Nr.8 Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, U. Zanuar 1937
Soldateneid vor Gott und Vaterland.
Vereidigung des Ergänzungs-Bataillons Znfanterie-Vegiments 116.
Gemeinschasts-Lrleblns am Emtops-Sonntag.
Vogelsberger treffen sich an der Feldküche.
Z'Z'z '
Die Soldaten des Ergänzungsbataillons zur Vereidigung vor der alten Kirche auf dem Schiffenberg angetreten. — (Aufnahme: Pfaff, Gießen.)
Wieder einmal war am Samstagmittag die alte romanische Basilika auf dem Schiffenberg ehrwürdiger Hintergrund für eine Feier der Vereidigung der Soldaten des Eraänzungsbataillons J.-R. 116. Winterliche Kälte beherrschte die Höhe, Nebelschwaden jagten um den Turm der alten Kirche, in den Tälern zu Füßen des Berges lagen ine Nebel dicht und unbewegt. Nur hin und wieder warf die Sonne freundliches Licht über die alten Mauern.
Unter einem geschmückten Bogen des Kirchenschiffes war eine Kanzel errichtet, umkleidet von Der Flagge der Wehrmacht. In großem Viereck nahmen die Mannschaften Aufstellung vor der Kirche. An der Feier nahmen der Regimentskommandeur, Oberstleutnant H e r r l e i n, ferner der Kommandeur der Artillerie-Abteilung Oberstleutnant Döring und zahlreiche Gäste teil.
Nachdem unter den Klängen der Regimentskapelle die Flagge am Mast vor dem Kaiserbau gehißt worden war, schritt der Regimentskommandeur, Oberstleutnant H e r r l e i n , die Fronten ab.
Dann erklang der Choral „Lobet den Herren" über den Platz. Im Anschluß daran hielt der evangelische Militärgeistliche Pfarrer A u s f e l d eine kurze Ansprache an die Soldaten. Er sprach von der tiefen Bedeutung der Stunde, von der Heiligkeit des Eides vor Gott, Führer und Vaterland und von der Treue, die, wie der greise Feldmarschall von Hindenburg sagte, das Mark der Ehre ist. Er ermahnte die Soldaten zur Pflichterfüllung, Wahrhaftigkeit, Treue und Gottesfurcht als dem Urquell aller menschlichen Kraft.
Der katholische Militärgeistliche Pfarrer Dr. H e m m e s wies eingangs darauf hin, daß sich jeder davor hüten möge, in der Vereidigung eine leere Zeremonie zu sehen, denn der Eid sei ein Zeugnis vor Gott, der die Wahrhaftigkeit wolle. Wenn deutsche Männer und Soldaten einen Eid ablegten, dann dürfe man annehmen, daß es ihnen ernst darum sei. So ermahne auch er zur Treue zu Gott, Führer und Vaterland.
Das Niederländische Dankgebet leitete über zur Ansprache des Bataillonskommandeurs, Major Junker, der zunächst in kurzen Worten von
dem symbolischen Sinn sprach, um dessentwillen die Feier der Vereidigung in der Umgebung dieser alten Mauern stattfinde, die Zeugen deutscher Geschichte seien und immer auch an deutsche Vergangenheit erinnerten, wenngleich von diesen Mauern aus bedeutungsvolle Ereignisse der deutschen Geschichte nicht ausgingen. In großen Zügen und an Hand von Worten großer deutscher Männer (Friedrich der Große, Arndt, Fichte, Bismarck. Moltke usw.) sprach der Bataillonskommandeur von wichtigen Epochen deutscher Geschichte, die immer auch starke Impulse vom Soldatentum her empfangen haben. Er sprach ferner davon, wie gerade der Führer Adolf Hitler bewußt an große germanische und deutsche Traditionen anknüpfe und aus ihnen das Beste in unsere Wehrmacht eingebaut und gevsleat sehen wolle. Der Redner sprach dann über Öen Dienst in der Wehrmacht als der männlichsten Schule unseres Volkes, und von den Verpflichtungen, die jeder einzelne als aufrechter Deutscher und Soldat zu erfüllen hat. Nachdem der Bataillons- kommanoeur noch in kurzen Zügen Deutschlands Lage inmitten einer Umgebung wenig freundlich gesinnter Nachbarn gekennzeichnet hatte, schloß er mit dem Aufruf, stets dessen eingedenk zu sein, daß all unser Trachten und Handeln nur dem einen gelten dürfe: Deutschland!
