Aus der Provinzialhauptstadt
Hessen-
die Ausführungen des Vorredners, indem
vor Augen und wies darauf hin, daß feit gerbst unter Umständen von werden
1933 durch das Reichsnahrstandsgefetz Landvolk, kann. ; H
SSt url mitn?er unb 23er'' I Es gibt leider unausrottbare Uebel, und zu ihnen
befchaf- gehört auch der Mißbrauch des öffentlichen Fern- ^glen^etnebe^zum^Reichsnahrstand zufammenge-' fprechers. Wer in seinen vier Pfählen am eigenen
Gemeinschast des Dienstes am Boden
Oie Tagung der Hof- und Betriebsgefolgschast des Reichsnährstandes.
Wer dazu verdammt ist, das Ende eines solchen Gesprächs abzuwarten, kann sich gratulieren. Zum Glück sind die Wände der Telephonzelle schalldicht, denn wenn für den Wartenden auch noch die Notwendigkeit des Mithörens bestünde, wären Katastrophen unvermeidlich. Lottes Verlobungsgeschichte würde dann vermutlich von Geräuschen begleitet werden, die keineswegs sanfter Natur wären. Und ob die junge Dame überhaupt noch Gelegenheit fände, ihre Kleidersorgen ausführlich zu erörtern, dürfte mindestens zweifelhaft sein.
Gewiß, es braucht nicht immer eine junge Dame zu sein. Auch Männer haben mitunter den Drang, ihr Mitteilungsbedürfnis in hanebüchener Weife zu befriedigen. Diese Zeitgenossen unterhalten sich am Fernsprecher recht ausgedehnt über die von ihnen wenig geschätzten Eigenschaften eines Hauswirtes, über den Geschmack einer Zehnpfennigzigarre oder über die Vorzüge eines Medikamentes gegen Erkältungskrankheiten. Und unterdessen warten zwei oder drei Personen vor der Zelle, für die jede Minute
NSG. Friedberg, 7. Febr. Die Tagung der
Hof-un"^"' ' ' ' ' ' 1 "
Als Vertreter der Landesbauernschaft Nassau ergänzte
Gtabsleiter Or. Wörner
bauernschaft Hessen-Nassau die Arbeitskameraden und erteilte als erstem Redner dem Leiter des Sozialamtes der Deutschen Arbeitsfront
pg. Baden
das Wort, der über die Sozialgestaltung sprach. Als wichtigste Grundsätze der nationalsozialistischen Sozialgestaltung bezeichnete der Amtsleiter Harmonie, Natürlichkeit und Leistung; nur unter diesen drei Gesichtspunkten ist eine erfolgreiche Zusammenarbeit möglich. Um das Ziel der Sozialpolitik: die Verwirklichung der Volksgemeinschaft nach Rasse, Sippe und Familie zu erreichen, muß der Arbeiter der Faust sinnvoll in den großen Schaffensprozeß der Gesamtheit eingeführt werden und am Leben des Staates und des Volkes Anteil nehmen. Pg. B a - den wandte sich weiter einigen Einzelfragen zu und schloß mit der Forderung, daß gründliches Wissen und ausgebildetes Können auf der sicheren Grundlage des anständigen Charakters erstrebt werden.
Der Leiter der Gaurechtsberatungsstelle der Deutschen Arbeitsfront,
pg. Hardt,
sprach anschließend über die arbeitsrechtliche Betreuung der dem Reichsnährstand angeschlossenen landwirtschaftlichen Berufe. Der Redner gab einen Ueberblick über den Umfang und die Tätigkeit der Rechtsberatungsstelle, die irn Gau Hessen-Nassau 20 Dienststellen und 85 fliegende Beratungsstellen eingerichtet hat. Die Rechtsberatungsstelle genießt heute das Vertrauen von Betriebsführer und Gefolgschaft und hat ihr Ziel, den Arbeitsfrieden zu sichern und bei Unstimmigkeiten den gütlichen Ausgleich herbeizuführen, in größtem Maß erreicht. Die Rechtsberatung macht die Tätigkeit der Arbeitsgerichte nicht etwa überflüssig, sondern ist die vermittelnde Instanz für das tägliche Arbeitsleben,, die den politischen Grundsätzen Eingang in die Auffassung und Handhabung des Arbeitsoerhältnisses verschafft. Das Betriebsvechältnis, so führte Pg. Hardt weiter aus, ruht heute auf dem Grundsatz: Treue um Treue, und es stellt daher, bei aller Verschiedenart der Aufgaben, an Betriebsführer und Gefolgschaftsmann gleiche Forderungen. Ueber Fragen der Zuständigkeit für Angehörige des Reichsnährstandes kann es keine Unklarheit geben, es steht vielmehr fest, daß in allen arbeitsrechtlichen Fragen sich jeder Angehörige des Reichsnährstandes unverzüglich an die Rechtsberatungsstelle der DAF. wendet.
