Ausgabe 
10.2.1937
 
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nr.54 Erster Blatt

187. Jahrgang

Mittwoch, Itt.Mruar 1957

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Das italienische Defriedungswerk in Aethiopien.

Bolschewisten unter sich.

Bon unserem Or. E. S -Berichterstatter.

Seinen Kopf hat er so oder so verspielt. Es fällt ihm also nicht schwer, im Tone einer auswendig gelernten Lektion auf dem Prozeß zu erzählen, daß erTrotzkist" und japanischer Spion fei. Natürlich hat er absichtlich die Katastrophen provoziert. Nicht alle zweitausend, sondern nur 15. Es bleiben also die übrigen 99 v. S). für das Schuld-

Die Mitteilungen über die Gründung der deutsch-italienischen Bergbaugesell- chaft ließen den Blick von den spanischen Wir­ren einmal wieder nach Italienisch-Ostafrika wan­dern. Dort vollzieht sich fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit der Aufbau des Imperiums. Die lästigen Versuche der Einmischung hat Italien chnell überwunden. Heute ist durch das Abkom­men mit England, das damit das neue Kaiserreich allerdings noch nicht anerkannt haben will, die Situation im Mittelmeer bereinigt, wenig­stens soweit sie durch die Eroberung Abessiniens herbeigeführt war. Frankreich hat dieses Ab­kommen gewissermaßen ohne Worte legalisiert, und keine Macht der Welt könnte heute mehr Italien den neuen Besitz streitig machen. Zum Ende des vergangenen Jahres nach Beendigung der Regen­zeit wurde auch die westliche Hälfte Abessiniens erobert, und die Stammesfürsten beeilten sich, dem Eroberer ihre Huldigung entgegenzubringen. Es sind nur ein paar Aufrührer gewesen, die ver­bannt werden mußten. Im übrigen geht Italien nun daran, friedlich auch die Herzen der Aethiopier zu erobern. Die Zeiten sind vorbei, in denen man mit Feuer und Schwert ganze Völker ousrottete. Italien legt es darauf an, ein umfassendes Befriedungswerk durchzuführen, um desto reibungsloser das Aufbauwerk vorantreiben und das Tempo der Eroberung nun auch auf die Zioi- lisierung übertragen zu können.

Im ganzen Land ist bereits die Militärverwal­tung durch Zivilverwaltung abgelöst. Es gibt keine größere Siedlung, in der nicht schon ein örtlicher Fascio errichtet wäre. Es gibt bereits eine einheimische Liktorenjugend, und die ersten ita­lienischen Transporte, die nach Addis Abeba roll­ten, enthielten die bekannten weißen Uniformen mit den roten Schärpen. Italien weiß, wie man die Farbigen gewinnen muß. Niemanden kann es da­her wundern, wenn heute schon der Fascistenguß heimisch geworden ist und die Jugend auf ihren Märschen die Lieder der faschistischen Revolution

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, Februar 1937.

I.

Im Zentrum Moskaus, nahe am Kreml, liegt das frühere Palais derAdelsver­sammlung, ein schönes, im klassischen Stil ge­haltenes Gebäude, wo in alten Zeiten die glän­zenden Feste, die prunkvollen Veranstaltungen der Moskauer Aristokratie stattgefunden haben. Nach der Revolution zumHaus der Gewerkschaften" geworden, ist dieses Palais heute in der ganzen Welt ebenso bekannt als Tagungsort der Komin­ternkongresse, wie als traditionelle Gerichtsstätte der großen Moskauer Schauprozesse. Hier haben die Moskauer Machthaber in den Tagen vom 23. bis 30. Januar in der Verhandlung gegen Pjatakow, Radek und Genossen wiederum das Tribunal zur Szene gemacht". Es ist nachgerade zur Genüge bekannt, daß Moskauer Prozesse nichts mehr mit den landläufigen Begriffen vonJustiz" zu tun haben. Sie sind vielmehr als rein po­litische Akte anzusehen, als Manifestationen des herrschenden Regimes, als dramatisierte p o l i -

singt.

