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Er dankte nicht zuletzt der Ui to. * a r t n e = x a = meradschaft für die Stiftung des ehernen Lor-

Aus der Stadt Gießen

sind

H.

chwere Schatten und graue Wolken. Rosen Besänftiger, Versöhner und Tröster.

- Der gesamte Ritt führte folgenden Kurs: Gießen, Lollar, Wolfhausen, Hachborn, Treis a. d. Lda., Gro- ßen-Buseck, dann südlich zum Fernerwald, durch den Fernerwald (in dem der Posten ausgesucht werden mußte) und dann zurück nach Gießen. Als Mindestzeit für die Zurücklegung der gesam­ten Strecke waren 9 Stunden vorgesehen; die Höchstzeit mit 10 Stunden sollte nicht über­schritten werden. Eingeschaltet war außerdem eine Zwangspause von 15 Minuten, die von den Ofsi- zleren in der Hauptsache für die Pflege des Pfer­des verwandt wurde.

Der tiefere Sinn des Rittes bestand dabei darin, daß die Reiter die Strecke zurücklegten, ohne die Pferde mehr als unbedingt notwendig zu strapa­zieren. Die Hauptaufgabe lautete, das Pferd in einem so guten Zustand zurückzubringen, daß es sofort zu einer weiteren Leistung fähig gewesen wäre. Das Ergebnis des Rittes war befriedigend.

Das Ergebnis.

Aus dem Wettbewerb gingen folgende Teilneh­mer als Sieger hervor:

1. Oberveterinär Dr. Meierjürgen (Stab Nachr. 9) mit 3 Fehlpunkten.

2. Oberleutnant G-rifar, IH/A.-R.9, mit 5 Fehlpunkten.

3. Hauptmann Kampmann, 15. (E.) J.-R. 36, mit 6 Fehlpunkten.

Roß und Reiter 66 Kilometer unterwegs

Das Ergebnis des Divisionsrittes.

Am vergangenen Donnerstag startete an der Volkshalle, kurz nach Sonnenaufgang, eine Anzahl von Offizieren der Standorte Gießen, Butzbach, Hanau, Marburg und Fulda zu einem Divisions­ritt, der die Teilnehmer über eine Strecke von 66 Kilometer, bzw. über 60 Kilometer führte. Die An­gehörigen der Artillerie hatten die um 6 Kilometer größere Strecke zu bewältigen, während die der In­fanterie zugehörenden Offiziere 60 Kilometer zu­rückzulegen hatten. Der große Ritt stellte an die Teilnehmer erhebliche Anforderungen. Die zu be- wältigeNde Strecke war in ihrer Art unterschiedlich. Es wurde das Reiten auf vorgeschriebenen W e g - strecken verlangt, also auf Straßen und Wegen, ferner schloß der Ritt die Ueberwindung einer G e - ländestrecke in sich, in die 12 Hindernisse mit Wassergräben einbezoaen waren, schließ­lich hatten die Reiter auf einer sogenannten Fin­digkeitsstrecke ihre Geschicklichkeit in der Orientierung zu beweisen. Für die Findig­keitsstrecke bekamen die Offiziere eine Karte in die Hand gedrückt, nach der sie einen irgendwo im Gelände aufgestellten Posten aufzufinden hatten. Außerdem war mit dem Ritt auch eine Prüfung im Pistolenschießen verbunden, bei der während einer knapp bemessenen Zeit eine bestimmte Anzahl von Schüssen abgegeben und eine bestimmte An­zahl von Ringen erreicht werden sollte und erreicht wurde.

pflichtung, der Jugend immer heu das Bewußtsein l der heiligen Verpflichtung den Gefallenen gegen-| über zu vermitteln, und zu fordern, daß sie die Fahne, die heute auch über diesem Ehrenmal wehe, in reinen Händen halte. Und sorgen Sie dafür, so wandte sich der Oberbürgermeister an den Führer des Marine-Sturmbannes, daß in den Reihen ihrer Kameraden, dieses Denkmal immer als ein Bekennt­nis zu deutscher Seegeltung betrachtet wird. Unse­rer Jugend solle das große Beispiel der Helden vom Skagerrak ein leuchtendes Beispiel für hei­ligste Pflichterfüllung [ein, damit der Geist des Füh­rers, dem deutschen Volke die Freiheit, der Welt der Frieden und dem deutschen Volke der Glaube an Deutschland erhalten bleibe. Mit Worten des Arbeiterdichters Heinrich Lersch, einem Bekenntnis zu Deutschland, schloß der Oberbürgermeister seine eindrucksvolle Weiheansprache.

