löschens Anwartschaft lebt wieder auf, wenn der Versicherte die zur Einhaltung der Anwartschaft noch erforderlichen freiwilligen Beiträge innerhalb der zwei Kalendermonate nachentrichtet, die dem Kalenderjahr der Fälligkeit der Beiträge folgen Für ein Jahr zurück können freiwillige Beiträge für jeden Monat entrichtet werden. Die Nachentrichtung fehlender Anwartschaftsbeiträge für 1935 ist noch bis zum 31 Dezember 1937, für 1936 noch bis zum 31 Dezember 1938 zulässig Es ist aber nicht ratsam, die Entrichtung freiwilliger Beiträge bis zum letzten Zeitpunkt hinauszuschieben, da nach Eintritt des Dersicherungsfalles freiwillige Beiträge nicht mehr entrichtet werden dürfen.
Fristablauf für Ablösungsaniräge.
in der landwirtschaftlichen Entschuldung.
DNB. Am 31. Dezember 1937 läuft in der landwirtschaftlichen Entschuldung eine für die Gläubiger mündelsicherer Forderungen bedeutsame Frist ab. Diese Gläubiger können in Verfahren nach dem Schuldenregelungsaesetz und nach der Osthilfe-Gesetz- gebuna, die vor Dem 1. Juni 1937 abgeschlossen sind, im Rahmen der Ablösungsoerordnung vom 27. Februar 1937 nachträglich die Ablösung ihrer Forderungen beantragen. Der Antrag ist bis zum Ablauf des 31. Dezember 1937 an das zuständige Entschuldungsamt, im Osthilfeverfahren an den zuständigen Kommissar für die Osthilfe (Landstelle) zu richten, und zwar auch dann, wenn im Ent- schuldungsplan oder Zwangsvergleich das frühere Recht des Gläubigers auf Umtausch seiner Forderung in Pfandbriefe ausdrücklich vorgesehen ist. Nach Ablauf des 31. Dezember 1937 können Anträge auf nachträgliche Ablösung nicht mehr gestellt werden. Ablösungsanträge in noch schwebenden Verfahren sind nicht an die Frist gebunden.
Kostenzuschläge
für Lagerung von Aepfeln.
Fwd. Die Hauptversammlung der deutschen Gartenbauwirtschaft gibt die Lagerkostenzuschläge für die gewöhnliche Scheunen- und Zillenlagerung bei Aepfeln wie folgt bekannt: Zur Abgeltung des bei dieser einfachen Aepfellagerung entstehenden Verderbs wird mit Wirkung vom 10. Dezember 1937 ein Lagerkostenzuschlag von 15 v. H. auf den Einstandspreis gewährt. Die bei der Ein- und Auslagerung entstehenden Unkosten dürfen bis zur Höhe von 0,30 Mark je 50 Kilogramm dem Einstandspreis hinzugerechnet weroen. Bekanntlich wurde dieser Tage auch die Höhe der Pauschalzuschläge für Schwund und Verderb bei der Kühl- und Kaltlagerung von Aepfeln festgesetzt, und zwar bei Kühl- und Kaltlagerung in Höhe von 5 o. H. bei sechswöchiger Lagerung mit Anstieg um je 5 bis auf 20 v. H. von sechs zu sechs Wochen bis zu der 24wöchiger Lagerung. Der Gartenbauwirtschaftsoerband Hessen-Nassau genehmigte angesichts der großen Apfelernte als Anregung zu einer frühzeitigeren Einlagerung schon ab 1. November einen Lagerkostenzufchlag von 15 v. H., zu dem ab 1. Dezember weitere 15 v. H. hinzukommen sollten. Durch die eingangs dargeleate reichseinheitliche Regelung entfällt nun für Hessen-Nassau dieser weitere Zuschlag von 15 v. H., während der Novemberzuschlag von 15 v. H. in seiner Gültigkeit bis zum 10. Dezember, dem Tage der Wirksamkeit der reichseinheitlichen Regelung, ausgedehnt wird.
