Em Abend mit ausländischen Studierenden und Ausländsdeutschen.
Die Akademische Auslandstelle unserer Universität und das Außenamt der Gießener Studentenführung hatten die ausländischen Studierenden und die hier studierenden Ausländsdeutschen am Mittwochabend zu einem gemütlichen Beisammensein in das Studentenhaus eingeladen. Fast alle Ausländer waren der Einladung gefolgt und erlebten mit ihren deutschen Kameraden einen fröhlichen Abend.
Studentenführer pg. Frank
begrüßte die Erschienenen, besonders den Rektor der Ludwigsuniversität, den Prorektor, den Vertreter des Kreisleiters, Ortsgruppenleiter Pg. Holländer, den Leiter der Akademischen Auslandstelle und den Betreuer der auslandsdeutschen Studenten. Ganz besonders hieß der Stüdentenführer die ausländischen und auslandsdeutschen Kameraden willkommen, denen der Abend gewidmet sei. Die Gießener Studentenschaft lege schon von jeher sehr großen Wert auf ein kameradschaftliches und freundschaftliches Verhältnis und Zusammenleben mit den Ausländern und Ausländsdeutschen an der hiesigen Universität. Den Kameraden aus dem Ausland wolle man während ihres Aufenthalts das nationalsozialistische Deutschland so gut wie möglich an Ort und Stelle zeigen. Dazu sollen demnächst einige Fahrten in die Umgebung und einige Besichtigungen beitragen. Eine Hauptaufgabe der Ausländer sei, sich in dem Deutschland Adolf Hitlers umzusehen; in Deutsch, land gibt es nichts zu verheimlichen, und alle Möglichkeiten, mit eigenen Augen das neue Deutschland kennenzulernen, stünden den Ausländern offen. Sie würden bald merken, daß der Geist der nationalsozialistischen Bewegung groß und start und daß er wirklich eine Weltanschauung im besten Sinne des Wortes sei, denn nicht nur um die letzte Durchdringung im deutschen Menschen werde gekämpft, sondern auch um Verständnis bei den anderen. Hier müßten gerade die Kameraden und Kameradinnen vom Ausland in ihrem Heimatland aufklärend wirken und ihren Volksgenossen erzählen, wie es in Wirklichkeit im neuen Deutschland aussehe. Die ausländische Presse werde zum Teil bewußt oder unbewußt dieser Forderung nicht gerecht. Die Wissenschaft in Deutschland habe seit dem 30. Januar 1933 einen ungeheuren Aufschwung genommen. Beweis hierfür seien die gewaltigen Leistungen unserer Tech- nik im Rahmen des Vierjahresplans. In absehbarer Zeit würden die Leistungen des deutschen Volkes bei dem ungeheuren Fleiß und der Aufopferung unseres Volkes für sich selbst sprechen. Die ausländischen Studierenden, die früher oder später in ihrer Ration führende Stellen einnähmen, könnten viel dazu beitragen, daß der Wahrheit zum Siege und damit dem nachbarlichen Frieden der Völker zur Förderung verhalfen wird. Dieser Abend im kleinen Kreise möge die Früchte eines guten Einvernehmens zeitigen und allen die glückliche Empfindung einer echten und wahrhaften Annäherung geben. In diesem Sinne wurde auf das Wähl der ausländischen Gäste angestoßen.
Oer Rektor Professor Or. Baader
hieß die Gäste aus dem Ausland herzlich willkommen. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Ausländer gerade Gießen als Hochschulort gewählt hätten. Die ausländischen Studierenden seien Vorposten ihrer Ration, die sich umsähen, wie das Dritte Reich in Deutschland aussehe. Man wolle keine wirtschaftliche und keine geistige Autarkie in Deutschland. Die persönliche Freiheit werde im neuen Deutschland nicht unterdrückt, nur habe man einen anderen Freiheitsbegrifs. Grundsätze des Nationalsozialismus seien Gemeinnutz vor Eigennutz, ferner die Volksgemeinschaft, der einzelne sei nichts, das Volk sei alles. Aus gemeinsamem Blut und Boden sei das deutsche Volk herausgewachsen und geworden. Wir seien stolz auf unser heutiges Deutschland, und den starken Blutstrom unseres Volkes wollten wir reinhalten. Der Nationalsozialismus fei eine harte Religion; er verlange Milde, Güte und Einsatzbereitschaft für den Nächsten. Wo sei im Ausland eine ähnliche Einrichtung, wie bei uns die NSV. oder das Winterhilfswerk? Wir seien stolz auf unseren Sozialismus der Tat! Die anderen Völker würden früher oder später den gleichen Weg gehen. Gastfreundschaft werde in Deutschland schon immer heilig gehalten, der Gast stehe, unter dem Schutz des Gastgebers; so würden die ausländischen Studierenden unter dem Schutz der deutschen Karne- raden stehen. Am Schlüsse seiner Ausführungen wünschte der Rektor den Ausländern einen erfolgreichen Aufenthalt in Deutschland.
