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Nr.83 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, l0. April 1957

Skandal um Dr.Vandergruen Roman von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister. Werdau i. S.

12 Fortsetzung

(Nachdruck verboten.)

Hätte sie nicht doch von dem nächtlichen lieber« -all erzählen, den Doktor warnen sollen vor der drohenden Gefahr? Jetzt erst wird ihr die Feigheit ihres Schweigens bewußt. Wenu^etwas Schlimmes geschah, lastete dann nicht aW ihr allein die schuld?

Wenn sie einen Brief schreiben würde? Ja, das mußte sie tun. We konnte sie sich nur durch jene Drohung einschücht rn lassen? Sonderbar, jetzt hatte Üe keine Angst me)r vor dem gelben Scheusal.

Rasch entschlösse: kehrt sie zum Tisch zurück, nimmt das Schreitzeug aus der Schublade und be­ginnt:

Sehr geehrter Herr Doktor Vandergruen!

Ich halte es für meine Pflicht, Sie auf" ein Geschehnis aufmerksam zu machen, das ich heute nacht erlebte, kirz bevor Sie mich an Ihrer Haustür fanden Ich hätte es Ihnen schon heute vormittag sagen sollen, als Sie mich fragten, woher mir der Name Koltschew bekannt sei. Ver­zeihen Sie mir, wenn ich aus Feigheit etwas verschwieg, was für Sie wahrscheinlich sehr wich­tig sein wird. Al' ich heute nacht an Ihrer Haus­tür --"

Weiter kommt ffe nicht, denn Emil Knack stürzt mit großem Getös, ins Zimmer.Na, da bist du ca! Das sind ja shöne Geschichten! Was soll ich mir überhaupt denken?"

Gisch versucht dei Brief unter der Schreibmappe verschwinden zu Ielfen, aber Emil hat ihn bereits i emerft. Er faßt mit nicht gerade zartem Griff nach ihrem Handgelenk.Was denn? Geheimnisse vor mir? Das wäre ja das Neueste. Wem schreibst du denn da? Habe ich etwa gor-^inen Nebenbuhler?"

Er sagt es lachmd, aber um seine Mundwinkel l egt ein häßlicher Zug.

Laß!" ruft Gisc) gequält und versucht ihm den

Brief zu entreißen.Das geht dich nichts an!"

Doch Emil liest bereits, und in diesem Augenblick geht etwas in Gisch entzwei. Vielleicht hätte sie jenen anderen Mann in ein paar Tagen vergessen gehabt und sich völlig wieder ihrem Verlobten zu­gewandt. Jetzt aber fyat er sie von sich gestoßen, es ist nicht anders, als wenn er sie in den Armen des anderen überrascht hätte. Er hat ihr Tun zur Sünde gemacht, und so, alleingelassen, wird sie sich ihres Schicksals nicht mehr erwehren können.

Emils Gesicht wird immer länger.Was soll das bedeuten? Ich verstehe nicht ein Wort. Doktor Vandergruen? Wer ist bas?'7

Gisch schweigt eigensinnig.

Hm, da steckt also doch allerlei Geheimnisvolles hinter dieser Nacht. Ich will nun ganz genau wissen, was es mit diesem Brief für eine Bewandtnis hat, hörst du!"

Gisch schweigt.

Da begeht Emil Knack die nächste große Dumm­heit. Er nimmt den Brief, zerreißt ihn in kleine Fetzen und wirft diese in den Papierkorb.

Du entpuppst dich ja plötzlich auf allerliebste Art. Aber mit der Tour wirst du bei mir verdammt wenig ausrichten, das merk dir ein für allemal. Willst du mir nun Antwort geben ober nicht?"

Sieh, Emil, ich hätte dir bestimmt alles erzählt, es ist ja nicht das geringste, was du nicht wissen dürftest. Aber jetzt ist es zu spät. Ich glaube, jetzt wäre es besser, wenn wir uns für immer trennen würden!"

Sie erschrickt selber. Will sie denn das wirklich, was sie soeben sagte? Noch nie hat sie mit Emil einen Streit gehabt. Kann es das geben, daß ein einziger Augenblick solche Klüfte aufreißt?

