Lunge deutsche Nation.
Oie Lösungen und die Preisträger unserer Weihnachis-Preisaufgabe 1936.
Das NeineWeihnachtSbäumchen.
Einst war da ein Bäumchen schwach und klein, Aiim Schutz benutzten's die Vögelein.
Unbedeutend stand es im Walde, da kam der Weihnachtsmann über die Halde. Er sprach: „Dies Bäumchen ist mir grade recht ist schön gewachsen und gar nicht schlecht." Er hieb es ab, steckt's in den Sack hinein und trabt zum nächsten Städtelein, und denkt: „Ich such' jetzt, bis ich find', ein Häuschen mit 'nem brauen Kind, dem will ich Ichenken das Bäumchen klein, es wird sich dann daran erfreu'n." Und wie er so durch die Straßen geht, ein kleines Mädchen vor ihm steht.
Es sagt: „Ach lieber Weihnachtsmann, ich bitt', komm doch zu unserer Wohnung mit.
Die Mutter ist krank, der Vater ist tot, seit dieser Zeit leiden wir bittere Not. Wir wollen mit allem zufrieden sein, hätten wir nur ein Bäumelein." „Wo ist euer Haus? Komm, führ mich hin!" „In der Mühlgass', ganz in der Ecke drin." Der Weihnachtsmann stapft mit schwerem Schritt an Kinderhand durch die Straßen mit.
Bis sie in ein Häuschen armselig und klein durch die niedrige Türe gehen hinein. Dort blicken ihn zehn Kinderaugen an, der Weihnachtsmann bringt seinen Sack heran. In die Stube er das Bäumchen stellt, bald Lichterglanz die Hütte erhellt.
Die Kinder sind herumgesprungen und haben Weihnachtslieder gesungen. In all dem Jubel und Kerzenschein, geht der Weihnachtsmann aus der Hütte klein. Er brummt zufrieden in den Bart: „Das ist die rechte Kinderart, die Andern immer Freude macht und an sich selbst hat nicht gedacht!" Zufrieden stapft er in den Tann und tritt die Himmelsreise an.
So bracht' das Bäumchen arm und klein, den guten Kindern Sonnenschein.
Ursula Meyer-Paysan, Gießen, 11 Jahre alt.
Vom Tannensamlem zum WeihnachtSbaum.
Heuer ist ein Tannenzapfenjahr. Alle Tannen hängen jetzt voll von braunen Zapfen. Sie lüften in lauem Wind ihre Schuppen und die kleinen geflügelten Samen fliegen heraus. Da erfaßt sie der Wind. Weit trägt er sie über Berg und Tal, über Flur und Wald. Viele fallen auf harten, steinigen Grund, viele ins Wasser, aber auch viele auf guten Boden. Von einem, das der Wind neben einer uralten Tanne fallen ließ, will ich erzählen. Es lag wochenlang wie leblos da. Aber als der März ins Land zog,'da schwoll das schwarze Körnlein an. Es Lehnte und streckte und sprengte seine Hülle. Ein feines Würzelchen trieb es in die Erde und dem Lichte zu hob sich das zierliche Stämmchen. Aber als der Mai kam, sah es wie ein kleines Sternchen aus. Niemand hätte gedacht, daß aus ihm eine so große Tanne wachsen würde. Es gedeihte präch- ttg unter dem Schutz seiner großen Nachbarn. Im zweiten Frühjahr trieb es schon kleine Zweige mit winzigen Nadeln und im Herbst war es schon eine Spanne hoch, und seine Zweige glänzten wie die seiner großen Kameraden. Langsam und nur mählich wuchs unser Tännlein. Doch im 5. Jahr war es schon ein richtiger Tannenjüngling. Seine Zweige hatten sich regelmäßig um den Stamm geordnet und seine Spitze stand wie ein Spieß gen Himmel. Ein Rotkehlchen mietete sich ein und baute sein Nest im dichten Gezweig. Die Jahre vergingen. Zwanzigmal hatte es jetzt schon neue Nadeln bekommen. Und jetzt ist es wieder Winter. An einem Morgen kam der Förster und schnitt mit seinem scharfen Messer ein Kreuz in den Stamm der Tanne. Das gelbe Harz floß aus der Wunde. Und nach wieder ein paar Tagen kamen abermals zwei Männer mit einer riesengroßen Säge und begannen unsere Tanne zu fällen. R — si, r — si, r — si stöhnte es. Langsam neigte sich der Baum und krachend stürzte er zur Erde. Doch jetzt kommt eigentlich seine schönste Zeit. Bunt und glitzernd steht er im Zimmer. Schokoladenkringel, Kugeln und Silberputz hängen an seinen Aesten, und die Kinder freuen sich über die bunten Lichter. Unter Tannenbaum selbst ist ftoh und glücklich, daß er ein Weihnachtsbaum wurde.
