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die kleinen Gewerbetreibenden, insge­samt weit,mehr als 50 Prozent Frankreichs: Haben die Mußestunden? Haben sie Lohnerhöhungen? Le­ben sie besser? Blüht die Wirtschaft, daß man solche Experimente machen kann? Ist Frankreich so reich, daß es sich 20 Prozent Rückgang seiner Erzeugungs­kraft leisten kann? Wird dadurch etwa gar das Ar­beitslosenproblem irgendwie beeinflußt? Nein! Die Katastrophenpolitik erweist sich überall als solche schon heute an den nackten Tatsachen. In der Pro­vinz und in Paris! Wieso und warum soll unser dritter und letzter Bericht zeigen.

Der Reichsjugendsührer in Frankfurt.

NSG. Der Reichsjugendführer Baldur v. Schirach sprach in Frankfurt vor der Führerschaft des Ge-

I bietes und des Obergaues Hessen-Nassau über die Sendung und die Erziehungsaufgaben der HI., wo­bei er unter anderem folgendes ausführte: In die­sen Tagen ist es notwendig, einer Auffassung ent­gegenzutreten, die in der Jugendorganisation nur eine Zweckmäßigkeit sehen will. Der er­zieherischen Tendenz des nationalsozialistischen Staates aber widerspricht eine solche Betrachtung. Immer standen unsere großen Führernaturen ein­sam; es war eine tragische Vereinsamung, die wir immer dann finden, wenn diese großen Führer­naturen sich aus der Umwelt heraus an die Zu­kunft wandten. Bismarck hatte keine Gefolgschaft für das Reich hinterlassen, keine junge Generation war für sein Ideal erzogen und freiwillig darauf ausgerichtet. Deshalb ist es unser Ziel, dem po­litischen Genie unserer Zeit die Ge­folgschaft zu erziehen und ihm für Hun­derte von Jahren die Gefolgschaft zu geben. Wir wollen keine Vereinsamung des Führers, damit er

nicht den gleichen Weg wie so mancher Große unse­res Volkes zu gehen braucht. Unser bester Er­ziehungsfaktor ist die Begeisterung, und die Kame­radschaft der Jugend die beste erzieherische Macht. Wir wollen jeden Jungen und. jedes Mädel zur kompromißlosen sozialistischen Haltung, zur Kame­radschaft und damit zum nationalsozialistischen Le­ben erziehen. Zum Schluß sprach der Reichsjugend­führer von der Sendung der HI., die den Beoriff Deutschland gegenüber allen anderen Begriffen durchzusetzen habe. Wir wollen die gesamte Ju­gend seelisch erobern! Die Rede klang in dem mit­reißenden Bekenntnis aus, der Fahne die Treue zu halten und damit auch dem Treuesten der Treuen, dem Führer. In der Abendstunde weihte der Ju- genhführer des Deutschen Reiches im Kaisersaal des Römers die Gefolgschaftsfahnen der Hit­ler-Jugend und die Fähnleinfahnen des Deutschen Jungvolkes im Gebiet Hessen-Nassau.

Warum brauchen wir eine Weliwirtschafi?

Frankfurter Tagung der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft.

Am 7. Mai begann in dem mit Fahnen aller Länder festlich geschmückten großen Saal des Frank­furter Palmenaartens der 14. Deutsche Wirtschafts­tag mit der Arbeitstagung. Der Präsident der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft, Gouver­neur i. R. Dr. Schnee, M. d. R., machte vor Ein­tritt in die Tagesordnung Mitteilung von dem Un­glück, das L ZHindenburg" betroffen hat. Die Versammlung hatte sich während feiner Worte zu Ehren der Verunglückten von den Plätzen erhoben. Der Präsident begrüßte dann Gauleiter und Reichs­statthalter Sprenger, Oberpräsident Prinz Phi­lipp von Hessen, den Kommandierenden General D o l l m a n n , Divisionskommandeur Generalmajor L e e b und Generale der Wehrwirtschaftsinspektio- nen Kassel und Wiesbaden. Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger hieß insbesondere die Gäste aus den fernen Ländern herzlich willkommen. Der Wiederaufstieg Deutschlands, dessen Voraussetzung die politische Ordnung in Deutschland war, sei in kraftvollem Anstieg begriffen. Er sei überzeugt, daß die Deutsche Weltwirtschaftliche Gesellschaft diesem Aufitieg einen neuen Impuls geben werde.

