schwimmen, pünktlich von 19 bis 20 Uhr, in der Müllerschen Badeanstalt zum Training an.
Die Pressereferentin im Untergau. gez. Liesel W a l d i.
Aus der Zrauenschast der Ortsgruppe Gießen-Mitte.
Der Ortsgruppenabend der Frauenschaft Gießen- Mitte fand im Gasthaus „Hindenburg" statt und wies erfreulicherweise einen sehr starken Besuch auf. Die Leiterin Frau W e m p e r begrüßte die Frauen und widmete den deutschen Seeleuten, die an der Küste Spaniens für das Vaterland starben, ein stilles Gedenken. Fräulein Altvater sprach dann über die Bedeutung und die Arbeit des Reichsmütterdienstes. Die Anwesenden folgten dem Dortrag mit lebhafter Aufmerksamkeit. Einige schöne Wiegenlieder fanden als Einzel- und Chorgesang reichen Beifall. Frauenschaftsmitglieder hatten Spiel- zeua gebastelt und die Tische damit abwechslungsreich geschmückt. F. K.
Schwurgerichtssihungen beim Landgericht Gießen.
Am Montag, 14., und Dienstag, 15. Juni, tritt das Schwurgericht der Provinz Oberhessen zu einer Sitzung zusammen. Es stehen zur Verhandlung zwei Verfahren wegen Meineids. Am Montag kommt die Sache gegen den Kaufmann Robert Schlott aus Wetzlar zur Verhandlung, der angeklagt ist, im November 1936 vor dem Landgericht Gießen — II. Zivilkammer — wissentlich ein falsches Zeugnis mit einem Eide bekräftigt zu haben.
Am Dienstag verhandelt das Schwuraericht gegen die Ehefrau Elise H e d d e r i ch aus Alsfeld. Sie hat ebenfalls vor einer zur Abnahme von Eiden zuständigen Behörde eine falsche Aussage durch Eid bekräftigt. — Den Vorsitz hat in der Sitzung am Montag Landgerichtsdirektor Dr. S p e ck h a r d t. Am Dienstag führt Landgerichtsrat Dr. Seid den den Vorsitz.
Aufgehobenes Echwurgerichtsurteil.
Eine Ohrfeige und Ihre Folgen.
Das Schwurgericht Gießen verurteilte am 18. Januar d. I. den 21jährigen L. Kühne wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Monaten Gefängnis.
Als der Angeklagte am 28. August v. I. mit einem Freunde spazieren ging, kam ihm ein 66- jähriger angetrunkener Mann entgegen, der beide Freunde alsbald beschimpfte. Beide kümmerten sich aber nicht um den Alten, sondern gingen weiter. In einer anderen Straße traf man kurz darauf wieder auf den Mann, der mit heftigen Schimpfworten auf die beiden Freunde zuging. Als der Angetrunkene trotz des Zuredens der jungen Leute nicht aufhörte, Schimpfworte auszustoßen, gab ihm Kühne, darüber aufgebracht, einige Schläge ins Gesicht. Der alte Mann taumelte und stürzte auf das Straßenpflaster. Er wurde in besinnungslosem Zustand in seine Wohnung gebracht und hier von Sanitätern so lange betreut, bis er wieder einigermaßen wohlauf war. Am nächsten Morgen mußten Nachbarn feftftellen, daß sich der Zustand des alten Mannes verschlimmert hatte: er starb wenige Tage später an den Folgen einer durch den Sturz erlittenen Gehirnverletzung. Das Gericht hatte die Schläge ins Gesicht und den dadurch erfolgten Sturz auf das Pflaster als ursächlich für den späteren Tod angesehen und Kühne zu der eingangs erwähnten Strafe verurteilt. Die Beleidigungen des Alten feien kein Grund gewesen, um in so roher Weile gegen einen 66jährigen gebrechlichen und schwächlichen Menschen vorzugehen.