Klaus Huch, Gießen, 16 Jahre alt.
Der Hiilerjunge.
Hans stand am Fenster und überlegte sich, wie er wohl aus dieser Klemme herauskommen sollte. Dem Gefolgschaftsführer war es vor einiger Zeit ausgefallen, daß Hans mit sehr schlechtem Schuhwerk zum Dienst kam. Da dem Gefolgschaftssührer bekannt war, daß die Mutter von Hans eine arme Witwe ist, bekam Hans ein Paar neue Schuhe gestiftet. Niemand war glücklicher als Hans. Gerade jetzt, wo die Geländespiele begannen, brauchte er sich nicht mehr um Ausreden über sein Ausbleiben den Kopf zu zerbrechen, sondern konnte zu jedem Dienst fröhlich antreten. Aber was nun? lieber Hans wohnten auch sehr arme Leute. Der Mann war jahrelang arbeitslos gewesen. Nun hatte er vor acht Tagen durch das Arbeitsprogramm des Führers Arbeit bekommen. Dann geschah das Unglück im Betrieb. Jetzt lag er schwerverletzt in der Klinik. Sein Sohn, im gleichen Alter mit Hans, der wegen innerer Krankheit keinen Dienst mitmachen konnte, hatte sich nun bei dem nassen Wetter infolge seiner schlechten Schuhen und dauernd nassen Füßen wieder eine Lungenentzündung zugezogen. Der Arzt hatte dringend geraten, neue Schuhe anzuschaffen, damit er vor allen Dingen feine nassen Füße mehr bekäme. Als Hans seinen Freund besuchte, klagte ihm dieser sein Leid. Kurz entschlossen schenkte ihm Hans seine Schuhe. Morgen war nun Eintopftonntag. Obwohl die Mutter von Hans auch sehr arm war, hatte er doch darauf bestanden, daß auch sie ihr Scherflein zu dem Winterhilfswerk des deutschen Volkes beitragen konnte. Der Gefolgschaftsführer von Hans hatte gerade in dieser Straße zu sammeln. Sollte er nun die Sache erzählen oder nicht? Es sah nach Prahlerei aus. Aber er hatte sich doch zu dem Segelflugwettbewerb, der innerhalb der Gefolgschaft mit
selbstgebauten Segelflugzeugen stattfand, gemeldet, da mußte er ja mit seinen alten Schuhen wieder auffallen. Er beschloß, vorläufig zu warten. Beim nächsten Antreten geschah es schon. Hans trat mit blänkgeputzten Schuhen an. Aber auch mit dem besten Schuhputz ließen sich die Mängel nicht verdecken. Als der Gefolgschaftsführer die angetretenen Jungen besichtigte, stutzte er bei Hans, sagte aber nichts, sondern ging ruhig weiter. Nach der Beendigung der Besichtigung rief er Hans aus dem Glied heraus, ging mit ihm auf die Seite und frug ihn nach dest Schuhen. Hans erzählte die Sache. Der Gefolgschaftsführer sah ihm ernst in die Augen und sagte dann nur: „Eintreten." Hans war froh, daß die Sache so abgelaufen war. Als er seinen kranken Freund wieder besuchte, zeigte dieser ihm freudestrahlend ein Paket von der Winterhilfe. Warmes Unterzeug, einen Anzug und einen Mantel, was er so nötig brauchte. Er war jetzt so weit wieder gesund, daß er zu dem letzten Heimabend in dem alten Jahr mitgehen konnte. Da lag unter dem brennenden Tannenbaum für die armen Kameraden manch Paket. Auch für Hans. Als er es öffnete, waren eine neue Uniform und neue Schuhe darin. Er freute sich sehr darüber. Der Gefolgschaftsführer machte noch bekannt, daß der Regimentskommandeur des hiesigen Infanterie-Regiments, die gesamte Gefolgschaft für die geleisteten Dienste der Hitler- jungen während des in hiesiger Gegend stattgefundenen Herbstmanövers durch Bereitstellen von frischem Trinkwasser und sonstigen kleinen Hilfeleistungen zu einer Weihnachtsfeier in der Kaserne eingeladen habe. Jubelnd wurde diese Nachricht ausgenommen. Als die Jungen von der Feier in der Kaserne nach Hause gingen, war es ihnen doch klar geworden, daß alle diese Freuden der letzten Wochen nur durch den Aufbauwillen des Führers unter Mithilfe des deutschen Volkes möglich waren, und jeder nahm sich fest
vor, auch im neuen Jahre den Befehlen des Führers nachzukommen.
