Nr.80 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Mittwoch. r.April M7
Die deutsche Lnsanterie.
Don Hauptmann Meyer, Oberkommando des Heeres.
„Die Infanterie ist die Krone aller Waffen." Das ist eine Tatsache und zugleich eine Wahrheit, die gestern Gültigkeit hatte, und die ihren Sinn nicht verlieren wird, solange es Heere überhaupt gibt Die tiefe Bedeutung, die in diesem kurzen Leitsatz liegt, ist ebenso kurz zu umreißen: Ohne die Verwendung der Infanterie ist jede kriegerische Handlung undenkbar. Sie allein ist die Waffengattung, die den letzten Erfolg erst herbeiführen und behaupten kann. Alle anderen Waffengattungen sind Mittel zum Zweck, um der Infanterie zum letzten, zum ausschlaggebenden Erfolg zu verhelfen.
Es ist die Infanterie, die im Sturmangriff dem Feind ein Stück Geländeraum, eine Stadt oder ein Dorf zu entreißen und es zu behaupten in der Lage ist. Mit Schießen allein ist's nicht getan. Der Mann, der Infanterist, muß den Entschluß finden, dem sich wehrenden Feind entgegenzuspringen und ihn zu überwältigen, um dadurch zu verhindern, daß der feindliche Infanterist seinerseits zum An- ariff vorgeht und für sich Gelände in Besitz nimmt. Auf Besitz und Behauptung von Raum kommt es in einem Kriege, vom rein militärischen Gesichtspunkt aus betrachtet, allein an.
Denken wir an den Weltkrieg, so ist uns sofort klar, vor welch' unermeßlichem Schaden unser Deutschland bewahrt worden ist allein dadurch, daß es gelungen war, rein raummäßig die Wirkungen des militärischen Krieges von unseren Grenzen fernzuhatten. Das Verdienst hierfür gebührt nicht zuletzt unserer braven Infanterie. Sie ist unter dem Feuerschutz bzw. mit Unterstützung der anderen Waffengattungen vorgestürmt und hat den gewonnen Raum gehalten und behauptet. Das ist eine unumstößliche Tatsache, die durch manches bekannte und unbekannte heldenhafte Einzelbeispiel erhärtet werden könnte. Als der Feinddruck gegen Ende des Weltkrieges immer stärker wurde, war es oft ein zwar ausgehungertes, aber beherztes Grüppchen von Infanteristen, das mit vielleicht einem einzigen Maschinengewehr und einigen Handgranaten eine vielfache feindliche Uebermacht so lange aufgehalten hat, bis das planmäßige Zurücknehmen der Masse der Kameraden geglückt war
Denken wir an die unzähligen Beispiele, die uns die Geschichte des Weltkrieges von stillem Heldenmut und von höchster Einsatzbereitschaft einzelner Männer oder kleiner Gruppen von Infanteristen unter für uns heute unvorstellbaren Begleitumständen überliefert, so können wir diese deutsche Infanterie nicht besser ehren, als daß wir unsere deutsche Jugend dann und wann an diesen Geist der höchsten Einsatz- und Todesbereitschaft ihrer Väter und Brüder erinnern. Eine solche Erinnerung ist dann sinn- und zweckerfüllt, wenn es gelingt, diese Erinnerungsstunde zu einer Weihestunde im höchsten Sinne des Wortes zu machen.
Dies ist die Geisteshaltung, die auch der Infanterie unseres neuen Heeres ihren Stempel aufdrücken muß. Darum gehören in die Infanterie die jungen deutschen Männer, die über hohe sittliche und körperliche Kräfte verfügen. Diese Forderung muß um so mehr und schärfer gestellt werden, als der Dienst des Infanteristen entsagungsvoller ist, als der bei der Mehrzahl der anderen Waffengattungen. Dafür winkt ihm im Falle der Rot der höchste sittliche Lohn.
