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Da der bisherige englische Botschafter in Berlin Eric P h i p p s die Botschaft in Paris übernehmen wird, wurde zu seinem Nachfolger der bisherige britische Botschafter in Argentinien, Sir Neville Meyrick Henderson, ernannt. (Associated-Preß^M.)
Berlin, 10. Febr. (DNB.) Der Leiter
Wie die Bolschewisten in Malaga hausten
Zuchthäusler „wachten^ über die öffentliche Sicherheit.
Die Kontrolle der spanischen Grenzen.
Ein neuer Londerausschutz in London eingesetzt.
London, 11. Febr. (DNB.) Der Unterausschuß des Nichteinmischungsausschusses, in dem Deutschland durch Botschafter von Ribbentrop vertreten war, behandelte die bisher eingelaufenen Antworten der Regierungen auf den Fragebogen, in dem der Plan für die U e b e r w a ch u n g d e r Land- und Seegrenzen Spaniens und der spanischen Besitzungen behandelt wird. Der erste Teil des Fragebogens bezog sich auf die Anwerbung ausländischer Staatsangehöriger, die sich an den Kämpfen in Spanien beteiligen wollen, auch die Abreise oder Durchreise solcher „Freiwilligen" soll erfaßt werden. Aus den Antworten ergibt sich, daß die Regierungen das Abkommen in der angedeuteten Weise auszudehnen wünschen. Der Unterausschuß beschäftigte sich weiter mit der U e b e r- wachung der spanischen Landgrenzen. Der portugiesische Vertreter erklärte, daß seine Regierung den Plan für die Ueberwachung der spanisch-portugiesischen Grenze nicht annehmen könne. Nach einem Meinungsaustausch schlug der Vorsitzende vor, daß für diese Frage ein besonderer Unterausschuß aus Vertretern Englands, Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Portugals und der Sowjetunion Vorschläge ausarbeiten soll, die den Plan allgemein annehmbar machen würden, wobei jedoch sichergestellt werden müsse, daß der Plan für die beabsichtigten Zwecke voll wirksam sein müsse. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Dem neuen Sonderausschuß sollen auch die von Italien und Deutschland gemachten Vorschläge für die Verstärkung der Ueberwachung der Land- und Seegrenzen übermittelt werden. Schließlich beschäftigte sich der Unterausschuß mit dem vorgeschlagenen Plan für die Flotten- Überwachung durch Schifte der beteiligten Länder, die sich nach Spanien oder in spanische Besitzungen begeben. Dieses Problem wird auf einer weiteren Sitzung des Unterausschusses erwogen werden.
Surinams Schicksal.
Niederländische Kolonialsorgen.
Haag, 10. Febr. (DNB.) In der Kammeraussprache über den Haushalt der holländischen Kolonie Surinam (an der Ostküste Südamerikas) teilte Ministerpräsident Colijn mit, daß die Kolonie seit 1867 an Zuschüssen und Anleihen das Mutterland 116 Millionen Gulden gekostet habe. Es sei keine Hoffnung vorhanden, daß der wirtschaftliche Zustand der Kolonie sich bessern könnte. Der Zuckeranbau sei dort zugrunde gegangen. Don 105 Zuckerfabriken im Jahre 1900 gebe es heute nur noch zwei, und diese könnten auch nur mit Hilfe von staatlichen Unter- stützungen bestehen. Der Kakaoanbau sei gleichfalls zugrunde gerichtet. Der Kaffeeanbau stehe vor dem Zusammenbruch. Die Bananen- pflanzungen hätten große Verluste zu verzeichnen. Lediglich der Reisanbau entwickele sich befriedigend. Die Forderung einiger Abgeordneter, die Regierung möge die weiße Siedlung in Surinam fördern, beantwortete der Ministerpräsident mit der Feststellung, es sei heute für einen holländischen Bauernsohn weit vorteilhafter, sein Geld in Holland oder Nordfrankreich in einem Ho anzulegen, als sich in Surinam eine Farm zu kaufen, die doch keinen Gewinn liefern könne.