Das vom Angeklagten angerufene Reichsgericht hielt zwar die Feststellung des Gerichts bezüglich der Notwehr und des ursächlichen Zusammenhangs für rechtlich bedenkenfrei. Dagegen schien dem Reichsgericht die Frage der Anwendung des 8 51 StGB, nicht ausreichend geprüft worden zu fein. Das Urteil wurde daher aufgehoben und die Angelegenheit zu neuer Verhanolung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückoerwiesen.
Neue Höchstpreise für Schinkenspeck in Hessen.
Durch Bekanntmachung des Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung —, die mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt, wird auf Grund der Paragraphen 4, 5 und 9 der Verordnung über die Fleischund Wurstpreise vom 22. 10. 1936 u. a. bestimmt, daß für geräucherten, mageren Speck, der in der
Hessische Trachtengruppen singen im Gießener Bahnhof.
Am heutigen Dienstagabend wird sich vor unserem Bahnhof bzw. in der Bahnhofshalle ein nicht alltägliches Bild bieten. Wer die Schönheit der farbenprächtigen hessischen Trachten zu schätzen weiß, wer sich die Mühe macht, sich einmal, wenn auch zu einer ungewohnten Zeit, am Bahnhof einzufinden, wird sicherlich nicht enttäuscht werden. Dabei wird sich gleichermaßen ein Genuß für Auge und Ohr bieten, denn nicht weniger denn 26 Mädchen und 20 Burschen, dazu die Dorfkapelle von Watzenborn-Steinberg mit 8 Mann, werden sich einfinden, um sich von Gießen, ihrem Sammelpunkt aus, nach Hamburg zu begeben, wo in den nächsten Tagen die Reichstagung der NS.-G. „Kraft durch Freude" stattfinden wird. Die, Gruppe der insgesamt 54 Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzt sich zusammen aus Mädchen und Burschen aus dem Hüttenberg, dem Schlitzerland, dem hessischen Hinterland und aus dem Odenwald. Die Führung der stattlichen Trachtengruppe liegt in den bewährten Händen von Georg Heß, unter dessen Leitung die hessische Abordnung auch im Festzuge zu Hamburg erscheinen wird. Die Gruppe unserer heimischen Burschen und Mädchen wird voraussichtlich bis zum 13. Juni in Hamburg weilen.
Die Mitglieder der Trachtengruppe werden sich heute gegen 20 Uhr im Hotel Kobel einfinden, um dort noch einmal ihre gemeinsamen Lieder zu üben. Gegen 21.30 Uhr marschieren die Burschen und Mädchen dann geschlossen und mit Musik zum Bahnhof und zwar in der gleichen Form wie sie auch in Hamburg auftreten werden. In der Bahnhofshalle werden sie dann zum Abschied einige Volkslieder fingen und dann mit dem Schnellzug, der um 22.11 Uhr unseren Bahnhof verläßt, nach Hamburg abfahren.
In der Feststadt selbst werden unsere Hessen unter zwei Leitgedanken auftreten und an den verschiedenen Veranstaltungen beteiligt fein. Diese Leitgedanken sind: „Dörfliche Arbeit" und „Länd
liches Fest". Die Trachtengruppen unserer engeren und weiteren Heimat werden in Hamburg im Festzug eine „O b e rh e s s i s ch e Kirmes" veranstalten und dabei ein festliches Bild zu bieten wissen. „Dörfliche Arbeit" wird durch einen Schützer Fe st wagen veranschaulicht, von dem aus die Flachsverarbeitung, das Spinnen und auch das Weben gezeigt werden wird. Am Web- stuhl wird der Weber Hederich von Elpenrod seine Kunst zeigen. Man geht sicherlich nicht fehl in der Annahme, daß unsere hessischen Trachtengruppen alles tun werden, um bei der Reichstagung der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" einen recht guten Eindruck zu hinterlassen.
Dann Reife nach Frankreich.