Fernsprecher sitzt, möge ihn in Gottes Namen dazu benutzen, seine Allerweltsneuigkeiten in epischer Breite an den Mann zu bringen. Er stiehlt höchstens dem die Zeit, der ihm zuhört. Für alle anderen Mitteilungsbedürftigen aber wäre, es zweckmäßig, wenn die Reichspost ihnen dreimal in jeder Minute automatisch jene Losung durch die Hörmuschel zurufen ließ, die immer noch an allen Fernsprechzellen R: Fasse dich kurz! Vielleicht würde ihnen dann rrgnügen doch einigermaßen wirksam vergällt.
H. W. Sch.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 20.11 bis 22.30 Uhr: großer bunter Faschingsabend „Kampf dem Verdruß". — Gloria- Palast, Seltersweg: „Das Mädchen aus der Hafenschenke". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Im weißen Rößl". — VfB.-Reichsbahn: Bunter Kappenabend im Vereinshaus (Waldsportplatz).
Bunter Faschingsabend im Stadttheater.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute findet ein „großer bunter Faschingsabend" statt. Paul Nieren hat die Gesamtleitung und hat sich unter der Losuna „Kampf dem Verdruß" die Mitarbeit sämtlicher Kapellmeister, Regisseure, technischer Vorstände, aller Solomitglieder der Oper, Operette, des Schauspiels, aller Orchestermitglieder und des gesamten Chorpersonals gesichert. Sämtliche Mitglieder des Stadttheaters und das Publikum sind Mitwirkende. Dieser bunte Faschingsabend bringt einen rheinisch-frohen Ausklang d-'s Karneval-Programms. Es wird darauf hingewiesen, daß es in der Absicht des Theaters liegt, wenn möglichst viele Theaterbesucher bereits im Kostüm im Theater erscheinen, um den farbenprächtigen und bunten Eindruck des Abends zu erhöhen. Jedem Besucher ist im weiteren Verlauf des Abends noch der Besuch anderer Veranstaltungen möglich. Die Vorstellung ist außer Miete und dauert von 20.11 bis 22.30 Uhr.
Dilhelm-Busch-Abend mit Emil kühne.
Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein teilen mit: Für nächsten Freitag ist der in Gießen bestens bekannte heitere Vortragsmeister Emil Kühne zu einem Wilhelm-Busch-Abend gewonnen worden. Wilhelm Busch, der Mensch, der Zeichner, der Dichter und der Weise sollen mit charakteristischen Proben aus seinem Werk zur Darstellung kommen. Wilhelm Buschs Werk ist Allgemeingut des deutschen Volkes geworden. — (Siehe heutige Anzeige.)
sgesolgschaft und ihrer Fachschaften in der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, die am Donnerstag begann, wurde am heutigen Freitag fortgeführt. Zn mehreren Lokalen der Stadt traten die Fachschaften zu ihren Sondertagungen zusammen und nahmen zu den wichtigsten allgemeinen und organisatorischen Fragen ihrer Gemeinschaft Stellung. Die Gegenstände der Tagungen stammten vorwiegend aus der Sozialpolitik und der praktischen Landwirtschaft.
Der Vormittag wurde durch die Reihe der Sondertagungen voll in Anspruch genommen, während nachmittags alle Vertreter geschlossen an einer Versammlung im Kasinosaal teilnahmen. Hier begrüßte Landesgefolgschaftswart S t e i d l e von der Landes-
faßt worden sind. Diese Organisation stellt die unbedingte Sicherung aller ernährungspolitisch wichtigen Faktoren im Interesse der Volksgemeinschaft dar und hat sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens jederzeit kraftvoll bewährt.