Surinam, das mittelste Stück Guayanas, ist seit seiner Gründung durch die Holländisch-Ostindische Kompagnie 1621 in niederländischem Besitz. Nach der Sklavenbefreiung 1863 ging der Plantagenbau stark zurück. Auch die Einführung indischer und javanischer Arbeiter konnte keine dauernde Abhilfe schaffen. Der Küstenstrich ist sumpfig, erst nach einer tropischen Urwald- und Savannenzone ist im gebirgigen Hinterland Plantagenkultur von Kakao, Zuckerrohr, Kaftee und Bananen möglich. Surinam ist mit 173 000 Quadratkilometer fast fünfmal so groß wie das holländische Mutterland, es zählt aber nur 165 000 Einwohner, von denen nur 2000 Europäer, aber rund 80 000 Inder und Chinesen sind. Die Hauptstadt Paramaribo hat 52 000 Einwohner. In dem sehr bunten konfessionellen Gemisch des Landes ist eine Herrenhuter-Kolonie von 30 000 Brüdern bemerkenswert.
Reichswirtschaftskammer hat von dem Reichswirtschaftsministerium den Auftrag erhalten, Vorschläge für eine organisatorische Abgrenzung zwischen Industrie und Handwerk für einige Fachzweige zu unterhalten. Präsident Pietzsch hat u. a. solche Vorschläge für die Neuorganisation des gesamten Druck - und Papiergewerbes eingereicht. Auf Grund dieser Vorschläge hat der Reichswirtschaftsminister nunmehr angeordnet, daß die handwerklichen und industriellen Fachgliederungen der Organisation der g e- werblichen Wirtschaft in der einheitlichen Organisation der Wirtschaftsgruppe Druck- u n d P a p i e r Verarbeitung zusammengefaßt werden. Die bisherigen Innungen bleiben mit ihren althergebrachten Namen bestehen und werden zusammen mit dem zu einer Fachgruppe umgestalteten Reichsinnungsverband in die Wirtschafts- gruppe übergeführt. Die handwerklichen Betriebe selbst werden in der Handwerksrolle gelöscht. Für die Anpassung des Ausbildungs- und Prüfungswesens an die neuen organisatorischen Derhältnisie sollen beschleunigt Vorschläge oon den beteiligten
Bolschewisten unter sich.
Don unserem Or. E. G -Berichterstatter. (Nachdruck verboten, auch mit Quellenangabe.) II.
Moskau, Februar 1937.
In seinem Schlußwort hat der Angeklagte Ra- bet die politischen Ziele dieses Prozesses, „seines Prozesses", wie wir gleich sagen möchten, mit überraschender Klarheit und mit seiner alten Schlag- ertigkeit formuliert. Was lehrt uns der Prozeß? o fragte Radek (ganz im Stile feiner zahllosen Leitartikel). Erstens, so verkündete er, sollen alle im Lande noch vorhandene antisowjetisch ge» s i n n t e Elemente, die unter dem „Sammelnamen „Trotzkisten" zusammengefaßt werden können (!), sich den gegenwärtigen Prozeß als Warnung dienen lassen. Zweitens würden nunmehr doch hoffentlich alle Anhänger des Trotzkismus in Frankreich, in Spanien und sonstwo „das wahre Gesicht des Trotzkismus erkenne n". Und drittens müßte die ganze Welt einsehen, daß die „faschistischen, aggressiven Staaten", sich Trotzkis und seiner Anhänger „als Waffe gegen die Sowjetunion, gegen die friedlichen'Länder, gegen den Frieden überhaupt, bedienten". Damit sind die Motive, die zum Prozeß geführt haben, erschöpfend gekennzeichnet.
