Ausgabe 
9.1.1937
 
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Nr.7 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, Y.Zanuar 1937

ItandgLofien

zur kleinen Zeitgeschichte

-Von Ernst von IUebelschüK.

lieber nichts pflegt d i e tschechische Presse so aus dem Häuschen zu geraten, als wenn sie ein­mal von deutscher Seite daran erinnert wird, daß während des ganzen Mittelalters deutsche Ele­mente es waren, ohne deren tätige Mitwirkung man von einem späteren böhmischen Kulturleben gar nicht sprechen könnte. Selbst ein Vorkämpfer der national-tschechischen Bewegung, der Historiker Palacky, gibt das unumwunden zu, indem er ur­teilt, ohne das Auftreten der Hussiten wäre Böh­men, genau so wie Oesterreich und Schlesien, ein rein deutsches Land geworden. Aber die heutigen Tschechen hören so etwas nicht gerne und werden wütend, wenn einmal die Tatsachen so laut gegen ihre Geschichtsklitterungen reden wie in einem Falle, der jetzt bekanntgeworden ist. Es handelt sich um die Auffindung der Originalpläne für den Bau des St. Veitsdornes auf dem Hradschin zu Prag, einer Kirche, die unter dem deutschen Kaiser Karl IV. nach Erhebung Prags zum Sitz eines Erzbistums 1344 begonnen wurde, jedoch infolge der hussitischen Unruhen im 15. Jahrhundert ein Torso geblieben ist, dem erst in neuester Zeit eine Scheinvollendung im Stil einer geistlosen Reißbrett- Gotik zuteil geworden ist.

Nun steht zwar fest, daß der erste Architekt des Prager Domes ein Matthias von Arras, also ein Nordfranzose war, der aber schon 8 Jahre nach Baubeginn 1352 starb. Man f)at nie daran gezweifelt, daß der verwaiste Bau in diesem Jahre non Peter Parier aus Schwäbisch-Gmünd übernommen wurde, der bis zu seinem Tode 1397 auch das übrige böhmische Bauwesen maßgebend beherrschte, daß also schwäbische Architekten dem Chor des Domes die noch heute bestehende Gestalt gegeben haben, was übrigens gar nicht erstaunlich ist in einem von einem deutschen Könige regierten Lande und in einer Stadt, deren kulturelle Ober­schicht deutsch war und eben eine deutsche Universi­tät als Mittelpunkt des böhmischen Geisteslebens erhalten hatte.

Das alles hat jetzt eine Bestätigung erfahren. Dem Direktor des Stuttgarter Stadtarchivs, Karl Stenzel, ist es nämlich gelungen, in den Ein­banddeckeln alter Rechnunasbücher der Stadt Stutt­gart mehrere Per^amentpläne zu entdecken, die ein­wandfrei als Entwürfe der aus Schwäbisch- Gmünd stammenden Architektenfamilie der Parier für die Fortsetzung und Vollendung der Prager Katbedrale erkannt worden sind: eine Querschnitt- zeickmuna für den Hochchor, ein Aufrißfragment für die Westfassade und den Entwurf eines riesigen Turmes, von dem man mit guten Gründen an» nimmt, daß er mit der Bauführung auf dem Hradschin in Verbindung steht. Darob große Auf- reauna in den tschechischen Zeitungen, Versuche, die Echtheit der Dokumente anzuzweifeln und deralei- chen mehr. Uns ficht das wenig an, da die Ent­deckung ja nur beweist, was wir länaft wußten, mo<s die Herren in Prag aber nicht wissen wollen, w-'l di-Wabrbeit in ihr Phantasiebild einer beutsch- fre^n böhmischen Kultur nicht hineinpaßt.

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Datz dje spanische Freiheitsbewegung sogar unsere und Veranügungsstätten in ihre Flam- m-"*-"Ue ziehen würde, hätte wohl niemand vor- apc--f Und doch geschah es, mittelbar wenig­sten^. durch den Erlaß des Reichsführers SS. und CCbe^G her deutschen Polizei, der sich, sehr berechtig- te^m-ise, gegen den Mißbrauch des WortesAl- k a z a r" wendet und solchen Betrieben, die den jei-t rühmlichst bekanntaewordenen Namen schon früher zum Aushängeschild für ihre fragwürdigen Attraktionen aemadit haben, die Fortführung dieser Bezeichnung kurzerhand und ein für allemdl ver­bietet. Eigentlich ist es beschämend, daß die Besitzer derartiger Stätten der leichtesten Muse nicht selber auf den doch wahrhaftig naheliegenden Gedanken gekommen find, daß sich also ein amtliches Verbot

