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Nr. 7 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Samstag. 9.Januar 1937

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Eichener Anzeiger

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Llm eine Kontrolle -er Nichteinmischung.

England wünscht diplomatische Verhandlungen über den deutsch-italienischen Vorschlag.

London, 9. Ian. (DNB. Funkspruch.)Times" sagt, die Antwortnoten Deutschlands und Italiens feien nicht negativ. Auf der Grundlage dieser Ant­worten könnten die Bemühungen zur Abstellung fremder Einmischung in Spanien selbstverständlich fortgesetzt werden, vielleicht auf diplomatischem Wege, da dieser der schnellste sei. Die Bedingungen der beiden Staaten bereiteten keine unüberwind­lichen Schwierigkeiten. Daher sollte ohne Verzug ein Kontrollschema für alle Zugangs­punkte zum spanischen Gebiet ausge­arbeitet werden.Daily Telegraph" hält es für mög­lich, daß England eine Sechs-Mächtekonfe­renz vorschlagen könnte, um möglichst schnell die Gefahren der Einmischung abzuwenden.Mor- ning Post" schreibt, nach britischer Ansicht stelle der diplomatische Weg im Augenblick die beste Methode zur Abstellung der Einmischung in Spanien dar. Das Verfahren des Nichteinmischungs­ausschusses habe sich als zu langsam erwiesen, weil die einzelnen Vertreter sich immer erst mit Rückfragen an ihre Regierungen wen­den müßten. Da Deutschland und Italien in ihren Noten zugestimmt hätten, die Unterstützung durch Freiwillige abstellen zu helfen, werde die britische Regierung jetzt daran gehen, praktische Maß'- nahmen vorzuschlagen.

*

Daily Herald", das Organ der Labour-Party, glaubt, daß die englische und die französische Re­gierung die anderes Länder auffordern würden, sich bereit zu erklären, 1. zu einer Erörterung auf Grund der Vorschläge von Berlinn und Rom zu be­ginnen; 2. sofort die Entsendung von Frei­willigen abzustoppen;3. ein Kontroll- s y st e m mit auszuarbeiten, wie es Deutschland und Italien verlangten und 4. sofort die Frage der finanziellen Unterstützung und anderer Formen indirekter Einmischung zu erörten. Die größte Schwierigkeit werde die Forderung einer wirksamen Kontrolle an Ort und Stelle

machen.News Chronicle" meint, wahrscheinlich liege schon einfertigerpraktischer Plan zur Verstärkung der Nichteinmischung in White Hall. England denke an eine internationale See­blockade. Auf alle Fälle werde es sich nicht mehr

P a r i s , 9. Ian. (DNB. Funkspruch.) DerPetit Parisien" betont unter der ÜberschriftU e b er­wach u n g s m a x i m u m in einem Mini­mum von Zeit" u. a., die französische und die englische Regierung seien sich über die Formel einig und würden jetzt die Verhandlungen mit Berlin, Rom und Moskau beschleu­nigen. Die Arbeitsweise des Londoner Nichtein­mischungsausschusses habe sich als zu langsam er­wiesen. Daher würden jetzt unmittelbar Ver­handlungen mit den interessierten Kanzleien ange­bahnt. Französischerseits sei bereits eine ganze Reihe von Maßnahmen ausgearbeitet worden, die sofort in Kraft tre.ten könnten, wenn die anderen Länder ihre Haltung klar dargelegt hätten.Petit Journal" erklärt, Frankreich könnte bereits am Dienstag dem Parlament die entsprechenden Entwürfe vorlegen.

DerJour" meint, daß die Haltung der franzö­sischen Regierung noch ziemlich unklar sei. Jene Per­sönlichkeiten, die mit Valencia sympathisierten, seien durch die deutsche und die italienische Antwort i n Verlegenheit gebracht worden. Sie gäben daher zu verstehen, daß der Vorschlag, sämtliche aus­ländischen Elemente aus Spanien zu entfernen, undurchführbar sei. Wenn sich aber die fran­zösische Regierung weigere, Maßnahmen zu ergrei­fen, die den Roten in Valencia unbequem seien, dann könnte man ihr mit Recht den Vorwurf machen, ein doppeltes Spiel zu treiben.