** Ein Sechsundsiebzigjähriger. Am heutigen Donnerstag, 9. Dezember, kann Herr Friedrich Schäfer, Wetzsteinstraße 32, seinen 76. Geburtstag feiern.
** Eine Schulungstagung der Straßenwärter der Kreise der ehemaligen Provinz Oberhessen findet am kommenden Samstag in Gießen statt.
*• Metstervorbereitungs - Lehrgang. In diesem Winter wird in Gießen der letzte Meistervorbereitungs-Lehrgang für das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe durchgeführt. Diejenigen Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder, die eine abgeschlossene Lehrzeit und mindestens sieben Gehilfenjahre nachweisen können bzw. sieben Jahre ein Geschäft selbständig führen, sind zur Teilnahme berechtigt. Nähere Auskunft erteilt die Deutsche Arbeitsfront m Gießen.
Die Reichsbahn rüstet zu
eihnachten.
Zur glatten Bewältigung des erwarteten sehr starken Weihnachts-Reiseverkehrs wird die Reichsbahn auf allen Stationen für Dollbesetzung aller verfügbaren Fahrkartenschalter sorgen. Trotzdem ist die Dorauslösung der Fahrkarten anzuraten. Festtagsrückfahrkarten, Arbeiterrückfahrkarten und Zuschlagskarten können schon vom 13. 2) e= zember a b gelöst werden. Zweckmäßig ist auch die Bestellung von Platzkarten in Schnellzügen, was in der Weihnachtszeit schon 9 Tage vor Abfahrt zulässig ist.
Auch zahlreiche' Tariferleichterungen sind eingeführt: Festtagsrückfahrkarten gelten vom 22.12. bis 3. Januar. Am letzten Tage 24 Uhr muß die Rückfahrt beendet sein. Kinderreiche Familien erhalten die für sie bestimmte Sondererrpäßigung neben der Ermäßigung für Festtagsrückfahrkarten (% ermäßigt): Arbeiterrückfahrkarten (50 v. H. ermäßigt), die vom 22. bis 25. Dezember gelöst werden, behalten Gültigkeit bis zum 3. Januar. Kurzarbeiterwochenkarten werden in der Weihnachts- woche in diesem Jahre zum ersten Male allgemein ausgegeben, und zwar auf die Antragsformulare der Arbeiterwochenkarten hin.
Die Reichsbahn fährt außerdem in der Weihnachtszeit verbilligte Sonderzüge. Es werden u. a. bei gutem Sportwetter um 60 v. H. verbilligte eintägige Sportsonderzüge zum Vogelsberg und zur Rhön gefahren. Uebrigens gelten die Sonntagskarten zu den Wintersportzielbahnhöfen im Taunus, Vogelsberg, Odenwald, Schwarzwald und der Rhön schon von Samstag 0,00 Uhr ab.
Auch für den Güterverkehr ist weitgehend gesorgt. Vermehrter Einsatz von Packwagen, Lademitteln und Personal ist vorgesehen. Besondere Vorkehrungen sind auch für den Expreßgutverkehr getroffen. Die Expreßgüter kommen genau so schnell wie die Reisenden an ihren Bestimmungsorten an Es sind die umfassendsten Vorkehrungen getroffen, um gerade auf diesem Gebiet allen Wünschen des Publikums gerecht zu werden.
Die Züge werden täglich verstärkt gefahren, besonders an den beiden Kaufsonntagen, dem 12. und dem 19 Dezember. Anstelle der Triebwagen werden Dampfzüge eingesetzt, und unmittelbar vor und nach dem Fest wird eine Unmasse von Sonderzügen gefahren werden.
Die neue Straßenverkehrs-Ordnung.
2(61. Januar 1938 in Kraft.-jn Kürze die wichtigsten Bestimmungen für alle.