Der vielseitige Friedensdienst bereitet den jungen Infanteristen auf seine Aufgaben im Kriege vor. Diese Aufgaben sind so mannigfach, daß die Infanterie in sich neben einem erstklassigen Menschen-
Wehr und Waffen.
material über fast alle überhaupt vorhandenen Waffen und Gerätschaften für den Erdkampf verfügen muß. So finden wir tn einem Infanterieregiment unseres heutigen modernen Heeres neben dem Gewehrschützen das leichte und das schwere Maschinengewehr, den Granatwerfer, das Begleitgeschütz, die motorisierte Panzerabwehrkanone, den Reiter, den Fahrer vom Bock und vom Sattel, den Radfahrer, den Kraftfahrer, den Kraftradfahrer, den Fernsprecher, den Funker und viele andere Spezialisten. Sie alle bilden in der großen Gemeinschaft des Infanterieregiments eine wohldurchdachte Organisation, die im Ernstfall die für die Wehrmacht notwendige
Stoß- und Schlagkraft in erster und vorderster Linie darstellt.
Es liegt in der Natur der Sache, daß der Infanterist weder im Frieden noch im Kriege äußerlich besonders hervortritt. Und doch sollte es für den wehrfreudigen Deutschen keinen schöneren Anblick geben, als wenn er eine straffdisziplinierte Infanterie-Marschkolonne ihres Weges ziehen zieht. Unbewußt, getragen von der Idee des in ihm rollenden deutschen Soldatenbluts reißt sich der in dieser grauen Kolonne mitmarschierende junge deutsche Mann zusammen, weil er fühlt, daß er der lieber» lieferuna feiner Väter dient und bestes deutsches Soldatentum verkörpert.
Der neue Tank der amerikanischen Armee.
WM
AM .
In Amerika wurde soeben ein neuer Tank eingeführt. Der Tank besitzt zwei Panzertürme und drei Maschinengewehre, mit denen er nach jeder Richtung hin feuern kann. Die Besatzung besteht aus vier Mann. Die Geschwindigkeit beläuft sich auf etwa 70 Stundenkilometer. Durch seine Rundfunkeinrichtung kann dieser Tank in ständiger Verbindung mit der Befehlsstelle bleiben. — (Associated-Preß-M.)
Fallschirmtruppen, eine neue Waffe.
Major (Öl Schüttel, Michslufffahrtministerium.
Den Hunderttaufenden, die sich auf d em Bückeberg zum Erntedankfest verfammelt hatten, bot sich das überraschende Schauspiel des Absprunges von Luftinfanterie und deren Eingreifen in die Erdkämpfe. Es war dies das erste militärische Gruppenspringen mit dem Fallschirm, das vor der Oeffentlichkeit gezeigt wurde, die mit diesem imposanten Vorgang erfuhr, daß die wiedererstandene deutsche Wehrmacht auch diese neue st e Waffe wohl zu verwenden versteht, und daß die Armeen anderer Militärmächte ihr auch in dieser Beziehung keinen Vorsprung haben abgewinnen können.
Der Gedanke, den Fallschirm nicht nur als Rettungsgerät, sondern auch als Kampfmittel zu verwenden, ist ebenso alt, wie die Erfindung des Fallschirms selbst, schien doch mit der Möglich
keit eines Absprunges aus Luftfahrzeugen mittels Fallschirmen dem Streben militärischer Führungskunst nach taktischer und wenn möglich operativer Umfassung des Gegners in geradezu idealer Weise der Weg zum Erfolg geöffnet. Technische Unvollkommenheit der Fallschirmkonstruktion und das hiermit verbundene Gefahrenmoment verhinderten jedoch lange Zeit hindurch die Ausführung dieses Gedankens.