Figaro" ist der Ansicht, daß man jetzt e tap­pe n w e i s vorgehen müsse. Alle Staaten müßten zunächst die ehrenwörtliche Versicherung abgeben, die Ausreise weiterer Freiwilliger nach Spanien zu verhindern. Dann müßte die Ueberwachung der Grenze und der Küsten Spaniens durchgeführt werden, um

auf eine längere Verhandlungsdauer einlassen, wäh­rend der Freiwillige ungehindert nach Spanien kommen könnten. England werde den Weg direk­ter diplomatischer Verhandlungen dem über den Nichteinmischungsausschuß vorziehen.

die Einhaltung dieser Maßnahmen sicherzustellen. Diese Ueberwachung sei den ausländischen Konsuln in Spanien zu übertragen. Schließlich müßten sämtliche Freiwillige aus Spanien a b b e - rufen werden.Matin" meint, daß es die erste Sorge Frankreichs sein müsse, auf französischem Boden jede Durchreise, jede Ansamm­lung und jede Abfahrt von Freiwil­ligen für Spanien, gleichviel welcher Nation diese Freiwilligen angehörten, zu verbieten.

Moskau plant neue Sabotage.

London, 9. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Ein Be­richt derMorning Post" aus Riga zeigt, wie wenig Moskau sich an die Nichteinmischung zu hal­ten beabsichtigt, und daß es alles tun wird, um die Bolfchewisierung Spaniens auch weiter zu fördern. Moskau lehne, so heißt es in dem Bericht, die Antworten Deutschlands und Italiens in der Freiwilligen-Frage scharf ab, bri­tische, französische und sowjetrussischeFreiwillige" sowie Kriegsgerät seienfür die Aufrecht­erhaltung der Demokratie in Spa­nien unerläßli ch". Die Sowjetregierung werde ohne Rücksicht auf das, was sie vielleicht verspre­chen müsse, nicht einen einzigen Solda­ten zurückrufen oder ein einziges Maschinen­gewehr oder Geschütz zurückholen. Die Sowjetregie­rung sei außerdem überzeugt davon, daß Frank­reich ebenso handeln werde. Aus dem Be­richt derMorning Post" geht weiter hervor, daß Moskau London die Rolle zuweist, Ausschüsse ein­zuberufen und den Austausch von Noten zu besor­gen, während Sowjetrußland- und Frankreich praktische Maßnahmen" durchführen würden.

Paris für Beschleunigung der Verhandlungen.

Keine Antwort -er roten Machthaber.

Oie Reichsregierung wir- nun über die beiden aufgebrachten roten Handelsschiffe verfügen.

Berlin, 8. Jan. (DRV.) Auf das vom Admiral der deutschen Seestreitkräfte in Spanien an die ro­ten Machthaber in Valencia gerichtete, bis 8. Ja­nuar, 8 llhr vormittags befristete Angebot bezüglich des Austausches der Restladung und des Passagiers des deutschen DampfersPalos" gegen die beiden aufgebrachten roten Handelsschiffe Aragon" undTHarfa Junquera" ist keine Ant­wort eingegangen.

Die deutsche Reichsregierung wird nunmehr in Ausführung der angekündigten Maßnahmen über die beiden Dampfer verfügen.

Zur Beschlagnahme der Palos hatte dieM o r= ningpo st" am 4. Januar ausgeführt: Nachdem man das deutsche Schiff, das von spanischen Schif­fen aufgegriffen war, freigelassen hatte, war kein Grund zur Zurückhaltung eines Teiles der Fracht und eines der Passagiere. Die Verweigerung von mehr als teilweiser Genugtuung für den klaren Verstoß war eine platte und ganz unnö­tige Provokation, die nicht geduldet, wie sie auch nicht übersehen werden konnte. Zu den deut­schen Gegenmaßnahmen bemerkt das gleiche Blatt: Gerade 'solche Handlungsweise könnte sehr wohl unsere eigene Regierung unter ähnlichen Umständen gewählt haben und hat sie tatsächlich in der Vergangenheit oorge- nommen. Während des amerikanischen Bürgerkrie­ges griffen Kreuzer der Bundesregierung auf hoher See'den brititischen PostdampferTrent" auf und entführten zwei Bundesagenten, Mason und Sli- dell, welche Bordpassagiere waren. Die britische Regierung trieb ihren Protest gegen diese Handlung bis auf die hohe Spitze der Kriegserklärung, bis die Bundesregierung nachgab und die Gefangenen wieder auslieferte. So bestätigt auch das angesehene englische Blatt, daß Deutschland seine Gegenmaß­nahmen imPalos"-Fall streng im Rahmen des Notwendigen und Angemessenen gehalten hat.

