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Kr.129 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 7. Zum (937

9(ml4.3uni beginnen wir in den Kamilienblättem mit dem Abdruck eines neuen großen Romans. Aach dem beschaulich heiteren Alterswerk Fon­tanes bringen wir den RomanGoyaunddas Löwengesicht" von Karl Hans Strobl, eine geschichtliche Erzählung großen Stils, die, obwohl bereits vor Jahren entstanden, im Hin­blick auf den spanischen Bürgerkrieg eine unbe­absichtigte Aktualität gewinnt, - ein Werk, aus reicher Erzählerkunft und Phantasie geboren, er­füllt von der Freude am Abenteuer, am roman­tischen, unheimlichen und großartigen Erlebnis, strotzend von Handlung und Spannung, Historie, Feldzugsbericht und Liebesgeschichte in einem.

Feierliche Einweihung des Skagerrak-Ehrenmales.

turnen, außerdem wurde Boxsport gezeigt, gute Mu­sik, Vorträge in oberhessischer Mundart, lustige Schattenspiele usw. trugen zur weiteren Unterhal­tung bei.

Der gestrige Sonntag brachte unserer Stadt das erwartete Ereignis der feierlichen Einweihung des Skagerrak-Ehrenmales an der Schlageter-Anlage, des ersten Mahnmals dieser Art in Deutschland. Alle die äußeren Umstände, wie man sie sich für eine solche Veranstaltung erhofft, waren in glück­lichster Weise gegeben, aber auch von allem Ernst getragen war die Stunde dieser Weihe, der dem Sinne des großen Opfers entsprach, das die Helden zur See für ihr Vaterland gaben.

Die prächtige Anlage des Skagerrak-Ehrenmales bot sich bei herrlichstem Sonnenschein in festlicher Pracht dar. Die Wiesenflächen, die das Wasser­becken säumen, schimmerten in zartem Grün, die jungen Bäumchen, die die Anlage umgeben, trugen Blätterschmuck und von vielen Masten flatterten die Fahnen des Dritten Reiches. Eine große Menschen­menge, jedermann angetan in sommerlicher Klei­dung, trug dazu bei, das äußere Bild der Veran­staltung schön zu gestalten. Die Feier nahm würdig­sten Verlauf. Der Tag der Uebergabe dieses Ehren­males wird in den Annalen unserer Stadt rühmlich zu verzeichnen sein.

Die Reihe der Veranstaltungen fand ihren Auf­takt am Samstag mit dem

Empfang

der aktiven Marine-Kameraden

von der Schiff-Stammabteilung der Nordsee aus Wilhelmshaven, die unter der Führung Kapitän- Leutnants Erdmann mit drei Offizieren, fünf Unteroffizieren und zehn Mann zur Teilnahme an der Einweihungsfeier kamen. Die Kameraden der Kriegsmarine, die für die Tage ihrer Anwesenheit in Gießen als Gäste der Stadt zu betrachten waren, wurden vom Führer des hiesigen SA.-Marine- Sturmbannes Sturmbannführer' Sr. Metten­heimer, vom Führer der hiesigen NS.-Marine- kameradschaft Lich und vom Leiter des Städtischen Verkehrsamtes S ch u st e r am Bahnhof empfangen und herzlich begrüßt. Bald nach ihrer Ankunft unternahmen die Kameraden der Kriegsmarine eine Fahrt durch die Stadt und lernten die Sehens­würdigkeiten Gießens kennen. Nach einer Kaffee­pause, die die Gäste auf dem Schiffenberg sah, nah­men die Marinesoldaten nachdem kurz vorher Kapitänleutnant Erdmann dem Oberbürgermeister unserer Stadt einen Besuch ab gestattet und ihm die eingetroffene Marinestreife gemeldet hatte an dem e

Auch Kapitänleutnant Erdmann hielt eine kurze Ansprache und betonte, daß es für die Aktiven der Kriegsmarine eine selbstverständliche Pflicht sei, mit den alten Kameraden in Gedankenaustausch zu treten und dabei für die Waffe zu werben. Solche Tage seien besonders dazu angetan, diesen Zweck zu erfüllen. Er dürfe auch an dieser Stelle betonen, daß die Kameraden der Kriegsmarine immer ihre ihre Pflicht tun würden.

