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m. 2'2 Erstes Blatt

18Z. Jahrgang

Samstag, U September 193Z

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Wird Europa hören?

Alljährlich pflegt die planmäßige Aufklärungs- arbeu des Nationalsozialismus üoer die Seligefatjr des Bolschewismus iyren Höhepunkt zu finden m dem großen Referat, das der Reichspropaganda- leiter Reichsminlster Dr. (Goebbels dem Parreikon- greg in Nürnberg auf Grund des neueren sorg­fältig zusammengetragenen und auf seine Glauo- rourmgceit hin gepru|ien Materials erstattet. Daß ,b i e BZahrheit über Spanien" diesmal im Mittelpunkt der Rede stand, kann nicht wunder- neymen, denn dieses unglückliche Land hat der Bolschewismus mit zynischer Brutalität zum Expe- rimenliersetü seiner welt^evoluuonaren Metyooen der Vernichtung und des Terrors gemacht, nachdem er seine russische Heimat bereits in eine Wüste ver­wandelt hat, einen Friedhof, auf dem die Menschen nicht mehr laut zu sprechen wagen, wenn Stalins GipU. aus der Suche nach neuenVerrätern", Sa­boteuren und Abtrünnigen Stadt und Land bis in die fernsten Grenzprovinzen durchstreift. Mit unwiderlegbaren Zahlen bewies Dr. Goebbels, daß die Moskauer Komintern schon lange vor den Juli- ereignifsen des Jahres 1956 getreu der Maxime Lenins, daß nächst Rußland seiner politischen, so­zialen und wirtschaftlichen Struktur nach Spanien im besonderen reif sei, dieSegnungen" der bol­schewistischen Weltreoolution zu empfangen, dort mit ungeheuren Mitteln den kommunistischen Um­sturz planmäßig vorbereitet hat. Die zweckmäßigste Methode schien der Komintern dazu der Umweg über dieVolksfront", mit der man gleicherweise die eigene kommunistische Herrschaft tarnen und die Autorität des liberalistisch-demokratischen Schein­regiments der linksbürgerlichen Verbündeten durch zügellose Anarchie, Ermordung politischer Gegner, Aufwiegelung der Arbeitermassen, Anstachelung der separatistischen Instinkte einzelner Provinzen heillos fompromitieren konnte. Dieser kommunistische Terror mit einer Kette schwerster Provokationen hat erst die nationale Volkserhebung des Generals Franco ausgelöft in dem Augenblick, als der kom­munistische Ausstand losbrechen sollte, um die Herr­schaft in Spanien nun auch offen den Sowjets in die Hände zu spielen.

