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Vornan von Walther Kloepffer

Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. $)., Berlin.

17 Fortsetzung. * (Nachdruck verboten.)

Das WortMann" gab Fogg einen feinen Stich. Aber da er kein Waschlappen war, spielten sich solche Gefühle nur in seinem Innern ab. Nun habe ich richtig Mut zu einer Bitte, Frau Professor. Wollen Sie mich nicht in der Praxis dann und wann unterstützen? Man hat zuweilen so Fälle, wo einem ein bißchen Assistenz bei Nar­kose eine wahre Wohltat wäre. Und Sie würde es vielleicht zerstreuen? Das heißt, nur, wenn es Ihrem Gatten angenehm ist. Oder verlange ich zuviel?"

Gern tue ich das. Mein Mann hat sicher nichts dagegen. Dem sind seine Bücher die Hauptsache", sägte sie mit einem Unterton von Entsagung.Er muß übrigens jeden Augenblick kommen."

Danke", erwiderte Fogg herzlich. Auf diesen Mann, der eine so wunderbare Frau vernach­lässigte, war er heftig gespannt.

Plötzlich ging die Haustür, man hörte Ge­räusch draußen auf der Diele, die Köchin wisperte, und eine gedämpfte Männerstimme hustete. Der Prosessor trat ein und wurde Fogg vorgestellt. Also das ist der glückliche Besitzer von Viktoria Eng-asser! dachte Fogg enttäuscht. Dieser ältliche und, wie es schien, ein wenig trockene und pedan­tische Herr, der so gemessen und lehrhaft redete. Auch nervös war er. Na, prost Mahlzeit, da hat es dieses hübsche und gern heitere Frauerl nicht gut erwischt ...

Engasier erging sich sofort in vielerlei Klagen, die seine Gesundheit betrafen. Er hatte ja einen Arzt vor sich, für den es1 sicher keinen größeren Genuß gab, als derlei zu hören. Dann glitt sein Gesprächsstoff über mangelhafte frühere Vorge­setzte und Alltagsdinge zu seinem im Entstehen begriffenen Buch über, und hier glänzten zum erstenmal seine Augen in aufrichtigem Eifer. Er taute auf und wurde geradezu warm bei diesem Thema. Er befragte Fogg, der zum Glück Be­

den geistigen Anforderungen, die der Beruf stellt, gewachsen sein muß. Die nächsten Prüfungen wer­den im Juli und August d. I. erfolgen. Im laufen­den Jahr sind 120 Lehrlinge neu eingetreten.

Nach der Erledigung der Regularien sprach Kreis- Handwerksmeister Pg. Stühler über die Frage des Nachwuchses und der Lehrlingsausbildung, wobei er die Bedeutung des Kraftfahrzeughandwer­kes im Rahmen der Aufbauarbeit Hervorhob. Ge­rade im Kraftfahrzeughandwerk, das durch die fort­schreitende Motorisierung vor ungeahnten Aufstiegs­möglichkeiten steht, muß ganz besonders gründlich und ernst an die Erziehung des Nachwuchses heran­gegangen werden. Der Kreishandwerksmeister gab noch bekannt, daß bisher mehr als 1000 Mark für den Bau eines neuen Luftschiffes durch das Hand­werk des Kreises Gießen aufgebracht wurden.

Dem seitherigen Obermeister Ernst mann wurde einstimmig das Vertrauen ausgesprochen und Kreishandwerksmeister Stühler verpflichtete ihn unter Anerkennung seiner bisherigen Arbeit aufs neue. Der Jnnungsbeirat wurde wie folgt be­stimmt: Stellvertretender Obermeister: Prentzel (Nidda); Kassenwart: Kircher; Schriftwart: Fa­ber; Lehrlingswart: Schmidt; Gesellenwart: Mohr; Gesellenausschuß: Pfeil und Döpfer; Meisterprüfungsausschuß: Letsch und Kraft; Gesellenprüfungsausschuß: Kirchner; Prüfungs­meister: Pletsch, Fetzer und Ruhl.

