Nr.'3.? Erstes Matt
187. Jahrgang
Zrettag, U.Zuni 1937
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Oer Londoner Goldschrecken.
Seit etwa zwei Monaten befinden sich die Londoner Börsenkreise wegen Ueverangebots an Gold in einer latenten Goldkrise, die in den letzten Tagen geradezu zu einem Goldschrecken wurde, und deren Wirkungen so vielfältiger Art sind, daß wir sie nur kurz umreißen können. Die Ursache dieses Goldschreckens sind die andauernden Goldzuflüsse, die in London kaum untergebrachl werden können, jedenfalls aber zu einem Sinken des Goldankaufspreises geführt Haden, während bekanntlich der Goldproduzent Südafrika auf der Empirekonferenz beantragte, das Pfund Sterling wieder fest an den Goldstandard ;u binden und für Gold im Einvernehmen mit !ren USA. einen bestimmten Ankaufspreis feftzu- etzen, eine Forderung, die auf nicht mehr und nicht weniger als eine Revolution nach rückwärts nusläuft. Ist sie aber vermeidbar? Jedenfalls laben die Vorkommnisse der letzten Wochen ein- nal gezeigt, daß nicht die Zunahme der Goldpro- >uktion, sondern die Verteilung der vorhandenen Goldmenge die Ursache alles Uebels ist. Dann, daß das September-Abkommen ton 1936, mit dem Frankreich seinen Franken ibwertete, weil es von den USA. und Großbritannien bezüglich der Goldbewertung anscheinend nositive Zusagen erhielt, wertlos ist.
Der Goldschrecken wird in der britischen Geschäftswelt wohl nicht so schnell vergessen werden. Mos- lauer Goldbarren wurden wieder einmal in einem Imfange angeboten, der ofsiziell auf 4,5 Millionen Pfund Sterling angegeben wird, in Wirklichkeit cber wurden etwa 10 Millionen Pfund aus pri- ater Goldhortung und 6 Millionen von den Sow- -ts, die den größten Teil des von den spanischen Zolschewisten geraubten Goldes derartig zu ver- ökern versuchen, angeboten, und das Ergebnis war, daß die Banken gar nicht in der Lage waren, diese Mengen vollständig auszuliefern. Lenn über 200 Millionen RM. Gold an einem Cage die Londoner Börse belasten, dann kann Man sich vorstellen, wie die Wirkungen sind. Die englische Goldwährungsbehörde ist verpflichtet, das cngebotene Gold aufzukaufen, damit der Gold- Meis nicht plötzlich absinkt, was eine Wirtschafts- .ise ungeheuerlichen Ausmaßes zur Folge haben vürde. Weiter aber hat die Währungsbehörde (Großbritanniens auch auf den Dollar zu achten. 6ie muß verhüten, daß eine zu starke Steigerung '' tes Dollars eintritt, obwohl an und für sich die Zdiedrighaltung des Pfundes und die Aufwertung hs Dollars durchaus zum Grundsatz der engli- lhen Finanzpolitik gehört. Die britische Wäh- i.mgsbehörde gibt also Dollar ab und nimmt Pfunde dafür. Weiter ist es noch fraglich, ob der Währungsausgleichsfonds große Goldmengen ge= jiuft hat, um im Notfall das englische Pfund medrig zu halten. Auf eine Unterhausanfrage erfolgte bezeichnenderweise keine Antwort. Aber hs ist sehr wahrscheinlich, denn England, das durchaus gegen eine Festlegung des Pfundes ist, operiert folgendermaßen: Es ist an und für sich für leite Aufwertung des Dollars, der ja künstlich unterbewertet wurde, woraus die jetzigen Schwierigkeiten entspringen. Aber es will das englische Vunb durchaus unterhalb der Dollargrenze und möglichst bei dem jetzigen Stand belassen; ja, England ist bereit, im Notfall das verhängnisvolle Währungsexperiment zu wiederholen und das Pfund noch weiter abzuwerten. Folglich geht die Taktik d-hin, Gold in Pfunde zu verwandeln und für d«se Pfunde wieder Dollar zu kaufen. Das wäre ihr normale Gang, die Operationen am Londoner (Mbmarft zu leiten, wenn nicht Ereignisse, wie die Ibrr letzten Zeit, diese ganzen Operationen über den fpufen geworfen hätten. Immerhin versucht die britische Währungspolitik, selbst aus dem Goldschrecken m.ch zu retten, was zu retten ist, um wenigstens d:s Pfund möglichst niedrig zu halten und den Lollar nicht zu plötzlich steigen zu lassen. Am Mon- tey war eine Beruhigung eingetreten, das An- qibot überstieg nur unwesentlich den gewöhnten lfoldumsatz, aber das liegt wohl daran, daß sich die konken anschickten, auf eigenes Risiko Gold nach ! bim USA. zu schicken.