Der Leiter der Akademischen Auslandstelle unserer Universität
Professor Or. W. Fischer
sagte besonders der Gießener Studentenschaft für ihre stete Mitarbeit und für ihr großes Verständnis seit Bestehen der Akademischen Auslandstelle seinen Dank. Auch hier komme das gute Einvernehmen zwischen Dozenten und Studenten zum guten Ausdruck. In größeren Universitätsstädten sei ja verständlicherweise die Zähl der ausländischen Studierenden größer als in Gießen, aber an unserer Universität habe sich bei bescheideneren Verhältnissen eine engere Gemeinschaft gebildet, und darin liege der HauKvorteil der Gießener Auslandstelle. Man bilde gleichsam eine Familie um die gemeinsame Mutter, die „alma mater Ludoviciana“. Der Deutsche vertrete im Ausland seine Wissenschaft und werde anerkannt, aber er nehme auch gerne von dem Ausländer etwas an. So fei der Gewinn eines gegenseitigen Besuchs immer außerordentlich groß. Hoffentlich würden die ausländischen Studierenden befrieoigt von der deutschen Wissenschaft in ihr Heimatland zurückkehren. Sein Gruß galt der Gießener Universität.
In angeregter Unterhaltung verbrachten die Ausländer mit ihren Gießener Kameraden den harmonisch verlaufenen Abend.
Reichskriegerbundes, Oberoeterinärrat Dr. Mon - narb, und den Kreisgeschäftsführer ©lebe begrüßen konnte. Er besprach zunächst eine Anzahl organisatorischer Fragen. U. a. wies er darauf hin, daß die Urkunden „Einsatz für Deutschland" einer Anzahl Kameraden bereits ausgehändigt werden konnten und weitere in Bearbeitung sind. Durch Beschluß des Kreisverbandsführers des Kyffhäuser- bundes ist der 3. März 1935 als der Gründungstag der Gießener Ortsgruppe, die die Stammkameradschaft für alle oberhessischen Freikorpskämpfer dar- stellt, anerkannt. Es soll nun durch eifrige Werbearbeit erreicht werden, alle ehern. Freikorpskämpfer zu erfassen, um sie für die großen Aufgaben, die dem Reichskriegerbund gestellt sind, vorzubereiten. Neben der sportlichen Ertüchtigung und dem Schießwesen hat die Freikorpskämpfer-Kameradschaft in erster Linie den tatbereiten Geist der Kameradschaft, dem die Freikorps ihr Entstehen verdankten, auch fernerhin zu pflegen für den Aufbau des Vaterlandes, für das so viele ihr Leben auch nach Beendigung des Weltkrieges hingegeben haben. In der Anerkennung ihrer Sonderformation durch den Führer und Reichskanzler sehen die Freikorpskämpfer eine besondere Auszeichnung, deren sie sich würdig erweisen wollen. Sie tragen zum Kyffhäuser- abzeichen das Abzeichen der Freikorpskämpfer, den Totenkopf, und tragen neben der Kyffhäuserfahne ihre alte schwarze Fahne mit dem Totenkopf. Beide Fahnen werden ihnen demnächst durch den Kreisverbandsführer überreicht werden. Kam. Gond- ner wurde zum Kyffhäufer-Ehrenzeichen eingerei- reicht. Kamerad Müller wurde als Sozialreferent bestimmt. Die Kameradschaft führt neben dem Opferschießen in Zukunft ihre Schießübungen unter der Leitung des Schießreferenten Kamerad Gond - ner durch und beteiligt sich am Wettschießen. Mit Bedauern nahmen die Kameraden davon Kenntnis, daß Kameradschaftsführer Heinz Weißen st ein, der sich um die Neuorganisation große Verdienste erworben hat, zur Zollbehörde nach Hamburg versetzt ist.
