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187. Jahrgang
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Luftschiff „Hindenburg" durch eine Explosion zerstört.
3n Lakehurst brennend abgestürzi.—Von 96 Fahrtieilnehmern bisher 64 gereiiei.
Sin schwarzer Tag für die deutsche Luftfahrt.
Der Himmelfahrtstag 1937 wird in den Annalen der deutschen * Luftschiffahrt immer als ein Tag des Unheils und der Trauer verzeichnet werden. Ein nationales Unglück von schrecklichen Ausmaßen hat die deutsche Zeppelin-Reederei und zugleich das ganze deutsche Volk betroffen. Am Abend des 6. Mai ist das Luftschiff „Hindenburg", als es, wie schon oft, den Atlantik ohne jede Störung und ohne Zwischenfall mit gewohnter Sicherheit und Pünktlichkeit überquert hatte, und eben im' Begriff stand, im amerikanischen Luftschiffhafen von Lakehurst zu landen, durch eine Explosion, deren Ursache noch ungeklärt ist, in Brand geraten und abgestürzt. Innerhalb weniger Minuten war von Deutschlands größtem und neuestem Luftschiff, das den ehrwürdigen Namen des greifen Feldmarschalls und Reichspräsidenten in die Welt zu tragen bestimmt war, nur noch ein grauenhafter Trümmerhaufen übrig. Das deutsche Volk — und mit uns die ganze Welt — steht fassungslos und aufs Tiefste erschüttert einer Katastrophe gegenüber, der eine Anzahl blühender und hoffnungsvoller Menschenleben zum Opfer gefallen ist.
Die deutsche Luftschiffahrt, die bisher so unver- aleichliche und einzigartige Erfolge in der Erschließung des Luftraumes über dem Süd- und Nordatlantik erzielt hatte, ist von einem Unglück nicht verschont geblieben, das die Luftschisfährt der anderen Länder in den letzten Jahrzehnten verschiedentlich betroffen hat. Jahrelang ist Die Verbindung nckch Südamerika ohne die geringsten Unfälle durchgeführt worden. Das Luftschiff „Hindenburg", das im März vergangenen Jahres zusammen mit dem „Grafen Zeppelin" aus Anlaß des Wahlkampfes über alle Gaue Deutschlands flog, hat danach mit pünktlicher Zuverlässigkeit zehnmal den Ozean überquert und so zum erstenmal den Luftraum über dem Nordatlantik einem regelmäßigen Pasiagierver- kebr erschlossen. Auch nach dieser Katastrophe wird der Wagemut deutscher Luftschiffpioniere nicht nachlassen. Genau wie nach dem Unglück von Echterdingen vor dem Kriege das ganze deutsche Volk sich hinter das Werk des Grafen Zeppelin stellte, so wird auch heute der Blick der Nation über die Unglücksstätte hinweg in die Zukunft gehen. Nur starke, in sich geschlossene, junge Völker können auch aus schweren Schicksalsschlägen die Kraft schöpfen, aufs neue zu beginnen und unbeirrt auf dem gleichen Wege weiterzuschreiten. Schon geht in den Werkshallen in Friedrichshafen ein neues Luftschiff seiner Vollendung entgegen, und schon ist die Zeit nicht mehr fern, wo es, wie „Hindenburg", die deutsche Flagge von Kontinent zu Kontinent über die Ozeane tragen wird.
Die Katastrophe.
Reuyork, 7. Mal. (DRB.) Nach Meldungen aus Lakehurst ist das Luftschiff „Hindenburg", al? es am Donnerstagabend im Begriff stand, bei leichtem Regen zu landen, durch eine Explosion völlig 3 e r ff ö r t worden. Das Luftschiff kreuzte langer als eine Stunde über dem Luftfchiff- hofen, bis sich das Deller etwas aufhellle. Als sich das Luftschiff langsam gegen den Landemasi senkte, erfolgte eine Explosion, und am Heck schlug eine große Flamme heraus. Nach einigen Minuten war das ganze Schiff nur ein verbogenes, gebrochenes Stahltragergewirr. An Bord befanden sich 36 Fahrgaste und 60 Mann Besatzung. G e- rettet wurden bisher 44 Besahungsmikglieder und 20 Passagiere. Das Kommando des Schiffes hakte Kapitän P r u ß. Kapitän Lehmann befand sich an Bord, um das Schiffskommando zu beraten. Die Zahl der Befahungsmitglieder war auf dieser Fahrt zu Ausbildungszwecken besonders stark. Die amerikanische Landungsmannschaft war 43 Mann stark, von ihr ist rote durch ein Wunder niemand z u Schaden gekommen.
