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Oer Kurzschristweitbewerb der OAF.

10000 Wettschreiber traten im 0au an.

NSG. Mit überaus großem Erfolg war der Kurzschriftwettbewerb der Deutschen Arbeitsfront gekrönt, der vor kurzem durchgeführt wurde. Allein im Gau Hessen-Nassau hatte er eine Beteiligung von rund 10 000 Kurzschriftlern aufzuweisen. In den einzelnen Arbeitsgebieten war folgende Betei­ligung zu verzeichnen:

Frankfurt a. M. mit 20 Wettbewerbsorten rund 3000, Darmstadt mit 3 Wettbewerbsorten 500. Gießen mit 9 Wettbewerbsorten 800, Hanau mit 5 Wettbewerbsorten 400, Limburg mit 6 Wett­bewerbsorten 150, Mainz mit 12 Wettbewerbs­orten 1100, Offenbach mit 12 Wettbewerbsorten 650, Wetzlar mit 3 Wettbewerbsorten 250, Wiesbaden mit 12 Wettbewerbsorten 900, Worms mit 8 Wettbewerbsorten 900 Arbeitskameraden.

Von den Wettbewerbsteilnehmern gaben im Schnellschreiben in den Geschwindigkeiten 60 bis 360 Silben in der Minute 83,57 v. H. und im Richtigschreiben 65,18 v. H. brauchbare Arbeiten ab. Die größte Beteiligung wiesen die Geschwindig- koitsstufen 60 Silben (über 900 Teilnehmer), 80 Silben (über 1600 Teilnehmer) und 120 Silben (über 900) auf. Die Zahl der unbrauchbaren Ar­beiten ist hierin nicht einbegriffen. Bei 140 und 160 Silben wurden je über 700 Arbeiten und bei 180 Silben rund 100 Arbeiten abgegeben. Bemer­

kenswert ist die hervorragende Beteiligung in der Geschwindigkeitsstufe von 200 Silben. Bon insge­samt 125 Arbeitskameraden konnten 119 die Prü­fung bestehen. Bei 220 Silben waren es noch 39, bei 240 17, bei 260 Silben 7 und ab 280 bis 360 Silben 6 Kurzschriftler.

Die Höchstleistung erzielte em Darmstadter mit 360 Silben. Der Hundertsatz aller brauchbaren Ar­beiten im Verhältnis zu den unbrauchbaren Ar­beiten liegt im Schnellschreiben in den Geschwin- diakeitsstufen ab 60 bis 360 Silben bei 75 v. H. und höher. Dabei bestanden bei 200 Silben 95 v. H., bei 240 Silben 94 v. H. aller Teilnehmer. Dagegen schwankt im Richtigschreiben der Hundert­satz der brauchbaren zu den unbrauchbaren Arbei­ten sehr erheblich. Bei 60 Silben Schnellschreiben wurden 40 Silben im Richtigschreiben angesagt. Es konnten im Richtigschreiben hier nur 55 v. H. brauchbare Arbeiten abgeliefert werden, bei Gruppe 80 Silben waren es im Richtigschreiben 65 v. H., bei 100 Silben 72 v. H.. 120 Silben 68 v. H., 200 Silben 84 v. H. usw.

Dieses Ergebnis hat der Deutschen Arbeitssront einen Ueberblick über den Leistungsstand der Ste­nographen gebracht. Auf Grund des Ergebnisses wird nun die weitere Arbeit, vornehmlich im Rich­tigschreiben, angesetzt.

©.jf.-tfpori

Leichlathletik-MWau des BsV.-Reichsbahn.

Abermals zog man jetzt im VfB-Reichsbahn Bilanz über die Leichtathletik-Saison 1937. Wie in den vorhergegangenen Jahren war das Ergebnis glänzend. Alle drei Abteilungen (Aktive, Frauen und Jugend) steigerten ihre Erfolge. Ein Beweis echten Kameradschaftsgeistes ist es, wenn gerade in den Staffeln und Mannschaftskämpfen die besten Siege errungen wurden.

Die Gesamtsiegeszahl setzt sich wie folgt zusammen: 118 erste Siege, 112 zweite Siege, 76 dritte Siege, insgesamt 306 Siege 1937. Auf 47 verschiedenen Veranstaltungen starteten Wettkämpfer des VfB.-R. Immer war man unter den Siegern.

