m.m Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Freitag,7. Mai 1957
Aus -er Stadt Gießen.
Oie Eisheiligen
In diesem Jahre scheint der Mai seinen Ruf als „Wonnemond" wirklich einmal rechtfertigen zu vollen. Kalt und trüb ging der ganze April dahin. Vünktlich aber trat der Mai mit fast sommerlicher Wärme an und trieb mit einem Schlage das Blühen auf seinen festlichen Höhepunkt. Aber noch ist hem endgültigen Siege des Sommers nicht zu trauen.. In der Mitte dieses schönen Monats lauern die gefürchteten „Eisheiligen", wie sie in Süddeutschland, die „Gestrengen Herren", wie sie in ?rorddeutschland heißen, Pakratius, Servatius, Bonifatius, am 12., 13. urtf> 14. Mai, und ihnen folgt noch am 15. Mai die angeblich schlimmste von allen, die „böse Sophie", das „Eisweiblein".
Tatsächlich pflegt es ja irgendwann im Laufe des Rai auch in noch so schönen Frühlingsjahren ein- nal einen heftigen Kälterückfall zu geben, sei es früher oder später, und von altersher haben wir uns angewöhnt, diesen letzten Angriff des Winters gerade für die Tage zwischen dem 12. und 15. Mai ?u erwarten, ihn gewissermaßen diesen Heiligen in die Schuhe zu schieben. „Vor Servaz kein Som- iner, nach Bonifaz kein Frost", sagt der Dolksmund. Diese letzte Regel dürfte übrigens nur für die milderen Gegenden unseres Vaterlandes zutreffen, in ^orddeutfchland bedrohen bekanntlich die gefähr- j chen Nachtfröste bis Ende Mai, ja zuweilen bis in jen Juni hinein Feldfrucht und Baumblüte.
Auch denkt der Bauer im ganzen über das Mai- fetter anders als der Städter. Dieser freut sich lückhaltlos an den herrlich warmen Sommertagen, <r sieht das Blühen in den Gärten und meint, der volkenlose Himmel und die trockene Luft müsse für iie ganze^ Natur eine Wohltat sein. Alte Bauern- peisheit dagegen sagt: „Mai kühl und naß, füllt dem Bauern Scheuer und Faß". Es ist weniger ein Rückfall in das grämlich-feuchte und kalte April- vetter, was der Landmann im Mai fürchtet, im Gegenteil, seinetwegen könnte es im Mai jeden Tag irgnen. Wächst doch alles vom Mairegen, sogar die Linder! „Maieregen, mach mi groß, i bin a klei- ler Stumpe", singen die Kinder, wenn sie um diese Jahreszeit im Regen herumspringen. Nein, die iroße Gefahr dieses Monats für die Ernte sind die Nachtfröste, die sich gerade nach den herrlich-war- jten Sonnentagen einstellen und dann die jungen Zriebe um so vernichtender treffen.
Um sich gegen diesen Schaden zu schützen, werden, tesonders in Wein- und Obstgegenden, in kalten Mainächten vielfach Feuer angezündet, deren Rauch- «atwicklung nach Möglichkeit gefördert wird. Wie tne Schutzdecke legen sich die Rauchwolken über das land und'verhindern die Frostentwicklupg. In rnan- cten Gegenden, oder bei besonders drohender Gefahr ist es wohl auch Sitte, daß nicht jeder Bauer big Feuer einzeln, je nach seinem eigenen Gutdün- km anzündet, sondern daß es gemeinsam abgebrannt wird. Jeder Bauer hat zu diesem Zweck sc;on vorher die Reisighaufen auf seinem Feld her- gmichtet, und wenn es dann in der Nacht durch Sturmläuten vom Kirchturm her oder durch Klop- fin mit dem eisernen Hammer an die Pflugschar big bekannte und sonst so gefürchtete Signal ertönt, big im allgemeinen „Feuer" bedeutet und zum Löschen aufruft, dann eilt der Bauer hinaus, nicht um Feuer zu löschen' sondern um es anzuzünden. Keifbrennen, Rauch- und Schmauchfeuerbrennen hiißen diese Feuer. B.