Als Bezirksvertreter wurden bestimmt: I ä ck l e (Schotten), Prentzel (Nidda), Müller (Als­feld), R o t h i u s (Butzbach) und Möller (Lau­terbach). Jugendwart wurde Appel (Gießen).

Im weiteren Verlauf sprach E. Aßmann als Be­zirksinnungsmeister für Hessen-Nassau über die be­sonderen Aufgaben- die das Kraftfahrzeughandwerk nach den Richtlinien des Deutschen Reichswirtschafts­rates und zusammen mit dem NSKK. zu erfüllen hat. Gaüz besonders wurde den Kameraden der Beitritt zum NSKK. empfohlen.

- Ausführlich wurde der Sonntagsdienst be­sprochen, der einheitlich im Reich und nun auch in Gießen durchgeführt werden wird. Zu diesem Zwecke werden an den Einsahrtsstraßen und an den Parkplätzen entsprechende Einheitsschilder für den Hilfsdienst angebracht werden.

Gießener Wochenmarktpreise.

* G i e ß e n, 10. Juni. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse 8 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C Q%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, % kg 12 bis 15, Weißkraut 12 bis 15, gelbe Rüben, neue, das Bündel 15 bis 20, rote Rüben 12, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen, grün, 30, Spargel, 1. Sorte 38 bis 46, 2. Sorte 33 bis 40, 3. Sorte 24 bis 34, 4. Sorte 10 bis 12, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 15 bis 18, Rhabarber 10 bis 12, Kar­toffeln, alte, M kg 5 Pf., 5 kg 46, 50 kg 3,85 bis 3,95 Mark, neue, Va kg 12 bis 15 Pf., Kirschen 45 bis 55, Stachelbeeren 30, Erdbeeren 30 bis 60, Hähne 95', Suppenhühner 90, Blumenkohl, das Stück 30 bis- 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 50, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, bas Bündel 5 bis 10 Pf.

** Soldaten rücken zur Schießübung a u s. In der Nacht zum heutigen Donnerstag rückte das I. Bataillon unserer Garnison zu einer Schieß­übung aus. Trotz der mitternächtlichen Stunde fan­den sich auf den Marschstraßen über die Kaiser-Allee und den Hindenburg-Wall einige Volksgenossen ein, die den abrückenden Soldaten ein herzliches Wieder­sehen zuriefen. Die Verladung der Mannschaften zog sich bis in die Morgenstunden hin. Nach zehn ,£agen kehrt die Truppe wieder zurück.

Abschied von unseren Trachtengruppen.

Es war nicht nur die sommerliche Schwüle, die am Dienstagabend die Menschen auf die Straßen drängte, sondern die unbewußte Verbundenheit der so überaus zahlreich erschienenen Volksgenossen mit jenen jungen Menschen m ben Prachtgewändern einer an Eigenleben reichen Vergangenheit. Darum genügte auch nur ein kurzer Hinweis auf eine solche Gelegenheit des Wiedersehens mit den in der Festtracht ihrer noch im alten Brauchtum verwur­zelten Bauern, um eine so zahlreiche Zuschauer- menge auf die Beine zu bringen, wie sie am Diens­tagabend vomHotel Kobel" bis an die Bahn­steigsperre im Bahnhof anzutteffen war. Wie man­cher von diesen Volksgenossen am Straßenrand sah sich im Geiste selbst in solchen brachten. Darum auch das verständnisvolle Begutachten der Trachten- kleiver. Schon die aus demHotel Kobel heraus­dringenden Weisen waren für viele die Erinnerung an die eigene Jugendzeit.

Diese schnelle Verbundenheit zwischen Zuhörer und Sänger kam noch überzeugender unter den jungen Menschen aus den verschiedenen Landschaf­ten zum Ausdruck, die um ihren aufmerksamen Betreuer, Georg Heß, geschart, sich dem Gesänge ihrer Heimatlieder Hingaben. Hier war kein Ein­stimmen und keine Vorbereitung yotwendig, son­dern wenn ein neues Lied begonnen wurde, fielen gleich alle Anwesenden, ob sie nun aus dem Oden­wald ober aus dem Hinterland waren ein und auch die Bauernkapelle fand rasch die richtigen Töne für die Begleitung dazu.