Seerechk gegen Seeraub.

Da die vom Admiral der deutschen Seestreitkräfte in Spanien an die roten Machthaber in Valencia rveaen der Befchlagnahme des deutschen Dampfers Palos" gerichtet- und bis zum Freitag Morgen 8 Uhr befristete Aufjorderung keine Antwort fand, den Rest derPalos" zuruckzug-ben und den wider- rechtlich verhafteten Ipamsch-N Passagier freyula|= sen, tritt jetzt die volle Wirkung d e r Ver­geltungsmaßnahmen em: die beiden im verlaufe der Represtwmaßnahmen beschlagnahmten spanisch-bolfchewistischen Dampser werden nut ihrer Ladung verkauft und aus dem Erlös -mrd der Aus­fall des deutschen Gutes, das die Bolschewisten fest-

gehalten, gedeckt. Es steht fest, daß der Dampfer Palos" sich außerhalb der Dreimeilen­zone befand, daß der örtliche bolschewistische Aus­schuß durch die Jagd auf das deutsche Schiff einen Akt der Piraterie beging und daß diese Heraus­forderung, diese Brüskierung des Rechtes auf See, nur durch die deutsche Abwehrmaß­nahme wiedergutgemacht werden konnte. Alle Verdrehungen des wahren Tatbestandes kön­nen nicht verhindern, daß das Recht des deutschen Vorgehens auch von den Regierungen Englands und Frankreichs anerkannt werden muß. Wer sich gegen Sitte und Gebrauch auf See bolschewistischer Upterweltsmethoden bedient, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm die Abwehraktion auf die Fin­ger saust und die Piraterie unmöglich macht.

Man hat in der LondonerMorningpost", einem deutschfeindlichen Blatt, den Standpunkt Deutsch­lands durchaus für gerechtfertigt gehalten und dabei auf die Beschlagnahme des britischen Postdampfers Trent" während des Bürgerkrieges in den Ver­einigten Staaten verwiesen, der nachher, als Eng­land mit Krieg drohte, rückhaltslos wieder freige­geben wurde. Das ist richtig. Aber wir können mit

einem ähnlichen Fall aufwarten. Während des Burenkrieges wurden am 29. Dezember 1899 in der Delagoa-Bay der deutsche DampferBun­de s r a t" und der deutsche DampferH e r z o g" von englischen Kriegsschiffen beschlagnahmt, weil sie angeblich für die Burenrepubliken Waffen an Bord hätten. Die deutsche Regierung protestierte gegen diese Beschlagnahme und die beiden Dampfer wur­den bereits am 18. Januar 1900 von England freigelassen. Die englische Regierung erkannte die Pflicht auf vollen Schadenersatz an und damit war der Zwischenfall beigelegt. Nicht nur also Nordamerikaner hatten ihren Uebergriff gegen das englische Postschiff rückhaltlos wieder gut ge­macht, sondern auch die Briten den Uebergriff gegen deutsche Dampfer. Das ist rechtens. Keine zivili­sierte Nation hat sich bis jetzt gesträubt, Uebergriffe ihrer Streitkräfte zur See wieder gut zu machen. Nur die spanischen Bolschewisten wei­gern sich, völkerrechtliche Bestimmungen anzuerken­nen. Es ist nicht mehr wie recht, wenn sich da­gegen der internationale Begriff des Seerechts mit Kraft zur Wehr setzt. rt.

Der Mord an dem bergischen Diplomaten einwandfrei sestgestellt.

Von den Bolschewisten mit Revolvern aus nächster Nähe niedergeknallt.

