steht im gleichen Maße wie allen Bürgern das Recht auf Arbeit und Brot zu.
2. Niemand darf wegen seiner deutschen Volkszugehörigkeit oder wegen seines Bekenntnisses zum Deutschtum von seinem Arbeitsplatz vertrieben werden.
3. Bei Neueinstellungen oder Wiederaufnahme eines Industriebetriebes sind die entlassenen deutschen Arbeiter und Angestellten in gleichem Maße wiedie anderen Arbeitslosen zu berücksichtigen. In den besonders schwer betroffenen Gebieten ist der Arbeitslosigkeit durch Ausführung öffentlicher Arbeiten entgegenzutreten. Auch hierbei sind die Deutschen in einem gerechten Verhältnis zu beschäftigen.
Den letzten Deutschen in pleß gekündigt.
R.O. Kattowitz, 8. März. Den letzten deutschen A n g e st e l l t e n bei der Restveruxll- tung des Fürsten von Pleß in Ostoberschlesien ist nun auch zum 31. März die Kündigung zugestellt worden. Damit kommt eine Tragödie zum Abschluß, die sich außerordentlich verhängnisvoll für die Existenz des Deutschtums in Ost-Oberschlesien ausgewirkt hat. Die Steuerbelastung der Unternehmungen des Fürsten von Pleß und die Unmöglichkeit, diese Steuern abzustoßen, führten am 1. September 1934 zu der Einsetzung einer gerichtlichen Zwangsverwaltung. Mit diesem Zeitpunkt setzte die Entlassung der deutschen Arbeiter und Ange st eilten ein. Bei der Uebernahme der Pleßschen Betriebe waren dort 590 Angestellte und 4340 Arbeiter tätig. Ungefähr 90 v. H. aller Angestellten bekannte sich zum deutschen Volkstum. Bis auf einige, die nun am 31. März die Arbeitsstätte aufgeben müssen, sind im Laufe der beiden letzten Jahre alle entlassen worden.
Diese Entlassungen, die die wirtschaftliche Lage des Deutschtums in Ost-Oberschlesien charakterisieren, verdienen Beachtung, da der Generalbevollmächtigte des Fürsten von Pleß, Graf Hochberg, den letzten deutschen Angestellten der Restverwaltung die Zusicherung gegeben hatte, daß ihre Existenz in jedem Falle sichergestellt sei. Die Tatsache, daß Graf Alexander von Hochberg zu seinem Beauftragten den Rechtsanwalt Strzelczyk- Pleß bestimmte, dem das ausschließliche Recht zusteht, über Entlassungen und Neueinstellungen zu entscheiden, läßt Zweifel an der Erklärung über die Sicherstellung der wirtschaftlichen Existenz der deutschen Angestellten aufkommen, weil inzwischen bereits mehrere polnische Angestellte neueingestellt worden sind. Diese Maßnahmen lassen sich nicht etwa mit „wirtschaftlichen Gründen" rechtfertigen, da die vorhandenen deutschen Kräfte, die durch ihre langjährige gewissenhafte Tätigkeit ihre Eignung unter Beweis gestellt haben, auch für die weitere Erledigung der Arbeiten vollauf genügt hätten. Bei den neueingestellten Kräften handelt es sich aber in den meisten Fällen um Menschen, die ohne V o r k e n n t n i s s e in ein ihnen fremdes Arbeitsgebiet eingegliedert werden.
Münzenberg erhält Schweigegeld von Moskau.