Dornotizen.
Tageskalender für Freitag.
Stadttheater, 20 bis 22 Uhr: „Der Etappen- hife". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Sein letztes Podell". — Lichtspielhaus, Bahnhostraße: „Die Kronzeugin". — Oberhessischer Kunstverein, Turm- hius am Brand: 16 bis 18 Uhr Ausstellung von @emälben, Aquarellen und Zeichnungen von Lotte Iroese. — Gießener Konzertverein: 20 Uhr Lieder- end Kammersänger Heinrich Schlusmis in der Kruen Aula der Universität.
Sladttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die Erstaufführung von „Der Etappenhase", Lustspiel aus der Kriegszeit von Karl Bunje, statt. Das Stück wurde im Jahre des Erscheinens der plattdeutschen Urfassung von allen niederdeutschen Bühnen angenommen und ging in Serien von 20 bis 37 Aufführungen durch die Winterspielzeit. Das Lustspiel wurde von über 100 Bühnen angenommen und steht heute an erster Stelle mit der höchsten Aufführungsziffer der diesjährigen Spielzeit. Spielleitung Heinrich Hub. Die
Rolle des Hein Lammers spielt Karl-Ludwig Lindt. Ferner wirken mit: Hansi Prinz; Gerhardt Frickhoeffer, Anton Neuhaus, Paul Nieren, Heinz Rosenthal. Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 31. Vorstellung der Freitag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr.
Abschluß des Gtandort-Geländelaufes.
Am heutigen Freitag früh fand der Standort- Geländelauf der Wehrmachtteile in Gießen seinen Abschluß. Am Start waren die Mannschaften des Ausbildungspersonals des E.-Bataillons und die
Oie Hessenfahrt des NGKK.
Am morgigen Samstagnachmittag beginnt zur gleichen Zeit um 16.30 Uhr von Gießen, Kassel und Hersfeld aus die Hessenfahrt des N S K K., Motorgruppe Hessen, an der etwa 4 6 0 Fahrzeuge teilnehmen werden. Die Fahrtteilnehmer setzen sich zusammen aus Vertretern des NSKK., der Wehrmacht, der SA., SS. und der HI. Der Start erfolgt in Gießen am Oswaldsgar t e n , von wo aus etwa 12 0 Fahrzeuge die Fahrt antreten werden.
Die Fährt am Samstag ist eine Zuoerlässigkeitsfahrt, bei der von jedem Teilnehmer Kontrollpunkte angefahren werden müssen. Ziel der Fahrt ist Bad
Orb. Der zweite Fahrtteil, am Sonntag, bringt eine Geländefahrt, zu der alle Fahrtteilnehmer von Bad Orb aus starten und dorchin als Zielplatz zurückkehren werden.
In der Stadt Gießen werden die Fahrer nach dem Start am Oswaldsgarten durch folgende Straßen hinausfahren: Werner-Wall, Hitler-Wall, Moltkestraße, Kaiser-Allee. Unsere Volksgenossen, die sich diesen Teil der Fahrt ansehen wollen, werden in den ebengenannten Straßen Gelegenheit haben, die Fahrer vorbeifahren zu sehen. Die Fahrzeuge starten in Abständen von einer Minute.
DieAkbeit in berkulimwiffenschaftlichenIachschast an der üniüerfität Gießen im Sommer 1937.
13on Fachschaflsleiier cand. phil. Erwin Ohlemuh.