Als erster Referent der Schlußtagung am Samstag sprach Landeshauptabteilungsleiter I der Landesbauernschaft Hessen-Nassau,
Bauer Finger-Somborn
über das Thema „Der bäuerliche Mensch". Er betonte u. a., daß der Mensch nicht den Wirtschaftsgesetzen, sondern den ewigen Gesetzen des Lebens unterworfen ist. Der Bauer steht dem Quell dieser Lebensgesetze am nächsten und muß den Forderungen des Blutes so dienen, wie er den natürlichen Wachstumsbedingungen seines Bodens gerecht wird, will er eine gute Ernte erzielen.
Landesbauernführer Or. Wagner
bezeichnete dann in seiner Ansprache die Landarbeiterfrage als eines der wichtigsten Probleme der Gegenwart. Der Landarbeiter wird im nationalsozialistischen Staat genau so gewertet, wie jeder andere Facharbeiter, der er ja durch die Berufsausbildungsverordnung nunmehr im vollen Umfang auch ist. Deshalb stellt die Landarbeiterfrage auch durchaus kein Lohnproblem dar, sondern sie hat ihre Ursache darin, daß eine gewisse Verweichlichung um sich gegriffen hat und keiner Arbeit an der Scholle
verrichten will. Dagegen wird jedoch nunmehr angegangen. Eine Erleichterung der Arbeitsverhältnisse auf dem Land muß damit Hand in Hand gehen.
Dr. Wagner wies dann auf die Bedeutung der Blutsfrage für unser Volk hin und wandte sich dem Ausgleich zwischen landwirtschaftlichen Festpreisen und den schwankenden Preisen, die der Bauer beim Kauf der für ihn notwendigen Dinge bezahlen muß, zu. Der Landesbauernführer schloß mit dem Appell, daß jeder von sich selbst das Höchste erwarten soll und den Glauben haben muß, daß das Lebensglück dem Starken allein befchieden ist.
Als letzter Redner sprach dann der Leiter des gesamten deutschen Landarbeiterwesens,
Reichsgefolgschastswart Methling
von der Hauptabteilung I des Reichsnährstandes. Der Arbeitermangel in der Landwirtschaft hat nicht nur in den letzten Zähren, sondern eigentlich schon immer bestanden. Deshalb sieht der Reichsnährstand in seiner Betreuungsarbeit die erste Aufgabe darin, genügend bodenständige Landarbeiter zu schaffen. Pg. Methling ging itann im einzelnen auf die Maßnahmen ein, die hierzu zu ergreifen sind. Abschlie- schließend befaßte er sich mit der kulturellen Betreuung des Menschen auf dem Lande. Er ging dabei auf die Feierabendgestaltung, die Dorfgemeinschaftsabende und den Urlauberaustausch ein und erklärte, daß ein Programm dieser Maßnahmen, durch die der Mensch auf dem Land gehalten werden soll, demnächst der Gefolgschaft übergeben wird. Er schloß mit dem Hinweis auf die Fürsorgepflicht des Betriebsführers des landwirtschaftlichen Betriebes, der die Treuepflicht des Landarbeiters aeaenüber- steht.
Jasse dich kurz!
Jeder, der gelegentlich den öffentlichen Fernsprecher benutzen muß, weiß davon ein Liedchen zu singen. So rasch er auch zur nächsten Telephonzelle stürzt: das Worten bleibt ihm selten erspart. Und da er es gewöhnlich eilig hat (wozu würde er auch sonst telephonieren?), dehnen sich die Minuten des Wartens qualvoll in die Länge. Er wird natürlich nervös, schüttelt den Kopf und wirft zornige Blicke auf die Tür, hinter der sich zumeist eine junge Dame angelegentlich mit ihrer Freundin unterhält.
„Gestern abend war ich mit Erwin im Kino. Es wurde eine nette Sache gespielt. Großartig, sage ich dir. Was meinst du? Ach so, wie der Film hieß. Warte mal, es wor ein ganz komischer Titel. Zu dumm, ich komme einfach nicht darauf. Er spielte an der Riviera. Weißt du übrigens, daß Krauses nächste Woche verreisen werden? Wie? Natürlich, ich soll nichts verraten. Unsinn, als ob es die Leute nicht auch so merken würden ... Was sagst du? Nein, da bin ich wirklich überrascht. Das hätte ich nicht gedacht, daß es mit Lottes Verlobung so schnell gehen würde ..."