Mit dem 1. Januar 1938 tritt die neue Straßen- verkehrs-Ordnuna in Kraft, die mit ihren zum Teil einschneidenden Aenderungen das Ziel hat, rechtzeitig warnend einzugreifen und damit die vielen Verkehrsunfälle auf ein Mindestmaß einzuschränken.
Die sprunghafte Steigerung der Motorisierung Deutschlands seit der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus hat leider auch eine Steigerung der Derkehrsunfälle mit Tausenden von Toten jährlich und Hunderttausenden von Verletzten zur Folge gehabt, gar nicht zu reden von der Vernichtung wertvollen Materials im Werte von Aber- Millionen Reichsmark. Eine durchgreifende Besserung war nur zu erwarten durch eine Zusammenfassung der Gesamtfragen der Verkehrsunfallbekämpfung. In der Mitte des Jahres beschloß die Reichsregierung, sowohl die Exekutive, als auch die Gesetzgebung in eine Hand zu vereinigen. Das Ergebnis sorgfältigster Beobachtung, einer peinlich geführten Statistik und eines gründlichen Studiums erhielt feinen Niederschlag in der vom Chef der deutschen Polizei im Reichsinnenministerium, Reichsführer ff Himmler, und dem Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen Dr. Todt mitgezeichneten Straßenverkehrs-Ordnung des Reichsministers des Innern.
Wir werden unseren Lesern bis zum 1. Januar 1938, dem Tag des Inkrafttretens dieser Verordnung, in Kurzartikeln die wichtigsten Punkte von berufener Seite erklären lassen. Es geht jeden an, ob Fußgänger oder Kraftfahrer, .ob den Benutzer eines Kraftrades oder den Lenker eines Fuhrwerkes, ob den Radfahrer, den Führer einer Straßenbahn ober das Schulkind. Der Erfolg der neuen Verordnung hängt ausschließlich ab von einer echten Kameradschaft aller Verkehrsteilnehmer. Eine flüssige Fahrweise, aber auch größte Sicherheit für Fußgänger und Fahrer kann nur durch eine n ach- tz a l t ig e Besserung der Verkehrsdisziplin aller erreicht werden.
Die neue Verordnung hat rein vorbeugenden Charakter, d. h. sie gibt der Exekutive die Möglichkeit des Eingreifens bereits vor Eintritt eines Unfalls, sie wirkt sich also rechtzeitig warnend aus. Dabei wird ausdrücklich festgestellt, daß die Vorschriften nicht in jedem Falle kleinlich angewandt werden sollen. Bei Unvorsichtigen wird die Polizei belehrend eingreifen, die Leichtsinnigen haben mit kleinen, aber um so unbequemer wirkenden Strafen zu rechnen. Die Rücksichtslosen dagegen trifft unnachsichtlich die härteste Strafe.
Keiner darf geschädigt, behindert oder belästigt werden?
Der große Vorteil der neuen Verordnung liegt zunächst darin, daß für ganz Deutschland eine e i n- heitliche Rechtslage geschaffen worden ist.
So fallen z. B. alle örtlichen Bestimmungen über Verkehrsbeschränkungen ab 1. Januar kommenden Jahres fort. Der § 1 der allgemeinen Vorschriften behandelt die Grundregel für das Verhalten im Straßenverkehr und stellt dabei fest, daß jeder Teilnehmer am öffentlichen Straßenverkehr — das Wörtchen jeder kann nicht stark genug betont werden — sich so zu verhalten hat, daß der Verkehr nicht gefährdet wird-, jeder einzelne muß sich auf der Straße so verhalten, daß kein anderer eine Schädigung erleidet oder belästigt wird. Besondere Beachtung verdient auch die polizeiliche Feststellung, daß keiner mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert werden darf.
Grundsätzlich rechts fahren — aber nur links Überbolen.