Staatsrat Friedrich beinhart

(Vorsitzender des Aufiichtsrats der Commerz- und Privatbank und Leiter der Wirtschaftsgruppe Pri­vates Bankgewerbe) setzte sich als erster Referent mit dem Begriff derWeltwirtschaft" auseinander, behandelte den Rückgang des Welthandels und des deutschen Außenhandels und seine Ursachen, die in der teilweise gegenwertslosen Schuldaufnahme im Auslande bzw. den gegenwertslosen Reparattons- ^ahlungen liegen. Es habe schon in einer Zeit, in der die Beziehungen der Völker zueinander gewiß nicht besser waren als heute, doch ein gewaltiger zwischenstaatlicher Güterverkehr stattgefunden, der, wenn wir das Jahr 1929 als Grundlage nähmen, alle Ziffern der vorausgegangenen und der späte­ren Zeit in den Schatten stelle. Die 27 Milliarden Reichsmark Schulden, die Deutschland nach der Stabilisierung seiner Währung im Auslande ausgenommen have, seien nur zum Teil Güterein­fuhr gewesen, zu einem sehr großen Teile aber seien sie zur Zahlung von Zinsen und Tributen benutzt worden. Die deutsche Volks­wirtschaft habe also einen Gegenwert für diese Kredite zum größten Teil nicht bekom­men. Mit der Aufnahme dieser Schulden habe man das ganze Bild des Welthandels verfälscht. Das mußte sich bitter rächen, wenn einmal das Ausland an die Rückforderung seiner Dar­lehen denken würde, was 1930/31 schneller als er­wartet eintrat. Der Mangel an ausländischen Zah­lungsmitteln führte in Deutschland zur Devisen­bewirtschaftung, bei der zu überlegen war, ob man die vorhandenen Devisenbestände zur Schul­dentilgung benutzen durfte oder zur Bezahlung der notwendigen Einfuhr. Damit war das Signal für den Verfall des deutschen Außenhandels und damit des ganzen Welthandels gegeben: Deutschland und |

auch andere Länder mußten in größtem Umfange zu Verrechnungs- und Kompensationsgeschäften, also zur primitivsten Stufe des internationalen Warenaustausches, übergehen.

Die Voraussetzung für die Wiederaufrichtung des internationalen Güterverkehrs sei die Bereinigung des internationalen Schuldenproblems. Keine Währungsstabikisierung habe auf die Dauer Er­folg, wenn die Landeswährung mit Schulden be­lastet bleibe, die aus dem internationalen Güter­verkehr nicht abzuwickeln seien. Die Wieder­einführung eines stabilen Geldver­kehrs sei aber im internationalen Warenhandel die unerläßliche Voraussetzung für dessen Wieder- aufrichtung. Die Wiedereinführung des Geldes fei bei gutem Willen unbedingt möglich, vorausgesetzt, daß man auch die Schuldenfrage zu regeln gewillt sei. Man sollte aber glauben, daß die Vorteile eines ungehemmten Güteraustausches für alle Staaten von so großem Nutzen seien, daß die Regelung der Schulden demgegenüber als ein kleines und unbe­deutendes Problem erscheine, ihren Rohstoffbedarf durch Erschließung heimischer Quellen zu decken und sich dadurch in gewissem Umfange vom Auslande unabhängig zu machen. Mit den großen Erfolgen, die bei uns auf dem Gebiete der synthetischen Far­ben, des synthetischen Kampfers, der Zellwolle, der Treibstoffe und des künstlichen Kautschuks erzielt würden, fei ein Warenaustausch schließlich nur er­folgreich zwischen wohlhabenden und wirtschaftlich reich entwickelten Ländern. Deshalb pflegten mir auch unsere Ausfuhr als die Grundlage zur Bezah­lung der notwendigen Einfuhr mit jedem nur mög­lichen Nachdruck. Die Aussichten unseres Exportes könne man als erheblich gebessert ansehen. Für die Wiederbelebung sei vor allem das Ansteigen der Kaufkraft der anderen Länder von der größten Bedeutung.