Wie kann Amerika darauf reagieren? An und [irr sich wird drüben die Wiederaufwertung d-:s Dollars wohl durchführbar sein, aber man tö rb angesichts der isolierten Stellung Englands in der Währungspolitik wohl diesen Sprung vereiden, abgesehen von politischen Prestigegründen, ur d man wird versuchen, die Goldzufuhr nach den USA. möglichst zu drosseln, also durch Genehmi- yrmgspflicht für die amerikanischen Banken, Auslandsguthaben hereinzunehmen ober eine kräftige Z fteuerung biefer Guthaben über bie mögliche Auf- o rtung bes Dollars hinaus. Auf ber Strecke bleibt panfreid). Es wirb um eine regelrechte Devisen- ^wirtschaftung nicht herum können.
Unb zum Schluß: Hat sich bie Abwertung bes y llars, bes Pfunbes unb bes französischen Franken qeiobnt? Nach soviel Jahren ber Anwenbung künftiger Mittel zur Niebrighaltung biefer Wahrungen litt sich jetzt mit aller Bestimmtheit sagen, baß bie turd) bie Abwertung erzielten Teilergebnisse m gar Imem Verhältnis zu ber Unruhe unb ben Ver- lirte stehen, bie burch bie Abwertung auch m ben US A unb in Englanb zu verzeichnen sinb, obgleich ce- abe Frankreich biefe Folgen ber Abwertung bei Inner ganzen Finanz- unb Wirtschaftsverfassung am textlichsten spürt. rt-
Reichsbankpräsident Dr. Schacht begibt sich gm 17 Juni nach Wien, um bem Präsibenten ber ve terreichi chen Nationalbank Dr. Kienböck, ber । in vor einiger Zeit in Berlin besucht hatte, feinen Öigenbesuch abzustatten.
Sowjetnissischer Sabotageversuch mißglückt.
ßonbon, 10. Juni. (DNB.) In Beantwortung eines am Mittwoch von bem sowjetrussischen Botschafter Maisky an ben stellvertretenben Vor- sitzenben bes Lonboner Nichteinmischungsausschusses Wallace gerichteten Briefes wirb bie sowjetrussische „Beschwerbe" barüber, baß bie vier Flotten- mächte angeblich „ohne Befragung bes Nichteinmischungsausschusses Garantien für bie Rückkehr Deutschlanbs unb Italiens berieten", energisch zurückgewiesen. In biefem sowjetrussischen Brief, ber nur bazu bienen sollte, die Verhandlungen über die Wiederingangsetzung der Seekontrolle zu stören und bas wirksame Funktionieren der vom Nichteinmischungsausschuß beschlossenen Maßnahmen zu sabotieren, war u. a. gefordert worden, daß über Vergeltungsmaßnahmen gegen sowjetspanische Uebergriffe nur entschieden werden dürfe, nachdem die gesamte Frage durch den Nichteinmischungsausschuß erörtert worden sei. Zur Bedingung müsse dabei gemacht werden, daß alle in dem Ausschuß vertretenen Länder voll über sie unterrichtet würden.