Wohl mit die meisten Verkehrsunfälle haben sich bisher beim Ueberholen ereignet. Der Führer eines langsamen Fahrzeuges — um nur ein alltägliches Beispiel herauszugreifen — trudelte gewöhnlich acht- und sorglos in der Straßenmitte — so wurde später von der Polizei festgestellt —, obwohl er bis zur rechten Bordkante 2, 3 und mehr Meter Platz hatte; ein schnellerer Wagen setzte zum Ueberholen an, geriet dabei in die Fahrbahn des entgegenflutenden Verkehrs, das langsame Fahrzeug wich nicht von der Straßenmitte und schon war das Unglück da!
Oie zügige Fahrweise soll nicht behindert sein.
Man könnte dazu bemerken, daß nur dann überholt werden darf, wenn es die Straßenlage und die Uebersichtlichkeit gestatten. Das ist die einzig richtige Ansicht, nach Der sich auch die vorsichtigen und vernünftigen Fahrer verhalten, aber, aber — bann gerät der ganze Fährverkehr ins Stocken. Oft kann man in Großstädten oder auch auf Landstraßen beobachten, daß auf 100 Meter eine lange Fahrzeugkolonne unfreiwillig zusammenklebt, voran hübsch inmitten der Fahrbahn in langsamem Zuckeltrab ein schwer beladenes Pferdefuhrwerk oder ein langsamer Trecker, hinter ihnen eine Schar vorsichtiger, aber mit Recht schimpfenber Fahrer in einem Troß schneller Wagen. Die zügige Fahrweise, wie sie besonbers in der Großstadt gebucht ist, geht an ber Gebankenlosigkeit ober vielleicht auch am Eigensinn eines rücksichtslosen Fahrzeuglenkers flöten!
Immer richtig rechts heran — das ist die neue Parole.
Mit biefem Uebelftanb, bem abzuhelfen bisher keine richtige Hanbhabe vorhanben war, wirb vorn
DerFernsehsendeturmaufdemDrocken.
Vor kurzem würbe ber höchste Fernseh - fenber ber Welt auf bem Brocken im Harz fertiggestellt. Bei ber Höhe bes Brockens von 1142 Meter unb einer eigenen Höhe von 56 Meter erreicht der Turm die 1200-Meter-Grenze. Die winterlichen Tage haben den holzverkleibeten Turm bereits mit einem weißen Kleib versehen. (Voigt. — Scherl-M.)
1. Januar ab endgültig aufgeräumt werden. Ganz klar schreibt jetzt der § 8 ber neuen Straßenver- kehrs-Orbnung vor, baß Führer von Fahrzeugen — soweit nicht wirklich befonbere Umftänbe es oer« Hinbern — ausschließlich auf ber rechten Seite ber Fahrbahn zu fahren haben. Die linke Seite darf nur zum Ueberholen benutzt werden. In einem besonderen Satz wirb in ber Derorbnung mit Nachbruck darauf hingewiesen, daß langsam fahrende Fahrzeuge stets die äußer st e rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten haben. Diese Bestimmung gilt übrigens auch für die Einbahn st raßen. Jeder gewissenhafte Fahrer wird es auch als seine Pflicht halten, auf unübersichtlichen Strecken nur äußerst rechts zu fahren und nicht zu überholen.
Nur so kann es vermieden werden, daß ein Fahrer auf den sträflichen und dummen Gedanken kommt, auch einmal rechts zu überholen; wenn sich
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jeder streng an die Vorschrift hält, äußerst rechts zu fahren, dann kann man an einem langsamen Fahr« zeug nur noch links vorbei, wie es in der Verordnung vorgeschrieben ist.
Und noch eines ist beim Ueberholen sehr wichtig: Während des Ueberholens darf der Führer bes langsamen Fahrzeuges nicht etwa ,beleibigt sein" unb burch starkes Gasgeben bie Leistungsfähigkeit feines Fahrzeuges unter Beweis zu stellen versuchen. „Führer eingeholter Fahrzeuge Dürfen ihre Fahrgeschwindigkeit nicht erhöhen." Diese Vorschrift will das aefahr- bergende „Wettfahren" unterbinden, das leider zu oft von gewissenlosen Fahrern provoziert wird. Aus bem oben Gesagten ergibt sich also bie Schlußfolgerung: „Fahre immer äußerst rechts unb überhole nur links!"