Es handelt sich für den Kreml in erster Linie darum, den antibolschewistisch oder überhaupt regimefeindlich gesinnten Kreisen i m Sowjetparadiese selbst wieder einmal eine scharfe Lehre zu erteilen. Dabei ist es — so sehr dies, gemessen an europäischen Verhältnissen, überraschen mag — gerade nicht die schwärende Unzufriedenheit der Massen, welche die roten Gewalthaber fürchten. Die hundert Millionen Bauern find so gründlich entrechtet und als politischer Faktor so völlig vernichtet worden, daß sie zur Zeit jedenfalls keine gegenwärtige Gefahr für das Regime mehr darstellen. Die 50 Millionen Arbeiter werden durch den Parteiapparat scharf genug in Schach gehalten. Was das Regime aber fürchtet, das sind die ehemaligen oppositionellen Elemente innerhalb der Partei, d. h. aktivere, politisch bewußte Gruppen feindlich gesinnter Kräfte, die bei sich bietender Gelegenheit den Kristal- l i s a t i o n s p u n k t für die Millionen der Enttäuschten abgeben könnten. Man vergesse nicht, daß von den 17 Angeklagten bis zur Verhaftung 16 das bolschewistische Parteibuch in der Tasche trugen! Dies ist keine Zufälligkeit, sondern eine Absicht der Prozeßregie. Im übrigen ist es nicht zufällig, daß man gerade in diesem Jahr zum großen Schlag gegen solche tatsächliche oder auch nur mögliche Vertreter der gärenden Unzufriedenheit ausholte, wo die Schwierigkeiten des Sowjetstaates, insbesondere nach der Mißernte auf dem Dorfe, neue furchtbare Formen angenommen haben.
lieber diesen politischen Erwägungen dürfte der alte, kaukasisch-orientalische HaßStalins gegen alle seine früheren Gegner in der Parteikarrikre nur die Rolle eines — zwar gewiß nicht zu übersehenden — Begleitumstandes spielen. So kam es zur Verhaftung der früheren Trotzkisten Radek, Pjatakow, Sokolnikow, Serebrjakow, Muralow u. a. Ob diese gefallenen Größen wirklich gegen den Stalinkurs „konspiriert" haben, oder nicht, ist gar nicht so wichtig. Die Verschwörungssucht dürfte den alten bolschewistischen Revolutionären und Agitatoren freilich im Blute liegen. Es ist aber wenig wahrscheinlich, daß dies Stalins GPU. auf die Dauer verborgen geblieben wäre. Gewiß mögen Radek, Pjatakow und andere Feinde des Regimes gewesen sein, das sie von einem noch extremeren ideologischen Standpunkt aus als „reaktionär" beurteilt haben dürften. Sie sind, wenn man so sagen darf, nunmehr die „Vorletzten", die der gefügige, unter dem neuen Chef Jeshow besonders tatenbürftige GPU.-Apparat der Rache des Kaukasiers und seiner Cligue ausgeliefert hat. (Die letzten, wenn auch wohl nicht die allerletzten, wird die bereits verhaftete Gruppe der sogen. Rechtsoppositionellen, darunter Bucharin, Uglanow und andere mehr, sein.).
Das zweite Ziel des Prozesses ist, immer noch Radek zufolge, dem „internationalenTrotz- t tsmus die Augen zu öffnen". Hier, auf dem Gebiet der internationalen Umsturzbewegungen, gilt Trotzki wohl heute dem Kreml als eigentlicher Feind. Es ist kein Zufall, daß Spanien und Frank- re i ch in diesem Zusammenhang sogar auf dem Prozeß erwähnt wurden. Man braucht nur die Berichte der zahllosen sowjetischen Zeitungsberichterstatter aus dem roten Spanien zu lesen, um eine Vorstellung von dem zu bekommen, wie unversöhnlich dort die Bolschewisten Moskauer Prägung den Kampf gegen den Trotzkismus zu führen haben.