In seinem Antwortschreiben an den sowjetrussischen Botschafter Maisky führt der stellvertretende Vorsitzende des Nichteinmischungsausschusses aus, daß die Diskussionen über die Frage der Sicherheitsmaßnahmen auf — wie man habe annehmen müssen — einstimmigen Wunsch des Hauptausschusses vom Vorsitzenden eingeleitet worden seien. Während der Sitzung des Ausschusses am Montag, 31. Mai, in der man den Ueb erfail auf das Panzerschiff „Deutschland" behandelt habe, habe der Vorsitzende bei drei Anlässen angeregt, daß es wünschenswert sei, die Frage der Sicherheit der Kontrollschiffe unter den vier Großmächten zu erörtern. Keiner habe diesem Vorschlag gegenüber eine andere Meinung zum Ausdruck gebracht. Es feien darüber hinaus Zusicherungen gegeben worden, daß die Diskussionen strikt auf die wesentlichen Garantien beschränkt werden würden, die man für das Kontrollwerk für notwendig halte und die dW damit betrauten Mächte auf eigene Verantwortung unb eigene Kosten übernommen hätten. Die Schaffung von Garantien erachte man in London als bie aussichtsreich st e Methode, wieder eine volle Zusammenarbeit im Nichteinmischungsausschuß und im Kontrollschema
herzustellen. Wenn diese wiederhergestellt sei, könnten Anregungen zur Verbesserung oder Abänderung des Schemas im Ausschuß erörtert werden. Nach Ansicht ber britischen Regierung liege keine Verletzung ber Rechte bes Nichteinmischungsausschus- ses in bem Verfahren, bas man befolge. Es habe auch sicherlich niemals bie Absicht bestauben, ber Beratung bes Nichteinmischungsausschusses Dinge zu entziehen, bie ihn eigentlich beträfen. Nach Ausarbeitung eines Entwurfes werbe eine enbgültige Formel aufgestellt werben, bie bann ben beiben Parteien in Spanien vorgelegt werde unb von ber man erwarte, baß sowohl Valencia wie Salamanca sie annehmen würben.
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Die russische Diplomatie ist mit unverhüllter Dreistigkeit babei, noch in letzter Stunbe bie bereits im allgemeinen Umriß erzielte Einigung ber vier Seemächte Englanb, Frankreich, Deutschlanb unb Italien über bie künftige Sicherung ber Flottenkontrolle zu torpebieren. Die Versuche sinb nicht neu, wohl aber jetzt, sozusagen in letzter Stunbe, mit neuer Energie ausgenommen worben. Die englische Presse winkt ben Sowjetrussen zwar ab, aber möchte auch dieses Abwinken nicht zu drastisch gestalten und hat eine leichte Sehnsucht nach einem Kompromiß, obwohl es feststeht, daß ein Kompromiß mit bewußten Friedensstörern ein fauler Kompromiß ist. Sicherlich werden auch die meisten Mitglieder bes Nichteinmischungsausschusses herzlich froh sein, wenn sie hören, baß zwischen beh vier Kontrollmächten eine Einigung erzielt ist, ohne baß sie, wie im Abessinien-Konflikt, eine blamable Statistenrolle spielen müssen. Auf ber anberen Seite läßt sich aber, vermuten, baß bie neue geschäftige Tätigkeit Sowjet-Rußlanbs inßon- bon noch nicht ber letzte „Sabotage"-Versuch biefer Kriegsspekulanten sein wirb. Man barf erwarten, baß Sowjet-Rußlanb ben ihm hörigen Va - l e n c i a - Ausschuß mit allen Mitteln bazu aufputschen wirb, gegen eine Lonboner Einigung quer zu schießen. Sowjet-Rußlanb kämpft nicht nur um seinen politischen Einfluß im augenblicklichen Falle, fonbern es fürchtet auch ben „Präzebenz-Fall", ber bie vier Seemächte auf bie Jbee bringen könnte, es fei boch eigentlich viel nerftänbiger, sich zu einigen, als sich von ben sowjet-russischen Friebens- ftörern gegenseitig ausspielen zu lassen.
Deutsch-britische Ireuudschast ein Watt gegen alte verwirrenden kraße.
