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Jedes große Kunstwerk trag! seinen Wert in sich

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Vor allem aber wird widerlegt werden durch

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Die große Kunst der Vergangenheit muß dem Volke erschloffen werden.

trachtungen. Denn wäre dies möglich, dann könnte man ja ohne weiteres, künstlerische kul- turseistungen einfach aus dem Besitz st and eines Volkes herausrelhen. ohne dah ein Ersah für sie einträte. Dies heihe aber in Wahrheit doch nichts anderes, als den kul- turellen Besitzstand einer Ration allmählich zerstören und an seine Stelle ein Vakuum sehen. Ls können aber selbst die scheinbar über­lebtesten Kulturschöpfungen nicht überwunden werden durch eine dann eintretende Leere, höchstens erfüllt noch von dem Geschwätz literarischer Schreiberlinge, sondern nur ge­schlagen und erseht werden durch neue, und zwar bessere Leistungen. Es ist daher das oberste Gebot bei jeder Kunstwertung die Pflicht der größten Toleranz gegen­über den wahrhaft groheu kulturellen Schöp­fungen der Vergangenheit. Eine selbst grohe Zelt wird es sich erlauben können, sowohl po­litisch als auch kulturell die Arbeit der Ahnen mit jenem Respekt zu behandeln, mit dem sie selbst wünscht, dah auch ihr Zeitalter einst von den Rachkommen geachtet wird. Sie wird sich im Gegenteil bemühen, diesen Leistungen der Vergangenheit ihre eigenen zum Vergleich ge­genüber zu stellen, und es dann der Rachwelt überlassen, die Wertung vorzunehmen und, wenn schon erforderlich, die dann notwendige Auswahl zu treffen. Dies wird das stolzeste Kennzeichen einer wahrhaft grohen schöpferi­schen Zeit sein. Sie wird dafür einst nicht be­urteilt werden an dem, was sie einrih, sondern nur an dem, was sie selbst gebaut und ge- staltet hat!

oder durch Schreiben, .

bessere Leistungen. Musik kann nur widerlegt werden durch Musik, Dichtkunst nur durch Dichtkunst, Baukunst nur durch Baukunst, Tanz nur durch Tanz, Bildwerke nur durch Bildwerke und niemals durch literarische Be-

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lichen Ahnen. Erst ihre Trabanten pflegen sich schwieriger bemerkbar zu machen, und es hebt dann im einzelnen das Ringen an zwischen ihren Wer­ken, die selbst nur Durchschnitt sind, mit ähnlichen Werken der Vergangenheit. Und hier wird die Regel die sein, daß aus dem Besitz und aus dem Gedächtnis der Menschen langsam die kleineren Werke entschwinden, um aber ebenfalls nur vor« übergehend neuen Platz zu machen. Rur die wahr« haft Großen bleiben immer bewahrt und sind der dauernden Verehrung sicher. Sie leiden ja auch mcht durch die Größe chrer Hahl! Bei der Beur­teilung des Kunstwerkes wird dabei auch von vorn-

Neues und Originelles produziert, sondern es gibt nur einen allgemein anerkannten soliden Durchschnitt, aus dem sich die Originale her­ausheben!

Sie tun dies aber nicht, um bann als einsame Lichter eines Tages wieder spurlos zu verlöschen, sondern sie tun es als Fackelträger, um an­deren den Aufstieg zu ihrer eigenen Höhe zu zeiaen und zu erleichtern. Damit aber wird, ohne es selbst zu wollen, der Künstler von Format fast immer der Meister einer Schule sein. Wie gering nun oft die Differenzen zwischen ihm und seinen begabtesten Anhängern sein können, vermögen wir aus der Schwierigkeit, nachträglich die Herkunft sol­cher Arbeiten einwandfrei festzustellen, zu erkennen. Wie oft muß selbst die sorgfältigste Untersuchung die Möglichkeit zugeben, daß das Werk sowohl vom Meister als aber auch vielleicht aus seiner Schule, d. h. aus der von ihm befruchteten Umgebung stam­men könnte. Wo wäre aber auch die Zeit hingekom­men, wenn ihre erleuchteten Geister außer den Be­wunderern keine Nachahmer gefunden hätten? Es gäbe keine menschliche Kultur, wenn Die Genies nur wie Meteore aufleuchteten und dann wieder verglimmen würden, ohne irgend eine weitere Spur von sich zurückzulassen. Sie sind als Genies d i e Pioniere, die nicht nur anderen vorangehen, sondern vor allem auch diese nach sich ziehen. Dies ändert nichts und beschränkt nichts an ihrem Ruhm,