Bereits in der Zeit, als der Westen noch nicht erobert war, wurde in der östlichen Hälfte fieber­haft gearbeitet, lieber 100 000 Arbeiter sind es, die Tag für Tag aus ihren kasernenmäßigen Unter­künften in die sengende Sonnenglut hinaus müssen, um Straßen zu bauen. Das große Projekt der 2800 Kilometer umfassenden Verbindungs­straßen zwischen Dessie, Gondar, Asmara und Addis Abeba ist nur ein wenn auch wichtiger Teil der Gesamtplanung an Straßen, die zur Er­schließung des Landes notwendig und in Ausfüh­rung begriffen sind. Diese neuen Verkehrslinien sollen in zwei Jahren fertig sein.

Darüber hinaus gibt es keinen größeren Ort, in dem nicht schon neue Bauten aus der Erde wachsen. Vor allem sind es Beamtenwoh­nungen, die errichtet werden. Geradezu gewaltig ist das Tempo, das in der Haupt st a d t selbst vorgelegt wird. Die italienischen Architekten Debbio, Ponti und Vaccaro haben während der Regenzeit einen umfassenden Bebauungsplan ausgear­beitet, der vom Duce genehmigt wurde und jetzt in Angriff genommen ist. Eine regelrechte Vermal- tungsstadt ist im Werden, und soeben legte der Dizekonig den Grundstein für einen In te n d an­tu rp al ast.

Das Kapital für alle diese Bautene schöpft Italien vorerst natürlich aus eigenen Mitteln. Dar­über hinaus weiß man aber auch die Interessen der italienischen Wirtschaft, ja auch des Auslandes in geschickter Weise nutzbar zu machen. So werden Ge­sellschaften einzelner Berufsgruppen gebildet, um z. B. Farmen zu errichten, oder Industrien zu entfal­ten, oder den Handel in Gang zu bringen. So ist auch die Gesellschaft entstanden, die den Bau und den Betrieb von H o t e l s übernommen hat. Man ist auch bereit, in gewissen Grenzen und unter bestimm­ten Kautelen ausländische Kapitalgrup­pen zuzulassen, denn nach einem Kriege, der 12,4

tische Propaganda.

Die Frage nach Wahrheit, nach Recht und Un­recht für eine solche Veranstaltung aufzuwerfen, er­übrigt sich: denn niemals in der Geschichte hat sich die Justiz mehr von ihren Grundlagen entfernt als im Sowjetstaat. Selbst von politischer Zweckjustlz zu sprechen, ist nicht mehr möglich: wenn man vom äußeren Bilde der Prozeßveranstaltung absieht, bleibt von .Lustiz" im landläufigen Sinne über­haupt nichts mehr übrig. Die A n t i j u st i z ist hier zum System erhoben, obwohl man in diesen Schau­spielen Staatsanwalt und Gericht, Angeklagte, ja sogar schattenhafteVerteidiger" auftreten sieht. In jenem kleinen Saal des Gewerkschaftshauses, wo man immer wieder dieselben Figuren als handelnde Personen beobachtet, vomBürger Oberprokuror' Wyschinski, von dem berüchtigten Gerichtsvor­sitzenden, demArmeejuristen" Ullrich und seinen gleichfalls militärischen Beisitzern in Generals­uniform bis zu den schnauzbärtiaen GPU.-Wacht- meistern, hat Themis nichts zu suchen, denn hier geht es nicht um Recht und Unrecht, hier spielt sich ein politisches Geschehen ab, historische Gegensätze innerhalb der bolschewistischen Parteigewaltlgen werden hier ausgetraqen, für die Mißstände einer Wirtschaft, die ja im Grunde alsunfehlbar" aus- qegeben wird, werden hierErklärungen" gegeben, was als ständiger Alpdruck auf dem Regime und seinen Trägern lastet, wird hier dramatisiert und abreagiert. Eben deshalb aber sind dieseProzesse nicht nur in ihrem grotesken Lügengebäude für die nicht mehr zu überbietende Infamie ihrer Veran­stalter bezeichnend, einer Infamie, die jedermann, der nicht in diesem Gerichtssaal gesessen hat, in den Bereich der Phantasie verweisen würde son­dern sie beleuchten auch scheinwerferartig die Hin­tergründe dieses Regimes und das wahre Gesicht der Machthaber.