Roseuzeit.

Wenn auf den Wiesen Gräser und Blumen von der scharfen Sense gemäht werden, blühen unsere schönsten Blumen auf: die Rosen. Sonnenglanz und Rosenduft! Wir gehen der Höhe des Jahres ent­gegen. r

Hat nicht die Natur ihre besondere -Vorliebe für die Herrlichkeit der Rose ausbewahrt? Ist es nicht wie ein Wunder, wenn wir am frühen Morgen, bei Sonnenaufgang, den Garten betreten und das Aufblühen der Rosenknospen erleben? Noch glän­zen die Pflanzen und Gräser vom Tau der kühlen Nacht. Geschlossen sind die meisten Blüten. Da leuch­ten die ersten Strahlen auf, treffen mit sieghafter Kraft die zarten Rosenknospen, und langsam ent­falten sich die Blütenblätter. Vom Tau benetzt, umflutet vom Sonnenglanz, strömt dar herrliche Duft in die Morgenluft- ...

Alle guten Menschen lieben die Blumen. Jedes Fenster, jedes Fleckchen des Gartens mutet uns an wie ein Märchen, wenn dort Blumen blühen. Sie spenden uns Duft, ihre Farben glühen auf im Sonnenlicht, leise geneigt leuchten sie uns entgegen, als wollten sie sagen: Wir sind nur für euch da! Farbe gesellt sich zu Farbe, Duft zu Duft.

Eine unstillbare Sehnsucht nach Blumen und Freude erfüllt des Menschen Herz. Er durchwan­derte die Welt, um die schönsten und kostbarsten Blumen heimzutragen in seinen stillen Garten. Er pflegte und hegte sie wie seine eigenen Kinder. Und er pflanzte das bescheidene Heckenröslein, in dem am Rain die Vögel ihre junge Brut ver­bergen, in seinen Garten. Es wuchs und gedieh. Neue Formen, neue Farben entstanden. Die Blüten füllten sich. So schuf die Liebe zur' Natur das große Blumengeheimnis.

Jedes Jahr, im Juni, leben wir im stillen Glück der Rosenzeit. Jedes Schaufenster, jeder Blumen­laden, jeder Stand auf dem Markte, alle stehen im Zeichen der Rosen. Täglich kommen neue Farben, neue Arten.

Wir schmücken unser Heim mit Rosen. Sie sind uns die besten Freunde. Wie leuchten sie ufts ent­gegen, wenn sie uns schon am Morgen beim Früh­stück grüßen! So ein Blumenstrauß hat Gewalt über

Wohlfahrts-Geldlotterie für die deutschen Blinden.

Mit Zustimmung des Reichsschatzmeisters der NSDAP, hat der Reichs- und preußische Innen­minister dem reichsdeutschen Blindenverband e. D. in Berlin die Veranstaltung einer Geldlotterie zur Förderung seiner Bestrebungen für das ganze Reichsgebiet genehmigt. Die Ziehung findet am 24. Juli unter behördlicher Aufsicht statt. Das Einzellos kostet 50 Pfennig, das Doppellos 1 Mark. Der Hauptgewinn auf ein Doppellos beträgt 15 000 Mark.

Rachtrags-Haushaltssatzungen der Stadt Gießen.

Die Stadtverwaltung gibt davon Kenntnis, daß zum Haushaltsplan der Stadt Gießen ein Nach­trags-Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1936 festgestellt wurde. Der dieser Satzung beigefügte Nachtrags-Haushaltsplan wird im außerordentlichen Haushaltsplan in den Einnahmen und in den Ausgaben auf 207 100 Mark festgesetzt. Hiernach erhöhen sich die Gesamteinnahmen und -ausgaben im außerordentlichen Haushaltsplan von bisher 1 511 931,13 auf 1 719 031,13 Mark. Die Nach­trags-Haushaltssatzung enthält zu dieser Feststellung einige sachdienliche Erläuterungen.