Paris, 8. März. (DNB.) Wie der „Matin" berichtet, hat der berüchtigte Willi Münzenberg, der in der Systemzeit im Reichstag fein Unwesen treiben durfte, sich mit feinen Moskauern Auftraggebern überworfen: Münzenberg war Hauptzahlmeister der Komintern für das Ausland. Aber schon im Herbst 1936 verschlechterten sich seine Beziehungen zu seinen Moskauer Brotgebern so sehr, daß über ihn „Stubenarrest" verhängt wurde. Nichtsdestoweniger erhielt er im Januar 1937 die Genehmigung, sich ins Ausland zu begeben, wo er lebhaft die Politik Stalins kritisierte. Als Antwort auf an gedrohte Vergeltungsmaßnahmen erklärte er, er würde alle Einzelheiten feiner finanziellen „Betätigung" in Europa aufdecken. Man schlug Münzenberg eine Vergleichslösung vor, die dieser annahm. Münzenberg erhält die Erlaubnis, Nicht mehr nach Moskau zurückzukehren, er verpflichtet sich aber, sich jeder politischen Betätigung zu enthalten. Dafür erlaubt ihm Moskau die Verfügung über einen Teil der von ihm verwalteten Gelder der „Weltreoolution", so daß Münzenberg eine Jahresrente von etwa 200000 Franks (23000 R M.) behält. „Das ist ein Stillschweigen, das teuer zu stehen kommt ... aber auf das man Wert legt", schreibt abschließend das französische Blatt.
Akademische Nohstoffdebaiie in Genf.
Japans Forderungen.
Genf, 8. März. (DNB.) Der Sacboerständigen- ausschuß für die Rohstoffrage hat seine Tagung begonnen. Zum Vorsitzenden wurde der Vertreter der Schweizer Minister S t u ck i gewählt. Der Generalsekretär des Völkerbundes A v e n o l erwähnte, daß die deutsche Regierung mitgeteilt habe, sie beabsichtige nicht, an den Arbeiten teilzunehmen. Ein italienischer Sachverständiger sei bisher nicht ernannt worden. Die Mitglieder des Ausschusses seien nicht Vertreter ihrer Regierungen und könnten daher unter rein persönlicher Verantwor- tung ihre Gedanken und Anregungen frei ausdrücken. Die Arbeiten sollen den ersten Schritt einer Rückkehr zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit versuchen.
Die Aussprache wurde mit Ausführungen des englischen Mitgliedes Sir Frederic L e i t y - R o ß eröffnet. Er vertrat die Ansicht, daß kein Land in der Lage sei, sich selbst völlig zu genügen. Er glaube, daß die Rohstoffrage durch keinerlei Gebietsübertragung gelöst werden könne. Der Fall jedes Landes müsse einzeln, und für jeden Rohstoff besonders geprüft werden. Allgemein lasse sich aber feststellen, daß die Rohstofferzeugung gegenwärtig ausreiche, um ungefähr allen wirklichen Bedürfnissen zu entsprechen. Die britische Regierung sei bereit, in ihren
kolonialen Gebieten die Produktion eines Rohstoffes zu fördern, der von den Verbrauchern auch außerhalb gewünscht werde. Die Auffassung, daß der Besitz eigener kolonialer Rohstoffe für ein Land große Vorteile habe, gelte nur mit Einschränkung. Die Politik der offenen Tür könne in gewissen Fällen der Entwicklung der Kolonien und sogar dem Wohle der Eingeborenen schaden. Ueber- dies könnte eine solche Politik nichtohneGegen- s e i t i g t e i t eingeräumt werden.
Der japanische Sachverständige Schudo erklärte, daß für sein Land die Frage der industriellen R o h st o f f e im Vordergründe stehe. Japan könne seine 100-Millionen-Beoölkerung nur ernähren, wenn es sich industrialisiere; denn sein Gebiet sei zu klein, und das Ausland lehne seine Einwanderer ab. Es sei angezeigt, alle Ausfuhrbeschränkungen für Rohstoffe und alle Versuche zur Bildung von Rohstoffrnonopolen zu beseitigen. Andererseits müsse die Einwanderung von Angehörigen aller Länder in die noch nicht erschlossenen Gebiete zugelassen werden. Auch die Beseitigung übermäßiger Handelshemmnisse verdiene, ernste Prüfung, da die Freiheit des Handelsverkehrs von der Frage der Rohstoffverteilung nicht getrennt werden könne.