Aktive.

Bei den Aktiven waren es besonders Otto Luh und Heinz Herrmann (Utff. 7/llv), die erstklassige Leistungen vollbrachten. Besonders Herrmann war sehr vielseitig. Er steht im Weitsprung mit 6,74 Meter im Gau an erster Stelle, im Kugelstoßen mit 13,99 Meter an dritter Stelle, im Speerwerfen mit 57,15 Meter ebenfalls an dritter Stelle.

Kreismeisterschaften wurden von fol­genden Mitgliedern errungen: Weitsprung: Klent (Feldw. 7/116) mit 6,20 Meter; Dreisprung: Möll mit 11,64 Meter; Speerwerfen: Dr. Jakob mit 50,09 Meter; Hammerwerfen: O. Luh mit 36,76 Meter; Kugelstoßen: Otto Luh mit 13,04 Meter. Die 4X100-Meter-Staffel wurde mit Siegmund, Luh, Klenk und Möll in 46,6 Sekunden Kreismei­ster. In der 4X 400-Meter-Staffel siegten Tschucke, Götze, (Ogfr. 7/116), Möll und R. Fischer in 3:49,6 Minuten. Als hervorragende Mannschaftssiege sind noch anzuführen der Sieg der 4X100-Meter-Staffel beim 1. Kreisfest des RfL. in Dillenburg.

Pachstehend einige Bestleistungen: 100 Me- ter: H. Herrmann, UVio Sek.; 800 Meter: H. Wode, 2:05,9 Min.; 1500 Meter: H. Wode, 4:21 Min.; Hochsprung: H. Herrmann, 1,71 Meter; Diskus: Otto Luh, 40,42 Meter; H. Herrmann, 38,20 Meter; Kugel: H. Herrmann, 13,99 Meter; O. Luh, 13,91 Meter; Weitsprung: H. Herrmann, 6,74 Meter; Speer: H. Herrmann, 57,15 Meter.

Jugend.

Das beste was der VfB.-R. hat, ist wohl die Ju­gend, die seit drei Jahren mit herrlichen Leistungen

aufwartet. Besonders zu nennen sind die Gaumei­ster Gemmer und Schwarz. Aber auch alle anderen taten ihre Pflicht und errangen stolze Siege. Oft­mals stehen die Jugendlichen des VfB.-R. in den Gau- und Kreisbestenlisten.

Gausieger wurden: 1500 Meter: Kurt Som­mer mit 4:37 Minuten; Hochsprung: Willi Schwarz mit 1,60 Meter. Kurt Gemmer steht in der Gau- Jugend-Bestenliste an 1. Stelle im 800-Meter-Lauf mit 2:11,6 Minuten; im 1500-Meter-Lauf an zwei- ter Stelle mit 4:30,8 Minuten; W. Schwarz steht im Hochsprung mit 1,65 Meter an dritter Stelle.

Kreissieger wurden, A-Klasse: 200 Meter: E. Kley mit 24,3 Sek.; 800 Meter: Carl Heller mit 2:15,3 Min.; Weitsprung: E. Kley, 6,31 Meter; Speerwerfen: E. Kley, 43,94 Meter. B-Klasse: 200 Meter: H. Diedrich in 25,9 Sek.; 1500 Meter: Kurt Gemmer, 4:31 Min.; Hochsprung: W. Schwarz, 1,58 Meter; Dreisprung: Kurt Gemmer, 10,82 Meter; Diskuswerfen: W. Büdenbender mit 30,72 Meter; 4X100-Meter-Staffel: VfB.-R. mit 51,4 Sekunden. In der DVM. erreichte man mit 3869,95 Punkten einen achtbaren Platz in der Reichsliste, sowie die Spitze im Kreis und im Gau. Zum zweiten Male wurde der StaffellaufRund um die Anlagen" ge­wonnen.

Frauen und Mädchen.