Heinz Häuser, Gießen, 13 Jahre alt.
Sei der Hlller-Zugend.
Am einem Sonntagmorgen trat die Gefolgschaft 1 der HI. um 7 Uhr mit 1:183 Mann am Appellplatz an. Sie wollte ein Geländespiel gegen die Gefolgschaft 5 machen. Dabei wurde bekannt gegeben, daß die Siegermannschaft die Ehre hätte, am kommenden Sonntag für das Winterhilfswerk zu sammeln. Dieser war gerade der nächste Eintopfsonntag. Nun ging das Geländespiel los. Die Gefolgschaft 5, die mit 1:227 Mann angetreten war, siegte. Das kam daher, weil sie bei dem letzten Herb st Manöver zugesehen hatte und von den Feldgrauen so mancherlei Kniffe gelernt hatten. Sie konnte auch eine schöne Summe an das Winterhilfswerk abliefern. Die Gefolgschaft 1 nahm sich aber vor, bei dem nächsten Herbstmanöver auch zuzusehen.
Nachdem sich die beiden Mannschaften wieder friedlich vereinigt hatten, gab es einen gemeinsamen Aufmarsch vordem Bannführer. Dieser führte unter anderem aus, daß bei dem nächsten Heimabend eine schlichte Weihnachtsfeier sein sollte, bei dem ein Tannenbaum brennen müßte. Ferner sollte jeder Junge etwas Geld stiften, damit ein Segelflugzeugmodell gebaut werden könnte. Das geschah auch so, wie es der Bannführer gesagt hatte. Bei dem nächsten Segelflugwettbewerb machte dieses Flugzeug, welches mit Gummiantrieb bewegt wurde, den dritten Preis. Es war aber auch viel Arbeit gewesen bis das Sperrholz herausgesägt und geleimt war. Sie hatten es aber geschafft. Ja, bei der Hitler-Jugend ist es schön.
Hermann Fischer, Flensungen, 13 Jahre alt.
Das Ergebnis und die 30 Preisträger.
Liebe duben und Madels!
Nun ist die Schlacht wieder einmal geschlagen; die vielen Briefe sind geordnet, numeriert und zu Häuschen geschichtet: Buben und Mädchen, Stadt und Land, falsche und richttge Lösungen. Die falschen waren, um es gleich zu sagen, in verschwindender Minderzahl. Die meisten der jugendlichen Einsender haben alle Rätsel ohne sonderliche Schwierigkeiten richtig gelöst — nur die beiden ersten (Geländespiel und Eintopftonntag) haben einigen etwas mehr Kopfzerbrechen gekostet. Spaßig ist, daß die Zahl der Einsendungen aus der Stadt und vom Lande genau die gleiche ist; doch haben sich in Gießen ungefähr doppelt soviel Mädchen wie Buben, auf dem Lande ungefähr doppelt soviel Buben wie Mädchen am Wettraten beteiligt. Und alle oder fast alle haben auch eine Geschichte gewußt oder ein Gedicht gemacht; die hübschesten davon findet Ihr auf dieser Seite abgedruckt. Alles in allem: der Rätselonkel hat gesehen, daß er wieder mal das Richtige getroffen, und daß die Weihnachtspreisaufgabe 1936 Euch allen nicht weniger Spaß gemacht hat als ihm selber. Ihm hat das Vergnügen dabei die Mühe reichlich aufgewogen, Euch soll ein Preis von bleibendem Wert die Anerkennung für Kopfzerbrechen, Fleiß und mancherlei Einfälle fein. Und wer dies Jahr feinen Preis bekommen konnte, soll es das nächste Mal aufs neue wagen.