Wie der Sonderberichterstatter des DNV. aus Lakehurst meldet, hatte das Luftschiff nach einstündigem Kreuzen vor der Landung aus dem Hinterschiff Wasserballast abgelassen. Es waren auch bereits zwei Halteseile aus dem Vorschiff herabgeworfen worden, als plötzlich, anscheinend an der Steuerbordseite, eine Stichflamme herausschoß. Sie hüllte innerhalb weniger Sekunden den ganzen Schiffsleib in Flammen und das Schiff stürzte aus etwa 20 Meter höhe brennend ab.
Bestürzung und Anteilnahme in ganz Amerika.
Tatkräftige, schnelle Hilfeleistung.
Die Neuyorker Bevölkerung hat die Nachricht vom Absturz des Schiffes mit größter Bestürzung und größter Anteilnahme ausgenommen. Ueberall in den Straßen stehen Gruppen von Menschen, die das furchtbare Unglück erregt erörtern und als unfaßbar bezeichnen. Die Zeitungen kommen laufend mit Sonderausgaben heraus, die den Händlern förmlich aus der Hand gerissen werden. In allen Berichten wird durch
weg auf die staunenswerte Pünktlichkeit und die Sicherheit hingewiesen, mit -der das Luftschiff so- wohl über den Süd- wie über den Nordatlantik feit Jahr und Tag seinen Dienst versah.
Präsident Roosevelt und Staatssekretär Hüll ließen sich laufend über alle Einzelheiten der furchtbaren Katastrophe genauestens unterrichten. Handelsminister R o p e r hat den stellvertretenden Direktor des Handelsluftfahrtbüros, Schröder, unverzüglich von Washington nach Lakehurst entsandt und im übrigen versichert, daß er alles in seinen Kräften Stehende tun werde, um, wo es immer möglich sei, zu helfen. In den Rundfunksendungen tritt das vorgesehene Unterhaltungsprogramm fast restlos hinter den Meldungen über die Katastrophe zurück.
Laut Angaben von Augenzeugen erfolgte das Unglück um 19.20 Uhr Neuyorker Zeit. Die Polizei von Neu Jersey sandte sofort Rundfunk- a l a r m über den ganzen Staat, um Aerzte, Krankenwagen und Krankenschwestern herbeizurufen. Auch die Luftschiffahrtgesellschaft „American Air Lines" sandte von Newark aus ein Flugzeug mit Aerzten und Verbandsmaterial. Die Rettungsarbeiten unterstehen einer Kompanie Soldaten aus Philadelphia, die als Reserve für die Landungsmannschaft bereit stand. Das Unglück hat in Lakehurst und in ganz Amerika große Anteilnahme ausgelöst. Der Handelsminister Roper, der in Washington von dem Unglück benachrichtigt wurde, erklärte: „Ich bin von diesem Unglück furchtbar betroffen."
Präsident Roosevelts Beileid.
Neuy o r k, 7. Mai. (DNB. Funkspruch.) Präsident Roosevelt sandte von seiner Urlaubsreise an den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler folgende Beileidskundgebung:
„Ich habe von dem Unglück des Luftschiffes „Hindenburg" gehört und drücke Ihnen und dem deutschen Volke mein tiefstes Beileid für den tragischen Verlust an Menschenleben aus, der durch dieses unerwartete und unglückselige Ereignis hervorgerufen wurde."
In einer weiteren für die amerikanische Oeffent- lichkeit bestimmten Botschaft erklärt Roosevelt, er sei erschüttert über die Tragödie des „Hindenburg" und drücke den Familien der Fahrgäste, Offiziere und Mannschaften, die ihr Leben verloren haben, sein tiefstes Beileid aus.
Das Beileid des Gauleiters.
Zu dem Unglück des Luftschiffs „Hindenburg" hat der Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger an die Zeppelin-Reederei folgendes Beileidstelegramm gesandt: „Zu dem Unglück, das unser stolzes Luftschiff „Hindenburg" betroffen hat und zu dem Verlust der tapferen Besatzung spreche ich der Deutschen Zeppelin-Reederei mein aufrichtiges Beileid aus.
Vorwärts mit neuer Kraft!
Gez.: Sprenger."