Auch in der Frauenabteilung ist man eigen Schritt weiter gekommen. Die Frauenabteilung kam immer mit achtbaren Erfolgen zurück, besonders waren die Staffeln erfolgreich. Die 4X100-Meter-Staffel lief mit Luise Weber, Else Ludwig, Elfriede Fischer, Elfriede Schmidt Kreisbestzeit mit 56,2 Sekunden. Als besondere Erfolge sind zu werten: der Sieg von Luise Weber beim Kreiswaldlauf bei den Frauen und derselbe in der Mädchenklasse durch Else Holler. Mit Anni Heller und Else Ludwig wurde auch der Mannschaftssieg errungen. Ebenso bei den Mädchen mit Emmi Arnold und Gutrun Weber. Auch die 4X100-Meter-Mädchen-Staffel lief mit Erna Repp, Gutrun Weber, Emmi Arnold, Else Holler Kreisbestzeit in 58,4 Sekunden. Der er­freulichste Sieg war jedoch der 2. Platz in der 10X100-Meter-Staffel bei den Gaumeisterschaften hinter Hessen-Preußen Kassel von CT. Kassel. Kreis­siegerin im Speerwerfen bei den Mädchen wurde

Erna Repp mit 22,46 Meter, bei den Gaumeister, chaften warf sie 23,80 Meter.

Der VfB.-Deichsbahn ist mit Recht stolz auf seine Leichtathleten, die den Namen des Vereins gut ver- treten haben. Die Abteilung wurde 1937 ebenfalls von Sportlehrer R. Fischer trainiert und ge­leitet.

Tabellenstand der Handball-Zugendrunde.

Staffel 1. *

Spiele

Gew.

Unentsch.

Derl.

Pkte.

Mtv. Gießen A

5

5

0

0

10:0

Heuchelheim

5

3

0

2

6:4

Krofdorf A

4

1

0

3

2:6

1900 Gießen

4

0

0

4

0:8

Staffel 2.

Spiele

Gew.

Unentsch.

Verl.

Pkte.

Lützellinden

5

4

0

1

8:2

Dutenhofen

5

3

0

2

6:4

Mtv. Gießen B

5

3

0

2

6:4

Krofdorf B

5

0

0

5

0:10

Staffel 3.

Spiele Gew. Unentsch.

Verl.

Pkte.

Holzheim

3 3

0

0

6:0

Hausen

4 2

0

2

4:4

Beuern

3 0

0

3

0:6

Staffel

4. (Stand vom

21.11.1937.)

Spiele Gew. Unentsch. Verl.

Pkte.

Hochelheim Grüningen

4 4

3 2

0

0

0

1

6:0

4:2

Lang-Göns

3 1

0

2

2:4

Oberkleen

4 0

0

4

0:6

Staffel 5.

Spiele Gew. Unentsch. Verl.

Pkte.

Niedergirmes A

3 3

0

0

6:0

Katzenfurt

3 1

0

2

2:4

Nauborn

3 1

0

2

2:4

Wetzlar

3 1

0

2

2:4

Staffel 6.

Spiele Gew. Unentsch.

Verl.

Pkte.

Münchholzhausen 3 2

0

1

4:2

Dornholzhausen

2 1

0

1

2:2

Garbenheim

3 1

0

2

2:4

Die Fußball-Kreisklaffen am Somüag

1. Kreisklasse.

Wies eck I VfB. -Reichsbahn Gießen I: Beim Vorspiel konnten die VfB.er, allerdings auf eigenem Platze, die Wiesecker 13:2 schlagen. In­zwischen haben die Wiesecker gute Erfolge gehabt.

Großen-Buseck Rüddingshausen: Die Großen-Busecker haben bewiesen, daß sie zu kämpfen verstehen und werden auch bei diesem Spiele den Sieger stellen.

Rodheim Klein-Linden: Zwei gleich­wertige Gegner treffen sich. Man rechnet mit einem Siege des Platzvereins.

Garbenteich Leihgestern: Ein Lokal­spiel. Die Garbenteicher haben zwar vorigen Sonn­tag gegen Lich hoch verloren, aber auf eigenem Ge­lände ist die Mannschaft schlecht zu schlagen.

Steinberg II 19 0 0 Gießen II: Dieses Spiel müßten die 1900er gewinnen, wenn auch auf ftemdem Platze.

