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allein nur einem vielleicht wird es gelingen, die gesetzmäßig geformte Kraft der Schönheit des Man­nes und des Weibes bewußter zu empfinden und ihre seelischen Probleme mit einer von höherer Führung geleiteten Hand wiederzugeben, so richtig wiederzugeben, daß spätere Generationen, z. B. be­lehrt durch die unterdessen gewordenen anatami- schen Kenntnisse des Baues dieser Körper, nur er­staunt sein können über das Wunderwerk einer Statue, die vor zweieinhalbtausend Jahren geschaffen, für jeden Anatomen der Jetzt­zeit schlechthin auch wissenschaftlich nicht zu über­treffen gelungen ist. Dies gilt aber nicht nur für die Wiedergabe des menschlichen Körpers oder der sonstigen sichtbaren Umwelt, nein, viel stärker tritt diese begnadete Kraft des schöpferischen Einzel­wesens in Erscheinung auf dem Gebiete der Mu­sik und auf dem der B a u k u n st! Die Materia­lien, die als Stoffe der Baukunst dienen, sind fast allgemein vorhanden. Sie stehen und standen auf den ewigen Wanderzügen der Menschheit allen Völkern ziemlich gleichmäßig zur Verfügung. Auch die natürlichen Bedürfnisse waren zumindest bis zu einem gewissen Grade naturgemäß für alle Rassen gleich gegeben. Und doch, wie verschieden sind die Lösungen! Wie wenige Völker sind sich der in die­sen Materialien liegenden Möglichkeiten zur Ver­besserung ihres eigenen Daseins jeweils bewußt ge­

worden und wie verschieden wurden sie sich ihrer be­wußt. Oder:

Welch eine Distanz zwischen der höchsten mu­sikalischen Leistung eines primitiven Regerstam- mes und der IX. Symphonie oder dem I rlsta n. Welch ein meilenweiter Abstand zwischen den großen strahlenden Bauwerken hoher antiker Völker vor zweieinhalb und drei­tausend Jahren und den jämmerlichen Behau­sungen zahlreicher Rassen, die aber heute leben. Wo blieb hier die Zeit als schöpferischer Fak­tor? Es sind gottbegnadete einzelne Völker, deren Fähigkeit ebenso zeitlos ist wie die Unfähigkeit der anderen.

Wenn wir aber diese kulturschöpferischen Rassen bewußt in Gegensatz zu den anderen stellen, dann geschieht es, um so einen Maßstab zu finden aus dem Gegensatz der Lei st ungen. Denn nur aus den Gegensätzen erkennen wir das Große und das Kleine, das Lichte und das Dü­stere. In den Feiglingen liegt die Ursache für die Wertung der Helden, an den Dummen ermißt man den Grad der Klugheit, die Faulheit lehrt die Be­deutung des Fleißes würdigen. Das Ehaos zeigt den Segen der Ordnung, und über der Barbarei erhebt sich das Glück einer menschlichen Kultur.

Das Genie und die

So sind die Kulturvölker stets der Gegenpol der kulturlosen Rationen gewesen, genau so wie auch in ihnen selbst wieder der Künstler der Einsame ist gegenüber der Masse der künstlerisch gleichgültigen oder überhaupt verständnislosen Menschen. Das liegt aber in folgendem begründet:

Das Genie unterscheidet sich von der Masse stets dadurch, daß es unbewußt Wahrheiten ooraus- ahnt, die der Gesamtheit erst später bewußt werden! Es mag auch vorkommen, daß der Geistesblick des einzelnen schon im Augenblick der Verkündung der neu entdeckten Wahrheit sofort einer Gesamtheit als Helle Gewißheit erscheint. Je weiter aber das Genie in seinen Gc anken und Werken seiner Zeit vorauseilt, um so schwieriger wird dessen Verstehen. Die Zahl der von seiner Erkenntnis oder seiner Handlung Bezwungenen wird dann zunächst nur klein sein, und wehe, wenn Trägheit und Indolenz mit Eigensucht gepaart gegen ihn und seine Werke eine künstliche Schranke aufrichten. Dann mögen viele Jahrhunderte vergehen, ehe einem solchen Einzelstürmer die Menschheit nachzukommen vermag. Die höchsten Werke des künstlerischen Genies aber werden, weil ihre Wurzel oft nur ineinemVolke liegt, im all­gemeinen auch nur von der gleichen Ge­meinschaft ihre verdiente Würdigung er­fahren.

