ltr.34 Zweites Blaff
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch 10. Wruar 193T
Wehr und Waffen.
:en handelt.
gskursus tm des Reichs-
Leberwindung der Angst.
Die psychologische Kunst des Führers.
Einer der besten Senner, unserer jungen । Luftwaffe und der deutschen Fliegerei hat ein anregendes Büchlein geschrieben, das geeignet ist, den vielen Phantastereien ein Ende zu bereiten. Es trägt den Titel „Probleme des Luftkrieges" und ist im Ludwig Voggenreiter Verlag Potsdam erschienen.
Schon im Weltkriege wurde erkannt, daß für Bomber der beste Schutz gegen den Angriff von Jagdflugzeugen im Fliegen in bestimmten Formationen beruhte, bei denen sich die einzelnen Flugzeuge des Bombers-Verbandes gegenseitig Feuerschutz gewahren konnten. Die modernen Bomber und Kampfmehrsitzer sind dagegen in der Regel 2- oder 4-motorige Flugzeuge, bei denen die Motoren rechts und links vom Rumpf derart angeordnete sind, daß eine Waffe (Doppel-MG. oder Flugzeugkanone) im Rumpfbug angebracht werden kann, während zwei weitere Waffen, die freies Schußfeld nach hinten oben und hinten unten besitzen, den gesamten Hinteren Sektor zu decken vermögen. Derartig bewaffnete Flpgzeuge können sich im Rahmen eines Verbandes vollkommenen Feuerschutz gewähren, ohne die eingenommene Forrnätion ändern zu müssen. Sie können unbeirrt ihren Flugweg aufs Ziel verfolgen und sich gegen Angriffe durch Jagdflugzeuge aus allen Richtungen wirksam verteidigen. Die Möglichkeiten der einzelnen Formationen sind bei Flugzeugen, die sich i m dreidimensionalen Raum bewegen, besonders vielfältig, und es wird sich stets eine Verbandsform finden lassen, die sowohl den Bedingungen des Angriffs wie denen der Verteidigung Rechnung trägt. Die gesteigerten Flugleistungen der Bomber, die sich mehr und mehr zuungunsten der Jagdflugzeuge entwickeln, machen die Verteidigung gegen Bombenangriffe immer schwieriger.
Im Luftkamps von Einsitzer gegen Einsitzer hat sich gegenüber den Verhältnissen des Weltkrieges nur wenig geändert, da bei annähernd gleichen Flugleistungen auch heute noch die besseren fliegerischen Fähigkeiten des Flugzeugführers entscheiden, dem es gelingt, den Gegner zu überhöhen und von hinten oben zu fassen. Beim Jagdeinsitzer hat es die Erhöhung des Gewichts und die Steigerung der Geschwindigkeit schon heute so weit gebracht, daß darunter die Wendigkeit stark gelitten hat. Der Vorteil der gesteigerten Geschwindigkeit wird durch die Schwierigkeit für den Flugzeugführer, in die günstigste Feuerstellung zu gelangen, und durch die immer kürzer werdende Zeit, die ihm zu einem gezielten Feuer verbleibt, zum Teil schon mehr als aufgehoben.
Die wesentlich größeren Gipfelhöhen an sich und die in einem Zukunftskrieg durch die gesteigerte
bedeutende Soldaten als Historiker oder Kriegswissenschaftler, als Kriegsphilosophen, Wehrerzieher, Geopolitiker oder Balistiker einen berühmten Namen gemacht. Hier sei nur auf die „Weltgeschichte in Umrissen" von Oberst York von Wartenburg und auf „Das Volk in Waffen" von General von der Goltz hingewiesen, die beide, losgelöst von der Einseitigkeit rein militärischen Wissens, einen weitschauenden Blick für alle Lebensverhältnisse und eine umfassende geistige und seelische Bildung erkennen lassen. Und von der großen Zahl der ehemaligen Offiziere, die wir in der deutschen Dichtkunst oder in der Literatur nicht missen mögen, genügt es, die Namen Liliencron, Wildenbruch, Ompteda und Münchhausen zu nennen, die aus dem deutschen Volksheer hervorgegangen sind und deren Werke den Geist deutscher Wehrhaftigkeit atmen. Auf die kriegsliterarischen Werke der jungen Kriegsgeneration soll hier nicht eingegangen werden. Sie sind mehr aus individualistischem Fronterleben heraus geschrieben worden und nicht typisch für das, was ich hier zum Ausdruck bringen wollte: die aus der Idee deutschen Soldaten- | tums geborene Wehrkultur.
