Nr. 788 Drittes Matt
ffiiefiencr Anzeiger (General-Anzeiger für Merhesien)
Freitag, 10. Dezember 1057
Aus der Stadt Gießen.
Lotte wiehert vor Freude.
Ein freundliches Schicksal hatte Lotte davor bewahrt, daß auf sie das Sprichwort zutraf: „Ein braves Pferd stirbt in den Sielen" Lotte fraß bei ihrem Bauern, dem sie in vielen, langen Jahren treu und brav gedient hatte, den Gnadenhafer. So zenoß sie nicht nur einen geruhigen Lebensabend, jonbern hatte auch, wenn sie sich im Sommer auf der Weide erging oder im Winter im warmen Stall stand, viel Zeit, über alles nachzudenken und den jüngeren Pferden, vor allem aber den vorlauten Füllen aus dem reichen Schatz ihrer Lebenserfahrungen Erbauliches und Nützliches zu erzählen.
Und was konnte Lotte nicht alles erzählen! War sie doch, bevor sie zum Bauern gekommen war, mit fröhlichem Gewieher vor einer Postkutsche gegangen, wie sie damals noch in Mode war. Auf diese Weise war Lotte weit herumgekovmmen und hatte auch die Menschen kennengelernt.
Heber Berg und Tal war es damals gegangen und mitten durch wunderschöne Wälder. Oft waren die Wege so eng gewesen, daß die grünen Zweige der Birken Lottes Hals gestreichelt hatten. Bunte Blumen hatten am Wegrand geblüht. Muntere Bäche hatten geplätschert und geheimnisvolle Quellen geraunt, wenn die Postkutsche hochbeladen durch die ausgefahrenen Spuren des Lehmweges knarrte. Vögel waren jubilierend in die Luft gestiegen und hatten ihr jauchzendes Lied in den blauen Himmel geschmettert.
Die Menschen, so hatte Lotte erzählt, hatten damals noch viel Zeit. Freudig hörten sie mit an, wenn der Schwager auf seinem Bock das Horn blies. Und — wollt ihr's glauben oder nicht — mitunter wurde unterwegs sogar angehalten, nur weil eine junge, lachende Frau Blumen pflücken wollte, um sie zur Erinnerung an ihre Hochzeitsreise aufzuheben.
Dann aber war eines Tages das erste Auto gekommen. Und nicht lange hatte es gedauert, da wurde die Postkutsche in einem großen Schuppen untergestellt. Ein Kraftpostwagen übernahm die Strecke und durchfuhr sie zur Genugtuung der Menschen, die es nun sehr eilig hatten, mit einer solchen Geschwindigkeit, daß Lotte immer wieder den Kopf geschüttelt hatte. Ja, und dann war auch Lotte überflüssig geworden und kam zum Bauern.
Aber nicht nur Lotte erzählte auf der Weide und im Stall, was sie erlebt hatte. Auch die anderen Pferde berichteten, wie sie den Tag zubrachten und wie es draußen in der Welt aus sah. Da mußte Lotte ost nachfragen, wovon denn eigentlich die Rede sei; denn Lotte wußte weder, was ein Flugzeug noch was eine Reichsautobahn war.
Was Lotte aber heute gehört hatte, das brachte sie fast aus dem Häuschen. Denn der braune Hengst hatte vom Hufschmied die Neuigkeit mitgebracht, daß der Reichspostminister Ohnesorge in der fernen, großen Stadt Hamburg verkündet hatte, im nächsten Sommer solle es wieder Postkutschen geben, mit Pferden davor und einem Schwager auf dem Bock, der lustige Lieder erschallen lassen würde.
Und da war es geschehen, daß Lotte vor Freude laut gewiehert hatte. Denn jetzt wußte sie, daß die Menschen, wenn auch nur zu ihrer Erholung, wieder durch Wälder und Felder, über Berg und Tal, zwischen Blumen und Bächen beschaulich und besinnlich dahinsahren und neben der Weite und Größe der Landschaft auch wieder die kleinen, stillen, verträumten Freuden der Natur genießen würden. Und stolz war Lotte auch! Denn nun kamen die Pferde wieder zu Ehren und wurden auf's neue von den Menschen gestreichelt.