Im Anschluß zeigte Fregattenkapitän a. D. Acker­mann einen prächtigen Film, der in schönen Bil­dern vom Dienst auf deutschen Torpedobooten er­zählte und einen tiefen Einblick in das Leben an Bord der Schiffe der deutschen Kriegsmarine tun ließ. Ein zweiter Film rückte die große Parade der Wehrmacht vor dem Führer vor Augen, die aus Anlaß seines Geburtstages in Berlan stattfand.

Der weitere Verlauf des Abends war unterhalt­samen Darbietungen gewidmet. Der Spielmannszug der Marine-HI. trat schneidig auf, die jungen Ka­meraden der Marine-HI. zeigten kraftvolles Boden-

Marsch zum Ehrenmal.

Gegen 10 Uhr traten die an der Feier geschlossen teilnehmenden Formationen vor dem Gebäude der SA.-Standarte an, um dann gemeinsam unter dem Vorantritt des Musikzuges des SA.-Marine-Sturm- bannes nach dem Skagerrak-Ehrenmal an der Schlageteranlage zu marschieren. Am Ehrenmal selbst hatten sich zahlreiche Ehrengäste aus dem Kreise der Partei, der Wehrmacht, der staatlichen und städtischen Behörden sowie viele Volksgenossen eingefunden.

Für den Standort Gießen waren der Kommandeur der III./A.-R. 9, Oberstleutnant Döring als Ver­treter des Standortältesten, Generalleutnant- wald, ferner Abordnungen des Jnf.-Regts. 116 und der III. Abteilung Art.-Regts. 9 erschienen. An der Feier nahmen außerdem Generalmajor W i l l i ch in Begleitung eines Offiziers als Vertreter der Luft­waffe teil. Vor Beginn der Feier wurde die an­getretene Marine-Wanderstreife in militärischer Form Admiral Wilke gemeldet.

Die Feier der Einweihung.

Kameradschastsabend

teil, der die Kameraden des SA.-Marine-Sturm- banns 11/34, der Marine-HI. und der NS.-Marine- kameradfchaft mit Angehörigen und vielen Gästen vereinigte. Zahlreiche Vertreter der Partei, ihrer Gliederungen, der Wehrmacht und der Behörden nahmen teil. Nach einleitenden musikalischen Da»- bietungen des Musikzuges des SA.-Marine-Sturm­banns hielt Sturmbannführer Dr. Metten­heimer eine kurze Begrüßungsansprache, gab seiner großen Freude über die starke Beteiligung an diesem Abend Ausdruck und dankte außerdem dem Oberbürgermeister und damit der Stadt Gießen für die Schaffund des Skagerrak-Ehrenmales. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß den Kame­raden von der Kriegsmarine die in Gießen ver­brachten Tage in guter Erinnerung bleiben möchten. Sodann hielt der Gauführer des NS.-Marine- bundes Fregattenkapitän a. D. Ackermann eine längere Ansprache, in der er Sinn und Bedeutung des Opfers umriß, das die Kameraden unserer ehe­maligen Kriegsmarine in der Schlacht vom Ska­gerrak brachten. Auch er dankte dem Oberbürger­meister für die Errichtung des Ehrenmales, das für die Jugend richtungweisend sein möge. Auf der