Nach der Rückkehr von Hamburg am 13. Juni und nach einer kurzen Ruhepaufe von vier Tagen, werden 21 Mitglieder der Trachtengruppe eine Reise nach Südfrankreich unternehmen, um dort in verschiedenen Städten von deutscher Art und von deutscher Sitte, insbesondere also von hessischen Sitten und Gebräuchen zu berichten, Volkstänze zu zeigen und Lieder zu fingen. Die Reise wird unternommen im Sinne praktischer Verwirklichung der von dem Reichsorganisationsleiter Dr. Ley geförderten Austauscharbeit von Volkstumsgruppen, die bereits vor einiger Zeit mit erfreulichem Erfolg aufgenommen worden war. Die hessische Gruppe, die auch diese Reise unter der Leitung des Heimatdichters Georg H e ß unternehmen wird, wird auf dieser Frankreichfahrt in den Städten Dijon, Bar-sur-Aube und Chambery erwartet. Die Durchführung dieser Reise steht endgültig fest, wenngleich das Programm noch Nicht in allen Einzelheiten festliegt. Unsere hessischen Landsleute werden bis zum 22. Juni in Frankreich bleiben und dann voraussichtlich über die Schweiz nach Deutschland und in ihre engere Heimat zurück- kehren.
ÄassauerbauausdemGleibergmneiierAusstMng
Das Gleiberg-Jubiläum, das in allen Teilen in seiner Feiergestaltung, wie schon berichtet, einen vorzüglichen Verlauf nahm, ist zu Ende. Es hat den Ruhm der heimatlichen Burg wieder weit in die Lande gehen lassen, so daß zu hoffen steht, daß der Gleiberg im zweiten Jahrhundert des Gleiberg- vereins noch mehr als bislang sich steten Besuches von nah und fern erfreuen wird, zumal den Erhaltungsarbeiten größte Aufmerksamkeit gewidmet ist.
Dem stillen Beobachter beim sonntäglichen Volksfest dürfte es gewiß nicht entgangen sein, daß viele Volksgenossen Umschau haltend die oberen Räume des Nassauerbaues durchschritten, die nach wochenlanger Bearbeitung von heimischen Handwerkern in ein neues Gewand gekleidet wurden und gerade noch zum Jubiläum fertig geworden waren. Kaisersaal, Vorstands- und Luxemburgerzimmer hatten über ein halbes Jahrhundert kaum einmal eine Reparatur erhalten. Vervutz- abbröckelungen an Decken und Wänden, schadhafte Fensterflügel und anderes mehr entstellten die schönen Räume. Nun prangen sie wieder in hellem freundlichen Aussehen, einfach gehalten und dennoch vornehm wirkend. Vorteilhaft hebt sich das braune Holzwerk überall ab. Sehr schön, in keiner Weise störend, machen sich die neuen drehbaren Kleiderhaken. In Ordnung gebracht wurde die Bleiverglasung der zahlreichen Fenster, desgleichen die
schadhaften Stellen im Rahmenwerk. Die auf einer kleinen Fläche um den mächtigen Himalaja-Büffelschädel zusammengestauten afrikanischen Gehörne im Kaisersaal sind augenfällig schön auf eine Saalseite verteilt. Aeußerst schmückend nimmt sich die neuangebrachte Deckenbeleuchtung der holzgearbeiteten Leuchter mit je vier gläsernen Schalen, auf vier Deckenfelder verteilt, aus. In einer besonderen Anordnung hängen nunmehr im Vorstandszimmer die Photographien der um den Gleiberg verdienten Persönlichkeiten, die Diplome und historischen Bilder. Im hellen Tageslicht stehen die beiden Museumsschränke.
Das 1909 von dem Maler Prof. Wille dem Gleibergoerein geschenkte große Gemälde ist aus dem Vorstandszimmer ins Luxemburgerzimmer an einen besseren Platz gewandert. Der Vorraum zeigt auch neuen Anstrich. Ueberall ist das Auge und die Hand des Künstters und des erfahrenen Baumannes spür- bar, so daß eine Einheitlichkeit erreicht wurde, an derem Gelingen der Kunstmaler Adolf P r e s b e r (Wiesbaden) und Oberbauinspektor Mohr (Gießen) gleicherweise Anteil hatten.