Um der studentischen Wissenschafts- und Facharbeit auch innerhalb der kulturwissenschaftlichen Fächer eine neue, einheitliche Willensausrichtung zu geben, veranstaltete im März dieses Jahres der Leiter der Reichsfachgruppe Kulturwissenschaft in der Reichsstudentenführung, Pg. Dr. Brügmann (München) auf dem Gießhübel bei Freiburg i. Br. ein dreitägiges Lager, zu dem die örtlichen Fachschaftsleiter der Kulturwissenschaften von allen Uni- bersitäten däs Reiches eingezogen waren. Namhafte Vertreter unserer Fächer, die zugleich schon seit langer Zeit in der vordersten Front des Kampfes um eine nationalsozialistische Hochschul- und Wissen- schastsreform stehen, legten ihre Ideen und Pläne dar. So hatten dort namentlich Prof. Dr. Krieck (Heidelberg), der Volkskundler Prof. Dr. Harm- j a n z (Königsberg) und der Beauftragte des Reichs- studentenführers für den Reichsberufswettkampf, SS.-Sturmbannführer Dr. Six, sehr viel wesentliches zu sagen. Von den studentischen Vertretern der einzelnen Universitäten mußte jeder einen genauen Ueberblick über die Lage an seiner Hochschule geben. In erschöpfenden Aussprachen, die nicht nur das Prinzipielle, sondern auch alle in die kleinsten Einzelheiten gehenden Fragen berührten, wurden dann durch die praktischen Ansatzpunkte für die studentische Mitarbeit an der neuen Wissenschaftsgestaltung herausgearbeitet. Dabei zeigte sich, daß es vor allem gilt, die Gebiete der einzelnen Wissenschaften, die durch die weltanschauliche Revolution des Nationalsozialismus am meisten betroffen sind und die sich augenblicklich am entscheidendsten im Umbruch befinden, aufzugreifen und dabei den Kampf gegen die noch herrschenden geistig-weltanschaulichen Strömungen liberalistischer Art aufzunehmen und so Stoßtrupp einer neuen deutschen Wissenschaft zu werden. Um möglichst klare und greifbare Ergebnisse zu erzielen, ist hierbei das dringendste Gebot, nicht etwa verschwommene Gebiete in allgemeiner Form, sondern ganz spezielle konkrete Themen zu behandeln. Als wesentlichste Arbeitsform kommt dabei die Arbeitsgemeinschaft in Frage, wie sie sich aus der bisherigen studentischen Arbeit herausentwickelt hat, die aber nunmehr mit höchstem Ernst und Fleiß und mit exaktester Gründlichkeit ans Werk gehen soll. Alle Lagerteilnehmer bekamen von
der Reichsfachgruppe Kulturwissenschaft ausgearbeitete Kampfthemen, die sich hauptsächlich gegen den politischen Katholizismus und das Judentum richteten, mit den entsprechenden Literaturangaben in die Hände. Dabei wurde geprüft, welche Aufgaben an den einzelnen Universitäten erfüllt werden .können, und festgestellt, welche Ergebnisse jeweils zu erwarten sind.
Gemäß diesen von der Reichsfachgruppe Kulturwissenschaft ausgegangenen Richtlinien hat sich die Kulturwissenschaftliche Fachschaft an der Universität Gießen für das Sommersemester 1937 folgende Ausgaben gestellt: Es sollen drei Arbeitsgemeinschaften stattfinden mit den Themen:
1. Die Kirchen und der Weltkrieg.
2. Hölderlin und das Christentum.
3. Der Führer und die nationalsozialistische Bewegung im Spiegel programmatischer ausländischer Zeitschriftenaufsätze nach 1933.
Die Durchführung wird sich im einzelnen so gestalten, daß man einmal wöchentlich zusammenkommt, ein Kamerad hält ein kurzes, aber gründliches Referat, das sich in den Rahmen des Gesamtthemas der Arbeitsgemeinschaft einfügt, eine Aussprache wird sich daran anschließen, deren Ergebnisse in einem Protokoll festgehalten werden. Um zu vermeiden, daß die gewonnenen Ergebnisse für die weitere Arbeit völlig verloren gehen, sollen sie zu Ende, des Semesters in einem abschließenden Aufsatz zusammengefaßt werden. Aus diesen Arbeitsgemeinschaften werden dann ganz organisch Themen und Teilnehmer für den Reichsberufswettkampf herauswachsen, aber auch Dissertationsthemen, die von einer neuen kämpferischen Wissenschaftsauffassung zeugen. Die Beteiligung an diesen Arbeitsgemeinschaften ist und bleibt grundsätzlich freiwillig. Nur die Besten sind gut genug, wenn das Ziel gefordert wird, daß der Zuverlässigste in Haltung und Weltanschauung zugleich auch der Tüchtigste im Können und Wissen ist. Ist dieses Ziel aber einmal erreicht, dann kann man das zur Zeit an den deutschen Hochschulen schwierigste und brennendste Problem, das der Not an einwandfreiem wissenschaftlichem Nachwuchs, als endgültig gelöst betrachten.