Hohe Auszeichnung einer Gießener Segelfliegerin.

Martha Mendel erwirbt das Leistungsabzeichen.

Die in unserer Stadt und darüber hinaus in Oberhessen sehr bekannte Segelfliegerin Martha Mendel (die als Turn- und Sportlehrerin an Gießener Schulen tätig ist) konnte in diesen Tagen die Prüfungen für das Leistungsabzeichen im deut­schen Segelflug abschließen. Die Bedingungen für diese Prüfungen sind außerordentlich schwer, denn sie verlangen einen Höhenflug von mindestens 1000 Meter über Start, einen Streckenflug von minde­stens 50 Kilometern und einen Dauerflug von min­destens 5 Stunden.

Fräulein Martha Mendel, das bereits vor Jahren einen Weltrekord im Dauerflug aufgestellt hatte und verschiedentlich nachher noch manchen Flug über die vorgeschriebene Leistung hinaus hin­ter sich brachte, hat nun in diesen Tagen die legte Prüfung, den Streckenflug von 50 Kilometer erfüllt. Sie flog von Darmstadt nach Lauterbach und er­warb sich damit endgültig die Anwartschaft auf das ehrenvolle Abzeichen. In unserer oberhessischen Hei­mat, in der der Segelflug eine gute Pflegestätte hat, sind bisher nur zwei Träger dieses Leistungs­abzeichens bekannt. Das erste dieser Abzeichen er­warb Dr. Janke, der Führer der Gießener Segelfliegerortsgruppe und nunmehr Fräulein Martha Mendel. Es ist sehr erfreulich, daß mit

beerkranzes.

Zum Abschluß der Feier sprach dann Sturm­bannführer Dr. Mettenheimer noch kurz über die Begriffe der Kameradschaft und der restlosen Unterordnung unter den Befehl des Führers, Be­griffe, die heute dem deutschen Volke zur Selbstver­ständlichkeit geworden seien. Es sei eine symbolhafte Verbindung, daß hier das Denkmal für die See­helden vom Skagerrak angrenze an eine Anlage, die den Namen eines Mannes von gleichem Geiste Albert Leo Schlageters trage. Wir, so fuhr er fort, die wir hier diesen Platz übernehmen, würden bestrebt sein, diese gleiche geistige Haltung zu vertreten. Zum Schluß seiner Ansprache richtete der Redner seine Gedanken auf den Führer, dem wir, ein freies deutsches Volk zu sein, verdanken. Er habe den Weg vorbereitet für die herrliche Zeit, in der wir leben. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer schloß er seine Ansprache. Mit dem Deutschland- und dem Horst-Wessel-Lied fand die Feier ihren Abschluß.

Im Anschluß daran wurde vor einem großen Kreis geladener Gäste in der Turnhalle der Neuen Pestalozzischule die Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins eröffnet, in denen der deutschen Ma­rine ein künstlerischen Denkmal gesetzt ist. Darüber berichten wir ausführlicher im Feuilleton.

Vorbeimarsch.

Inzwischen waren alle teilnehmenden Forma­tionen in langen Marschkolonnen angetreten. Unter Marschklängen nahm Brigadeführer Schmidt den Vorbeimarsch des SA.-Marine-Sturmbanns und der übrigen Formationen ab. Dem Vorbeimarsch wohnten sämtliche Vertreter der Partei, der Wehr­macht und der Behörden, sowie eine große Menge von Volksgenossen bei.

An der Feier, wie am Vorbeimarsch nahmen übrigens auch SA.-Marine-Einheiten von Frank­furt a. M., Marburg, Wetzlar und Bad-Nauheim teil.

SA.-Marine-Sturmbannführer Or. Mettenheimer

sagte in kurzen ernsten Worten Dank für die Über­tragung des Platzes an die Marine-SA. Immer werde man in Ehre derer gedenken, die das Leben für uns gaben.