Sine einsichtige englische Stimme.
ßonbon, 1.Juni. (DNB. Funkspruch.) Beim Stapellauf eines großen Passagierdampfers in Bar- row setzte sich der Direktor der Schiffsgesellschaft P. 6- D. Alexander Shaw für eine Verständigung mit Deutschland ein. Seiner Ansicht nach könne für die Erhaltung des Weltfriedens nichts besseres getan werden, als an einer Verständigung und einer festen Freundschaft zwischen Großbritannien und Deutschland mitzuarbeiten. Eine solche Freundschaft würde einen unzerbrechlichen Wall gegen jene Kräfte darstellen, die die Welt verwirrten. In England müsse man damit beginnen, die außer Zweifel stehende Tatsache anzuerkennen, daß bie gesamte deutsche Nation wie ein Mann hinter Hitler stehe. In Englanb solle man bie eigenen Angelegenheiten Deutschlanbs achten, so wie man ein gleiches von Deutschland erwartet. Die englische öffentliche Meinung habe vor einigen Monaten mit Anerkennung bie rourbige Haltung ber beutschen Presse in ber Königskrisis verfolgt, bie freunblidje Einstellung ber beutschen Presse bei ber Krönung bes neuen Königs habe ein warmes Echo hervorgerufen. Alle müßten jetzt mitarbeiten am Zustanbekommen einer Freundschaft, die zu gegebener Zeit bie politische ßage besser gestalten werbe.
VedenMes Pharisäertum.
Die „Morning Post"
rügt den Dean von Canterbury.
ßonbon, 9. Juni. (DNB.) Die konservative „Morning Post" befaßt sich mit ber geplanten Reise bes berüchtigten Bolschewikenfreunbes, bem Dean von Canterbury, nach Straßburg, wo biefer einen öffentlichen Vortrag über bie Zerstörung von ©uernica halten wirb. Der Dean habe wie jeber Engländer bas Recht b er freien Meinung, bas ihm niemanb abstreite. Es bestehe aber ein Unterschieb zwischen ber Tatsache, Ansichten zu haben unb ber, bie geeignete Form unb Gelegenheit zu sinben, um diese öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Es handele sich nicht darum, festzustellen, ob der Dean richtig informiert sei. Man könne daran zweifeln, daß er zuverlässigere Nachrichten habe als die übrigen Engländer. Sicher sei aber, daß die Auswahl Straßburgs in aller nächster Nähe von Deutschland zum Abhalten eines Vortrages über ©uernica als ein Akt der Herausforderung ausgelegt werden könne, ber mit der in Europa gewünschten Ruhe nicht vereinbar sei. Die Engländer hätten sich ben wenig beneidenswerten Ruf von Zensoren bes Benehmens und ber Moral anderer Nationen zugezogen. Splitter in den Augen anderer Völker zu suchen, trage weder zur Harmonie
noch zur Kameradschaft bei. Der Dean von Canterbury, der sicherlich die Heilige Schrift gut studiert habe, scheine offensichtlich für sein eigenes Benehmen noch nicht ausgelernt zu haben, er stehe in dieser Beziehung nicht allein da. Im Parlament, in ber Presse unb von ben Rebnerpulten aus würben ausländische Nationen st ä n- big kritisiert, was nichts weiter als ein Ausdruck des Pharisäertums fei. Würde man sich in England nur um die eigenen Geschäfte kümmern unb ben anderen ihre eigenen Ansichten lassen, so würbe Großbritannien unb ber ganzen Welt viel überflüssiges Durcheinander erspart bleiben.
Eden stellt Entspannung der Lage fest.
