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Aus der Arbeit der Reichsstelle für Sippenforschung. Oeutschblütig oder artfremd? Kirchenbücher unter ultravioletten Strahlen Die Sippenkanzlei.

Von Dr. Arthur Schultze, Naumburg.

heißt in dem Hirtenbrief u. a.: Der Kommunismus ist der Zerstörer jeglicher Zivilisation, die von ihm ersehnte W e l t r e v o l u t i o n ist gleichbedeittend mit völliger Z e r st ö r u n g der christlichen Kirche. Deshalb gibt es für den Christen kei­nen Mittelweg zwischen den beiden Weltan­schauungen. Die Ereignisse in dem Nachbarland Spanien müßten allen die Augen öffnen vor den furchtbaren Folgen des Kommunismus. Elf -oischofe und 6000 Geistliche seien in Spanien von den Bol­schewisten ermordet worden, die Kirchen seien verwüstet und unzählige Gläubige zu Mär­tyrern ihres Glaubens gewogen. Der Hirtenbrief klagt den Liberalismus als Wegbereiter zum bolschewistischen Chaos an.

Schutz -er landwirtschaftlichen Kulturpftanzen

Berlin, 8. März. (DNB.) Die Reichsregierung hat ein Gesetz zum Schutz der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen erlassen. Es gilt, die zum Nachteil der landwirtschaftlichen Erzeugung durch tie­rische und pflanzliche Schädlinge und Krankheiten hervorgerufenen Schäden mög­lichst gering zu halten und Ernteerträge sowie Vor« ratsbestände vor vermeidbaren Verlusten durch diese Schädlinge zu bewahren. Der Reichsbauernführer richtet den Pflanzenschutzdienst ein. Bei jeder Landesbauernschaft werden Pflanzen- schutzämter errichtet, die die Aufgabe haben, die Bevölkerung über die Pflanzenkrankheiten und -schädlinge sowie über ihre Bekämpfung aufzuklä­ren. Die vom Pflanzenschutzdienst durchzuführende Ueberwachung unterrichtet über den Stand des Schädlingsauftretens. Die technische Durchführung und Ueberwachung behördlicher Bekämpfungsmaß­nahmen ist ebenfalls Sache des Pflanzenschutz­dienstes. Die Erforschung der Krankheiten und Schädlinge sowie die Ausarbeitung und Prüfung der Bekampfungsverfahren und -Mittel ist dagegen Aufgabe der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft. Bei der Ausarbei­tung und Prüfung der Verfahren und Mittel ist die Mitwirkung der Pflanzenschutzämter vorgesehen, damit eine möglichst rasche und zuverlässige prak­tische Grundlage gegeben ist. Den Eigentümern oder Nutzungsberechtigten, deren im eigenen Inter­esse liegende Mitwirkung für den Pslanzenschutz- dienst von größter Bedeutung ist, sind bestimmte Pflichten auferlegt worden, die die Heranziehung jedes Einzelnen zum Nutzen der Gesamtheit er­möglichen, damit der Erfolg notwendiger Maß­nahmen nicht durch das Beiseitestehen Einzelner in Frage gestellt wird. Die Entschädigungsmöglich- keiten bieten die Gewähr dafür, daß keine unbilli­gen Leistungen verlangt werden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsstatthalter in Hessen hat als Führer der Landesregierung mit Zustimmung der Reichs­regierung ein Gesetz über die Feststellung des 1. Nachtrags zum Hessischen Staats- Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1936 erlassen, in dem u. a. bestimmt wird: In dem Staatshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1936 gehen bei den Einnahmen und Ausgaben zu: im ordentlichen Haushalt an Einnahmen 1014 200 Mark und an Ausgaben 1 014 200 Mark. Die Ab­schlußzahlen des ordentlichen Haushalts werden hiernach auf 102 104 825 Mark in Einnahmen und Ausgaben festgestellt. 2. Die Landesregierung ist ermächtigt a) für Jnstandfetzungs- und Ergänzungs­arbeiten sowie Um- und Erweiterungsbauten in der Technischen Hochschule zu Darmstadt 245 000 Mark, b) für die Durchführung des Meliorations­programms 348 400 Mark, zusammen 593 400 Mk. im Wege des Kredits zu beschaffen.

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Die Reichspost wird zum Geburtstage des Führers und Reichskanzlers eine Sondermarke mit seinem Bilde heraus­geben. Die Vorarbeiten dazu sind im Gange.