Der Divisions-Kommandeur.
Bon Hauptmann a. D. Or. Gerhard Scholh.
Der Führer einer Division ist ein Generalmajor ober Generalleutnant. Er steht zwischen- dem Kommandierenden General und dem unterstellten Führer einer Waffe (Artillerie- und Jnfanterieführer).
Die Division ist der k l e i n st e Verband van Truppen, der so viel Waffen in bestimmten Stärkeverhältnissen zueinander enthält, daß er grundsätzlich zur selbständigen Durchführung einer Gefechtsaufgabe befähigt ist. Infanterie mit ihren Hilfswaffen (Pioniere), mit ihren Sonderabtei- lungen (Artillerie verschiedener Geschützarten, doch ohne die Masse schwerer Artillerie-Verbände), Sam- täts- und Nachschubformationen sind hier vereinigt. Die Division soll so groß und derart gegliedert sein, daß sie sich gegenüber einem Gegner „helfen kann", wider st andsfähigundschlagkräftig ist. Sie soll nicht so groß sein, daß ihr Verband unübersichtlich und schwerfällig wird, aber auch nicht so klein, daß er nicht „alle" Waffen enthält ober infolge von beren geringer Stärke nur eine beschränkte Kampfkraft aufbringen kann.
Der Bestaub einer Division zerfällt in Kampftruppen unb Nachschub- und Hilfsverbände, bie ein regelmäßiger Zubehörteil finb. Die innere Zusam-
Krieg im Lustraum.
Von Oberleutnant a O Georg W. Feuchter.
Soldat unb Angst — das ist scheinbar eine seltsame Zusammenstellung, aber jeder ehrliche Soldat weiß, wieviel oft dazu gehört und gehört hat, um den sogenannten „inneren Schweinehund" zu überwinden. Regie- rungsrat Dr. Mierke (Kiel) hat die soldatische Haltung zur Anast klargestellt in einem Vortrag, der beim Fortbildungskursus ”** Psychologischen Laboratorium -- ™ . kriegsministeriums gehalten wurde. Dr. Mierke sagte zur Ueberminbung der Angst u. a.:
finbung des geräuschlosen Flugzeuges vor v o l l« ständig neue Aufgaben gestellt werden.
Was die normale Entwicklung im Flugzeugbau betrifft, so scheint es, als ob die Höchstleistungen der für Kriegszwecke geeigneten Flugzeuge kaum über eine Geschwindigkeit von etwa 500 km/h gesteigert werden können, und daß auch unter Zuhilfenahme von verbesserten Sauerstoffgeräten bte größte Höhe, in der die Flugzeugbesatzung noch einwandfrei ihre Aufgaben erfüllen kann, nicht über 12000 Meter betragen wird. Von dieser Höhe ab sind die Druckunterschiede bereits derart groß, daß zum mindesten die Verwendung von Schutzanzügen, ähnlich den Taucheranzügen, unerläßlich erscheint. Derartige Schutzanzüge hindern naturgemäß die Beweglichkeit und verlangen dadurch wieder Waffen und Geräte, die auch unter diesen erschwerten Verhältnissen einwandfrei bedient werden können.
bedeutet nur eine Verzerrung des Gedankens. Gemeinschaft ist nicht gegeben, sondern aufgegeben. Nur dadurch ist sie wirklich, daß sie (wenn notig unter Einsatz der Eigenexistenz) unausgesetzt neu gelebt wird. Im Leben in der Gemeinschaft wird das Ich erst frei und seine Existenz erst wahr; denn nun steht es im offenen Bezug zu den anderen, zu den Kameraden, zur Kompanie, zum Führer, zum Volk, zur Idee, zum moralischen Gesetz und zum Gewissen. In dieser Form bietet die Gemeinschaft die beste Sicherheit gegen alle Angst. Am reinsten zeigen uns das die gewaltigen Beispiele opferbereiter Mutterliebe, Kameraden- unb Mannentreue. Die irrige Form der Selbstbetonung verliert sich, und es entfaltet sich heldische Große in der Verantwortung und in der Pflicht gegenüber der Gemeinschaft. , , , ..