Sodann traten Kameraden aus Öen einzelnen Kompanien zu ihrem Hauptmann, um auf den Degen des Offiziers, symbolisch für alle Kameraden, vereidigt zu werden. Gleichzeitig trat der Adjutant des Bataillonskommandeurs vor die Mannschaften und sprach die Eidesformel vor. Geschlossen sprachen die Soldaten den Eid nach.
Mit dem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler schloß Major Junker die Feier. Die Musik spielte anschließend das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. Dann wurde unter den Klängen eines Marsches die Flagge der Wehrmacht wieder eingeholl.
Nack einer Berpslegungspause, während der die Musikkapelle mit schneidigen Märschen aufwartete, marschierten die Soldaten gegen 15 Uhr wieder in ihre Unterkunft zurück.
Der gestrige Eintopfsonntag brachte der Einwohnerschaft einiger Stadt- und Landgemeinden im Kreise Schotten ein schönes Gemeinschafts-Erlebnis. Man traf sich an den Feldküchen, die von der NSV.-Gauwaltung in Frankfurt a. M. in den Vogelsberg entsandt worden waren. Fünf Feldküchen und die nötige Anzahl Köche hatten die Reise angetreten. Zwei der Küchen waren in Schotten stationiert, eine in L a u b a ch und zwei andere Küchen waren nach Gedern und Oberschmit- ten entsandt worden. Schon zu früher Morgenstunde trafen die Feldküchen an ihren Bestimmungsorten ein; auf ihrem Weg und an ihren Plätzen verbreiteten sie vielversprechenden Duft einer kraftvollen dicken Gemüsesuppe.
Ursprünglich war vorgesehen, das Eintopf-Mittag-- essen ins Freie zu verlegen. Die plötzliche Kälte verhinderte aber diesen Plan. So wählte man in Schotten den Saal der Turnhalle zum Treff-
An der Feldküche in (Schotten.
BDM.-Mädels helfen in Laubach.
(Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
punkt, und in L a u b a ch dampfte die Feldküche im Garten des „Schützenhofes". Pünktlich um 12 Uhr fanden sich die Volksgenossen ein. Dor der Turnhalle, in Schotten herrschte bald großes Gedränge. Rasch wurden die Töpfe mit der Gemüsesuppe gefüllt und jedermann, der seinen „Schlag" gefaßt hatte, suchte sich einen Platz in der Turnhalle, die bald nahezu überfüllt war. Heber 700 Personen fanden sich zu diesem Gemeinschafts-Eintopf ein. Auf einem Rundgang durch den Saal war eindeutig zu bemerken, daß es allen köstlich mundete. Eine SA.-Kapelle unterhielt dazu mit schneidiger Marschmusik.
Wie in Schotten, so vollzog sich auch in L a u - b a ch das gemeinsame Essen in schönster volksgemeinschaftlicher Harmonie. Hier hatte der BDM. es übernommen, die Gäste mit tüchtigen Portionen zu bedienen und mit schwer beladenen Tabletten drängten sich die Mädels durch die dichtbesetzten Bänke in den Räumen des Schützenhofes. Hier konzertierte eine Kapelle der Motorstandarte 147.
In den übrigen Orten, die gestern von der Feldküche besucht worden sind, mag sich das gleiche Bild geboten haben, wie in Schotten und Laubach. Ueberall war die Freude allgemein über diese neue Form der Bestätigung unserer Volksgemeinschaft, die — das konnte man gestern wieder einmal mehr bemerken — immer mehr an Tiefe gewinnt.
Aus Oer Provinzialhauptstadt.
Oie allwissende Schule.
Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen! Famulus Wagner im „Faust".
Ueberstrahlt vom weihnachtlichen Kerzenschimmer und übertönt vom lauten Frohsinn der Neujahrsnacht und daher von vielen wohl nur flüchtig beachtet, hat sich am 28. Dezember des vorigen Jahres im deutschen Schulleben eine Wende vollzogen, deren Bedeutung noch kaum abzusehen ist. Gemäß des an diesem Tage gegebenen Erlasses des Reichs- und preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung wird es künftig nur noch zwei Arten höherer Lehranstalten im Deutschen Reiche geben. In der einen, die Hauptform bildenden Schule wird als lebende Sprache die englische von Sexta an gelehrt werden, der in den höheren Klassen die lateinische Sprache folgt; in der anderen Schulart wird in Sexta mit der lateinischen Sprache begonnen, der in den höheren Klassen die griechische folgt.