Ein prophetisches Wort.
„Die Juden werden USA. fressen."
Berlin, S.März. (DNB.) Aus Anlaß der üblen Hetzereien des jüdischen Oberbürgermeisters von Neuyork, Caguarbia, hat ein Leser dem „Angriff" das Urteil Benjamin Franklins über das Judentum zugefchickl. Er forderte kurz vor feinem Tode im Jahre 1789, daß die neue amerikanische Bundesrepublik die Juden durch die Verfassung aus dem Lande ausschließen solle. Er erklärte vor dem amerikanischen Kongreß von damals u. a.:
In welchem Lande sich die Juden auch in größerer Anzahl niedergelassen haben, haben sie das moralische Niveau herabgedrückt, haben sie Redlichkeit im Handel geschmälert. Sie haben sich abgesondert und nicht assimiliert. Sie haben einen Staat im Staate errichtet. Mehr als 1700 Jahre haben die Juden ihr trauriges Schicksal be- wehklagl, nämlich, daß sie von ihrem Mutterlands oertrieben worden seien, aber, meine Herren, hätte die zivilisierte Welt von heule ihnen Palästina zurückgegeben als Eigentum, so würden sie sofort einen zwingenden Grund gefunden haben, nicht dorthin zurückzukehren. Warum? Weil sie Vampire sind, und Vampire leben nicht von Vampiren. Sie können nicht unter sich selbst leben. Sie müssen von Christen oder anderen Völkern, die nicht ihrer Rasse angehören, leben. Wenn man sie nicht durch diese Verfassung aus den Vereinigten Staaten ausschließt, werden sie in weniger als 200 Jahren in solcher Wenge ins Land hereingeströmt sein, daß sie uns beherrschen und fressen werden. Wenn Sie die Juden nicht ausschließen, werden in weniger als 200 Jahren unsere Nachkommen auf den Feldern arbeiten, um die Juden zu erhalten, während sich diese in den Kontoren befinden und fröhlich die Hände reiben werden.
Nutze in Ungarn.
Budapest, 8. März. (DNB.) Das ungarische Nachrichtenbüro M. T. I. veröffentlicht eine amtliche Mitteilung, in der es heißt:
Seit einigen Tagen erscheinen in der Aus - landspresse phantastische Nachrichten über die angebliche Tätigkeit einer rechtsgerichteten Organisation, die den Sturz der inneren Ordnung des Landes zum Ziele haben soll. An zuständiger Stelle hält man die Zeit gekommen, auf das entschiedenste zu erklären: In Ungarn ist nichts öor gefallen, was die öffentliche Ruhe, die innere Ordnung und den inneren Frieden, die verfassungsmäßige Sicherheit oder das wirtschaftliche Leben des Landes gefährden könnte. Es gibt keinerlei bewaffnete Organisationen im Lande, und es wurde kein Versuch unternommen, der als staatsfeindliches
Verbrechen zu bezeichnen wäre. Wahr dagegen ist, daß unverantwortliche und auf die Störung des ruhigen Ablaufes des politischen und wirtschaftlichen Lebens hinzielende Gerüchte in Umlauf gebracht worden sind. Die Bevölkerung muß den blinden Lärm auf das energischste zurückweisen und sich ihm verschließen. Die Staatsanwaltschaften haben Weisungen erhalten, alle Verbrechen, die die Ruhe des Landes, den Frieden der Nation und den ungestörten Verlauf der nationalen Arbeit ge° fähigen könnten, energisch zu verfolgen. Auch soll die Verbreitung von Greuelnachrichten strafrechtlich verfolgt werden.
Eden berteiW die britische Aufrüffuna.