Deutsche Llutersuchungskommission fährt nach Lakehurst.
Berlin,?. Mai. (DNB. Funkspruch.) Zur Untersuchung der Ursache der Katastrophe des LZ „Hindenburg" wird sich eine aus Vertretern der Zeppelin-Baugesellschaft und der Reederei, der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt und des Reichsluftfahrtministeriums bestehende Kommission mit der heute Bremerhaven verlassenden „Europa" nach Neuyork begeben.
Erste Ramensliste von Gerelteten.
Neuyork, 7. Mai. (DNB. Funkspruch.) Unter den Geretteten befinden sich folgende Fahr- gäste des Luftschiffes „Hindenburg": Stöckle, Hin- kelbein, Witt, Ehepaar Adelt, Heidenstamm, Man- gone, Clemens, Späh, Leuchtenberg, Frau und drei Kinder, Doehner, Frau Kleemann.
Don den Besatzungsmitgliedern wurden gerettet: Lehmann, Pruß, Heinrich Bauer, Ziegler, Wittemann, Samt, Zabel, Herzog, Kurt Bauer, Speck, Dowel, Schweighart, Schönherr, Lenz (Klein-Linden), Kubis, Nealsen, Leiprecht, Deutschle, Beutle, Sauter, Schäuble, Zettel, Dörflern, Steeb, Deeg, Boetius, Stöffler, Werner, Franz, Balla, Henneberg, Dr. Rüdiger, Taver Maier, Nun- nenmacher, Lau, Fischer, Klein, Kollmer.
Die Kapitäne Lehmann und Pruß befinden sich mit schweren Brandwunden im Hospital von Lakewood.
Die paffagierliste des „Hindenburg".
Frankfurt a. M., 7. Mai. (DNB. Funkspruch.) Nach der P a ssa gi e r list e haben sich folgende Personen an Bord des Luftschiffes „Hindenburg" befunden: Leonhard Adelt, Gertrud Adelt, Rudolf Anders, Peter Belin, Birger Brinck, Karl Otto Clemens, Hermann Doehner, Mathilde Doehner, Irene Dochner, Walter Doehner, Werner Doehner, Burtts Dolan, Edward Douglas, Fritz Erdmann,
Otto Ernst, Elfe Emst, Moritz Feibusch, Georg Grant, Rolf von Heidenstan, Klaus Hinkelbein, George Hirschfeld, Frau Kleemann, Erich Knöcher, W. G. Leuchtenberg, Herbert James O'Laughlin, Philipp Mangone, Margrit Mather, Nelson Morris, Clifford Osbun, Jones Pannes, Emma Pan- nes, Otto Reichold, Josef Späh, Emil Stöckle, Hans Vinholt, Hans Hugo Witt.
Mutige Rettungsversuche amerikanischer Truppen.
Neuyork, 7. Mai. (DNB. Funkspruch.) Ein amerikanischer Fahrgast namens Herbert James O'Laughlin aus Chikago fpang noch im letzten Augenblick aus dem Fenster und kam so mit dem Leben davon. Ebenso haben sich zwei Stewards und ein Kajütenjunge durch Sprung aus dem Gondel- fenster retten können. Die Landemannschaft, die jeden Augenblick das Auswerfen der Seile erwartete, stob, als die Stichflamme aus dem Schiffsleib herausschlug und der Mannschaftsführer „Rettet euch!" schrie, entsetzt nach allen Richtungen auseinander. Eine Abteilung Soldaten aus Philadelphia, die als Reservemannschaft für die Landung bereit- stand, machte sich in fieberhafter Eile an die Rettungsarbeiten. Mit bewunderungswürdigem Mut stürzten sich die Soldaten, ehe noch die Flammen gelöscht waren, in den brennenden und rauchenden Trümmerhaufen, um zu retten, was noch zu retten war.
ie das tinglütf geschah.
Ein DNB.-Augenzenge berichtet.
Lakehurst, 7.TfiaL (DRV. Funkspruch.) Der an der Unr icksstätte weilende Berichterstatter des Deutschen Rachrichtenbüros übermittelt folgenden Drahtbericht: Ich roar selbst Augenzeuge der unfaßbaren Katastrophe des LZ „Hindenburg". Ich roar mit einigen deutschen und amerikanischen Freunden im Kraftwagen nach Lakehurst unterwegs, als wir gegen 18 Ahr Reuyorker Zeit bei unfreundlichem und wiederholt von Platzregen begleitetem Wetter den deutschen Luftriefen in gleicher Fahrtrichtung, wie wir sie einhielten, etwa in höhe der Atlantischen Küste fahren sahen.