Verhütet Unfälle!
Velriebsführer, Arbettskameradinnen und Arbettskameraden!
Die deutsche Volksgemeinschaft braucht zur Weiterführung und zur Vollendung des gigantische Aufbauwerkes die Gesundheit und die Kraft ein.g jeden einzelnen Volksgenossen. Wir werden in dr Zukunft in Deutschland nicht zu viel, sondern zu w-. nig Arbeitskräfte haben, um die großen, vom Fairer geplanten und bereits in Angriff genommen«« gewaltigen Werke des Friedens zu errichten. Jet- Hand, ja jede Stunde, die für diese Leistung au? fällt, ist ein unersetzlicher Verlust für die Sicheruri und den Wohlstand unseres Volkes. Es muß des. halb alles vermieden werden, was uns kostbar« Arbeitskraft und Arbeitsleistung beraubt. Wir müfjeti um des Volkes und das Glück jedes einzelnen tnille Krankheiten und Unfälle, die allzuoft eine Folg der Arbeitsweisen und mangelnden schadensoerhl-. tenden Einrichtungen in den Betrieben finb, mt allen Mitteln zu verhindern suchen.
Die Unfallverhütungswoche „Druck und Papi»' vom 7. bis 14. Februar soll der aufrüttelnde giir. takt für eine künftige unfallsichere Gestaltung b<r Arbeit und der Arbeitsplätze sein. Helft alle mi; dieses Streben zu verwirklichen! Beteiligt Euch aj den Veranstaltungen der Unfalloerhütungswoch< Beachtet die Unfalloerhütungsvorschriften! Gestaliit die Arbeits- und Aufenthaltsräume hygienisch um sauber! Schützt Eure Gesundheit! Schont Euy Augen durch gutes Licht! Erhaltet Euch, Euren milien, dem deutschen Volke und dem Führer Eur wertvolle Arbeitskraft!
Tragischer Tod auf der Baustelle.
Am gestrigen Montagvormittag ereignete sich der Baustrecke der Reichsautobahn in der Nähe ii Kreisabdeckerei bei Garbenteich ein tragi^ Unglücksfall, dem leider ein blühendes Menschen leben zum Opfer fiel. Dort stürzte an einer Stells an der der 27 Jahre alte Baggermeifter Gmi Schumm aus Bad Homburg mit einer Bagger maschine beim Abtragen einer Erdwand beschäftig war, das mehrere Meter hohe Endstück plötzliä hernieder und verschüttete mit den Erd- und Stein massen auch einen Teil des Löffelbaggers gerafc an der Seite, an der Schümm als Baggerführe: tätig war. Der bedauernswerte Mann wurde da bei in dem Baggerhäuschen so schwer eingeklemmi daß die Eisenwände erst aufgeschnitten werde: mußten, um überhaupt an den Verunglückter heranzukönnen. Leider hatte der Mann durch bi- Erd- und Steinmassen so schwere Verletzungen an Kopfe daoongetragen, daß der Tod auf der Stelü eingetreten war. Ein anderer junger Mann vor Garbenteich, der mit dem Veunglückten an ben Bagger zusammen arbeitete, sich aber im Augen blick des Unglücksfalles gerade auf kurze Zeit en! fern! hatte, entging dadurch dem Unglück. Nach der behördlichen Feststellungen wurde die Leiche vor der Staatsanwaltschaft freigegeben und zunächst nach dem Neuen Friedhof in Gießen gebracht. Der Verunglückte hatte erst vor acht Tagen geheiratet seine junge Frau befand sich gerade in Garbenteiü zu Besuch.
Scheue Pferde rasen gegen einen Personenzug.
