den Herrn: Geschenke für jeden Geschmack. Einfache und gute Ware, die aus dem schmälsten Geldbeutel erstanden werden kann, und vieles Schöne für den gefüllteren Geldbeutel. Was Gießens Handel und Gewerbe bieten, veranlaßt auch den verwöhnten und den noch unentschlossenen Käufer zu einem schnellen Entschluß. Auch das, was unsere Kleinen in den Tagen vor Weihnachten erträumen, ist in weitestem Ausmaß vorhanden. Gießens Handel und Gewerbe wird zu Weihnachten jeden Kauflustigen zufriedenstellen können.
Zu all dem, was Handel und Gewerbe bieten, tritt eine stattliche Zahl von Veranstaltungen, um die Besucher zu erfreuen. Platzkonzerte, farbige Beleuchtungen u. a. m., ausgesuchte Darbietungen des Stadttheaters und der Lichtspielhäuser bringen reiche Abwechslung. Gießens Gaststätten laden die Besucher zur Stärkung und Erholung ein.
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♦♦ 5 0 Jahre Gast stätte „Thuring e r H o f". In diesen Tagen kann die Gaststätte „Ibü- ringer Hof" in dem Hause Hammstraße 7 (früher „Am Hamm") auf ein öOjähriges Bestehen zurück- blicken. Vor 50 Jahren gründete Johannes S i e ck, der Vater des jetzigen Inhabers, Emil Sieck, die Gastwirtschaft unter dem Namen ,Lur Eule". Später wurde der Name „Thüringer Hoft geführt, den die Gaststätte noch heute trägt. Im Jahre 1910 übernahm Emil Sieck die Gastwirtschaft von seinem Vater und führte sie bis aus den heutigen Tag nach bewährten Grundsätzen fort. Zahlreiche Stammgäste, die schon dem Vater die Treue hielten, besuchen auch heute das Lokal noch gern.
*♦ Der Naturheilverein Gießen hielt am Mittwoch im Katholischen Vereinshaus einen gut besuchten Vortragsabend, der durch Klaviervorträge verschönt wurde. In seinen Einführunas- warten umriß Herr Häusler den Sinn und die Aufgabe der Naturheilbewegung, die nicht allein der Gesunderhaltung diene, sondern auch die Gesundmachung auf natürliche Art pflege und die in einer Zeit, die großen Wert auf ein gesundes Volk legt, jedem einzelnen die Wege weisen wolle, wie er sich zu verhalten habe, wenn er seine Gesundheit zu behalten wünsche. Im Mittelpunkt des Abends stand ein lehrreicher Vortrag von Frau Fuchs (Darmstadt). An ihrem eigenen Schicksal schilderte sie, wie der Mensch dann, wenn er nicht selbst zur Einsicht komme, durch stärkere Erlebnisse genötigt werden könne, naturgemäß zu leben. In eingehender Weise legte sie die Ziele der Seroegung dar und wandte sich gegen alle Extreme. Sie zeigte, daß es nicht nur darauf ankomme, länger zu leben, sondern ebenso lange gesund und leistungsfähig zu sein. Das gelte in erster Linie für die Frau, die mit ihren' Lebenserfahrungen der jungen Generation Aur Seite stehen solle. Darum sei es notwendig, wieder die Matrone für unser Volk zu schaffen, die die Helferin und Beraterin der jungen Familie sein müsse. In eingehender Weise erläuterte die Vortragende dann den Wert des gesunden Menschen in der Volksgemeinschaft, und gab Hinweise dafür, wie durch Vorbeugung wertvolles Lebensgut dem Volke erhalten bleiben könne.
** Maurerbude in Flammen. Gestern gegen 19.06 Uhr wurde die Feuerwehr telephonisch nach dem Gelände hinter der Heilstätte Seltersberg gerufen. Dort war eine Arbeiterbude in Flammen geraten, in der die Arbeiter Kleidungsstücke und Werkzeuge aufzubewahren pflegen. Die leichten Bretterwände boten dem Feuer rasche Nahrung, und die Feuerwehr konnte nicht mehr viel retten. Mit der Wasserreserve der Motorspritze wurde das Feuer bekämpft. Gegen 20 Uhr konnte die Löschmannschaft wieder einrücken.
Rundfunkprogramm
Samstag, 11. Dezember.