Ein solch anregendes Singen ist der beste Beweis dafür, daß diese Lieder aus dem Volkstum kom­men, von den Eltern auf die Kinder überliefert und unzählig^ Male im Haus und auf dem Felde bei

der Arbeit ober bei den Abendspaziergängen ge­sungen wurden. Leider wurde durch die Menschen­menge vor dem Bahnhof die Absicht, einige Volks­tänze zu zeigen, vereitelt. Schon als Georg Heß sich mit seinen Leuten zum Abmarsch nach der Bahn aufstellte, war der Andrang beängstigend groß ge­worden. Ein jeder wollte die Kirmesburschen mit den buntgeschmückten Hüten sehen, die vorweg ihr Kir- mesbäumchen trugen, für das die Mädchen die vielen bunten Bänder geschenkt haben.

Die sehr zahlreich vertretenen Hüttenberger in ihren kostbaren, perlenbestickten und silbernglitzern- den Kleidern führten auch ihre Kirmesfahne mit, ein wertvolles seidenes Tuch, das zum Schluß der Kirmes verlost wird. Gerade diese Gruppe Zeigte die Vielfältigkeit der Prachtgewänder vom Alltags­kleid bis zum Festgewand mit dem schwarzen Käpp­chen und den dunklen oder schwarzen Bändern. Sicher werden sie in Hamburg die besten Künder Hüttenberger Art sein. Neben chnen waren die Schlitzerinnen mit den knappen Miedern, die wie rote wollene kreuzweise über die Brust getragene Tücher aussehen, sehr zahlreich vertreten. Zu be­dauern ist die Unvernunft der Massen, die den Bahnhofsvorraum derart überfüllten, daß die Rei­senden nicht.einmal zum Schalter und zur Sperre durchgehen konnten und den Eisenbahnbeamten der Dienst sehr erschwert wurde. Schließlich sah sich Georg Heß genötigt, um keine Verkehrsstockung ein­treten zu lassen, vorzeitig auf den Bahnsteig zu ! gehen und erst dort konnte hier und da ein Tänz­chen mit den fliegenden schönen Röcken und den anmutig sich im Mythmus bewegenden Paaren ge­wagt werden. Unter dem Jubel der Volksgenossen auf dem Bahnsteig und der vielen fremden Durch­reisenden fuhren die hessischen Trachtengruppen ab.

Warum Seefische auch im Sommer?

Gin Vorurteil und seine Folgen.

V. A. Mit dem Einsetzen der warmen Witte­rung bietet" sich dem Besucher der großen deutschen Seefischereiplätze, insbesondere in Wesermünde und Cuxhaven, regelmäßig und so auch wieder in diesem Jahre der eigenartige Anblick, daß mehr und mehr Fischdampfer in die Häfen zurückkehren, um vorerst nicht wieder auszulaufen, sondern un­tätig stillzuliegen. Die allgemeine Wirtschaftslage gibt hierzu keinerlei Veranlassung. Wenn trotzdem jetzt wieder zahlreiche Fischdampfer außer Dienst gestellt werden müssen und damit die Besatzungen gezwungen sind, zu feiern, so müssen hierfür andere Gründe vorliegen.

Die Ursache liegt einzig und allein darin, daß auch heute noch zahlreiche Hausfrauen unver­ständlicherweise an einem längst veralteten Vor­urteil festhalten. Sie meinen, in der warmen Jah­reszeit fei die gute Qualität der Seefische nicht verbürgt, und man tue besser, ihren Verbrauch im Sommer einzuschränken. Wie unbegründet dieses Vorurteil ist, zeigt sich, wenn man sich ver­gegenwärtigt, in welcher Weise der Seefisch vom Meeresgrund bis in die Küche gelangt.

