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Nr. 286 Zweites Blon

Lietzener Anzeiger (Aeneral-Anzelger für Oderheffen)

Mittwoch, 8. Dezember (657

Aus dem Reiche der Frau.

dazu bestimmten Teig walnußgroße Kugeln auf ein gefettetes Blech, das leicht mit Mehl bestäubt ist. Man drücke sie mit dem Messer etwas flach, be­streiche sie mit Wasser und bestreue sie mit Hagel­zucker Backt sie bei mittlerer Hitze hellbraun.

H o n i g p l ä tz ch e n: 125 Gramm Zucker, 2 Eß­löffel Honig, 200 bis 250 Gramm Mehl, ein Ei, V« Paket Backpulver, 1 Messerspitze gemahlenen Zimt, 1 Messerspitze gemahlene Nelken. Zucker, Honig, Ei und die Gewürze schaumig rühren, das mit dem Backpulver vermischte Mehl dazu tun, gut kneten, nicht zu dünn ausrollen und eine Stunde ruhen lassen. Man sticht runde Plätzchen aus, be­streicht sie mit Eigelb und backt sie bei guter Mit­telhitze.

Zimt-Leckerli: 250 Gramm Mehl, 250 Gramm Zucker, 125 Gramm geriebene Nüsse, 15 Gramm gemahlenen Zimt, 2 (£ier. Aus allen Zu­taten einen Knetteig herstellen, Vr Zentimeter dick

ausrollen, Leckerli ausstechen und mit Eigelb be­strichen bei schwacher Hitze backen.

Pfefferkuchen: 3A Kilogramm Mehl, V- Kilogramm Honig, *A Kilogramm Zucker, Vs Kilo­gramm geschnittene Nüsse, etwas Zitronat, 8 Gramm gemahlener Zimt, 2 Gramm gemahlene Nelken, Vs abgeriebene Zitronenschale, 8 Gramm Pottasche in Rum aufgelöst. Den Honig auf dem Feuer warm werden lassen, die Gewürze, Nüsse, Zucker, Mehl und zum Schluß die Pottasche dazugeben und gut kneten. Den Teig über Nacht stehen lassen, dann fingerdick auf das vorbereitete Blech rollen und bei gelinder Hitze etwa 3A Stunde backen. Wenn der Kuchen aus dem Ofen kommt, wird er mit folgen­der Glasur bestrichen: 250 Gramm Zucker werden mit einer Tasse voll Wasser solange bis er Faden zieht, gekocht Noch warm, wird der Pfefferkuchen in kleine Stücke geschnitten.

MW sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

Für die Weihnachtsbäckerei.

Das Deutsche Frauenwerk, Abt. Volks­wirtschaft-Hauswirtschaft, Gaustelle Hessen-Nassau. Frankfurt a. M., schreibt:

Trotz aller Werbung wird die M e h l t y p e 105 0 noch viel zu wenig von unseren Hausfrauen verwendet. Daß es aber Hausfrauen gibt, die wie viele Händler klagen das Mehl 1050 fogar zurückweifen, kann nur so erklärt werden, daß sie über dieses Mehl nicht oder falsch orientiert sind. Mehl 1050 ist genau wie Type 502 ein Weizen­mehl, es ist jedoch stärker ausgemahlen als dieses, enthält also mehr Kleie und hat aus diesem Grunde eine dunklere Farbe. Es ist genau wie das helle Mehl für Koch- und Backzwecke verwendbar, erfordert nur beim Backen etwa 30 o. H. mehr Treibstoff und beim Kochen etwa 10 bis 20 v. H. mehr Mehl zum Binden, auch läßt man es weniger lange kochen. Gerade für die W e i h n a ch t's - bäckerei können wir das billige, dunkle Mehl dankbar begrüßen. Es eignet sich, wie viele Versuche gezeigt haben, ganz vorzüglich für alle Bäckereien mit Nüssen und für die Herstellung von Honig­kuchen.