Diamanien-Komödie
Roman von Horst Biernath.
1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Selbstverständlich blieben die vier Männer völlig gelassen auf ihren Stühlen sitzen; in ihren Gesichtern spiegelte sich keinerlei zögerndes Schwanken oder Ueberlegen. Jrn Gegenteil: Wie auf eine geheime Verabredung lehnten sie sich fast gleichzeitig etwas tiefer in ihre Sessel zurück, und Schwarz, als Aeltester und als Sprecher der mer, erlaubte sich zu bemerken, baß er unb seine Kameraden jebe Verantwortung übernähmen — mit einer Einschränkung allerdings: solange sie nämlich noch Atem im Brustkasten hätten.
„Ich danke Ihnen, meine Herren!" sagte Gasparb mit einer Bewegung, als schüttle er über ben Tisch hinweg jebem der vier herzlich die Hand. Dann fuhr er mit gebämpfter Stimme fort: „Um die Sicherheit bes Transports nach bester Voraussicht !u gewährleisten, haben wir uns zu einem Der- obren entschlossen, bas bie Bank von Frankreich einerlei! bei ben großen französischen Golbtrans- porten nach ben Vereinigten Staaten von Norb- amerifa oftmals unb, soviel mir bekannt ist, stets mit Erfolg angeroanbt hat. Sie sehen hier diese vier äußerlich völlig gleichen Koffer. Ihrer zwei enthalten die Rohdiamanten für den Kronschmuck; die beiden anderen sind mit ebenso sorgfältig verpackten Kieselsteinen gefüllt. Unser Panzerwagen wirb zwei von Ihnen, meine Herren, mit ben falschen Koffern heute abenb nach Kapstabt brin« ?ien. Sie werben, falls nichts bazwischenkommt, rühzeitig genug in Kapstabt eintreffen, um ben »General Smuts‘ zu erreichen. Das Schift verläßt Kapstabt um acht Uhr morgens. Sie werden sich an Bord begeben und alles Erforderliche tun, um sämtliche Spürnasen, die etwa hinter ben Diamanten her ftnb, auf Ihre Fährte zu locken Unb selbst- verständlich ist die Aufgabe, bie bie mit bem falschen Transport beauftragten Herren zu vollbringen haben, für bas Gelingen unserer Maßnahmen ungeheuer wichtig — minbeftens ebenso wichtig unb schwer wie bie anbere Aufgabe, bie richtigen Koffer sicher zu ihrem Empfänger zu bringen "
Schwarz erhob sich: „Trotzbem bin ich bafür, bie Aufgabe unter uns vieren zu verlosen; denn wenn
schon, bann möchte ich meine Haut wenigstens für die richtigen Koffer riskieren."
„Jawohl!" bestätigte Ferguson. „Freiwillig schlepp ich natürlich die Kieselsteine nicht nach Europa!"
„Die Verlosung ber Ausgaben haben mir bereits vorgesehen", bemerkte Direktor Johnson und trat mit einem Buch, aus dem vier Papierstreifen fingerbreit hervorlugten, vor die Detektive hin: „Wenn es Ihnen recht ist, so übernehmen diejenigen Herren, die bie beiben langen Streifen ziehen, ben Transport ber Diamanten; bie beiden anderen mühten sich mit ben Kieseln begnügen."
Er reichte Schwarz als erstem das Buch hin; ber Deutsche zog kurz. Ferguson erwischte einen langen Streifen, Hooten ebenfalls einen langen; unb bamit war auch bereits Krögers Schicksal ent- schieben, mit Schwarz zusammen ben Transport ber falschen Koffer zu übernehmen.