Unter dem Klange des Liedes vom guten Karne- raben wurden an den beiden Sockeln, die die Fah- nenmafte mit dem Dreizack Neptuns tragen, präch­tige Kränze niedergelegt. Zugleich nahm Oberbür­germeister Ritter von dem Ehrenstein im Wasser das Flaggentuch der ruhmreichen deutschen Marine des Weltkrieges und enthüllte damit den Lorbeer­kranz, der für alle Zeit als ein sichtbares Zeichen der Würdigung des Opfers der Seehelden vom Skagerrak über den Wassern liegen soll.

Dann ergriff der Oberbürgermeister noch einmal bas Wort und sprach dem Gestalter des Ehrenmales Baurat G r a o e r t Dank aus für feinen Eifer und bie Mühe um die Planung und Fertigstellung des Ehrenmales. Er dankte ferner den Fünfzigern der Altersvereinigung 1887/37 für die Stif­tung der Bäume, die die Wege an der Wasser­fläche säumen; schließlich dankte er noch dem Stein­bruchbesitzer Schmiedeknecht, der den den Lor-

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Wte der Hase läuft". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Dor Liebe wird gewarnt".

NSV., Ortsgruppe Mitte.

Vetr.: Opferringfammlung.

Am Mittwoch, 9. Juni, werden die Spenden (Opferringsammlung) durch die NS.-Frauenschaft eingesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kennt­lich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quit­tungseinzeichnung bereitzuhalten.

RSD., Ortsgruppe Gießen-Ost.

Betr.: Lebensmittet-Opferrlng.

Die Sammlung wird Dienstag, 8., und Mittwoch, 9. Juni, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzu­geben.

BOM. Mädelgruppe 2/116

Giehen-Nord.

Die Mädelgruppe 2/116 tritt am Montag, 7. Juni, 20 Uhr, mit Turnzeug am Oswalds garten zum Gruppenappell an.

Die Führerin der Mädelgruppe 2/116: Carola Simon, Mädelscharführerin.

dieser Leistung der Name unserer Stabt auch auf diesem Gebiete der sportlichen Betätigung neuen und guten Klang gewinnt.

Artilteristen-Kameradschast Gießen.

Am Samstagabend trafen sich, wie immer, viele Mitglieder der Artilleristen-Kameradschaft Gießen im KameradschaftsheimHessischer Hof" zur übli­chen Monatsversammlung. Mit einigen o^stuchen Mitteilungen vom Waffenring der ehern, deutschen Feldartillerie und mit dem Gruß an den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler leitete Kameradschaftsführer Müller den dienstlichen Teil des Abends ein. Dann folgte die eierliche Ueberreichung des Abzeichens des Waffen- üngs an einige Kameraden, ferner wurden neue Kameraden zu treuem Gefolgschaftsdienst für Füh­rer, Volk und Vaterland im Aufgabenbereich der Artilleristen-Kameradschaft Gießen und des Waffen» rings der ehern, deutschen Feldartlllerie vom Kame­radschaftsführer verpflichtet. Anschließend hielt Kam. Michel, Gießener Ortsringleiter des Landsschafts- bunbesVolkstum und Heimat", einen interessanten Bortrag über den Glouberg bei Stockheim, dessen Besiedlung in vor- und frühchristlicher Zeit, die gro­ßen Linien der bisherigen geschichtlichen Erkennt­nisse auf Grund der dortigen Ausgrabungen unter Leitung des Denkmalpflegers Dr. Richter und schließlich nach in großen Umrissen über einige Hauptpunkte der Geschichte Büdingens. Diese Dar­legungen, die mit starkem Beifall dankbar ausge­nommen wurden, gaben den Kameraden einige An­haltspunkte für den gemeinschaftlichen Besuch des Glaubergs und der Stadt Büdingen, der Ende die­ses Monats als Kameradschaftsausflug mit Kraft­omnibussen stattfinden soll. Kam. B ü x l e r gab sodann einen fesselnden Bericht von einem Besuch der gegenwärtigen Reichsnährstands-Ausstellung in München und von einigen schönen Ausflugstagen in die bayerischen Berge, darunter auch auf den Obersalzberg mit dem Haus des Führers. Die Ka- meraben folgten auch diesen Darlegungen mit ge­spannter Aufmerksamkeit, und sie dankten dem Be- r^terftatter herzlich durch lebhaften Beifall. Die aktiven Kameraden der Untervfsizier-Verelnigung III. Abt. Art.-Rgt. 9, die auch in dieser Monatsver­sammlung zur Freude der alten Artilleristen wieder durch zahlreiche Mitglieder vertreten war, haben die alten Soldaten der Artilleristen-Kameradschaft zu einem Preisschießen am 3. Juli eingeladen, mit dem auch ein geselliges kameradschaftliches Beisam­mensein am Abend verbunden sein soll. Die Artille­risten-Kameradschaft wird dieser Einladung zahlreich Folge leisten. Im Anschluß an den dienstlichen Teil des Abends verbrachten die alten und die jungen Artilleristen in herzlicher kameradschaftlicher Ver­bundenheit noch einige Stunden froher Geselligkeit, bei der auch Erinnerungen an die Soldatenzeit, Soldatenlieder und der Humor in vielfältiger