Auf Wiederhören und -raten Weihnachten 1937! Euer Rätselonkel.
Die Lösungen:
Silbenrätsel.
1. Sizilien, 2. Eboli, 3. Grüningen, 4. Edersee, 5. London, 6. Fanfare, 7. Leiterwagen, 8. Unterfeldwebel, 9. Gutenberg, 10. Wanderfalke, 11. Elsa, 12. Toledo, 13. Tannenberg, 14. Batterie, 15. Ellenbogen, 16. Wasserrose, 17. Ermanarich, 18. Robinson, 19. Bacharach. — S e g e l s l u g w e 11 b e - werb.
Zahlenrätsel.
Gefolgschaft. — Scholle, Affe, Tast, Elle, Scheffel, Elfe, Hagel, Flagge, Golf, Elch, Haft, Egge, Schaf, Felge, Schlaf, Schale, Tasche, Lotte, Flegel, Halle, Hegel.
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Brückenrätsel.
Gasthaus, Hausarbeit; Weinernte, Erntekranz; Landregen, Regenbogen; Nadelbaum, Baumblüte; Bodensee, Seefisch; Domturm, Turmuhr; Butter-1 milch, Milchmann; Hebelarm, Armbrust; Walnuß/ Nußschale; Schmelzofen, Ofenrohr; Speiseeis, Eislauf; Zugvogel, Vogelbauer; Gußeisen, Eisenbahn; Sommerreise, Reiseziel. — Herb st Manöver.
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Verwandlung.
Tannenbaum.
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Magisches Quadrat.
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Vertauschter Kopf.
Dal, Igel, Neger, Tanne, Esche, Rose, Horn, Iller, Laub, Feder, Sonne, Wind, Enkel, Rad, kohle. — Winterhilfswerk.
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Das geht uns alle an.
Ein Topf, Eintopf, Sonntag, Eintopfsonntag.
Für die junge Mannschaft.
Gelände, Spiel, Geländespiel.
Die Preisträger:
1. Elfriede Keßler-Damm, Gießen, Liebig- straße 97: „Wie die Igel Stacheln kriegten".
2. Erich und Ursula Meyer-Paysan, Gießen, Karl-Vogt-Straße 17: Das große Buch der Natur.
3. Martha Lotz, Garbenteich, Grüninger Straße Nr. 3: Josefine Siebe: „Heimat im stillen Tal".
4. Heinz Arnold, Gießen, Erlengasse 11: Koch- Gotha: „Manövertag".
5. Ferdinand Sommerlab, Großen - Buseck, Kaiserstraße 16: Goering: „Der Schütze von Flandern".
6. Jrrng. und Margot Seibel, Gießen, Roon- straße 22II: Kalender: „Kultur und Natur".
7. Hans Otto Glöckner, Lich, „Hplländifcher Hof": Dey: „Goar und die Gilde".
8. Hildegard Ranft, Gießen, Am Wingert 2: „Miete will nach Afrika".
9. Otto Bausch, Langsdorf, Weidegasse 16: Walter von Schön: „Kreuzerkrieg führen!"
10. Else Schmidt, Heuchelheim, Ernst-Straße 21: Mädeljahrweiser 1937.
11. Heinz Häuser, Gießen, Liebigstraße 15II: Edmund A. Pfeiffer: „Schiffahrt und Seewesen".
12. Frieda und Hedwig Emde, Gießen, Landgrafenstraße 4II: Höpker: „Als Farmerin in Deutsch-Südwest".
13. Albert Fay, Grüningen, Adolf-Hitl^-Straße Nr. 60: Josef Vetter: „Ueberfall auf die Gold- wasserfarm",
14. Anni Pfeiffer, Großen-Buseck, Schloßstraße Nr. 3: Auerbachs Deutscher Kinderkalender.
15. Franz Ehrker, Gießen, Wetzlarer Weg 35: Zacharias: „Halt' euch brav, ihr deutschen Brüder".
16. Marianne Gilbert, Gießen, Wolfstraße 8: Petersens Hunde- und Katzenkalender.
17. Hermann Fischer, Flensungen, Post Mücke: Batten: „Spuren in der Wildnis".
18. Ruth Decker, Gießen, Stephanstraße 21 p: Ludwig-Richter-Kalender.
19. Dieter Schönhals, Hungen, Gießener Straße Nr. 11: Zdenko v. Kraft: „Sitting Bull".
20. Klaus Dieter Huch, Gießen, Bleichstraße 10: Burg: „Forscher, Kaufherren und Sold. len".
21. Hans Germer, Klein-Linden, Wetzlarer Straße 33: Crissemann: „Das große Spie'lzeug- Bastelbuch".
22. Reinhold K l i n a , Wieseck, Lichtenauer Weg Nr. 18: Boris: „Worpel".
23. Margret Mattern, Gießen, Wartweg 48: Deutscher Kalender.
24. Werner Keßler, Steinbach, Adolf-Hitler- Straße 110: „Auf guter Fahrt".
25. Christel und Mutgard F l o e r k e, Gießen, Karl-Vogt-Straße 9: Badischer Kalender.
26. Friedrich-Otto G r a d e I i u s , Gießen, Moltke- straße 28: Lehmann: „Auf Luftpatrouille und Wettfahrt".
27. Helga Allmendinger, Grünberg, Bahnhofstraße 26: „Die große Fahrt der Lotte Neßler".
28. Karlheinz Schubecker, Krofdorf, Gießener Straße 314: Lützow: „Leinen los".
29. Brigitte Ohly, Gießen, Hindenburgwall 16: Blodigs Alvenkalender.
30. Hildegard Stein, Garbenteich, Bergstraße 6: Goering: „Wie der Christbaum entftänb".
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Die Preise der Gießener Preisträger liegen ab Montag, 11. Januar, täglich von 16 bis 18 Uhr, auf der Schriftleitung des Gießener Anzeigers, Schulstraße 7/9 zur Abholung bereit. Den auswärtigen Gewinnern werden die Preise in den nächsten Tagen zugestellt.
Gin Heimabend vor Weihnachten
Im Heimabend sind wir alle mäuschenstill. Solang' uns die Führerin was sagen will.
Alles was so in der Welt geschieht. An unferm Geiste vorüberzieht.
Doch hat sie beendet kaum ihren Plan, Dann fangen gleich alle zu erzählen an. Was sich Besond'res hat zuaetragen, Da ist ein Rusen und ein Fragen! >
Gibt's bald denn wieder Geländesport? Wann, wie und wo, an welchem Ort?
Ob er endet zur vollen Zufriedenheit, Hängt ab von guter Zusammenarbeit. Dazwischen hört man schon andere quälen, Du wolltest uns von dem Herb st manöver erzählen;
Denn dein Bruder war doch dabeigewesen, Und wir haben's nur in der Zeitung gelesen. 'Ne andere erzählt dann so wunderschön
Vom Segelflugwettbewerb auf der Rhön, Wo Vetter Hans hat das Glück gelacht Und er einen Sieg mit heimgebracht. .
Auch das Thema Emtopffonntag kommt zur Sprache,
Hoffend, daß er stets mehr und mehr eintrage; Denn zu lindern immer besser die Not Ist im Winter doppeltes Gebot. — Dazwischen rühren wir fleißig die Hände Nahend für die Winterhilfswerk-Spende. — Auf einmal platzt eine lachend heraus. Denkt ihr denn noch an den Nikolaus?!
Der am letzten Mal ist bei uns gewesen Und hat allen so schön die Leviten gelesen. Er stammte, gespickt voll Weisheit und Tugend Aus einer Gefolgschaft der Hitler-Jugend! Doch was er hatte für jeden bereit Davon schweigt des Sängers Höflichkeit.--
Die Stunden gehen so schnell zu Ende, Bald ist wieder Weihnacht und Jahreswende — Und unser Singen klingt durch den Raum, O Tannenbaum, o Tannenbaum!
Frieda unb Hedwig Emde, Gießen, 15 Jahre alt.
Zungniadel beim Heimabend.