Der Imperativ der Pflicht aber mar die gewaltige Idee, die das deutsche Soldatentum durch den Weltkrieg trug. Im Grausen des Kampfes fielen ab alle Träume vom frifch-srohlichen Krieg, vom Ruhm und vom Avancement Auch die erste lohende Begeisterung verrauschte bald. Es blieb aber und wuchs mit der zunehmenden Schwere der Aufgaben das Bewußtsein der Pflicht. Es ist deswegen falsch, anzunehmen, wir hatten im Weltkrieg keine rechte, tragende Idee besessen. Das schlichte, aber unbedingte Pflichtbewußtseln war schon eine solche, die wert erschien, gelebt ZU werden Es wirkte in den alten und wirklichen Soldaten noch nach durch das Ehaos der Revolutions- unb Systemzeit, im Freikorps, im Grenzschutz, in ber Orgesch, in den Wehrverbanden.
Die besten Führer in solchen Situationen in benen die bleiche, schlotternde Angst die Herrschaft an sich reißen wollte, waren immer Manner mit eisernem P f l i ch t b e w u ß t s ein Ungezählte Beispiele bietet dafür die Geschichte des großen Krieges vom schlichten Gruppenführer, vom U-Bootsmatrosen an bis hinauf zu unserem Hindenburg und unserem Führer die uns geradezu zu Verkörperungen des preußisch-deutschen Pflichtgedankens geworden sind. Darum muß mich die Erziehung zur alten geheiligten preußischen PsllA- auffassung bas unbedingte Ziel jeher folbatisch-
Der Furchtsame muß lernen, an die Stelle des Lebens im Ich das Leben im Du zu setzen. Sem Gemeinschaftsgefühl bedarf der Entfaltung. Gemeinschaftsgefühl könnte psychologisch gedeutet werben als ein auf die Ebene des Ethischen gehobenes Korrelat zu der biologischen Erscheinung des Meute - und M a s s e n t r i e b e s. Gemeinschaft ist mehr als Herde, als Meute ober Masse. Masse, die vom Zufall ober von elementaren Instinkten zusammengeführt ist, ist bloße Summe. Gemeinschaft dagegen ist Verschmelzung und hat deswegen auch eine ihr eigentümliche Struktur, ihre Moral und Idee. In der Masse kann das Mengenmachtbewußtsein wohl zuweilen bte Angst des einzelnen dämpfen. Es kann in ihr aber auch eine einzige suggestive Angstreaktion summarisch anwachsen zur sinnlosen Panik, wie umgekehrt eine Einzelzustimmung bis zur Strohfeuerbegeisterung. Es fehlen eben der Nur-Maffe der fundamentale Halt und die Ausrichtung auf ein ethisches Ziel, bie sich äußert als G e m e i n f cf) a f t s t b c e unb Gemeinschaffsmoral.