: Weise zur Geltung kamen.

Ja, im Herzen tief innen ist alles daheim, der Freuden Saaten, der Schmerzen Keim. Drum frisch sei das Herz und freudig der Sinn, dann brauset ihr Stürme, daher und dahin! Wir aber sind alle Zeit zu singen bereit: Noch ist die blühende, goldene Zeit, noch sind die Tage der Rosen!

(Otto Roquette.)

SooWMWl

Roman von Walther Kloepffer

Copyright 1936 by August Scherl G. nt b. H., Berlin.

14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Diese Küche war ein richtiger Nagel zu ihrem Sarg. Ein uralter Herd, der nicht recht zog, keine Wasserleitung, rußige Töpfe, komisches Geschirr wie sollte man da Freude am Kochen haben? Auch Fliegen gab es. Es war zum Heulen. Und Anna wollte doch alles so gut und schön wie nur mög­lich machen. Wegen Josi. Sie hatte eine schwärme­rische Zuneigung zu ihm gefaßt, man durfte schon sagen Liebe. Was in Hamburg noch unklarer, unbewußter Drang gewesen war, brannte jetzt als verzehrende Flamme. Sie hatte noch nicht viel mit Männern gehabt und nichts Ernstliches. Einmal hatte sie der Jochen Brinkmann im Pitterschen Hausflur geküßt, und das Abenteuer hatte mit einer Maulschelle geendigt, weil es ihr zu plötzlich aekommen war. Das war in Hamelskoog. Aber in Jost war sie stark und inständig verknallt. Er glich in jedem Punkt dem Helden in derBlutgräfin Dathory", und er war ihr einziger Freund auf der Welt. Josi hatte vorhintüchttge kleine Hausfrau" gesagt, und das war ein gutes Zeichen.

Während des Essens begann sie plötzlich:Ich brauche Haushaltungsgeld, Josi!"

Fogg gab ihr einen Zwanzigmarkschein und dachte sorgenvoll: Nun wird's aber höchste Zeit, daß ich zu Geld komme! Ich muß das Haus Her­richten lassen, ich muß die ärztliche Einrichtung kaufen, und leben müssen wir schließlich auch. Auch ein Motorrad sollte her oder noch besser ein kleines Auto; es braucht ja nicht neu zu sein.

Als Anna sich am Nachmittag an den Beeten zu schaffen machte so einen ©arten hatte sie sich schon lange gewünscht, kam ein junger, flotter Herr an den Zaun und sagte:

Sapperment, sind Sie aber fleißig! Die Salat­pflänzchen würde ich an Ihrer Stelle etwas weiter auseinanderstecken. Ja, so ift's richtig. Kann ich vielleicht den Doktor Fogg sprechen?"

Gewiß, das können Sie. Er ist zufällig daheim. Wen darf ich melden?" Der Fremde gefiel ihr. Er

hatte eine gertige Figur, und an seinen blitzenden Reitstiefeln klingelten die Sporen.

