer Soldaten hatte in gelben Uniformen mit Dreispitzen, aber sie wurden mir zu früh gegeben. Einer überlebte mehrere Jahre, aber ist dann auch verschwunden, und mit ihm ein echtes Stück der alten Zeit. Denn sie waren sicher Originale aus dem 18. Jahrhundert. Wo sind heute die Soldaten von Höchstädt und Dettingen, die für die Jungen jener Zeit gemacht wurden? Und ich zweifle nicht, daß zu Cromwells Zeiten seine Reiter in Zinn wie in Pappe zu haben waren.

Die Zinnsoldaten vor 50 unb 60 Jahren waren Marksteine ber Weltgeschichte. Es gibt Franzosen unb Chinesen aus bem Krieg 1860. Wißt Ihr noch. Ihr alten Krieger, biefe herrlich gemalten flachen Solbaten, bie ein Onkel Euch in einer runden Holz­schachtel aus Paris mitbrachte? Ich habe in meiner Sammlung prachtvolle Stücke aus den afrikanischen Kriegen mit Zulukraals und Kaktushecken und Tommis in Helmen oder Turbanen, mit roten Jacken und weißen Breeches und Ambulanzen und Tragbahren. Da sind auch die ersten marschierenden Ashantis und ein Kafferntrommler, ber ein Tam- Tam schlägt, bas mit Schübeln behangen ist. Es gibt Soldaten aus dem deutsch-ftanzösischen Kriege und aus bem russisch-türkischen unb Zuaoen unb Spahis, alle in biet unb in flach. Vor mir steht eine große Abteilung englischer Infanterie mit bem Al­bert-Tschako, so frisch in ihren Farben, als wären sie gestern gemacht, obwohl ich sie seit fast 60 Jah­ren habe. Sie tragen ben Stempel Paris, so wie eine oollstänbige Sammlung ber französischen Mar­schälle. Unb ba sinb auch Colin Campbells Drei­undneunziger aus bem Krimkriege, eine Mörser­batterie von ben Höhen von Sebastopol, mit Haufen unb Granaten unb Schanzkörben unb Lagerszenen mit Kantinen unb Feuern. Ich finbe viel Hochlän­der mit übermäßig kurzen Kilts unb einen Oberst zu Pferbe ebenfalls mit sehr kurzem Kilt. Dieser Oberst ist sicher in Deutschlanb gemacht worben.

Natürlich gibt es auch Massen von Kavallerie, Husaren unb Lanzer unb Leibgarbe, von ber Sorte, die mit kleinen Dornen an ihren Pferden festge­macht sind und abgenommen werden können und bie anderen aus einem Stück. Artillerie finde ich nicht viel, eine Reibe blauer und roter Lafetten mit vergoldeten Kruppschen Kanonen und Protzen im Galopp. Aber von Szenenstücken habe ich eine zanze Sammlung, von bem Bayern, ber einen Franzosen mit bem Kolben seines Zünbnabelge- wehrs nieberschlägt, bis zum Tob bes Prinzen Lulu.

Aber am besten erhalten von allen unb ich erin­nere mich, wie sie währenb meiner Genesung nach ben Masern ankamen ist ein Pontonzug bes französischen Geniekorps mit Bohlen unb Planken unb einer richtigen Pontonbrücke. Der Soldaten- fabrikant von heutzutage kann sich an seinen Vor­gängern ein Beispiel nehmen unb roieber solche Sachen machen zur Verbreitung von Wissen unb von Begeisterung für wohlgetane Pflicht, was auf bem Grunbe biefer ganzen Spielerei liegt.

Aber jetzt packe ich meine Solbaten roieber in ihre Schachteln, fest entschlossen, in ben Jahren, bie noch vor mir liegen, sie roieber zu einer Sammlung auf­zufüllen unb sie vor ben zerstörerischen Fingern von Enkeln zu bewahren, es sei benn, wir packen sie zusammen aus. Eines Tages, wenn bas Lon- boner Museum ober andere ehrenwerte Hüter ein Interesse an ihnen nehmen, sollen sie sie haben!" B.

Gchulschiffin schwerem Weiter

von Kurt Bock.

Ho riet! Ho riet!" brüllen die pitschnassen Jungs und holen das Großsegel ihres Schulschiff-Ewers dicht an den Südwestwind.

Mit ihnen schippert Käpten Finow, der Rote Franz so benannt in allen Häfen und vor jeder Toonbank der Niederelbe wegen seines brandigen Sabberlatzes von Bartkrause, schon zwei Tage zwischen Brunsbüttel und dem Neuyorker Feuer­schiff durch den griesen Nebel und den saftigen Schmutt von Strichregen und pfundigen Böen.