Honigkuchen. Zutaten: 375 Gramm Honig, V) Kilogramm Zucker, 1 Kilogramm Mehl Type 1050, 1 Teelöffel Zimt, V2 Teelöffel gestoßene Nel­ken, 25 bis 50 Gramm Orangeat. Nach Belieben 2 ganze Eier, IV2 Päckchen Backpulver, Ei zum Be­streichen, Nüsse zum Belegen. Honig und Zucker aufkochen. Alle übrigen Zutaten mischen, den abge­kühlten Honig zufügen und den Teig durchkneten, dann ausrollen, beliebige Formen ausstechen, auf ein Backblech setzen, mit Ei bepinseln, mit Nüssen belegen und backen.

Mürbeteig mit Mehl Type 1050 ausprobiert. Zutaten: 250 Gramm Mehl Type 1050, 125 Gramm Fett, 100 Gramm Zucker, 1 Paket Vanillezucker, 1 Ei. 1 Eßlöffel Milch, V2 Teelöffel Backpulver. Das Mehl wird auf ein Backbrett gesiebt, in der Mitte eine Vertiefung gemacht und Ei, Zucker und Vanillezucker hineingegeben. Das Fett wird in kleine Stückchen über dem Mehl verteilt und mit der Milch alles zusammen zu einem glatten Teig ver­arbeitet. Der Teig wird eine Stunde kühl gestellt und dann ausgerollt, ausgestochen und Plätzchen, Törtchen oder Tortenböden bei mittlerer Hitze ge­backen.

Schwäbischer Pfefferkuchen mit Mehl­type 1050 ausprobiert Zutaten: V» Kilogramm Mehl Type 1050, V4 Kilogramm Zucker, 5 Eier, 300 Gramm Honig, Vs Kilogramm Fett, 1 Teelöf­fel Zimt, 1 Teelöffel gemahlene Nelken, abgeriebene Schale einer Zitrone, 150 Gramm geriebene Nüsse, 1 Messerspitze Kardamom (nicht unbedingt nötig) Vs Kilogramm Korinthen, 50 Gramm Kakao, 1'A Paket Backpulver. Eier und Zucker eine halbe Stunde rühren, nach und nach die Gewürze dar­unter rühren, nochmals eine Viertelstunde rühren, dann den Honig mit dem Fett einrühren, dann das mit dem Backpulver gemischte Mehl dazu, ebenfalls die gewaschenen und getrockneten Korinthen und den Kakao. Eine Tortenform oder kleine Förmchen gut einfetten, den Teig einfüllen und langsam bei mäßiger Hitze backen. Nach dem Backen stürzen, nach Belieben mit Zucker- oder Schokoladeglasur überziehen. Das Rezept ist sehr ergiebig.

Ouarg st ollen. Zutaten: 250 Gramm Mehl, Type 1050, 125 Gramm getrockneten Ouarg fein gesiebt, 100 Gramm Zucker, 60 Gramm Fett, 1 Ei, 50 Gramm Nüsse, etwas abgeriebene Zitrone, 1 Päckchen Backpulver. Zubereitung: Wie Weih­nachtsstollen in Form gebracht und nach dem Backen mit Puderzucker bestreuen.

Honiglebkuchen. Zutaten: 375 Gramm Ho- nia, 125 Gramm Zucker, 375 bis 500 Gramm Mehl, Type 1050. 1 Ei, 1 Messerspitze Hirschhorn­salz, 1 Messerspitze Pottasche, 1 Messerspitze ge­mahlene Nelken. 2 Gramm Zimt, 125 Gramm ge­mahlene Nüsse. Zubereitung: Honig und Zucker auflösen und kochend über das mit den Gewürzen gemischte Mehl geben. Ei, Hirschhornsalz und Pott­asche in etwas Wasser auflösen und verschlagen, an den Teig geben. Den Teig gut durchkneten, fingerdick ausrollen und viereckige oder beliebige Formen ausstechen (Herzen usw.), mit einer Nuß belegen und nach dem Backen mit einer gekochten Zuckerglasur überziehen. Glasur: 3 Eßlöffel Zucker, 1 Eßlöffel Wasser, gut durchkochen.