A. Oetoeuf, Generaldirektor des Alsthom-KonzernS, Paris, stellte fest, daß seit einigen Jahren sich die allge­meine Krise in den meisten Ländern gemildert hat. Heute haben in einer Anzahl von ihnen die An­gaben der Erzeugung und die Preise die Zahlen überschritten, die sie vor der Krisis erreichten. Trotz­dem hat die Weltwirtschaft nicht den auffteigenben Ast beschritten. Im allgemeinen übersteigt der inter­nationale Welthandel kaum ein Drittel der in 1928 erreichten Zahl. Während dieses Zeitabschnittes ist jedoch die Bevölkerung der Welt angewachsen und die Preise sind gestiegen. Unter gleichen Bedingun­gen hätte der internationale Handel somat ansteigen müssen. Das umgekehrte ist eingetreten. Nach einer Aufzählung der feit langem festgelegten großen Probleme, die gelöst werden müssen, um wieder eine Weltwirtschaft herzustellen, wies der Vortragende daraus hin, daß unter diesen technischen Problemen unwiderleglich psychologische Probleme ruhen, die man, wenn man lieber will, politische Pro­bleme nennen kann. Als vordringliches Problem,

dessen Lösung die Grundbedingung für alle anderen sei, bezeichnete der Referent die Friedens­frage. Nach der Regelung dieses Problems blie­ben noch die technischen Probleme. In die­sem Zusammenhang führte er die Währungs- und Rohstofffragen an. Wenn der kriegerische Geist ver­schwände, sei keines der Probleme unlösbar. Man müsse hinzufügen, daß der Kriegsgeist nur ver­schwinden kann, wenn man diese Probleme so auf­faßt, als ob sie der Lösung nahe wären.

Als Leiter der Wirtschaftskammer Hessen und Vorsitzender des Vorstandes der Außenhandelsstelle für das Rhein-Main-Gebiet gab Prof. Dr. C. Lüer einen Ueberblick über die Bedeutung des Rhein- Mainischen Wirtschaftsgebietes mit besonderer Be­tonung seines Warenaustausches mit anderen Ländern.

Die Sonderlagungen.

In der SondertagungW e l t l u f t v e r k e h r", unter der Leitung von Staatssekretär Koenigs vom Reichsverkehrsministerium, hob Prof. Dr.-Jng. P i r a t h (Stuttgart) hervor, daß die Anlagewerte, die zur Erreichung des wichtigsten Ziels im Luft­verkehr, dem Aufbau des Weltluftverkehrs, bis heute investiert wurden, rund 1,7 Milliarden Mark betragen. Dem stehe ein Umsatz im planmäßigen Luftverkehr der Welt von 675 Millionen Mark gegenüber, ein Betrag, der noch kein bettiebswirt- schaftliches Optimum einer genügenden Ausnutzung der Luftverkehrsanlagen darstelle. Eine wesentliche Besserung werde erst möglich sein, wenn das Welt­luftverkehrsnetz in seiner letzten Lücke über den Nordatlantik geschlossen und leistungsfähig ausge­baut sei. Ministerialrat Thomas vom Reichspost- minifterium entwarf ein Bild von den Leistungen der Reichspost bet der Schaffung eines umfang­reichen Nachtluftpostdienstes in Europa sowie von ihren Bemühungen um die Einrichtung der überseeischen Luftpostverbindungen nach Süd­amerika und nach Nordamerika.