Kreisverbandsführer Dr. M o n n a r b zeichnete die Kameradschaft dadurch aus, daß er aus ihren Reihen im Kameraden Schneider feinen Adjutanten berufen hat, nachdem dieses Amt längere Zeit unbesetzt war. In einer Uebersicht gab er ein Bild von der noch nicht abgeschlossenen Entwickelung des Reichskriegerbundes „Kyffhöuser", der zu großen Aufgaben in der Führung und Betreuung aller alten Soldaten, die noch nicht in irgendeiner Organisation erfaßt sind, bestimmt wurde. Neben der sportlichen Ertüchtigung, für die ihm die Möglichkeit der Erwerbung und jährlichen Erneuerung des SA.-Sportabzeichens gegeben wurde, find ihm weitere technische Maßnahmen aufgetragen worden, die es notwendig machen, daß jeder alte Soldat durch den Reichskriegerbund erfaßt wird. Das bisherige Vereinswesen ist endgültig zu Grabe getragen. Nun heißt es in Disziplin und Gehorsam hinter der Fahne und hinter dem Führer marschieren für ein neues Deutschland. Der Kreisverbandsführer begrüßte den forschen und kameradschaftlichen Geist der alten Freikorpskämpfer. Er ordnete an, daß dort, wie z. B. in Wetzlar und Lollar und an den anderen Orten, wo die Zahl der Kameraden noch gering ist, diese für die Ausbildung den örtlichen Kyffhäuserkameradschaften angeschlossen werden, aber in der Stammkameradschaft der Frei- korpskämpfer in Gießen zusammenbleiben. Der Kreisverbandsführer Kam. M o n n a r d dankte dem checkenden Kameradschaftsführer Heinz Weißen» t e i n für feine mühevolle Arbeit und sprach ihm eine Anerkennung aus. Als Nachfolger von Wei- jenftein ist Kamerad Beuke vorgesehen.
Nachdem Kreisgeschäftsführer ©lebe noch einige organisatorische und gejchäftliche Fragen geklärt und der Schriftführer Kamerad K. Weber die Mitgliedsbücher ausgehändigt hatte, überreichte der Kreisverbandsführer dem scheidenden Kameradschaftsführer Weißen st ein persönlich das Mitgliedsbuch und verpflichtete ihn zu weiterer Arbeit für den Reichskriegerbund in seinem neuen Standort. Kam. Weißen st ein dankte dem Kreisverbandsführer für dessen tatkräftige Unterstützung, hob das Entgegenkommen des Reichsstatthalters und der Parteidienststellen gegenüber der Freikorps- Kameradschaft hervor und dankte auch allen seinen Mitarbeitern und Kameraden für die ihm gewährte Unterstützung.
Neichsniütterdienst im Deutschen Frauenwerk.
Eine fröhliche Abschlußfeier beendete den Doppelkurs in der Säuglingspflege, den Schwester Elisa-
Skandal
um Dr.Vandergruen
Roman von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.
34 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Frau Bürklein hat einen sehr traurigen Film ge» sehen und ist darum in einer gerührten und versöhnlichen Stimmung.
„Was ist denn bloß schon wieder geschehen, Fräulein Amelung? Wo haben Sie denn Ihren Hut, Ihren Koffer? Und welch komisches Kleid Sie tragen? Das haben Sie sich wohl erst gekauft?"
„Es gehört mir nicht!" gähnt Gisch. „Oh, schlafen! Ich werde Ihnen morgen alles erzählen."
„Na, denn man tau! Aber den Willy Fritsch sollten Sie gesehen haben! Wunderbar!"
Nein, Gisch ist heute nicht mehr in der Lage, sich für Willy Fritsch oder einen anderen Filmhelden zu begeistern, nicht einmal für Hans Albers.