Den Schlohverwalter Tutschek. Sind Sie eine Verwandte?"

Nicht gerade. Nur so für den Haushalt da. Ich bin die Anna." Während sie mit Tutschek ins Haus schritt, ging der Gsodmair-Marti vorüber und grüßte. Er hatte ein schiefes grünes Hütchen auf und ein Buchszweiglein im Knopfloch; er sah fast wie ein Städter aus.

Tutschek stellte sich Fogg vor.Ich horte, Sie wollten Ihren Wald verkaufen?"

Wenn ich einen anständigen Preis bekomme, warum nicht? Nehmen Sie doch Platz, Herr Ver­walter."

Was heißt heute anständiger Preis? Ich weiß nicht, ob Sie über den Grundstücksmarkt unterrichtet sind? Man bekommt heute das Zeug nachgeworfen. Wir haben nur deshalb für Ihren Wald Interesse, weil er günstig für das Schloß liegt."

Günstig, das stimmt. Und was für Prachtbäume! Buchen, Achen, Ahorn. Mein Großvater hat ihn gepflanzt. Was wollen Sie geben?"

Viertausend Mark."

Das ist zuwenig, Herr. Das ist ja allein schon das Holz wert. Bis Sie so einen Wald finden, können Sie weit gehen."

Wenn Sie sich lieber an einen Holzhändler wen­den wollen, bitte. Ich will Sie nicht drängen", sagte Tutschek.

Händler kommt nicht in Frage. Das Holz ist zu schade zum Schlagen."

Ich mache Ihnen nach einen anderen Vorschlag, Herr Doktor. Ich gebe Ihnen dreitausendfünfhundert in bar und die Kuhleiten dazu. Dann haben Sie gleich wieder Grund und Boden. Lassen Sie ge­legentlich mit Fohren aufforsten. Das sind dank­bare Bäume. Dann haben Sie Geld und einen neuen Wald dazu, sogar dicht beim Haus."

Fogg kennt dieKuhleiten" genau. Es sind anderthalb Hektar dürftiger Grasboden, ganz in der Nähe. Er weiß auch, warum Tutschek ihn abstoßen will. Er liegt ziemlich weit ab vom Schloß, zwi­schen den Schellenberger Viehweiden, und häufig verlaufen sich fremde Kühe auf den fürstlichen Besitz und fressen das bißchen Gras weg.

Ein merkwürdiger Tausch, Herr Verwalter. Das muß ich mir schon noch sehr überlegen. Ist das Ihr letztes Wort?"

Mein letztes. Weiter zu gehen, bin ich nicht be­fugt. Ueberlegen Sie sich's bitte, aber nicht zu lange. Denn wir haben noch ein anderes Objekt an der Hand, und Bargeld ist heute knapp."

Gut. Ich sage Ihnen so bald wie möglich Be­scheid", erklärte Fogg und geleitete den Verwalter zur Tür. Die Verabschiedung war gemessen, fast kühl. Fogg mochte den Mann nicht.Anna, führe den Herrn hinaus! Guten Tag, Herr Tutschek."

Fogg horte noch, wie Tutschek der Anna ein paar Schmeicheleien sagte, dann ging er zurück ins Wohn­zimmer. So ein gerissener Hund! 3500 und die Kuh­leiten ... Der will ihn ja schon einseifen! Zornig zog Fogg seine Windjacke an und machte sich fertig zum Ausgehen. Er hatte vor, das in Betracht kom­mende Grundstück sogleich zu besichtigen.

Fogg wanderte zunächst einmal durch seinen eigenen Wald. Es war wie ein Abschied. Dieser Wald, das einzig Wertvolle an der ganzen Erb- schäft, war nicht au halten. Ob nun Tutschek der Käufer war oder ein anderer, blieb sich gleich. Fogg kannte alle großen Bäume, und keiner fehlte. Schön von den Schellenbergern. Der Schmiedemeister Kilian Fogg hatte nie zugelassen, daß einer von den Bäumen umgemacht wurde, mochte es manch­mal auch schmal hergehen im Fogghäus. Aber jetzt, wo es galt, sich als Arzt niederzulassen und der be­drängten Heimat zu helfen, durfte man vor solch sentimentalen Bedenken nicht Haltmachen. Fogg brauchte dringend Geld, sogar ziemlich viel Geld. Die Hamburger Behörde ließ nichts von sich Horen, also blieb nur der Wald. Das Stückchen Wiese, die alten Möbel und das Haus zählten nicht.

