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Oie Kantonalwahlen in Frankreich

Oer erste Eindruck: Keine so große Verschiebungen wie erwartet.

Paris, 11. DEL (DNB. Funkspruch.) In den ersten Morgenstunden des Montags gab das fran­zösische Innenministerium eine bereits verhältnis- mäßig vollständige Uebersicht über das Ergeb­nis des er st en Wahlganges der Kan­tonalwahlen aus. Von 1525 zu vergebenden Sitzen liegen bei Abschluß die Ergebnisse in 1459 Fällen vor. Sie brachten im ersten Wahlgang in 1022 Fällen die Entscheidung, während in 437 Fäl­len die Stichwahl am nächsten Sonntag entscheiden muß.

Der erste Eindruck ist, daß die Wahlen, wie man jedenfalls in Paris empfindet, nicht die gro­ßen Veränderungen gebracht haben, die man während der Zeit des Wahlfeldzuges ankün­digte. Es wird zunächst festgestellt, daß mit Aus­nahme von Marseille die Wahlen, soweit bisher her bekannt, ohne große Zwischenfälle verlaufen sind. Die Zahl der Stichwahlen von bisher rund 437 ist etwa doppelt so hoch wie die der unentschiedenen Ergebnisse im ersten Wahlgang bei den vorigen Kantonalwahlen. Selbst wenn man diese verhältnismäßig hohe Zahl der Stichwahlen in Rechnung setzt, glaubt man in Paris bereits heute^ erleichtert feststellen zu können, daß d i e kommuni st ische Partei trotz allem nicht die großen Wahlerfolge davongetra­gen habe, mit denen sie rechnen zu können glaubte und für die sie eine große Werbeanstrengung ge=(

macht hatte. Zuwachs haben die Kommunisten jedoch vor allem im Pariser Vorortsgürtel im Departement Seine et Loire zu verzeichnen. Die Sozialdemokraten scheinen sich besser be­hauptet zu haben, als sie selbst zu hoffen wagten. In den nordfranzösischen Departements haben sie hier und da sogar Stimtnenzuwachs zu verzeichnen, während sie an anderen Plätzen allerdings an die Kommunisten Wähler abgegeben haben. Die radikalsoziale Partei, der ge­wisse Propheten geweissagt hatten, sie würde bei den Kantonalwahlen sehr starke Verluste erleiden, hat im ersten Wahlaang zwar verloren, wird aber einen Teil chrer Gesamtverluste vielleicht im Stich­wahlgang wieder aufholen können. Bei den bürgerlichen Parteien der Rechten haben sich nur innere Verschiebungen vollzogen, die durch das Auf­treten neuer Parteien so durch die erstmalige Kandi­datur der de la Rocqueschen französischen Sozial­partei bedingt sind.

Nach dem Prozentsatz haben bei den General­räten die K o m m u n i st e n etwa 20 v. H. ge­wonnen, die Sozialdemokraten 15 v. H. ver­loren, die Radikalsozialen 10 v. S). verloren, die Linksrepublikaner 5 v. H. verloren. Die rechtsbürger­liche Republikanische Vereinigung hat rund 30 v. H. Zuwachs zu verzeichnen. Diese Be­rechnungen verstehen sich unter Zugrundelegung der stärkeverhältnisse der einzelnen Parteien.

Koch und Kellner im deuischen Volkstum

Don Werner Lenz.

V. A. Das hochgeschätzte Gewerbe der Köche hat sich erst verhältnismäßig spät entwickelt. Als unsere Altoorderen noch meist als Bauern auf eigener Scholle saßen, lag die Küchenarbeit ganz in der Hand /der Frau. Nur an den Sitzen mächtiger Stammesfürsten mögen wie uns von altangel­sächsischen Edelhöfen bezeugt ist hier und dort Köche ihres Amtes gewaltet haben. Aber erst der zunehmende Feudalismus begünstigte die Entstehung eines Gewerbes. Viel mögen die Hochadligen den Klosterbrüdern abgeguckt haben, wo ja der Bruder Koch ein angesehener Mann war, der gewiß viele seiner Kenntnisse aus Rom und aus den Werken der antiken Schriftsteller bezogen hatte.