6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Moraenstund'. 10: Schulfunk: Leuthen, ein Hörspiel. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Gaunachrichten. 11.45: Deutsche Scholle: Praktische Ratschläge für das Bauernhaus. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert (Fortsetzung). 14: Ihr lieben Hörer, paßt jetzt acht, denn dies Programm habt Ihr gemacht! Wunschkonzert. 15.15: Volk und Wirtschaft. 15.30: Heiterkeit und leichtes Blut! Mozart als Meister der Wiener Unterhaltungsmusik. 16: Der Nußknacker tanzt. Ein lustiges Spielzeug-Kabarett. 17.15: Rund und kunterbunt um die Kaffeestund'! 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Blasmusik. 20: Frankfurter Funkbrettl! 22: Nachrichten
Kommunalarbeit in Oberhessen.
Ratöherrensihung in Alsfeld.
8 Alsfeld, 8. Dez. In der jüngsten Sitzung der Ratsherren gelangten die Rechnungen der Stadt-, Hospital- und Armenkasse sowie des Schlachthofes und des Wasserwerkes vom Rechnungsjahr 1936 zur Vorlage. .
Die Stadtrechnung schließt im Betriebmit 526 891,51 Mark in Einnahme und mit 449 956,22 Mark in Ausgabe ab, so daß ein Rechnungsrest von 76 935,29 Mark verbleibt (im Vorjahr 75 763,59 Mark), in der Abteilung Vermögen mit 104 085,79 Mark in Einnahme und mit 89 224,61 Mark in Ausgabe ab, so daß hier ein Rechnungsrest von 14 861,18 Mark verbleibt.
Die Rechnung des Hospitalfonds gleicht sich mit 6865,12 Mark in Einnahme und Ausgabe aus. Die Rechnung des Armenfonds gleicht sich mit 12 996,39 Mark, unter Berücksichtigung des städtischen Zuschusses in Höhe von 9915,53 Mark zur Deckung des Fehlbetrages für die Fürsorgelasten in Einnahme und Ausgabe ebenfalls aus.
Die Betriebsrechnung des städtischen Schlacht- Hofs für das Rechnungsjahr 1936 schließt in Einnahme mit 30 543,55 Mark, in Ausgabe mit 24 987,13 Mark ab, so daß sich hier ein Rechnungsrest von 5556,42 Mark ergibt. Für den Erneuerungsfonds wurden dem Vermögen 5000 Mark zugeführt.
Das Wasserwerk schließt in Einnahme mit 51 948,42 Mark ab, in der Ausgabe mit 48 548,18 Mark, so daß ein Rechnungsrest von 3400,24 Mark verbleibt. Aus dem Wasserwerk wurden als Zu- schuß für den allgemeinen Finanzbedarf 24 000 Mark übergeführt.
Gegen die vorgelegten Rechnungen wurden bei der Beratung Beanstandunaen nicht erhoben. Sie wurden von dem Vorsitzenden genehmigt, ebenso die vorgelegten Kredit-, Liquidations- und Niederschlagungsverzeichnisse.
Weiter gelangte die Abrechnung des Prämie n m a r kt e s 19 3 7 zur Vorlage. Die Einnahmen betragen 3683,45 Mark, worin ein Zuschuß der Stadt in Höhe von 1500 Mark einbegriffen ist. Die Ausgaben belaufen sich auf 3357,84 Mark, so daß ein Ueberschuh von 325,61 Mark verbleibt. Die Abrechnung wurde genehmigt. Wie der Vorsitzende mitteilte, wird auf Wunsch des Landesbauernführers Dr. Wagner vom Jahre 1938 ab der Alsfelder Prämienmarkt um eine Woche vorver- legt, um das seitheriae zeitliche Zusammentreffen mit hem Prämienmarkt in Beerfelden zu beseitigen.
Der Voranschlag der Gewerbeschule für das Rechnungsjahr bewegt sich mit 9301 Mark in Einnahme und Ausgabe: hierzu kommen noch die der Stadt als Träger der Schule obliegenden sachlichen Kosten mit 3560 Mark. Die Zahl der Schiller im laufenden Wintersemester beträgt 46. Der Voranschlag wurde in der vorgelegten Form von dem Vorsitzenden genehmigt, nachdem keine Beanstandungen erhoben waren.