deutschen Flotte fanden sich, so führte er u. a. aus, noch immer Deutschlands Söhne aus allen Gauen, und die Marine fei zumSchmelztiegel der Nation" geworden. Der Tag von Skagerrak habe dem Schaffen der ganzen Nation die Krone gegeben, denn die deutsche Flotte habe es vermocht, dank ihres ausgezeichneten Materials, dank der ausge­zeichneten Mannschaften, den unschlagbar scheinen­den Gegner in die Flucht zu schlagen. In seinen weiteren Ausführungen sprach der Redner noch über die Ausbildung der Mannschaften zu einsatz­bereiten Soldaten der Kriegsmarine, er schilderte ferner die Seehelden vom Skagerrak als die Vor­kämpfer einer neuen Zeit. Er sprach auch vom Auf­bau der deutschen Flotte vor dem Weltkrieg, wie auch deren Neuaufrichtung unter der Initiative des Führers und unter dem Leitgedanken:Bereitsein ist alles!" In großem beispielhaftem Vergleich der Schicksalsgemeinschaft der Mannschaft auf einem Schiff während der Schlacht, zur Schicksalsgemein­schaft unseres ganzen Volkes, wie sie der Führer jetzt zusammenschweiße, wies der Redner auf die Forderungen unserer Zeit an den deutschen Men­schen hin.

Mit dem LiedeWir treten zum Beten", gespielt von dem Musikzug des SA.-Marine-Sturmbannes, fand die Feier ihren ernsten Auftakt.

Baurat Gravert,

der Gestalter des Ehrenmals, übergab zunächst dem Oberbürgermeister die Platzanlage und betonte da­bei, daß es neben dem tieferen Sinne, der dieser Anlage zu eigen sein soll, gleichzeitig eine Be­mühung sei, um die Verwirklichung des Gedan­kens einer schönen Gestaltung der" Landschaft in der Nähe unserer Stadt. Hier sei es insbesondere auch eine Bemühung um die glückliche Lösung von Grün- und Wasserfläche. Er gab abschließend dem Wunsche Ausdruck, daß es unter der Leitung des Oberbürgermeisters gelingen möge, die Pläne, die der Verschönerung unseres Stadtbildes dienen sol­len, zu einem glücklichen Ende zu führen.

Oberbürgermeister Ritter

hielt sodann die Weiheansprache und sagte, daß, wenn man sich hier entschlossen habe, ein Ehren­mal zu schaffen, es nicht allein aus dem Grund geschaffen worden sei, um das Stadtbild zu ver­schönen, sondern um der Fahne des Dritten Rei­ches willen und um des Geistes willen, der sich in

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dieser Fahne dokumentiert. Das Ehrenmal soll im­mer wieder daran mahnen, daß dem deutschen Menschen, um der Opfer der gefallenen Helden willen, gewaltige Verpflichtungen auferlegt feien. Oberbürgermeister Ritter gab dann seiner Freude darüber Ausdruck, die Abordnung unserer stolzen deutschen Kriegsmarine bei dieser Weihefeier be­grüßen zu können. Wir wüßten, so fuhr er fort, daß ein solcher Platz seiner tieferen Bedeutung gerecht werde, weil in unserem ganzen Volke ein neuer Geist Platz gegriffen habe, vor allem sei heute das deutsche Volk wieder erfüllt von dem Geist der Treue, die zu besiegeln jeder bereit sei. Als der Führer daran gegangen sei, das deutsche Volk zu erobern, seien auch um ihn opfermutige Kämpfer gewesen. Wo ihm einer gefallen sei, seien drei neue erwachsen. So sei der Geist des Führers Gemeingut und zum deutschen Glauben geworden. Wenngleich Deutschland rüste, so ändere das nichts an der Tatsache, daß das deutsche Volk mit aller Leidenschaft das Glück und den Frieden der Völ­ker wünsche. Und man rüste in Deutschland, weil man wisse, daß einem wehrhereiten Volke ein An­griff von außen her am ehesten erspart bleibe. Daß sich das deutsche Volk auf seine Wehrmacht ver­lassen könne, habe sich in diesen- Tagen eindeutig genug erwiesen. So wie die Kameraden der Kriegs­marine auf derDeutschland" bereit gewesen seien, ihr Leben zu opfern, so seien es heute Tausende. Diesen Geist der Einsatzbereitschaft hochzuhalten und hineinzuversenken in die Jugend, das sei eine Auf­gabe, die zu erfüllen dieses Ehrenmal helfen solle.