Der Weg von der hetlig-ernstgememten Arbeit unserer guten alten deutschen Meister zu den großen Malern des 17., 18. und 19. Jahrhunderts war sicherlich schwerer als der Weg vorn Durch- chnitt einer anständigen Kunst des 19. Jahrhun- ;erts zur primitiven Krittelei unserer sogenannten modernen, deren Produkte nur deshalb aufzufallen pflegen, weil sie ein paar tausend Jahre hinter der heutigen Zeit zurückliegen.

Diese schmachvolle Rückeniwicklung aber haben unsere Literaten verbrochen. Ihnen gelang es, durch eine fortwährende Anwendung des WortesKitsch" auf eine gut gewollte an­ständige Mittelleistung jene exaltierten Verirrungen zu züchten, die einer literarischen Blasiertheit vielleicht als interessante oder gar phänomenale Abwechselung erscheinen mögen, tatsächlich aber ein schandbarer Rück­schritt sind, ein Kulturverfall, wie er zu (ei­ner früheren Zeit jemals statlgefunden hat. aber auch nicht stattfinden konnte, weil noch niemals den Literaten ein so unverschämter Einfluß auf die darstellende und bildende Kunst zugestanden worden war. Dabei ist es nun belustigend zu sehen, wie die Produkte dieser sogenanntenModernen" selbst am allerwenig­sten etwa alsOriginal oberOriginalität gewertet werden können. 3m Gegenteil: Alle diese sogenannten modernen Künstler sind die kläglichsten und hilflosesten Ko­pisten aller Zeiten. Freilich keine Ko­pisten des Anständigen, sondern solche des Unsinns! Sie blasen sich auf und nörgeln über die Baukunst vergangener Zeiten trotz des da­maligen geradezu unermeßlichen Reichtums an Formen, und verarmen dabei selbst in der Rachäfsung eines einmal angefangenen Unfugs bis zum Sfumpffinn.

Wie lange glaubte man denn wohl, daß es als besondereOriginalität würde gelten können, Türen statt gerade verkehrt in eine Hausfront zu setzen oder Wände statt jeder Gliederung einfach glatt zu lassen, oder Erker statt viereckig dreieckig anzukleben, oder Fenster statt statisch richtig in die Front unstatisch und falsch am oder um das Eck anzubringen? So wie an einem Platz aber auch nur mit einem solchen Unsinn der Anfang gemacht wurde, stürzten sich sofort ganze Schwärme unserer

druck macht. Fragen Sie diese gesunden Menschen, und Sie werden eine eindeutige Ant­wort bekommen. Aber fragen Sie nur ja nicht jene äußerlich und innerlich blassen Erscheinun­gen einer gewissen intellektuellen Dekaden;! Denn diese sind nicht das deutsche Volk! Es ist daher die erste große Aufgabe des neuen Dritten Reiches, dah es die kulturellen werke der Vergangenheit sorgfältig pflegt und sie der breiten Masse unseres Volkes zu vermitteln versucht. Und auch dies mit Verständnis, groß­zügig und vernünftig, denn es ist ganz klar, dah der von des Tages Arbeit ober von vielen Sorgen gequälte Mann nicht immer fähig ist, am Abend schwerste künstlerische Probleme auf­zunehmen und sich mit ihnen ins Bett zu legen.

Wer mit Sorge kämpfen muß, braucht bas Lachen notwendiger als wer vom Leben selbst nur ange« lächelt wird.

Es soll daher auch das Theater nicht nur der ern­sten, sondern auch der heiteren Muse bie­nen, und sicherlich wird nur ein gewisser Prozent­satz jener, für die eine gute Operette noch ein wah­res Kunstwerk ist, das Verständnis zur letzten Gro- ßen Oper finden. Allein dies schadet nicht nur nichts, sondern es ist dies gut. Das Entscheidendste bleibt nur, daß mir uns bemühen, unser Volk wie­der auf diesen Weg über die Freude und Schönheit, wenn möglich, zum Erhabenen zu führen. Und es ist nicht der Beweis für die Unwürdigkeit eines Volkes, wenn es außer nach Brot auch nach Spielen ruft. Es würde im Gegen­teil vielmehr der Beweis für die Minderwertigkeit des Menschen sein, wenn er allein in Speise und Trank ausschließlich die Aufgabe und das Ziel fei­nes Lebens sähe.