Als ein fürwitziges Füllen bemerkte, daß die Menschen aber nicht mehr so schnell vorwärtskämen, fiel Lotte schnell ein: „Rede nicht von Dingen, die du nicht verstehst! Du hörst ja, wie klug die Menschen sind. Haben sie es eilig, bann fliegen sie burch die Luft, ober flitzen auf den Autobahnen dahin. Haben sie es aber nicht eilig, dann steigen sie in die romantische Postkutsche. Und so kommt jeder zu seinem Recht und reist — ohne Sorge. Tl.
Vornotizen.
Tageskalender für Freitag.
NS.-Lehrerbund, Abteilung Höhere Schule, Fachschaft „Deutsche Kunde": 16 Uhr Oberrealschule Vortrag „Hanns Johst und seine Dichtungen im deutschen Unterricht". — Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Fuhrmann Henschel". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Unwiderstehliche". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Pariser Bekanntschaft". — Kneipp- Bewegung: 20 Uhr „Bayerischer Hof", Vortrag „Deine Gesundheit — Dein Schicksal". — Ober- hessischer Kunstverein: 17 bis 19 Uhr Weihnachts- Kunstausstellung im Turmhaus am Brand.
Sladllhealer Gießen.
Heute abend zum letztenmal der große Schauspielerfolg „Fuhrmann Henschel" von Gerhart Hauptckiann. Spielleitung Wolfgang Kühne. Die Ausführung findet als 12. Vorstellung der Freitag- Miete statt. Beginn 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.
Pflichtversammlung der Fakulta.
Arn morgigen Samstagabend veranstaltet die Fa- kulta im „Burghof" eine Pflichtoersammlung. Rechtsanwalt Becker spricht über „Die neue Reichsstra- henverkehrsordnung".
Die Heimatoereinigung Schiffenberg veranstattet am Sonntag auf dem Schiffenberg eine Weihnachtsfeier. Zunächst findet eine Vorfeier in der Kapelle statt, bei der Pfarrer Steiner (Hausen) die Ansprache halten wirb. Auch der Frauenchor Hausen wird mitwirken. Anschließend findet eine Familienzusammenkunft statt.
Obst- und Gartenbauverein Gießen.
Der Obst- und Gartenbauverein Gießen erinnert an die für Sonntagnachmittag im „Bayerischen Hof festgesetzte Vortragsveranstaltung und die Pachtvertrags-Anerkennung.
Preisfestsetzung
für die Wrihnachtsgänse.
NSG. Es wird nochmals ausdrücklich darauf hin- gewiefen, daß die Preise für Gänse nach den Be-
ftimmungen der Preisstoppverordnung diejenigen des Vorjahres nicht überschreiten dürfen. Im Vorjahr betrugen, laut einer Verfügung des Reichs- preiskommissar^, die Richtpreise für Mastgänse 1,30 Mark und für sogenannte Bauerngänse 1,15 Mark je Pfund. Die Bestimmung der Preisstopp- verordnung gilt selbstverständlich auch für die Aufkäufer auf dem Lande. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, baß nicht mehr nur derjenige, der höhere Preise als vorgeschrieben verlangt, bestraft wird, sondern auch derjenige, der diese überhöhten Preise bezahlt.
ASOAP., Kreisfilmstelle.