Ein Kompanieverb and mit gleichen Abze ichen, gleichen Kommandoverhältnissen unb gleichen Le- bensbebingungen ist an sich zunächst nur Masse. Zur Gemeinschaft wirb er erst durch eine zielklare Erziehung zusammengeschweißt. Gemeinschaft liegt also nicht im Aeußerlichen. Fortgefetztes Organisieren und Machen in Gemeinschaft
Theoretisch erwägt man schon lange die Entwicklung des Strafosphären-Fluazeugs, da in Höhen von etwa 16 Kilometer und darüber Geschwindigkeiten von etwa 1000 km in der Stunde durchaus möglich erscheinen. Die Schaffung eines brauchbaren Stratosphären-Kriegsflugzeuges wurde umwälzend auf die gesamten Ansichten über bie Einsatzmöglichkeiten der Luftwaffe wirken, da in diesen Höhen mit den zur Zeit bekannten Mitteln eine Erdabwehr ausgeschaltet wäre. Die Lösung der Frage des Stratosphären-Kriegsflugzeuges dürfte aber noch in weiter Ferne liegen. Wenn auch schon der Bau von Motoren, die in diesen Höhen noch genügend Leistung abgeben, möglich erscheint, so bietet die Frage der Unterbringung ber Besatzung außerordentliche technische Schwierigkeiten. Der naheliegende Gedanke einer luftdicht abgeschlossenen drucksiche- r en Sabine für die Besatzung stellt an bie Technik Aufgaben, die mit den heutigen Mitteln noch nicht ohne weiteres zu lösen sind. Ebenso bereitet die Anordnung der Bewaffnung, sofern es
Die Kultur des deutschen Soldatentums.
Von Major a. D. von Kaiser.
Der Repräsentant des deutschen Soldatentums ist das Offizierkorps. Der Offizier ist ber einzige, ber sich den Solbatenftanb zum Lebensberuf auserwählt hat, in dem also bie soldatischen Eigenschaften sich am stärksten auswirken. Seine geistige, seelische unb sittliche Eigenart strahlt aus auf bie Untergebenen, bie feiner Erziehung anvertraut finb. Von ber Sultur bes Offizierkorps hängt daher bas innere Wesen ber ganzen Wehrmacht ab.
Man hat in Bezug auf bas deutsche Offizierkorps von „Wehrkultur" gesprochen, unb bieser Begriff gibt in ber Tat sehr glücklich bie vollkommene Verschmelzung soldatischer Lebenshaltung mit ben Werten roieber, bie auf allgemeinen kulturellen Gebieten liegen. Sein anberer Staub hat wohl eine so ausgesprochene, alle seine Mitglieber so gleichmäßig umfassenbe Persönlichkeitskultur herausge- bitbet, wie ber Offiziersstand. Das liegt an der starken, im Heere herrschenden Tradition unb einer entsprechenben Erziehung, bie, vom Altpreußentum ausgehend, auch diejenigen Mitglieder unwiderstehlich in ihren Bann zieht, bie noch nicht in diesen Traditionen aufgewachsen finb. Dazu gehört vor allem der Begriff ber Stanbesehre, die jeden Offizier verpflichtet, feine eigene Ehre genau so wie die des ganzen Standes heilig zu halten, etwas Unehrenhaftes weder zu tun, noch zu erdulden und mit feinem Leben für feine Ehre zu haften. Mit diesem strengen Ehrbegriff, ber bie höchsten Anforderungen an bie sittliche Persönlichkeitserziehung stellt unb damit bie hervorragende Stellung bes deutschen Offiziers in ber Wehrmacht, im Staat unb in der Gesellschaft begründet hat, ist eine gewisse Distanzierung nach außen, ein in sich geschlossener Korpsgeist verbunden, der in vielem an die Auffassung von Sitte und Sultur im alten Sparta er-
ausgerichteten Manneszucht fein. Die weiteren soldatischen Grundtugenden: insbesondere Gemein- schafts- und Ehrgefühl sowie Treue, Gehorsam, Ritterlichkeit lassen sich auf diesem Erziehungswege mit erwerben. Sie helfen dann gleichfalls dazu, den einzelnen herauszureißen aus feinem Jch- komplex — und ihn Distanz von allem Kreatur- lichen (also auch vor seiner Angst) gewinnen zu lassen Pflicht-, Ehr- und Gemeinschaftsbewußtsein sind die stärksten Aktivpunkte jeder Persönlichkeit und müssen deswegen rechtzeitig unb energisch mobilisiert werden. Wer Pflichtbewußtseln, Ehr- unb Gemeinschaftsgefühl besitzt, wirb seinen Führer und feine Sameraben in der Gefahr nicht im Stich lassen, auch nicht aus Angst.