Kaum ist das Netz nach dem Fang an Bord des Fischdampfers geholt werden die Seefische sofort geschlachtet und in dafür besonders eingerichtete Räume kühl, unter reichlicher Beigabe von keim­freiem Eis, eingelagert. Die Löschung dieser Fänge in den deutschen Fischereihäfen geschieht mit solcher Vorsicht, daß die Kisten nur während der kühlen Nacht aus den Fischdampfern in die Auktionshallen gebracht werden. Auch größte Mengen an See­fischen werden in allerkürzester Zeit an den Küsten­großhandel versteigert, der die Fische sofort für den

Versand verpackt. In besonders für den Fischverkehr vorgesehenen Eilgüterzügen rollen die Fische ins Binnenland. Dabei werden die Sendungen zum großen Teil in die eigens dafür konstruierten Kühl­wagen für Seefische verladen. In dem gleichen Eil­tempo wie beim Großversand spielt sich auch die Uebernahme der eintreffenden Fischsendungen im Binnenland durch den Kleinhandel ab.

Stets befindet sich der Seefisch in einer sauberen, durch Eis gekühlten und in langjähriger Erfahrung ausprobierten Verpackung. Der Fisch wird also überhaupt nie den Sonnenstrahlen ausgesetzt sein. Auch der Einzelhändler hat seine Kühleinrichtungen, um den Fisch bis zur Abgabe frisch zu erhalten. Bei diesem System ist also nicht einzusehen, warum der Seefisch an heißen Tagen auch nur im gering­sten weniger frisch sein soll, als in der kühleren Jahreszeit. Die technisch gut ausgestatteten Fischerei­fahrzeuge und die Schnelligkeit der modernen Ver­kehrsmittel machen heute jedes Vorurteil über den frischen Zustand der Fische im Sommer gegen­standslos.

Gerade im Sommer aber befindet sich der See­fisch in seinem besten Ernährungszustand. Er hat die Laichzeit überstanden und findet in der warmen Jahreszeit auf dem Grunde des Meeres reiche Nah­rung. Dieser gute Ernährungszustand des Fisches im Sommer erhöht aber nicht allein seinen Nähr­wert, sondern er verleiht auch dem Fisch einen ganz besonderen Wohlgeschmack. Dabei ist der Fisch leicht verdaulich und bekömmlich, Eigenschaften, die der Körper gerade an heißen Tagen besonders wohl­tuend empfindet.

müsse die ganze Harte des Gesetzes treffen. Sie beantragte eine Gesamtzuchthausstrafe von oter Jahren, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. *

Das Gericht schloß sich in feinem Urteil den Ausführungen der Staatsanwaltschaft vollinhaltlich an. Straferschwerend zog es in Betracht, daß das Leben des Angeklagten nur auf Lug und Trug auf geb aut fei, er keinerlei Hemmungen bei Bege­hung feiner Straftaten gekannt habe und ihm jedes Mittel recht war, fid) in Besitz von Geld zu setzen. Das Gericht verurteilte ihn wegen zweifachen fort­gesetzten Betrugs zu einer Zuchthausstrafe von je zwei Jahren und je 100 Mark Geld­strafe, wegen der anderen Fälle zu einer Zucht­hausstrafe von einem Jahr drei Mo - n a t e n und 50 Mark Geldstrafe und bildete eine Gesamtzuchthausstrafe von drei Jah­ren sechs Monaten und eine Geldstrafe von 250 Mark. Die Untersuchungshaft wurde dem An­geklagten in Hohe von vier Monaten angerechnet, ebenso gelten die Geldstrafen durch die weiter er­littene Untersuchungshaft als verbüßt. Im übrigen wurde er freigesprochen. Weiter wurden dem Ange­klagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt und gemäß § 42 1 ! StGB, ihm auf die Dauer von fünf Jahren die Berufsausübung als Vertreter jeder Art untersagt.

^unbfunfprogramm.

Samstag, 12.3uni.

6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Gaunachrichten. 11.50: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Musikalische Rückantworten. 15: Die Rennfahrer auf dem Nürburgring. Die Pflichtrunden zum Eifelrennen. 15.15: Volk und Wirtschaft. 15.30: Tanz 'rüber, tanz 'nüber. 16: Musik, die das Herz erfreut. 18: Wonnegau. Ein Funkbild aus dem Lande der Nibelungen. 18.30: Das Ganze sammeln!" Ein Militärkonzert des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser. 19.40: Wochenschau. 20: Nachrichten. 20.10: Junikäfer. Ein luftiger Abend. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.15: Hörbericht vom Nürburgring. 22.30: Wir tanzen in den Sonntag. 24 bis 2: Nacht­musik.