Ob und inwieweit es uns gelungen ist, im deut­schen Volke die Freude am Theater und damit an der Dichtung und Musik zu heben, kann jeder Ein­zelne leicht selbst feststellen. Es ist hier feit dem Jahre 1933 eine Wende eingetreten, die eben­falls eine Revolution bedeutet. Nicht umsonst ist eine der größten Organisationen aller Zeiten ins Leben gerufen worden mit dem schönen Ziel, durch Freude den Men­schen Kraft zur Lebensbehauptun g z u geben, sie zu lehren, das Leben in feiner Härte

Vor ollem aber möge jeher einzelne m einer solchen Zeit bedenken, daß es dos au-M'-bl ck>- «orrecht der Genies ist, Größere-, Bei - res. Neues zu gestalten, und der traurige Fluch ter Herostraten, Altes einzureißen und du Der- trennen. Wenn wir daher heute von einer Kunst­wertung sprechen, dann wollen wir jufammen« sassend unter dieser Kunstwertuna verstehen den ehrfurchtsvollen Respekt vor allen aufrichtigen großen Leistungen unserer !ßerpangem)eit.

Die beste Wertung nehmen wir aber vor d u r H b o d) ft e eigene Anstrengungen. Wir alle sind uns bewußt, daß es nicht genügen kann. Das vorhandene nur zu bewahren, sondern daß es nun­mehr notwendig ist, auch in unserer Zeit einen stolzen Beitrag zu diesem großen, unserem natio­nalen Kulturbesitz zu liefern. Es ist kein Zufall, baß im Leben der Völker die Zeiten der Dichter und Sänger nicht immer zusammenfallen mtt den Epochen großer politischer Erhebungen, Weltschick- jale entscheidender Kämpfe.

Nickt nur, daß dem Dichter und Sanger erst der

wenn also in den letzten Jahren und Iahr- zehnten eine Verarmung an großer dichterischer und musikalischer Gestaltungskraft eingetreten zu sein scheint, dann ist neben anderen Grün­den sicherlich dieser eine mit entscheidend, daß sehr viele In ihrem Inneren musisch veranlagte Menschen heute Geschichte machen, statt sie zu beschreiben, d. h. sich das Leben von Helden selbst erwählt haben, statt es zu besingen. Der Feuergeist in unserer Jugend findet seit über einem Vierteljahr­hundert wahrhaftig genug andere Möglichkeiten, um sich auszuleben, als die des nur wieder­gebenden. dichterischen lleberschwanges oder der musikalischen Gestaltung, wer weih, wieviel gottbegnadete Künstler sich unter jenen zwei Millionen befunden haben mögen, die zum Teil als jugendliche Freiwillige mit Liedern auf den tippen noch im Tode das Bekenntnis zu einem wahrhaft musischen Heldentum abgelegt haben! Dann aber schlug die nationalsozialistische Bewe­gung unzählige Menschen so sehr in ihren Bann, daß sie nicht nur Beruf und Stellung, sondern so­gar Weib und Kind vergaßen, um für die Erhe­bung ihres Volkes in den Reihen der neuen Ge- meinschaft zu kämpfen. Wer sich so der letzten Bin­dungen zur normalen bürgerlichen Umwelt ent äußert, der kann sehr wohl auch den Verzicht aus­gesprochen haben auf das künstlerische Ausleben seines starken Jchs, ohne daß ihm dies auch nur bewußt zu werden brauchte. Nach Beendigung die- fes weltgeschichtlichen Kampfes wird der vorhan­dene heihe Lebensdrang mancher lunger Schwär mer von selbst wieder einen anderen Weg zur Aeußerung aufsuchen und finden