Die zwei sind bereits die halbe Treppe hochgeftie- gen, da wird heftig an die Haustür gepocht. Gisch fährt erschreckt zusammen.
Es ist ein Eilbote. „Verzeihung, können Sie mir vielleicht sagen, wo hier ein Fräulein Karoline Amelung wohnt?"
„Das bin ich selbst!" sagt Gisch bestürzt.
„Ich habe hier einen eingeschriebenen Eilbrief für Sie!"
„Für mich?"
Der Bote kramt einen dicken Brief aus der Tasche. Vom Notariat in Eisenach!" erläutert er und gibt Gisch sein Buch zum Unterschreiben.
Frau Bürklein bibbert vor Neugierde. „Was mag das bloß sein? Vielleicht eine Erbschaft?"
Gisch hat schon den Umschlag aufgerissen und entfaltet die eingeschlagenen Bogen.
Frau Bürklein sieht, wie sie sich verfärbt. „Mein Gott, was ist es denn? Etwas Unangenehmes?"
„Meine Tante — ist gestorben."
„Oh, das tut mir ja leid, wirklich, Fräulein Amelung!"
bech Müller durchführte. Da auch die Seminaristinnen der Alicefchule, die ebenfalls in der Pflege des Neugebornen vom Reichsmütterdienst unterrichtet wurden, sich einaefunden hatten, war es ein großer Kreis junger Frauen und Mädchen, die sich um die reich mit Blumen geschmückten Tische scharten.
Die Gausachbearbeiterin des Reichsmütterdienstes Fräulein G u st i n e aus Frankfurt und die Kreisfrauenschaftsleiterin Frau W r e d e waren der Einladung gefolgt. Schwester Elisabeth Müller eröffnete den Abend mit einer kurzen Begrüßung. Sie sprach ihre Freude aus über die gute Zusammenarbeit und kündigte an, daß die Teilnehmerinnen aller Kurse hin und wieder sich vereinigen werden, um die gute Kameradschaft aufzufrischen.
Ein Musikstück von Mozart, das Frau N e 11 e l - deck (Violine) und Frl. H o o s (Klavier) meisterhaft zu Gehör brachten, schuf die rechte Stimmung für die Ansprache von Fräulein G u st i n e. Die Rednerin gab einen Ueberblick aus der Vorkriegszeit bis zur Gegenwart und betonte die Notwendigkeit zur Erziehung der Frau und Mutter für ihren schönsten Beruf. Sie schilderte die Schulungsaufgabe der verschiedenen Lehrgänge, die alle Frauen erfassen wallen, um sie zu befähigen für die kul-
„Und — um Gottes willen, das ist ja — denken Sie bloß, Frau Bürklein!"
„Was denn, was denn? Nu reden Sie schon!"
„Ich habe wirklich eine Erbschaft gemacht. Ein Ferienheim im Thüringer Wald!^
„Oh, Fräulein Amelung! Ist es die Möglichkeit?" „Ja, ja, hier, lesen Sie doch! Ach, Tante Liesa!" Frau Bürklein lieft.
Plötzlich stößt Gisch einen unterdrückten Schrei aus. Sie hat nochmals in den Umschlag geguckt, und da stecken zwei Hundertmarkscheine drin.
Frau Bürklein schnalzt mit der Zunge. „So ein Glück!"
„Steht denn da nichts wegen dem Geld?"
„Ja natürlich! Hier! In der Anlage überreichen wir Ihnen RM. 250.— in der Annahme, daß Sie zur Teilnahme an der Beerdigung der Verblichenen einige Barmittel benötigen. Die Beerdigung findet statt in Hohenheim, am Donnerstag, 17. August, nachmittags 2.30 Uhr."
Endlich finden die beiden Zeit, die Unterredung vom Treppenflur in Gischs Zimmer zu verlegen.
Gisch ist vor Aufregung ganz konfus. „Donnerstag — das ist übermorgen. Da muß ich ja morgen bereits abreifen! Ach Gott, ich kann es noch gar nicht fassen, Frau Bürklein!"