Auf der zweiten SondertagungI n t e r n a t i o naler Kapitalverkehr" führte der Vor­sitzende, Prvf. Dr. W. Prion, aus, daß Waren- und Leistungsaustausch und Geld- und Kapitalver­kehr eng Zusammenhängen. Dor dem Kriege voll­zogen sich die Ausleihungen an andere Staaten und Die Rückzahlung der Zinsen und Tilgungen im engsten Zusammenhang mit dem Warenverkehr, d. h. eine Belastung der Zahlungsbilanz war damit nicht verbunden, weil die Kapitalströme von entsprechen­den Gütermengen begleitet waren. Nach dem Kriege jedoch wurden diese Regeln mit Kriegsschulden und Reparationen stark vernachlässigt. Nur so konnte sich die internationale Kreditausweitung voll­ziehen, deren Ergebnis die Weltwirtschaftskrise war, so daß schließlich einem stark geschrumpften Welt­handel eine ungeheure Verschuldung gegenüber stand. Für die Wiederaufnahme "mes internatio­nalen Kapitaloerkehrs fei zu beachten, daß sowohl bei den Gläubiger- als auch bei den Schuldnerlän­

dern keine große Bereitschaft für eine Neuverschuldung bestehe. Die noch nicht be­reinigten alten Schulden ständen jeder Belebung des Welthandels und des Kapitalverkehrs noch entgegen, vor allem fehle das internationale V e r- t r a u e n in die Stabilität der Politik und der Wäh- rungen, das die Grundlage jeder Kapitalausleihung darstelle.

Frank E. Tiarks, Mitinhaber des Bankhauses 3. Henry Schroeder & Eo.» London, schilderte dann an Beispielen das sogen. Rem­bourskredit geschäft sowie die andere Form der internationalen Finanzierung, das Emissions­geschäft. Als die deutsche Golddiskontbank gegrün­det wurde, wurde der Londoner Diskontmarkt der Golddiskontbank zur Diskontierung deutscher Ak­zepte geöffnet, das war ein entscheidender Faktor in der Wiederherstellung des Kreditgeschäftes mit Deutschland, das durch den Krieg vollkommen zer­stört worden war. Alsdann blühte das Geschäft sehr rasch wieder auf und der Finanzierungsappa­rat für den Waren- und Kapitalverkehr funktio­nierte bald genau so glatt wie vor dem Kriege. Die Weltkrise von 1931 zerstörte all das Gute, was seit dem Kriege erreicht worden war, und es trat all- mählich die jetzige Lage ein. Die Schwierigkeiten Deutschlands hätten das sogenannte Stillhalte­abkommen zur Folge gehabt, das dazu bei­trage, den Zeittaum zu überbrücken, bis freie und aktive Beziehungen zwischen den deutschen Banken und der deutschen Industrie einerseits und den Lon­doner Banken andererseits wiederhergestellt werden können. In Anbetracht der überall zunehmenden Nachfrage nach Rohstoffen bei stei­genden Weltpreisen dürfte es nicht unan­gebracht sein, mit einer Ausdehnung der Ausfuhr eines Industrielandes wie Deutschland zu rechnen. Es sei denn, daß bei einem System der beschränkten Devisenverfügung die Herstellungskosten in Deutsch­land zu hoch im Verhältnis zu denen anderer Län­der geworden seien. Dies letztere scheine aber nicht der Fall zu sein. Für das Wiederaufleben gesunder internationaler Verhältnisse sei die wichtigste Vor­aussetzung die Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Gläubigern und Schuld­nern und zwischen den Nationen, dann die Be­endigung der Weltrüstungskonkur- r e n z, die Aufhebung von erwürgenden Güter­zöllen und die Herabsetzung der Quoten; nur hier­durch werde der Weg zum freien Austausch vor­bereitet.

Sine öffentliche Kundgebung.

Auf einer großen öffentlichen Kundgebung sprach am Freitagabend Gouverneur i. R. Dr. Schnee über das ThemaWarum Weltwirtschaft?" Er wies darauf hin, daß einmal eine Weltwirtschaft von gewaltigem Umfange bestand, die aber durch den Weltkrieg und die Friedensdiktate zerschlagen worden fei. Gegenwärtig sei sie nichts weiter als ein Trümmerfeld. Der weltwirtschaftliche Heilungs­prozeß erfolge auf Grundlage der Erholung der Nationalwirtschaften. Die Selbst- befinnung auf die eigenen Wirtschaftskräfte führte zu einer Stärkung der einzelnen Nationalwirtschaf­ten, damit war die Voraussetzung für die inter­nationale Wirtschaftsbelebung gegeben. Die Frage: Können sich die Volkswirtschaften durch einen in­ternationalen Güteraustausch vorteilhaft ergän­zen?" bejahte der Redner schon aus dem Grunde, weil die technischen Mittel (wie Verkehrsmittel, Luftverkehr, Schnellnachrichtenmittel) dazu gegeben sind, und zwar in einem Maße wie noch nie zu­vor. Eine vielfache Steigerung des internationalen Güteraustausches fei auch dadurch möglich, daß im maschinellen Zeitalter d i e Erzeugungsver- mehrung praktisch keine Grenzen kenne.