Dr. Goebbels zog aus dieser Vorgeschichte der nationalen Erhebung in Spanien durchaus mit Recht den Schluß, daß der sog. rote Valencia- Ausschuß keineswegs eineRegierung" fei, an welcher Fiktion die Kabinette der demokratischen Westmächte auch heute noch mit eigener Stirn fest­halten und um deren willen sie sogar es fertig­bringen, im Genfer Völkerbundsrat sich einen Ver­treter dieses Valencia-Ausschusses als Vorsitzenden zu küren, sondern nichts anderes als das Exekutiv­komitee der bolschewistischen Organisation, die von Moskau aus den Widerstand gegen die rechtmäßige Regierung des nationalen Spaniens leitet. Und grabe dieser unleugbare enge Zusammenhang hat dem nationalsozialistischen Deutschland seine klare Sympathie für General Franco zur Pflicht ge­macht, denn es kann aus Gründen der eigenen nationalen Sicherheit so wenig wie das faschistische Italien jemals dulden, daß die kommunistische Inter­nationale, nachdem ihr der Sieg der nationalsozia­listischen Revolution in Deutschland für ihre mittel­europäischen Pläne das Rezept verdorben hat, nun in Westeuropa eine neue Operationsbasis anlegt, um von hier aus einmal den Keil der Wettrevolu- tion weiter zwischen die Völker Europas zu treiben und zum andern für feine sehr handgreiflichen im­perialistischen Zwecke hier sich einen militärischen Stützpunkt ersten Ranges schaffen zu können. Nach­dem es Moskau trotz des grauenhaftesten Terrors, von dem Dr. Goebbels in feiner Nürnberger Rede an Hand einwandfreier Augenzeugenberichte ent­setzliche Bestialitäten eines roten Untermenschen­tums im einzelnen berichtet hat, und trotz einer ungeheuren propagandistischen und materiellen Hilfe aus eigenen Mitteln sowohl wie aus denen befreun­deter Demokratien, wofür Dr. Goebbels ebenfalls ein sehr eindrucksvolles Zahlenmaterial zur Hand hatte, das sich wohlgemerkt auf die Waffen- und Munitionslieferungen nach Ingangsetzung der Kon­trolle bezog, nachdem es nach alldem Moskau nicht gelungen ist, sich gegenüber der nationalen Er­hebung in Spanien durchzusetzen, sucht es mit Hufe einer neuen Methode, durch diplomatische und mili­tärische Provokationen Konflikte zwischen den euro­päischen Volkern zu schaffen, eine für seine revolu­tionären Zwecke günstige Atmosphäre vorzubereiten, ebenfalls getreu einer Maxime Lenins, daß em neuer Weltkrieg der beste Schrittmacher der Welt­reoolution ist. Hier liegt tatsächlich eine akute, Ge­fahr für ganz Europa vor, rote dre Ereignisse der letzten Monate in Zusammenhang mit dem ruch­losen bolschewistischen Bombenangriff auf das Pan­zerschiffDeutschland" und die Torpeöoangriffe roter U-Boote auf dieLeipzig und spater auch auf britische Kriegs- und Handelsschiffe bis in Die letzten Tage hinein zur Genüge bewiesen haben, und Dr. Göbbels hatte tausendmal recht, wenn er in Nürnberg den Völkern Europas warnend unö mahnend zurief:Wir haben den Femd mitten unter uns, aber er muß erkannt Eden, wenn man ihn schlagen will... Jedes Gewahrenlassen ist Sünde angesichts der furchtbaren Bedrohung, die sich vor uns allen aufrichtet."

Haben die Völker Europas die Zeichen der Zeit zu deuten gelernt? Kennen sie den Todfeind ihrer nationalen Suita und Wirt,chatt, den Todsemd jeder menschlichen Gesittung? Machen sie Ernst mit dem Kamps gegen die kommunistische Pestilenz im eigenen Lande und erkennen sie die Notwendigkeit gemeinsamen planmäßigen Handelns Zur Abwehr einer Weltgefahr, die keine Grenzen achtet? -Dr Goebbels hat auch darauf die Antwort gegeben, einer Reihe europäischer und , außereuropäischer Länder hat der Kampf schon eingesetzt, aber oer

provokatorisches Auftreten Lilwinow-Nnkelsteins in Ayon.

Die erste Sitzung derMittelmeerkonferenz" ohne Deutschland und Italien.

westliche Liberalismus steckt nach wie vor den Kopf in den Sand.Es ist ja seU feher das Vor­recht der Demokratie gewesen", so sagte Dr. Goeb­bels sehr treffend,non den Dingen überrascht zu werden, nichts zu merken, bis die Katastrophen wie furchtbare Gottesgeiheln auf sie einschlugen. Die politischen Nachrichten aus Spanien oder aus Oft- afien liefern ja für diesen Satz Tag für Tag un- gemein wirkungsvolle Illustrationen. In den Or­ganen der französischen Volksfront, in der liberalen Presse Englands, und nicht immer nur in diesen, in demokratischen Blättern Prags und Amsterdams, Zürichs und Stockholms, von Neuyork ganz zu schweigen, werden seit länger als einem 3^1 Die Kämpfer des nationalen Spaniens als Nebelten bezeichnet, ihre Kriegführung grundlos verdächtigt, aber die einwandfreien Zeugnisse für die Scheuß­lichkeiten der roten Horden geleugnet oder baga­tellisiert und das kommunistisch-anarchistische Exe­kutivkomitee von Valencia als Regierung ange- sprochen mit der die Kabinette der westlichen öträtien als Gleiche unter Gleichen, verkehren und sich auch irt Genf zusammen an -men Tifch setzen Diese Leute werden vermutlich auch nach diesem neuen ernsten Appell. ben. ®r_