Sodann übertrug Oberbürgermeister Ritter dem SA.-Marine-Sturmbann die Betreuung der Anlage des Skagerrak-Ehrenmals mit der Ver-

Links: Dberbtirgermefter Ritter begrüßt die Ehrengäste aus dem Kreise der Partei und der Wehrmacht. Rechts: Während der Feier der Einweihung des Ehrenmals, nach der Enthüllung des Lorbeerkranzes. (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeger.)

Oberhessischer Kunstverein.

Skagerrak-Kunstausstellung.

Aus Anlaß der Einweihung des Skagerrak-Ehren­males eröffnete der Oberhesfifche Kunstoerein im Rahmen der Feier am Sonntagvormittag eine Kunstausstellung vor beladenen Gästen im Schul­saale der neuen Pestalozzi-Schule. Die Ausstellung siedelt dann in die Sonnenstraße über und wird vom Mittwoch ab in den Räumen des Klubs all­gemein zugänglich fein. Sie umfaßt siebzehn Bilder von Claus Bergen, sie wurde zum erstenmal bei der Einweihung des Marine-Ehrenmales in Laboe in Kiel gezeigt und ist nicht mehr ganz voll­ständig, da einige Gemälde inzwischen von der Kriegsmarine erworben wurden. Gießen ist übri­gens die erste deutsche Stadt im Binnenlande, welche die Ausstellung nach Kiel übernommen chat.

Claus Bergen ist neben Willy (Störoer und Professor Hans Bohrdt der bekannteste unter den zeitgenössischen deutschen Marinemalern; er hat mit der Mehrzahl der hier zusammengestellten Gemälde, die großenteils schon äußerlich durch ihr monumen­tales Format auffallen, die Seeschlacht am Ska­gerrak (31. Mai 1916) in ihren wichtigsten Phasen dargestellt. Bergen ist Marinemaler in einem ganz bestimmten Sinne: er bezeugt in seiner Stoffwahl eine ausgesprochene Vorliebe für Marine-Bilder nicht so sehr im allgemeinen, ziemlich weitgespann­ten Sinne des kunstgeschichtlichen Begriffs, sondern eben im Hinblick auf die deutsche Kriegsflotte.

Die Skagerrak-Schlacht ist bis auf den heutigen Tag militärisch und seekriegsstrategisch der Inbe­griff der modernen Seeschlacht überhaupt geblieben; für den Maler ein Stoff von außerordentlichem Ausmaß im Stofflichen wie im Technischen. Wir sehen auf Bergens Gemälden, die durch einige Karten­überfichten verdeutlicht werden, etwa jene berühmt gewordene Gefechtskehrtwendung des Admirals Scheer, der die Hochseeflotte in der Schlacht be­fehligte; wir sehen ferner ein AquarellAuf ,Seyd- litz' während des Kampfes", vielleicht das eindrucks­vollste Bild der ganzen Schau, bestechend sowohl durch die Dramatik der Szene und des (menschen­leeren) Schauplatzes wie durch sachliche Treue und Genauigkeit der Darstellung im Detail.Die Schlachtkreuzer ran an den Feind!" heißt ein an­deres Bild, das einen der entscheidenden Momente der stundenlang währenden Schlacht festhält, wäh­rend ein weiteres den kritischen Augenblick fixiert, in dem Admiral Hipper, der Befehlshaber der Schlachtkreuzer, im Gefecht sein schwer zusammen- geschossenes (später auf dem nächtlichen Rückmarsch

in den Heimathafen gesunkenes) FlaggschiffLützow" verläßt, um auf einem Torpedoboot auf S. M. S. Moltke" überzugehen.

Wir nennen ferner die GemäldeDie kleinen Kreuzer zu Beginn der Schlacht",Das Spitzen­schiff der deutschen Linienschiffe, S. M. S.König" (III. Geschwader, Admiral Behncke), von weiteren Ausschnitten aus der Schlacht ein Gesamtpanorama vom Kampf der deutschen Schlachtkreuzer, welche die Hauptlast des Tages trugen und schwer mitge­nommen wurden, aber auch hervorragende Erfolge zu verzeichnen hatten; den Angriff der Torpedo­boote mit dem berühmten roten Stander Z am Signalmast,Lützow" im Kampf, das deutsche II. Geschwader (,,Ostfriesland"-Klafse),Gefechts­pause auf S. M. S. .Markgraf",Der 31. Mai", undScheers Flaggschiff S. M. S. .Friedrich der Große"'.