Sie greift nach dem leeren Wasserkrug, aber Frau Bürklein kommt ihr zuvor. „Geben Sie nur, wollen Sie das Wasser heiß? Ich werde Ihnen schnell welches zusetzen."
Gisch läßt sich in einen Stuhl sinken. Es ist ihr ganz wirr im Kopf. Erst allmählich werden ihr die bedeutsamen Umwälzungen bewußt, die dieser Brief im Gefolge hat, denn sie ist selbstverständlich entschlossen, das Erholungsheim selbst zu leiten. Sie fühlt sich nicht zu jung dazu.
Sie muß also ihren Arbeitsplatz in Friedenau kündigen.
Sie muß von Berlin wegziehen.
Morgen schon!
Ja, je eher, desto besser! Wie dankbar ist sie für die schweren Pflichten, für die Last der Verantwortung, die auf sie wartet!
Das wird ihr helfen, den Schimpf zu vergessen, den man ihr angetan hat. Das wird die blutende Wunde zur Heilung bringen, die ihrem Herzen geschlagen ward.
turelle und volkswirtschaftliche Arbeit, die von der Frau geleistet werden muß. Besonders wichtig für jede Frau sind die bevölkerungspolitischen Fragen, die klar erkannt und verantwortungsbewußt gelöst werden müssen. Die Vortragende erwähnte dabei die Maßnahmen des Führers, die Gesetze zur Ausartung des deutschen Volkes und zur Förderung der gesunden kinderreichen Familie. Alle Teilnehmerinnen folgten mit reger Aufmerksamkeit und dankten durch reichen Beifall.
Im zweiten Teil des Abends kam jugendlicher Frohsinn und Humor zu Wort. Schattenspiel und Volkstänze brachten Abwechselung, und gemeinsame Lieder beschlossen den festlichen Abend. F. K.
Hrauenschast Gießen-Mitte.
Die Abteilung Grenzland-Ausland im Deutschen Frauenwerk hatte die festliche Ausgestaltung des Pflichtabends der Frauenschaft übernommen. Frl. Dr. Block sprach über „Der Deutsche in Südamerika". Die Rednerin gab einen fesselnden Einblick in das Leben und Wirken der dort auf Vorposten stehenden Kolonisten. Gute Lichtbilder verstärkten den Eindruck, den die Ausführungen auf alle Zuhörer machten. Gedichte und Chorgesang schmückten den Abend aus.
©ute, liebe Tante Liesa! Soviel Vertrauen hast du zu mir, daß du mir dein Lebenswerk übergibst! Wie danke ich dir dafür, gerade in diesem Augenblick, da das Mißtrauen eines anderen mich fast vernichtet hätte!
Wieder und wieder liest Gisch Amelung den Brief des Notars, und als sie dann auf Frau Bürk- leins Mahnungen sich endlich zu Bett gelegt hat („es wird so viel zu tun geben morgen!"), da gelobt sie der Toten, ihre ganze junge Kraft dem neuen Werk zu widmen, nur noch für dieses Werk zu leben.
Von einem ordentlichen, geruhsamen Schlaf kann in dieser Nacht keine Rede sein.
Gleichwohl ist Gisch am Morgen frisch und munter, strotzend von Kraft wie noch nie.
Frau Bürklein bringt mit dem Frühstück einen Zettel herein. „Ich habe das Blatt im Briefkasten gefunden."
Als Gisch gelesen hak, will es ihr für einen Augenblick das Herz abdrücken. Er hat also sein schweres Unrecht eingesehen und ist selber gestern abend hergekommen, um es wieder gutzumachen.
Noch einmal tauchen mit süßer Lockung die Bilder auf, von denen sie gestern an seinem Schreibtisch träumte.
Liebe! Siebe! /
Oh, sie wäre seligen Herzens zu ihm zurückgekehrt, aber unterdessen kam der Ruf zur Arbeit, unterdessen wurde ihr eine Aufgabe gegeben, von der sie weiß, daß Beglückung und Erfüllung der Lohn sein wird.
Aus der erlittenen Schmach ist ihr ein großer Stolz emporgewachsen. An ihm hält sie sich fest, zuckenden Herzens zwar, denn es ist nicht leicht, auf das zu verzichten, was die heimlichen Träume ersehnten. Aber es ist doch eine Art von Freude, weil sie es fertigbringt, stark zu bleiben.