Es liege kein rechtlicher ober moralischer Grund für die Verweigerung der Herausgabe der deutschen Kolonien vor. Daß bas Deltrohsioffproblem baburch wesentlich geklärt

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Gießener Konzertverein.

Lieder-Abend Heinrich Schlusnus.

Heinrich Schlusnus ist eine von den wenigen Bühnengrößen, die neben ihrer Theatertätigkeit mit Gründlichkeit des Wollens und ehrlicher Hingabe stets für das deutsche Lied eingetreten sind und im In- und Ausland dafür geworben haben. Welchen Wert er damit dem Deutschtum geleistet hat, kenn­zeichnet die Tatsache, daß keine Nation dem deut­schen Lied ein Gleiches an die Seite stellen kann. Selbst der Franzose bezeichnet diese musikalische Gattung als Le lieft allemand.

Für den von der Bühne herkommenden Künstler bedeutet das Lied ein Sondergebiet, das eigene Kraftzentren beim Nachschaffenden erfordert, um ein völliges Aufgehen in Dichtung und musikali­schem Nacherleben zu gewährleisten. Die Vielfältig­keit des Liedes im Spiegel der Persönlichkeit des Schaffenden stellt ständig neue Forderungen für das Eindringen zu feinem Wesenskern. Während die Bühne bei Anerkennung aller Charakterisie- rungskunft doch oft nur den Menschentypus als solchen durchgestaltet, ist das Lied in seinem lyri­schen Gehalt Ausdruck der Individualität.

Wenn man den Verlauf des gestrigen Lieder­abends überschaut, so ist man nachträglich immer voch gebannt von der Stärke der Eindrücke, die von dem Sänger und Gestalter ausgingen. Heinrich Schlusnus ist eine der begabtesten Sänger­erscheinungen unserer Zeit. Als Bariton ist er durch eine phänomenale Höhenentwicklung bis zur Tenor­grenze hin ausgestattet, bei einer gesunden, vollen, dunkel abgetönten Timbrierung. Die Tonregionen, die vielen Baritonstimmen als Grenztöne Schwie­rigkeiten bereiten, sind bei ihm die schönsten und leuchtendsten, ohne daß er zu dem weit verbreiteten Mittel der Abdunklung der Höhenlage (zum Decken") zu greifen braucht. Sein Organ spricht mit einer Leichtigkeit des Ansatzes an, die ihn benei­denswert erscheinen läßt.

In der Gesamtheit des Umfanges erscheint seine Stimme äußerst ausgeglichen und sorgfältig orga­nisch durchgebildet. So eröffnet sich ihm die Mög­lichkeit, die Kantilene im größten Bogen zu span­nen bei geradezu instrumentaler Gleichmäßigkeit. In allen dynamischen Durchstufungen erklingt sie gleichmäßig schön, voll strömend und mit tragender raumbeherrschender Kraft; ein willfähriges Werk-, zeug, das im strahlenden Forte wie in schwebender mezza voce jedem Akzent, jeder Nuancierung und jeder Abmodulierung entsprechend dem jeweiligen Stimmungsgehalt des Liedes restlos nachgibt.