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Der Beauftragte für den Dierjahresplan, Gene­raloberst Göring, hat seine Anwesenheit bei dem diesjährigenTag des Deutschen Hand­werks" zugesagt. DerTag des Deutschen Hand­werks" findet vom 27. bis 30. Mai 1937 in Frank­furt a. M. statt.

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Der Verwaltungsrat der Bank für Internationale Zahlungen beschloß einstimmig, dem Direktionsmit­glied der Bank von England, Sir Otto Nie­meyer, auf die Dauer von drei Jahren die Prä­sidentschaft des Verwaltungsrates zu übertra­gen.

Anläßlich des 87. Geburtstages des Altpräsidenten der tschechoslowakischen Republik Masaryk hat Staatspräsident Benesch eine Amnestie erlassen für gewisse Vergehen gegen das Gesetz zum Schutze der tschechoslowakischen Republik.

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Der Konflikt zwischen Belgien und dem bol­schewistischen Spanien wegen der Ermordung des belgischen Diplomaten Baron de Borchgrave ist von der belgischen Regierung beim Haager Jnternatio- nalen Gerichtshof anhängig gemacht worden. Der Gerichtshof soll entscheiden, ob die Bolschewi­sten von Valencia für die Ermordung Borchgraves verantwortlich sind.

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Entsprechend den letzten erlassenen Bestimmun­gen der Regierung werden fortschreitend alle Freimaurerlogen in Rumänien zur Einstellung ihrer Tätigkeit angehalten. In Bukarest und in der Provinz wurden alle Lokale der Freimaurer behördlich geschlossen und versiegelt.

Der kanadische Ministerpräsident weilt in Washington; der Besuch betrifft nicht nur Fragen des St. Lawrence-Flusses und den Ausbau der Handelsbeziehungen, sondern Roosevelt liegt daran, Kanada in die Panamerikanische Union hineinzubekommen, da Kanada dann von dem Neutralitätsgesetz nicht betroffen würde. Ein Verbot der Verschickung gewisser Roh­stoffe und Waren erstreckt sich nur auf amerika­nische Schiffe, nicht aber auf die Eisenbahnen und Lastkraftwagen, die also im Kriegsfälle unge­stört Transporte nach Kanada vornehmen könnten. Die Einbeziehung Kanadas in die Panamerikanische

Die im Zuge der Durchführung der Rassengesetze des neuen Deutschland notwendig gewordene Stelle, welche in Abstammungsfragen Entscheidungen tref­fen konnte, wurde Anfang 1933 unter der Be­zeichnungDer Sachverständige in Rasseforschung" beim Reichsmimsterium des Inneren ins Leben gerufen und war eine völlige Neugründung. An­fang 1935 erfolgte die Umbenennung inReichs- teile für Sippenforschung" (RfS.).

Die verschiedenen neuen Gesetze brachten für zahl­reiche Volksgenossen die Notwendigkeit, den A b - tammungsnachweis zu führen. Naturgemäß kamen jetzt häufig irgendwie schwierige und zweifel­hafte Fälle ans Tageslicht, deren gerechte Erledi­gung nur von einer fachkundigen Stelle erwartet werden konnte, ganz abgesehen davon, daß auch sonst die Notwendigkeit gegeben war, eine sippen- kundliche Zentralstelle zu besitzen, welche die ein­heitliche Behandlung von Abstammungsfragen ge­währleistete und Richtlinien für das gesamte Ge­biet der Sippenkunde geben konnte.

Die Haupttätigkeit der RfS. war bisher jedoch darauf gerichtet, Entscheidungen abzugeben, ob deutschblutibe (arische) oder artfremde Abstammung vorliegt. Eme bei der RfS. erfolgte Nachprüfung der Abstammung eines Menschen findet ihren sicht­baren Ausdruck in demAbstammungsbe­scheid" einer Abftammungsurkunde, welche auf Antrag gegen Vorlage der erforderlichen und be­schaffbaren Urkunden ausgestellt wird. Die Be­schaffung von Urkunden im Auftrage von Privat­personen hat die RfS. nicht in ihren Aufgabenkreis einbezogen. Im allgemeinen gelangen bei der RfS. nur solche Fälle zur Nachprüfung, die irgendwelche Schwierigkeiten aufweisen und daher der fach­kundigen Stelle übergeben werden.