Auch Emil kann seine Bestürzung nicht verbergen. So weit hat er den Streit nicht treiben wollen. Aber Gisch, das das ist ja Unsinn. Wer denkt denn an so etwas?" Sein ganzer Zorn ist ver­flogen, verdammt noch mal, man hat sich an das Madel gewöhnt, im Grunde paßt man doch groß­artig zusammen. Er denkt flüchtig an Mary, nein, da ist Gisch doch viel bequemer und leichter zu be­handeln.

Hör' mal, wir wollen jetzt von der dummen Geschichte nicht mehr sprechen. Ist ja lächerlich! Zieh dich nett an, pack deine Koffer, in einer "halben Stunde hole ich dich ab. Du hast dir ja schon lange

mal eine größere Reise gewünscht. Na? Wieder gut?"

Gisch ist mit einemmal sehr müde. Sie will sich aufbäumen, sie weiß, daß sie jetzt nicht mehr zurück­weichen darf, es ist ein Verrat, wenn sie es tut und bann lacht sie und sagt:Na ja, meinetwegen, was bleibt mir benn anderes übrig?" und zertritt alles, was in ihrem Innern aufgeblüht war, tram­pelt es nieder:Ich hab' ja sonst niemand als dich!" und erniedrigt sich zutiefst:Ich freue mich ja wirk­lich, daß du mich mitnehmen willst", und wehrt sich nicht gegen seine Umarmung.

Emil Knack ist wieder der alte. Alles ist vergessen und vergeben. Warum soll man sich das Leben schwer machen?Na also, siehst du, Gisch, jetzt bist du wieder mein vernünftiges kleines Mädchen!"

Ja, jetzt ist sie wieder fein vernünftiges kleines Mädchen...

Wir fahren heute bis Leipzig und bleiben dort über Nacht. Morgen früh geht es dann weiter. Wir werden auch deiner Heimat einen Besuch abstatten, was sagst du dazu?"

Ach, ich freue mich, Emil!"

Frau Bürklein wird gerufen.Würden Sie meiner Braut etwas behilflich fein, damit sie zur Zeit fertig wird. Aber, Gisch, bloß das Nötigste wird mitgenommen, verstanden? Der kleine Koffer genügt vollkommen. Was willst du für ein Kleid anziehen?"

Die Bürklein schlägt das blaue Kostüm vor.Und die Bluse mit den halblangen Aermeln dazu, die paßt so gut in der Farbe."

Gisch hat nichts einzuwenden, obwohl ihr gerade diese Bluse am wenigsten gefällt.

Also, Wiedersehen, Liebling, in einer halben Stunde hole ich dich ab!"

Wirklich ein netter Herr, der Herr Knack!" stellt Frau Bürklein hernach fest.Da sind Sie wirklich zu beneiden. Solche Männer sind heutzutage selten, das können Sie mir glauben.'

Gisch äußert sich zustimmend.

Emil Knack hält vor dem nächsten Fernsprech­automaten. Er betritt die Zelle und schlägt das Teilnehmerverzeichnis auf. Sein Zeigefinger gleitet suchend über die Spalten.

Aha, hier! Vandergruen, Stefan, Doktor, Privat­dozent, C2, Breite Straße 64."

W"

11

Morgens findet man immer viele Milchfuhrwerke vor der Molkerei.

Maschinen kennzeichnen den modernen Molkereibetrieb.

An der Säurekulturanlage einer modernen Molkerei.

ihm einmal eine große und volle Kanne auf Fuß gestellt wird, während der Uebeltäter im beitseifer längst nach der nächsten Kanne greift.

In manchen Räumen läuft auf den Fliesen Wasser um, denn einige Spritzer Milch aus Kannen lassen sich nicht immer vermeiden, breitet sich dann aus irgendeinem, irgendwo heimnisvoll auslaufenden Rohr Wasser über

quantum, sondern auch die Qualität und der Fett­gehalt der Milch in der jüngsten Zeit wesentlich ge­hoben haben.

ganzen Raum aus, fließt wieder ab und nimmt mit, was an Milch oder Molke nicht den ordentlichen Weg durch die Maschinen ging. So herrscht immer eitel Reinlichkeit!