Mit diesem Erlaß sind sämtliche 45 verschiedene
Formen höherer Schulen, deren wir uns im Deutschen Reich bisher erfreuen durften, gestürzt und für immer beseitigt worden.
So erfreulich vielen (und wohl den meisten!) diese Vereinheitlichung des höheren Schulwesens erscheinen mag, so wird es dennoch nicht an bangen Fragen fehlen, ob diese beiden Schularten auch ausreichen werden, das deutsche Volk zu bilden?
Diesen Fragen sei eine Gegenfrage gestellt: Glich nicht unsere höhere Schule allzusehr dem Famulus Wagner im „Faust", der am liebsten alles wissen wollte? Nur ein Beispiel: Einen wissensdurstigen „höheren" Schüler war es bislang unter Ausnützung aller Gelegenheiten, d. h. durch die Teilnahme an allen Pflicht- und Wahlfächern, im Ablauf feiner neun Schuljahre möglich, folgende Sprachen zu lernen: Latein, Griechisch, Hebräisch, Englisch, Französisch und Spanisch! Schon die Auszählung dieser Sprachen hätte uns ehedem sagen müssen, welcher Selbsttäuschung (Illusion) wir uns hinsichtlich der Schülerausbildung hingegeben haben.
Denken wir nun noch an die übrigen Schul-
Oberhessischer Kunstverein.
Oelgemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Professor Otto Dill.
Die erste Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins im neuen Jahre ist eine Gesamtschau, dem malerischen Werk von Professor Otto Dill, Neustadt an der Weinstraße, gewidmet, über dessen Entwicklungsgang bereits in der Vorankündigung einiges bemerkt wurde. Otto Dill ist, wie ein lieber» blick über die hier versammelten, charakteristischen Arbeiten zeigt, in erster Linie Tiermaler. Das gibt der Ausstellung zunächst allgemein-stofflich einen bestimmten Akzent. In der motivischen Vorliebe liegt — abgesehen davon, daß das Motiv in der deutschen und der europäischen Kunst eine bedeutende Tradition aufzuweisen hat — keine Begrenzung des Gesichtsfeldes oder irgendwelche Einseitigkeit; übrigens findet man hier auch eine Anzahl anderer Bildoorwürfe behandelt.
Das Motiv ist, namentlich wenn es über das rein stoffliche Interesse hinausreicht, vielfältiger Reize und Anregungen fähig. Dill, der im Münchener Freundeskreise den bezeichnenden Beinamen „Löwendill" erhielt, ist beim Altmeister Heinrich von Zügel durch eine ausgezeichnete Schule gegangen und weiß die vielfälttgen Probleme zu müroigen, die sich in der Tiermalerei ergeben. Dill ist nicht nur der Maler der Löwen, der Pferde und der Reiter — diese Themen kehren bei ihm in zahlreichen Abwandlungen immer wieder —, sondern er hat, seiner Generation entsprechend und seiner künstlerischen Sehweise gemäß, vom Impressionismus her offenbar entscheidende Anregungen empfangen; dies gibt feinen Bildern die charakteristische Betonung: man sieht bald, daß es sich hier nicht nur um die mehr oder minder naturgetreue Wiedergabe des Tierkörpers an sich handelt; sondern das Tiermodell wird für den Maler erst interessant als Träger bestimmter malerischer Probleme — der Bewegung vor allem, der Farbe und des Lichtes.
So ist beispielsweise die Löwenfamilie (im vorderen Teile der Ausstellung) ein höchst eindrucksvolles Bild, das die charakteristische Haltung der großen Raubkatzen scharf beobachtet festhält und tm Gleichklang der eigentümlich geduckten und sozusagen sprungbereiten Bewegung einen ungemein lebendigen Impuls bekommt. Dasselbe gilt von dem großen Tigerbild an der Rückwand und etwa auch von dem Aoo-Jdyll „Bei den jungen Löwen".