Brüssel, 8. Jan. (DRB.) Der belgische Außen­minister teilte am Freitag mit, daß die Exhu­mierung des Barons de Borchgrave am Freitagvormittag in Fuencarral im Beisein des bel­gischen Geschäftsträgers und Konsuls st a 11 ge­funden hat. Ls wurde festgestellt, daß die Leiche de Borchgraves drei Wunden trug, die von Revolverschüssen in den linken Oberschenkel, ins Schulterblatt und ins Ohr herrühren. Der Schuß ins Ohr wurde aus nächster Nähe abgegeben. Damit ist einwandfrei klarge stellt, daß deBorchgrave von den fpanifchenBolfche- wisten ermordet wurde. Die Leiche, die etn- gefargt wurde, befindet sich augenblicklich in der Leichenhalle des Madrider Friedhofes. Die Ermitt­lungen werden fortgesetzt.

Libre Belgique" berichtet, die Machthaber in Valencia hätten in ihren Verhandlungen mit der belgischen Regierung zunächst die Lüge gebraucht,

Baron de Borchgrave habe sich unvorsichtigerweise an die Front begeben und sei v o n e i n er K u g e l in der Kampfzone getroffen worden. Diese Lüge habe jedoch einer Prüfung nicht stand- gehalten. Allgemein wird die weitere Behandlung dieses schweren Zwischenfalles, durch den selbstver­ständlich die Beziehungen zwischen Belgien und den Roten in Valencia aufs stärkste berührt werden, mit großer Anteilnahme verfolgt. Andererseits er­gibt sich aus der Haltung, die am Donnerstag von den marxistischen Mitgliedern des Aus­wärtigen Ausschusses eingenommen wurde, der be­gründete Verdacht, daß die belgischen Marxisten ihren großen Einfluß innerhalb der Regierung van Zeeland nach Kräften geltend machen wollen, um es auf keinen Fall zu einem Bruch zwischen Brüssel und Valencia kommen zu lassen. Der marxistische Abgeordnete Roll in bemühte sich sogar, mit formal-juristischen Wendungen die kom­munistischen Machthaber von Valencia herauszu­pauken. Er versuchte eine Verschleppung der Ange­legenheit zu erreichen, und empfahl dem Außen­minister, den Fall dem Haager Gerichtshof zu unterbreiten, falls die Antwort auf die Forde­rungen Belgiens nicht eingehen sollte.

Flottenpolitik im Pazifik.

Die Jahreswende hat für die Flottenpolitik der großen Seemächte eine bedeutsame Aenderung ge­bracht, die auch für uns von Interesse ist, wenn wir auch nur mittelbar von ihr berührt werden. Mit dem 31. Dezember 1936 sind nämlich die beiden großen Verträge zur Begrenzung der Seerüstungen, der von Washington aus dem Jahre 1922 und der 1930 in London zustandegekommene Ergänzungs- oertrag abgelaufen, nachdem Japan sie beide am 29. Dezember 1934 fristgerecht gekündigt hatte. Ja­pan war in Washington der leidtragende Teil ge­wesen. Es hatte sich damals dem Druck der sich gegen die aufstrebende asiatische Großmacht vereini­genden angelsächsischen Seemächte fügen müssen; denn es hatte zwar die Periode ungestörter Allein­herrschaft im Pazifik während des Weltkrieges zu einer gewaltigen Anspannung seiner nationalen Kraft auf allen Gebieten nützen können, aber diese hatte die beschränkte finanzielle Basis des Insel- reiches weit über Gebühr in Anspruch genommen, so daß die leitenden japanischen Staatsmänner im Gegensatz zu manchen Meinungen in Heer und Flotte nicht glaubten, die Verantwortung für die bei einem Abbruch der Verhandlungen in Washing­ton drohende Alternative eines Krieges gegen die vereinigten angelsächsischen Seemächte, deren Flot­ten verhältnismäßig intakt den Weltkrieg überstan­den hatten, auf sich nehmen zu können. So mußte sich Japan in Washington mit einem zahlenmäßi­gen Stärkeverhältnis von 3:5:5 zufrieden geben und es vermochte, soweit diese Schlüsselzahl für Schlacht­schiffe und Flugzeugträger gilt, auch in London 1930 nichts an ihr zu ändern, nur für Kreuzer, Zerstörer und U-Boote konnte es ein günstigeres Verhältnis erreichen. Da aber die Unterseeboots­stärke ohnehin allgemein sehr niedrig bemessen wor­den war, bedeutete diese neue Zahl für Japan eher eine Fessel als eine Vergünstigung.