Nicht weniger interessant ist es dann, einen Blick über die blitzblanken Maschinen, Pumpen, Leitun­gen, über den kompakten, massigen Plattenerhitzer

viel den Da ge­ben

den Ar-

Die Magermilch wird automatisch wieder in die Kannen abgefüllt.

(Aufnahmen [4(: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Bleibt noch einiges über die äußeren Erscheinungen eines Molkereibetriebes zu sagen: Während der Vor­mittagsstunden stauen sich vor dem Hause die Wagen, die mit vollen Milchkannen der Abnahme harren. Bei der Milchanlieferung geht es meist ziemlich geräuschvoll zu. Die vollen, wie auch die leeren Kannen werden heftig auf den Steinfliesen hin und her geschubbst, vom Wagen auf die Rampe, von dort zur Waage, leer zur Reinigungsmaschine und dann zur Magermilchabfüllung, schließlich wieder zur Rampe und auf den Wagen. Alles muß schnell gehen, und so kommt es, daß man inmitten dieses Trubels sein eigenes Wort nicht versteht. Man muß schon brüllen, wenn man sich verständlich machen will. Es ist klar, daß ein zuschauender Gast an einer solchen Stätte der Arbeit immer unpassend wirkt und im Wege steht. Er darf sich nicht wundern, wenn

w a a g e hat, in die die Milch eingeschüttet wird, während im gleichen Augenblick die Menge in Kilogramm ausgedrückt in leuchtender Schrift auf der Gewichtsskala erscheint. Es ist selbstver­ständlich, daß jede Molkerei die Einrichtungen für öie Pasteurisierung der Milch hat, daß einige der Separatoren vorhanden sind, die bei ungeheuer hoher Tourenzahl (6000 Umdrehungen in der Mi­nute) die Milch restlos entrahmen und damit alles Fett für die Butterherstellung von der Milch tren­nen. Automatisch arbeiten die Plattenerhitzer, auto- matisch die Wasch- und Spülvorrichtungen für die Kannen und Flaschen, selbsttätig und nur durch einen Handgriff zu bedienen, arbeitet die Abfüll­vorrichtung für die Voll- wie für die Magermilch, für die Flaschenmilch usw. Und immer ist darauf Bedacht genommen, daß die menschliche Hand nicht mit der Milch- oder den Milchprodukten in Be­rührung zu kommen braucht Aber bei aller Techni­sierung, die auch in der Molkerei Platz gegriffen hat, sind noch viele Helfer nötig.

Wenn uns Menschen der seherische Blick zu eigen wäre über große Räume, über Zeit und über Hindernisse hinweg, die unsere Augen nicht über­winden können, dann würde sich rings um uns manches zeigen, was wir als großartig empfinden müßten. Da uns aber diese märchenhafte Gabe nicht zu eigen ist, pflegen wir uns häufig mit graphi­schen Darstellungen, gezeichnet oder auch nur ge­dacht, zu helfen. Eine solche Darstellung ließ sich zum Beispiel auch für unsere heimische Milchwirt­schaft ausdenken oder zeichnen.

Unschwer, sich auszumalen, wie allein in unserer oberhessischen Heimat jeden Morgen Hunderte von Fahrzeugen (Lastkraftwagen, Pferdefuhrwerke, Wägelchen und Handkarren) aus den Dörfern her- ausrollen,.den Molkereien zu, deren es viele in Ober­

in der Molkerei verkauft 29 125 Kilogramm.

Käse an die Mitglieder ausgegeben 13 517, versandt 1228, in der Molkerei verkauft 2799 Kilo­gramm.

Quark an die Mitglieder ausgegeben 1331, ver­sandt 194 393, in der Molkerei verkauft 15 487 Kilo­gramm.

Butter- und Magermilch an die Mitglie­der zurückgegeben 4 071 105, versandt 24 143, in die Stadt verkauft 27 678 Kilogramm. Magermilch wurde verkäst 2 403 753 Kilogramm. Schlagsahne in der Molkerei verkauft 1522 Kilogramm.

Diese Zahlen, die jede unserer heimischen Molke­reien in ähnlicher Form zusammentragen wird, sprechen eine deutliche Sprache und lassen die hohe Bedeutung dieser Betriebe für unsere Dolksernäh- rung erkennen.