Die folgenden Zahlen mögen einen Ueberblick über den Arbeitsumfang der RfS. geben. Im Jahre 1934 gingen insgesamt 5746 Anträge auf Aus­stellung von Gutachten ein, im Jahre 1935 stieg diese Zahl auf 17 661, und 1936 waren es gar 24 529 Anträge. Dieses außerordentliche Anschwellen der Eingänge brachte teilweise gewisse Verzögerun­gen bei der Erledigung der Anträge mit sich, da es nicht möglich war, den Mitarbeiterbestand ebenso schnell zu steigern. Durch Abgabe einer Entscheidung über eine Abstammungssache konnten aber im Jahre 1934 4909 Fälle zum Abschluß gebracht werden, 1935 waren es mit 10 715 über doppelt so viel, und 1936 wurden 20 337 Fälle erledigt. Rund zwei Drittel der bisher eingelaufenen Anträge wurden von Parteidienststellen und Behörden gestellt, ein Drittel der Antragsteller waren Privatpersonen. Selbstverständlich laufen neben diesen Anträgen, welche die Nachprüfung einer Abstammung zum Gegenstand haben, täglich noch zahlreiche sonstige schriftliche Anfragen ein.

Ein sehr wichtiger Abschnitt der Arbeit der RfS. betrifft die Verwertung des einlaufen­den Materials. Die anfallenden Daten, welche zumeist urkundlich belegt find, werden in der Buch­stabenfolge namentlich geordnet und in einer Kartei zusammengefaßt. Hier sind sie jederzeit greifbar und dienen später oft als wertvolle Ergänzung. Die Kartei zählte Ende 1936 schon 1 285 000 einzelne Kar­ten, für welche rund 60 Karterschränte zur Ver­fügung stehen. Es wird hoffentlich einmal gelingen, sämtliche Personenstandseintragungen der Kirchen­bücher und Standesämter Deutschlands nach einzel­nen Gauen getrennt zu verkarten. Die Kartei der RfS. ist erst ein Anfang in dieser Richtung; sie bringt jedoch sinnfällig den großen Wert einer sol-

Union würde den Fortfall des Ausfuhrverbotes von Kriegsmaterial und der Bedingung der Barzahlung als weitere Vorteile mit sich bringen.

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In Chile fanden Wahlen für das Abgeord­netenhaus und die Hälfte der Senatssitze statt. Der Wählkampf endete mit einem Sieg der Rechtspar­teien, die im Abgeordnetenhaus 77 Mandate er­ringen konnten. DieVolksfront" erreichte nur 59 Sitze. Zwei Mandate fielen der Partei der Land­wirte zu. Ferner wurden zum ersten Male zwei Mitglieder der nationalsozialen Bewegung gewählt. Im Senat gelang es den Rechtsparteien, 15 Sitze zu erobern, während der Volksfront nur 10 Sitze zufielen.

Aus aller Wett.

Wieder Drahtverhaue und Panzerwagen in Jerusalem.

Jerusalem, 6. März. (DNB.) In der Stadt ist es wieder zu ernsten Zusammen st äßen zwischen Juden und Arabern gekommen, bei denen offenbar die Juden der angreifende Teil waren. Ein Araber wurde getötet, ein anderer ver­wundet. Aus jüdischer Quelle wird erklärt, daß es sich um einen Streit zwischen Arabern und jüdischen Passanten gehandelt habe, der mit Steinwürfen be­gann und mit Revolverschüssen endete. Auch ein Jude fall getötet worden sein. In der Stadt herrscht eine Stimmung wie in den schwersten Unruhetagen. In den Straßen sieht man wieder Stacheldrahtverhaue, Panzerwagen, Militär und Polizei. Alle Kraftwagen und Passanten werden streng kontrolliert.

Dem Andenken des Grafen Zeppelin.

Aus Anlaß des 20. Todestages des Grafen Zep­pelin fand an feinem Grabe auf dem Stuttgarter Parkfriedhof eine schlichte Gedenkfeier statt. Generalmajor Z e n e t t i, Kommandeur des Luft- kreifes XV, legte im Auftrage des Neichsministers der Luftfahrt und Oberftbefehlshabers der Luftwaffe Generaloberst Göring einen Kranz nieder, wo­bei er des großen Toten gedachte. Oberstleutnant Breithaupt als Vertreter des Reichsluftfahrt­ministeriums erinnerte bei der Niederlegung eines Lorbeerkranzes an den Grafen, der mit Mut und Weitblick fein Ziel verfolgt und dessen Arbeit immer dem Wohle des deutschen Volkes gegolten habe. Dr. Hugo Eckener widmete dem Toten einen Kranz