Unter Mitteilungen wurde von dem Bürgermeister bekanntgegeben, daß auf Grund der von der Oberrechnungskammer Darmstadt vorgenommenen Prüfung der Gemeinderechnungen 1934 und
1935 Entlastung erteilt worden ist. Dem m gleicher Eigenschaft nach Offenbach a. M. versetzten Leiter der Stadtschule Alsfeld, Rektor U \ i n g e r, widmete der Vorsitzende herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung für sein langjähriges verdienstvolles Wirken in Alsfeld.
Ziatsherren-Sihung in Grünberg.
+ Grünberg, 9. DeA. Schon in der vorigen Sitzung hatte man sich nut der Konrad-Hed- wig-Schäfer-Stiftung — 100 000 Mark aus dem Jahre 1920 — beschäftigt. Nach der Aufwertung beträgt der jetzige Wert dieser Stiftung 7573,45 Mark. Der Sttfter will sich nun mit den vierprozenttgen Zinsen von diesem Aufwertungskapital — der lebenslängliche Zinsgenuß ist in der Stiftung gefordert — nicht Aufrieben geben, sondern stellt höhere Forderung. U. a. verlangt er auch, daß nach seinem Ableben das Stiftungskapital auf die Höhe von einer Million gebracht werden soll, um dann mit den Zinsen davon die Erziehung und Ausbildung gering bemittelter Grünberger zu bestreiten. Auf Anraten des Kreisamts sind die Ratsherren damit einverstanden, wenn dem Stifter seine Gabe zurückerstattet wird.
Die Stadt beabsichtigt, das in der Bahnhofstraße liegende ehemalige Bankhaus Phil. I ö ck e l nevst angrenzendem Gartengelände von der Nachlaßverwaltung für die hiesige Ortsgruppe der NSDAP, und ihre Gliederungen zu erwerben, sofern ein annehmbarer Preis gefordert wird.
Die Höhe der Gewerbesteuer für 1937 wird mit 281 v. H. der Steuermeßbeträge, die Zweigftellensteuer mit 365 v. H. der gemeindlichen Gewerbesteuer festgesetzt.
--Steinbach, 9. Dez. Die VDA.-Ortsgruppe Steinbach veranstaltete am Mittwochabend eine Versammlung im Saale des „Ritter". Der Leiter, Lehrer Schütz (Steinbach), begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Besucher. Der Gesangverein „Germania" Steinbach, unter Stabführung seines Dirigenten, Musikmeister Harnisch (Watzenborn), hatte sich in den Dienst des VDA. gestellt und bot am Anfang und am Schluß des Abends je zwei stimmungsgemäß zum Abend passende, mit Beifall aufgenommene Lieder. Kinder der Mittel- und der Oberklasse unserer Schule verschönten durch Gesänge und Deklamationen den Abend. Der Redner, Herr Berthold Weiß aus Hungen, ein geborener Siebenbürgener Sachse, verstand es, in seinem Vortrag Land und Leute seiner Heimat anschaulich zu schildern. Im zweiten Teile des Vortrages zeigte er Lichtbilder über Siebenbürgen Land und Leute. In einem Schlußwort verstand er es, die Herzen seiner Zuhörer für das Werk des VDA. zu erwärmen. Kinder der Mittelklasse fan- aen dann das Heimatlied der Sachsen in Siebenbürgen. Lehrer Schütz dankte dem Redner und allen Mitwirkenden und ward für den VDA. Ortsgruppenleiter, Bürgermeister Rink, dankte in seinem Schlußworte dem Redner, dem Veranstalter des wohlgelungenen Abends, Lehrer Schütz, dem Gesangverein und den Kindern. Er schloß dann in üblicher Weise den Abend, der allen Besuchern ein Erlebnis war.
Aus her engeren Heimat.
Richtfest in Treis a. d. Lumda.
* Treis a. d. L u mda (Kreis Gießen), 7. Dez. Anläßlich der Beendigung des Wiederauf- daues der großen Umfriedungsmauer der Kirchhofsanlage, die vor ungefähr einem Jahr zum Teil eingeftürAt war, hatte der Bürgermeister die Handwerker, den Kirchenvorstand, die Gemeinderäte und das Hessische Hochbauamt, das die Bauleitung hatte, zu einem Richtfest eingeladen.