Neben der hohen wirtschaftlichen Bedeutung der Molkereien geht ein starkes Verantwortungs­bewußtsein der Volksgesundheit bei der Verarbeitung einher. Infolgedessen wer­den regelmäßig Reinlichkeitsproben durchgeführt. Regelmäßig werden Fettgehaltsbestimmungen vor­genommen, da nach den Fettgehalten der Milch der Preis festgesetzt wird, der für das Liter bzw. für das Kilogramm Werkmilch bezahlt wird. Jener Bauer, auf dessen Weiden alles in Ordnung ist, der sein Vieh im Stalle gut hält, der es zweckmäßig ernährt, wird die Bezahlung nach Fettprozenten zu würdigen wissen, jenen aber, die in ihren Viehbestän­den noch nicht ganz auf der Höhe sind, mag diese Art der Milchbewertung ein stetiger Anreiz zur Ver­vollkommnung ihrer Milchviehhaltung sein. So kann z. B. auch in dieser Hinsicht die Molkerei Hungen davon berichten, daß sich nicht nur das Anlieferungs-

1936 eingelieferte Milch- menge betrug 8 879 892 Kilogramm, für die

1 168 175,90 Mk. einfchl. Stützung bezahlt wurden. Mithin sind im Jahre 1936 mehr eingeliefert worden 836 282 Kilogramm. Für dieeingelieferteMilchwur- den im Jahre 1936 im Durchschnitt für das Kilo­gramm 13,15 Pfennig ein- schließt. Stützung bezahlt. Von der Vollmilch wurden verbuttert 6 879 318 Kilo­gramm und davon 284963 Kilogramm Butter her- gestellt.

Vollmilch wurden ver­sandt 1 846 452 Kilo­gramm, in die Stadt verkauft 116 399 Kilo­gramm, verkäst 24 038 Ki­logramm, für Schlag­sahneherstellung 11 707 Kilogramm.

Butteran die Mitglie­der ausgegeben 49 494% Kilo, versandt 209 528,

Es ist klar, daß die Leistungsfähigkeit der einzel­nen Betriebe außerordentlich gesteigert werden konnte. Wir haben in Oberhessen Molkereien, die im Laufe der vergangenen vier Jahre das Aus­maß der täglichen Milchverarbeitung von 1500 auf 15 0 0 0 Liter steigern konnten. Dieser Fall trat besonders bei der Molkerei Geilshausen in Erscheinung. Einige weitere Zahlen mögen die wirtschaftliche Bedeutung der ländlichen Molkereien erkennen lassen: Molkerei Wetterfeld verarbeitet täglich 9000 Liter, Hungen etwa 25 000, Rieder- Gemünden 13 000, Alsfeld 17 000, Groß-Eichen 8000, Groß-Felda 10 000, Ostheim-Niederweisel 24 000 Liter! Die Molkerei Gießen bewältigt etwa 40 000 Liter Milch im täglichen Arbeitsgang.

Von den 38 Molkereien, die zum Bezirk Gie­ßen des Milchwirtschaftsverbandes gehören, sind 21 Genossenschafts- und 17 Privat- Molkereien. Von der gesamten an­fallenden Milch in diesem Gebiet werden ungefähr 70 v. H. von den Genossenschaftsmolkereien und etwa 30 v. H. von den Privatmolkereien erfaßt. Eine Anzahl der Genossenschaftsmolkereien kann schon auf eine 40- und 50jährige Arbeit zurück- blicken.

Mit welchen Mengen ein guteingerichteter länd­licher Molkereibetrieb während eines Jahres rechnet, mag aus der Aufstellung der Genossenschaftsmolkerei Hungen ersichtlich werden, welche die Leitung ihren Mitgliedern in der am morgigen Sonntag stattfindenden Generalversammlung vorlegt:

Die im Jahre 1935 eingelieferte Milchmenge betrug 8 043 610 Kilogramm, für die 998 934,75 Mk. einschließlich Stützung bezahlt wurden. Die im Jahre