chen Einrichtung zum Ausdruck. Selbstverständlich wird auf Die Erfassung fremdblütiger Einschläge im deutschen Volk, über deren Ge­samtumfang bisher leider genaue Zahlen fehlen, besonderer Wert gelegt. In der Kartei der RfS. sind bisher etwa 300 000 Juden und jüdische Misch­linge enthalten. Ferner bestehen einige kleinere Sonderkarteien über russische Rückwanderer, deutsche Hochschulprofessoren bis 1933 (30 v. H. Juden), Fa­milienanzeigen aus jüdischen Zeitungen u. a. m. Auch die von der Deutschen Ahnengemeinschaft aus­gearbeiteteAhnen st ammkarte i", welche der RfS. angegliedert ist, bietet mit ihren rund 600 000 Stämmen, welche einem Einzelvorkommen von etwa 2,5 Millionen Ahnen entsprechen, vielfach eine wert­volle Hilfe.

Außer dieser gegenwärtig im Vordergrund stehen­den Tätigkeit der Abstammungsprüfung hat die RfS. noch andere Ausgaben. Hierzu gehört vor allem außer einer gewissen allgemeinen Pflege der Sippenkunde der Schutzder sippenkundlich wichtigen Schriftdenkmäler, sowie die Aufiicht über das sippenkundliche Vereinswesen. Die unter wesentlicher Mitwirkung der RfS. herausge­gebene ZeitschriftFamilie, Sippe, Volk" dient dem erstgenannten Zweck.

Der Schriftdenkmalschutz erstrebt Schutz und Er­haltung der gesamten sippenkundlichen Quellen. Die Urquellen der Familienforschung sind die Kirchen­bücher, deren Gesamtbestand in Deutschland auf etwa 350 000 Bücher geschätzt wird. Um den stets wirksamen äußeren Einwirkungen zu begegnen, wird für sachgemäße Aufbewahrung, Ausbesserung schadhafter Stücke u. a. m. Sorge getragen. Um in Zukunft darüber hinaus die Gefahr eines Verlustes dieser unersetzlichen Quellen herabzumindern, ist die photographische Aufnahme der Kirchen­bücher in Angriff genommen worden. Angesichts des Umfangs dieser Arbeit kann hier nur Schritt für Schritt vorgegangen werden. Durch das Auf­nahmeverfahren, welches in einer besonderen Ab­teilung der RfS. durchgeführt wird, entsteht eine vollständige, bildgetreue Zweitschrift des Kirchen­buches. Es können sogar mit Hilfe von ultraviolet­ten Strahlen von völlig verblichenen Schriftzügen wieder lesbare Abzüge hergestllt werden. Bisher sind auf diese Weise von 5160 Kirchenbüchern Zweitschriften hergestellt worden, wozu über zwei Millionen Einzelaufnahmen erforderlich waren. Die Herstellung von Zweitschriften der Kirchenbücher begünstigt die Einrichtung von Sippenkanzleien, wie sie bisher in Schwerin, Hannover-Stadt, Lüne­burg, Erfurt, Heide und Bredstedt eingerichtet wor­den find. Die Kirchenbuchstelle Alt-Berlin, welche in Zusammenarbeit mit der RfS. entstanden ist, verdient besonders hervorgehoben zu werden; hier sind bereits sämtliche Taufeintragungen der evan­gelischen Kirchen Alt-Berlins aus der Zeit von 1800 bis 1874 verkartet, was die Auffindung eines gesuchten Ahnen außerordentlich erleichtert.

Die wichtigsten sippenkundlichen Ver­eine sind heute in demVolksbund der Deutschen Sippenkundlichen Vereine" zusammengefaßt; da der Leiter der RfS. zugleich dieser sippenkundlichen Vereinigung vorsteht, ist eine einheitliche Zusam­menarbeit gewährleistet.

Viele Volksgenossen, die in ihrer Ahnenforschung nicht weiterkommen, wenden sich heute an einen Berufssippenforscher. Die Angehörigen dieses eigent­lich neuen Berufes find in derVereinigung der Berufssippenforscher e. V." zusammengefaßt, welche der Dienstaufsicht der RfS. untersteht.

namens der Zeppelinwerft in Friedrichshafen. Im Namen der Deutschen Zeppelinreederei und der Besatzungen ihrer LuftschiffeGraf Zeppelin" und Hindenburg" ehrte Flugkapitän Kommandant von Schiller den Begründer der deutschen Luftschiffahrt. Ferner wurde für die Stadt Stutt­gart ein Kranz niedergelegt.