Die Burgruine mit ihren Gebäuden gibt dem Gleibergverein immer wieder von neuem Bau- und Jnstandsetzungsprobleme zur Lösung auf, so daß auch künftig der Verein sein volles Maß an Arbeiten zu meistern hat.
Schnittfläche mindestens zur Hälfte zusammenhängendes Muskelfleisch aufweist (Schinkenspeck, Früh- siücksspeck usw.) im Kleinverkauf folgende Höch st preise je 500 Gramm nicht überschritten werden dürfen:
1. In den Städten Darmstadt und Mainz, sowie in den zu den Marktgemeinschaften Darmstadt, Mainz, Frankfurt und Mannheim gehörigen hessischen Gemeinden (sog. marktgebundene Gemeinden): In Stücken mit Schwarte 1,40 Mark, in Stücken ohne Schwarte 1,60 Mark, in Scheiben ohne Schwarte 1,60 Mark.
2. In den übrigen Hessischen Gemeinden, d. h. solchen Gemeinden, die weder Sitz eines Schlacht-
viehmarttes für Schweine sind, noch zu einer Markt- gerneinschaft eines Schlachtviehmarktes für Schweine gehören: In Stücken mit Schwarte 1,35 Mark, in Stücken ohne Schwarte 1,55 Mark, in Scheiben ohne Schwarte 1,55 Mark.
Für mageren Speck, geräuchert usw. (Dörrfleisch) bleibt es bei den Höchstpreisen, wie sie sich aus §3 der Bekanntmachung vom 13. 11. 1936 ergeben.
Gießener Wochenmarktprelse.
* Gießen, 8. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Ya kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20
bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, Va kg 10 bis 15, Weißkraut 12 bis 15, gelbe Rüben, neue, das Bündel 15 bis 20, rote Rüben, % kg 12, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen, neue, grüne 25 bis 35, Spargel, 1. Sorte 42 bis 51, 2. Sorte 37 bis 45, 3. Sorte 32 bis 39, 4. Sorte 15 bis 18, Erbsen 30, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 15, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, alte, kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,85 bis 3,95 Mark, neue, V» kg 12 bis 18 Pf., Kirschen 45 bis 55, Stachelbeeren 30, Erdbeeren 50 bis 60, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 50, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf.
** Ge sangverein „Heiterkeit-Gießen" singt im Rundfunk. Am kommenden Sonntagvormittag, in der Zeit von 10.30 bis 11.15 Uhr, wird der Gesangverein „Heiterkeit" unter Leitung seines Chormeisters, Musiklehrer Schüttler, in der „Stunde des Chorgesangs" mit einigen Liedern die Rundfunkhörer erfreuen. Der Verein, der zu den führenden Gesangvereinen unserer Provinz zählt, läßt sich die Pflege des deutschen Liedes ganz besonders angelegen sein, wie er dies schon des öfteren bei seinen'Konzerten bewiesen hat. Der Dor- tragsfolge am kommenden Sonntag liegen zum größten Teil die Darbietungen des Konzerts vom November v. I. zugrunde. Folgende Chöre kommen am Sonntag zum Vortrag: 1. Aus der deutschen Messe (Schubert), 2. Wehmut (Schubert), 3. Frühlingslied (Carl Maria von Weber), 4. Schwertlied (C. M.v. Weber), 5. Lützows wilde Jagd (C. M. v. Weber), 6. Ein deutsches Lied (Silcher), 7. Der Lindenbaum (Schubert), 8. Der verliebte Fähnrich (bearbeitet von Wolfrum), 9. Wenn wir Soldaten (bearbeitet von Heinrichs), 10. Deutsches Arbeitslied (Richari) Trunk).