Bergen vereinigt in feinen Bildern ein hohes Maß von seemännischem, technisch-fachlichem Wissen und Verständnis mit bedeutenden malerischewQuali- täten. Es ist kein Zweifel, daß die Bilder dieser Ausstellung in erster Linie rein stofflich das leben­digste Interesse des Beschauers wecken; das ist ver­ständlich, indessen sollte darüber doch die künstlerisch bedeutende Leistung nicht übersehen oder gering an­geschlagen werden. Man beachte etwa im einzelnen, wie das Wasser behandelt ist, was bekanntlich auch außerhalb der sogenannten Marine-Malerei ein immer wieder in Angriff genommenes Problem be­rührt; man denke nur, um eine der berühmtesten Lösungen zu erwähnen, an BöcklinsSpiel der Wellen". Oder wie der Wasserdampf, der Rauch, der Qualm gemalt sind, wie der Feuerschein der Ab­schüsse und der Einschläge auf den bewegten Wellen reflektiert ist.

Eine Anzahl weiterer Bilder führt in folgerich­tiger Entwicklung in die nächste Gegenwart und zeigt einen imposanten Aufmarsch der neuerstande­nen Hochseeflotte und den neuen KreuzerLeipzig". Zum Schluß sei noch, ein in die Kriegszeit weisen­des Bild erwähnt, das ganz erfüllt ist von der männlichen Kraft, dem Wagemut und der Dramatik modernen Wikingertums: es nennt sichU 53 im Atlantik".

Die sehr sehenswerte Ausstellung ist auch als Werbung für den Reichsbund für deutsche See­geltung gedacht und dürfte diesen Zweck ausgezeichnet erfüllen. Hans Thyriot.

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Im Anschluß an die Feier am Skagerrak-Platz hielt Stadtbaurat Gravert, der Vorsitzende des Kunstvereins, im Schulsaal der Pestalozzi-Schule einen Einführungsvortrag; er hieß zunächst im Namen des Oberhessischen Kunstvereins die Gäste

willkommen. Claus Bergen, der jetzt in Mün­chen lebt, gehöre, so führte der Vortragende weiter .aus, zu den besten deutschen Marinemalern neben Willy Stöwer und Hans Bohrdt; er habe jahrelang bei der Marine gearbeitet. Bei allem gegenständ­lichem Interesse an seinen Bildern dürfe die hohe künstlerische Leistung Bergens nicht unbeachtet bleiben. Mit Ausstellungen wie beispielsweise vor kurzem der Sven-Hedin-Ausstellung verzichte der Kunstverein bewußt auf den Galeriecharakter zu­gunsten einer breiteren Resonanz in allen Schichten des Volkes; Bergens Bilder aber, die hier gezeigt werden, seien in erster Linie künstlerisch, nicht stoff­lich zu werten. Zum sachlichen Inhalt der Bilder wolle er, der Vortragende, einige Anmerkungen mach ei?. Stadtbaurat Gravert gab dann einen allgemeinen geschichtlich-politischen Aufriß, innerhalb dessen die Hauptlinien der Entwicklung Englands zur Seegroßmacht herausgearbeitet waren. Dies führte über eine kurze Betrachtung der seepolitischen Kräfteverhältnisse Europas im 19. Jahrhundert und vor dem Ausbruch des Weltkrieges zu einer Schilde­rung der wichtigsten Ereignisse des Seekrieges zwischen England und Deutschland, die in der Skagerrak-Schlacht ihren entscheidenden Höhepunkt fanden. Dann gab der Vortragende eine klare und übersichtlich zusammenfassende Beschreibung der Hauptphasen der Schlacht und ihrer militärischen und politisch-moralischen Auswirkungen; er schloß mit dem Wunsche, die Gemälde mögen erkennen lassen, daß es Bergen gelungen sei, der Schlacht in ihren Höhepunkten die künstlerische Fassung zu geben, die sie beanspruchen könne, um wahr zu sein. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich ein Besichtigungsrundgang an.

