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Carl Benz: Lebensfahrt eines deutschen Erfinders. Leipzig 1936. Koehler & Amelang Verlag. 160 Seiten. Ganzleinen 2,8h RM. (455.) Carl Benz'Lebensfahrt" ist zu­gleich die Geschichte der Erfindung des Automobils, die hier so anschaulich und spannend erzählt wird, wie sie Benz selbst gesehen und durchkämpft Hal. Bevor derWagen ohne Pferde" auf den Land- traßen lief, mußte der Erfinder eine Reihe Unter­ragen nacheinander bewältigen, die er hier alle o volkstümlich darstellt, daß sie selbst der Laie ver- teht und auch die Jugend an dieser großen deut- chen Erfindung teilzunehmen vermag. Launig, wie der achtzigjährige Benz selbst immer gewesen ist, sind auch seine Lebenserinnerungen von einem erfrischenden Humor durchstrahlt.

Marie Grengg: Das Feuermandl. Roman. 382 Seiten. Leinen 5,40 Mark. Adolf Lu­ser Verlag, Wien, Leipzig, 1935. (444) Der Roman handelt im wesentlichen von dem unseligen Schicksal einer erbkranken Familie und von dem selbstlosen strengen Willen eines der beiden kranken Söhne zur Wendung dieses Schicksals. Er lernt aus seiner Rot heraus, die ihn zum einsamen, durch ein Gesichtsmal gezeichnetenFeuermandl" macht, alles Kranke und Schädliche im Volksorganismus hassen und vernichten, wobei er den eigenen ver­brecherischen Bruder nicht schont: und er wird zum eifernden, auch heilkundigen Nothelfer erbgesunder Familien, deren aufstrebender Jugend er eine Sied­lung stiftet. Dieser Handlungskern ist in einen gro­ßen, buntbewegten Kreis von Menschen und Be­gebenheiten gestellt.

Elsa Bervewitz: Die Entrückten. Verlag Albert Langen-Georg Müller in München. Aus der SammlungDie kleine Bücherei" Band 63. Preis geb. 0,80 Mk. (308) Diese Ge­schichten lenken erneut die Aufmerksamkeit auf die Vernichtung des baltischen Deutschtums durch den Bolschewismus. Mit tiefer Erschütterung nehmen wir Anteil am Leben und Sterben dieser vom Tode gezeichneten Menschen, die, von Schrecken, Leid und Grauen heimgesucht, sich um so fester zusammen­schließen zu einer starken und glaubensverschwore- nen Gemeinschaft. In Adel und Größe tragen sie ihr Schicksal als unerforschliche Schickung Gottes und sterben, noch im Untergang ihr Herrentum beweisend, als wirkliche Helden.

Friedrich Hayn: Sippenfibel. 119 Seiten mit 41 Bildern. 1,50 Mark. VerlagOffene Worte", Berlin W 35. (413) Der Verfasser, Rektor der Stadtschule I in Anklam, unternimmt hier den Versuch, die Ergebnisse eigener sippen- kundlicher Forschungen kurz und volkstümlich nie­derzulegen: sein Büchlein will praktische Anleitun­gen geben, außerdem auch neuen Erkenntnissen und Zielen der Familien- und Sippenforschung dienen und Anteil nehmen an der Erziehung des politisch denkenden deutschen Volksgenossen. Die Schrift wird mit ihren mancherlei Beispielen und Hinweisen vielen willkommene Hilfe und Anregung geben.

Erich Weber, Martin Boeder und Ro­bert Zündorf: Deutscher Geschichts- Plan. Politik, Kultur, Wirtschaft. Zwei Jahr­tausende Deutscher Geschichte in zeit-räumlicher Dar­stellung. Dürrsche Buchhandlung, Leipzig CI. (436.) -

Man kann nur einem Herrn dienen.

Ein Jude wegen Untreue vor Gericht.

LPD. Offenbach a. M., 7. Jan. Ein 51 Jahre alter Jude aus Frankfurt a. M. war Wirt­schaftsberater einer Walzenmühle in der Wetterau. Auf Anregung der Inhaber der Walzenmühle wurde er auch als Treuhänder bei einer Brotfabrik im Rodgau bestellt, um hier ein außergerichtliches Vergleichsverfahren durchzuführen. Zunächst sicherte er sich für seine Mühewaltung ein ansehnliches Honorar, dann war er darauf bedacht, daß die Walzenmühle, von der er sicherlich gleichfalls ein ansprechendes Honorar bezog, ihre Forderungen nicht einbüßen würde. Vor dem Bezirksschöffengericht Offenbach war der Jude nun wegen Untreue angeklagt. Er wurde be­schuldigt, daß er während des Vergleichsverfahrens der Brotfabrik als deren Bevollmächtigter eine dem Inhaber der Brotfabrik au^ einer Erbschaft noch zustehende Forderung der Walzenmühle zur Siche­rung ihrer Forderung abtrat, danach aber, da er doch auch für die Walzenmühle tätig war, die gleiche Forderung nochmals als ungesichert im Ver­gleichsverfahren anmeldete. Dadurch wurde die Walzenmühle nicht nur wie alle ungesicherten Gläubiger befriedigt, sondern der Brotfabrikant büßte auch seine Forderung aus der Erbschaft ein. In der Verhandlung mag dem Juden, der durch eine Seiten umfassende Denkschrift seine Unschuld zu beweisen versuchte, zum Bewußtsein gekommen sein, daß man schlecht zwei Herren auf einmal dienen kann. Das Gericht verurteilte ihn zu sechs

Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geld­strafe.

Gefängnis für einen Ehrabschneider.

LPD. Marburg, 8. Jan. Im November v. I. richtete ein älterer Kirchhainer Einwohner ein Schreiben an den Oberpräsidenten, worin er u. a. zum Ausdruck brachte, daß der Bürgermeister der Stadt Kirchhain eine Anzeige gegen einen dortigen inzwischen gestorbenen Beamtenge­drückt" habe. Dieser Vorwurf bedeutete eine schwere Beleidigung des Sürgermei; st e r s und hatte eine Anklage gegen den Brief­schreiber zur Folge. Vor dem Schöffengericht ver­suchte der Angeklagte seiner Redewendung einen anderen Sinn zu geben, er hatte aber damit keinen Erfolg. Es stellte sich heraus, daß der Angeklagte seit Jahren einen Sammelpunkt für die Unzufrie­denen in Kirchhain bildet, diesenRatschläge" er­teilt und bereits 1934 einmal in Schutzhaft genom­men werden mußte. Der als Zeuge vernommene Bürgermeister bekundete, daß eine Regierungskom- miffion die Stadtkasse einer Nachprüfung unterzogen habe, dort aber keinerlei Verfehlungen des ver­storbenen Beamten feststellen konnte. Nach den Aus­führungen des Vertreters der Staatsanwaltschaft ergab die Beweisaufnahme, daß dem Bürgermeister nicht der geringste Vorwurf bezüglich einer Ver­letzung seiner Amtspflichten zu machen ist. Der An­geklagte sei ein D o l k s s ch ä d l i n g schlimmster Sorte, der es verstehe, Unruhe zu erregen und versuche, anderen Leuten ohne jeden Grund die Ehre abzuschneiden. Das Gericht erkannte wegen verleumderische Beleidigung auf 4 Monate Gefängnis

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