ßonbon, 10. Juni. (DNB.) Außenminister Eben erklärte in einer Botschaft an feinen Wahlkreis, baß in ber internationalen ßage Elemente ber Hoffnung vorhanben seien. Die meisten Beobachter stimmten barin überein, baß bie internationale Spannung in ber Welt heute g e - ringer sei als zur gleichen Zeit im Vorjahre. Jebe Minberung ber Spannung müsse jeboch genutzt werben, um eine weitere Besserung herbeizuführen. Bei einem solchen Bemühen sei ber Einfluß bes Britischen Staates ein Faktor von größter Be- beutung. Von allen Aufgaben, bie gegenwärtig gestellt seien, sei bie Förberung ber Verstän - bigungzwischen ben Nationen bie, bie ber unermüblidjen Anstrengung bes Britischen Weltreiches am würbigsten sei. Es sei bie Pflicht ber Staatsmänner aller Nationen, sich bem Dienste bes Friebens zu roibmen.
Englischer Zerstörer rettet nationalspanische Flüchtlinge.
San Sebastian, 10. Juni. (DNB.) Der englische Zerstörer „Faulknor" hat acht spanische Flüchtlinge auf hohem Meer aus einem steuerlosen Ruderboot ausgenommen. Diese Spanier, die im bolschewistischen Santander in Lebensgefahr schwebten, wollten mit einem Ruderboot versuchen, in einen nationalspanischen Hafen z u gelangen. Unterwegs wurden sie von einem bolschewistischen Schiff beschossen, aber nicht getroffen. Schließlich brach ihnen das Steuer, unb bas Boot trieb hilflos auf ben Wellen, bis es von ber „Faulknor" gesichtet würbe. Die Geretteten würben in St. Jean be ßuz an ßanb gesetzt unb in bas nationalspanische Gebiet gebracht.
„Krast durch Freude."
Aus bem Reisetagebuck eines „KdF."-Mabeira- fahrers: „Es ist nicht zu denken, daß die Menschen, bie diese Reise mitgemacht haben, genau so von ihr zurückkehren, wie sie ausgezogen find. Als sie wieder — am Morgen bes letzten Tages — bie Elbeufer und nachher das bekannte Stadtbild bes Hamburger Hafens mit ben Werften und Docks unb den hereinschauenden Kirchtürmen sehen, haben sie etwas Neues im Blick. Im grauen Nebel ber Nordstadt und im langsam und schwer ziehenden Qualm ber Fabriken haben viele von ihnen ihren Werkplatz und ihre Heimstatt, andern ist bas Bild der Eingang zum großen Vaterland, aber allen gemeinsam liegt auf dem Grund des Wiedersehens bas sichere, trotzig-frohe Wissen: ,Wir haben etwas erlebt, was es früher nicht gab. Neue Zeit ist angebrochen, und wir sind mitten drin. Wenn man später einmal von diesen Tagen spricht, so wird man auch von uns sprechen. Heil Vaterland und Heimat, von jetzt an wissen wir erst recht, um was es geht/"
Der dies schrieb, war kein Deutscher, kein „bezahlter Propagandist", wie man es in ber deutschfeindlichen Presse noch oft genug lesen kann, son- bern ber Schweizer Dichter Jakob Schaffner, ber an zwei Seefahrten mit „Kraft durch Freude" teilgenommen und seine hierbei empfangenen Eindrücke in dem bemerkenswerten Buch „Volk zu Schiff" mebergelegt hat. Jakob Schaffner, dessen Name in Deutschland einen guten Klang hat, gehört zu den Ausländern, die sich von Anfang an bemüht haben, bem Nattonalfozialismus 93er- stänbnis entgegen zu bringen. Von den wenigsten erkannt, weilte er unter den deutschen Arbeitern auf ben Schiffen, lebte ihr ßeben mit, nahm an ihren Freuben Anteil, und gewann so ein wahres und untrügliches Bild, wie der Deutsche von heute, ber Mann aus bem Volke, zu bem Staate steht, ben Adolf Hitler geschaffen hat.