Gestern mittag ereignete sich zu einer Zeit, dai die Straßen sehr belebt waren, in der Sicher Straße ein Vorfall, der schlimmste Folgen nach fidi Ziehen konnte, glücklicherweise aber noch glimMchi ablief. Zwei Pferde, die vor einen leeren Waam gespannt waren, wurden plötzlich scheu und rastem davon. Der Fuhrwerkslenker und sein Kameras die beide auf dem Bock saßen, sprangen ab un!o versuchten die Pferde zu halten. Sie wurden oben mitgeschleift und konnten die beiden kräftigen Tiers nicht bändigen. Bei der wilden Fahrt verlor dm Wagen ein Rad, die Pferde rasten aber ttotzdem weiter, rannten die Licher Straße hinauf, überquerten die Straßenbahngleise und stürmten, nadjc der Bahnüberführung zu, weiter. Ein junger Mann,, der mutig hinzusprang, versuchte die Pferde - zu halten, aber auch jetzt gelang es nicht, die Xiere Zum Stehen zu bringen. Vielmehr rannten sie auf dem Bürgersteig, entlang der Provinzialpflegeav- flat, der Bahnschranke zu, die soeben herab gelassen i worden war. Als die Pferde an der Schranke ange
oie Ausführungen des Vorredners, indem er auf die korporative Mitgliedschaft des Reichsnährstandes bei der Deutschen Arbeitsfront hinwies. Wie für aUe arbeitsrechtlichen Fragen die DAF. zuständig ist, fo betreut die Hauptabteilung I der Landesbauernschaft jeden Reichsnährstanosangehörigen in den agrarrechtlichen Fragen. In umfassender Darstellung führte Dr. Wörner weiter den Aufbau des Reichsnährstandes und der Landesbauernschaft
Es war nach der Aussage dieses Zeuge mehr möglich, den guten Glauben des Cl
[en kaum
megr möglich, den guten Glauben des Chirurgen m den beiden Fällen Gallatin und Bertrand anzu- zweifeln. Selbst der Staatsanwalt schien das kaum mehr ernsthaft zu bestreiten. Aber hatte der Angeklagte nicht auch noch im vollen Bewußtsein der Sachlage mit den Verbrechern privat verhandelt, anstatt, wie es seine Pflicht gewesen wäre, sie anzuzeigen? Hatte er sich nicht sogar im Falle Kühlmann bereit erklärt, eine bewußt verbrecherische Handlung durch Vornahme einer Gesichtsoperation zu begehen?
Gewiß, Alland leugnete es nicht. Er wollte nichts beschönigen, sondern nur versuchen, seine Handlungsweise menschlich begreiflich zu machen. Konnte man sich nicht in seine furchtbare Zwangslage versetzen?
„Es handelte sich für mich ja nicht in erster Linie um das eigene Schicksal, sondern vor allem um meine Frau. Zch war verzweifelt, als mir klar wurde, daß es mir doch nicht gelungen war, sie endgültig von aller Last der Vergangenheit zu befreien, daß mit dem Wiederauftauchen dieses Monno die alte schreckliche Drohung von neuem Gestalt gewann. Ich wußte, daß sie unschuldig war, auch Monno wußte es, aber gerade er konnte genau so gut das Gegenteil glaubhaft machen. War sie mcht damals in der ersten Verwirrung mit ihm geflohen, anstatt sich der fianzösischen Polizei zu stellen...?
Wir konnten nicht ahnen, daß die Fahndung nach chr inzwischen längst eingestellt worden war, daß öer Verdacht der Mitschuld an Ostrowskis betrügerischen Geschäften sich bei näherer Prüfung' als gegenstandslos erwiesen hatte. Wir mußten glau- den, daß Monno uns in der Hand hätte und seine unheimliche Macht skrupellos ausnützen würde. Ihn anzeigen ...? Sie haben hier selbst gehört, mit welcher kaltblütigen Selbstverständlichkeit er ^ovon sprach, daß er mich natürlich durch eine falsche Aussage vernichten wollte, solange er meinte, rch hatte seine Verhaftung veranlaßt. Wie hätte ich gegen solche belastenden Behauptunqen jemals meine Unschuld, meine Ahnungslosigkeit wirksam
Der Below hatte alle Mühe, diese leidenschaftlichen Selbstbezichtigungen vorsichtig abzuschwächen, da er bereits eine Ausdehnung der Anklage auch auf Evelyn Alland au befürchten begann. Sie selbst aber schien die drohende Gefahr völlig außer acht zu lassen, wenn nicht sogar herauszüfvrdern. Es machte zuweilen fast den Eindruck, als ob sie es wirklich bewußt darauf anlegtt, im allerschlimmsten sien Fall, im Fall einer Verurteilung, das Schicksal ihres Mannes zu teilen.