Billiges Ausgestochenes. Zutaten Vs Kilogramm Fett. 2 Eier, V4 Kilogramm Zucker, etwas Zimt nach Geschmack oder etwas Zitrone, Vs Liter Milch, Vs Kilogramm Honig, 3A Kilo­gramm Mehl Type 1050, 1 Paket Backpulper. Zu­bereitung: Fett schaumig rühren, Eier und Zucker dazu geben, eine halbe Stunde rühren, nach und nach die kalte Milch und löffelweise das aut gesiebte und mit dem Backpulver gemilchte Mehl dazu geben. Gibt man Zimt als Gewürz daran, milcht man ihn am besten mit ein wenig Zucker, wenn man ihn zufügt, nimmt man Zitrone, reibt man sie in die schaurnia gerührte Masse von Zucker Ei und Fett. Zum Schluß aibt man den aufgelösten und wieder abgekühlten Honig daran. Den Teig gut verkneten, nicht zu dünn ausrollen, beliebige Formen ausstechen und mit buntem Zucker be­streuen oder mit einer Glasur überziehen. Eine gute Glasur gibt gesiebter Puderzucker mit so viel Zi­tronensaft, bis sich der Zucker löst und eine dickflüs­sige Masse bildet Auf die abgekühlten Plätzchen streichen und trocknen lassen.

Haselnußmakronen. Zutaten: 4 Eiweiß 300 Gramm Staubzucker, 300 Gramm Haselnüsse, 1 Paket Vanillezucker oder etwas geriebene Apfel­sinenschale. Zubereitung: Die Eiweiß werden zu steifem Schnee geschlagen, Zucker und Vanille da­mit dick schaumig gerührt und die geriebenen Hasel­nüsse dazu gegeben. Man formt runde Makronen, setzt sie auf ein gefettetes Blech, gibt eine Haselnuß darauf und bäckt die Makronen bei mittlerer Hitze.

Kleine Gewürzkuchen, auch eine gute Brotresteverwertunq. Zutaten: 12 gehäufte Eßlöffel fein geriebenes Schwarzbrot, 7 Eßlöffel Zucker, 3 Eßlöffel Mehl, 3 Eßlöffel geriebene Schokolade, 2 Eßlöffel Fett, 3 Eier oder 2 Eier und 1 Eßlöffel Milch, 1 Teelöffel Backpulver oder Hirschhornsalz, 1 Teelöffel Natron, 1 Messerspitze Zimt und ge­mahlene Nelken, 1 Prise Salz, V2 geriebene Zitro­nenschale. Zubereitung: Man mischt alle Zutaten zu einem leichten Teig. Von der Hälfte des Teiges mache man Plätzchen, unter die andere Hälfte, die etwas fester sein muß. mische man noch 2 Eßlöffel M"hl und forme Brötchen und Kranze daraus Um die Plätzchen zu formen, setze man von dem

Warme Kinderkleidung zum Selb fi­sch neidern schlagen wir heute vor.

Das praktische Sch ul kleid links ist aus dunkelblauem Wollstoff, sein Kragen und seine Aermelaufschläge sind aus weißem Pique. Der mittelbreite Gürtel ist aus rotem Lackleder, die kleinen Knöpfe find aus blauem Galalith. Vier bis zur Passe durchgehende und gegeneinandergelegte Falten geben dem Kleid die nötige Weite.

Das hellblaue Wo^lkreppkleid in der Mitte hat einen eingelesenen Rock, seine Bluse wird auf den Schultern mit kleinen, weißen Kugel­knöpfen geschlossen, die sich auch an den engen,

Weihnachwche Winke.