Die rnächttge, nahezu fünf Meter hohe Umfassungsmauer war wohl ein Teil der frühgermanischen Wehranlage, wie wir sie ähnlich noch in anderen Gemeinden Hessens finden. Wir haben es hier also mit einer fünft» und kulturgeschichtlich hervorragenden Bauanlage zu tun, die angesichts ihrer Bedeutung als Baudenkmal selbstverständlich unter Denkmalschutz steht.
Seitens der Denkmalpflege wurde deshalb besonderer Wert darauf gelegt, daß der alte Zustand
bei der Wiedererrichtung der Mauer erhalten blieb und die Mauer an derselben Stelle wieder ernch- tet würde, eine Auflage, die mit den Erfordernissen, die der Verkehr auf der vor der Mauer liegenden, viel zu schmalen und durch die Kirchhofsmauer unübersichtlichen Hauptstraße diktatorisch verlangte, nicht ohne weiteres in Einklang zu bringen war. Landwierige Verhandlungen waren nötig, um das zu erreichen, was seitens der Gemeinde zur Sicherung des Lebens der Mitmenschen gefordert wurde: die Mauer wurde vollständig abgebrochen und um 2,50 Meter zurückgerückt. Äus gleicher Erwägung wurde die Haupttteppe zur hochgelegenen Kirche, die Dorf)er unmittelbar auf die Fahrbahn der Straße mündete, seitlich gelegt mit Ausgang auf einen toten Winkel der Straße. Die monumentale Wirkung der mächtigen Maueranlage wurde dadurch in keiner Weise beeinträchttgt.
Bürgermeister Becker wies bei der Feier auf den Zweck des Richtfestes hin, der ein Zeichen des guten Zusammenarbeitens aller bei dem Bau Be
teiligten fein soll. Insbesondere hob er das gute Zusammenarbeiten mit dem Kirchenvorstand und mit der Bauleitung hervor. Die nicht unbedeutenden Schwierigkeiten, die sich gleich zu Anfang bei der Planung in den Weg gestellt hätten, seien zum Wohle aller weggeräumt worden. Das Platzbild und der Blick nach der Kirche hin seien durch das Zurückversetzen der Mauer schöner geworden.
Regierungsbaurat G e r l a ch vom Hessischen Hochbauamt Gießen stellte vor allem die ausgezeichnete Arbeitsleistung in den Vordergrund, die hier von den Meistern Gotthard A m e n d und H. Ph. Kehr II. und den Treiser Maurern geschaffen wurde. Sie ist ein Beispiel wirklich zünftiger Handwerkerarbeit und erklärt in erster Linie den schönen Gesamteindruck des neuen Bauwerks. Die Gemeinde Treis hat mit der Verwirklichung der Arbeiten im Verhältnis zu ihrer Größe ein gutes Stück Arbeitsbeschaffung geleistet. Wenn man heute in Treis ein Richtfest feiern könne, so danken wir dies vor allem dem Führer.
Pfarrer Schmidt als Vorsitzender des Evang. Kirchenvorstandes dankte im Namen feiner Gemeinde als Eigentümerin des Platzes dem Bürgermeister für die uneigennützige Hilfsbereitschaft, die die politische Gemeinde der Kirchengemeinde gegenüber, die ja keine Mittel für die Durchführung der Arbeiten besitze, gezeigt habe. Es könne nicht darüber gestritten werden, daß der Wert eines Menschenlebens in jedem Falle unbedingt höher einzuschätzen sei, als der Wert einer denkmalpflegerischen Sache, deshalb mußte im Hinblick auf den lebensgefährlichen Verkehr vor der Kirchmauer die neue Mauer unbedingt zurückgesetzt werden. Hätte man die Mauer wieder an der alten Stelle errichtet, — wer hätte im Unglücksfalle die Deranwortung hierfür übernehmen wollen? Heute sei auch der letzte Zweifler bekehrt, es sei die Ueberzeugung der gan- Aen Gemeinde, daß die Kirche eine würdigere Umfriedung und einen schöneren Eingang erhalten habe. Wenn nun noch die Gemeinde Treis das neue K r i e g e r e h r e n m a l vor die ßängs- wand der Kirche in die Achse der neuen Aufgangstreppe stellen werde, dann werde dadurch ein neues künstlerisches Moment hinzugetragen und ein wirkliches Stück Dorfverschönerung geschaffen. Der Dank des Pfarrers galt ferner der Bauleitung und dem Gestalter des Entwurfs.