mit feinem Rus:Europa erwache! vom Nurn, beraer Parteitag an die Völker Europas richtete, um^ ausweichende Redensarten nicht verlegen sein, a^er vielle cht werden die Völker selbst endlich die Sprache der nackten Tatsachen "^en bie grabe in dielen Tagen wieder das von Dr. Goebbels Ge fügte in erschütternder Weise bestätigten. Wurde nickt grabe eben bekannt, datz spanische Bolsche- wiiten^ber von ihnen terrorisierten und ausge- hunaerten Bevölkerung des nun durch die natio-

H Triinncn befreiten Santanders in einem nicht mehr zu überbietenden Zynismus Menschen- M M im^FakMe°d7s Originals her Besthl

Aho rin ber in Nyon geplanten Mittelmeerkonfe- 7L d-? Kabinett?von°Paris und London dar. auf3 Hinweisen, daß eine ähnliche Jnitiatioe zu einer solidarischen Aktion gegen böswillige Frie- den--'brecher im Mittelmeer, wie sie fetzt von Pans und London ausgeht, schon vor mehreren Monaten

Nyon, 10. Sept. (DNB.) DieMittelmeerkon- erenz" trat am Freitag um 17 Uhr im Gemeinde­aal von Nyon zusammen. Außer den einladenden Mächten England und Frankreich nehmen teil: Griechenland, Rumänien, die Türkei, Sowjetruh­land, Aegypten, Bulgarien und Jugoslawien. Mit Ausnahme des letztgenannten Staates sind alle Teilnehmer durch ihre Außenminister vertreten. Außenminister Eden schlug seinen Kollegen D e l - b 0 5 als Präsidenten vor, indem er darauf hin­wies, daß Frankreich diese Konferenz angeregt habe. Delbos wurde gewählt und legte die Ziele der Konferenz dar. Es handele sich darum, einer unerträglich gewordenen Lage ein Ende zu machen, die hierzu notwendigen Maßnahmen festzusetzen und die Regeln des internationalen Rechts für bie Schiffahrt im Mittel- m e e r z u verstärken .Es ist nicht möglich", erklärte Delbos,daß die Schiffahrt Piratenunter­nehmungen ausgesetzt ist, die keine Flagge respek­tieren, die Handelsschiffe ohne Warnung und ohne Ansehen der Ladung oder des Bestimmungsortes nach Methoden torpedieren, die man als längst überholt betrachten könnte und dem Protokoll von 1936 über die Humanisierung des U-Bootkrieges direkt zuwider laufen." Delbos sprach dann vom Bedauern darüber, daßaus für sie besonderen Gründen zwei Regierungen geglaubt haben, die ihnen zugehende Einladung a b l e h n e n zu ollen", indem sie bemerkten, daß nach ihrer Mei­nung die Frage in einem anderen Rah­men aufgeworfen werden könnte. Delbos schloß mit dem Hinweis, daß infolge der Abwesenheit zweier Regierungen die Möglichkeiten der Konfe­renz beschränkt seien.

Litwinow-Finkelstein richtete versteckte Angriffe gegen die eingeladenen aber abwesenden Staaten, die an derSabotierung und Torpedie­rung der Konferenz" interessiert seien! Erbe­dauerte" anderseits die Abwesenheit Valencias, dessen Einladung erals Wiedergutmachung eines Fehlers" anregte. (!) Der Name desjenigen Staa­tes, der mit den Mittelmeerpiraten zusammen­arbeite, sei ermittelt, obwohl er in diesem Falle nicht ausgesprochen werden dürfe. Das könne aber die von dem Piratenunwesen betroffenen Staaten nicht hindern, ihrerseits ihn auszusprechen. (!) Trotz ihrer eigenen Interessen könne sich die Sowjetregierung nicht auf internationale Einrich­tungen verlassen, deren geringe Wirkungsmöglich­keiten in den letzten Jahren wiederholt bewiesen worden seien. So aber erwarte sie von der Kon­ferenz, daß sie die allgemeinen,Jnteressen der an der Mittelmeerschiffahrt beteiligten Staaten schütze.