Büchertisch.

IosefWeyssenhoff.DerZobelund die Fee, ein Jagdroman, Essener Verlagsanstalt in Essen. Preis geb. 5,80 Mark. (87) Aus einer zauberhaften Umwelt erwachsen die Gestal­ten dieses Buches. Hier klingt das ewige Lied der Wälder. Da liegen verborgen Seen und Sümpfe. Elche beschreiten ihre uralten Pfade, der Wolf haust im Dickicht, Wildenten ziehen in rauschendem Flug zum Meere, und in Mondnächten erscheint der gespenstige Eber, dessen Anblick Unglück und Tod -bringt, auf den Waldwiesen. In diese groß­artige Landschaft um Wilna stellt der Dichter feine Menschen, deren Wesen und Schicksal beherrscht wird von einer königlichen Leidenschaft, der Jagd. Die gleiche treibende Urgewalt in der stolzen Hingabe des weidgerechten Forstmannes wie in der heim­lichen, brennenden Begierde des Wilderers! Zwi- fchen Jagden, deren Reiz und Gefährlichkeit un­widerstehlich mitreißen, erfüllt sich das Geschick des jungen Dorpater Studenten Michael und seines Freundes Stanislaw. Zu ihnen tritt das Mädchen Warschulka. Aber über alle menschliche Wirrnis triumphiert schließlich die magische Kraft der Wäl­der, die den Menschen immer wieder zu sich ziehen.

** Großer Ausflug her Belegschaft berFittingsfabr.Äk Bänninger. Am kom­menden Sonntag bietet die Fittingsfabrik Bännin- ger ihrer Belegschaft eine besondere Freude. Die Firma veranstaltet einen Ausflug nach Braunfels, an dem sich etwa 1200 bis 1300 Personen beteiligen werden. Zu diesem Zweck werden zwei Sonderzüge in Anspruch genommen. Einer der Züge fährt da­bei nach Braunfels-Lahn-Bahnhof, der andere nach Braunfels-Oberndorf. Auf verschiedenen Wegen wer­den dann die Teilnehmer an dieser Fahrt nach Braunfels wandern. Für ausreichende Marschmusik ist gesorgt. Die Regimentskapelle unseres hiesigen Standortes wird die Spaziergänger begleiten, der Spielmannszug der Werkschar wird ebenfalls dabei

sein. Die Belegschaft wird dann im Tiergarten Ein­kehr halten, wo für allerlei Belustigungen gesorgt sein wird. Selbstverständlich werden auch das Schloß und das Städtchen besichtigt.

** Achtung! Blitzableiter nachsehen! Die Zeit mit sommerlichem Witterungscharakter ist auch die Zeit der Gewitter. Zu dieser Zeit sollte man jährlich den Blitzableiter von einem geprüften Blitzableitersetzer nachsehen und nachprüfen lassen. Man scheue diese geringen Kosten nicht, da sie im Ernstfälle hundertmal wieder hereinkommen. Es kann im Laufe des Winters leicht durch Frost und Rost eine Beschädigung bis Ableitedrahtes hervor-

scheid wußte, über botanische und zoologische Ein­zelheiten von Santa Agatha.

Ist es drüben eigentlich gefährlich?" wollte Frau Engasser wissen.

Nein, das kann man nicht gerade behaupten. Dennoch ist es besser, stets eine Waffe bei sich zu tragen. Weniger wegen der Menschen als wegen der wilden Tiere. Mir hat mein Revolver ein paar­mal aus heiklen Lagen geholfen", erklärte Fogg und griff unwillkürlich nach seiner Hinteren Hosentasche.

Sie tragen ihn auch jetzt noch bei sich?"

Ja, obwohl es lächerlich ist. Muß eine Art Ge­wohnheit sein. Aber morgen wird er mit allen Ehren in einer Lade meines Schreibtisches bestattet", lächelte Fogg Viktoria zu.