Außerdem hat sie nicht viel Zeit, ihren Gedanken nachzuhängen. Es ist viel zu tun, es find taufend Dinge zu erledigen.
Mary muß auch verständigt werden. Man muß sich noch treffen vor der Abreise. Mary wird Augen machen.
Alle Welt wird Augen machen.
Auch dort, im „Berghof", werden sie Augen machen. 3uerft werden sie lachen. „Wie, das kleine Mädchen da? So was will die Leitung übernehmen?"
Zweihundert Jahre Tapeten.
In Verbindung mit der Firma Hch. H ochst ä 11 e r, die am vorgestrigen 5. Mai auf ihr hundertjähriges Bestehen zurückblicken konnte, veranstaltet das Deutsche Tapeten-Museum in den Räumen des Geschäftshauses Hochstätter in der Plockstraße eine Ausstellung von Tapeten aus der Erzeugung der letzten zwei Jahrhunderte. Die interessante Schau wurde am vorgestrigen Jubiläums- tage der Firma Hochstätter in Gegenwart eines kleinen Kreises geladener Personen eröffnet. Der Leiter des Deutschen Tapeten-Museums, Direktor A p e l l, gab dabei in einem Vorträge seinen Hörern einen anschaulichen Ueberblick über das Werden der Tapete im Verlaufe der beiden letzten Jahrhunderte. Das in Kassel seit 15 Jahren eingerichtete Deutsche Tapeten-Museum ist zur Sammelstelle aller dieser kulturell wichtigen Stücke geworden und heute bereits im Besitz einer reichen Sammlung. Der Ausschnitt, der in der Gießener Schau im Hause Hochstätter gezeigt wird, umfaßt zahlreiche interessante Stücke in drei Gruppen; die erste Gruppe zeigt die gedruckte Tapete in Rollen, die zweite Gruppe enthält die gedruckte Tapete in Bahnen, die dritte Gruppe umfaßt die besten Erzeugnisse der französischen Tapetenkunst; alle Beiträge zeigen Stücke des Besten und Schönsten, das auf dem Gebiet der Tapete geschaffen wurde. Direktor A p e l l zeigte seinen Hörern zunächst die Bilder der Männer, die auf dem Gebiete der Tapetenkunst und -enttvicklung im Laufe der beiden letzten Jahrhunderte führende Stellungen einnahmen und in ihrem Fachgebiet wertvolle kulturelle und wirtschaftliche Arbeit leisteten. Er machte sodann mit den verschiedensten Tapetenarten bekannt, die in vielfältiger Weise ein Spiegelbild der Zeitgeschichte darstellen und allerlei Geschmacksrichtungen für die Ausstattung des fieims mit der Tapete offenbaren. Man lernte dabei auch die Herstellungsarten der verschiedenen Tapeten in ihren Grundformen kennen, wobei der Weg der Entwicklung vom Handdruckoerfahren bis zur Einschaltung der Maschine an vielfältigen Proben sichtbar wurde. U. a. lernte man auch Samttapeten kennen, ebenso Tapeten unter Verwendung von Wolle und Seide. Tapeten mit mancherlei Schmuckformen, bis hin zu Tapeten in Gestalt großer Bilder, die in Gartenpavillons und ähnlichen Häusern als Wandschmuck Verwendung finden, fesselten die Besucher in hohem Maße, denn alle diese Stücke sind in der Tat jo reizvoll, daß der Besucher ihnen mit Recht seine volle Aufmerksamkeit widmet. Es war eine fesselnde Stunde der kulturellen Umschau auf dem Gebiete der Tapete, die den Besuchern unter der Führung von Direktor A p e 11 bei der Eröffnung dieser Schau geboten wurde.
Vor Beginn des Rundgangs hieß Herr Heinrich Hochstätter als Inhaber der Firma die Besucher als Jubiläumsgäste herzlich willkommen, gleichzeitig dankte er seinen Gefolgschaftsangehörigen für ihre treue Mitarbeit. Die Gefolgschaft ließ durch einen Sprecher dem Firmeninhaber und seinem Hause Dank und herzliche Glückwünsche aussprechen und als Zeichen der dankbaren Verbundenheit eine Plakette überreichen.