Nach diesen Aeußerungen Litwinow- Finkelsteins, aus denen erneut die provozierenden Absichten Sowjetrußlands hervorgingen, gab ® b e n eine kurze Erklärung ab, in der er seinerseits die Ab­wesenheit der beiden Großmächte bedauerte, aber gleichzeitig mitteilte, daß sie über die Konferenz auf dem Laufenden gehal t e n wurden. Auf Vorschlag Edens konstituierte sich sodann die

Konferenz als Komitee und blieb, nachdem die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden war, noch zu einer längeren Sitzung zusammen. Nach deren Be­endigung wurde folgende Mitteilung ausgegeben: Die Konferenz hat darüber beraten, nach welchen Grundsätzen eine Aktion unternommen werden soll, um den Piratenhandlungen ein Ende zu machen, die im Mittelmeer von Untersee­booten gegen Handelsschiffe unternommen werden. Ferner wurde erörtert, in welcher Weise d i e Streitkräfte der hierzu verfügbaren Flotten eingesetzt werden sollen. Die Aus­sprache ergab in gewissen Punkten die Notwendig­keit einer ergänzenden Prüfung. Zu die­sem Zweck werden heute abend und morgen vor­mittag verschiedene Besprechungen stattfinden. Die Konferenz wird Samstag um 16 Uhr wieder zu einer nichtöffentlichen Sitzung in Nyon zusam­mentreten.

*

Es ist wirklich ein starkes Stück, daß sich aus­gerechnet der Jude Litwinow-Finkelstein in der ersten Sitzung der sogenannten Mittelmeer­konferenz hinstellt und gegen die eingeladenen, aber abwesenden Staaten, Deutschland und Ita­lien, derart freche Vorwürfe erhebt, die In nichts ihre Begründung finden. Es ist ein unerhörter Skandal, wenn der Vertreter einer Regierung, die

selber in ihren außenpolitischen Beziehungen schon mit fast allen anderen Staaten der Welt in schwerste, Konflikte geraten ist, weil sie den Grundsatz der Nichteinmischung für sich nicht gelten lassen will, nun in Nyon die unglaubliche Dreistigkeit besitzt, anderen Mächten, die alles getan haben, den spa­nischen Konflikt zu lokalisieren, unrechtmäßige Hand­lungen zu unterstellen. Eben erst hat Reichspropa­gandaminister Dr. Goebbels auf dem Nürnberger Parteitag einen eindrucksvollen Auszug gegeben aus der unendlich langen Liste der Waffenliefe­rungen, die die Swojetunion auch noch nach Ein­setzen der internationalen Kontrolle unter falscher Flagge und mit falschen Schiffsnamen nach dem roten Spanien geschafft hat, um dort den Wider­stand der bolschewistischen Front gegen die natio­nalen Truppen Francos zu stärken. Noch in aller Erinnerung stehen die von roten Bombern und bolschewistischen U-Booten auf Befehl der Valencia- Häuptlinge zynisch durchgeführten Angriffe auf die Kontrollschiffe deutscher, italienischer und englischer Nationalität, sowie die Angriffe, die bolschewisttsche Kriegsschiffe unter falscher Flagge und unter fal­schem Namen auf friedliche Handelsschiffe unter­nommen haben, ausschließlich um durch diese stän­digen Beunruhigungen der Schiffahrt im Mittel­meer es zu Konflikten Zwischen den Anrainermäch­ten kommen zu lassen. Angesichts all dieser unleug-

Scharfe Verurteilung der sowjetrussischen Hetze in Paris.