ZdR. Es gibt immer noch Hausfrauen, die, ob­wohl sie nicht an Zeitmangel leiden, regelmäßig erst fünf Minuten vor Ladenschluß ihre Einkäufe besorgen Sie haben zwar dann keine Auswahl, bekommen einiges überhaupt nicht mehr, müssen etwas Teueres kaufen, aber sie lassen es sich keine Lehre sein. Eine gut und planmäßig wirtschaf­tende Hausfrau besorgt dagegen ihre Einkäufe stets rechtzeitig. Auch jetzt vor Weihnachten erledigt sie ihre Besorgungen nicht erst drei Tage vor dem Fest. Die letzten Tage vor Weihnachten sind angefüllt mit Reinemachen, Kuchenbacken, Baumputzen und anderen unmittel­baren Vorbereitungen Da hat sie kerne Zeit, ab­gehetzt von einem überfüllten Geschäft zum ande­ren zu jagen und Geichenke zusammenzukaufen Sie kann es 'auch keinem Geschäftsinhaber zumuten, noch Wünsche zu erfüllen, zu deren Erfüllung er selbst eine geraume Zeit braucht. Aufträge für An­fertigung von Sachen, zur Besorgung von aus­wärts müssen rechtzeitig erteilt werden. Man er­leichtert damit nicht nur den Geschäften die Ar­beit, sondern hat auch die Gewißheit, daß man sich Weihnachten wirklich über das eingetroffene Ge­schenk freuen kann Kurz vor dem Fest muß man damit rechnen, daß die Geschenke ausgesucht und zum Teil sogar vergriffen sind Dor allem hat die Hausfrau, wenn sie schon anfangs des Monats einkauft, einen Ueberblitf, was sie an besonderen Wünschen erfüllen kann und was zurückgestellt werden muß.

V.A. Schon oft haben die Aerzte warnend den Zeigefinger erhoben, an Festtagen nicht gar z u viel zu essen. Die Kurve der leichten und .schweren Magenerkrankungen steigt immer noch zu

langen Aermeln mit den schmalen Umschlägen wiederholen. Den Halsausschnitt schließt ein schma­les Bündchen aus dem Kleidmaterial ab. Dem Blusenteil sind pfenniggroße Tupfen aus weißer Angorawolle aufgestickt.

Aus hellrotem Wollrips ist das Fal­tenkleidchen (unten) mit den kurzen Puff­ärmeln und dem kleinen, weißen Kragen.

Der Jungensanzug rechts aus Herren- ft 0 f f ist wie die drei Kleider besonders geeignet, gegebenenfalls aus Kleidern von Erwachsenen her­gestellt zu werden. H.

Weihnachten am höchsten. Don der Schlemmerei vergangener Zeiten sind wir ja, Gott sei Dank, abgekommen. Es ist noch gar nicht so lange her, daß man bei festlichen Angelegenheiten stunden-, tage- und wochenlang unerhörte Mengen von Eß­waren vertilgte und Hunderte von Eimern Süß­wein austrank. Qmmermann, der in seinem Oberhof" von einer Bauernhochzeit erzählt, schreibt,daß mancher Bauer binnen weniger Mi­nuten ein ganzes Huhn überwunden hätte und daß ein Schinken für sechs Mann nur eben so hin­reichte" Noch weiter zurück ging es noch schlimmer zu Die große Zahl der Fastentage wurde nicht nur aus kirchlichen, sondern auch aus gesundheit­lichen Gründen vorgeschneben.

Wenn wir uns auch solche Eßfitten abgewöhnt haben, so sind wir doch dabei geblieben, zum Fest schwerere und reichhaltigere Mahlzeiten zu uns zu nehmen Das beste Mittel gegen Magenerkrankun­gen ist immer noch Genügsamkeit. Ein längst ver­storbener berühmter Arzt hat einmal die Regel auf­gestellt:

Die halbe Menge doppelt gekaut, macht ebenso satt und ist leichter verdaut.