Heber sieben Tage Sowjetprozeß ließen sich sieben Bücher schreiben. Wir werden nicht die Figuren aller jener 17 Angeklagter, vorgeblicher Staats­feinde, Terroristen, Hoch- und Landesverräte Banditen, Mörder, Spione und Saboteure nachzeich- nen, obwohl es sich wahrhaftig verlohnen würde. Wie in jedem großen Sowjetprozeß tauchten auch diesmal wieder die drei Gruppen auf, die zum eisernen Bestand der sowjetischen Anklagebank ge­hören: die eigentlichen Objekte der Anklage, die wil­ligen Opfer (als Nebenfiguren) und die reinen Pro­vokateure als Komparsen. Die reinen Provokateure auf diesem Prozeß (z. B. Arnold, Grasche. Puschm, Schestow u. a.) haben das phantastische Beiwerk für die Massenpropaganda zu liefern, wie mißglückte Attentate, vorsätzliche Diversionsakte, Spionage­abenteuer usw. Die Opfer sind saumselige, fahrlässige oder einfach mißliebig gewordene Sowjetbeamte (die ewigen Tschinownik's!), an denen man für die Masse der untauglichen, schlechten Apparatleute e i n Exempel statuieren will. Diese Kategorie war geradezu klassisch verkörpert in den Angeklag­ten Knjasew, Lifschitz, Stroilow u. a. Natürlich sitzen Tausende solcher für Mißstände, Katastrophen und Verluste verantwortlich gemachter Sowjetbeam­ten in den GPU.-Gefängnissen. Ohne mit der Wim­per zu zucken, pflegt das Regime sonst mit ihnen abzurechnen. Es ist nur ein Bruchteil dieser Unglücklichen, die man auf den großen Prozessen auftreten läßt. Sie haben dann sozusagen als die kleinen Exekutivbeamten der großenKonterrevolu­tionäre" undVerschwörer" in Erscheinung zu tre­ten, und die Verbindung zu schaffen zwischen den chronischen Mißständen der Wirtschaft zu demge­genrevolutionären Zentrum", das alle diese Schä­den natürlich angestiftet und verursacht hat.

Nennen wir einige Beispiele: Das Eisenbahn­wesen der Sowjetunion hat, so will es die Pro­paganda, einengigantischen" Aufschwung genom­men. Die Tscheljabinsker Eisenbahnlinie aber hat im Jahre 1934 anderthalbtausend, im Jahre 1935 zweitausend Entgleisungen, Zusam­menstöße und Katastrophen zu verzeich­nen. Was folgt daraus? Hier sind Schädlinge, Saboteure, Feinde am Werk. Der Direktor dieser Linie war der Angeklagte Knjasew. Er wurde im Sommer des vorigen Jahres verhaftet.

konto unbekannter Trotzkisten übrig. An seiner Stelle könnte auch der Direktor der Eisenbahnen von Tomsk, Omsk oder Irkutsk stehen. Sicherlich ist die Zahl der Eisenbahnfunktionäre in den GPU.- Gefängnissen nicht gering! Knasew aber empfiehlt sich durch seine Willfährigkeit als Sündenbock. Also kommt er auf die Anklagebank. Er würde auch Spionage zugunsten von Venezuela oder Honolulu eingestehen. ......

Oder: UKK., das Ural-Kusnetzker-Kombmat, ist die waghalsigste Planung der S o w j e t Montan­industrie, maßgebliche Autoritäten bezweifeln, daß sie jemals rentabel sein wird. Die Sowjetwirt­schaft aber ist seit dem Vorjahre, wie die Propa­ganda verkündet, rein aufchosrastchet", d. h. auf Rentabilität eingestellt. Wie reimt sich dies zusam­men? Wieder ist die Antwort einfach: Schädlinge, Diversanten, Spione sind am Werk. Das sollte schon der Nowosibirsker Prozeß beweisen. Das mußte auf dem Moskauer Trotzklstenprozeß wieder vorgeführt werden. Trotzkisten und deutsche Spione haben das Kusnetzker Kohlen­gebiet, wo nachweislich alles drunter und drüber geht, zu ihrem Tätigkeitsfeld erkoren. UKK. ist da­mit wieder einmal für die Allweisheit der Sowjet­wirtschaftgerettet", die Hunderttausende der Zwangsverschickten oder Halbverschickten wissen jetzt, wem sie ihr elenbes Leben zu verdanken haben: dentrotzkistischen Hunden" und dendeutschen Faschisten". .v