überhaupt als notwendig erwies. Aber da sie offen­bar gar nicht wußten, was der Name bedeutet, sind ihnen wohl doch mildernde Umstände zuzubilligen. Der Fall zeigt jedenfalls, und damit wird er lehr­reich, mit welcher Gedankenlosigkeit Fremdwörter, deren Sinn man nicht kennt, die aber vielleicht gerade darum die tropische Phantasie des vergnü­gungssüchtigen Publikums reizen, aufgegriffen und verwendet werden. Alkazar! ... wie geheimnisvoll, wie genußoersprechend das klingt! Man müßte ja fein Mensch sein, wenn man hinter dem verschleier­ten Wort nicht Mysterien von orientalischer Ueppig- feit erwarten dürfte. Und dabei heißtAlkazar" auf arabisch nichts weiter als K ö n i g s b u r g. Was Kabaretts und Tingeltangels mit Königen und Burgen zu tun haben sollen, ist einigermaßen unerfindlich. Vielleicht gibt der Himmlersche Erlaß aber den Eigentümern ähnlich sinnlos benannter Gaststätten Gelegenheit, einmal über die Inkon­

gruenz von Namensbedeutung und Sachbestimmung ein wenig nachzudenken.

Sonja Henie, die Weltmeisterin im Eiskunst­lauf, tanzt zur Zeit in Hollywood. Wer es noch nicht wissen sollte: Sie tanzt aus gefrorener Milch! Warum das? Weil die Kameraleute im Filmparadies gefunden haben, daß gewöhnliches Eis im Lichtkegel der Scheinwerfer nicht natürlich genug aussehe. Aus diesem einleuchtenden Grunde also mußte die ganze Eislaufbahn von 12 000 Quadratfuß Umfang aufgetaut, das Wasser ab- aelassen und dafür mit acht Tonnen unverfälschter Kuhmilch begossen werden. Man muß gestehen: der amerikanische Film ist großzügig und wahrhaft frei von sozialer Bedenklichkeit. In den amerikanischen Großstädten gibt es Kinder, deren Mütter für ein winziges Glas Milch vielleicht ihr Leben dahin­geben würden. Aber was kümmert das Hollywood?

Viscount 2Rottjermere beim Führer.

Der Führer und Reichskanzler empfing auf dem Obersalzberg den bekannten englischen Zeitungsverleger und Politiker Viscount Rothermere. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

Neue französische Enthüllungen zur Vorgeschichte des Weltkriegs.

Von proseffor Gustav ORoloff.

trieben wird." Daß diese skrupellose Politik früher oder später zum Zusammenstoß mit Oesterreich- Ungarn führen mußte, leuchtet :in, und um Öen Todesstreich desto sicherer fuhren zu können, ließ Rußland, wie bekannt, eine entsprechende unter­irdische Arbeit vom Balkan her unternehmen.

Es ist an dieser Stelle wiederholt bargetan wor­den, daß Serbien österreich-ungarische Landschaf­ten erobern wollte und von Rußland materielle und moralische Unterstützung empfing. Jetzt sei die Türkei unschädlich gemacht, sagte, wie der fran­zösische Gesandte in Belgrad mitteilt, der russische Gesandte Hartwig im Dezember 1913 dem Mi­nisterpräsidenten Pasitsch, nun komme die Reihe an Oesterreich; bald werde Serbien Bosnien und die Herzegowina erhalten. Diese russische Saat ging in Serbien trefflich auf. Die serbische Presse floß über von Angriffen gegen die Habsburgische Monarchie, die zum baldigen Zerfall bestimmt sei, alle ihre inneren Schwierigkeiten wurden mit grim­miger Schadenfreude besprochen, und wenn einmal vorübergehend aus irgendeinem Grunde die Sprache gemildert wurde, so war das nach dem Urteil des französischen Gesandtenohne Bedeutung und nicht aufrichtig." Systematisch wurde von Belgrad aus die serbische und kroatische Bevölkerung zur Revo­lution getrieben, und manche Attentate gegen hohe österreichische Beamte kommen auf die Rechnung der Belgrader Politiker. Bei der künftigen Offensive gegen die Mittelmächte denn daß mit Oesterreich auch sein deutscher Bundesgenosse niebergemorfen werben müsse, stellte Frankreich als unerläßliche Bebingung seiner Mitwirkung sollten bie Bal­kanstaaten einen erheblichen Teil ber österreichisch- ungarischen Streitkräfte fesseln; ber Gewinnung ber Balkan stauten für bie Entente ist baher ein großer Teil ber neuen Bänbe geroibmet. Diesem Zweck hatte schon das von der Entente im Jahre 1912 herbeigeführte Bündnis zwischen Serbien, Bul­garien, Griechenland und Montenegro gegen die Pforte gedient, man empfand es daher als politische Niederlage, daß nach dem Siege unter den Bundes­genossen Zwistigkeiten über die Beute ausbrachen. Bulgarien, dessen Anteil durch Serbien und Rumänien verkürzt wurde, trat in entschiedenen Gegensatz zu seinen Nachbarn und begann sich sogar den Mittelmächten zu nähern. Auch Rumänien, der Bundesgenosse der Mittelmächte, hatte sich ber Entente noch nicht angeschlossen. Allerdings hatte sich das Verhältnis zu seinen Verbündeten durch die letzten Vorgänge auf der Balkanhalbinsel etwas ge­lockert, da Rumänien sich durch die Unterstützung, die Oesterreich den Bulgaren hatte zuteil werden lassen, geschädigt fühlte.