Haben sich nun aber schon einmal Magen- beschwerden eingestellt oder will man schwereren Erkrankungen Vorbeugen, so hat der bekannte Wis­senschaftler Dr. Bott en berg kürzlich als Re­zept empfohlen, einfach Erde zu essen. Natürlich nicht eine beliebige Erde, sondern Heilerde. Es ist ein altes Dolksmittel, das noch heute vielfach nicht vergessen ist. In seinem Buch überBiolo­gische Therapie des praktischen Arztes" sagt Bot­tenberg darüber: ein bis zweimal täglich einen halben bis einen Teelöffel Heilerde als Aufschwem­mung im Wasser genügt in Öen meisten Fällen. Die Feststellungen Bottenbergs werden von vielen 'Aerzten bestätigt. H. S.

Hausfrau vor Weihnachten.

Mit der Zeitlupe gesehen!

Ein Onkel von mir pflegte um die Zeit vor Weihnachten öfter schnuppernd die Nase in die Küche zu stecken, ob sich nicht dort schon der para­diesische Duft von Mandeln, Puderzucker und Rosen­wasser erhöbe. Offiziell war er ein harte Mann und verachtete demgemäß Süßigkeiten. Aber inoffiziell, ich muß es leider sagen, stiebitzte er beträchtliche Mengen des herrlichen Marzipans, den meine Tante Dorothee bereitete, und behauptete dann schamlos, der Kater Niko hätte ihn gefressen.

Gottlob war die gute Tante besser in der Charak­teristik ihres Katers und der ihres Mannes be­wandert und ließ mit einem Augenzwinkern die Sache dahingestellt. Und wirklich, was wäre die ganze Weihnachtsbäckerei wert ohne den lüsternen Blick der großen und kleinen Kinder!

Es gehört eben zu diesem Fest, das nachher so andachtsvoll still verlaufen soll, vorher Aufregung, Trubel und viel Arbeit. Jetzt um die Zeit der Weih­nachten tritt am stärksten der Unterschied zwischen dem männlichen und weiblichen Charakter zutage. Während sich dem Mann langsam aber sicher die Haare sträuben, während er bereit ist, bei jeder neu zu beschenkenden Person, die aus der Gedächt­nisschublade seiner Frau entspringt, die Fassung zu verlieren, gewinnt die Frau sichtlich an Kraft, Mut und Ruhe.

Während der Mann immer verwirrter wird und nur noch händeringend und klagend denkt: Was schenke ich denn nur? hat die Frau schon klipp und klar alle Möglichkeiten samt Verpackung und Kostenanschlag tm Kopfe. Das Chaos, das um den Mann in großen, verwirrenden Schwüngen kreist, teilt sie unbarmherzig in drei Dimensionen: a) in den Weihnachtsbaum samt Schmuck und anderem Zubehör er gibt den Mittelpunkt ab; b) die Ge­schenke, die den festen Kern des Weihnachtsbaumes umgeben, wie der Nebelstreif den Saturn, und c) die Festmahlzeiten, die weiter in Unterabteilun­gen zerfallen in Braten, Kochen und Backen.

Dabei vergißt sie durchaus nicht, daß inzwischen die Kinder Weihnachtsgedichte lernen sollen und daß jeder Adventssonntag eine kleine Vorfeier mit Kranz, Lichtchen, Nüssen und Aepfeln haben muß. Und während die Mutter mit dem zähen, braunen Gewürzteig eines Honigkuchens ringt, erklärt der kleinste Junge plötzlich, daß er durchaus und ganz gewiß die Spielsachen-Ausstellung ansehen muß, wenn er vor Kummer nicht sterben soll. Und wäh­rend der geprüften Mutter vor Schreck die teig- umflorten Hände am Leibe niederfinken, findet sich das kleine Mädchen, das durch diese unberechtigten Ansprüche des älteren Bruders sowieso schwer ge­kränkt wurde, zu einem Geschrei aufgelegt und muß darum durchaus heute nachmittag das Weihnachts- Märchenspiel ansehen.