Dieser verständlichen Verpflichtung kühner Men schen durch das Verlockendere der Tat ist es aber nicht ausschließlich SUZuschreiben wenn in den letzten Jahrzehnten ein fast erschut ernder Man- gel an künstlerischen Qualitäten emzutreten schiem Denn dieses Nachlassen war zum Telschonvor dem Kriege zu bemerken, obwohl in der bürg er lichen Welt V 1914 nur sehr wenig von HeroiS- MUS AU spüren war. Der Grund für den schon da. mals auftretenden Mangel an künstlerischer und besonders schöpferischer Originalitatlag nunrnen.- ܰr °m Sngtf^n^ Empor^mmen nB Xb«r »itaelt verschwiegen, teils verljin $ sogenannt e n

modernen" Kunstbetätigung, die die Lfteraten propagierten und machten, daß g-rad- durck sie jede wirkliche wertvolle neue Krast ent» ober erstickt wurde. Denn rote schon "ttont ist das G-ni- fte's nur -in- Ausnahm- und

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literarisch befruchteten jüngeren und älteren Kunst­gestalter auf diese Möglichkeit einer neuen, aller­dings schon sehr billigen Originalität und kopierten ie viel stupider und geistloser nach, als der schiech- teste Baumeister des 19. Jahrhundert irgendeine uns heute vielleicht vollkommen fremde Renaissance- Architektur nachzuahmen vermochte.

Dieses ßiteratengebell gegen den anständigen und soliden Durchschnitt war daher mit die ent­scheidendste Ursache für das langsame Aus­fallen wirklich bedeutender urtb damit die Mensch­heit nach vorwärts bringender Künstler.

Es ist nicht wegzuleugnen, daß in eben dem Maße, in dem im 19. und gegen das 20. Jahr- hundert zu und in dieses hinein die Kunstliteratur zunahm, die Zahl der wirklich großen Künstler abzunehmen anfing! Es ist nicht tragisch, feststellen zu müssen, daß im vergangenen Jahrhundert die musikalischen Genies eine förmliche Kette bildeten, bis sie dann allmählich im dauernden Kampf gegen das Literatentum so aufgerieben wur­den, daß wir heute in einer wahrhaft er- schreckenden musikalischen Oede zu leben gezwungen sind. Wir erhielten unzählige Mitarbei- ter an geistreichen Musikzeitschriften, aber wir Der- loren die schöpferischen Komponisten!

Wenn wir diesen tatsächlichen Zustand bedenken, bann ergibt sich für uns aber auch ohne weiteres ber Weg, ben wir einzuschlagen haben, um wieder zu einer gesunden Kunst gelangen zu können. Dann aber ist es wieder am Ende auch nicht so tragisch, daß uns im Augenblick das Schicksal zum Beispiel jene Fülle von Komponisten versagt hat, die beson­ders in den ersten zwei Dritteln des vergangenen Jahrhunderts den Ruhm unserer deutschen Musik befestigten. Denn diese haben gottlob so viel gelei­stet, dah wir schon eine künstlerische Tat vollbrin­gen, wenn wir wenigstens ihre Werke dem deut­schen Volke in bester Form vermitteln. Denn wie viele Deutsche haben nun wirklich einen Anteil an den großen musikalischen Schöpfungen unseres eigenen Volkes ober ber uns oerroanbten Nationen? Leben wir nicht in einer Welt, in der ein ganz kleiner Klüngel übersättigter Para- fiten in lähmender Blasiertheit die größten Kunst- schöpfungen mangels jeder auf anderen Gebieten sich erstreckenden ausgleichenden Tätigkeit über hat, während unzählige Millionen im Innersten viel aufgeschlossenerer Menschen- ein­fach nicht in Berührung kommen mit diesen

I Kunstwerken.

und damit an ihrer Bedeutung. Im Gegenteil, dies erhöht nur den Wert ihrer geschichtlichen Arbeit.

Nur dadurch ist die menschliche Kultur immer wieder auf ein höheres Niveau gebracht worden, dem die breiteren Massen sich nun anzugleichen be­mühen. So entsteht ein sich fortwährend nach vor­wärts schiebender Strom, aus dem immer wieder vereinzelte geniale Naturen aufzuleuchten beginnen, um neue Ziele des menschlichen Strebens abzu- stecken. Es kann daher im wesentlichen eine wert­volle Originalität nur von den ganz gro­ßen Geistern verlangt werden, während der Durchschnitt, d. h. die Masse der auch künstlerisch Tätigen sich stets in einem durch die Genies abge- steckten Rahmen zu halten pflegt.