Hessen gibt. Wollt: man die Wege, die diese Fahr­zeuge nehmen, mit Linien veranschaulichen etwa auf einer Landkaite, dann kämen lauter Stern­chen heraus, unregelmäßige zwar, aber immerhin Sternchen! Die ßrflärung ist sehr einfach! Jeder Molkerei ist aus ihrer Umgebung ein klar begrenz­tes Anlieferungsgebiet zugewiesen, d. h. eine Anzahl Dörfer in der unmittelbaren Nähe des Ortes der Molkerei. Riesige Mengen Milch fließen täglich aus den Eutern der Kühe in die Eimer, kommen aus den Ställen in Kannen, werden auf« geloben, die Wagen rattern über manche holperige Straße nach der Molkerei! Wahre Ströme von Milch fließen in die Molkereien! Seit Jahren! Besonders sorgsam aber werden diese Ströme ge­leitet, seit der Reihsnährstand und in ihrem Auf­trag die Landesbmernschasten wiederum für 2iese die Milchw rtschaftsverbändeein Buge darauf gerietet haben. Die Organisation der Milchanlieferung vurde ausgebaut und immer anehr vervollkommiet. Es ist bekannt, daß in der Molkerei die Milch viel besser ausgewertet und be- lhandelt zu werden vermag, als es im bäuerlichen Haushalt möglich ist.

Allerdings war und ist das nur möglich gewor­den dadurch, daß die Molkereien ihre Einrichtungen jo ausbauten, wie das wohl sonst in keinem Zweig ländlicher Wirtschast getan worden ist. Diese Ent­wicklung ist so weit vorangetrieben worden, daß Zwischen den Einrichtungen einer Molkerei in der -stabt unb einer solchen auf dem Lande kaum ein Unterschieb mehr besteht. Der größte Teil unserer Handlichen Molkereien verfügt über die modernsten Maschinen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß jede Molkerei eine automatische Annahme-

Ländliche Molkereien, ganz modern!

Rundgang durch Mottereibetriebe im Kreise Gießen. Oer Verarbeitungs­gang der Milch. - Technik im Dienst der Volksernährung.

Emil Knack fingert einen Groschen aus der Westentasche, wirft ihn ein und dreht die Wähler­scheibe.

Eine männliche Stimme meldet sich:Vander­gruen!"

Hier Knack, Fleischkonserven. Ich wollte nur mal eine Auskunft von Ihnen haben. Es handelt sich nämlich um meine Braut, Fräulein Amelung. Viel­leicht ist Ihnen der Name von der letzten Nacht her nicht unbekannt. Sie werden begreifen, daß ich hm als Bräutigam Wie? Welche Schwester? Ach so, bei Ihrer Schwester! Na, das ist ja etwas anderes, nicht wahr! Und wie lange ist meine Braut hallo, hören Sie noch?"

Die Leitung ist tot.

Na, denn nid), oller Dussel!" brummt Emil Knack und hängt den Hörer auf.

Pünktlich trifft er wieder in Charlottenburg em. Gisch ist fertig, und wie sie sich in die bequemen Polster des Wagens zurücksinken läßt, ist etwas wie Freude in ihr.

Emil steuert den Wagen gewandt durch den Ver- kehr des Nachmittags. Ab und zu wirft er einen lächelnden Blick auf seine Begleiterin.

Nun, freust du dich?" fragt er einmal.

Gisch nickt. Warum soll sie sich nicht freuen?

Sie denkt nicht mehr an den Bries, und so nimmt das Geschick seinen Lauf. Während sie im surrenden Auto an der Seite des Freundes nach Süden jagt, ist sie schon hineinverstrickt in die Schuld, in ein furchtbares Verhängnis.

Es gibt kein Ausweichen, Gisch!

10.

Ein Uhr nachts.

Dr. Vandergruen fährt mit der Hand über die müden Augen. Er kommt einfach nicht vom Fleck mit dieser Geschichte. Wohl lassen sich die Schrift­zeichen unschwer übersetzen, aber es kommt kein rechter Sinn dabei heraus. Wahrscheinlich handelt es sich um einen chiffrierten Text. Sein Geheimnis läßt sich nicht enträtseln, so sehr man sich den Kopf zerbricht und es mit allen möglichen Methoden ver­sucht.

Otsuki hat auch nod) nichts von sich hören lassen, obwohl er versprochen hatte, anzurufen Ob der das Dokument wird entziffern können?

(Fortsetzung folgtI)