Ausgesprochen koloristtsche Probleme bestimmen die Schilderung des afrikanischen Karawanenplatzes mit seinem Gewimmel von Menschen und Tieren
in einem merkwürdig fahlen, dunstigen und verschleiernden Licht. Ganz impressionistisch empfunden wirkt dann auch der „Sattelplatz", der das durch die Betonung der beiden Diagonalen sehr bewußt komponierte Bild gleichsam in einzelne Farbflecken auflöst. Viel geschlossener und fester in der Form erscheint demgegenüber der „Viererzug" (an der selben Wand), offenbar ein Lieblingsmotiv von Dill, das hier noch einmal in anderem Zusammenhang auftaucht. Auch für Schimmel scheint Dill übrigens, wie der berühmte Wouwerman, eine besondere Vorliebe zu hegen.
An sehr erlauchte Vorbilder, beispielsweise an Trübner, erinnern die zahlreichen Reiterbilder („Schupooffiziere"; „Schimmelreiter im Gartenweg", „Ritt zur Schwemme", „Der Ausritt" und andere, auch unter den Aquarellen.) Neben dem Farblichen beschäftigt den Maler hier vor allem das Bewegungselement: der gleichmäßig schwingende Rhythmus des gesammelten Tierkörpers kommt hier allenthalben überzeugend zur Geltung. Man betrachte hierzu auch die Rennpferde am Start, eine als Gesamtbild vorzüglich gelungene, geschlossene Arbeit, ferner die bereits erwähnte Löwengruppe, den „Dompteur" und vor allem die afrikanische Löwenjagd, eine außerordentlich leben* dige und dramatische Szene.
Aehnliches gilt auch von dem „Stierkampf", einem Motiv, dessen vielfältige malerische und lineare Reize ja bereits Goya erkannte und unübertrefflich gestaltete. Daß Dill, wie wir bereits andeuteten, sich in seiner Motivwahl nicht einseitig festlegt, zeigen in unserer Ausstellung etwa Bilder wie „Am Lago Maggiore", „Rom von Frascati aus gesehen" und die heimatlich pfälzischen Landschaften, während in den Aquarellen und Zeichnungen vorwiegend die Tiermotive wiederkehren.
Die Ausstellung, die seit gestern vormittag der Oeffentlichkeit zugänglich ist, sei einem regen Besuch empfohlen Hans Thyriot.
Neue Wiqman-Tänze.
Uraufführung in Berlin
In der Berliner Volksbühne am Horst-Wessel- Platz fand die Uraufführung der Tänze statt, die Mary W i g m a n demnächst auf einer Gastspielreise in einer Anzahl von deutschen Städten zeigen wird.
Sie nennt eine Reihe von fünf Tänzen „Herbstliche Tänze". Die Reihe beginnt mit der repräsentativen fraulichen Würde, die der Wigman eigen sein kann: und zwar mit einer „herbstlichen Ge
stalt", die sie als „Segen" bezeichnet — und dieser Gefühlsgehalt, diese reiche seelische Spende (die sich im „Mütterlichen Tanz" des zweiten Programmteils noch vertieft und ausbreitet), wird tatsächlich in den schönen weichen Armbewegungen und in den zart flatternden Hand- und Finger-Regungen zum Ausdruck gebracht.
Nach diesem ein „Tanz der Einnerung": tief versonnen, in sich gebückt, fängt sie zu tanzen an, immer sinnfälliger wird der Begriff der Versunkenheit, sie liegt, sie hockt am Boden, die Finger spielen in den Haaren (solche kleinen Regungen, tänzerisch gemeint und ausgenützt, fallen bei einem deutschen Tänzer noch immer besonders auf —); aus der Versunkenheit richtet sie sich wieder auf, reckt sich, begehrt auf, fordert, beschwört — um sich dann zu ruhiger Gehaltenheit (etwa als Ausdruck aufrechter Ueberwindung) hinzufinden.