Der jahrzehntelange literarische Angriff gegen diesen soliden Querschnitt einer Kunstbetätigung führt damit aber nur zur K u n st s ch w i n d e l e i, d. h., die immer wieder verlangteOriginalität kann von der Masse der Kunstschaffenden nicht ge­funden werden durch das Herausheben nach vorne. Denn dies ist, wie schon betont, nur den seltensten Einzelerscheinungen vorbehalten, sondern durch ein freches Herausspringen nach rückwärts! Und dieser Weg nach rückwärts allerdings ist leicht und kann fast von jedem beschritten werden, sofern hier nur bie nötige Portion Frechheit ober Unverschämtheit einerseits unb bie erforderliche Gebulb ober Dumm­heit anberseits zur Verfügung stehen.

herein zu berücksichtigen sein die dem Künstler ge» stellte ober ihm vorgeschwebte Aufgabe unb bas ihm zur Verfügung stehenbe Material, unb hier ist jedes Kunstwerk von vielen Erscheinungen seiner Umwelt mitbestimmt und mitbedingt. Der Künstler lebt nicht im leeren Raum, wohl aber tun dies sehr oft feine Kritikaster! Er gestaltet nickt nur, sondern er wird auch selb st bewegt. Schon die Ursache der Entstehung eines Kunst­werkes, der Auftrag, ist oft bestimmend für das Ergebnis. Zeitgeschichtliche Auffassungen, geschicht­liche Erkenntnisse, kulturgeschichtliches Wissen, alles dies hilft mit an der Gestaltung feines Werkes.

füllen. Nicht immer trägt der Sanger in der einen Hand das Schwert und in der anderen bie Leier. Nur zu oft geraten bie heißblütigen Men­schen in sturm- und drangvollen Jahren auf den Weg der Helden, während sie sonst sicherlich auf bem der Musen geblieben wären. Ja vielleicht ist bie höchste dichterische Gestaltungskraft auch nur eine Art des Auslebens eines vorhandenen heißen Herzens, das den Mann sonst in den Kampf des Lebens mit hineingerissen haben würde.

Wie viele Deutsche kennen denn überhaupt die großen Meisterleistungen unserer Kunst. Und vor allem, wie viele Deutsche wurden denn zur inneren Aufnahme dieser Werke bewußt erzogen? Ist es nicht ein trauriges Zeichen unserer heutigen Zeit, daß in Städten, die vor 100 Jahren ein Opernhaus mit 2000 Plätzen auf knapp 50 000 Einwohner be­saßen, heute biefes eine Opernhaus aber m der Platzzahl durch sicherheitspolizeiliche Vorschrift so­gar wesentlich beschränkt noch immer als ein­samer Tempel der höheren Musikkunst steht, obwohl die Einwohnerzahl der Stadt sich unterdes mehr als verzwölffacht hat? Wundern wir uns, wenn bei einer solchen Vernachlässigung der Millionen- mässe unseres Volkes künstlerisch vorhandene Quali­täten einfach deshalb verloren gehen, weil an sie niemals jener große A n st o ß a u s d e m Leben kam, ber so oft entscheidend ist für die spätere Entwicklung der Laufbahn des einzelnen Menschen? . . _

Ich glaube, wir können vor der deutschen Ge­schichte und vor unseren Rachkommen kulturell heute gar nichts Besseres tun, als alles das ehrfürchtig zu pflegen, was grohe Meister der Vergangenheit uns hinterlassen haben. Und wenn ein ganz keiner kreis überzüchteter Degeneraten an der Urwüchsigkeit dieser wahr­haft deutschen Kunst keinen Gefallen mehr findet oder an ihr kein Interesse mehr hat, und stattdessen zurückstrebt nach einer ihrer eigenen Veranlagung näherliegendenPrimitivität , dann ist es aber erst recht unsere Pflicht, ohne jede Rücksicht darauf das breite und ge- sunde Volk zu dieser unserer deutschen Kunst zu führen. Denn es ist eine Beleidigung für bie Großen unserer Vergangenheit, anzu- nehmen, dah sie nur gelebt haben, nur dichteten und musizierten für eine kleine Schicht durch und durch korrupter und fauler Existenzen. Das Volk aber ist viel zu einfach und natürlich, als bah es nicht Gefallen finden würde an der natürlichen Gröhe seiner alten Meister. Fra­gen Sie doch die Massen, die abwech­selnd in dieE n t a r t e t e K u n st und in die Ausstellung der deutschen Kun st hineingehen, oder die die Merke in unseren Museen besuchen, was auf sie mehr Lin-