Der Vogel auf dem Kopf.

Wer einen Vogel hat, behält es meist für sich. Anders Philipp Gottfried Maler, der einen jungen Staren aufgezogen hat und über feine Er­lebnisse mit ihm, unterstützt von einer Anzahl un­gewöhnlich reizender Bilder, im Juniheft von Vel - Hagen 6r K l a s i n g s Monatsheften er­zählt. Der kleine Jakob kennt keine größere Freude, als sich auf dem Kopf Malers und anderer Men­schen, die er kennt, zu tummeln. Der Verfasser deutet diese Vorliebe damit, daß für den Vogel wir Menschen eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Baum haben. Wir stehen am Boden, wenn auch nicht darin. Unser Leib ist ein Stamm, unsere Arme sind Aeste, unsere Finger vielleicht Zweige. Und auf unserem Kopf versetzen wir uns in Jakobs Seele sitzt man wie in einem Wipfel, besonders wenn er dicht und lang behaart ist. Kein größeres

Vergnügen für Jakob als im Gestrüpp der Haare zu stochern. Jakob geht mit dem Schnabel dem Fell ayf den Grund, spreizt ihn plötzlich wie einen Zirkel und, falls er gerade an ein Schaffell ober in Afrika an ein Büffelfell geraten wäre, oder falls er sich auf weichem Rasenboden umhertriebe, was zu beobachten man draußen des öfteren Gelegen­heit hat, so legt er frei, woran ihm gelegen ist. Ma­lers Nachbar hat den Jakob einmal wegen seiner Vorliebe für den Gipfel des Menschen verflucht. Dieser Nachbar hat nämlich einen sehr sauberen Scheitel. Ist es an sich schon unangenehm, wenn ihn unvorhergesehenerweise ein Star zertrampelt und zerzaust was übrigens im Nu geschehen war die Sache wird geradezu unerträglich, wenn die helle Scheidelinie zwischen Haar und Haar, der Scheidet also, den Vogel offenbar in den Glauben versetzt, es handele sich dabei um etwas Eßbares.

ZapanischerBarbier entdeckt einenGtern

Ein einfacher Japaner namens Kazukai Gvmi, der als Barbier in einem Außenbezirk von Tokio tätig ist, erhielt dieser Tage einen Ehrenplatz auf der ersten Seite der japanischen Zeitungen. Es wurde berichtet, daß der Botschafter der Vereinigten Staaten, Grey, während einer Feier, die in der Universität stattfand, ihm die Goldmedaille der Universität Harvard für seine große Leistung auf astronomischem Gebiet übergeben habe. Kazukai ist von den amerikanischen Gelehrten als der Entdecker eines neuen Sterns, derNova Lacertae, aner­kannt worden, die er als erster während der totalen Sonnenfinsternis am 16. Juni 1936, die in Japan zu beobachten war, gemacht hat. Der Barbier hat bereits in feinem 12. Lebensjahr begonnen, den Himmel zu durchforschen, und um seiner Leiden­schaft für die Astronomie nachgehen zu können, hat er mit seinen geringen Ersparnissen ein Fernrohr erworben; schließlich erhielt er die Erlaubnis, als Dilettant die Himmelsräume mit den Instrumenten des Observatoriums von Tokio zu durchforschen. Die Goldmedaille, die er jetzt erhielt, ist einer der meist begehrten Preise in der amerikanischen Wissen­schaft; sie wird alsPickering Gold Medal all­jährlich von der Harvard-Universität verliehen.

Hochschulnacbnchten.

Der ordentliche Professor der Chirurgie an der Universität Frankfurt, Dr. Victor Schmie­den, ist zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Chirurgen und der Gesellschaft der Aerzte in Wien ernannt worden.