Daß ihnen die Ferientage von Petrus etwas vermanscht werden, macht bie gebräunten Gesichter nicht mulmig; immerzu setzt es Arbeit, Knaatsch und Gelächter genug über und unter Deck, und grab am lustigsten geht's zu, wenn ber Häuptling von ber Brücke seine fettenlangen Sprüche wettert über ben vermalebeiten Nebel, ber all bie aus» laufenben Lüttfischer, Krappenschaluppen unb Watt­kutter zu nah vor ben Bug kommen läßt.

Eben noch lud freundlicher Mief ins Logis zu einer Muck Kaffee, da ruft schon die, Trillerpfeife auf Deck zurück, weil Tide und Wind einen heftigen Stiem gegen bie Planken ballern. Zwei Reffe wer­ben eingesteckt, bie Luken bicht verschalt; bie Küste ist bereits irgenbroo versackt, schon wäscht Brecher nach Brecher über Borb.

Der Ausguck melbet lauthals Licht auf Luvseite. Die Bengels starren in allem roilben Werkeln auf­geregt hinüber: Da! Wieber eine Notrakete!

Ihr Käpten stemmt sich ins Steuerrab, brüllt

all Mann" an bie Schoten zur Wenbe, baß ber Ewer ächzenb burch ben Winb breht unb aufkreuzt.

Dort taucht bunkelbrohend aus Dämmerung unb Dünung ber Klumpen auf näher, näher Ein Tramp-Dampfer! Ein Frachter! Der hat bannig Schlagseite!" rufen bie Jungs zur Brücke hinauf, als ob Franz bas nicht längst gesichtet hätte. Tatsächlich spült ber Seegang bis ans Steuerborb-Schanzkleib, die Ladung hängt bereits bedrohlich über, der ganze Pott torkelt und krängt.

Jetzt hat der Havarierte ben Ewer erspäht, fein Telegraph läutet, Dampf zischt ab, bie Schraube stoppt, mahlt ben Strubel rückwärts.

Jeber ber Bengel möchte nun seine Kunst ber Flaggensprache beweisen, aber Heiner, ihr Aeltester, steht bereits breitbeinig in ben Seilen bes Deck­aufbaus unb winkt alle lesen sie bie Antworten brüben ab:Halten burch. Brauchen Lotsen. Wir schicken Jolle."

Schwer schaukelt brüben bas kleine Boot zu Wasser unb klettert mit hustenbem Motor über bie stürzenben Wogenkämme heran. Die Schüler lassen bas Fallreep leefeits herab unb fangen ben über» fpringenben Mann auf. Nach knappem Bericht wählt ber Rote Franz feine vier Stärksten zur Hilfe; bie hopsen mit in bie Muckepicke unb tanzen hinüber.

Hui, fieht's da aus! Gleich muß Heiner als Lotse auf bie Brücke zu bem Riesen in Oelrock und See- ftiebeln, der ihn die Leiter hinaufzerrt, die anderen helfen, die wertvolle Bohlenfracht festzulaschen. Wurfleinen holen die Laschinasketten dicht, und die Winschenkrane rattern. Die Ladung steht bis zum Brückenhaus hochgetürmt unb ist von ber Norbsee bös oertebbert, überlaftig. Nach achtern zu haben bie Fahrensleute eine wacklige Brücke über bie Balken gezimmert, auf ber sich bie Jungkerle an» binben, um nicht unversehens mit ber Fracht kopp­heister zu gehen.

Heiner inbes steht hinterm Kompaß ins Rab ver­bissen unb steuert stolz hinter seinem Käpten Finow in Kiellinie her. Bis sie nach vier schlimmen Stun­den durch die Finsternis das Feuerschiff anpeilen können unb ben Elblotsen anforbern.

Als Dank für bie Hilfe unb gerettete Fracht haut ber Seestiebelriese Heiner bie Schulter ein unb schüttelt allen vier Jungens ben Arm aus bem Gelenk.

Ein heiseres Hipp-hipp krächzt ihnen nach, als bie Lotsenjolle sie zum Roten Franz zurückjumpt.

Noch heute prunkt im Ewerlogis bas gerahmte Ehrenschreiben ber Reeberei, unb bie gesamte, feit langem so sehr bebürftige Beseglung, Plünnen wie Takelzeug, ist funkelnigelnagelneu.