Es ist nicht mehr zu bezweifeln, daß man in Moskau den internationalen Trotzkismus als sehr realen Feind und unangenehmen Konkurrenten der Komintern empfindet. Um diesen internationalen Trotzkismus mit allen Mitteln zu diffamieren, schritt man dazu, ihm einesteils Attentate auf die Sowjetgewaltigen, Spionage und Schädlingsarbeit in die Schuhe zu schieben, andernteils ihm die angebliche „Verbindung mit dem Faschis- m u s" anzuhängen. Gerade an diesem Punkte spürte man auf dem Prozeß die aktive Mitarbeit Radeks mit überraschender Deutlichkeit durch.
Radek hat es verstanden, sich von allen Angeklagten am stärksten in den Vordergrund zu spielen, indem er teils die Thesen des Prozesses — insbesondere die außenpolitischen — in gewandter Beredsamkeit entwickelte, seine angeblichen „landesverräterischen" Gespräche mit einzelnen Vertretern auswärtiger Mächte phantasievoll zum Besten gab, und nicht vergaß, dabei angebliche „Direktiven Trotzkis" in ein gebührendes Licht zu stellen. Anderseits konnte Radek, der es offensichtlich verstanden hatte, sich gegenüber der GPU. gewisse Sicherungen zu verschaffen, es sich nicht versagen, auch dieHin - tergründe des Prozesses und vor allem feine eigene Rolle bei dessen Ausgestaltung auf alle mögliche Weise anzudeuten. Radeks „Verdienst" ist es wohl, daß die angebliche Verbindung zwischen Trotzki und dem „Faschismus" für die innersowjetische Propaganda effektvoll ausgestaltet worden ist (man erinnert sich an die phantastische Geschichte des „Vertrages" zwischen Trotzki und Rudolf Heß!). Nachdem auf dem letzten Trotzkistenprozeß des Vorjahres derselbe Komplex so kläglich versagt hatte, wollte man diesmal dafür sorgen, daß jedes, überhaupt nur ausdenkbare Agitationsmittel beigeschafft wurde gegen die zu den Hauptfeinden der Sowjetunion erklärten auswärtigen Mächte: Deutschland und Japan. Man glaubte, diese Staaten durch die kühn fonftruier» ten Verbindungen mit Trotzki und Trotzki durch seine angeblichen Verbindungen zu diesen Staaten kompromittieren zu können. Keine Anschuldigung war zu düster, die gegen diese Mächte nicht erhoben worden wäre; kein Verbrechen zu abscheulich, das diese Staaten der Moskauer Prozeßveranstaltung zufolge
London, 11. Febr. (DNB. Funkspruch.) „Daily Mail" berichtet: Im August war in Malaga ein „Ausschuß für öffentliche Sicherheit", bestehend aus vier früheren Zuchthäuslern(!) gebildet worden. Von diesem Augenblick an wurden nur noch Befehle erteilt, die „Sicherheit" durch B e - schleuniaungen der Ermordungen zu wahren." Zuerst begingen die Bolschewisten ihre viehischen Morde bei Tage und mitten auf den Straßen. Die Leichen blieben liegen und wurden später auf Lastwagen abtransportiert. Nach einiger Zeit wurde die Menschenschlächterei jedoch in die Gefängnisse „verlegt". Durchschnittlich 30 Personen war die Zahl der täglichen Opfer. Die geringste Kleinigkeit genügte bereits, um gemeuchelt zu werden. Sogar bekannte Marxisten und Republikaner verloren auf diese Weise ihr Leben. Ein typisches Beispiel für die Grausamkeit der Anarchisten war der Mord an dem Grafen Isidro, einem in ganz Malaga hochgeschätzten Mann. Er befand sich mit seinen zwei Söhnen zu Hause, als Milizsöldlinge tarnen und von ihm den Aufenthalt einiger nationaler Spanier wissen wollten. Da der Graf wahrheitsgetreu erklären mußte, nichts darüber zu wissen, wurden der 76 Jahre alte Mann und einer der Söhne niedergeknallt, der andere kam mit dem Leben davon, wurde aber schwer verletzt.
Seslhießung des Hafens von Barcelona.