Gießener Stadttheater.
Waldemar Frank:
„Die Kleider meiner Fran".
Dem Botschafter a. D. Lord James Clemens widerjährt eines Abends das Mißgeschick, daß seine junge Fiau Constanze, die sich in einen berühmten Tennis- Ipieler verliebt zu haben glaubt, ihm davonläuft. Siimes reagiert auf diesen bedauerlichen Tatbestand mit der verblüffenden Anweisung, der Diener möge Tsnstanzes Kleider, deren jedes für James mit den zärtlichsten Erinnerungen verbunden ist, dem ersten besten jungen Mädchen auf der Straße zum Ge- ftenk machen. Es findet sich auch gleich eins, noch dozu sieht es Constanze verblüffend ähnlich, und deren Kleider passen ihr wie angegossen. Leider stimmt die junge Dame, die nun James' verwaistes hius betritt, aus einer ganz anderen sozialen E^häre; sie ist eine kleine Verkäuferin, sehr naiv Md ziemlich ordinär, dazu im festen Verhältnis sichend mit einem jungen Mann ihres Lebenskreises, der als Mittelstürmer in einem Fußballklub hohes sportliches Ansehen genießt.
Der Lord, zuerst leicht indigniert, ist bald betroffen von der äußeren Aehnlichkeit dieser Tilly mit der entlaufenen Constanze; er verliebt sich in bas Mädchen, macht sie zu seiner Hausdame, will sie am Ende, überraschend schnell getröstet, heiraten. D«s führt zu Schwierigkeiten verschiedener Art: die noble Geste des Lords, anfänglich fern von allen Nebengedanken, wird schnöden Verdächtigungen aus- oeetzt; auch verliebt sich Tilly ihrerseits in den zu Vtsuch weilenden jungen Neffen des Lords, und richt genug damit, erscheint der Mittelstürmer und macht mit massiven Ausdrücken und Gebärden ältere Rechte an Tilly geltend. Die wandelt sich im Laufe der Zeit zu einer tadellosen jungen Dame, lefint aber schließlich den Heiratsantrag des Lords ebenso ab wie die Verbindung mit dem Sportsmann unt) folgt James' Neffen auf dessen neuen Diplo- Mtenposten nach Lissabon. Dem abermals ver- lafenen James aber widerfährt das unvermutete Glück daß Constanze, enttäuscht und ernüchtert, von ihrem vorschnellen Ausflug ins Abenteuer heim- tftrt- und James nimmt sie, aufs neue von ihr entzückt, wieder bei sich auf, und alles endet, wie er begonnen hatte. *
Man sieht: ein Stück mit den unwahrscheinlichsten Voraussetzungen, nur gemacht, um das Film-Motto „Einmal eine große Dame sein" an einer lustspiel- tajten Doppelrolle zu entwickeln. Auf dieser Doppel
rolle — Constanze und Tilly — beruht der Reiz und der Erfolg des Spiels. Inge Birk mann hat hier eine große und ungewöhnliche Chance schauspielerischer Entfaltung und Verwandlung: sie ist Constanze, blond, elegant und nervös, gleich darauf Tilly, brünett, naiv und ahnungslos, ein Kind aus dem Volke, mit drolligem Waterkanten- Dialekt (vermutlich eine Erinnerung an die Bremer Zeit), mit natürlichem Humor und Sinn für die groteske Situation. Sie begreift die Möglichkeiten dieser Pygmalion-Rolle, des weiblichen Spiels der Eitelkeit, der Wandlung und Entwicklung: sowohl durch die schönen neuen Kleider als auch durch die verfeinernde, sprachlich und gesellschaftlich kultivierende Wirkung der ungewohnten Umgebung. Sie macht es reizend, und sie trägt den ganzen Erfolg des gewagten Experiments, so daß man szenenweise die selbst für Lustspiel-Verhältnisse kaum glaubhaften Voraussetzungen vergißt.