V f B. - Rei ch sb ah n Gießen II Stein­bach I: Das Vorspiel endete mit 4:1 zugunsten der VfB.er. Auch dieses Mal werden die Stein­bacher wohl die Punkte hergeben müssen.

Lich Großen-Linden: Die Großen- Lindener haben sich vorgenommen, in Lich zu ge­

winnen, aber die letzten Spiele der Licher haben bewiesen, daß in Lich nicht gut Punkte zu holen sind.

2. Kreisklasse.

Göbelnrod Oppenrod: Die Göbeln- rotier werden den Gästen keine Punkte lassen, zu­mal Oppenrod ersatzgeschwächt antreten muß.

Lehnheim Flensungen: Auch die Lehnheimer werden den Flensungenern so ohne weiteres die Punkte nicht hergeben.

Treis Queckborn: Die Treiser haben sich bis jetzt gut behauptet, Queckborn tritt erst­malig in Erscheinung.

Geilshausen Grünberg: Geilshausen tritt komplett an, dagegen müssen die Grünberber mehrere Ersatzleute einstellen. Das Spiel wird Geilshausen für sich entscheiden.

Grüningen Wißmar: Hier treffen sich zwei gleichwertige Gegner. Vielleicht, daß Grünin» gen auf Grund des Platzvorteils gewinnt.

Daubringen Rodheim II: Die Dau- bringer werden den Rodheimern keine Chance lassen.

Heuchelheim II 1900 Gießen III: Nach den letzten Spielen zu urteilen, wird die Dritte von 1900 in Heuchelheim die Punkte lassen müssen.

Aus den Gießener Gerichtssälen.

Amtsgericht Gießen.

Der F. Wa. aus Marburg, der schon zweimal einschlägig vorbestraft ist, hatte vom Amtsgericht Gießen wegen Diebstahls einen Strafbefehl über zwei Monate Gefängnis erhalten. Sein Einspruch hiergegen wurde vor dem Amtsgericht verhandelt. Der Angeklagte hatte in der Neujahrs­nacht 1936/37 in einem Gießener Lokal einen frem­den Herrenmantel, in dessen Seitentasche ein Paar Wildlederhandschuhe steckten, mitgenommen und da­für seinen eignen, abgetragenen Mantel dagelassen. Die Sache kam erst im August d. I. heraus, als die Polizei in Marburg wegen einer anderen Sache bei dem Angeklagten eine Haussuchung vornahm und dort den Mantel feststellte. In der Hauptverhand­lung trug der Angeklagte das altbekannte Märchen vor, er habe den Mantel nicht stehlen wollen, son­dern in der Trunkenheit nur mit seinem eignen ver­wechselt. Daß inzwischen das Firmenzeichen heraus­getrennt worden war, will ber Angeklagte nicht ae- wußt haben, und er behauptete, daß dies wahr­scheinlich seine Frau getan habe. Im übrigen habe er den Mantel nicht behalten wollen, er habe ledig­lich infolge seiner damaligen starken Trunkenheit nicht gewußt, wo er den Mantel mitgenommen hätte. Für die rechtliche Beurteilung der Sache konnte es dahingestellt bleiben, ob der Angeklagte in der fraglichen Nacht die Absicht hatte, den Man­tel zu stehlen. Auf alle Fälle liegt in der Tatsache, daß er den Mantel nach Kenntnis derVerwechs­lung" nicht ablieferte, mindestens eine Unterschla­gung. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte überhaupt die Dreistigkeit hatte, bei einem derart

klaren Tatbestand Einspruch einzulegen, erhöhte das Gericht die Strafe auf 10 Wochen Gefängnis.