Sie wird durch eine solche neue Leistung plötzlich aus dem umfangenden Schlafe des Unbewußten erweckt und erlebt nun eine Selbstverständlichkeit in der Form einer nunmehr bewußt gewordenen Er­kenn nis. So wie aber jedes Genie ein Bahn­brecher auf dem Wege zur Erkenntnis von etwas Wirklichem ist, so ist dies aber auch der wahrhaft

große Künstler. Der antike Bildhauer, der dem menschlichen Körper in wundervoller Schönheit Ge­staltung gab, hat damit über jede Beschreibung hinweg der ganzen Mitwelt eine Vorstellung dessen gegeben, was nach einer später einsetzenden soge­nannten exakten wissenschaftlichen Forschung rich­tig, d. h. wirklich ist. Diese Wirklichkeit aber ist gleichbedeutend mit yöchster Zweckmäßigkeit.

Zweieinhalbtausend Jahre vor uns hat dieser Steinmetz den menschlichen Körper schon so an sei­ner Umwelt vorausgesehen, daß er heute nach allen Erkenntnissen unserer anatomischen Forschung als im höchsten Sinne naturgemäß gestaltet bezeichnet werden muß. Darin aber liegt der Sinn dessen, was wir mit dem WortKunst" bezeichnen, die Fähigkeit, im Schauen und im Gestalten eine Wirk­lichkeit der Zeit, d. h. der Gegenwart vor­auseilend, zu begreifen und mit den hierzu besonders geeigneten Mitteln wiederzugeben. Wäh- renb der normale Wissenschaftler gefundene Er­kenntnisse zu sich nimmt und vielleicht, vorsichtig einen Schritt weitergehend, aus ihm eine n e ue Erkenntnis ableitet und somit zu den vorhan­denen hinzufügt, überspringt der Künstler im Zeit­maß und Umfang die Erkenntnisse feiner Mitwelt oft um Jahrtausende. Statische Gesetze werden 2000 und 3000 Jahre später rein erkenntnismäßig dem Menschen bewußt und bestätigen nun bauliche For­men, die einst aus dem intuitiven Ahnungsvermögen eines einzelnen kommend schon damals als Kunst­werk chre Gestaltung erfahren hatten. Was also schon vor Jahrtausenden den Menschen eines bestimmten Volkes oder den Angehörigen einer Dölkerfamilie als Kunst geschenkt wurde, findet nunmehr seine Bestätigung auch im Sinne der Übereinstimmung mit den na­türlich notwendigen oder gegebenen Konstruktionen, die einfach durch ihre Schönheit die menschliche Be­wunderung erregten; sie entdeckt das Mikroskop nun als Elemente des Aufbaues bestimmter Körper.

Der Künstler, Pionier exakier Lrkennlniffe.

Musik wird vielleicht dereinst in ihren Klängen über den Umweg von Schwingungen zu gesetzmäßi­gen Zahlenbildern führen, die dann ihrerseits die Rätsel der tiefsten Seelenwirkung dieser Kraft lösen werden. Der Künstler, der aber in seinen Tönen eine Welt entstehen und einstürzen läßt, hat nicht als Mathematiker Schwingungen berechnet, sondern aus gottbegnadeter Ahnung intuitiv seine Ak­korde und Harmonien gefunden, die Millionen Men- tchen als höchste Kunst erschüttern, ohne daß sie sich »es letzten Warums klar zu werden vermögen.