** Laßt Rehkitze unberührt? Es besteht besondere Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß es höchst unangebracht ist, Rehkitze, die anscheinend von ihrer Mutter verlassen, draußen in der freien Natur angetroffen werden, zu berühren, zu streicheln oder gar aufzunehmen, um sie in einer wohl gut gemeinten Absicht dem Jagdpächter oder zum Förster zu bringen. Es wurde schon an dieser Stelle verschie« deutlich darauf hingewiesen, daß diese jungen Tiere, wenn sie draußen allein angetroffen werden, durch« aus nicht verlassen sind, sondern das Muttertier wird sich immer dann einfinden, wenn sich die Spaziergänger wieder entfernt haben. Ein von Men« schenhand berührtes Rehkitz aber wird von der Mutter verlassen, weil sie die menschliche Witterung scheut; das Jungtier ist bann unter solchen Umständen dem Verderben ausgesetzt. Zu berücksichtigen ist ferner, daß Rehkitze immer dann, wenn sie ihrer natürlichen Umgebung entfremdet werden, sehr schwer dazu zu bewegen sind, Nahrung aufzunehmen.
** Die Schnakenbekämpfung in den Gärten. Das Städtische Hoch- und Tiefbauamt fordert dazu auf, im Interesse der allgemeinen Volkswohlfahrt die Schnakenbekämpfung dadurch zu unterstützen, daß den mit dieser Arbeit beauftragten Personen das Betreten der in Frage kommenden Gärten gestattet wird.
*♦ Anmahnung von Rückständen. Die Stadtkasse Gießen mahnt gegenwärtig zur umgehenden Zahlung das 1. Ziel der Gewerbesteuer- Vorauszahlung 1937, das 1. Ziel der Kanal-, Müllabfuhr- und 'Straßenreinigungsgebühren 1937, die 2. Rate Sürgerfteuer 1937 und den Brandversicherungsbeitrag 1936 an.
** Versammlung des Sparerbundes. In dem dieser Tage abgehaltenen Vortragsabend des Sparerbundes im „Burghof" behandelte Lan- desverbandsführer Dr. Danner in feinem Vortrage über „Aktuelle Sparer- und Rentnerfragen" eingehend die Vorzugsrente, das Kleinrentnerhilfe
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PUTZT ALLES
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Roman von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.
15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Wär' nicht übel. Wenn's weiter nichts ist! Wir müssen halt hübsch still sein, und etliche von meinen Fratzen stell ich als Horchposten im Umkreis auf. Die Grasdecke heben wir sauber ab und pflastern sie nachher wieder darauf. Haut schon. Aber wozu --?"
„Frag nicht lang. Später sag' ich dir's schon. Am liebsten ginge ich selber mit. Aber ich mochte mich nicht auf seinem Grund erwischen lassen."
„Du, was ich noch sagen möcht', eine appetitlich« Hauserin hast du dir da angeschafft; die wär' schon eine Todsünd' wert. Und id) hab immer gemeint, du hast so eine Schiache wie unser geistlicher Herr", grinste der Fenzl.
„Laß mir die Anna in Ruh'; das ist ein braves Mädel."
„Die darfst gut einsperren, horst. Wenn unsere Burschen das erst heraushaben, laufen sie dir das Haus nieder."
„Mit der Kuhleiten kann ich mich also verlassen?" „Wie auf das Fegfeuer", versicherte der Fenzl. — Gegen 4 Uhr früh rückte er mit seinen Buben bei Fogg an. Jeder trug einen schweren Rucksack, den er im Wohnzimmer polternd entleerte.
„Aber, Fenzl, du Uhu, das ist ja ein ganzes Gebirge, was ihr da anschleppt!" stotterte Fogg, von immer neuen Steinhaufen bedrängt, deren Ausläufer bis an seine Füße brandeten.
„Lieber zuviel als zuwenig, Joses, hab' ich mir gedacht. Klaub jetzt raus, was du brauchst. Den Rest schmeißen wir in den Dorfweiher. Und meine Buben sind stumm wie die Karpfen, da kannst Gift drauf nehmen."