Echt kameradschaftlicher Geist gab dem Richtfest frohe Weihe. Lieder froher Geselligkeit und die schönsten Volkslieder wechselten mit Einzelvorträgen, sie waren lebendiger Ausdruck der Heimatgebunvenen deutschen Volksseele, die nach des Taaes Werk den Alltag verläßt uni) im Kreise froher brüderlicher Gemeinschaft Erfüllung sucht und findet.
Tödlicher Derkehrsunfall in Nidda.
* Nidda, 10. Dez. Dieser Tage ereignete sich hier in der Ludwigstraße ein verhängnisvoller 33er« kehrsunfall. Der 78 Jahre alte Oberinspektor i. R. G e i a e r, der trotz seines hohen Alters noch außerordentlich rüstig war, wurde beim Heber« schreiten der Straße von einem Personenkraftwagen angefahren, als dieser Heimfahrende Arbeiter der Himmelsbachschen Werke überholen wollte. Geiger wurde au Boden geworfen und erlitt dabei einen Unterschenkelbruch, ferner auch erhebliche Kopfverletzungen. Der bedauernswerte Mann mußte fofort durch die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Nidda in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Der hochbetagte Mann ist in der vergangenen Nacht den Folgen der schweren Verletzungen erlegen. Die SchuDsraae über das Zustandekommen des Der- kehrsunsalles ist noch nicht völlig geklärt.
Landkreis Gießen.
gfs. Großen-Bufeck, 9. Dezember. Unsere Frauenschaft veranstaltete eine Nikolausfeier im Saal des Pg. Brück. Die Mitglieder der Jugendgruppe hatten die Tische festlich mit Tannengrün geschmückt, auf jeder Tafel prangte ein selbstgebastelter Nikolaus. Die Leiterin, Frau Schneider, sprach über „Altes Brauchtum unseres Volkes zur Weihnachtszeit". Märsche und Lieder der H.'J., Chorgesang der Jugendgruppe und ein luftiges Zwergenstück, von den Jungmädels aufgeführt, hoben die Stimmung der Gäste, die ihren Höhepunkt erreichte, als der Nikolaus erschien. In luftigen Versen rügte er kleine Fehler der Frauen und überreichte zum Schluß jedem Mitglied eine Gabe. Gemeinsam gesungene Volkslieder beschlossen den wohlgelungenen Abend.
Mamanten-Komödie
Roman von Horst Biernaih.
2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Bei diesen Worten überreichte der Direktor Herrn Ferguson eine Aufstellung, die etwa dreißig Namen aufwies, von denen die Namen jener Fahrgäste, die der Schiffsgesellschaft oder den Direktoren der Minerva-Mine persönlich bekannt waren, durch ein vorgesetztes Kreuz gekennzeichnet waren. Es blieben nur wenige Namen übrig, die dieses Zeichen nicht trugen.
„Wie oft legt der Dampfer an?" fragte Hooten kurz.
„Nur zweimal", antwortete Direktor Johnson an Stelle seines Chefs. „Die ,Catharina' löscht in Freetown Eisenträger und nimmt in Teneriffa Kohlen, doch übernimmt sie unterwegs keine Fahrgäste mehr, da alle Plätze bis Amsterdam besetzt sind."
„Haben Sie noch eine Frage?" erkundigte sich Gaspard.
Ferguson nickte: „Wer trägt die Verantwortung für den Transport der Steine, wenn wir holländischen Boden erreicht haben?"
„Die beiden Inhaber der Firma Hannes und Pieter Zuidendosch, die an Bord der ,Catharina' erscheinen werden, um die Steine in Empfang zu nehmen."
„Können wir Photos dieser Herren betomnien?"
„Nicht nötig. Beide sind dem Kapitän Zanten, der für uns kleinere Geschäfte dieser Art schon einige Male besorgt hat, persönlich bekannt ... Sonst noch etwas unklar?"