LZ „Hindenburg" entschwand dann aber unseren Blicken, um erst wieder am Horizont auszutauchen, als unser Kraftwagen in Lakehurst eintraf. Rach etwa dreiviertelftündigem Regen — es war dabei sehr schwül — erschien das Luftschiff aus südöstlicher Richtung kommend und traf gegen 19.15 Ahr Anstalten zur Landung. Trotz immer noch schwer verhängtem Himmel schien plötzlich Windstille eingetrelen zu sein. Zweimal lieh LZ „Hindenburg" Wajjerballast ab, und dann fielen aus der
Vorderspihe nacheinander zwei Landungslaue zur Erde.
Alles nahm einen ordnungsmäßigen Verlauf, und man hatte den Eindruck eines geradezu vorbildlich ausgeführlen Landungsmanövers. Um 19.23 Ahr aber schoß plötzlich aus vielleicht mittlerer höhe des Hinterschiffes eine Stichflamme heraus. Dann folgte ein dumpfer Knall. In Bruchteilen einer Sekunde roar das Hinterschiff in ein einziges Flammenmeer verwandelt, und die Feuergarben erfaßten sofort auch das ganze Schiff, das langsam zu Boden sank und ausbrannte. — Ich selbst befand mich etwa 150 Meter vom Ankermast entfernt. Die Flughöhe des Luftschiffes, das mit abgedrosielten Motoren fuhr, dürfte im Augenblick der Katastrophe 50 bis 75 Meter betragen haben.
„Graf Zeppelin" in der Rähe der kanarischen Inseln.
Das von Südamerika heimkehrende Luftschiff „Graf Zeppelin" stand am Freitag um 8 Uhr in der Nähe der kanarischen Inseln.
Vom Gchulailas zum Globus!
V.A. Die Nürnberger Proklamation des Führers mit ihrer überzeugenden Darlegung der Zusammenhänge zwischen deutschem Raum und deutscher Wirtschaft, zwischen den Lebensmöglichkeiten der Nation und den Verdienstmöglichkeiten des einzelnen hat der deutschen Oefsentlichkeit den Blick geöffnet für die Stellung Deutschlands in der Welt. Es ist ja eine bekannte Tatsache, daß der Deutsche im Gegensatz beispielsweise zum Engländer, der durch eine mehrhundertjährige Geschichte gewöhnt ist, „rund um die Erde zu denken", nur selten in diesen Weltmaßstäben zu rechnen versteht. Wir sehen die Welt noch zu sehr im Maßstab des Schulatlas, statt im Maßstab des Globus. Wir denken flach, statt rund, und weil im Schulatlas der Maßstab der Karten des Deutschen Reichs gemeinhin größer zu sein pflegt als der anderer Länder und Erdteile, so überschätzen wir sehr oft die Größe des eigenen Landes. Nur so ist es zu erklären, daß uns d i e deutsche Raumnot so wenig zum Bewußtsein gekommen ist. Wie groß sie tatsächlich ist, mögen die nachstehenden Daten einmal deutlich zeigen:
Deutschland, das vor dem Kriege in Europa ein Gebiet von 540 000 Quadratkilometer besaß, mußte im „Frieden" von Versailles 70 000 Quadratkilometer dieses Gebietes und außerdem sein gesamtes Kolonialreich abtreten, das mit 2,95 Millionen Quadratkilometer fast sechsmal so groß war wie das Mutterland. Die verbleibenden 470 000 Quadratkilometer des Mutterlandes sindcher einzige Lebensraum, auf dem ein Volk von 67 Millionen angewiesen ist. Frankreich, das vor dem Kriege kleiner war als Deutschland, hat heute durch die Abtretung von Elsaß-Lothringen ein Gebiet von 550 000 Quadratkilometer. In diesem um 80 000 Quadratkilometer größeren Lande leben 41 Millionen Franzosen, also bei weitem noch nicht zwei Drittel der deutschen Volkszahl. Dazu hat Frankreich aber ein Kolonialreich, das mit zwölf Millionen Quadratkilometer 22 mal so groß ist, wie das europäische Frankreich. Davon sind 483 000 Quadratkilometer, d. h. ein Gebiet, das größer ist als das heutige Deutschland, ehemals deutscher Kolonialbesitz. England, das gegenüber dem Argument der deutschen