Paris, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Blätter stellen fest, daß die Beratungen infolge der Abwesenheit Deutschlands und Italiens doch mit sehr viel größeren Schwierigkeiten verbunden sind, als man dies zunächst hat glauben machen wollen. Es fehlt sogar hier und da nicht an Kritiken über die unzulängliche Vorbe­reitung. Man gibt zu, daß die ursprünglichen französisch-englischen Pläne einschneidende A b - änberungen erfahren müssen, um ihre Durch­führung in einem neuen, sehr beschränkten Raume überhaupt möglich zu machen.

Die unverschämten Angriffe Litwinow- Finkelsteins werden in einem großen Teil der Blätter scharf verurteilt. So schreibt derHtatin, man habe einer Serie von außen­politischen Torpedierungen beigewohnt, als Lit­winow das Wort ergriff. Der englische Außen­minister habe jedoch nicht versäumt, ihm in wenigen aber ziemlich scharfen Sähen zu ant­worten. DerJour" betont, daß die Ankün­digungen Litwinow-Finkelsteins, daß Sowjet­rußland kein Vertrauen mehr in internationale Abkommen habe, nur begrüßt werden könne.

wenn dies bedeute, daß Sowjetruhland sich von den westlichen Mächten zurückziehe. Man 'se sich fragen, ob Stalin etwa einen Kon­flikt mit Italien suche, in dem Glau­ben, die anderen Mächte mithineinziehen zu können. Wenn dies der Zweck seines Manövers fei, so müsse man es durchkreuzen, noch ehe es sich weiter entwickele.

DieEpoque" stellt fest, daß Litwinow-Finkelstein wahrscheinlich seine eigene Vergangen­heit und die von seinem Lande oertretenen Ge­danken vergessen habe, als er sich zurVer­teidigung der internationalen Moral" (!) aufge­schwungen habe. DasJournal" schreibt: Die eitle Freude, die Litwinow-Finkelstein auch am Schluß der Sitzung nicht verheimlicht habe, entspreche der Verwirrung, die dieser ersten Fühlungnahme den Stempel aufdrücke. DerJour" will wissen, daß Frankreich und England das westliche Mittelmeer von Malta ab überwachten. Der Östliche Teil werde wahrscheinlich Sowjet­ruß land (!!) und den kleineren Staaten über­tragen. Außenminister Eden habe jedoch darauf bestanden, daß auch Italien einen 21 b - schnitt erhalte.

von Deutschland und Italien oorgeschlagen worden war, aber im Falle des KreuzersLeipzig" von Frankreich und England als inopportun abgelehnt wurde?

Nichts zeigt ja auch deutlicher die schwächliche und widerspruchsvolle Haltung der westlichen De­mokratien gegenüber der Weltgefahr des Kom­munismus, als die Vorgeschichte dieser Mittel­meerkonferenz, die gemeinsam zu treffende maritime Maßnahmen gegen das im Mittelmeer überhandnehmende Piratentum beschließen soll. Es ist bezeichnend, daß man diese Gesetzlosigkeit, die tatsächlich schon lange im Mittelmeer besteht, wie dieZwischenfälle" mit deutschen und italienischen Kontrollschiffen bewiesen haben, in London erst jetzt erkennt, wo vitale britische Interessen, die Sicherheit einer Lebenslinie des britischen Welt- reichs nämlich auf dem Spiel steht. Unb nun konnte man plötzlich auch in London energisch werden. Aber die Energie reichte doch nicht aus, das Stö­rungsfeuer niederzukämpfen, das sofort nach Be­kanntwerden des Konferenzplans von Moskau aus gegen ihn eröffnet wurde. Obwohl die Zeug­nisse sich mehren, daß die Tätigkeit rotspanischer U-Boote Ursache der Unsicherheit für die Schiff­fahrt im Mittelmeer ist, besaß die Sowjetregierung die Dreistigkeit, Italien zu beschuldigen und in einer Note in Rom Forderungen zu stellen, die man dort mit Recht als unerhörte Brüskierung empfunden hat. Als die Sowjetunion in einer zwei­ten Note ihre unverschämten Unterstellungen und Zumutungen noch steigerte, obwohl sie bereits auf die erste die darauf allein gebührende Antwort er­halten hatte, konnte es niemanden mehr wundern, daß weder Deutschland noch Italien die geringste Lust verspürten, vor Erledigung dieses Zwischen­falls sich mit der Sowjetunion an einen Konferenz­tisch zu setzen, der zudem so in die Nähe der bei uns und den Italienern nicht gerade in beiter Er­innerung befindlichen Genfer Atmosphäre, geruckt ist, daß wir uns unter diesem gemus loci keinen großen Hoffnungen über die Aussichten einer sol­chen Konferenz hinzugeben vermögen.