Professor Wagner von Jauregg 80 Jahre all.

Aus Anlaß des 8 0. Geburtstages des be­rühmten Wiener Psychiaters Professor Dr. Julius Wagner von Jauregg fand in der Wiener Universitätsklinik eine Feier statt, bei der das Le­benswerk des Forschers gewürdigt wurde. Bundes­präsident Miklas ehrte ihn durch ein persönliches Handschreiben. Die Menschheit verdankt Wagner von Jauregg neben anderen bahnbrechenden For­schungsergebnissen vor allem die Heilung der pro- gresssiven Paralyse durch Malaria-Impfung. Wag­ner von Jauregg, der 1857 in Wels (Oberöfterreich) geboren wurde, lehrte von 1889 bis 1893 in Graz, von 1893 bis 1928 als Direktor der Nervenklinik an der Universität Wien. 1927 wurde er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Deutsches Tonkünstlerfest 1937 in Darmstadt und Frankfurt.

Das Deutsche Tonkünftlerfest des All­gemeinen deutschen Musikvereins findet vom 5. bis 10. Juni in Darmstadt statt, wobei ein Teil der Veranstaltung nach Frankfurt a. M. verlegt wurde. Das Programm sieht u. a. Unterhaltungs­musik neuer Komponisten vor, wobei Namen wie Gerhard Maaß, Lang, Hans Weiß und G r a b n e r genannt werden. Auch findet voraus­sichtlich eine Stunde der HI. statt, der sich das erste Kammermusikkonzert anschließt. In diesem sind Auf­führungen von Besch, Marx, Müller und Schröder vorgesehen. Das zweite Kammermusik­konzert läßt Werke von Maler, Simon, Pfänner und Schrauth zu Gehör kommen. Im Hessischen Landestheater Darmstadt bringt ein Orchesterkonzert Werke von Ludwig Weber, Bresgen, Fromme! und Wunsch. In Frankfurt werden neue Bewegungsformen im Tanz gezeigt, worauf das zweite Orchefterkonzert mit Werken von ßürmann, Trenkner, David und Geierhaas folgt. Ein Platzkonzert auf dem Römerberg bringt Werke von Thiele und Gerst- b e r g e r. In Darmstadt endet die Tagung mit der Hauptversammlung und mit einem großen Liszt-

I Konzert.

Aufregender Kampf mit einer Gabelweihe.

In der Nähe von Borgentreich (Westfalen) trug sich ein aufregender Vorfall zu. Ein Einwohner befand sich mit seinem Rad, auf dem auch sein vierjähriges Töchterlein saß, auf dem Wege von Rösebeck nach Borgentreich. Plötzlich stieß eine mäch­tige Gabelweihe nieder und stürzte sich aus das Kind, das mit einem roten Mäntelchen beklei­det war. Kaum vermochte der Vater den ersten wü­tenden Angriff auf das Kleine abzuwehren; es ent- spann sich zwischen dem gefieberten Räuber und dem erschrockenen Vater ein erbittertes Ringen. Der immer wieder angreifende Vogel wurde endlich mit einem gutgezielten Faustschlag niedergestreckt. Das Tier kam mit einem Flügel in die Radspeichen, der Radfahrer stürzte, worauf das Tier erneut auf beide einhieb. Der wütende Raubvogel konnte fchließ- durch Knüppelschläge getötet werden. Die Gabel­weihe, die eine Flü'gelspannweite von nicht weniger als 1,50 Meter zeigte, gehört zu den Raubvögeln, die unter Naturschutz steyen und in unseren Gegen­den bereits recht selten geworden sind.

Sturmfahrt des italienischen OzeanriesenRex".

Der italienische OzeandampferR e x" ist auf der Heimfahrt von Neuyork nach Neapel zwischen den Azoren und dem Kap Sao Vincente (Südportugal) in einen schweren Sturm geraten. Wie der Kom­mandant mitteilte, haben einige Wellenberge von außergewöhnlicher Größe und Stärke das Schiff getroffen, wobei 20 Personen zumeist leichtere Ver­letzungen davongetragen haben. Ein Mann der Besatzung ist während der Heimfahrt feinen schwe­ren Verletzungen erlegen. In Neapel mußten zwei verletzte Fahrgäste in eine Klinik gebracht werden, die übrigen konnten die Reise nach Genua fortsetzen, wo der Dampfer, der keinerlei Beschädi­gungen erlitten hat, ohne Verspätung fahrplanmä­ßig eingetroffen ist.