London, 9. März. (DNB.) Eden erklärte in Aberdeen u. a.: Während keine verantwortliche Regierung in London etwas anderes tun könne, als die Nation aufzufordern, das geplante Wiederaufrüstungsprogramm zu unterschreiben — ein Programm, das Großbritannien bis zum Ende durchführen würde, falls es notwendig fei — so sei es doch ebenso Pflicht Großbritanniens, die erste Gelegenheit zu ergreifen, die sich biete, um den verhängnisvollen Kreislauf wachsender Rüstungen zu durchschneiden. Auf der kommenden Reichs- konferenz wolle man versuchen, ein Ueberein- kommen zu erzielen, das gleichzeitig zur Wohlfahrt der Glieder des britischen Weltreiches und zum Frieden der Welt beitrage. So beunruhigend auch die große Vermehrung der Rüstungen in der Welt fei, so berechtige das doch in keiner Weise zu der Schlußfolgerung, wonach ein Krieg unvermeidlich fei.
Französische Anleihewünsche werden in Amerika nicht erfüllt.
Washington, 9. März. (DNB. Funkspruch.) Die französische Regierung hat den Antrag gestellt, einen amerikanischen Zahlungsvertreter für di e Verteil) igungsanleihe über eine Milliarde Dollar zu genehmigen. Wie der Führer der Demokraten im Senat, Joseph T. Robinson im Kongreß mitteilte, hat die amerikanische Regierung diesen Antrag abgelehnt. Auf eine Anfrage, ob die amerikanische Staatsbank die Zinszahlungen für die Anleihe an amerikanische Bürger annehmen würde, hat Staatssekretär Morgenthau den Bescheid erteilt, daß ein solches Verlangen in Regierungskreisen Widerstand auslöse.
Bolschewistischer Waffenschmuggel in Marseille.
Paris, 9.März. (DNB. Funkspruch.) In einer Meldung der „Action Fran^aise" heißt es, daß der rege Schiffsverkehr feit Einführung der Nichteinmischung im Hafen von Marseille anscheinend noch g e fti 6 g e n sei. Die Bolschewistenschiffe, mit grauer Farbe überstrichen, ohne Namen und oft sogar ohne Angabe ihrer Nationalität, gingen
ruhig ihren Schmugglergeschäften weiter nach. Mittwoch seien ungefähr 30 Personen, darunter mehrere Franzosen, an Bord des spanisch-bolschewistischen Schiffes „Ciudad de Barcelona gebracht worden. Seither würden sie dort gefangen gehalten. Einer der Gefangenen sei bei einem Fluchtversuch mit dem Tode bedroht worden. Das Blatt fragt, ob dieses armselige Menschenmaterial für die bolschewistischen Milizen bestimmt sei.
Staatsrat Reiner vor Wetzlarer Jungvolkführern.
NSG. Der Jungbann 88 in Wetzlar hatte die Führer seiner Einheiten zu einer Wochenendschulung einberufen, die ihren Ausklang mit einer Rede des stellvertretenden Gauleiters, Staatsrat Reiner in Anwesenheit des Gebietsführers und des Gebiets- jungoolkführers fand. Ohne die jungen Herzen zu überladen, führt sie der stellvertretende Gauleiter an die gemeinsame Ausgabe. Den Jungen wurde klar gemacht, wie schon die kleinste nationalsozialistische Einheit nur durch das Vorbild geführt werden kann und daß es deshalb das Streben aller fein muß, dem deutschen Vorbild, Adolf Hitler, von frü- ftefter Jugend an, nachzueifern, um das Leben unseres Volkes bis in die fernsten Zeiten zu sichern. Es wird gelingen, wenn wir die nationalsozialistische Weltanschauung in die Tat umsetzen und dafür sor- aen, daß sie nie verfälscht wird. Mit deutschen Äugen haben wir die Welt zu betrachten und nicht durch die Scheuklappen uns wesensfremder Lehren. Die nationalsozialistische Weltanschuung ist deshalb die deutsche, weil sie nichts anderes ist als ein Appell an alle guten Eigenschaften unseres Volkes. Sie allein kann uns vor geistiger und körperlicher Knechtschaft bewahren. Ganze Kerle brauchen wir und keine Duckmäuser, Menschen, die willens sind, sich Deutschland mit Haut und Haaren zu verschreiben und unter Umständen den Teufel aus der Hölle zu holen! — Mit zackigen Liedern dankten die Führer des Jungbannes 88 dem stellvertretenden Gauleiter für das in seinen Worten zum Ausdruck gebrachte Vertrauen auf ihre nie erlahmende Plichterfüllung. Mit einem Vorbeimarsch nahm die Tagung, die eine Feier geworden war, ihr Ende.