Nachdem Fogg die halbe Nacht an Hinwarten und Ueberlegen vergeudet hatte, fuhr er am Morgen nach München. Er besaß in derlei Lagen eine rasch zupackende, eisenharte Art, die über Zweifel und Widerstände einfach hinwegschritt. Dort empfing
ihn mittäglicher Hochbetrieb. Geschäftige Menschen bevölkerten die Straßen und schritten unbekannten Zielen zu. Nachdem Fogg am Hauptbahnhof seinen Rucksack hinterlegt hatte, ging er in einen Laden für Aerztebedarf, stellte sich vor, suchte an Hand von Katalogen viele nickelblitzende Instrumente aus, ferner das Notigste an Sprechzimmereinrichtung und bat, alles zusammenzupacken und ihm auf telephonischen Anruf hin als Nachnahme zu schicken. So war das erledigt.
Sodann sah Fogg sich in einem Autogeschäft gebrauchte Kraftwagen an und entschied sich für einen dunkelgrünen Zweisitzer. Der Wagen war recht mitgenommen, voll Schrammen, das Trittbrett verbeult und verwetzt; auch klapperte die Motorhaube in störender Weise. Das waren Aeußeriich« ketten. Aber der Motor, das Herz und die Seele gewissermaßen, war nach den Beteuerungen Herrn Windhackls gut, nein, prima. Handschlag, abgemacht.
„Sie stellen mir den Wagen also zurück?"
„Sie können ihn gleich mitnehmen. Bin froh, wenn die Garage leer wird, Herr Doktor."
„Aber ich kann ihn augenblicklich nicht bezahlen." „Tut nichts. Ich gebe Ihnen vier Wochen Zeit. Die Adresse habe ich ja", sagte Herr Windhackl wohlwollend. Er war ein Mann von Menschenkenntnis und von raschen Geschäften. Auch waren 250 Mark keine welterschütternde Summe.
Fogg setzte sich, ein wenig bedudelt von so viel Erfolg, hinter das Steuer, trat auf den Gashebel und knatterte los. Schlecht geschlafen, zwei Stunden Fußmarsch zur Dahn, harte Holzklasse im Zug — wer [reut sich da nicht auf eine weiche Sitzgelegenheit im eigenen Auto? Fogg repetierte im Geist nochmal die Derkehrsvorschriften, einen überfahrenen Radfahrer konnte er jetzt nicht brauchen, und zuckelte aus der Auaustenstraße in die Gabelsberger. Kein Laden, kein hübsches Mädchen vermochte seine Blicke abzuziehen; er benahm sich ganz als braver Staatsbürger und vorsichtiger Autolenker. Dann hinterstellte er den Wagen mit Besitzeraefühlen im Hof der Technischen Hochschule, umkreiste ihn erst noch einmal — Benzinhahn zu? Licht aus? Reisen in Ordnung? — und fragte einen vorübergehenden Laboratoriumsdiener nach Herrn Jglhaut.
Es war ein bißchen schwierig, diesen Herrn, einen gebürtigen Schellenberger und jetzigen Angestellten,
in dem weitläufigen Gebäude zu finden, aber es gelang.
„Also, Herr Jglhaut, es handelt sich um folgendes: Sie kennen doch sicher die sämtlichen Herren hier? Nennen Sie mir, bitte, einen, der mit der Analyse und Wertbestimmung von Gesteinsproben, zumal von Graphiterz, Bescheid weiß. Ich wäre Ihnen wirklich dankbar."
„Solche gibt es mehrere. Am besten wenden Sie sich an Herrn Doktor Dolschi. Erster Stock, Tür 17. Ich glaube, bas ist Ihr Mann. Wollen Sie den Rucksack nicht bei mir lassen?"
„Sehr freundlich, aber den brauche ich ja. Vielen Dank."
„Nichts zu banken."
Fogg machte sich auf den Weg. Es kam ihm selber ein wenig lächerlich vor, wie er mit einem prallgefüllten gewöhnlichen Rucksack durch diese feierlichen Gänge wandelte. An der Tür von Zimmer 17 war eine Visitenkarte befestigt: Dr. Jng. Heinrich Dolschi, Privatbozent". Fogg klopfte an, öffnete und sah sich einem Herrn gegenüber, der weniger wie ein Wissenschaftler denn ein Sportlehrer ausschaute.