Und doch im letzten Grunde entscheidend für den Liedsänger Schlusnus ist feine künstlerische Per­sönlichkeit. Kein Wollen zu persönlicher Geltung, kein Herausstellen stimmlicher Effekte, von Glanz­tönen, bestimmt ihn. Im Gegenteil, auf dem Po­dium kennzeichnet ihn eine äußerst sympathische Zurückhaltung; voll fachlichem Ernst, ganz ein­genommen von seiner Aufgabe, fast streng steht er da; ganz in sich zurückgezogen, wie aus innerer Schau, stellte er dar. Wer ihm beim Vortrage im Gesicht lesen konnte, wer mit seinem sprechenden Auge Fühlung nahm, der weiß, aus welchen Quel­len er seine Kunst schöpft. Eine innere Beherrscht­heit und peinlichste Disziplinierung der Ausdrucks­mittel vermögen jedem der Lieder das Eigene zu geben, durch den Vollbesitz aller die Leistungen be­stimmenden Faktoren als reiffte Kunst.

Die Vortragsfolge des Liederabends bevorzugte nicht nur die bewährten, erfolgsicheren Werke; seine Gestaltungskraft ist eben fo stark, jede Kunstschöp- fung, die zwingende Lebensnotwendigkeit in sich hat, den Hörern unbedingt nahezubringen. Ob er nun Schumann singt mit seiner flutenden Ge­fühlswelt, so läßt er ihn aus der Situation, die dem Dichter vorgeschwebt hat in der Fülle der Kontraste und in dem Aufwallen ebenso stark er­leben wie etwa denWachtelschlag" von Beetho­ven, dessen Vogelruf er in der Vielseitigkeit des Erfassens zu höchstem dramatischen Ausdruck zu steigern vermochte. BeethovensAdelaide" in seiner mannigfachen Stimmungsgebundenheit ließ lebendi­ges Leben zu uns sprechen; von eigener Wirkung war das bewundernswürdige Dekrefcendo. Wenn Schlusnus hier das einfacheIch liebe dich" zugab, fo blühte diese schlichte Lyrik in weiter Fülle vor uns auf.

Die beidenStillen Lieder" von Richard Trunk gaben Einblicke in ausgeprägter Gegensätzlichkeit, das eine hart in Moll, das andere in lichtem Dur. Innerlich aufwühlend gestaltete erDor Akkon" durch mit weit ausladendem, leuchtendem Bogen der vorletzten Zeile. Schlichte Innigkeit, volkslied- artig enwfunben, gab Schlusnus in Hans Pfitz - aers ^Gärtner". In dem Schlußteil dieses Liedes waren Sänger und Begleiter in gegenseitigem Nach­schaffen aufs engste aufeinder eingestimmt. Die Leuchtenden Tage" erhoben sich mit dem Kontrast der zweiten Strophe. Wenn Heinrich Schlusnus als Zuaabe für diesen Teil noch einen dritten der Zeitgenössischen Liedkomponisten brachte (Paul G r a e n e r ,Der alte Herr"), so erwies er sich auch hier als der Beherrscher der heiteren Sphäre des Parlando und Galant-Reizvollen.

Das plastische Erleben der Bildhaftigkeit in eng­

ster Verbindung mit lyrischem Vertiefen bestimmte ihn bei den Hugo -Wolf- Liedern,Dem Musi­kanten" mit feinem pointierten Schluß, dem Hel­dischen desBiterolf" und dem feinsinnigen Humor imTambour" und derStorchenbotschaft". Das zugegebeneHeimweh" mit seinen strahlenden Höhepunkten und dem weichen Schmelz lyrischen Nachgehens fand seine Nachfolge in Mchard StraußensTraum durch die Dämmerung". Das unendlich begeisterte Publikum drängte stür­misch auf Fortsetzung der schon so reichen Gaben. Die Cavatine des Figaro aus RossinisBarbier von Sevilla" gab dem Erleben des Abends den Ausklang.

Der Dank gebührt aber nicht nur dem Sänger allein, sondern auch Sebastian P e s ch k o am Flü­gel hatte starken Anteil daran mit feinem nach­giebigem Mitgehen und seinem feinsinnigen und sicheren Einfangen der musikalischen Situation.

Dr. Hermann Hering.

Gießener Gtadttheaier.

Karl Bunje:Der Etappenhase".