Ein Feldherr kann sich im Falle meuternder Truppen ein kategorisches Urteil erlauben. Die Mutter ist dagegen etwas benachteiligt. Sie ver­sucht auszuweichen und mit neuen Erzählungen über weihnachtliche Begebenheiten abzulenken, erntet aber nur mißbilligende Gesichter, streift seufzend den süßen, anhänglichen Teig von den Händen und beginnt, sich für einen Ausgang in die Stadt fertig zu machen.

Sie sagt sich dabei zu ihrer Beruhigung, daß Weihnachten eben ein Fest der Kinder sei und daß man ihnen deshalb schon den Gefallen tun müsse. Durch ihren Kopf schwirren tausend Kleinigkeiten; sie ist innerlich beim Einkauf von Kartons und Bindfaden, bei Lametta und neu zu ersetzendem Christbaumschmuck, sie fragt sich besorgt, ob der Tischler den Sessel zur Zeit schicken wird und wie lange um die Weihnachtszeit ein Paket von JE. nach P. brauchen kann. Sorgenvoll durchläuft sie die Ge­schenkskala immer wieder, denn es ist gar nicht auszudenken, wenn einer, gottbehüte, etwas weniger als der andere erhielte ober gar vergessen würde. Sie wird Rosemarie zeitig zur Post schicken und die Kinder am Tag des Heiligen Abends zu Onkel Paul gehen lassen. Es wird ihm nicht recht sein, aber er kann wirklich einmal etwas für die Familie tun. Er ist Junggeselle und hat es sowieso am leichtesten.

Aber dann vergißt sie Kartons, Sessel und den undankbaren Onkel Paul. Sie jubelt mit den Kin­dern um die Wette. Und das ist schließlich das schönste und wunderbarste an diesem Fest,daß ihr werdet wie die Kinder". Mare Stahl.

Dreimal Eintopf.

V. A. BunterGemüsetopfmitSchweine» fleisch. Man benötigt 500 Gramm Schweine­kamm, lA Liter Wasser, Salz 2 Lorbeerblätter, Gewürzkörner und 1 Eßlöffel gehackte Petersilie, ferner Mohrrüben, Wirsingkohl und Kartoffeln je 500 Gramm und schließlich 250 Gramm Sellerie. Bei der Zubereitung wird das Fleisch in das mit den Gewürzen versehene kochende Wasser gegeben und 20 Minuten gekocht. Dann fügt man die ge­putzten und kleingeschnittenen Gemüse und nach weiteren 20 Minuten Kochzeit die m Scheiben ge­schnittenen Kartoffeln hinzu Nach dem Garkochen wird abgeschmeckt und das Gericht mit gehackter Petersilie überstreut.

Kohlpudding mit Kapern soße. IV» Kilogramm Weißkohl werden kurze Zeit in kochen­dem Wasser stehengelassen. V2 Kilogramm Hack­fleisch wird mit Salz, Pfeffer und geriebener Zwie­bel vermengt. Kohl und Fleisch kommen dann schichtweise in eine gefettete Puddingform, die mit dem mit Tomatenmark gemischten Brühwasser über­gossen wird. Der festverschlossene Pudding muß auf kleiner Flamme IV2 Stunde kochen Gut schmeckt dazu eine hellgebundene Soße, die mit gehackten Kapern abgeschmeckt ist.

Straßburger Kartoffeln. Zwei gut ge­wässerte Heringe werden in Würfel geschnitten. Aus je 2 Eßlöffel Butter und Mehl und einer Zwiebel wird eine helle Schwitze bereitet die mit 200 Gramm Milch und *A Liter Fleischbrühe aufgefüllt wird. Die vorher gekochten und in Scheiben ge­schnittenen Kartoffeln sowie die Heringswürfel schichtet man in eine Auflaufform füllt die Soß« darüber, bestreut das ganze mit Semmelmehl und belegt es mit Butterfleckchen. Bei mäßig großer Flamme läßt man den Auflauf im Backofen braunen.