Die Angst e r st im entscheidenden Augenblicke bekämpfen zu wollen, ist immer ein problematisches Mittel. Es ist zwar schon wichtig, daß in kritischen Situationen der Führer nicht versagt, sondern besonnen und kaltblütig bleibt, daß er festes Vertrauen auf feine Anordnungen und zu feinen Leuten zeigt, daß er die ©efamtfhmmung rechtzeitig belebt durch kleine Erfolge, die er mit großer Sorgfalt eingeleitet hat, daß er für unbedingte Aufrechterhaltung der Disziplin sorgt, daß er gelegentlich auch nicht vor Harte und Zwang zuruckschreckt trotz aller menschlichen Güte, die ihn sonst eignen soll. Die Hauptarbeit aber muß vor - h e r getan fein. Im Augenblick der Gefahr können nur Notmaßnahmen geboren werden, und von diesen dürften sich manche als unzulänglich oder gar als unsinnig erweisen. Ratschläge und eindringliche Ermahnungen, „sich zusammenzunehmen, Energie aufzubringen, keinen törichten Vorstellungen Raum zu geben u. ä." dürften dem nut der Angst Ringenden wie Sarkasmus und Ironie klingen. Helfen können ihm eigentlich nur die starken, mitreißenden F ü h r e r p e r s ö n l i ch k e i t e n ober bie, beten ruhige Besonnenheit fern ungeschmälertes Vertrauen erworben hat, vor allem hilft ihm aber das burch lange und tonfeguente Erziehung tief in ihm selbst verankerte Bewußtsein: „Du mußt unb kannst durchhalten, weil es deine Pflicht erfordert".
Aber nur die Truppe kann Angst und Grauen
überwinden, die erzogen ist zum vorbehaltslosen Gemeinschaftsgefühl, zum Kameradschaftsgeist, zur einsatzfreudigen Hingabe an ihren Führer, zur Ehre, zum Gehorsam, zur Treue, zur Manneszucht und Mannhaftigkeit, kurz gesagt: zum unbedingten Pflichtbewußtsein.
Es kommt also für die soldatische Erziehung darauf an, beim einzelnen die Organisation seines Jchs planvoll und fest zu fügen, die elementaren Triebschichten abzudecken und zu verschließen, — nicht nur äußerlich durch verlogene Fassaden, die keiner Erschütterung standhalten, sondern durch kritische und wahre Selbstzucht. Diese erfordert, daß sich der Soldat löst von dem triebhaften Leben im Ich unb aufgeht in ber Welt ber Werte, der Ideale und ethischen Sinngebungen. Daß deutsche solda- tische Erziehung dieses hochgespannte Ziel zu erreichen vermag, beweist ber Weltkrieg. Vier Jahre ber gesamten Welt mit allen ihren Mitteln und Kräften zu trotzen, Hunger Entbehrung, Schmerzen, Tod der Besten und namenloses Leid zu ertragen, bas bebeutet eine Belastungsprobe, die nicht jedes Wertgefüge aushält. Das kann niemals mit einem Achselzucken als sinn- und ideallos abgetan werden.
Der Schwerpunkt des Kriegserlebens lag für den schlichten Soldaten in der Bereitschaft zum Opfer seines Selbstes für die Gemeinschaft, also in ber unbedingten Hingabe an die gewaltige Pflicht; diese hob ihn hinaus über Grausen und Schrecken zum heldenhaften Stehen über aller Angst. Der Sinn des unvergleichlichen Opferganges unseres Volkes ist ein gleicher. Es mußte hindurch durch Leid, Lähmung, Erschütterung, Entsagung, Wirrnis und Verzagtheit, mußte diese überwinden durch vertieftes Erleben des Ehr-, Gemeinschafts- und Pflichtgedankens, um ein noch festeres, mehr geeintes und damit glücklicheres Reich zu schaffen, trotz Versailles. Dieses auf soldatische Lebenshaltung gegründete Reich muß notwendiger, weise werden zu einem „Reich der Pflicht", in dem der einzelne sein Ich preisgrbt für bie Volksgemeinschaft uitb in ihr unb mit ihr start wirb.
innert.