Der Klosterkoch aber war Mönch oder Laien­bruder, kam also gar nicht in die Lage, sich mit Standesgemässen zu einer Zunft oder Gilde zu­sammenzuschließen, ebensowenig wie der fürstliche Leibkoch. Erst als die deutschen Svädte er­wuchsen und als der zunehmende Handels- und Reiseverkehr Gaststätten entstehen ließ, bildete sich ein Handwerkerstand der Köche mit Zunftrechten und Zunftgebräuchen aus. Eine ge­wisse Bedeutung spielte derGarkoch", der zumal auf Jahrmärkten und bei Volksfesten seine Speisen

feilbot. Er stand, wo es sich um Wurstsieden oder um Spießbraten von allerlei Schlachtvieh handelte, den Metzgern nahe; scheint auch teilweise mit zu deren Gilde gehört zu haben. Das gilt dann natür­lich nicht für den Pastetenbäcker, für den Feinkoch, Geflügelbräter und alle möglichen anderen Spezia­listen. Sie gehörten zu einer oder mehreren kleinen Gilden oder Zunftgruppen zusammen, je nach den örtlichen Verhältnissen der Städte.

Wie später die großen Gasthäuser, hatten schon früher die Fürsten meist einen ganzen Stab von Köchen. Deren Führer war der Küchenmeister, dem vom Einkauf der Speisen bis zum Tischdecken und Aufträgen die verantwortliche Haushalts­leitung anvertraut war. Manchmal stand ihm ein Meisterkoch zur Seite, der die Küchenarbeit der Unterköche einteilte, oft auch noch ein Küchen­schreiber. Wurde wie im Mittelalter üblich getrennt nach Rana und Würden gespeist, so unter­schied man den Mundkoch den Leibkoch der Herrschaft vorn Ritterkoch, der fürs Gefolge kochte, und vorn Unterkoch, der fürs Gesinde sorgte. Außerdem standen der Regel nach Küchenjungen, Küchenmägde fürs Abwaschen und Holzträger zur Verfügung, dann die Aufwärter, die Vorläufer

unserer Kellner. Auch waren Leute zur Hand, die den wichtigen Küchengarten besorgten.

So herrschte ein fasthierarchisches" System in den großen Küchen unter verantwortlicher Leitung des Küchenmeisters; und das war gut so, denn viele Köche verderben den Brei", nämlich wenn jeder nach seinem eigenen Kopfe darauflos kochen, braten, sieden und salzen will. Wie volkstümlich das Handwerk des Kochs war, zeigen uns zahlreiche alte Sprichworts:Auch einem guten Koch brennt zuweilen die Suppe an" undEs wird keiner Koch, ohne einige Suppen versalzen zu haben". Gewiß ist derein schlechter Koch, der den Löffel erst sucht, wenn der Topf schon überläuft" undwie der Koch, so der Brei". Aber es gilt auch mit Recht dies Wort:Der Koch ist der beste Arzt", denn eine vernünftige Ernährung verhütet oder beseitigt gar so manche Krankheit. Es stimmt auch für die Ausbildung anderer Handwerksleute, daß man sich in der Welt umtun soll, dennman lernt am besten in fremden Küchen kochen". Für die Kost­spieligkeit oder Sparsamkeit des Haushalts gibt oft in erster Linie die Küchenwirtschaft den Ausschlag. So heißt es im Volksmunde:Die Küche darf nicht größer sein als das Haus" oderFette Küche macht magere Beutel".

Koch und Kellner sind die besten Gevattersleute" heißt es. Denn der Kellner, der außer für die Auf­wartung bei Tisch auch für die Bereitstellung der Getränke zu sorgen hat, wird einen Koch, der ihm brav zuteilt, auch nicht am heißen Herde verdursten lassen. Sonst unterstehen aber die Kellner dem Oberkoch, und man sagt zutreffen:Auf einen Koch gehören drei Kellner". Der berufsständische Zu­sammenschluß sowie die Fachausbildung der Kellner entstammt erst dem vergangenen Jahr­hundert. Mittelalterliche Zunftsitten kennt biefer neuzeitliche Stand also nicht; dasselbe gilt für Kellnerinnen und Köchinnen, die als weibliche Per­sonen ohnehin außerhalb der Gildenbildung stan­den, da das Zunftwesen eine ausgesprochen männ­lich-staatsbürgerliche Angelegenheit war.