Ein drittes Beispiel: Die chemisch eJndu- ftrte ist das Sorgenkind der sowjetrussischen Rü­

stungswirtschaft. Milliardenaufwände können dem nicht abhelfen. Der Leiter desWsechimprom", der Hauptverwaltung der chemischen Industrie" für ganz Sowjetrußländ, der Angeklagte Ratait- s ch a k, wird verhaftet. Auch er erweist sich als will­fährig und nimmt gerne, zweifellos in der Hoff­nung, feinen Kopf noch zu retten, die Ehre auf sich, selbst (!) Explosionen und Katastrophen in den che­mischen Werken angestiftet und Landesverrat zugunsten Deutschlands getrieben zu haben (!!) Und schließlich: daß gerade Pjatakow, der geistige Urheber und Organisator der Industria­lisierung Rußands auf diesem Prozeß als Erzoer- räter und Zerstörer figurierte, gehört, wenn auch nicht ausschließlich, in dieselbe Richtung.

Schwere Schlägerei

in »er belgischen Kammer.

Weshalb der Kammerpräsident die Bolschewisten besuchte.

Brüssel, 9. Febr. (DNB.) In der belgischen Kammer kam es zu heftigen Schlägereien zwischen den verbündeten Rexisten und Nationalsten gegen Sozialdemokraten und Kommunisten. Während etwa 40 Abgeordnete aufeinander einschlugen, bewarfen sich die anderen mit den ledernen Gesetzesbänden. Ein flämischer Nationalist wurde niedergeschlagen und mußte aus dem Saal gebracht werden. Der

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Mussolini empfing im Palazzo Venezia den aus dem Kriege bekannten Heerführer Ras S e y u m und andere Stammesfürsten, die ihm ihre Huldigungen darbrachten.

(Associated-Preß-M.)

Milliarden gekostet hat, kann nicht sofort ein Kapital zur Verfügung stehen, das für alle diese Planungen notwendig ist.' Es ist bekannt, daß amerikani­sches und auch englisches Kapital auf die Stunde wartet, um investiert werden zu können. Das große Interesse, das sich z. B. bei Vergebung von Schiffahrtskonzessionen zeigte, ist dafür genügend Beweis. Italien kann es sich leisten, das Ausland einzuspannen, weil es weiß, wie groß die Schätze des Bodens sind, über den es Herr ge­worden.

Daß trotz alledem noch sehr viele Schwierigkeiten zu überwinden sind, liegt auf der Hand. Sie sind durch die Weiträumigkeit und Unerschlossenheit des Landes gegeben. Auch ist der Widerstand der ein­heimischen Bevölkerung gegen die europäische Zi- vilisierung nicht von heute auf morgen überall zu überwinden. Die 10 0 0 0 italienischenKaus- leute, die teils eigens herübergekommen sind, teils aus dem Heere stammen, haben es bei den strengen Einfuhrbestimmungen ohnehin nicht leicht. Noch find die Kosten des Transportes von Waren ungeheuerlich groß, so daß man schon über hinreichend eigene Mittel verfügen muß, um rechtzeitig und genügend liefern zu können. Heute noch kostet der Transport von einer Tonne Waren zwischen Djibuti und Addis Abeba zwischen 600 und 2000 französische Franken. Solange die Bahn noch die einzige Verbindung ist, wird das so bleiben. Nicht weil die Gesellschaft in französi­schem Besitz ist und Italien in ihr nur eine beschei­dene Rolle spielt, sondern weil der Verkehr wegen der Ueberlastung der Strecke keine Planmäßigkeit aufweist und der einheitlichen Lenkung entbehrt. Doch denkt Italien vorerst nicht daran, diese Strecke auszubauen. Man ist der Auffassung, daß man als Rechtsnachfolger des Negus ohnehin eines Tages das bekommt, was einem zusteht. Ueberdies hält man den Bau von Autostraßen für Last­wagen für viel bedeutsamer, allein aus Erwägun­gen der künftigen Rentabilität. So baut man zur Entlastung die Straße zum Hafen nach A s s a b und hofft, daß es in Bälde möglich ist, eine Verbindung nach Englisch-Som a li­la n d durchführen zu können.