Erdbeben in San Franzisko.

Die Stadt San Franzisko wurde von einem Erdbeben heimgesucht. Die Erdstöße dauerten 2 bis 3 Sekunden. Sie richteten an den Wohn­häusern und an den Kaufläden großen Schaden an. In mehreren Stadtteilen wurden die Fenster­scheiben zertrümmert. Verletzte sind aber, soweit bekannt, nicht zu verzeichnen. Der Bevölkerung be­mächtigte sich jedoch eine an Panik grenzende Furcht, da sie sogleich wieder an die Erdbeben­katastrophe vom 18. April 1906 dachte, die an 30 000 Häuser in Trümmer legte. Kurz nach den Erschütterungen war der Kraftwagenverkehr auf der Brücke, die San Franzisko mit Oakland verbindet, sehr lebhaft, da viele aus der Stadt flüchteten.

kommunistischer Sprengsloffanschlag.

In M y s l v w i tz (Polnisch-Oberschlefien) explo­dierte am Tor des Gefängnisgebäudes eine starke Sprengstoffladung, die das Tor zerstörte. Durch den Luftdruck wurden zahlreiche Fensterscheiben des Ge­fängnisses und der umliegenden Wohnhäuser zer­trümmert. Die Ermittlungen ergaben, daß es sich um einen Anschlag von Kommunisten han­delt. Ob es sich zur Befreiung von kommunistischen Gefangenen handelt, ist bisher nicht bekannt ge­worden.

Maskierte Verbrecher raubten 300 000 Franken.

Ein feiten dreister Ueberfall wurde von maskier­ten Verbrechern auf einen Bankkraftwagen i n einer Straße des Pariser Vorortes Vincennes verübt. Die Gangster überholten den Kraftwagen, stoppten, sprangen mit vorgehal­tenem Revolver auf das Trittbrett und hielten die Bankangestellten im Kraftwagen in Schach bis sie die 300 000 Franken (zirka 35 000 Mark) geraubt hatten. Dann zerschnitten sie noch die Reifen, sprangen auf ihren bereitstehenden Kraftwagen und entkamen unerkannt.

Lochschulnachnckten.

Ernannt wurden die außerordentlichen Profes­soren Dr. Kurt Moller, Berlin, zum Ordina­rius für Fernmeldetechnik an der Technischen Hoch­schule Berlin; Dr. Kl. Clus ins in München zum Ordinarius für physikalische Chemie daselbst; Dr. Erich Hofmann in Marburg zum Ordinarius für vergleichende Sprachwissenschaft an der Univer­sität Münster; der Dozent Dr. Fr. Stegmül - l e r an der Universität Freiburg (Katholisch-theo- logische Fakultät) zum Ordinarius für Dogmatik an der Universität Würzburg.

Von den amtlichen Verpflichtungen entbunden wurden die ordentlichen Professoren Dr. P. Hör r- mann (Pharmakologie und Nahrungsmittelchemie) an der Technischen Hochschule Braunschweig; Dr. Erwin Rupp (pharm. Chemie) an der Uni­versität Breslau; Dr. P. Volz (Alttestament- liche Theologie) an der Universität Tübingen (Ev.-Theol. Fakultät).

Wetterbericht

des Retchswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Die sich über das europäische Festland erstreckende Tiefdruckrinne hat sich südwärts verlagert. Da­mit konnte die kalte Nord- und Ostströmung an ihrer Nordweite weiter Raum gewinnen und auch unserem Gebiet Abkühlung bringen. Da sich in der Hohe aber noch immer die Zufuhr feucht-milder Meeresluft durchsetzt und die Druckoerteilung über Europa außergewöhnlich große Unregelmäßigkeit zeigt, bleibt der unbeständige, wenn auch nicht durch­weg unfreundliche Witterungscharakter erhalten.

Aussichten für Mittwoch: Bewölkt bis bedeckt und zeitweise auch Niederschläge, nachts vielerorts Frost, veränderliche Winde.

Lufttemperaturen am 8. März: mittags 3,5 Grad Celsius, abends 1,9 Grad; am 9. März: morgens 0,9 Grad. Maximum 3,8 Grad, Minimum heute nacht 0,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. März: abends 2,4 Grad; am 9. März: morgens 1,6 Grad. Niederschläge 0,3 mm.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; 'ür den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeiaen- (eiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. II 37: 10 933. Druck- und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.°G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags

15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

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