Salamanca, 11. Febr. (DNB. Funkspruch.) Bei der Beschießung des Hafens von Barcelona durch national-spanische Kriegsschiffe wurde ein bolschewistischer Pe t r o le u m d a m p f er versenkt. Ein zweites Schiff wurde durch Ar- tiUerietreffer beschädigt. An der nordspanischen Küste in der Nähe von B i l b a o hat ein national- spanisches Schiff einen Sowjetdampfer, der mit Kriegsmaterial für die baskischen Bolschewisten beladen war, gekapert.
Wie groß die Verwirrung in Almeria ist, wohin nach dem Falle von Malaga bolschewistische Milizen in Massen geflüchtet sind, geht aus einer „Verordnung" des bolschewistischen „Oberhauptes" dieser Stadt hervor. Darin heißt es, daß in Almeria als Flüchtlinge nur Frauen uni) Kinder auf genommen würden. Wehrfähigen Männern sei der Aufenthalt, selbst nur vorübergehend, verboten. Die Männer sollten an bie Front zurückkehren, die sie feige verlassen hätten. In Barcelona haben die katalanischen Bolschewisten die Einreihung der Jahresklassen 34 und 35 in die allgemeine „Re- krutenarmee" und die Einreihung der Mlliz in die sog. „Volksarmee" beschlossen, die unter Einheitsk'ommando gestellt werden sollen. Aus
Gibraltar erfährt die „Tribuna", daß nach Schätzungen 15000 Bolschewisten nicht mehr der Umzingelung entgehen konnten und in die Berge flüchteten. Sie sind vollkommen abgeschnitten und daher ohne ausreichende Verpflegung. In den nächsten Tagen werden sie sich ergeben müssen. Bisher wurden 4000 Gefangene in Malaga eingeliefert, die nur mit Mühe vor der Lynchjustiz der Menge geschützt werden konnten. Bei vielen fand man Juwelen und größere Geldsummen, die von geraubt und gestohlen worden waren.
vollzugspolizei ist Generalmajor der Gendarmerie von Kamptz und Generalinspekteur der Schulen Generalmajor der Schutzpolizei Pfef- fer-Wildenbruch. Die wichtigste Aufgabe der neu eingesetzten Generalinspekteure besteht darin, die aus den Besichtigungsreisen in unmittelbarer Verbindung mit der Praxis gewonnenen Eindrücke , und Erfahrungen im Stabe des Chefs der Ordnungspolizei für die Organisation, Ausbildung und - ständige Weiterentwicklung der Polizei zweckmäßig zu verwerten. Durch die Funktionen der General- ! inspekteure der Ordnungspolizei ist somit eine stän- 1 dige und enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis im deutschen Polizeiwesen gewährleistet.
Kältewelle und Arbeitseinsatz.
Berlin, 10, Febr. (DNB.) Der Arbeitseinsatz 1 im Januar stand stark unter dem Einfluß d e r anhaltenden Kältewelle, die über ■ den größten Teil des Reiches hinwegging. Alle Saisonaußenberufe sind dadurch stark betroffen war- < den. Die Zahl der Arbeitslosen stieg infolgedessen um 374 000 auf 1853 000. Damit hat die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Winter, die bisher noch wesentlich unter der des Vorjahres lag, fast genau denselben Umfang erreicht wie im Vorjahr. (Zunahme: 817 000 gegenüber 814 000 im Vorjahre.) Da das Wetter im Vorjahre milder und günstiger war, hätte man mit einer stärkeren Zunahme der Arbeitslosigkeit rechnen können. Sie ist nicht ein getreten, weil die Betriebe, insbesondere des Bau - und Bauftoffgewer- b es, im Hinblick auf den vorliegenden Auftragsbestand und den empfindlichen Facharbeitermangel ihre Stammbelegschaften, soweit irgendmöglich, durchgehalten haben, um bei Eintritt günstigerer Witterung sofort Weiterarbeiten zu können.