Und in dem Sinn ist auch der gottbegnadete Künstler Pionier auf dem Wege des Men­schen zu oft tiefsten exakten Erkenntnissen, ohne daß er sich dieser späteren realen Beweise oder Gründe für die Richtigkeit seiner Ahnungen vorher bewußt sein wird. Denn er eilt viel­leicht der Menschheit am weitesten voraus! Und daher ist auch seine Leistung als wirkliches Kunstwerk als die höchste Lei­stung eines Volkes zu feiern. Dieses gehört da­mit aber auch zu den wertvollsten Beständen des Erbbesihes einer Ration.

Was sich auch die Völker im einzelnen an mate­riellen Gütern anschaffen, ist gänzlich unbedeutend gegenüber den Werten wahrer kultureller Leistun­gen. Nur der gedankenlose kleine Spießer kann die gewaltige Bedeutung dieser Tatsache nicht ermessen. Würde man aber aus dem nationalen Gesamtbesitz unserer Völker alles das herausstreichen, was als kulturelle Leistungen zunächst keinem prak­tischen Zweck zu dienen schien, dann würde sich mit einem Schlage das Bild unseres blühenden all­gemeinen Lebens in eine Wüfte verwandeln. Denn jede künstlerische Leistung war zunächst ür den Verstand des Durchschnittsmenschen nicht achlich bedingt, sie ist aber dafür eines jener zu- ätzlichen Werte, die den Menschen allein endgültig aus der Sphäre des Animalischen ge­hoben haben. Wenn heute durch eine magische Ge­walt aus unserem eigenen Lande alles das entfernt werden würde, was der Kaninchenhorizont des normalen Erdenbürgers als nicht notwendig oder als brotlose Kunst bezeichnet, dann würden unsere Städte plötzlich in sich zusammen­fallen. Dome, Münster, die Prachtbauten unseres höfischen und bürgerlichen Lebens, Museen und Theater, sie würden genau so verschwinden wie ober auch die letzten Pfähle einer Straßenbeleuch­tung oder die Mauern unserer Wohnungen, das Glas unserer Fenster und jedes Bild an der Wand. Es würde mit einem Wort dasNicht s" an die Stelle unserer reichen und schönen heutigen Welt treten!

Und dann erst würde man vielleicht den tief­sten Sinn des Wortes erkennen, daß der Mensch vom Brot nicht allein leben kann. Es dürfen daher weder der Künstler aus der Entwicklung eines Volkes, noch sein Kunstwert aus dem Besitztum der Ration weggedacht oder gar verschleudert werden! wenn aber ein Wirt- schaftler von Rationalvermöaen redet, dann mag man sich dessen bewußt sein, daß dieses Rationalvermögen» abgesehen von der an sich

vorhandenen Leistungs- und Gestaltungskraft des Volkes, zusammengerechnet zu 95 v. h. in seinen kulturellen Leistungen und noch nicht einmal zu 5 v. h. in seinen sog. reinen mate­riellen Werten liegt. (Beifall.)