Die VettanschaulichenVerpflichtungen unserer Zeit
Alfred Rosenberg sprach in Düsseldorf.
Düsseldorf, 7. März. (DNB.) Am Sonntag sprach Reichsleiter Rosenberg in der Stadthalle in Düsseldorf über die weltanschaulichen Verpflichtungen unserer Zeit. Rosenberg betonte nachdrücklich, daß die Erziehung der Jugend nur durch die durchgesührt werden dürfe, die Deutschland vor dem Untergang retteten. Es sei dabei unmöglich, einen Führer, ein Reich und ein einziges geschlossenes Volk zu fordern, wenn die Erziehung von gegenseitig sich ausschließenden Kräften durchgeführt werde. Wenn die Hauptstadt der Bewegung sich kürzlich mit 96 v. H. für die deutsche G e - meinschaftsschule erklärt habe, so sei das das Zeichen eines tiefgehenden Erwachens des deutschen Volkes. Es fei dabei sehr unlogisch, wenn jene Kräfte, die bisher immer erklärten, man dürfe nicht in Elternrechte eingreifen, nunmehr gegen diese eindeutige Bekundung des elterlichen Willens wettern. „Wir können den Klassenkampf nicht überwinden, wenn nicht auch der,Streit der Kon- fessionen verschwindet." Da der Religionsunterricht gesichert sei, so müßten alle, denen es wirklich um ein inneres Bekenntnis zu tun fei, zufrieden fein. Wer das nicht anerkenne, dem gehe es offenbar nicht um das Bekenntnis, sondern um ganz andere Dinge. Rosenberg distanzierte sich eindeutig von allen Versuchen der Schwärmerei und Silber- ftürmerei und erklärte, daß niemand aus einer weltanschaulichen Gruppe das Recht besitze, sich auf den Nationalsozialismus zu berufen als nur der Nationalsozialist selber. In der Vertretung der nationalen Ehre und der nationalen Gemeinschaft fei die NSDAP, groß geworden, und diesen Werten wolle sie diensn; der Dienst an diesen Werten sei der Maßstab für Gehalt und Größe der Tätigkeit eines jeden einzelnen Nationalisten.
Kommunismus bedeutet Zerstörung der christlichen Kirche.
Lissabon, 8. Marz. (DNB.) Der portugiesische Episkopat, an seiner Spitze der Kardinalerzbischof von Lissabon, wendet sich in einem Hirtenbrief gegen den Kommunismus. Es
Birkhahnbalz im Moor.
Von Gerhard Klammet.
Einen schöneren Fleck hätten die Spielhähne als Balzplatz kaum finden können. Ringsum, soweit das Auge reichte, dehnte sich das Moor mit feinen saftig grünen Wiesen, die jetzt im Frühling übersät waren von den winzigen rosa Blütensternen der Mehlprimeln und den leuchtenden tiefblauen Glocken- telchen des stengellosen Enzians. Birkenbestandene Heideflächen, die Heimat einer selten mannigfachen Pflanzenwelt, wechselten ab mit übermannshohen, fast undurchdringlichen, versumpften Rohrwäldern.