Von der Gauleitung Hessen-Nassau der NSDAP, wird der Tonfilm „Der Kaiser von Kalifornien" im Kreis Wetterau an folgenden Terminen vorgeführt:
in
10. Dezember
11. Dezember
13. Dezember
14. Dezember
15. Dezember
16. Dezember
17. Dezember
18. Dezember
19. Dezember.
mit Luis Trenker
Treis a. b. Lda. Heuchelheim Watzenborn-Steinberg Gambach Afsenheim Allenborf a. d. Lda. Münzenberg Wölfersheim Großen-Linben
In diesem herrlichen Film
der Hauptrolle erleben wir bas Schicksal des Deutschen Johann August Suter. Sein Weg führt von einer kleinen deutschen Stabt über das große Wasser burch alle Höhen und Tiefen bes Daseins. Die Handlung des Films ist äußerst spannend.
Kurzberichte vou der Gießener Kommunalarbeit.
$lß Stadt Gießen hat das seither im Besitz der Zöllner-Werke AG. befindliche 20 000 Quadratmeter große Gelände an der Badenburq jamt dem daraufstehenden Wohnhaus und dem früheren Werksgebäude käuflich erworben.
Im Verlaufe der letzten Wochen find die Straßen- bauarbeiten in der Jahn st raße, zwischen Fröbel- straße und Tannenweg, und im T a n n e n w e g , zwischen Jahnstraße und Curtmannstraße, sowie im Günthersgraben fertiggestellt worden. Die Straßen, die aus dem reinen Ackerboden herauswuchsen, wurden wassergebunden hergestellt, b. h. die Fahrbahnen wurden chaussiert und die Bürgersteige mit Schlackenmaterial befestigt.
der verlängerten Wilhelm st raße sind die Kanalbauarbeiten beendet, so daß nunmehr der Ausbau dieses Straßenteils beginnen und die Verbindung zum Erdkauterweg hergestellt werden kann.
Die Verbreiterung des Bürgersteiges an der Srfe Liebig st raße-Bahnhof st raße beim Hauptzollamt ist gleichfalls fertiggestellt. An dieser sehr verkehrsreichen Straßenecke ist dadurch eine erhebliche Verbesserung erzielt worden.
Eine bedeutsame Verbesserung soll nunmehr auch im A u l w e g beim Bahnübergang am Riegelpfad durchgeführt werden. Dort soll die jetzige Haarnadelkurve verschwinden und der A u l w e g durch die Verlegung der Bahnüberführung eine kurze Strecke weiter ostwärts eine gerade Linie von der Liebig st raße bis zum Schiffen- berger Weg erhalten. Diese Straßenkorrektur wird einen Zustand beendigen, der bisher besonders für den Fährverkehr recht unleidlich war.
Es sind zur Zeit Verhandlungen im Gange, auch die unangenehme Haarnadelkurve am Erdkauterweg gegenüber vom Umspannwerk dadurch zu beseitigen, daß der dortige Bahnübergang weiter ost
wärts in Richtung nach der Bänningerschen Fabrik verlegt wird.
Die Wohnungsbau-AG. ist gegenwärtig im Begriff, ein weiteres größeres Wohnungsbauprogramm aufzustellen und zu finanzieren.
Ein dreigeschossiges Werkwohnhaus für sechs Familien von Mitarbeitern des städtischen Elektrizitätswerkes wird an der Ecke Gabelsbergerstraße - Hammstraße errichtet werden. Die Bauarbeiten sollen, günstiges Bauwetter vorausgesetzt, zu Anfang des neuen Jahres beginnen.
Der Eifenbahner-Heimstätten-Ver- e i n will einen weiteren Wohnhausbau mit fünf Wohnungen auf dem Gelände Am Schlangenzahl errichten.
Auf das erste Obergeschoß der Schwarz- schen Kolonnaden am Bahnhofsplatz wird jetzt ein weiteres Stockwerk aufgebaut. In diesem Aufbau sollen Räume für Bürozwecke entstehen, um damit dringenden Anforderungen entsprechen zu können. Nach der Fertigstellung werden einige Ladenräume im Parterre des Hauses verfügbar, die wieder für geschäftliche Zwecke Verwendung finden sollen.