Diese beiden Staaten den Mittelmächten zu ent­fremden, war daher das nächste Ziel der Entente am Balkan. Gegen Bulgarien wendete man mit großer Brutalität politischen und finanziellen Druck an. Da es durch den verlustreichen Krieg erschöpft war, verweigerte man ihm eine erbetene französische Anleihe, wenn es nicht sogleich seine dreibund­freundliche Regierung durch eine russisch gesinnte ersetze: nur so könne König Ferdinand das Wohlwollen des Zaren wieder erlangen. Als sich infolgedessen die bulgarische Regierung mit ihrem Begehren nach Berlin wandte und hier Entgegen- fommen fand, suchten der russische und französische Gesandte gemeinsam mit allen Mitteln ber Drohung unb Lockung bei Ministern, Parlamentariern und ber Presse bie Verhandlungen zu stören, ja, Frank­reich ließ sich sogar herbei, ben Bulgaren einen sofortigen Vorschuß unb für Jahresschluß eine An­leihe von mehreren hunbert Millionen zu verspre­chen, wenn es bie Verhanblungen mit Deutschland abbreche. Man müsse unbebingt verhinbern, schrieb

Die soeben erschienenen Schlußdänbe der fran­zösischen Aktenpublikation über den Ursprung des Weltkrieges, die das erste Halbjahr 1914 behandeln, werfen manches neue Licht auf die Politik der Hauptmächte, freilich ohne die von ber Wissenschaft gezogenen großen Linien zu oeränbern: sie lassen abermals bie Anariffslust ber Entente, insbesonbere Frankreichs unb Ruß- lanbs, erkennen. So sprach ein einflußreiches Mitglieb ber russischen Regierung bem französischen Botschafter Anfang Mai 1914 ohne Scheu von ber

Absicht Rußlands, Galizien spätestens beim Tode Kaiser Franz Josefs zu erobern; es sei altes russisches Land eine freie Erfindung und un­entbehrlich zur Sicherung der russischen Westgrenze. Um diese Eroberung zu erleichtern, suchte die Pe­tersburger Regierung, sowohl die polnische wie die ukrainische Bevölkerung gegen die österreichischen Behörden durch Geheimagenten aufzuwiegeln: wie von einer Selbstverständlichkeit sprach der russische Botschafter in Wien in seinen Berichten vonder Agitation, die von Rußland her in Galizien de-

Niederlage: Jean Weisel, Gießen, Sonnensh* 6, Tel, 3888

Der Ahnherr rassischer Weltanschauung

Zu Houston Stewart Chamberlains 10 Todestage am 9 Januar

Wir Lebenden sind Zeugen eines Ringens zweier Zeitalter: des Zeitalters derGleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt", das mit der französischen Revolution von 1789 geboren wurde, und des Zeit­alters der rassischen Weltanschauung.

Das große Perdienst Houston Stewart Cham­berlains ist es, dieses Zeitalter der rassischen Weltanschauung nicht nur mit Seherblick erkannt und vorausgesagt zu haben, sondern mit seinem überragenden LebenswerkD ie Grund! a.g e n desl 9. Jahrhunderts" das Zeitalter rassischer Weltanschauung heraus- und damit die Wende her- beigeführt zu haben.