Im Programmheft erzählt der ehemalige Front­soldat Bunje, wie er im Sommer 1917 nach der flandrischen Materialschlacht in einem flämischen Dorf weit hinter der Front mit seiner Kompanie in Ruhe kam:Das Erleben unter dem flämischen Volk, Widerwärtigkeiten mit Etappenhengsten, die Bekanntschaft fröhlicher flandrischer Mädchen und nun kommt die Hauptsache: die geflauten Ka­ninchen unseres Kompaniefeldwebels, die dieser sich mit Mühe und Sorgfalt fettgefüttert hatte, und die nicht ihm, sondern uns sehr gut geschmeckt haben, sind die Ursache für das lustige SpielDer (Etappen- Hase".

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Der Hase gehört einem Obersten, einem richtigen Blindgänger", der die Offiziere des kleinen Ortes zum Abendessen mit Hasenbraten einlädt. Drei bie­dere Musketiere von der Front, die auch dort im Quartier liegen und auch gern mal was Gutes essen, haben sich diesen selben Hasen besorgt oder gefunden, oder wie man damals sagte, und haben ihrerseits soaar das Mädchen Marie zum Essen eingeladen. Leider kommt die Sache raus ehe der Hase gar ist, und der tüchtige und findige Offiziers­bursche Hein Lammers wird von seinem Leutnant dazu verdonnert, den Braten rauszurücken und fertigzumachen für denBlindgänger". Erft kriegen die Muschfos lange Gesichter, aber bann er­blickt Hein die Katze des Mädchens Marie und hat

eine großartige Idee. Am Abend des Festessens gibt es zweimal Hasenbraten. Leider ist die Katze nirgends zu finden. Den Frontkriegern hat's ge­schmeckt. Bei dem Blindgänger war nur der Kopf vom Hasen echt.

Weil aber die Eulenspiegelei der Muschkos allein für vier Akte kaum gelangt haben würde, und da­mit die im Grunde unmoralische Angelegenheit einen moralischen oder ernsthaften Anstrich und Hintergrund bekommt, ist die Geschichte vom ver­tauschten Hasen und der verschwundenen Katze mit den Sünden eines typischen Etappenhengstes von der Schreibstube innig und anmutig verquickt, und der erheiterte Zuschauer erlebt zugleich mit Genug­tuung em Strafgericht, die gerechte Buße und Be- kehrung des Hinterlandsoldaten, der sich am Ende freiwillig nach vorn meldet, damit ein alter Fami­lienvater aus der Kompanie zu Weib und Kindern heimkehren kann.

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.. Das Lustspiel ist wohl das erfolgreichste Stück dieser Spielzeit und hat unheimliche Aufführungs- enen hinter sich gebracht; auch der Film hat sich seiner inzwischen bemächtigt. Auf dem Theater wurde unter Herrn H u b s verständnisinniger, behäbig ausmalender Regieführung mit Humor und Gemüt gespielt. Herr L i n d t als Hein Lammers gab ein Sflotfujes Stuck niederdeutscher Verschmitztheit und Gewitztheit zum Besten. Auch die Herren Nieren und Neuhaus stellten zwei prächtige Landser- typen von ausgeprägter Eigenart des Tempera- ments. Herr R o s e n thal verlieh dem Kompanie- uhrer die sympathischen Züge des Offiziers, der mit Jemen Leuten durch dick und dünn geht. Hansi qLJSfc' ££er unb lustig, war die Marie. Herr Ginn«?? 7 f f e-S h^te sich mit entsagungsvoller Hingabe der nicht besonders dankbaren Rolle des Etappenhengstes Ferdinand angenommen. Herr ofHer hatte sachkundig Quartier gemacht.

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q;?;« nrar uris ein Erfolg auf der ganzen

Cime. Großer Beifall zum Schluß.

Hans Thyriot.

Hochschulnachrichten.

Der Berliner Nationalökonom und Sozialpolitiker Professor Dr. Ignaz I a st r o w ist im Alter von ol Jahren nach kurzem Leiden in Berlin gestor- . seinen zahlreichen fachwissenschaftlichen Schriften seien die Untersuchungen über Arbeitslosen- DeI u run$' Arbeiterschutz und Arbeitsmarkt hervori gehoben. '