Gasparb nahm roieber bas Wort. Er roanbte sich jetzt ausschließlich an Schwarz unb Kröger: „Ich umreibe nochmals kurz Ihre Aufgabe. Sie verlassen heute bei Anbruch ber Dunkelheit bie Mine unb schiffen sich morgen früh möglichst frühzeitig auf bem .General Smuts' ein. Sie legen vor aller Welt unb in jebem Augenblick einen Ernst an ben Tag, als hanble sich's um ben kostbarsten Transport, ber bie Minerva-Mine jemals verlassen hätte. Sie verhinbern, unter Ausbietung aller Kräfte, die Entdeckung burch irgenbeine britte Person, baß ber Transport, ben Sie bewachen, wertlos ist... Verstehen Sie mich reckt, meine Herren: Der richtige Transport ist erst Dann in Sicherheit, wenn der Empfänger ben Lieferungsschein unterschrieben hat! Eine vorzeitige Entbeckung ber Tatsache, baß Sie nur ein Scheinmanöver ausführen, würde den richtigen Transport aufs schwerste gefährben? Sie haben also Ihre Kieselsteine zu hüten, als ob Sie ben Kohinur bewachten... Haben Sie mich recht verstauben?"
„Sehr wohl, Chef?" antwortete Schwarz zugleich auch für Kröger Beiber burch bas Losungsergebnis leicht enttäuschte Gesichter hatten sich bei Ga- sparbs Worten roieber aufgehellt „Ich sehe ein, baß auch unsere Aufgabe rechtschaffene Männerarbeit ist!"
„Gut! Dann bitte ich Sie, sich um sieben Uhr im Verwaltungsgebäube einzufinben. Ich werbe bann noch Gelegenheit haben, Ihnen einige Sonber- anroeifunaen zu erteilen" Gaspard erhob sich und trat vor bie beiben Beamten hin, um ihnen die Hände zu schütteln. „Machen Sie sich inzwischen
reisefertig! Nicht allzu auffällig — gewissermaßen mit diskreter Auffälligkeit, wie es der Rahmen Ihrer Aufgabe Ihnen vorschreibt. Ein Zuviel könnte unfern Gegnern bereits genügen, um die Finte unseres Schachzugs zu durchschauen."
Gaspard verabschiedete die beiden. Sie verließen mit einem neidlos-herzlichen Gruß ihre Kameraben, benen bas Los bie größere Aufgabe zuerteilt hatte. Ihr Abschiebsgruß umschloß zugleich bas Versprechen, baß alles geschehen würbe, was in ihren Kräften läge, um die Spürnasen auf die falsche Spur zu locken.
Gaspard wartete, bis Johnson bie Tür hinter ihnen geschlossen hatte, bann roanbte er sich an Ferguson unb Hooten. Er nahm die beiden Stahlkoffer, die die Diamanten enthielten, und schob sie mit einiger Anstrengung zu den beiden Männern hinüber: „Sie sehen, daß diese Koffer klein genug sinb, um in jebem normalen, unauffälligen Handkoffer Raum zu finden. Ich habe vor einigen Tagen zwei einfache Koffer erstanden, die bereits so bestoßen unb mitgenommen sinb, baß kein Mensch, ber Sie mit diesen Gepäckstücken verreisen sieht, darin den kostbaren Inhalt vermuten wird. Wie allgemein bekannt ist, sind Koffer in Ihren Hänben nichts Auffälliges, da Sie ja für den Nachtdienst oftmals Wäsche und Kleidungsstücke von Ihren Wohnungen mitführen unb umgekehrt zurückbrinaen. Sie werben also, sobald Sie von mir Ihre Anweisungen erhalten haben, ganz offen, und ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen von unserer Seite, mit ben Steinen in Ihre Wohnung fahren, werben bort Ihre Reisevorbereitungen treffen unb sich gegen acht Uhr zum Nachtschnellzug nach Kapstabt auf bie Bahn