Raumnot so gern auf seine hohe Besiedlungsziffer von 200 Einwohner je Quadratkilometer hinweist, vergißt meistens ebenso gern zu erwähnen, daß das britische Weltreich mit 35 Millionen Quadratkilometer dreieinhalbmal so groß ist, wie ganz Europa und 150mal so groß ist wie das Mutterland. Selbst wenn man die „selbständigen" Dominions ausschaltet, ist der eigentliche englische Kolonialbesitz immer noch 60mal so groß wie die britischen Inseln. Belgien, das höchst- bevölkerte Land Europas, hat Kolonien von der 80fqchen Größe des Mutterlandes. Trotzdem wurde ihm im Frieden von Versailles noch das Gebiet von Ruanda-Urundi gegeben, ein Teil des ehemaligen ' Deutsch-Ostafrika. 54 800 Quadratkilometer fruchtbarsten Landes mit 3,5 Millionen Einwohnern. Das Kolonialreich der Holländer ist mit rund zwei Millionen Quadratkilometer 60mal so groß wie das Mutterland. Und seit dem abessinischen Kriege hat auch Italien mit einem Kolonialbesitz von 2,2 Millionen Quadratkilometer seinen Lebensraum in der Welt auf das Siebenfache des Mutterlandes erhöht.
Nur Deutschland will die Welt jedes Recht auf Kolonien absprechen, obwohl es vor dem Kriege als letzte Großmacht durch friedliche Verträge sich seinen Raum in der Welt ebenfalls gesichert hatte und bei Beginn des Krieges gerade soweit war, daß ihm die Früchte seiner kolonialen Arbeit heranreiften. Heute kommen sie anderen zugute, die, im Ueberfluß sitzend, gar nicht wissen, was sie damit anfangen sollen und die daher nichts tun, um ihren Mandatsbefitz — in diese Form wurde ja der unter • Bruch des Vorfriedensoertrags erfolgte Raub unserer Kolonien gekleidet — weiter zu entwickeln und zu fördern. Deutschland wird dieses Unrecht niemals vergessen. In der Befriedigung unserer kolonialen Ansprüche liegt die Möglichkeit der endgültigen Ueberroinbung der deutschen Raumnot. Wann einmal diese Forderung verwirklicht werden kann und wird, das zu bestimmen ist aber allein Sache des Führers. Zunächst jedenfalls haben wir damit zu rechnen, daß den 67 Millionen deutschen Menschen nur 470 000 Quadratkilometer Raum zur Verfügung tehen, und daß auch dieser knappe Raum noch unter tänbiger Bedrohung im Osten unb im Westen steht, eit Frankreich als Nation ber „culture*1 und „civi- isation“ die Ehre hatte, mit dem Bolschewismus ein Militärbündnis eingehen zu dürfen.
Dazu kommt als weiterer erschwerender Umstand, daß ber so knappe beutsche Lebensraum im Verhältnis zu anberen ßänbern arm an Bobensch ä tz e n ist. Von ben 21 wichtigsten industriellen Rohstoffen besitzt D e u t s ch l a n b'nur vier in ausreichender Menge im eigenen Hoheitsgebiet: Kohle, Kali, Aluminium unb Zink. In allen anderen Rohstoffen muß ber fehlende Bedarf durch Einfuhr vom Auslande gedeckt werden. Demgegenüber hat England alle wichtigen Rohstoffe im eigenen Hoheits- unb bamit im eigenen Währungsgebiet im Ueberfluß. lieber 50 v. H. ber Weltproduktion von Gold, Nickel, Gummi, Wolle, Jute, Kakao, über 30 v. H. ber Erzeugung von Mangan, Chrom, Zink, Blei unb Zinn, über 20 v. H. ber Produktion von Weizen, Pflanzenölen, Kopra, Baumwolle, Kohle und Kupfer entfallen auf das britische Weltreich. Auch Frankreich und die anderen alten Länder Europas verfügen dank ihrem ausgedehnten Kolonialbesitz über alle Rohstoffe der Welt in ausreichender Menge oder können sie doch, falls ihnen wirklich einmal ein gewisser Rohstoff fehlen sollte, im Austausch gegen andere leicht beschaffen. Deutschland hat solche Möglichkeiten nicht. Es besitzt als Mittel zum Ausgleich feines Mangels an Nah-