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Die Stadtverwaltung hat tinen dringenden Wunsch anzahlreiche Besitzervon Vorgärten. Vielfach sind die an Straßeneinmündungen und Straßenkreuzungen gelegenen Vorgärten mit Bäumen und Büschen so stark bepflanzt, daß die Uebersicht für den Fährverkehr naturgemäß not- leiden muß. Die Stadtverwaltung würde es begrüßen, wenn die Besitzer solcher Vorgärten eine zweckentsprechende Durchlichtung der Bäume und des Buschwerks vornehmen würden, damit dort bessere Uebersichtverhältnisse entstehen und dadurch Verkehrsunfällen vorgebeugt werden könnte.
WeihnachtsMenbahnverkhrimVahnhosGießen
Für unseren Gießener Bahnhof bringt die Weihnachtszeit einen außerordentlich starken Verkehr. Der Fahrplan ist erheblich erweitert worden. Zu vielen Zügen fahren Vor- und Nachzüge.
Für die Landbevölkerung des Lumdatales wird es von Interesse sein, daß an den beiden Sonntagen vor Weihnachten (12. und 19. Dezember) jeweils um 18.45 Uhr ein Zug von Gießen abführt und auf allen Stationen bis Grünberg hält. Die Züge, die an beiden Sonntagen in den Vormittags- und Mittagsstunden nach Gießen, fahren (Nahverkehr), werden mit größerer Wagenzahl gefahren.
Der Fernverkehr hat eine starke Ausweitung erfahren. Zu zahlreichen D= und Eilzügen, auch zu beschleunigten Pevsonenzügen, werden Vor- unb Nachzüge gefahren. Der erweiterte Fahrplan gilt für die Zeit vom 18. Dezember dis zum 6. Januar.
Der D 227 von Trier — an Gießen 13.11 Uhr, ab Gießen 13.31 Uhr — wird als Vorzug zum D-Zug 27 (Frankfurt—Berlin) nach Berlin weitergeführt. Gegenzug (von Berlin): an Gießen 16.51 Uhr, ab Gießen 17.07 Uhr.
Vorzug zu E 71 Frankfurt—Hamburg, Gießen an 11.05 Uhr, Gießen ab 11.09 Uhr. Gegenzug E 72: Gießen an 19.36 Uhr, ab Gießen 19.42 Uhr.
Nachzug zu D 73 Frankfurt—Berlin, an Gießen 9.17 Uhr, ab Gießen 9.19 Uhr. Dieser Zug führt nur Wagen nach Berlin. Der Hauptzug (an Gießen 9.10, ab Gießen 9.12 Uhr) hat nur Wagen nach Hamburg und Bremen. Gegenzug: D 74 Berlin—Frankfurt, Gießen an 21.13, Gießen ab 21.14 Uhr. Hauptzug Hamburg—Frankfurt, Gießen an 21.21, Gießen ab 21.24 Ühr.
Vorzug zu D 91 Frankfurt am Main—Berlin (Potsdamer Bahnhof), Gießen an 1.13 Uhr, Gießen ab 1.18 Uhr. Hauptzug (von Bafel), Gießen an 1.20 Uhr, Gießen ab 1.24 Uhr.
Vorzug zu D 92 Berlin—Frankfurt, Gießen an 4 30 Uhr, Gießen ab 4.32 Uhr. Hauptzug Berlin— Bafel, Gießen an 4.38, Gießen ab 4.40 Uhr.
Vorzug zu D 185 Frankfurt—Kassel, Gießen an 15.43, Gießen ab 15.46 Uhr. Hauptzug D185 Stuttgart—Hamburg—Bremen (mit Kurswagen nach Berlin), Gießen an 15.50 Uhr, Gießen ab 15.53 Uhr.
Sonderschnellzug D 1186 Kassel—Frankfurt, Gießen an 14.30 Uhr, Gießen ab 14.33 Uhr. Dieser
Zug, der sonst nur an Samstagen verkehrte, fährt im Weihnachtsfahrplan jeden Tag.