Nicht materielles Wohlleben, sonbern ber kategorische Imperativ der Pflicht, der von ihm das Höchste, die Führung im Kampf für Volk und Vaterland verlangt, drückt dem Tun und Lassen des deutschen Offiziers den Stempel auf. Die große Masse der deutschen Offiziere ist seit jeher arm und bedürfnislos, oft bitter arm und daher nicht in ber Lage, sich diejenigen kulturellen Werte, die nur durch Geldmittel zu erreichen find, zu verschaffen. Die altpreußifche Einfachheit des Offiziershauses ist sprichwörtlich geworden, und doch sind in ihr tiefe und für das ganze deutsche Volk wirksamere Kulturwerte verborgen als in manchen reichen Häusern, die mit erlesenem künstlerischem Geschmack ausgestattet sind. Der Rassenforscher Günther nennt bie Offiziere eine in „leiblicher unb seelischer Hinsicht so ausgewählte Bevölkerungsschicht", unb in dieser rassischen Auslese liegt nicht zuletzt bie kulturelle Bebeutung ber deutschen Offiziersfamitten für Volk unb Staat begrünbet. Angeboren unb anerzogen, weniger durch Belehrung als durch das Beispiel der Eltern, ist den deutschen Offizierskindern dieser selbstverständliche soldatische Lebensstil, dem äußeren Prunk wenig, sittliche Reinheit, Ehrgefühl Selbstbeherrschung und enge Verbundenheit mit dem deutschen Volkstum alles ist.
In politischen, weltanschaulichen, sowie allgemein geistigen unb künstlerischen Fragen ist das deutsche Offizierkorps, feiner Persönlichkeitskultur entsprechens stets dort zu finden, wo nordisch deutsches Wesen, wo die Auslese der Besten führend ist. Die rege geistige' Tätigkeit im ©eneralftabe, in ber Kriegsakabemie unb innerhalb ber einzelnen Offi- zierkorps vollzieht sich tm engsten Anschluß an bas allgemeine geistige Leben ber Nation. Aber diese Tätigkeit beschränkt sich nicht auf bie passive Teilnahme an ben deutschen ©eiftesgütern, vielmehr haben viele hervorragenbe deutsche Solbaten bie deutsche Geisteswissenschaft unb Literatur um kostbare Werke vermehrt. General von Clausewitz war ber hervorragenbste Kriegsphilosoph alle Zeiten unb Gneisenau ein bebeutenber Kunstkritiker unb feinsinniger lyrischer Dichter. Moltkes staatswissen- schaftliche, kriegshistorische unb politische Arbeiten finb unübertrefflich in ihrer umfaffenben Gesamt-
reitet die Anordnung der Bewaffnung, sich nicht ausschließlich um starre Waffi bie außerhalb dieser Kabine am Rumpf ober ben Flügeln angebracht werden können, erhebliche Schwierigkeiten. Auch die Unterbringung bes Lichtbildgeräts, der Visier-Einrichtungen usw. scheint vorläufig kaum durchführbar, wenn der unter allen Umständen nötige vollkommen luftdichte Abschluß erreicht werben soll. Selbst die Anbringung von genügen!) großen Fenstern, die notwendig sind, um bie für Kriegsflugzeuge unbedingt erforderliche Sicht zu gewährleisten, stellt heute noch ein äußerst schwieriges Problem bar, da bis jetzt nur kleine Bullaugen einwandfrei abgedichtet werden können. Man muß bei der Betrachtung der technischen Ent- wicklungsmöglichheiten die Grenzen des mit den heutigen Mitteln Erreichbaren beachten.
Erdabwehr erzwungenen großen Flughöhen bringen für die Flugzeugbesatzung große Nachteile mit sich, die zur Folge haben, daß die Fortschritte auf dem Gebiet der Bewaffnung, der Zielgeräte für Bombenwurf usw. teilweise wieder aufgehoben werden. Das Fliegen in großen Höhen stellt trotz Verwendung von Sauerstoffgerät heute noch solche Anforderungen an die Leistungen der Besatzung, daß in vielen Fällen nicht mehr mit präziser Bedienung der Waffen und der Abwurf- und Visiergeräte gerechnet werden kann.