Periode auszulöschen sein. Es ist aber unmöglich, die antike Kunst etwa deshalb abzulehnen, weil sie heidnisch war und unterdessen eine christliche Welt kam, wie es genau so unmöglich ist, eine christliche Kunst abzulehnen, weil manche unterdessen auch zu ihr nicht mehr in voller Uebereinftimmung stehen! Es ist unrecht, an die großen kulturellen Schöpfun­gen gewaltiger künstlerischer Heroen den oft sehr zeitbedingten Zollstab augenblicklich herrschen­der Auffassungen anzulegen. Nur ein amusisch ver­anlagtes Wesen kann zu einem so unmöglichen Ver­fahren greifen. Allein nicht nur dies: Es ist ein sol­ches Vorgehen auch eine Respektlosigkeit vor unserer großen Vergangenheit und außerdem eine geschichtliche Beschränktheit. Nur ein nationalrespektloser Mann wird Mozarts Zau­berflöte verurteilen, weil sie vielleicht im Text welt­anschaulich seinen Auffassungen entgegensteht. Eben­so wird nur ein ungerechter Richter Wagners Ring ablehnen, weil er nicht den christlichen Anschau­ungen entspricht, ober Wagners Tannhäuser, Lohen- grin und Parsifal, weil sie umgekehrt nickt im Sinne anderer Erkenntnisse gehalten zu sein scheinen. Das große Kunstwerk trägt einen absoluten Wert in si ch. Dieser Wert wird nicht gemessen mit dem Maßstab einer bas Kunstwerk als solches gar nicht berührenden mehr oder weniger zeitlich bedingten Auffassung.

Wenn im übrigen jede Generation das Recht in Anspruch nehmen würde, Kunstwerke ihrer politi­schen, weltanschaulichen oder religiösen Vergangen­heit einfach auszurotten, dann würde sicherlich vor allem jede politische Umwälzung so­fort die Vernichtung der in einer anderen politi­schen Umwelt großgewordenen Kultur bedeuten. Dies ist aber genau so sinnlos, als es sinnlos wäre, in einer nationalsozialistischen Wirtschafts­auffassung alle materiellen Werte zu vernichten, die unter nichtnationalsozialistischen Gedankengängen im Laufe ber Jahrhunderte entstanden und aufge­speichert worden sind.

Es ist unmöglich, das Gemälde eines Meisters des 17. Jahrhunderts abzulehnen, weil sich aus feiner kulturgeschichtlichen Kenntnis des römischen Lebens für unser Auge zahllose uns heute bewußt gewordene Stilwidrigkeiten aufzeigen. Hier muß an das Kunstwerk von einem höheren G e - sichtspunkt aus herangetreten werden. Es gibt aicht nur einen Respekt vor den materiellen Besitz- lümern eines Volkes, sondern auch einen solchen Dor den kulturellen! Und dieser Respekt hat auch bann zu gelten, wenn im einzelnen gewisse Auf­lassungen der Gegenwart nicht mehr übereinftim- nen mit der das Kunstwerk bestimmenden oder durch das Kunstwerk selbst vertretenen Vergangen- heil. Vor allem:

Jedes gewaltige Kunstwerk trägt seinen eige­nen Wert in sich. Es kann nicht mit anderen Maßstäben gemessen werden. Es ist unmöglich, im Jahre 1940 aus einer bestimmten politischen oder weltanschaulichen Einstellung heraus sich einen Maßstab zu schassen, um ihn dann an­zulegen an den weltanschaulichen Gehalt der Kunstwerke vergangener Zeiten und diese dann entweder zu bejahen oder im nichtzutreffenden Fall abzulehnen. So wenig es möglich ist, die leiblichen Vorfahren nach ihrer besonderer Ein­stellung zu Problemen der damaligen Zett im einzelnen anzuerkennen oder zu verdammen, so wenig ist es auch möglich, ein wahrhaftes Kunstwerk einfach deshalb nicht gelten lassen zu wollen, weil das in ihm veranschaulichte ober dargestellte Ideal der damaligen Welt un­seren heutigen Auffassungen nicht mehr genügt oder ihnen vielleicht sogar entgegensteht.

Da die Kunst in vielen Fällen sich in ihren Dar- teUungen den Ereignissen einer Zeit zürnenden nutz, würde mithin stets dann, wenn eine nach- olgende Periode zu anderen Auffassungen kommt, bie künstlerische Gesamtleistung der davorliegenden