Die Detektive erhoben sich. „Alles klar!" stellte Ferguson fest. „Dürfen wir jetzt um die einfachen Koffer zum Transport der Panzerkästen bitten? Ich halte es für das Gescheiteste, wenn ich das Direktionsgebäude sofort verlasse, während Hooten zwei oder drei Stunden später aufbricht. Und da ich für meinen Heimweg über drei Straßenecken noch nie die Straßenbahn oder den Bus benutzt habe, werde ich mein Wäscheköfferchen auch dieses Mal früh und Hefter durch die Stadt tragenI"
e
„Ich bin enttäuscht!" stellte Carola Hollerthcm mit einem leichten Seufzer fest. Dann seufzte sie ein wenig tiefer auf: „Und mein Verlag wird es auch sein ..." Sie klopfte, während sie ihren Weg fortsetzte, mutlos auf die gestie Ledertasche, die an einem schmalen Lederriemen über ihre Schulter hing: „Ich habe heute einen Brief aus Berlin bekommen. Man findet die Ausbeute meiner Reise ein wenig mager und die Photos nicht allzu neu — aber die Herren rechnen darauf und tröften sich damit, daß ich ihnen die großen Ueberraschungen persönlich mitbringen würde. Ach, sie werden sehr überrascht sein, daß meine ganzen Ueberraschungen für sie darin bestehen, daß ich ohne Ueberraschungen heimkomme!"
Ihr Sealeiter Humphrey Timperly, ein junger Mann, dessen Anzug viel zu gut saß, als daß er ihn mit seinen sechsundzwanzig Jahren aus eigener Tasche bezahlt haben konnte, seufzte ebenfalls: „Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, Carola, Ihnen etwas von unserm Lande zu zeigen."
„Ich habe Ihnen ja auch keinen Vorwurf gemacht, Humphrey!" Sie legte die Hand tröstend auf seinen Arm — zog sie aber wieder zurück, als sich auf diese Berührung hin sein Gesicht verklärte und er dabei eine Haltung einnahm, als balanciere er drei Dutzend Meißner Teller auf seinem Ellbogen.
Eine Welle schritten sie stumm nebeneinander her. „Sie behandeln mich heute einmal wieder besonders scheußlich", sagte der junge Mann gekränkt.
Sie sah ihn von der Sette mit einem mißtrauischen Blick an. „Sie haben heute wieder mal so eine Stimme, als hätten Sie mit Haaröl gegurgelt, Humphrey ..."
„Als ob ich nicht wüßte, weshalb Sie mich dauernd frotzeln!" äußerte er bekümmert. „Ader trotzdem haben Sie mir die Frage, die ich schon einmal im Lauf dieses Tages an Sie gestellt habe, noch immer nicht beantwortet. Bitte sehr: Also wes- halb plagen Sie sich überhaupt so durchs Leben? Ist das, wenn es schon ein Beruf ist, ein Beruf für Sie? Immer diesen Ballast von hunderttausend Lesern mitzuschleppen? Und dabei nie zu den eigent- lichen Ausgaben zu kommen, von denen Sie mir sagten, daß es die Aufgaben seien, deren Erfüllung Ihnen am Herzen liege? Bitte, Carola, ein einziges Wort von Ihnen, und morgen früh weiß man bereits in Berlin, daß man auf 3$re weitere Mft- «Dbert nicht mehr zu rechnen habe."
Sie schüttelte den Kops. „Der Verlag erwartet, daß jedermann seine Pflicht tut", antwortete sie in leichter Abwandlung der berühmten Worte von Trafalgar, aber mit so viel Pathos, daß jeder Schmier endirektor vor Neid erblaßt wäre. „Und im übrigen, Humphrey, ich habe es Ihnen schon einmal gesagt: An ihren ungewöhnlichen Vornamen könnte ich mich mit der Zeit vielleicht gewöhnen — aber Hollerthau und Timberly, das paßt nicht zueinander."
„Häute und Felle — gewiß, ich gebe zu, es ist ein stinkendes Geschäft. Aber der Beruf stinkt nicht!"