SPD. Neuer Fernsprechanschluß der hessischen Landesregierung. Bekanntlich wird zum Herbst auch Darmstadt ein Selbstwähleramt erhalten. Infolge der im Gange befindlichen Vorarbeiten tritt mit sofortiger Wirkung an Stelle der bisherigen Sammelrufnummer 5001 (Ortsverkehr) und 5040 (Fernverkehr) die Sammelrufnummer 7 711 für den Orts- und Fernverkehr der an die staatliche Selbstwähler-Fernsprechanlage in Darmstadt angeschlvsjenen Dienststellen.
** 25 Jahre im Dienste der Stadt. Am heutigen Tage können der Verwaltungsinspektor Karl Pfeil und der bei dem Städtischen Elektrizitätswerk beschäftigte Monteur Otto Volk- m a n n auf eine ununterbrochene 25jährige Dienstzeit bei der Stadt Gießen zurückblicken. In einem Glückwunschschreiben hat der Herr Oberbürgermeister den Jubilaren seine Glückwünsche und seinen Dank ausgesprochen.
** Di e Brennstoff - Kleinverkaufspreise für Gießen ab Mai werden von der Vereinigung der Gießener Kohlenhändler heute zur Kenntnis der Bevölkerung gebracht.
Kirchliche Nachrichten.
Katholische Gemeinden.
Freitag, den 7. Mai.
Gießen. 6 Uhr: Segens amt; 20: Mai and acht. — Cid). 6.15: Segensandacht.
Aber sie wird es den Leuten dort schon zeigen. Jetzt schon fühlt sie, wie ihre Kräfte mit den Aufgaben wachsen.
Gisch Amelung kommt ein gutes Stück zu spät in die Fabrik. Sie hat schon mit dem Packen begonnen und hat auf dem Bahnhof mit dem Aufsuchen der Zugverbindung etwas Zeit vertan.
„Du sollst gleich zum Ehef kommen!" melden ihr die Kameradinnen mit verlegener Miene. Sie wissen bereits, daß es einen Krach geben wird.
„Schon!" lacht Gisch. „Ich wollte sowieso gerade zu ihm. Ach, Kinder, wenn ihr wüßtet!"
Herr Lührs, der Abteilungschef, zieht bei Fräulein Amelungs Erscheinen die Stirn in finstere Falten und nimmt die Brille ab. „Fräulein Amelung, ich muß zu meinem Mißfallen--"
„Oh, Herr Lührs", unterbricht ihn Gisch mit ihrem strahlendsten Lächeln, „es ist nicht nötig. Ich muß Sie nämlich um meine sofortige Entlassung bitten!"
Herr Lührs setzte die Brille wieder auf. „Ah, verstehe! Meinen Glückwunsch! Darf man hören, wann die Hochzeit ist?"
„Aber ich heirate doch gar nicht!"
Herr Lüyrs nimmt vor Ueberraschung die Brille wieder ab. „Sie — heiraten nickt? Aus welchem Grunde wollen Sie dann mit der Arbeit aufhören?"
„Ich mache mich selbständig, Herr Lührs, Ich übernehme die Leitung eines Ferienheimes!"
„Wie? Was? Dazu gehört doch Geld!"
„Haben wir, Herr Lührs!"
Herr Lührs enthält sich weiterer Fragen. Er bewaffnet sich wieder mit der Brille. „Schön, man wird Ihnen die Papiere für heute abend fertig machen."
„Ich brauche sie sofort. Heute mittag verreise ich"
„Toll! Nun gut! Melden Sie sich in einer halben Stunde an der Kasse."
„Danke! Dann also — leben Sie wohl, Herr Lührs! Vielleicht verbringen Sie mal Ihren Urlaub in meinem Heim! Wunderbare Lage im Wald! Warmes Wasser! Erstklassige Küche, reelle Bedienung, billige Preise!" Sie holt ihre Ansichtskarte mit Abendrot hervor und legt sie vor dem Chef auf den Schreibtisch.
(Fortsetzung folgt k)