Darf ich sehen?"

Gewiß." Was Fogg zum Vorschein brachte/ war ein kleiner gesicherter Colt, der am Kolben ein graviertes Messingschildchen trug. Viktoria gab die Waffe an den Professor weiter, der sie vorsichtig hielt und von allen Seiten betrachtete. Es wurden noch einige belanglose Reden gewechselt, dann be­endete Fogg diesen Besuch. Während er nach Hause ging, hatte er das Gefühl: Diese halbe Stunde da drinnen hat mir eine Masse in Scherben geschlagen.

Es mar befremdlich, wieviel Leute in die Sprech­stunde kamen, nachdem sich herumgesprochen hatte, daß der neue Arzt tüchtig und freundlich sei und nicht mit der Bezahlung dränge. Geldlich besehen, waren die Fälle meist nicht glänzend. Fogg mußte viel herschenken oder in den Kamin schreiben. Die tapitalträftigeren Pattenten waren dünn gesät. Aber das focht Fogg nicht an. Es würde nach und nach schon besser werden, wenn die Umgebung erst Zutrauen gefaßt hatte und herausbekam, daß ein Doktor in Schellenberg nicht unbedingt ein Murkser oder ein Anfänger sein mußte. Auch mit dem zahl­reichen Schloßpersonal durste er rechnen. Er für seine Person war genügsam, und zum Sattwerden langte es. Hin und wieder, in einer beschaulichen Viertelstunde oder nachts vor dem Änschlafen, dachte er an Viktoria und war hinterher dann immer ein bißchen ärgerlich über sich selbst. Häufig dachte er auch an die Kuhleiten, und wie sich das wohl entwickeln würde.

Fogg saß im Sprechzimmer und schrieb das letzte Rezept«

gerufen worden sein, die sich bei Fahrlässigkeit im Ernstfall bitter rächen würde. Auch die Antennen­erdung bedarf zu dieser Zeit einer besonderen, sorg­fältigen Nachprüfung.

Große Strafkammer Gießen.

Gestern wurde die am Dienstag, 8. Juni 1937, unterbrochene Hauptverhandlung gegen den Hans Kramer aus Gießen fortgesetzt

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete ihn als ge­fährlichen Gewohnheitsverbrecher, der mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln vorging, sich auf angenehme Weife Geldbeträge zu verschaffen. Ihn

f Blondes Haar bedarf I* M f wegen seiner Empfind- /) O JiVtOJlUl1 lichkeit besonderer Pfle- /h» ge. Man wäscht es da-

7 her nur mit - Mitteln,

die kein Rikali und

keine Kalkseife im Haar zurücklassen und dafür

sorgen, daß es nicht nachdunkelt, also mit

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Der alte Kranewitter, ein Geizhals und Eigen­brötler, zog mit steifen Fingern sein Hemd an, und eine braune Schnupftabaksrinne glänzte feucht unter seiner Nase. Die Leute nannten ihn denSchellori", und niemand wußte recht, warum. Er litt an einer verschleppten Bronchitis, hustete die Gegend voll und ärgerte seine Mitmenschen. Mißtrauen war eine seiner hervorstechendsten Tugenden; er hielt jeden für einen Lumpen, bis der ihm das Gegen­teil bewies. '

Also, Herr Kranewitter, da ist Ihr Rezept. Lassen Sie es sich in der Apotheke machen, und dann nehmen Sie's, wie es draufsteht. Mit der Rente ist es leider nichts; denn Sie haben zwar einen tüchti­gen Husten, aber das ist kein Unfall."

Der Schellori hatte ausgezeichnet verstanden, aber um Zeit zu gewinnen, sagte er:Ha?" Denn nun mußte Fogg den ganzen Satz wiederholen. Bu, dieser Doktor ist kein Guter! dachte der Schellori und ließ die Unterlippe hängen. Dann grub er langsam und schwer aus sich hervor:

Du magst bloß nicht, Doktor!"

Von Nichtmögen ist keine Rede. Das sind halt die Gesetze und Paragraphen, da kannst nichts machen. Seien Sie doch vernünftig, Mann Gottes. Was nicht geht, geht nicht."