So hoch nun auch der Kulturbesitz eines Volkes als Gesamtheit zu werten ist, so wird doch wie auf jedem anderen Gebiet eine fortwährende Verände­rung bzw. Ersetzung und Ergänzung der einzelnen Objekte und Arbeiten vorgenommen werden. Es gibt sicherlich menschliche ßeiftungen, die mit Recht die Bezeichnungunsterblich' für sich in An­spruch nehmen können, allein sie sind die Produkte der schöpferischen Kraft ganz weniger in Jahr­tausende eingestreuter einzelner. So wie deren Leistungen einem größeren Teil der Völker in ihrer Bedeutung zum Bewußtsein kommen, pflegen sie zunächst auf die begabteren Seelen anspornend zur Nachahmung zu wirken. So hängt sich an jeden der großen Sterne am Kunsthimmel, einem Schweif des Kometen ähnlich, eine mehr oder weniger große Zahl von Mit- und Nachläufern an, die durch das Werk der Großen inspiriert, sich nun auch ihrerseits in ähnlicher Richtung weiterzuarbei­ten bemühen. Dies ist an sich weder unanständig noch schädlich. Denn es ist ja immer ein großer Irrtum zu glauben, daß d i e Genies jemals zu Zehntausenden vom Himmel fallen könnten. Sie sind immer einsam gewesen und werden ewig einsam bleiben. Weil dem aber so ist, wird auch die Zahl ihrer Werke sich immer nur in engen Grenzen halten. Damit aber würde der Kreis der von den Werken der bildenden Kunst direkt Beglückten ebenfalls immer nur ein kleiner sein. Ihre Mitschaffenden, das heißt im wesentlichen nur Nachahmenden, sorgen aber dafür, daß wenigstens ein Abglanz der einmaligen Schöpfun­gen auch auf eine größere Zahl von Menschen fällt. So wie aber beim Kometen sich die Helligkeit des Schweifes allmählich mit der Verbreiterung ver­liert, um endlich im allgemeinen Dunkel aufzu­gehen, so sind auch die Nachläufer der Genies mit der zunehmenden Entfernung vom Genie und der zunehmenden Größe ihrer Zahl nur noch schwache Abbilder ihres Herrn und M e i ft e r s. Dennoch aber helfen sie mit, das Be­dürfnis auch der breiteren Massen eines Volkes nach Kunst und Kunstbesitz zu erfüllen.

So häuft sich vornehmlich durch ihr Wirken allmählich ein künstlerischer Besitzstand an, der natürlich nur selten mit dem durch das Vor­bild gegebenen Maßstab gemessen werden kann. Allein trotzdem brauchen die Arbeiten nicht schlecht zu fein, sondern im Gegenteil, sie sind als ehrlich bestrebte Nachahmung eines guten Vorbildes tausend­mal besser als die Verlogenheit einer so­genannten neuen Kunst, deren einzige Recht­fertigung nur in dem eben noch nicht Dage­wesenen liegt, ohne aber das Stigma des Genialen an ihrer Stirn zu tragen.

Dieser mehr oder weniger solide künstlerische Hausrat einer Nation wird aber infolge der größe­ren Zahl der Mit- und Nachläufer allmählich so umfangreich werden, daß zum mindesten ein Teck

des weniger bedeutenden von selb st wieder abgestoßen werden muß, besonders, wenn es einer Zeit gelingt, z. B. auf dem Wege mechani­scher Reproduktionen an die Stelle schlechterer Nach- und Neuschöpfungen gute Kopien besserer Vorbilder zu setzen. Nachdem außerdem im Laufe der Jahrhunderte sicher neue Genies auftauchen, die ihrerseits auch wieder Nachahmer finden, wird hier ein fortgesetzter Prozeß der 23er- brängung des vorhandenen Kunstbesitzes durch einen neu hinzukommenen stattfinden. Damit aber er­hebt sich nun die Frage der Wertung des Kun st wertes an sich.

Die natürlichste Beantwortung findet diese Frage für jeden einzelnen Fall durch das Jnerscheinung- treten des sofort ersichtlich Ueberlegenen,

d.h. Besseren. Denn dieses Bessere wird sich, wenn auch oft nach schwersten Kämpfen, doch im Laufe der Zeit allmählich durchringen und dabei genau so viel von früher verdrängen, als es zur Behaup­tung feines eigenen Daseins an Raum und an Aufmerksamkeit benötigt.

Viel schwieriger ist diese Frage aber dann zu lösen, wenn der Kunstbesitz der Nation bedroht wird von dem Eindringen einer nicht durch die eigene künstlerische Höhe geheiligten und damit berechtig­ten neuen Welle von Kun st werken, als vielmehr durch den Angriff einer im tiefsten Grund amusischen unkünstlerischen Produktion, die aus allgemeinen weltanschaulichen oder politischen Gesichtspunkten lanciert, propagiert und gefördert wird. Dies war in unserer heutigen Zeit der Fall.