Sodann hatten sich der E. H. und der A. H., beide aus Gießen, wegen Widerstands gegen die Staats­gewalt zu verantworten. Die Angeklagten kamen im Sommer d. I. nachts über den Kreuzplatz, wo sie einige Bekannte trafen, mit denen sie sich eine Zeit- lang unterhielten. Dabei stieß der Angeklagte E. H. einen lauten Jodler aus, der geeignet mar, die Nachtruhe der Anwohner zu stören. Wegen dieses Vorfalls wollte ein Polizeibeamter die Personalien des Angeklagten feststellen, die dieser auch nach einigem Zögern in sehr schnoddriger Form her- unterrgsselte. Da er die Auskunft auf die Frage nach dem Beruf verweigerte, forderte ihn der Schuhmann auf, mit auf die Wache zu kommen. Der Angeklagte widersetzte sich dieser Aufforderung, so daß es zwischen Beiden zu Tätlichkeiten kam, die ein derartiges Ausmaß annahmen, daß der Beamte sich veranlaßt sah, mit dem flachen Seiten­gewehr dem Angeklagten einen Schlag zu versetzen. Daraufhin war es erst möglich, den Angeklagten mit Hilfe anderer Zivilisten zur Wache zu schleppen, wo er sich weiter ungehörig aufführte. Der andere Angeklagte hatte sich bei dem Vorfall selbst passiv verhalten und nur in scharfen Worten das Verhal­ten des Beamten kritisiert, nachdem dieser das Sei­tengewehr gezogen hatte. Er wurde daher frei- gesprochen. Der Hauptangeklagte behauptete in der Hauptverhandlung, der Beamte habe ihn zuerst angegriffen. Er wurde iedoch durch die Beweisauf­nahme überführt. Das Urteil lautete auf insgesamt zwei Wochen Gefängnis und 30 Mark Geldstrafe.

Wmckelmann Feier des Archäologischen Instituts.

Das Archäologische Institut der Universität be­ging gestern abend im Großen Hörsaal der Uni­versität nach altern Brauch die Winckelrnann- Feier. Der Dekan der Philosophischen Fakultät (1. Abt.), Professor Dr. Chr. Rauch, hieß im Na­men des Rektors und der Fakultät die Anwesenden willkommen. Anknüpfend an das Wort des Füh­rers, ein Volk lebe nur so lange wie die Werke und Werte seiner Kultur, wies er auf die hohen Auf­gaben hin, die der Fakultät auch heute gestellt seien, wo im Zeichen des Dierjahresplanes Naturwissen­schaft und Technik im Vordergründe des Interesses stehen; er kündigte für Januar einen weiteren Vor­tragsabend der Fakultät an: Professor Götze werde über das deutsche Märchen sprechen; endlich stellte er als neuen Kollegen und Hauptredner des Abends Professor Dr. v. Blumenthal vor, der über Nietzsche und die Archäologie sprechen werde.

Darauf ergriff Dr. W. Zschietzschmann das Wort zu einem Lichtbildervortrage über anttke Ori­ginalbildwerke der Universitäts-Sammlung. Er er­innerte zu Beginn an den Geburtstag Winckel- manns vor 220 Jahren und an die wichtigsten Sta­tionen seines Lebens, das in Triest ein grausiges Ende fand. Er betonte das vorbildlich Deutsche sei­nes Wesens, feierte ihn als Begründer der Archäo­logie und als ersten Kunstgeschichrsschreiber über­haupt. Es sei ein schöner akademischer Brauch, am Winckelmannstage nicht über ihn zu sprechen, son­dern darzutun, was in der Archäologie geschieht und geschehen ist: in diesem Sinne sollten aus der Sammlung antiter Originale im Archäologischen Institut einige der wertvollsten Stücke, an deren Inventarisation eben gearbeitet wird, im Bilde vor­geführt werden. Dr. Zschietzschmann zeigte und interpretierte darauf eine Anzahl dieser Ori­ginale, eine korinthische. Kanne, eine milesische Scherbe, einen attischen Dasendeckel mit Tierbildern, eine Satyrmaske und eine Mädchenfigur in Terrakotta und besonders eingehend ein athenisches Marmor­köpfchen, das zu interessanten Untersuchungen über seine mutmaßliche Herkunft Anlaß gab.