„Bitte, womit kann ich —?"
„Ich bitte um eine kurze Unterredung, von der sehr viel abhängt", sagte Fogg und stellte den Rucksack neben sich auf den Stuhl. Dr. Dolschi war leicht betreten, weil er nicht wußte, was der Rucksack bedeuten sollte. Aber er lud Fogg höflich ein Platz zu nehmen.
„Mein Name ist Fogg. Ich bin Arzt und komme aus dem Dorf Schellenberg. Das liegt irgendwo hinter Passau. Schellenberg ist ein armer Ort, vielleicht der ärmste im ganzen Bayerischen Wald. Die Leute dort hungern und verkommen, wenn man ihnen nicht bald hilft."
Was hat das mit mir zu tun? dachte der andere ratlos. Er hörte wohlerzogen und geneigten Hauptes au und betrachtete angespannt Foggs Gesicht, das ihm gefiel. Es war etwas Kühnes darin, etwas Verlässiges und etwas von Willensstärke. Diese Sorte Gesichter kannte er von seinen Bergfahrten her und liebte sie. Dolschi Nichte, als wollte er damit ausdrücken: Sprich nur weiter; ich bin ganz Äug' und Ohr.
Fogg fuhr fort: „Man muß etwas für die Leute
tun. Ich habe viel nachgegrübelt über dieses Problem, aber die Lösung habe ich erst gestern gefunden, das heißt, wenn es überhaupt eine Lösung ist und wenn Sie als Fachmann meinen Ansichten und Hoffnungen beipflichten. Ich habe geftern auf einem Grundstück, das mir zufällig zum Kauf angeboten worden ist, nämlich Graphit entdeckt."
„<5o?" •
„Ja. Wenn es sich lohnte, dieses Material abzubauen, wäre den Schellenbergern geholfen. Graphik kommt in der Passauer Gegend ja ziemlich häufig vor, wie Sie wissen, aber bei uns in Schellenberg war er bis jetzt völlig unbekannt. Mir selbst ist er nur deshalb aufgefallen, weil ich ein halbes Jahr auf Ceylon war, wo Graphit sehr reichlich anzutreffen ist. Entschuldigen Sie diese Einleitung, aber sie war notwendig. Meine Bitte geht nun dahin, Sie möchten die mitgebrachten Proben untersuchen. Sie erlauben?" Fogg breitete den Inhalt des Rucksacks auf einem leeren Tisch aus.
„Das tue ich natürlich gern. Lassen Sie mal sehen", erwiderte der andere. Er nahm die einzelnen Brocken zur Hand und urteilte schließlich: „Nicht übet, soweit man das auf den ersten Anhieb sagen kann. Kommen Sie doch in einigen Stunden wieder. In der Zwischenzeit mache ich die Bestimmung. Sie können auch hier warten, wenn es Ihnen nicht zu langweilig wird."
Fogg entschied sich für bas letztere. Dolschi klingelte einen Diener herbei, der die Proben ins Laboratorium bringen mußte. „Also auf Wiedersehen, Doktor Fogg. Halten Sie den Daumen."
Fogg blieb allein und voller Beklemmung zurück. Lange Zeit saß er unbewegt in seinem Sessel, dann hielt er es nicht mehr aus, schlich sich auf den Korridor und rauchte durstig eine Zigarette. Dann ging er wieder ins Zimmer und kaute auf einem Stück Brot herum, das er zu Hause in die Tasche gesteckt hatte. Die Brosamen schob er mit dem Fuß in eine dunkle Ecke. Er zählte seine Barschaft, die nur noch wenige Mark betrug. Jllustrierten-Artikel hielten nicht ewig vor. Wenn Dolschi ein positives Ergebnis brachte, war alles gut ... Die Zeit verrann so tödlich langsam. Die stahlblauen Zeiger der Büro« uhr krochen, als täten sie es absichtlich. Schritte Endlich ... Die Tür ging auf. >
Fortsetzung folgt ‘