Bergewaliigung des Kunstempfindens durchentartete Kunst".

Von all den fraglichen Machwerken unserer ogL,.a.».ttenm o u e r n e n Kunst" hätten keine 5 v. f). irgendeinen Platz im Kunstbesih des deutschen Volkes erobern können, wenn sie nicht durch eine mit der Kunst an sich in gar keinem Zusammenhang stehende, sondern poli­tisch-weltanschaulich orientierte Propaganda der öffentlichen Meinung aufgeredet, ja durch ähnlich eingestellte politische Faktoren a u f g e n ö t i g t worden wären. Wie tief die Abneigung des Volkes gegenüber einer durch solche Produkte zugemuteten Bereicherung fei­ner Kunst ist, mögen alle ersehen aus den Ein­drücken, die die Besichtigung der Ausstellung Entartete K u n st" in München bei den Besuchern hinterläßt. Allein nichtsdestoweniger ist es einer geschickten, ja gerissenen jüdischen Kulturpropaganda gelungen, diese erbärmlich­sten Machwerke, wenn auch nicht dem gesun­den Einzelmenschen, so aber zum mindesten seinen sogenannten berufenen künstlerischen Sachwalter aufzuschwähen, in unsere Galerien hineinzuschmuggeln und damit letzten Endes doch dem deutschen Volke aufzuoktroyieren.

Hier kann nicht von einem natürlichen Prozeß der Verdrängung etwa überalterter und damit mehr oder weniger verblassender Kunstwerke durch glän­zende neue Arbeiten gesprochen werden, sondern von einer Vergewaltigung des K u n st - empfindens und letzten Endes auch des natio­nalen Kunstbesitzstandes durch eine Anzahl von Be­trügern, die als Massenerscheinung auftretend, mit frecher Stirn von sich behaupten, den schöpferischen Typ einer neuenmodernen" Kunst zu repräsen­tieren.

Inwieweit dieser freche Ueberfaö auf unsere Kul­tur und unseren nationalen Kunstbesitz gelungen ist, mögen sie alle ersehen aus den Ankäufen, die durch Staatsgelder ober durch sonstige Mittel aus öffent­licher Hand erfolgt sind. Don biefen Werken nun ben nationalen Kulturbesitz z u säubern, ist eine heilige Pflicht einer politischen Leitung, die sich elbft als im stärksten Gegensatz stehend ansieht zu jenen dekadenten Kräften, die diese Machwerke dem deutschen Volke aufgenötigt hoben! Daraus erwies ich für uns aber zwingend die Notwendigkeit, sehr oft eine kritische Betrachtung anzustellen über den Wert eines Kunstwerkes an sich.

Wenn wir nun vom Werte des Kunstwerkes an sich sprechen, dann wollen wir zunächst die Tat­sache berücksichtigen, daß die größten Kunstleistun­gen der Menschheit ihrer Zeit vorangin­gen, das heißt also, daß sie in der Zeit ihrer Entstehung von der großen Masse der Mitbürger meist als etwas Neues angesehen worden waren und oft nur von einem begrenzten Teil so- ort verstanden wurden, im übrigen sich aber erst allmählich das allgemeine Verständnis erkämpfen mußten.

Ja, dies ist geradezu ein Kennzeichen der aller­größten künstlerischen Leistung, daß sich in ihnen ein Schritt in der unbewußten Erkennt­nis des Tatsächlichen nach vorwärts vollzog, dem die Mitwelt nur erst allmählich nachfolgen konnte. Das Recht zur Verdrängung bestehender Kunstleislungen kann über auf alle Fälle nur solchen Reuschöpfungen zuerkannt werden, die eine größere Wahrheit in sich verkörpern und mithin der allgemeinen Erkenntnis und dem Verständnis ihrer Zeit auch wieder voraneilen werden!