Vorzug zu D 191 Karlsruhe—Hamburg, Gießen an 1.29, Gießen ab 1.30 Uhr. Hauptzug Bafel— Hamburg—Bremen, Gießen an 1.36 Uhr, Gießen ab 1.37 Uhr.
Vorzug zu D 192 Hamburg—Karlsruhe, Gießen an 4.04, Gießen ab 4.06 Uhr. Hauptzug Hamburg —Bremen—Basel, Gießen an 4.21, Gießen ab 4.23 Uhr.
Sonderzug 2375 Frankfurt a. M.—Essen, Gießen an 15.10, Gießen ab 15.17 Uhr. Dieser Zug gilt als Vorzug zu dem beschleunigten Personenzug 375, Gießen an 15.19, Gießen ab 15.26 Uhr.
Beschleunigter Sonderzug 1376 Essen—Frankfurt am Main, Gießen an 15.13, Gießen ab 15.21 Uhr. Hauptzug (beschleunigter Personenzug) 376 Oberhausen—Frankfurt a. M., Gießen an 15.23, Gießen ab 15.30 Uhr.
Vorzug zum Personenzug 776 Kassel—Gießen, Gießen an 14.04 Uhr. Hauptzug 776 Hannover- Frankfurt a. M., Gießen an 14.10, Gießen ab 14.52 Uhr.
Vorzug zu Personenzug 793 Gießen—Kassel, Gießen ab 15.59 Uhr. Hauptzug 793 Frankfurt—$)an-- nover, Gießen an 14,52, Gießen ab 16.03 Uhr.
Ein Vorzug zum Personenzug 557 Gießen— Fulda (Gießen ab 15.48 Uhr), wird nach Bedarf eingelegt und bis Alsfeld gefahren.
In der Zeit vom 21. Dezember bis zum 4. Januar werden auch in diesem Jahre wieder zahlreiche Militär-Urlauberzüge unseren Bahnhof passieren. Der Sonderfahrplan sieht 23 solcher Züge vor, die in allen Richtungen verkehren und jeweils in Gießen kurzen Aufenthalt nehmen. Die Arbeitsdienstkameraden, die in Urlaub fahren, werden im Rahmen der verstärkten fahrplanmäßigen Züge transportiert.
Der Sonderfahrplan unseres Gießener Bahnhofs bringt auch einen Postfonderzug auf der Strecke Frankfurt a. M.—Kassel, der ausschließlich D-Zug-Postwagen führt. Außerdem verkehrt ein Sonder-Schnellgüterzug auf der Strecke Frankfurt a. M.—Altona und zurück in den Tagen vom 16. bis 24. Dezember.
Darüber hinaus sind noch zahlreiche Sonderzüge, Urlaubszüge, KdF.-Wintersportzüge usw. über unseren Bahnhof zu leiten, deren Zahl noch nicht endgültig festfteht. w
HMWWNrdMrM
RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Theatervorstellung.
Sonnabend, den 11. Dezember 1937, Große KdF.- Miete Gruppe II (5. Vorstellung):
„Uta von Raumburg."
Schauspiel in 3 Akten von Helix Dhünen.
Karten zu 90 Pf. und 1 Mark sind auf der Kreis- dienstftelle und in der Kartenoerkaufsstelle, Seltersweg 60, erhältlich. 8166D
BOM.- u. ZM.-llntergau 116, Gießen
Vetr.: Volksweihnacht am 23. Dezember.
Alle Mädel- und Jungmädelgruppenführerinnen setzen sich sofort mit ihren zuständigen Ortsgruppenleitern, Propagandaleitern und Ortsamtswaltern der NSV. über die Durchführung der Volksweihnacht in Verbindung. Die Kinderbescherung gestalten überall die Jungmädel aus, bei allgemeinen Feiern, BDM. und IM. gemeinsam. Programm siehe Obergaubefehl A 8/37.