Ein bewegtes Flüstern ging durch den Zuschauer- raum, als die Zeugin ihre Aussage beendet hatte. Auch die biederen Gesichter der Geschworenen drückten deutlich eine starke Ergriffenheit aus, wie der Verteidiger mit Erleichterung bemerkte. Die eigentlich entscheidende Wendung aber brachte gerade der Hauptbelastungszeuge des Staatsanwalts, der Kriminalinspektor Benteli. Denn seine Aussage über jene Unterredung, die er als Herr Kühlmann mit dem Arzt in dessen Ordinationszimmer geführt hatte, verwandelte sich unter den geschickten Zwischenfragen der Verteidigung beinahe in eine Art von Sympathiekundgebung für den Angeklag- ten — ein Eindruck, den Dr. Below in seinem Plädoyer noch besonders wirksam zu unterstteichen verstand.
„Sie haben gehört", rief er den Geschworenen ZU, „was dieser einfache Kriminalbeamte hier ausgesagt hat — daß es ihm furchtbar schwer geworden sei, die ihm auferlegte Rolle des erpressenden Verbrechers weiterzuspielen, daß er sich im stillen geschämt hatte, angesichts der menschlich ergreifenden Haltung des Arztes, der mit solcher Eindringlichkeit an die besseren Gefühle des vermeintlichen Verbrechers appellierte. Sie haben gehört, daß der Beamte ,Achtung und Mitleid' empfunden hat als Dr. Alland ihm schon damals die rein ideellen Beweggründe seines Handelns erklärte und jeden Ge- ^anken an Gewinn mit aller Entschiedenheit zurück-
Auch diese Aussage, ebenso wie die von Zean Monno, bestätigt unzweifelhaft: der Arzt war wirklich vollkommen ahnungslos, als er die Operation an jenem sogenannten Mister Gallatin und später an dem .Seidenfabrikanten Bertrand' vornahm. Daß er, um Frau und Kind zu retten, sich endlich nach schwerem innerem Kampf bereit erklärt hat einer mitleidlosen Erpressung nachzugeben — wer wollte ihm das verargen ...?
Meine Herren Geschworenen, wenn er wirklich pegen die Gesetze des Strafrechts verstoßen haben sollte — em Tatbestand, den ich rm Gegensatz zur
Anklage mit aller Entschiedenheit bestreite —, so, hat er sich doch niemals gegen die Gesetze ber Menschlichkeit vergangen. Und' diese selben Gesetze^ sind es, in deren Namen ich die Freisprechung diesem Mannes fordere, der schon viel mehr gelitten al- gefehlt hat. Geben Sie ihn seiner Familie, seinen Patienten zurück, denen sein ganzes Leben gehörig hat und weiter gehören soll ...!"
Der spontane Beifall des Publikums, obwost vom Vorsitzenden gerügt, verriet den tiefen Ein- druck, den die Rede des Verteidigers hinterließ. Wenn die Geschworenen ähnlich empfanden, mar alles gerettet. Die Anklagerede des Staatsanwalts war bei aller fachlichen Härte doch jedenfalls nichi von besonderer Heftigkeit gewesen.
Als Alland selbst mit einer vor unterdrückter Erregung bebenden Stimme das ihm zukommende Schlußwort sprach, herrschte atemlose Stille.
„Sie werden entscheiden", jagte er, „ob ich mich durch eine Verletzung meiner bürgerlichen und ärztlichen Pflichten strafbar gemacht habe. Dos eine aber möchte ich auch jetzt noch sagen: Ich glaubte, damals nicht anders handeln zu können, ohne gegen eine andere Pflicht zu verstoßen, die mir befahl, meine Frau zu schützen, sie nicht unschuldig einer nur schwer zu widerlegenden Anklage und allen damit verbundenen Qualen auszusetzen. Das ist alles, was ich zu sagen habe. Wie immer Sie aber auch entscheiden werden — jedenfalls bin ich durch diese Katastrophe befreit von einem Druck, der schrecklicher auf mir gelastet ljat als alles, was mich jetzt noch treffen kann."