Immerhin ist gerade die Köchin infolge ihrer wichtigen Stellung im Haushalte von Engeln und Drachen mit der Küchenschürze melden die Mären! recht erheblich in Beziehung zum Volks­brauch getreten. Zumal bei Familienfesten, wo die Köchin ober Kochfrau ganze Scharen von Gästen versorgt man benke an ländliche Hochzeiten, würbe ihre Arbeit gern geroürbigt. In manchen beutschen Gauen hatte bie Köchin drei Ehrentänze mit ber Braut ober bem Bräutigam frei. In Tirol nimmt die Köchin ber Braut ben Kranz ab. In Holstein geht bie Köchin nach bem Kinbtaufessen mit einem salzbebeckten Teller runbum und sammelt unter Scherzreimen unb Sprüchen kleine Gelbge­schenke ein. Das geht vielleicht auf bie alte Sitte zurück, nach ber ehedem Köche bei Prozessionen unb Volksfesten, bie sich aus demMaiumgang" ent­wickelt hatten, Geld mit dem Kochlöffel einforderten. Sagt man von einer Köchin scherzhaft, siesei verliebt", also mit den Gedanken beim Schatze, wenn sie etwas versalzen hat, so weiß man auch ihre geschickte Behandlung und Einteilung der Speisen zu rühmen, die sie zu einer guten Mit­streiterin im Kampf für zweckmäßige Wirtschaft

und gegen den Verderb machen.Einer guten Köchin wächst das Fleisch unter den Händen", sagt der Volksmund anerkennend.

Vhein-Mainische Börse.

Uneinheitlich.

Frankfurt a. M., 9. Okt. Nach der vorwiegend leichten Erholung an der gestrigen Abendbörse war die Kursentwicklung zum Wochenschluß wieder un­regelmäßig. Da kleine Abgaben in der Mehrzahl waren unb bie Aufnahmebereitschaft weiterhin zu wünschen übrig ließ, gingen bie Kurse am Aktien­markt meist noch etwas zurück. Besonbers in Montanwerten hielt bie Verkaufsneigung an und bie teilweise anfangs etwas erhöhten Notierungen konnten sich späterhin nicht behaupten. Verein. Stahl 116 bis 115,50 (115,75), Buderus 123,50 bis 123 (123), Rheinstahl 150,75 (151,50), Mannesmann 119,40 (119,90), Hoesch 124,40 (124,13). Maschinen­aktien, Elektro- und Chemiewerte bröckelten bis 0,50 v. H. ab, etwas erholt waren Gebr. Iunghans mit 132 (131,25) und Th. Goldschmidt mit 141,25 (140,50). Mäßige Besserungen zeigten ferner Aschaf­fenburger Zellstoff mit 141,40 (140) und Bemberg mit 142,75 (142). Reichsbank, Schiffahrtswerte und einige Nebenwerte blieben behauptet.

An den festverzinslichen Märkten war das Geschäft klein und die Kurse größtenteils un­verändert. Reichsaltbesitz bröckelten 0,13 v. H. ab auf 128,65. Kvmmunal-Umschuldung bewegten sich bei 94,80 bis 94,85, Wiederaufbauzuschläge blieben zu 80,50 gesucht, ebenso Städte-Altbesitz zu 133,50 inkl. Ziehung. Der Psandbriefmarkt wies nur bei Liquidationswerten kleine Abweichungen auf. Staats- und Stadtanleihen kamen meist unverändert zur Notiz.

Der Freiverkehr lag ruhig und meist etwas schwächer. Rastatter Waggon 54,50 bis 55,50 (55 bis 56), Elsass. Bad. Wolle 80 bis 81 (81,50 bis 82,50), Dingler Maschinen 88 bis 89 (89,25 bis 90,25). Unverändert lagen Wayß & Freytag mit 149 bis 151, Pokorny mit 139 bis 141, Schuh Berneis mit 74 bis 75 und Verein. Pinsel mit 75

Wetterbericht

des Reichswetlerdienstes, Ausgabeort Jrankfurk.

Aussichten für Dienstag: Veränderlich mit zeitweiliger Aufheiterung, aber auch einzelnen Niederschlägen, bei lebhaften Winden aus West bis Nord für die Jahreszeit zu kalt, vereinzelte leichte Nachtfröste nicht ausgeschlossen.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr W. Lange; für Feuilleton: Dr.Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 37: 9248. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

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