Bewundernswert und gewaltig zugleich ist die Lebensarbeit dieses 1885 in Southsea bei Ports­mouth geborenen Engländers, der seine Jugend m Frankreich und in der Schweiz verbrachte, um bann als Dreißigjähriger durch schicksalhafte Fügung Deutscher zu werden. Außer seinem eben genannten Hauptwerk denGrundlagen des 19. Jahrhunderts , das auch in einer englischen, französischen, ameri­kanischen und tschechischen Ausgabe vorliegt, ver­danken wir Chamberlain weitere grundlegende und umfassende Werke über Richard Wagner, Kant und Goethe; ferner Betrachtungen über "Äe nsch und Gott", das Buch "Leben, weq ° meines D ° nkens und ferneB r lefe 188 2 bis 1 924 . In neun Banden, auf 4000 Seiten find feineGesammelten Hauptwerke" er- te'enen. Me un 3eigen wetd,e Fülle d-s Wissen- und der Gedanken UNS dieser vor zehn Jahren, °M 9. Januar 1927 Heimgegangene Zweiundsiebzigiah- rige hinterlassen hat.

Vielleicht wird es dem, der sich zum ersten Male dem Werk Chamberlains nähert etwas verwunder- lich erscheinen datz dieier glühende Verehrer und be­redte Künder deutschen Wesens ein Engländer a o ein Ausländer ist. Aber war nicht der Schotte Thomas Carlyle (1795 bis 1881) bem mtretne der besten Lebensbeschreibungen Friedrichs des Gro­ßen verdanken, auch em Ausländer? Wurde Car­lyle durch deutsches Handeln und deutsches Denken e n aufrechter Freund und Bewunderer unseres Vvl- kes fo wurde es Houston Stewart Chamber­lain durch die deutsche Kunst. Zog es Carlyle nach Weimar und Potsdam, s° zog es Chamberlain nach Dresden unb Bayreuth, wo er ben großen Deut­

schen Richarb Wagner kennen lernte, in bem Chamberlain, nach seinen eigenen Worten ben Mann sah, berseinem Sehnen Richtung unb sei­nem Ahnen Gestalt gab". Hier in Bayreuth ver­knüpfte sich auch bas Lebensschicksal Chamberlains mit ber Familie Richarb Wagner, besten jüngste Tochter Eva er ehelichte.

Was Chamberlain, ebenso wie Carlyle, nach Deutschlanb zog, war bie Artverwanbtschaft ihrer

(Scherl-Bilberbienst-M.)

seelischen Einstellung zu allem, was germanisch unb deutsch war. Wer sich tiefer in bie Gebankenwelt Chamberlains hineinfühlt unb bem wahren Ur= grunb seines Seins nachspürt, wirb biese rassensee­lische Verwanbtschaft immer roieber spüren unb be­stätigt finben, unb sich nicht mehr darüber verwun- bern, baß bieser Englänber ein Deutscher werben konnte. Alle Werke Chamberlains offenbaren uns immer roieber, wie sehr er von ber Blutsver­wandtschaft der Rassen erfüllt war. Dieses Wissen um das Geheimnis ber Rassenseele unb das volle Einsetzen für ben Rassengebanken ist es, wes­halb wir Chamberlain bas Verbienst zuscyreiben, bie Zeitwende ber Gegenwart heraufgeführt zu haben.

Denn inbem Chamberlain bie vernunftwidrige Irrlehre von der Gleichheit der Menschen umstieß

unb aufzeigte, wie grunbverschieben bie Anlagen und Aufgaben ber unter sich ungleichen Rassen sind, nahm er überragenben Anteil an ber burch bie Rassenerkenntnis hervorgerufenen Umwertung aller Werte.

Was uns Deutsche aber veranlaßt, Houston Ste­wart Chamberlains mit besonderer Verehrung, Bewunderung und Dankbarkeit zu gebenfen, ist bie Tatsache, baß er es war, der zum völkischen Er­wachen Deutschlanbs burch bie Stärkung bes Raste- gebankens wie auch burch fein unermüdliches Ein­treten für bie rassischen Werte bes beutschen Volkes in einem Maße beigetragen hat, das kaum zu über­schätzen ist. Mit Recht sieht daher Alsteb Rosen­berg in Chamberlainben Verkünber unb Be- grünber einer beutschen Zukunft". Chamberlain war es auch, ber in Aböls Hitler ben Führer sah, den Gott bem deutschen Volke geschenkt hat. Wenn auch Chamberlain bie Machtergreifung bes Führers nicht mehr erlebt hat, so konnte er bennoch erkennen, wie sich bie Besten bes beutschen Volkes als getreue Gefolgsmänner um Abolf Hitler scharten und bas Dritte Reich, bas Chamberlain seherisch vorausahnte, vorbereiteten.