Die Beratung der Geschworenen dauerte kaum eine halbe Stunde. Sie yatten sämtliche Schuld- fragen mit „Nein" beantwortet.
Der Freispruch, von allen Anwesenden mit lautem Jubel begrüßt, ließ Alland selber scheinbar ganz unbewegt. Er saß wie erstarrt und sah ungläubig seinem Verteidiger in das strahlende Gesicht. Don allen Seiten drängten sich plötzlich Leute heran, die ihm gratulierten, ihm die Hand schütteln wollten. Aber das alles kam ihm noch immer ganz unwirklich vor — wie das allzu glückhafte Ende eines Traumerlebnisses.
Erst als sich plötzlich das Menschenknäuel um ihn öffnete und Evelyn, ohne auf die Umstehenden Zu achten, mit einer leidenschaftlichen Bewegung auf ihn zustürzte und ihm die Arme um den Hals warf — erst da war endlich alles wieder wirklich
„Evelyn!" rief er, und in diesem einen Wort lag alles Entzücken, alles triumphierende Glück eines, der von neuem ins Leben zurückkehrt.
verteidigen können? Ich frage den Herrn Staatsanwalt, ob er mir wohl in solchem Fall geglaubt hätte ...! Vielleicht habe ich mich durch mein Schweigen schuldig gemacht. Aber wenn ich nicht geschwiegen, wenn ich gesprochen hätte, so wäre ich zwar unschuldig gewesen, aber bann wahrscheinlich erst recht verurteilt worden.
Es war ein furchtbarer Gewissenskonflikt, aber ich glaubte, nicht das Recht zu haben, mit meinem Leden zugleich das meiner Frau und meines Kindes zu opfern. Sie werden darüber entscheiden, ob diese Erwägung juristisch zulässig ist — daß sie menschlich verurteilenswert sei, kann ich auch heute noch nicht glauben ..."
Beinahe gegen den Willen der Verteidigung hatte Evelyn, die selber, dank dem sofortigen Eingreifen Dr. Belows, seinerzeit überhaupt nicht verhaftet, sondern nur kurz vernommen worden war, darauf bestanden, als Zeugin, wenn auch unvereidigt, auszusagen.
Evelyn, in ihrer leidenschaftlichen Gespanntheit schöner denn je, im blassen Antlitz die Augen flammend vor innerster Ergriffenheit, versuchte hartnäckig alle Schuld — wenn es überhaupt eine Schuld gab — auf sich zu nehmen. Sie war es, die durch ihre Schwäche, ihre Verzagtheit ihren Mann in diese gefährlichen Zweideutigkeiten verstrickt und ihn dazu bestimmt hatte, den Erpressungen nachzugeben. „Es war nichts als Feigheit von mir, daß lch ihm damals den ersten Besuch Monnos verschwiegen habe, und daß ich selbst dann noch schwieg, als mir mein Mann die Aufnahmen zeigte, Die er nach der Operation von Monno gemacht hatte. Ja, Feigheit war es und — Mangel an Vertrauen. Ich hatte Angst um unser Glück, ich fürchtete es zu zerstören. wenn ich eingestehen mußte, daß die alten Drohungen der Vergangenheit, vor denen wir uns doch längst gerettet glaubten, plötzlich wieder lebendig geworden seien. Ich hoffte, irgendwie allein mit alledem fertig zu werden.
Heute weiß ich, daß auch das schwerste Schicksal zwei Menschen, die sich wirklich lieben, nicht zu trennen vermag" — ihre Augen suchten Alland, der ihr mit aufleuchtendem Lächeln zunickte —, „aber damals glaubte ich noch, meinem Mann diese Kämpfe und Aufregungen und inneren Konflikte ersparen zu müssen, um unsere Liebe vor allzu heftigen Erschütterungen zu bewahren. Ich wollte ihn schonen, ach — und gerade dadurch habe ich nun erst recht Unglück über ihn gebracht! Ich — ich allein bin an allem schuld — nicht er ...!"
Das fremde Gesicht
von Garen.
Schluß. Nachdruck verboten.
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