Es war wieder einmal Heimabend für unsere Jungmädelfchar. Wir waren vollzählig angetreten, denn wir wollten kleine Gaben für das Winter- hilfswerk anfertigen. So faßen wir denn und arbeiteten Mützchen, Jäckchen, Strümpfchen und anderes und dachten dabei, wie sich die kleinen Kinder freuen würden, wenn sie unsere Geschenke unterm Tannenbaum fänden. Zwei Mädels, die gut zeichnen konnten, fertigten ein schönes Bilderbuch an. Da sah man gleich auf der ersten Seite Kinder beim Geländespiel. Dann ließen sie fast eine ganze Gefolgschaft Jungen aufmarschieren, die ihren Wimpel mit sich führten. Sehr schön waren die Tiere, die Lotte mit der Laubsäge aussägte. Ein Affe und ein Schaf waren auch dabei. Die Kuh war etwas unglücklich ausgefallen, sie sah eher einem E l ch ähnlich. Die fertigen Figuren wurden auf ein Leistchen geleimt und farbig angemalt. Weil wir so fleißig arbeiteten, las uns nun unsere Führerin zur Belohnung zwei Geschichten vor. In der ersten erzählten Mädel von einer Wanderung zum Segelflugwettbewerb. Da es gerade an einem Eintopfsonn- t a g war, aßen alle aus der Feldküche das Ein- topfeffen mit. Es gab Nudel mit Gulasch, das schmeckte ihnen vorzüglich. Die zweite Geschichte beschrieb ein Herb st manöver, bei dem zwei Jungen zusahen. Sie konnten viel erzählen, da sie einen so guten Platz erobert hatten, daß sie ganz nahe unseren Führer Adolf Hitler sehen konnten. Diese Geschichten fanden allgemeinen Beifall. Nachdem wir noch ein Lied gesungen hatten, wurde die Vastelstunde beendet. Froh gingen wir nach Hause und freuten uns schon auf den nächsten Heimabend.
Hildegard Ranft, Gießen, 13 Jahre alt.
Geländespiel:
Kamps um die Fahne.
Wir, die Verteidiger, hocken auf den Tannen- bäumen. Auf einmal kommen die Feinde an. Plötzlich: „Hurra, hurra!" Ich flüstere meinem Freunde zu: „Hat einer von ihnen wohl die Fahne entdeckt?" Er zuckt ängstlich mit den Achseln. „Hier ist sie, wir haben die Fahne!" Verblüfft schauen wir uns an. Was tun? Schon schnappt einer nach ihr. „Los, auf sie!" Bum, schon sind wir von den Bäumen und stürzen auf den „Dieb". „Es sind 14 Mann!" — „Was können wir vier denn jetzt noch retten!" — „Aber aufgegeben wird's nicht!" Fliegen da die Stürmer in die Tannen und Dörner! Da schreit einer: „Auf ihn, haut ihn, den Lukas!" Von allen Seiten stürzen sie auf uns. Mit dem Mute der Verzweiflung und letzter Kraft versuchen wir standzuhatten; aber Tapferkeit und Mut unterliegen der Uebermacht.
Albert Fay, Grüningen, 13 Jahre alt.
Mein schönstes Manövererlebnis
Aufgeregt kommt meine Tante zu uns ins Zimmer gestürzt. „Helga, Gerhard, wollt ihr mit ins Manöver?" Dumme Frage, denke ich, nattir« lich gehe ich mit. Schnell zog ich den Mantel an, den Hut auf und dann in das Auto. Der Kilometerzähler kletterte auf 60, 80, 90. Hinter mir fnutterte Tantt wegen der schnellen Fahrt. Eine ganze Weile waren wir schon gefahren und immer zeigten sich noch keine Soldaten. Ab und zu hielten wir an und fragten nach dem Weg ins Manöver. Wir rasten weiter. Plötzlich entdeckte meine Tante eine Kanone. Ich aber lachte sie aus und erwiderte prustend: „Es ist ja ein Baumstumpf". Nach einiger Zeit fragten wir wieder nach dem Weg. Wir erhielten zur Antwort: „Hier die Straße rechts hinauf führt ins Manöver, aber wenn sie weiter nach Lauterbach fahren, haben sie vielleicht das Glück, Hitler zu sehen." Rasch ging’s nun nach Lauterbach. Dort kamen wir gerade zur rechten Zeit an, denn Lauterbach wurde von Fliegern an« gegriffen. Leuchtraketen fliegen hoch, Bomben roure den abgeworfen, Flugzeuge brausten durch die Luft, daß man fein eigen Wort nicht verstand. Im Städtchen stießen wir auf Flakabwehr. Wir fuhren weiter, denn auf unsre Anfrage hin hatten wir erfahren, daß Hitler nie hier war. In Hartmannshain, wo in der Nähe die Garde des Führers lag,