Es gibt dabei manchmal allerdings auch eine zurückblickende Kunst. Allein sie ist nur in» ofern berechtigt, als sich in ihr wieder eine ch o n verloren gegangene Raffen- b e f i n n u n g ankündigt.

Dann, wenn im Laufe einer Kunstentwicklung durch fremde, unvolkliche Einflüsse das Kunstwerk die innere Beziehung zum eigenen Blut und damit eigenen Rassenwert

und Empfinden verloren hat, kann durch eine Wiederherstellung dieses ursächlichen Zusammen­hangs eine Erneuerung der künstlerischen Leistun­gen auch dann eintreten, wenn an den Schöpfungen einer vergangenen Epoche angeknüpft wird, um von dort aus nun wieder den richtigen Weg nach vorne zu suchen.

Ohne dem aber ist jede Rückentwicklung der Kunst eine Fehlentwicklung. Denn sie führt die kulturellen Leistungen in eine Epoche weitester Vergangenheit zurück, auch wenn sie vielleicht in ihrer damaligen Hohe gleich sein kann der Hohe unbedeutender Rassen der Gegenwart. So kann sehr wohl diep r i m i t i d e Kun st" von heute oder besser die Kunst der sogenannten Primitiven, in der wir nur Karikaturen erblicken können, wie sie zur Zeit noch verschiedene Negerstämme fabrizieren, identisch sein mit weit zurückliegenden künstlerischen Schöpfungen unseres eigenen Volkes. Ja, dies (ft nicht nur wahrscheinlich, sondern sogar sicher.

Denn das Niveau dieser Zeichnungen entspricht, wie ich schon einmal erwähnte, der Betätigung fünf-, sechs- oder siebenjähriger Kinder, damit aber dem Durchschnittsniveau auch der Spitzenleistungen, die unser eigenes Volk vor zwanzig-, dreißig- oder vielleicht sogar fünfzigtausend Jahren eingenommen haben mag.

Es kann aber nicht der Sinn einer Säuberung unseres kulturellen Besitztums sein, Leistungen einer fortgeschrittenen Zeit durch läng st überholte Arbeiten einer weit zurückliegenden Epoche zu ersetzen oder sie gar durch sie zu ver­drängen. Es muß daher der oberste Grundsatz bei der Wertung eines Kunstwerkes immer sein, daß es in der Zeit feiner Entstehung einen Fortschritt und keinen Rückschritt be­deutet! Ich kann daher sehr wohl eine an sich primitive Arbeit, die vor zweitausend Jahren ent­standen ist, als Kunstwerk werten und diese selbe Arbeit aber sofort schärfstens ablehnen, wenn ein heutiger sogenannter Kunstbeflissener sie als Aus­druck unserer Zeit der Mitwelt aufzwingen will.

Ich sehe dabei eine besondere Gefahr in dem Wort derKunst"- oderKultur" -Besin­nung. Kunst- oder Kulturbesinnung kann nicht bedeuten: Zurückstreben nach den Lei­stungen überwundener Zeitalter, sondern könnte nur bedeuten: Wiederauf finden des vielleicht schon früher verloren gegangenen richtigen We­ges einer eigenen rafsisch-blutmähig bedingten und damit natürlichen Kunst- und Kulturent­wicklung.

Man muß dabei aber erkennen, daß der wirkliche Künstler zu keiner Zeit sich bewußt in der Gestaltung seines künstlerischen Wollens eine sogenannteft i l i st i s ch e" Beschränkung auferlegte, sondern dies stets erst in den Augen der Nachwelt der Fall zu sein scheint. Das archaische Kunstwerk ist nicht das Produkt eines damaligen bestimmten Stilwollens, sondern das Ergebnis der damaligen Höchst­leistung also der letzte Ausdruck des damaligen Sehens und des Vermögens, dieses Sehen in eine künstlerisch materielle Form zu bringen. Daher war diese von uns als archaisch bezeichnete Kunst einst angestrebte höchste Wahrhaftigkeit, während ihre plumpe Wiederholung von heute nur eine höchst unkünstlerische Lüge ist.