Die weitere Leistungssteigerung in bezua auf Geschwindigkeit und Gipfelhöhen führt uns schon b i s an die Grenze der physischen Leistungsfähigkeit des Durchschnittsmenschen. Vor allem wird sich das bei solchen Flugzeugarten geltend machen, deren Erfolg, wie z. B. beim Jagdeinsitzer, Jagdzweisitzer und Sturzbomber, unbedingt von einer bestimmten Wendigkeit und Steigfähigkeit abhängig ist. Den mit der immer mehr erhöhten Steigfähigkeit und Sturzfluggeschwindigkeit auftretenden Beanspruchungen ist der menschliche Organismus nur bis zu einer Grenze gewachsen, die heute schon nahezu erreicht ist. Dasselbe gilt ganz besonders von den bei hohen Geschwindigkeiten im Kurvenflug oder beim Abfangen aus dem Sturzflug auftretenden Beschleunigungswerten.
Wie stark das Problem der - B e w a f f n u n g die maßgebenden Fachleute beschäftigt, läßt sich aus den vielen, die verschiedensten Vorschläge bringenden Abhandlungen in der Fachpresse entnehmen. Auch hier gehen die Ansichten so auseinander, daß der eine in der Verwendung zahlreicher MG. mit hoher Feuergeschwindigkeit und der dadurch bedingten dichten Geschoßgarbe, der andere in einer Waffe, die auf sehr große Entfernungen genauestes Schießen gestattet, also sozusagen i m gezielten Einzelschuß, die beste Kampfmethode sieht, während noch andere Fachleute das Flugzeug mit einer möglichst großen Anzahl von Kanonen bewaffnet sehen mochten.
Es würde im Rahmen dieser Studie zu weit führen, alle diese Vorschläge zu behandeln. Es würde auch zu weit führen, alle Probleme nebensächlicherer Natur, die sich aus den verschiedenen Theorien über die Entwicklung des Flugwesens erheben, zu erörtern. Dabei können aber Fragen, die bei flüchtiger Betrachtung nebensächlich erscheinen, wie z. B. eine einwandfreie Geräuschdämpfung des Motoren- und vor allem des Luft- , schraubengeräusches, von außerordentlicher Bedeutung werden. Die ganze Organisation der Erdabwehr, die z. B. bei Nachtangriffen 'zum großen Teil auf die Wahrnehmung des Geräusches durch Horchgeräte aufgebaut ist, kann mit der Er-
schau über alle menschlichen Verhältnisse, ihrer I wunderbaren Klarheit und ihrem klassischen Stil.
Und die kriegswissenschaftlichen Schriften des Feld- 1 marschalls Grafen Schliessen, des genialen Lehr- ' meifters neuzeitlicher Kriegführung, dann aber auch fein gewaltiger Kriegsplan find Kulturleistun- । gen allerersten Ranges, lieber letzteren sagt Dr. < Simoneit-Berlin in feiner vom Psychologischen Laboratorium des Reichskriegsministeriums herausgegebenen Broschüre „Kutturleistungen des deutschen Offizierkorps" u. a.: „Einen solchen Plan konnte ein Mann mit dem Gewissen eines Schliessen nur ansetzen auf Grund der Ueberzeugung, daß ein Volk und ein Heer hinter ihm standen, die in Bezug auf Pflichtgefühl, Einsatzfreudigkeit, Disziplin und Vertrauen zur Führung einen Höhepunkt der Entwicklung erreicht hatten. Die Tatsache des weitgehend gelungenen Einsatzes eines solchen gigantisch-kühnen Planes darf daher als ein Zeichen hoher Kultur des ganzen Volkes gewertet werden, die durch die Schule der deutschen allgemeinen Wehrpflicht und unter Führung des Schlieffenfchen Generalstabes geschaffen war."
Neben diesen ganz Großen haben sich noch vieles