Chamberlain war es auch, ber bie Germanen im engeren, beutschen Sinne als bieGestalter ber ganzen heutigen Welt, insofern sie überhaupt Ge­stalt hat", bezeichnete. Immer roieber verfocht unb prebigte er der Welt diesen Glauben trotz aller An- feinbungen, die ihm zuteil würben. So legte Cham­berlain einen neuen, vertieften Sinn in bas Welt­geschehen, so gab er bem Weltbild eine neue Sicht unb schuf mit an ber Erkenntnis, baß ber Ursprung alles gestaltenben Lebens nicht im Süben, fonbern im Narben zu suchen ist.

Von Anbeginn an schrieb Chamberlain seine Werke in deutscher Sprache. Sein Bekenntnis zur beutschen Sprache, bas er in die Worte faßteIch glaube, wie an Gott, an bie heilige beutsche Sprache", sollte uns Deutschen, bie wir nur allzu oft an unserer herrlichen Muttersprache schulbig werben, ein leuch- tenbes Vorbilb fein!

So runbet sich in uns bas Bilb Houston Stewart Chamberlains als eines Mannes, ben wir als beut- sches Volk unauslöschlich in unserm Gebächtnis zu bewahren haben, aber auch als eines Geisteshelben. ben bie ganze Welt mag sie es heute auch noch leugnen wollen einst üerebmi wirb, weil er ihr bie Rettung aus der Unorhn>mn "mes verblende- ten Zeitalters brachte unb sie auf bie Höhe rassi­scher, arischer Weltanschauung hinaufführte.

Opfer einer Landkarte.

Hinter einer riesigen farbigen Landkarte, auf ber auf bas genaueste Indiens weitverstreute Boden­schätze an Erzen unb Mineralien, Gebirgs- unb Felsbilbungen verzeichnet sinb, liegt eine erschüt- ternbe Geschichte menschlichen Opfergeistes. Dabei ist biefes Kapitel noch nicht beendet; denn die Land­karte ist noch unvollständig nach 91 Jahren ununter­brochener Mühsal. Im Jahre 1845 rief die indische Regierung eine geologische Vermessungs- und For- schungsabteilung ins Leben, die in erster Linie dazu ausersehen war, den Verlauf ber Kohlenflöze im Lande festzustellen und abzugrenzen, da die Damp­fer des Ganges auf Versorgung mit einheimischen Kohlenoorräten angewiesen waren, bie sehr hoch im Preise stauben. Der englische Geologe H. D. Wil­liams nahm biese Arbeit brei Jahre lang auf sich, bis ihn bas Dschungelfieber hinwegraffte Er hinterließ ein kostbares Vermächtnis, da es ihm gelungen war, bie Lage ber Kohlenfelder von Ram- ganj, Ramgarh und Karanpur aufzuzeichnen. Die folgenden drei Jahre sahen vier Männer im Ver­messungsdienst der eine starb am Fieber, der andere litt an allgemeinem Kräfteverfall, ben das Fieber verschuldet hatte, bie beiben anderen muß­ten ihrer erschütterten Gesundheit wegen an weni­ger schwierige Posten versetzt werden.

Dr. Thomas Oldham, der 1851 zum Leiter ernannt wurde, war zwar widerstandsfähiger, doch mußte auch er wegen feiner geschwächten Gesund­heit vorzeitig die Arbeit aufgeben. Aber in 25 Jah­ren wahrer Pionierarbeit eines Forschers, die da­mals fast ganz ohne die Erleichterung durch Eisen­bahnen, ohne Chinin und andere Vorbeuaunas- mittel gegen Malaria durchgefübrt werden mußte, erschloß er mit seiner Karte die bis dahin verschlos­senen Stätten der riesigen Reichtümer Indiens. Während der Zeit seiner Leitung wurden von ben 32 Männern, bie sich bem Vermessungsdienst an» geschlossen hatten, neun vom Fieber hmm<,a'-rrafff. Nun hofft man, bis 1945 bie harte Arbeit nn der Karte vollenden zu können. Mit dieser wahrhaft lebensgefährlichen Arbeit war der geologische Per- messungsdienst dazu berufen. Rat zu erteilen für bie Neuanlage von Wasserreservoiren. Eisenbahnen. Mühlen unb anderen industriellen Neubauten War- nungen zu erlassen vor Gegenden, die am nriften d"n Erdbebenstößen ausaes-tzt scheinen, die D" aj. läffigfeit und Leichtlöslichkeit von Felsgestein zu prüfen, wo Dämme gegraben werden, unb bei ber Errichtung von hochgelegenen Eisenbahnstationen Bergrutschen vorzubeugen.