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Neben ihr hatten es alle andern ungleich schwerer; Herr Geißler z. B., der den Lord als einen gepflegten und untadeligen Gentleman gab und die der Rolle mangelnden Gemütswerte durch eine wahrhaft großzügig-diplomatische Haltung zu überspielen bemüht war. Emmy G ü n g e r i ch gab die Lady Glenhurst als eine jener leicht frivolen Damen, die uns im englischen Lustspiel des öfteren begegnen. Herr Schorn, nach langer Krankheit zum ersten Male wieder auf der Bühne und freundlich willkommen geheißen, gab den jungen Sportsmann halb ruppig, halb mit biederer Vertraulichkeit. Herr Frickhoeffer als unbekümmerter Neffe Robert und Herr Volck als Diener John, schwankend zwischen kühler Würde und familiärer Besorgtheit um das Wohl des Hauses, rundeten das kleine Ensemble ab.
Intendant Schultze-Griesheim führte selbst Regie; ihn hatten offenbar das Spiel mit der Doppelrolle und die Anklänge an die Gestalt der Eliza Doolittle bei Shaw gereizt, die Ungewöhnlichkeit des Einfalles und die innere wie äußere Verwandlung der Hauptfigur des Stückes: so war die Ausführung, ohne psychologisch" Finessen und Bedenklichkeiten, ganz auf den Witz und Ulk sehr grotesker, manchmal verblüffender Situationswirkung und auf die Spannung zwischen äußersten Gegensätzen angelegt. Herr Löffler hatte die durch drei Akte unveränderte, vornehm-gediegene Innendekoration geschaffen.
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Die Neuerscheinung fand eine sehr freundliche Aufnahme. Hans Thyriot.
Das Derby der Schildkröten.
Amerika hat den Vorzug, daß dort das langsamste „Derby" startete, daß je gelaufen wurde. Das Rennen fand in Oklahoma statt, und um den Preis der Schnellgkeit wetteiferten Schildkröten. Die Länge der Rennstrecke ‘betrug 22 Meter, jede Schildkröte trug deutlich auf ihrer Schale aufgezeichnet ihre Nummer, die Gewinnprämie betrug 3000 Dollar. Ein Außenseiter trug den Sieg davon; die Schildkröte war kleiner als ihre Mitstreiter, aber sie entfaltete eine Geschwindigkeit von 160 Metern in der Stunde — für eine Schildkröte eine ganz hübsche Schnelligkeit! Eine andere Art von Schildkrötenrennen fand in St. Louis statt. Hier wurden die Schildkröten in den Mittelpunkt eines Kreises von 7,5 Metern gesetzt. Wer zuerst an die Umfassungsmauer stieß, war Sieger. — In Whipmade gab man vor einigen Jahren ein Schneckenrennen zum Besten. Die Laufstrecke befand sich auf einer 1 bis 2 Meter langen Glasplatte und eine Anzahl römischer Schnecken waren die Wettkämpfer. Die Gewinnerin wurde stark behindert durch ein abgebranntes Streichholz, ferner durch ein Häufchen Zigarettenasche, die zufällig auf die Rennbahn geraten waren. Trotzdem legte sie die Entfernung mit der Schnelligkeit von 40 Zentimetern in der Minute zurück.
j/chtspielhaus: „Die Kronzeugin".