Im Morgengrauen kam ich ins Moor. Dicht lagen die Nebel über den Wiesenbreiten. Schemenhaft unwirklich tauchten sturmzerfetzte, schwarz- glänzende Erlen vor mir auf, um schon nach wenigen Schritten hinter mir wieder im Dunst zu zerfließen. Durch einsame Torfstiche führte mich der schmale, stellenweise kaum erkennbare Pfad, der eher einem Wildwechsel, als einem Fußwege glich-
Dann war ich am Ziel meiner Moorwanderung angelangt. Vor mir in der Wiese, zwischen zwei Leg- föhrenbüschen unauffällig eingebaut, stand der kleine Beobachtungsschirm, den ich mir dort mitten auf dem Balzplatz der Birkhähne errichtet hatte, um hier die wunderlichen Vögel bei ihren seltsamen Liebesspielen beobachten zu können.
Kaum hatte sich das Zelttuch hinter mir geschlossen, als auch schon der erste Hahn durch die Dämmerung heranpurrte und rauschend dicht bei mir einfiel. Hoch aufgerichtet stand er vor mir in den Moosbeerbüschen und blickte sich aufmerksam nach allen Seiten um.
Gleich darauf kam noch ein zweiter, der sofort blasend und fauchend feinen Gegner anfprang, oaß die zwei für einen Augenblick ein wirres Knäuel bildeten. Erbost saßen sie sich dann gegenüber und sahen sich giftig an. Endlich steckte der zuerst angekommene den Kopf tief ins Gras und fächerte den prächtig gesichelten Stoß, daß die schneeweißen Federn an der Unterseite aufleuchteten. Der andere
tat es ihm nach, und dann fingen beide, erst ganz leise, dann immer lauter werdend, an zu foltern: „Kockero—kockero—kock—oh, kockero—kockero—kock— oh."
Wie kleine Autos fuhren sie dabei im Grase umher und ließen die harten Schwungfedern hörbar am Boden nach schleifen.
Schließlich packte den einen Wut. „Tschuhui" zischte er und sprang mit einem einzigen schnellen Flügelschlag vor seinen Gegner hin, der erschrocken zurückwich. „Tschuhui" krächzte der kleine schwarze Teufel noch einmal und saß dabei schon dem anderen im Nacken. Dann kollerten sie wieder eine Zeit- lang umeinander herum, sicherten zwischendurch, die Balz unterbrechend, wohl auch argwöhnisch nach dem Schilfsaum hinüber, in dem sich der Fuchs zu schaffen machte, oder ästen zur Abwechslung von den verstreut im Gebüsch hängenden vorjährigen Rauschbeeren. Als dann eine Birkhenne laut gackernd dicht über mir auf einer der Krüppelföhren aufbaumte, begannen sie mit neuem Eifer ihr seltsames Liebeslied.
Ein dritter Hahn kam vom Teufelsmoor herübergestrichen und wollte an der Balz teilhaben, nahm sich aber gleich wieder auf, als die beiden Kampfgockel gleichzeitig über ihn herfielen.
Ueberall im Moor, bald hier, bald dort, hörte man nun das Blasen und Zischen, Gurgeln und Rollen der Hähne, und zwischendurch das leise Gegacker der erdfarbenen Hennen.
Allmählich wurde es heller. Ein kühler Bodenwind machte sich auf und setzte die widerstrebend folgenden Nebelschwaden in Bewegung. Weit über den Wald hinaus entführte er sie, wo sie in Nichts zerflossen.
Tiefblau öffnete sich nun der Himmel über dem Moore, das jetzt bunt im Sonnenschein vor mir lag. Milliarden winziger Tautröpfchen funkelten im Grase.
Mit dem Tag erwachte das Leben im Ried. Lerchen trillerten hoch über mir in der Luft. Brachvögel flöteten ihren wohllautenden, wehmütig klingenden Balzgesang. Die Kibitze gaukelten liebestrunken über ihren Brutplätzen, und aus dem
Rohrsumpf flana das vielstimmige „Karre—karre— riet—riet—riet, dorre—dorre—dorre, karre—karre— karre—riet" der Rohrsänger zu mir herüber.
Die zwei Raufbolde vor mir wurden allmählich ihres eigenartigen Spiels überdrüssig. Mißmutig saßen sie sich gegenüber. Da schüttelte sich der eine und schnurrte ab, der Henne nach, die aus dem Busch polterte, in dem sie bislang gehockt hatte, und nun weit in die fahle Heide hinausstrich.