Fogg kehrte dem Wald den Rücken und stieg gegen das Dorf zu abwärts. Frühe Blumen schmück­ten den Wegrain, Löwenzahn, Tausendschönchen und das sanfte Gelb der Himmelsschlüssel. Manch­mal war auch Krokus da, weiß und blau und lila. Ein wenig Sonne schien, und ein gepfefferter Wind kam von der böhmischen Seite her. Die Berge, nicht eben hoch, aber blaugrün bewaldet, standen klar und mit festen Umrissen in der Feme. Ein voreiliger Falter gaukelte über den Weg, und es war anzunehmen, oaß ihn fror. Nun war Fogg bei der Kuhleiten angelangt.

Ein trauriges Stück Boden, dachte er. Spärliches, hartes Gras, zuviel steiniger Sand, zu wenig

Humus. Ob Fohren hier fortkämen, schien zweifel­haft. Der Tutschek nahm eben den Mund voll. Und hinterher saß man da mit dieser Streusandbüchse. Arn Rand der Kuhleiten lag eine nicht sehr tiefe Grube. Wahrscheinlich hatte jemand versucht, hier Steine zu brechen, aber es wieder aufgegeben, weil ihm das Material zu schlecht und zu bröselig war. Fogg kletterte hinab. Das Gestein, verwitterter Gneis, war von einer nur dünnen Humusschicht bedeckt. Das erklärte auch die Unfruchtbarkeit dieses Jammerbodens.

Plötzlich aber machte Fogg eine Entdeckung.

In den Gneis waren massenhaft bunFefgraue Adern und Aeste eingesprengt, weiche kristallinische Schüppchen, die er von Ceylon her kannte. Teufel, das war doch Graphit! Zur Sicherheit rieb er mit dem Finger darüber, und dessen Kuppe wurde ganz grau und glatt. Fogg wälzte aufgeregt einen der herumliegenden Blöcke auf die Kehrseite. Wieder Graphit. Es war zu vermuten, daß das Material in tieferen Lagen noch reichlicher und besser war. Hm. Auf der Kuhleiten kam also Graphit vor, nein so was... könnte man vielleicht ausbeuten, wie?"

Der Gedanke biß ihn förmlich ins Genick, ließ ihn nicht mehr los und machte ihn ein bißchen wirbelig vor Aufregung. Herrgott, das wäre eine Möglichkeit! Die Zigarette verbrannte ihm den Finger, er warf sie weg und kletterte wieder nach oben. Nicht zu früh freuen, sonst wird es bestimmt nichts, gab er sich selbst einen Dämpfer. Reichlich traumverloren ging er heim und schickte sogleich zu Fenzl.

Ja, Josef? Was ist denn los?"

Du mußt mir einen Gefallen tun, Fenzl. Also hör zu. Du und deine zwei ältesten Buben, ihr geht heute nacht auf die Kuhleiten und macht, was ich sage: An drei oder vier verschiedenen Stellen hebt ihr Locher aus, und zwar so tief, bis ihr auf den Fels kommt. Von dem haut ihr mit dem Pickel ein paar Brocken ab und bringt sie mir. Gesteins­proben, begreifet du? Ich habe in dem ausgelassenen Steinbruch nämlich Graphit gefunden, die Masse, wie sie in den Bleistiften steckt, und mochte heraus- kriegen, ob auch an anderen Stellen auf der Kuh­leiten Graphit vorkommt. Aber ganz heimlich müßt ihr das machen, und der Tutschek darf beileibe nichts spannen; überhaupt Maul halten, schärfe das deinen Buben ein. Läßt sich das machen?^

Fortsetzung folgt. '