Japans Streben ging seitdem dahin, an die Stelle eines Verhältnisses, das seine Schlachtflotte um 40 v. H. niedriger als jede der beiden andern großen Seemächte des Pazifik hält, eine für alle drei gemeinsame Höchststärke zu setzen, innerhalb dieser Grenzen die Beschränkung der einzelnen Schiffkategorien den verschieden gelagerten Sicher­heitsbedürfnissen der einzelnen Mächte angepaßt werden sollte. Amerika widersprach dieser japa- nisHen Forderung nach Parität kategorisch. Daran scheiterte schon im Grunde der Versuch einer Er­neuerung der Flottenoerträge auf der zweiten Lon­doner Konferenz im Frühjahr 1936, da Japan in der Paritätsforderung einen Punkt sah, der seine nationale Ehre berührte, und sich von den wei­teren Verhandlungen zurückzog. Die marinetech­nischen Interessen der drei großen Seemächte des Pazifik nur von diesen soll hier vorerst die Rede sein werden im wesentlichen von ihrer geographi­schen Lage bestimmt und sind infolgedessen sehr verschieden. Die Vereinigten Staaten glauben, wegen der weiten (Entfernung ihrer Küste von dem voraussichtlichen Schauplatz künftiger weltpolitischer Entscheidungen und der ungeheuren Spannen zwischen ihren einzelnen Flottenstützpunk­ten und Kohlenstationen auf dem Wege dorthin, auf den Bau größter Schlachtschiffe und Flugzeug­träger mit hohem Fassungsvermögen und weitem Bewegungsradius nicht verzichten zu können. Ja­pan sieht gerade hierin eine Bedrohung seiner an sich überaus günstigen Flottenbasis in der buchten­reichen, zerklüfteten Inselwelt der japanischen See, die es mit leicht beweglichen, mengenmäßig über­legenen Kreuzern, Zerstörern und Ubooten besser verteidigen kann, als mit einer kostspieligen und daher vermutlich der amerikanischen unterlegenen Schlachtflotte. Die Möglichkeit jedoch, daß die Ver­einigten Staaten mit Hilfe riesiger Flugzeugträ­ger ihre Luftwaffe in ungeahnter Stärke einsetzen können, würde die Lage für Japan natürlich sehr viel ungünstiger gestalten, wie es ja auch in einem Konflikt mit Sowjetrußland einen Luftangriff von Wladiwostok aus auf die Industriezentren der ja­panischen Inseln am meisten zu fürchten haben würde. Japan ist daher in London stets für eine Abschaffung derOffensiv-Streitkräfte" eingetreten, als die es Schlachtschiffe und Flugzeugträger be­zeichnet.

Englands Interesse ist, wenn auch aus ande­ren Gründen, ähnlich gerichtet. Es umspannt im Gegensatz zu den beiden anderen großen Seemäch­ten den ganzen Erdkreis. An allen Meeren hat es Besitzungen zu schützen und Verbindungswege des Empire zu verteidigen. Es braucht deshalb eine zahlenmäßig große Flotte, die überall dort, wo britische Interessen gefährdet erscheinen, mit einer imponierenden Zahl kampfkräftiger Einheiten auf­treten kann, ohne andere Interessengebiete jeden Schutzes berauben zu müssen. Wir sahen die großen Schwierigkeiten einer alle diese Gesichtspunkte be­rücksichtigenden Flottenpolitik Englands in dem so­eben durch das Gentleman-Agreement mit Italien beendeten Mittelmeerkonflikt. England muß also an sich Wert legen auf viele, im einzelnen nicht zu große und daher auch nicht so kostspielige Schiffe, um allen Anforderungen des weit gespannten Em­pire gerecht werden zu können. Freilich die Nicht­erneuerung des Londoner Flottenoertrags und die Baupolitik der anderen Seemächte zwingt nun auch England, vier neue Schlachtschiffe auf Kiel zu legen, deren Dimensionen alles bisher Dagewefene beträchtlich übertreffen sollen. Englands Interesse weicht von dem japanischen nur in der Ubootsfrage ab. Während Japan das Uboot als wichtiges In­strument der Verteidigung aus den Schlupfwinkeln feiner Inselwelt gegen eine feindliche Schlacht­flotte einzusetzen wünscht, fürchtet England nach den Erfahrungen des Weltkrieges das Üboot als eine Waffe, die besonders empfindlich die Handelswege des Empire zu bedrohen vermag und die auf die