Der andere Hahn begann fein Gefieder zu ordnen, räkelte sich dann in der Morgensonne und strich endlich auch ab, als ein Reh dicht neben ihm unversehens aus dem Gebüsch brach.
Wie mit einem Schlage verschwiegen nun überall die Birkhähne, während die anderen Mooroogel, die Bekassinen und Kibitze, über den Wiesenbreiten, die Lachmöwen am Schilfsee, und die Wacholderdrosseln im nahen Birkengehölz lauter und lauter wurden.
Kunst und Wissenschaft.
Professor Nudolf Otto f.
Professor D. Dr. Rudolf Otto, einer der bekanntesten deutschen Geologen und Religionswissenschaftler, ist in Marburg nn 68. Lebensjahr g e - ftorben. Kaum von den schweren Verletzungen, die er im September vorigen Jahres bei einem Sturz vom Gemäuer der Burg Staufenberg davontrug, genesen, erlag er einer neuen schweren Erkrankung. Mit ihm ist ein Gelehrter von Weltruf dahingegangen.
Rudolf Otto wurde am 25. September 1869 in Peine bei Hannover geboren, studierte in Erlangen und Göttingen und habilitierte sich 1899 in Göttingen. 1904 wurde er außerordentlicher Professor für Religionsgeschichte und Religionsphilosophie. Als ordentlicher Professor der systematischen Theologie wurde er 1914 nach Breslau berufen und kam 1917 als Nach' fger von Wilhelm Hermann nach Marburg. Ganz neue theologische Gesichtspunkte brachte Otto in feinem bedeutendsten Werk
„Das Heilige" mit dem Untertitel „Das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen" (1917) und feiner Ergänzung: „Aufsätze, das Numinvse betreffend" (1923). Die Wirkung des ersten Buches, das in mehrere fremde Sprachen übersetzt wurde, stellte den Verfasser in die Reihe der ersten modernen Theologen. Es ist als Resultat einer vollkommenen Wandlung der religiösen Anschauungen, die Otto auf einer 1912 unternommenen Reise nach dem Osten durch Berührung mit russischer, hinduistischer und buddhi- sttscher Mysttk erlebte, anzusehen. Während eines langen Krankenlagers, auf das ihn die Folgen dieser Reise geworfen hatten, studierte er das Sanskrit, übersetzte indische Mystiker und erschloß damit der abendländischen Religionsforschung die noch nicht bekannte indische Bhakti-Mystik. Neuere Werke seiner vergleichenden Religionsforschung sind „West- lich-Oestliche Mystik" (1926), „Die Gnadenreligion Indiens und das Christentum" (1930), „Sünde und Unschuld" (1932).
Große Verdienste erwarb sich der Gelehrte durch die Gründung und den Ausbau der Marburger religionskundlichen Sammlung. 1913 bis 1918 war Otto Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Der Deutschen Akademie in München gehörte er als Senator an, ferner war er Ehrendoktor der Universitäten Gießen und Upsala (Schweden).
Deutsche Gefellschafl für innere Medizin.
Die Deutsche Gesellschaft für innere Medizin hält ujre 49. Tagung vom 15. bis 18. März in Wiesbaden unter dem Vorsitz von Professor Dr. Siebeck, Berlin ab. Das wissenschaftliche Programm sieht Berichte und Vorträge über neue Grundsätze der Ernährung, über die Ernährungsbehandlung des Diabetes, über die homöopathische Betrachtungsweise und die Homöotherapie des Schmerzes, über die Pathologie der Schilddrüse, über die Genese des endemischen Kropfes mit besonderer Berücksichtigung der Erblichkeitsfrage, über Schilddrüse und vegetative Regulationen, über Basedow und Zwischenhirn und über tuberkulöse Allgemein-Jn- fektion vor.