In den Saisonaußenberufen betrug die Zunahme der Arbeitslosigkeit 256 000; dem stand in den übrigen Berufsgruppen eine Zunahme von 118 000 gegenüber. Die Zahl der arbeitslosen B a u- und Bauhilfsarbeiter nahm um 190 000 zu und überschritt damit leicht den Stand im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Bemerkenswert ist aber, daß die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe weit unter der des Winters 1 9 2 8/29 blieb, in dem auch nach einem ähnlich starken Beschäftigungsgrad durch anhattenden Frost die Bautätigkeit weitgehend stillgelegt wurde. Ende Januar 1929 waren 793 000 arbeitslose Bau- und Bauhilfsarbeiter vorhanden, Ende Januar 1937 nur 487 000. Auch die Arbeitslosenzahlen in der Landwirtschaft (plus 16 000), der Industrie der Steine und Erden (plus 14 000) und im Verkehrsgewerbe (plus 22 000) haben nicht unerheblich zugenommen, jedoch lagen sie noch immer 20 bis 30 v. H. niedriger als im Januar des Vorjahres. In allen übrigen Berufsgruppen, mit Ausnahme des Bergbaues, war eine Zunahme der Zahl der Arbeitslosen zu verzeichnen. Bei den Zugängen handelt es sich aber zum größten Teil um' Berufsangehörige, die Arbeit außerhalb ihres Berufes erhalten hatten und diese Tätigkeit unter dem Einfluß der Witterung vorübergehend aufgeben mußten; teilweise ist allerdings auch eine direkte Saisonabhängigkeit einzelner Produktionszweige die Ursache.
Der überragende Einfluß der Witterungsverhältnisse auf die Beschäftigungslage kommt auch darin zum Ausdruck, daß die vier Landesarbeitsamtsbezirke Rheinland, Westfalen, Hessen und Süd- westdeutschland mit einer Beschäftigtenzahl von 5,7 Millionen nur eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um 33 000 zu verzeichnen hatten; hier setzte der Frost erheblich später ein und dauerte nur kurze Zeit, so daß die Storung des Arbeitseinsatzes nicht so tiefgreifend war wie in den übrigen Bezirken des Reiches.
Folgen des Parteiausschlusses.
Berlin, lO.Febr. (DNB.) Laut NSK. hat der Stellvertreter des Führers in einem Erlaß an die Parteidienftstellen darauf hingewiesen, daß ausgeschiedene Parteimitglieder, die sich gegen die größeren Pflichten, die der Parteigenosse bei seinem Eintritt in die Partei auf sich nimmt, verstoßen haben, selbstverständlich auch ihre etwaigen Führerstellungen oder Arbeitsstätten in der Partei und allen ihren Organisationen sowie alle im Auftrage der Partei übernommenen Ehrenämter im Staat und in den Gemeinden bei ihrem Ausscheiden aus der Partei automatisch verlieren. Ebenso selbstverständlich sei es, daß das Ausscheiden eines Parteigenossen, der Beamter sei und als solcher besondere Pflichten gegenüber dem nationalsozialistischen Staat habe, für ihn auch schwere F o l - g e n hinsichtlich seiner Beamteneigenschaft haben müsse.
Die Entfernung aus der Partei und ihrer Gliederungen sei aber — so fährt der Erlaß des Stellvertreters des Führers fort — für jeden noch ehr- liebenden Volksgenossen eine so haitte Strafe, daß — ganz besonders schwer gelagerte Fälle ausgenommen — davon abzusehen sei, aus der Bewegung Ausgeschiedene auch etwa ihrer privaten Arbeitsstelle verlustig gehen zu lassen. Die im Hinblick auf die Ewigkeitsaufgabe der Bewegung unentbehrliche Disziplin müsse stets auftechterhalten werden, ttotzdem aber sei darüber zu wachen, daß allein im Interesse der Familie ein Ausgeschiedener nicht ohne zwingende Notwendigkeit wirtschaftlich schlechter ge st eilt wird als jeder andere Volksgenosse.
Einheitliche Organisation im Druckgewerbe.