Als im vergangenen Jahr in Hamburg ber Weltkongreß für Frei z e i t und Erholung ftattfanb, welcher durch die überaus starke Beteiligung des Auslandes feine besondere Bedeutung erhielt, da dachten wohl die wenigsten daran, wie fruchtbar sich dieser Kongreß, dieses ungezwungene und kameradschaftliche Beisammen- fein von Abordnungen aus aller Welt mit ihren deutschen Gastgebern auswirken würde. Die Beziehungen und Verbindungen, die im vergangenen Jahr in Hamburg angebahnt worben sinb, haben in der Zwischenzeit reiche Früchte getragen, haben in erheblichem Umfang dazu mitgewirkt, bas Verstäub nis zwischen den Völkern zu fördern und Sympathien dort zu schaffen, wo früher Ablehnung und Zurückhaltung bestanden. Der erste Eindruck, den die ausländischen Abordnungen im Vorjahr erhielten, war: „Dieses Volk will alles andere als einen Krieg, es will friedliche Aufbauarbeit leisten". Mit dieser Erkenntnis war der Bann gebrochen, war der Weg freigemacht zu nutzbringender und erfolgreicher Arbeit.
Und diese Arbeit ist in den letzten zwölf Monaten geleistet worden. Die Fühlungnahme, welche in Hamburg angebahnt wurde, ist immer enger gestaltet worben. Der Besuch von Auslänbern, welche sich burch persönlichen Augenschein ein Bilb von ber von „Kraft durch Freude" geleisteten Arbeit machen wollten, riß nicht ab. Aus aller Herren ßänber kamen die Gäste, unb bas, was sie zu sehen bekamen, übertraf ihre größten Erwartungen. Politiker, Wirtschaftler, Männer ber Wissenschaft unb Schriftsteller waren vertreten. Sie nahmen an Reifen zu Wasser unb zu ßanbe teil, besichtigten Betriebe, in benen der Grundsatz „Schönheit ber Arbeit" Verwirklichung gefunben hat, sahen, was in ben Sportkursen gemacht wird, mit einem Wort: bie vielseitigen Aufgaben von „Kraft burch Freube" würben ihnen erschöpfenb vor Augen geführt.
Diese Besuche, die planmäßig fortgesetzt werben, haben inzwischen ihren Nieberschlag in zahllosen Veröffentlichungen in ber auslänbischen Presse, in Broschüren unb Büchern gefunden. Mit Genugtuung können wir feftfteUen, baß bie Dinge burch- weg richtig gesehen sinb, daß bie Verfasser sich bemüht haben, bie beutsche Einstellung zu verstehen unb zu würbigen. Aus allen Veröffentlichungen spricht höchste Anerkennung, unb mehr als einmal wirb ber Rat ausgesprochen, Aehnliches zu schaffen. Daß bas beutsche Beispiel bereits in mehr als einem Fall Nachahmung gefunben hat, kann uns nur mit Freube erfüllen.
Die Hamburger Reichstagung ber KdF. ist als feststehenbe Einrichtung ins ßeben gerufen worben, sie finbet in biesem Jahr vom 10. bis 13. Juni statt unb soll ber Welt zeigen, wie bas neue Deutschland seine sozialen Aufgaben zu lösen versteht. „Wir wollen", so hat Dr. ßey erklärt, „zu erkennen geben, daß wir bie soziale Frage für keine Magenfrage, sondern für ein seelisches Problem halten. Als selbstverständlich sehen wir es an, daß eine Regierung jedem Volksgenossen sein Essen, seine Kleidung und seine Wohnung beschafft, darüber hinaus aber brauchen die Menschen Freude, Hoffnung und Kraft. Die haben wir unserem Volke gebracht!"
Der Ruf an das Ausland, zu dieser Reichstagung zu erscheinen, hat einen überaus starken Widerhall in ber gesamten Welt gefunbÄr. Neben einer großen Anzahl offizieller Vertreter frember ßänber, unter benen sich auch einige Minister befinben, werben Volkstumsgruppen von nicht weniger als 21 Ratio n e n in Hamburg erscheinen. Arbeitstagungen werben mit einer großen Anzahl fröhlicher Darbietungen abwechseln, welche durch die starke Beteiligung von Wehrmacht, Reichsarbeitsdienst, Hitler-Jugend und Werkscharen ein besonderes Gepräge erhalten werden. Wir begrüßen es ganz besonders, daß unter den fremden Volkstumgruppen auch gc-