Der Ufa-Film „Die Kronzeugin" stellt einen ähnlichen Typus dar wie „Die gläserne Kugel", „Premiere" und „Truxa": das Gemeinsame liegt wiederum in der Verbindung von Kriminalfall, Liebesgeschichte und Bühnenspiel, das diesmal an das „Mausefallen"-Motiv, das Theater auf dem Theater im „Hamlet" anknüpft. (Wir haben auf die bemerkenswerte Erscheinung solcher Serienbildung in der Filmproduktion kürzlich bereits hinzuweisen Gelegenheit gehabt.) In die Aufklärung des Falles — es handelt sich um das Problem: Selbstmord, Mord oder Totschlag im Affekt an einem Erpresser — ist diesmal auch die Gerichtsverhandlung mit einbezogen; das ist auf der Bühne wie Un Film stets von unmittelbarer Wirkung. Hier ergibt sich die sensationelle Wendung, daß der bedenklich eingekreiste Angeklagte durch die überraschende und höchst ungewöhnliche Aussage einer unbekannten Frau aus dem Zuhörerraum entlastet wird; infolgedessen kommt das Gericht zu einer Freisprechung aus Mangel an Beweisen. Das Geständnis der Unbekannten, das zugleich als eine Liebeserklärung auf- gefaßt werden muß, stellt die Verbindung ooni Kri-
Wachmannfchaften der Infanterie und der Artillerie. Auch für diesen Lauf galten die gleichen Bedingungen und die gleiche 5000-Meter-Strecke. Standortoffizier Major L a n g e, der die Leitung des Standort-Geländelaufes hatte, schickte als erste Mannschaft das Ausbildüngspersonal des E.-Bataillons, der er fürsorgliche Anweisungen mitgab, auf die Laufstrecke. In Abständen starteten die Infanterie und die Arttllerie.
Trotz des anfänglich kühlen Wetters waren die Leistungen dieser Mannschaften ganz gut. Eine sehr gute Zeit erzielte das Ausbildungspersonal des E.- Bataillons, das ohne seinen besten Läufer, Unteroffizier Herrmann, angetreten war, der an einem Soldatensporttag in Siegen teilnimmt.
Anschließend an die Austragung der Läuse begannen die Bewertungen, die erst in der morgigen Ausgabe veröffentlicht werden können.
Führerheimabend der HI. gemeinsam mit der Führerschaft der GG.
In dem HJ.-Heim in Klein-Linden waren am Mittwochabend die Führer des Bannes 116 zu einem Heimabend zufammengekommen, der durch die Teilnahme der Führerschaft der SS. eine besondere Bedeutung erhielt.
Der Abend stand unter dem Leitwort „Bauerntum". Vortrag, Gedichte und Lieder zeigten die Entwicklung des Bauernstandes vom freien germanischen Bauern über den hörigen und rechtlosen des Mittelalters und auch noch der Neuzeit bis zu dem verschuldeten Bauern der Nachkriegszeit. In der Erkenntnis, daß das Bauerntum der Grund und das Fundament des Volkes, die stete Quelle seiner Erneuerung ist, hat der Nationalsozialismus seine Rettung sichergestellt. Nach sehr lehrreichen Ausführungen darüber, daß gerade im Bauerntum alter germanischer und deutscher Volksglaube erhalten ist und daß dieser sich heute zum Teil wieder Bahn bricht, klang der eigentliche Heimatabend mit einem Lied aus.