Organisationen ausgearbeitet werden. Mit der gesamten Neuregelung ist sichergestellt, daß die dem Handwerk innerlich verbundenen Kreise des Druck- und Papiergewerbes die ihnen liebgewordenen betriebsnahen' Zusammenschlüsse der Innungen behalten, während auf der anderen Seite nunmehr für eine einheitliche straffe Leitung des Gesamtgewerbes de organisatorischen Voraussetzungen geschaffen sind.
Frankreichs Finanzmisere.
Scharfe Kritik im Senat.
Paris, 10. Febr. (DNB.) Im Senat wurde an der Finanzpolitik der Volksfrontregierung scharf Kritik geübt. Der Berichterstatter des Finanzaus- chusses Senator Gardey erklärte, der Finanz- ninister schätze die Bedürfnisse des Schatzamtes für 1937 auf rund 36 Milliarden. Der Ausschuß aber sei der Ansicht, daß diese sich zumindest auf 38 bis 39 Milliarden beliefen. Das Schatzamt verfüge augenblicklich über 9,5 Milliarden. Wo werde ich also die Regierung die übrigen Milliarden verschaffen? Eine neue Abwertung sei unmöglich und weder im Jnlande noch im Auslande könnten neue Anleihen gemacht werden. Das gleiche gelte für Steuern. Die Zahlungsfähigkeit des ftanzöfischen Steuerzahlers fei vielleicht schon überschritten. Die Regierung scheine lediglich Zeit gewinnen zu wollen bis zur erwarteten wirtschaftlichen Wiederbelebung. Darauf könne man sich aber nicht verlassen. Es gebe nur einen Ausweg, die immer mehr steigenden Ausgaben ab zu stoppen. Nur so könne man das Vertrauen der Franzosen wieder gewinnen. Finanzminister Vincent-Auriol führte als Grund für die Ausgabensteigerungen die Dienst- zeitverlängeruna auf zwei Jahre an. 10000 neue Beamten st eilen feien geschaffen worden, davon allein 8000 im Heer. Der Minister sprach sich gegen eine neue Abwertung aus, fand aber keine andere Losung als neue Kredite. Der Vorsitzende des Finanzausschusses des Senates und frühere Finanzminister Caillaux meinte, der Grund für die beunruhigende Finanzlage liege lediglich in den Sozialreformen der Volksfrontregierung. Es gebe nur eine Möglichkeit, um einer Katastrophe zu entgehen: Sparen.
Trotz der Erkenntnis des katastrophalen Standes der französischen Staatsfinanzen nahm der Senat in der gleichen Sitzung einen Antrag des Finanzministers in etwas abgeänderter Fassung an, durch die eine 6OO-Millionen-Franken-An- leihe für die tschechoslowakische Regierung vom französischen Staat garantiert wird. Von diesem Betrag soll jedoch die tschechoslowakische Anleihe von 1932, die mit 5 v. H. verzinst wurde und die am 1. April 1937 fällig ist, zurück gezahlt werden. Die Laufzeit der neuen Anleihe darf zehn Jahre nicht übersteigen. Auch die Nachtrags- k r e d i t e für Dezember wurden mit 284 gegen 3 Stimmen angenommen, ebenso zusätzlich Kredite für Januar.
Sabotageakte bei der australischen Kriegsflotte.
London, 11. Febr. (DNB. Funkspruch.) An Bord von Kriegsschiffen der australischen Flotte, die sich im Manöver befindet, sind kleinere Sabotageakte verübt worden. So sind u. a. Maschinenteile verschwunden und Taue der Rettungsboote durchschnitten worden. Im Marineministerium wird bestritten, daß unter den Soldaten der Flotte allgemeine Unzufriedenheit herrsche. Pressevertreter, die sich auf der Flotte befinden, berichten jedoch, daß die Mannschaften mit den Anordnungen des kommandierenden Generals äußerst unzufrieden feien, besonders mit den Vorkehrungen, die für ihre Entlassung getroffen find.