HI., Unterbann IV/116.
Zur Wochenendschulung, sowie Abnahme des HJ.-Leistungsabzeichens treten
L alle Gefolgschaftsführer, Scharführer, Kameradschaftsführer und Gefolgschaftsmitarbeiter,
2. diejenigen Junggenossen des Unterbannes IV/116, die in diesem Jahr das HJ.-Leistungs- abzeichen fertig machen wollen
am 12. Dezember, um 9 Uhr, in Geilshausen an der Schule an. Führer vom Dienst: Gefolgschaftsführer Rühl. Gefolgschaftsführer Rühl ist Dafür verantwortlich, daß (wie in Befehl IV/37) die Abnahme des Leistungsabzeichens klappt.
Das Gtäktische Ordner im Deutschland enden.
Aus dem Stadtcheaterbüro wird uns berichtet? Am gestrigen . 9. Dezember fand in Der Zeit von 12 bis 14 Uhr auf Der Bühne des Stadttheaters eine Uebertragung des Städtischen Orchesters unter Leitung des Kapellmeisters Paul Walter auf sal» genDe Sender statt: Deutschlandsender, Berlin. Frankfurt, Königsberg, Leipzig, Saarbrücken.
Das Städtische Orchester brachte von Weber: Ouvertüre „Euryanthe"; Bizet: „L’Arlesienne“ Suite Nr. 2; Bolzoni: „Minuetto"; Lortzing; Ballettmusik „Andime"; Weber: „Aufforderung zum Tanz"; Nicolai: Ouvertüre „Die luftigen Weiber von Windsor"; Hartung: „Fest-Ouvertüre"; Jvh» Strauß: „Aquarellen-Walzer"; Joh. Strauß: Czar- Das aus „Ritter Pasman"; Joh. Strauß: Tritsch- Tratsch-Polka; Millöcker: Melodien aus „Der Bet« telftuDent".
Der große Berliner Sendewagen, der vor dem Bühneneingang Des Theaters stand, hatte trotz bes schlechten Wetters eine Menge schaulustiger Jugend angelockt, die interessiert bei dem Aufbau Der Sendeleitung zuschaute. UnD wer sich Dicht an Den Wagen stellte, hörte sogar Die schönen Melodien. Wer aber Gelegenheit hatte, zu Hause am Radio zu sitzen. Der wirD sicher stolz auf unser Städtisches Orchester sein.
Orgelkonzert Karl Heinz Eckert.
Es war eine sehr anspruchsvolle Folge, die K. H. Eckert in seinem gestrigen Konzert zu Gehör brachte. Von dem Lübecker Meister D. Buxtehude führte sie über I. S. Bach und M. Reger zu Den Werken Des in Hamburg lebenDen Organisten H. F. Micheelsen unD schloß mit einer freien Improvisation über ein gestelltes Thema. Damit wurde Die historische Entwicklung aufgezeigt, Die Das Orgelschaffen genommen hat. BuxtehuDe ist einer Der Gipfel vor Bach, Der auf Dessen Schaffen vorerst richtunggebend wurde, und auf Des Thvma- nerfantors Schultern steht Reger, Den man oft Den moDernen Bach nannte. Die Struktur Der Werke von Micheelsen zeigt ein Zurückgehen auf die Art Der Meister vckb BuxtehuDe. Das offenbart vor allem Die Sparsamkeit Der Thematik unD eine gewisse Abstraktheit Der Polyphonie, ebenso Die vielen leeren Quinten und Quarten. Die durch die konsequente Durchführung der Vielstimmigkeit entstehenden Zusammenklänge sind recht herb und eigenwillig, wirken aber oft recht reizvoll. Daß der Stil Micheelsens noch nicht ganz zur Reife gelangt ist, zeigte Die Passacaglia, Deren Thema ausfällig an Grieg gemahnt, ebenso ist Das Choralvorspiel „Nun ruhen alle Wälder" stark von diesem Meister beeinflußt. Insgesamt wiesen aber die Stücke des Hamburger Organisten starkes Formgefühl und Treffsicherheit im Ausdruck auf.