„Um's Himmels willen", rief sie erschrocken, „ich wollte damit wahrhaftig nichts gegen den Fellhandel sagen! Das ist nicht nur ein ehrenwerter, sondern auch ein lohnender Beruf. Eben zu lohnend ... Hören Sie zu, Humphrey! Ich bin die Tochter eines kleinen Landarztes — eines ganz kleinen, aber furchtbar anständigen Arztes, der die Leute nicht mit Chemikalien vergiftete, sondern sie tatsächlich manchmal gesund machte. Sonderbarerweise haben diese unbestreitbaren Verdienste meinen guten Vater auf keinen grünen Zweig georacht. Ich selber habe zeit meines Lebens in außerordentlich bescheidenen Verhältnissen gelebt, unvorstellbar für Sie — und ich besitze als einzige Hinterlassenschaft meines Vaters ein Mikroskop, ein herrliches Herbarium und zwei Kisten mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Büchern, die irgendwo in einer Berliner Mansarde herumstehen. Das ist das Gesamtgut, das ich einmal einem Mann einbringen werde, wie man so hübsch sagt. Und mtt einer Kräutersammlung als Hauptmitgift heiratet man, wie Sie zugeben werden, nicht in die Familie Timperly hinein.
„Sie betraten nicht die Firma, sondern mich!" widersprach er heftig. Er war ein prächtiger, gutgewachsener Junge. Jetzt ballte er gegen alle Trm- perlijs die Fäuste, und die Erregung färbte sein frisches Gesicht dunkel.
,^)ch weiß, Humphrey, daß Sie tatsächlich an bas glauben, was Sie sagen. Ich weiß auch, was Sie mir jetzt entgegnen wollen: daß die Timperlys mich mit vollendeter Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft aufgenommen haben. Ich fürchte nur, bas wäre nicht der Fall gewesen, hätte man ge» ahnt, welcher Art Ihre (Befühle für mich sind. Denn man wird andere Pläne mit Ihnen haben ..
•Sott", weteAre» * ß-. .Sie gtoutx» doch nichts
im Ernst daran, daß ich jemals Betty Grobler, diese kleine, sommersprossige Ziege, heiraten werde?"
„Nein. Wie käme ich dazu? Aber sehen Sie, Humphrey, diese Auseinandersetzungen sind es eben, die ich Ihnen und mir ersparen möchte. Denn mir wäre auch unklar, was Sie mit den Kenntnissen, die Sie aus Cambridge mitgebracht haben, anfan- gen wollen, wenn Ihr Herr Vater Ihren Entschluß, mich zu heiraten, nicht billigt und wenn außer Ihrem Schicksal noch ein anderes an Ihnen hinge."
„Sie meinen, mein Alter ließe mich aufsitzen?" „Genau das. Vielleicht nicht für ewig, abter so für zwei oder drei Jahre. Eine gewisse Portion Eigensinn nämlich scheint mir in Ihrer Familie zu liegen ..."
Humphrey nagte an seiner Lippe: „Ja — eigensinnig ist er; er kann schon verdammt eigensinnig sein ...
„Dann werden Sie wahrscheinlich nicht wünschen, daß ich uns beide mit Zeitungsaufsätzen durchbrächte, nicht wahr? Und, offen gestanden, deren Qualität langt gerade zum Lebensunterhalt für mich allein."
„Sie sind ekelhaft vernünftig!" stieß er ärgerlich hervor. „Geradezu scheußlich vernünftig!"
„Und außerdem rechtschaffen müde und durstig, Humphrey. Oder war es Ihr heutiges Programm, mich zwei geschlagene Stunden lang das Kapstadter Pflaster festtreten zu lassen?"
„Verzeihen Sie, Carola!" bat er bestürzt. Er rief schleunigst eine vorüberfahrende Droschke an und gab dem steuernden Neger, während er Carola beim Einsteigen half, das Ziel an.
„Ich hörte .Schwarze Mamba'?" fragte sie.
„Ganz recht. Sie werden ein kleines, aber sehr eigenartiges Lokal tennenlernen, und es wird dort beileibe kein Klapperschlangengift ausgeschenkt, wie das der Name vielleicht vermuten ließe. Aber recht eigentlich führe ich Sie dorthin, weil Sie da eine Sammlung afrikanischer Schaustücke finden werden, die dem guten Dom Pete von Stammgästen seiner Bar geschenkt worden sind. Oom Petes Gäste aber sind Kapitäne, Jäger, Diamantensucher und Abenteurer, und an jedem der Stücke hangt eine meist nicht ganz harmlose Geschichte. Ich dachte mir so, daß sie dort noch zu guter Letzt ein paar Anregungen bekommen würden."
Koryetzurrg W*