Um das Bild der Schwierigkeiten für die neuen Kaufleute zu vervollständigen, muß auch der K o n» kurrenz der Einheimischen Erwähnung getan werden. Durch die italienische Presse ging das bezeichnende Beispiel, nach dem es einem Levanti­ner gelang, einen Waggon von Spirituosen in für* zester Frist nach Addis Abeba zu bringen, während die dringlichen Transporte von Lebensmitteln der Kaufleute einfach auf der Strecke liegen blieben. Verdient haben dabei sämtliche Stationsvor-skher. .Die einheimischen Händler machen sich öie' natür­lichen Schwächen ihrer Eroberer zunutze. Daber haben sich die italienische und französisch-äthioaische Handelsgesellschaft zusammengeschlossen und i!ren Bestand an Maria-Thersientalern zur Verfügung gestellt, um den italienischen Händlern die Vor­lasten für die Einfuhr zu erleichtern. Denn die Banca d'Jtalia gibt nur eine Einfuhrgenehmigung, wenn die Ladegebühren in Djibuti bezahlt sind

Man hat im Ausland auch darauf verweisen zu müssen geglaubt, daß diese vereinzelt auftretenden Widerstände in der Bevölkerung auf lange Sicht noch schwere Belastungen mit sich bringen werden. Man glaubt, daß vor allem die religiöse Si- t u a t i o n, wie sie sich nach der Eroberung darstellt. Keime einer gefährlichen Entwicklung in sich trage. Es ist bekannt, daß der Islam durch die Ein­beziehung von Eritrea und Jtalienisch-SomaUland in das neue Italienisch-Ostafrika die Mehrheit dar- stellt und das koptische Christentum aus seiner Vormachtstellung als Staatsreligion ver­drängt worden ist, zumal dasGesetz über die Ver­waltung von Italienisch-Ostafrika" den Mohamme­danern weitgehende Autonomie gewährt. Doch Ita­lien wird gewußt haben, warum es diese Gleich­stellung des Islam vornahm, denn es ist mit der Eroberung Abessiniens weit stärker in die islamische Welt und ihre vielfältigen Zusammenhänge hinein- gekommen. Es nimmt so Rücksichten, die bei dem augenblicklichen Stand der islamischen Entwicklung notwendig sind.Italien ist heute eine islami­tische Macht", so erklärte die italienische Presse noch kürzlich, und es ist bezeichnend, daß bei den groß- ßen Huldigungsfeiern in Addis Adeba auch eine starke Abordnung islamischer Notabein, sogar aus

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Präsident hob schließlich die Sitzung auf und ließ die Tribünen räumen.

Die Zwischenfälle entstanden durch eine Mei­nungsverschiedenheit zwischen dem Kammerpräsi­denten Camille Huysmans und der rexistischen und nationalistischen Opposition. Der sozialdemo­kratische Kammerpräsident hatte im Auftrage her Zweiten Internationale eine Reise nach dem von den Bolschewisten besetzten Teil Spaniens unternommen und war dort gegen die Nichtcin- mischungspolitik der belgischen Regierung zu Felde gezogen. Die Opposition verlangte nun, daß der Kammerpräsident Rede und Antwort stehe. Huys­mans lehnte diese Forderung ab und erklärte, nur im Rahmen einer Aussprache über das außen­politische Budget Stellung nehmen zu wollen. Die sich hieraus entwickelnde Auseinandersetzung führte zu den geschilderten schweren Schlägereien.

Die Vorgänae waren politisch aufschlußreich, weil sich die katholische Rechte zum ersten Mal offensichtlich von den Sozialdemokraten distanzierte. Während die sozialdemokratische Linke sich schützend vor Huysmans stellte, enthielt sich die katholische Partei jeder Kundgebung für ihn. Als über den Zeitpunkt verhandelt wurde, wann die Angelegenheit zur Sprache kommen sollte, verlangte die Rechte ebenso wie die Rexisten und Nationalisten die sofortige Erledigung der An­gelegenheit. Schließlich einigte man sich/ Mittwoch das ganze Problem im Rahmen der Aussprache über das außevnnsitische Budget aufzurollen.