Der gute Ruf, der K. H. Eckert voraufging, hat sich bewahrheitet. Vor allem besitzt Herr Eckert eine ausgezeichnete Technik, Die ihn alle Schwierigkeiten mühelos meistern läßt. Fast erschien es uns, als ob Diese außerorD entliehe Geläufigkeit bei Buxtehude etwas zu sehr im Vordergrund gestanden hätte. Der Klarheit dieses feingliedrigen Werkes wäre ein ruhigeres Zeitmaß wohl mehr angemessen gewesen. Ausgezeichnet war hier die charakteristische Registrierung, ebenso in Bachs Präludium und Fuge in Es. Hier gewann besonders Das Präludium durch eine ungemein scharfe rhythmische Prägung. Der Höhepunkt des Konzerts war wohl Regers gewaltige Phantasie und Fuge über den Namen Bach. Viele Meister haben schon dieses Thema bearbeitet, fast keinem ist es so gelungen wie Reger. K. H. Eckert spielte Das Werk mit überlegener Meisterschaft, Die außerordentlichen Dynamischen und rhythmischen Weitungen wurden bewußt und klar hervorgearbeitet und Die meisterhafte Fuge mit Der am Schluß auftretenden Ueberkupplung durch Das Kopfthema (bezeichnend für Reger) granhios gesteigert. Die Darbietung Der herben Choralvorspiele von Micheelsen zeigte liebevolles Eingehen in Den jeweiligen Stimmungsgehalt, wobei eine gewählte Registrierung sehr zustatten kam.
In erfreulicher Weise zeigte K. H. Eckert, Daß Die zu Bachs Zeiten immer geübte und geforderte freie Improvisation auch jetzt noch lebendig ist. Der Künstler fantasierte über Den ihm gestellten Choral „Gelobet sei uns Jesus Christ" mit schönem Eingehen auf Den Text, formal gut gerunDet und wirkungsvoll gesteigert. Die ganze Folge wurde auswendig gespielt, eine außerordentliche Gedächtnisleistung. Heinrich Blaß.
Gießen im Weihnachtsglanz.
Vom Fremdenverkehrsverein Gießen wird uns geschrieben:
Weihnachten, das Fest der Freude für groß und klein, naht heran. Da ist es Aufgabe einer Stadt alles zu tun, um die zu erwartenden Besucher festlich zu empfangen. UnD Darum schmückt sich Gie- ßen. Es will feinen aus Der Umgebung immer wiederkehrenden Besuchern ein frohes, weihnachtliches BilD bieten.
Fahnen schmücken Die Straßen. Zahlreiche hohe Tannenbäume im strahlenDen Lichterglanz verbreiten Weihnachtsstimmung. UnD über Den Straßen hängen GirlanDen unD Kränze im Weihnachtsschmuck. An Den LäDen angebracht grüßt Der Weihnachtsmann, Den Weihnachtsbaum in Der »jartb tragend, Den Besucher.
Der Weihnachtsmann mit Dem Weihnachtsbaum ist Das Zeichen Der Diesjährigen Gießener Weihnachtswerbung. Dieses Zeichen weist Den Weg zum fröhlichen Weihnachtseinkauf. Es zeigt den Weg zu Gießens Handel und Gewerbe
Gießens Handel und Gewerbe ist für das Weih» nachts fest bestens gerüstet. Festlich erleuchtete Geschäfte in hell-beleuchteten Straßen zeigen in ihren Auslagen reichhaltige Auswahl preiswerter Geschenke. Sie zeigen Geschenke für die Dame, für
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Selbstrasierer sollte sich zu seinem eigenen Vorteil merken': .OPALMOLIVE RASIERCREME ein geseift ist schon halb rasiert!
grooefr Tuben
RM 1.—