Der Schellori, jetzt beim Zuknöpfen der Weste anaelanat, brummte:Also dann schreibst mir keine Rente?"

Kami nicht."

Weißt was? Dann kannst deine Medizin auch selber saufen!" krähte der Schellori und ging steif­beinig zur Tür. Das Rezept ließ er liegen.

Fogg schaute überrumpelt aus, aber er gewann es nicht über sich, sich zu ärgern. Einen alten, ge= spaßigen Krauterer wie den Schellori durfte man nicht ernst nehmen. Fogg klappte seine Bücher zu, füllte die zwei neuen Krankenscheine aus unö ord­nete den Wirrwarr auf dem Schreibtisch. Dann zog er feinen weißen Mantel aus, der ein paar Blut- spritzer hatte. Vorher war der Gsodmair-Martl mit seiner harmlosen Fingerquetsckung dagewesen, welch ein Wunder! Er war natürlich nur der Anna wegen gekommen, das merkte ja ein Blinder. Denn mit so einer Kleinigkeit ging ein Bauer doch sonst nicht zum Arzt. Die Anna hatte sich erstklassig benom­men; sie war freundlich gewesen, aber die demü- ttgen und werbenden Blicke des Burschen hatte sie einfach übersehen. Das beruhigte Fogg ungemein;

denn er fühlte sich für das Mädchen verantwortlich, und es brauchte nicht gleich in den ersten Tagen eine Liebschaft zu geben. Der Marti war verdattert abgezogen, obschon er sonst ein mutiger Kerl mar.-

Fogg stülpte die Hemdärmel hoch und ging in die vernraiste Schmiede, um sich ein kleines Holzkohlen­feuer anzufachen. Er hatte nämlich vor, sich ein Paar Beinstützen für den Untersuchungsttsch anzu­fertigen, die er nötig brauchte. Das kam billiger, als sie aus der Stadt zu beziehen. Er war ja kein gelernter Schmied, aber er hatte seinem Vater oft in der Werkstatt zugesehen. Als das Eisen rot­glühend war, begann er zu hämmern. Sein Hemd- bündchen riß aus, und bei jedem Hammerschlag traten seine Armmuskeln als harte, rötlich be­schienene Wülste hervor. Dazu fang er aus voller Brust irgend etwas Verrücktes, das kein Lied war, sondern pure Lust am Leben und Kraftüberschuß...

Donnerwetter, Sie können aber schön singen!" lachte es hinter ihm.

Fogg fuhr herum und sah ertappt und verlegen aus.

Eine Dame im Reitkostüm, rote Jacke, hellgrau gewürfelte Reithose, stand da und klopfte mit ihrer ledernen Gerte an den Stiefelschaft. Sie hatte eine durchtrainierte Figur und sehr weiße Zähne. Drau- ßey wieherte ein angebundener Fuchshengst.

Tag, Doktor. Darf ich Ihren Besuch gleich auf diefe Weise erwidern? Oder störe ich?"

Gar nicht, Frau Fürstin", sagte Fogg, der sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte.Nur die Umgebung, verzeihen Sie, wollen wir nicht--?"

Nein, wir wollen durchaus nicht. Gerade hier finde ich es gemütlich. Haben Sie nicht einen {auberen Schurz oder so etwas?" Sie schwang sich auf die alte Drehbank, über die Fogg eine neue blaue Kattunschürze gebreitet hatte. Ihre aufreizend rote Jacke saß wie ein unangebrachter leichtfinniger Tupfen zwischen all dem anderen Schwarz und Grau. Sie ließ die langen, rassigen Beine baumeln. Sie klappte ihr Etui auf und sagte:Zigarette? Knigge ist allerdings der Ansicht, man soll seine Mitmenschen nicht am Nachmittag Überfällen, aber ich habe gedacht, ein. Junggeselle nimmt es schon nicht so genau. Feuer? Danke. Machen Sie doch weiter, bitte. Ich habe das gerne, die Glut und den Feuerschein, das Gehämmer und alles."

Fortsetzung folgt