Wenn aber die Ergebnisse gerade der höchsten künstlerischen Veranlagung fernste Zukunftsvoraus- ahnungen des Wirklichen sind und dem Gestalt geben, dann wird dieses schnellste Dorauseilen vor dem allgemeinen Verstand stets auch nur das Werk der seltensten künstlerischen Erscheinungen sein, d. h.: die Höch st e Kunstbegabung zeichnet sich immer durch äußer st e Vereinsamung aus. Es wird daher eine wahrhaft epochale neue Kunstleistung immer nur das Werk eines Einzelnen begnadeten und der übrigen Menschheit seherisch oorauseilenben Mannes sein und niemals das Er­gebnis einer allgemeinen durchschnittlichen Kollektiv» leiftung.

Das Genie kann durch keine Mffenleistung ersetzt werden.

Ls ist daher von vornherein festzuhallen, daß zwischen dem höchsten Genie und der größten Zahl ein ewiger Gegensatz besteht. Das Genie ist die Einzelperson und das nur Durchschnittliche bleibt die Masse. Darin liegt aber der stärkste Beweis für den Ansinn unse­rer sogenanntenmodernen Kunst", denn sie versucht bewußt, die Leistung des Genies durch eine sogenannteMassenteistung" zu ersehen. Das heißt, nicht eine strahlende Be­gabung tritt vor das Volk und schenkt ihm das neue Kunstwerk, sondern eine Unzahl von Stümpern fabriziert minderwertigste Machwerke und beginnt nun mit der Zahl ge­gen die Seltenheit der wirklich ewigen Kunst zu operieren. Die sogenanntemoderne Kunst" trumpft also mit einer allgemeinen Gemein­schaftsarbeit auf. Daher aber ist sie weder mo­dern noch ist sie überhaupt eine Kunst. Denn es könnte sehr wohl einen neuen und damit also meinetwegen modernen Künstler geben, es kann aber nicht geben eine Kunst des Jahrganges 1937 oder 1940.

tDem Genie aber, das nun die Welt mit einer wirklichen neuen kulturellen Schöpfung beglückt, liegt bie Kenntnis des vorhandenen Kunstgutes nach

feiner Art und in feiner Technik als selbstverständ­liche Voraussetzung zutiefst im Dlut, im Verständ­nis und im Können. Es beherrscht die schon vor­handene Technik souverän und gestaltet auf ihr fußend das neue Kunstwerk, das dem Ver­ständnis seiner Zeit vielleicht vorauseilend sich mög­licherweise erst in Jahrzehnten oder sogar Jahr- Hunderten die allgemeine Zustimmung sichern wird. Also der wirklich zum Höchsten berufene, schöpfe- risch begnadete Künstler beherrscht das bis­her Geschaffene in seinem tiefsten Sinn und in seiner Technik und entwickelt daraus seine eigene Leistung.

Diese schöpferisch begnadeten Menschen sind jedoch nur die Ausnahme. Sie allein aber be- relchern den wahren Kulturbesitz der Menschheit Sie sind zugleich aber auch die tolerantesten Verehrer der Leistungen der Vergangenheit. Sie wissen, was sie diesen Kul urschöpsungen der Vergangenheit selbst zu verdanken haben! In ihnen lebt die souve- rane Uederzeugung vom Wert ihrer eigenen hA°fP lUn0- Ieiöen daher auch nicht unter Der Angst, vorn vergangenen überlistet zu werden. Im Gegenteil: Sie freuen sich daraus, ihre Werke btneinftellen zu können in diese Schau der früheren oder.gegenwärtigen Großen und ihrer Leistungen, und sind dabei überzeugt, daß sie sich d u r ch i h r e .e men Ehrenplatz er- rampsen werden in dieser Galerie der imsterb-