begeben. Im Zuge selbst werden Sie Ihrem Gepäck nicht mehr Beachtung schenken, als Sie es sonst täten, wenn Ihr Kofter ein halbes Dutzend Kragen unb einen Reserveanzug enthielte. Sollten Sie mit Ihren Mitreisenben in ein Gespräch kommen, bas sich um Zweck unb Ziel Ihrer Reise breht, so verraten Sie ruhig, baß Sie zur Sicherung eines Diamantentransports unterwegs seien, aber Ihre weiteren Weisungen erst in Kapstabt erhalteH würben. Sie treffen um sechs Uhr morgens in Kapstabt ein. Von der Bahn begeben Sie sich ohne_ Aufenthalt sofort zum Hafen; benutzen Sie möglichst kein Auto, sondern bie Straßenbahn ober ben Omnibus. Fragen Sie nach bem kürzesten Wege zum Vierten Kai, an bem ber General Smuts' liegt' Begeben Sie sich aber auf kürzestem Wege zum Kai Nummer zwei, wo der
Dampfer liegt, mit dem Sie reifen werden!" Gaspard entnahm seiner Brieftasche zwei Pässe und zwei andere Papiere unb reichte sie ben Detektiven zu: „Hier Ihre Pässe, orbnunasmäßig ausgestellt, und hier zwei Passierscheine für den Zoll! Wir haben uns mit der höchsten Stelle dieser Behörde in Verbindung gesetzt und alles geregelt. Nach Dor- weis der Passierscheine entfällt jede Revision Ihres Gepäcks. Genießen Sie aber diese Vergünstigung nicht allzu auffällig, sondern öffnen Sie Ihr Gepäck ruhig vor dem kontrollierenden Beamten und legen Sie den Passierschein obenauf auf Ihre Kleidungsstücke! Selbstverständlich müssen Sie den Stahlkoffer umhüllen, daß ein zufällig ober nicht zufällig neben Ihnen stehenber Fahrgast Ihres Schiffes bei ber Kontrolle nichts vom eigentlichen Inhalt Ihrer Koffer zu sehen bekommt!"
„Selbstverstänblich, Chef!" nickte Ferguson. „Die Sache ist sonnenklar."
Die ruhige Zuversicht, mit ber bie beiden Detektive auf biefe doch immerhin recht brenzlige Geschichte eingingen, begann sich auch ben Direktoren mitzuteilen, benen ihr zwar kluges, aber auch gewagtes Unternehmen beträchtliche Sorgen gemacht hatte. Die Gesellschaft war jung, ihr Kapital verhältnismäßig bescheiben. Man brauchte jeben Pfennig für Betriebsanlagen unb konnte die ungeheuren Prämien für volle Versicherungen nicht zahlen, um im Preise wettbewerbsfähig bleiben zu können. Zubern war bie Minerva-Mine ein Eigenunternehmen: sie gehörte keinem ber großen südafrikanischen Synbikate an.
„Der Dampfer, ben Sie nehmen werben, verläßt ben Hafen eine halbe Stunde nach Abfahrt bes .General Smuts'. Das Schiff gehört einer Linie an, mit ber wir schon lange in Sßerbinbung stehen. Der Kapitän ist völlig zuverlässig, ein Mann, ber bereits seit zwanzig Jahren im Dienst seiner Reeberei steht. Wir hohen ihn ins Vertrauen gezogen; er wirb Ihnen also in jeber Weise behilft lieh sein. Sein Dampfer ist bie .Catharina' bes Süd- afrikabienstes. Kein besonbers schnelles unb mo- bernes Schiff, aber behaglich unb gediegen — und vor allen Dingen von solchen Reisenden benutzt, bie nichts mit bem bunten unb oftmals ein wenig zweifelhaften Publikum ber großen Linien zu tun haben wollen. Die Passagierliste liegt bereits abgeschlossen vor. Ich glaube nicht, baß Sie unter den Namen und Gesichtern ein Ihnen von Berufs wegen bekanntes finden werben."
Fortsetzung folgt.