Als Vertreter der ariechischen Philologie sprach zuletzt Professor Dr. A. v. Blumenthal über Nietzsche und die klassische Altertumswissenschaft in Deutschland. Nach einem Rückblick aus die ersten bescheidenen Anfänge einer Wiedergeburt griechi­schen Denkens, Sagens und Singens m der deut­

schen Renaissance schilderte er Winckelmann, Klop- stock und Lessing als die von der Anttke wahrhaft Ergriffenen, die den Grund legten zu einer Ver­mählung deutschen Geistes mit dem Griechentume. Solcher Aufbruch des deutschen Geistes fand seine Blütezeit in der Klassik, während die Romantik in ihrem Grundgefühl dem Griechischen fr ernt), wenn nicht feindlich gegenüberstand: das Altertum begann als Bildungsmacht aus dem deutschen Leben zu schwinden; die Altertumswissenschaft verflachte. Nur einer sah die Not und wies den Ausweg: Nietzsche. Pros. v. Blumenthal beschrieb Nietzsches Ent­wicklung, in der alle Voraussetzungen zur erfolg­reichen Gelehrtenlaufbahn gegeben schienen, als ihm, in der Begegnung mit Wagners Kunst, die Altertumswissenschaft fragwürdig wurde. In einem mit zahlreichen Zitaten aus Nietzsches Werken be­legten Ueberblick wurden die Probleme auf gezeigt, die sich aus solcher Einstellung ergaben, wie das Verhältnis von Historie und Leben, die {frage nach der Bereitschaft für das Griechische in der Nation, die Krise in der rationalistischen Altertumswissen­schaft. Nietzsche erkannte diese Krise, er wollte den Sinn für eine fruchtbare Betrachtung und Durch­dringung des Hellenentums neu beleben, das große Vorbild der Anttke vor seinem Volke wieder auf« richten. Aber der Ruf verhallte ungehört. Er nahm den Kampf auf gegen den Verfall der deutschen Theater­kultur unter höfisch-französischem Einfluß, er deutete die Antithese der beiden großen Gewalten, des Apolli­nischen und des Dionysischen, im geistigen fiebern des griechischen Volkes. Die Altertumswissenschaft hat sich die von Nietzsche ausgehenden Anregungen und Forderungen nicht zu eigen gemacht, hat ihn abgelehnt und verspottet. Prof. v. Blumenthal ließ seine Darlegungen mit dem Wunsche ausklin- gen, daß die kommenden Geschlechter aus solchen Versäumnissen lernen werden, auf daß das unferm eigenen so verwandte griechische Lebensgefühl, in der Vermählung von Schönheit und Kraft, wieder Eingang finbe im deutschen Volke.

Professor Rauch schloß nach Dankesworten an beide Redner die Feier mit dem Gruß an den Führer.

ßo<f)fd)ulnad>rid>fett.

Geh. Regierungsrat Professor Dr. Paul Uhlen- h u th, der hervorragende Hygieniker an der Univer- jsität Freiburg, ist von der Königlich Belgischen Akademie der Medizin in Brüssel in Anerken­nung seiner Forschungsarbeiten zum auswärtigen korrespondierenden MitgliHe ernannt worden.

Fräulein M tsouko erzählt.

Kleine Stenotypistin

im Lande der aufgehenden Sonne.

Ich traf Fräulein Mitsouko in Berlin, sie war mit ihrem Chef hergekommen, und es gelang mir, sie zwischen Diktat und Konferenz zu sprechen und zu sehen. Ich weiß nicht mehr, was genußvoller war, dies zierliche, dunkelhaarige Persönchen mit den Mandelaugen zu sehen, oder zu hören, wie sie in bezaubernd liebenswürdiger Weise die paar Brocken Deutsch radebrechte, die sie extra für die Reise nach Deutschland gelernt hatte. Da ick aber gern viel von ihr hören wollte, einigten wir uns nach der ersten Begrüßung auf Englisch, das sie ge­läufig sprach und wobei sie sich nicht so abmühen mußte.

Bevor Fräulein Mitsouko Privatsekretärin bei ihrem jetzigen Chef wurde, saß sie von morgens acht Uhr bis abends um fünf in einem der riesigen Bürohäuser in Tokio neben vielen andern jungen Mädchen an der Schreibmaschine und tippte. Sie fuhr morgens mit der 0-Bahn ins Büro, fuhr abends mit der G-Bahn zurück zu chrem kleinen aeschmackvollen Zimmerchen in einem der großen Appartement-Häuser und mittags zusammen mit einer Freundin in einem kleinen modernen Restau­rant. Sie trug europäische Kleidung und zog im Büro genau wir ihre Kolleginnen einen weiten Arbeitskittel über, um das hübsche Kleidchen zu f(fronen, das sie sich vom Gehalt abgespart hatte. Abends ging sie mit der Freundin ins Theater, viel­leicht auch einmal tanzen ober in ein Konzert.