Ueberbies können wir nicht begreifen, welchen Sinn es haben soll, bem Nichteinmischungs­ausschuß, ber in Lonbon zu bem ausgesproche­nen Zweck eingesetzt ist, ben Spanienkonflikt zu neu­tralisieren unb aus ihm nicht Weiterungen

andere Nationen entstehen zu lassen, diese aktuelle nub höchst wichtige Aufgabe ber Unterbinbung bes im engsten Zusammenhang mit bem Spanienkonflikt entstandenen unb bie neutrale Schiffahrt bebrohen- ben Piratenturns im Mittelmeer abzunehmen unb einer befonberen Konferenz zu übertragen, die sich zur Durchführung ihrer Beschlüsse doch wieder glei­cher ober ähnlicher Organe bebienen müßte, wie sie ber Nichteinmischungsausschuß bereits eingesetzt hat. Deutschland) und Italien haben baher auch ben ein- labenben Mächten ben Gegenvorschlag unterbreitet, mit ber fraglichen Sache ben Nichteinmischungsaus­schuß in Lonbon zu betrauen unb bamit ihren gu­ten Willen zur Fortsetzung ber internationalen Zu­sammenarbeit auch trotz bes sowjetrussischen Stö­rungsfeuers bewiesen. Aber wie es scheint, wollen Englanb unb Frankreich an ihrem Konferenzplan festhalten, wenn auch bie von ihnen mitgebrachten Vorschläge mit Rücksicht auf bie neue politische Lage eine Abanberung erfahren sollen. Was in Nyon beschlossen werben soll, kann f-aum etwas anberes sein, als bie Maßnahmen, bie Deutschlanb unb Ita­lien nach bem Torpeboangriff roter U-Boote auf ben beutschen KreuzerLeipzig" beantragt hatten, womit sie aber bei Frankreich unb Englanb nicht burchgedrungen waren, weil belben die unverän­derte Freundschaft mit Moskau wichtiger war als gerechte und zweckmäßige Maßnahmen zur Siche­rung des Weltfriedens. Unb auch jetzt werben beibe ßänber, so sehr man im Augenblick auch sich ben Anschein aibt, verstimmt zu sein über bie bolschewi­stischen Manöver gegen bie Konfrenz, vor einem Stirnrunzeln Moskaus roiber bessere Erkenntnisse zurückweichen. Jebenfalls sind bie Aussichten für bie Konferenz von Nyon gering genug. Selbst franzö­sische unb englische Blätter müssen bies einräumen unb sie empfehlen ben Delegierten Frankreichs und Englands äußerste Vorsicht, um zu vermeiden, sich bei dieser heiklen Partie von den Sowjets in eine Falle hineinmanövrieren zu lassen und um der schö­nen Augen Moskaus willen die sich hoffnungsvoll anlassende Verständigung mit Italien aufs Spiel zu setzen, womit wieder einmal bewiesen wäre, was Dr. Goebbels in Nürnberg erneut behauptet bat, daß ohne eine klars Frontstellung gegen den oölfer- verhetzenden Bolschewismus eine europäische Zu­sammenarbeit zur Sicherung des Friedens praktisch undenkbar ist. Dr. Fr. W. Lange.