Der Führer des Bannes 116, Unterbannführer Rohrbach, begrüßte anschließend die Führerschaft der SS. Er hoffe, so sagte er, daß dieser Abend geeignet sei, ihnen ein Bild von der Schulungsarbeit der HI. zu geben. Dann gab er einen Einblick in die Arbeit der HI. und wies auf die Schwierigkeiten hin, mit denen die HI. im Gegensatz zu der SA. oder SS. zu kämpfen hat. Er stellte fest, daß die HI., die sich aus jungen, noch in der Entwicklung befindlichen Menschen zusammensetzt, doch eine in ihrer Art einzigartige Organisation darstellt, da sie sich selbst ihre Führer erzieht und diesen jungen Menschen schon eine Verantwortung auferlegt. Und die meisten hätten, wie der Bannführer betonte, das in sie gesetzte Vertrauen nicht enttäuscht. Er gab dann seiner Freude darüber Ausdruck, daß gerade in Gießen die SS. immer Verständnis für die HI. gezeigt habe, und so hoffe er auch, daß dieser gemeinsame Führerabend nicht der letzte gewesen sei, sondern nur die Grundlage zu neuer, engerer Zusammenarbeit. Als bescheidene Gabe überreichte er der SS. die zu einem Buch gebundenen Schulungshefte, die von der Reichsjugendführung herausgegeben werden und einen Querschnitt durch die weltanschauliche Schulungsarbeit der HI. geben.
SS.-Sturmbannführer Hainbach dankte für die Gabe und betonte, daß er schon immer gemeinsame Schulungstagungen zwischen der SS. und der HI. durchgeführt habe. So müßten auch in Zukunft beide Organisationen Zusammenarbeiten.
Das Sieg-Heil auf den Führer und die nationalsozialistische Bewegung beschloß den Abend. M.
General-Appell ehemaliger Freikorpskämpfer.
Die Kameradschaft der ehern. Freikorpskämpfer Gießen hielt am Mittwoch im „Stuttgarter Hof" einen General-Appell ab, bei dem Kameradschaftsführer Heinz Weißen st ein neben zahlreichen Kameraden aus Wetzlar, Lollar und der näheren Umgebung auch den Kreisoerbandsführer des
minalsall zum zweiten Hauptmotiv- des Films her; die Aufklärung geschieht indessen erst — nach bekannten Mustern — während einer Opernpremiere im vollbesetzten Theater. Die Anteilnahme des Betrachters beruht übrigens nicht allein auf der aus den Vorgängen sich entwickelnden natürlichen Spannung, sondern ebensosehr auch auf den Leistungen des Ensembles. Sibylle Schmitz umgibt die weibliche Hauptrolle mit aller psychologischen Feinheit und der schauspielerischen Ausdrucksfähigkeit und Wandelbarkeit, über die sie — wie man aus vielen früheren Filmen weiß — verfügt; diesmal hat sie sogar ein wenig zu fingen, was ihrem Spiel eine neue Betonung gibt. Petrovich ist der Angeklagte; man hat ihn kürzlich bereits in einer ganz ähnlichen Rolle (mit Magda Schneider zusammen) gesehen. Auch sonst gibt es eine Anzahl guter, darstellerisch interessanter Leistungen: wir nennen den Komiker Rudolf Platte, die junge Sabine P e - t e r s und vor allem Waldau, der als Kriminalrat ein kleines Kabinettstück witziger Charakterisierung liefert. Unter Georg Jacobys Führung wird vortrefflich gespielt. — Im Beiprogramm sieht man einen heiteren Kurzfilm und die neue Wochenschau. Hans Thyriot.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Karl V a n s e l o w , Ordinarius für Forstwirtschaft und Waldbau an der Universität Freiburg, ist in gleicher Diensteigenschaft an die Universität München berufen worden. Professor Vanselow wirkte seit 1934 in Freiburg und war vorher zehn Jahre lang in Gießen tätig.
Professor Dr. Theodor Renzel, Ordinarius für Orientalistik an der Universität Kiel, ist auf Grund des § 4 des Hochschullehrergesetzes vom 21. Januar 1935 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.
Ernannt wurden: Dr. - Jng. habil. H. Weißmann zum Ordinarius für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Charlottenburg; Professor Dr. Friedrich Maurer, der früher in Gießen wirkte, zum Ordinarius für deutsche Philologie an der Universität Erlangen; Professor Dr. Hermann Z e n ck zum Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Göttingen; Professor Dr. Alfred Klose zum Ordinarius für angewandte Mathematik an der Universität Berlin.
Von den amtlichen Verpflichtungen entbunden wurde Professor Dr. Ernst Fi echter, Ordinarius für Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart.