Soweit klingt das alles ganz alltäglich und ver­traut und wäre nicht anders, wenn es uns eine Amerikanerin pder eine Engländerin erzählte. Aber so sehr auch äußerlich der Tageslauf der kleinen japanischen Stenotypistin dem der europäi­schen gleicht sie scheint uns ein völlig anders geartetes Wesen zu fein, das nicht die geringste Ähnlichkeit mit der abendländischen Kollegin hat.

Das ist zuerst die riesige Schreibmaschine, von der sie erzählt und die sie mir dann auch selbst zeigt. Ein Ungetüm im Vergleich zu unfern: Sie hat 3000 Zeichen, die jede kleine Stenotypistin ganz be» herrscht, deshalb braucht sie auch nicht mehr Zeit für einen Geschäftsbrief wie Miß Joan ober Fräu­lein Else. (Ich glaube Ioan und Else würden vor Entsetzen die Haare zu Berge stehen, wenn man sie vor diese Schreibmaschine setzte!)

Mein Zimmer in dem Appartementhaus ist na­türlich japanisch eingerichtet. Früher wohnte ich mit

einer Freundin zusammen, um zu sparen, jetzt be­komme ich mehr Gehalt und kann es mir leisten, allein zu wohnen", erzählt Fräulein Mitsouko, wenn ich um fünf Uhr nach Hause komme, ziehe ich mich zuerst um." Nicht alle Stenotypistinnen tragen im Büro europäische Kleidung, auch heute noch kommen die meisten in ihren bunten, seidenen Kimonos zum Dienst, und Fräulein Mitsouko, die moderne kleine Japanerin, zieht als erstes zu Hause auch den seidenen Kimono an. Und hierin scheint mir das Geheimnis zu liegen, das uns Fräulein Mitsouko so unähnlich eiyer Stenotypistin scheinen läßt. Mit den europäischen Kleidern legt sie jeden Abend auch alles andere ab, was an ihren Beruf und an ihre Arbeit erinnert, und damit natürlich auch allesModerne"; denn das gab es im frühe­ren Japan nicht, daß Frauen in dieser Art Berufe ausübten. Mit dem weichen leuchtenden Kimono wird sie wieder zur kleinen Japanerin, wie ihre Großmutter und Mutter eine war, wird zum wohlerzogenen jungen Mädchen, das liebenswürdig und zurückhaltend am Gespräch tei(nimmt und in allem die gehorsame Tochter der Eltern ist und später mit derselben Selbstverständlichkeit die ge­horsame Gattin des Mannes. Sogar hier in die­sem kleinen Zimmer des Appartementshaufes, in dem sie ganz allein herrscht, und das sie ganz allein -von ihrem Gehalt bezahlt, verliert sie nicht diese Eigenschaften, die in den Frauen ihres Landes so tief verwurzelt sind. Christine Grossmann.

Lichisvielhaus:VariserAekanntsä»aff-.

Ein Paramount-Film in deutscher Sprache, nach einer Erzählung von Helen Meinhardt, bear­beitet von Claude Binyon, inszeniert von Wes­ley Ruggles: eine junge Amerikanerin ver­bringt ihre Ferien in Europa, macht zwei Be­kanntschaften in Paris, beide bewerben sich hef­tig und eifersüchtig um ihre Gunst; in der Schweiz wird der Hahnenkampf beim Wintersport fort­gesetzt und durch die Anmeldung älterer Rechte durch neu eingetroffene Sportfreunde kompliziert. Die Dialogführung ist typisch amerikanisch, ebenso die groteske Komik, die den Beschauer beinahe wider Willen erheitert. Im Mittelpunkt Claubette (Tolbert, die in größeren Filmen bereits bei uns bekannt wurde und hier mit kapriziösem Tem­perament zwischen verfänglichen (Situationen und hartnäckigen Anträgen laviert. Die beiden Riva­len: Meloyn Douglas und Robert P o u n g. Im Beiprogramm gibt es neben der Fvx-Wocke u. a. einen hübschen KulturfilmHochzeit In Hawai", Hans Thynot