Diesem Tanze folgt ein Jagdlied, m grünem Kleide, leicht geschürzt, mit Ansätzen zur Groteske, zu etwas Satyrhaftem, das übrigens, zugunsten der Wirkung, durch entsprechende Maskierung, noch gesteigert werden könnte. Aehnliches wäre zu sagen von der „Windsbraut", dem Schlußtanz dieser Reihe. — Aber ihm voran geht noch der „Tanz in der Stille", den man sicherlich zu den reifften Arbeiten der Wigman rechnen wird. Hanns H a - sting, der auch diesmal wieder zu allen Tänzen Mary Wigmans eigene Kompositionen spielte, ist gewiß ein dem Ideal ganz naher Tanzbegkiter insofern, als Hanns Hasting (von der Musik aus) und Mary Wigman (von der körperlichen Darstellung her) ein jeder mit ganzem Einsatz feines großen Könnens beisteuert zu einem tänzerisch-musikalischen Werke, das zustande kommt, daß also Mary Wigman nicht etwa nur bestrebt ist, vorhandene Musik tänzerisch zu verdeutlichen, und daß Hasting nicht etwa nur bestrebt ist, Tanz durch Musik gefällig, unterhaltend und einprägfam zu machen — aber in dem „Tanz der Sttlle" ist es doch der Höhepunkt und das unerreichbar Schönste, wenn an einer Stelle die Musik (gleichsam bescheiden sich zurückziehend) aussetzt und allein die Körpermusik Mary Wigmans zur Geltung kommt.
Den zweiten Teil des Programms machten Wiederaufführungen älterer Werke aus: Mary Wigmans „Schicksalslied" (aus den „Tanzgesängen" 1935) und der schon genannte „Mütterliche Tanz" (aus den „Frauentänzen" 1934). Daran reihten sich noch „Tänze nach ungarischen Volksliedern", auf fallend durch die lebhafte Kostümierung, Reflexe einer sinnlich-fröhlichen Temperamentsäußerung.
Dr. Johannes Günther.
Was ist ein Skihase?
lieber den festen und trocfenen Begriff des weltumfassenden Skihasen gehen die begeisterten Meinungen in zünftigen Kreisen auseinander. Die einen bezeichnen mit diesem sanften zoologischen Namen schlechthin das ewig Weibliche auf den langen Hölzern, vom tapsigen Anfänger bis zur Rennläuferin, vom Backfisch bis zur blühenden Maid, während die andern das Wort Skihase oder Skihaserl, auch Häschen oder Schneehäschen, für eine bestimmte Abart von Skiläuferinnen anwenden, nämlich für solche, denen ein gewisser molliger Scharm, eine lustig plappernde Unbekümmertheit und eine närrische Liebe zum Schnee und zu allem, was damit zusammenhängt, eignen und die, was den Skilauf als solchen anbelangt, nie in ihrem Sportleben so ganz vollendet werden, nimmermehr zu Kanonen heranreifen und überhaupt eine gewisse Grenze des Könnens bei allem Draufgängertum und bei guter körperlicher Gewandtheit nicht überschreiten. Wenn man der Herkunft des anmutigen Wortes nachspürt, kommt man zu keinem festen Ergebnis; der Kenner neigt der Ansicht zu, daß die Skiläuferin aus reiner Leidenschaft und Vorbestimmung, die mit einer gewissen Verbissenheit zur Vollendung und Meisterschaft strebt, kein Skihaserl oder Schneehäschen ift Ihre Umwelt ist einen Schuß zu ernst; es fehlen ihr die sportliche Unbekümmertheit und die scherzhafte Note, die den eigentlichen Skihasen auszeichnen. Der Vorwurf an sich ist viel zu heiter und liebenswert, als daß man ihm schulmeisterlich auf den Leib rücken dürfte. Roland B e t s ch, der bekannte Romanschriftsteller, schilderte ihn in Bild und Wort im Januarheft von Velhagen 8z K l a- finge Monatsheften, indem er u. a. schreibt: „Wer nun auch immer das Recht haben mag, unter den Begriff des Skihasen zu fallen, ich glaube fast, es ist so gewesen: Gott begegnete an einem herrlichen Wintertag in den verschneiten Bergen dem ersten Skiläufer. Er schaute ihn voll Güte an und lächelte. Und aus diesem göttlichen Lächeln wurde das Skihaserl geboren. Da ist es nun, und wir wollen uns an ihm erfreuen."
Sochschulnachrichten.
Der Rektor der Universität Heidelberg, Professor Dr. Wilhelm Groh, wurde zur Dienst- leistung im Reichserziehungsministerium in B e r » l i n von seinen Amtsgeschäften als Rektor und von seiner Lehrtätigkeit in der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg beurlaubt