Erst seit etwa fünf Jahren ist die Fallschirmtechnik, besonders in England und in den Vereinigten Staaten in einer Weise vervollkommnet worden, die den Sprung aus dem Flugzeug in die Tiefe fast völlig gefahrlos werden ließ. Von den Vereinigten Staaten übernahm sodann die Sowjetunion die Erfahrungen der Fallschirmkonstruktion und des Fallschirmabsprungs und
ging als erste Militärmacht dazu Über, Fallschirm» truppen auszubilden und besondere Fallschirm» Formationen aufzustellen. Der Wehroerband Ossoaoiachim führte eine umfassende Propaganda für den „Fallschirmsport" im ganzen Lande durch. Ueberall im Sowjetreich wurden Fallschirmzirkel eingerichtet, die sich mit der Werbung von Fallschirmspringern und mit deren Ausbildung zu befassen hatten. In allen größeren Städten Sowjetrußlands wurden Absprunatürme errichtet, von denen an entfalteten Fallschirmen Absprung- Übungen vorgenommen werden können. Diese Hebungen bezwecken in der Hauptsache, den Fallschirmspringer durch Gewohnheit über den Schreckmoment des Absprungs hinwegzubringen. Die geschickte Propaganda für den „Fallschirmsport" hat jedoch in sehr kurzer Zeit diesen Absprungtürmen den Charakter als Uebungsinstrument genommen und sie zu einem beliebten Volksbelustigungsmittel werden lassen. Die „Fallschirmzirkel" des Wehrverbandes Ossoaoiachim zählen heute eine Viertelmillion am Absprungturm ausgebildeter Mitglieder. Aus diesem gewaltigen Reservebestand rekrutieren sich zumeist die F a l l s ch i r m s ch ü tz e n der Roten Armee. Nach den Angaben des stellvertretenden Volkskommissars für die Landesverteidigung, Sowjetmarschall Tuchatschewski, beträgt die Stärke der militärisch ausgebildeten Fallschirmschützen heute 60 000 Mann.
In den letztjährigen Manövern um Kiew und in den diesjährigen, ebenfalls bei Kiew abgehaltenen Manövern, sowie bei den Korpsmanöoern im Militärbezirk Moskau wurden Absprungübungen gezeigt, bei denen Fallschirm-Formationen i n Stärke von 1200 und 2500 Mann von den Bomben- und Transportflugzeugen absprangen und in die Kampfhandlungen der Erdtruppen eingriffen. Hatten im Manöver des letzten Jahres die Fallschirmtruppen die Aufgabe, durch Zerstörung von Kunstbauten, Straßen und Brücken, im Rücken des Gegners das Heranbringen von Verstärkungen zu verhindern, so erfolgte in den diesjährigen Manövern der Einsatz der Fallschirmtruppen hinter der feinlichen Front zu dem gleichen Zweck, jedoch durch Sperrung eines Geländeabschnittes und Aufnahme des Kampfes gegen die heraneilenden Reserven des Gegners.
Mit dem bei den Manövern der Roten Armee gezeigten taktischen Einsatz der Fallschirmtruppen sind deren Verwendungsmöglichkeiten im wesentlichen gekennzeichnet. Die Sperrung von Geländeabschnitten wird vielfach mit dem Auftrag zu Zerstörungen von Kunst- bauten, Straßen, Eisenbahnen, Bahnhofsanlagen, Brücken verbunden sein. Auch die Überraschende Besetzung von Flugplätzen zum Zwecke der Landung von Luftinfanterie oder um diese Flugplätze für die eigenen Luftstreitkräfte zu ver- menden, wird zu den sich immer wiederholenden Aufgaben der Fallschirmtruppen gehören. Schließlich können Fallschirmtruppen auch zu Zerstörungen von militärischen und kriegswirtschaftlich wichtigen Anlagen im Heimatgebiet des Feindes eingesetzt werden.
Auch das Absetzen von Fallschirmtruppen vor der feindlichen Front liegt durchaus im Bereich des Möglichen, wenn es sich darum handelt, zwischen den Fronten liegende schwierige Geländeabschnitte wie Flußübergänge und Befestigungsanlagen zu „überspringen" oder um eine Verstärkung der eigenen Front nicht durch Einschieben, sondern durch „Vorschieben" von Fallschirmtruppen wirksam werden zu lassen. In diesen wie auch in allen anderen Fällen ihres Eingreifens in die Kampfhandlungen werden Fallschirmtruppen mit sehr heftiger Abwehr rechnen und oft auf verlorenem Posten
Der VeterinaroWer.
Von Dr. Gerhard Schoch, Hauptmann a. D.
In einem „Zeitalter der Maschinen und der Motoren", der Luftwaffe und der Panzerstreitkräfte erhält auch das Antlitz der Wehrmacht einen Farbanstrich von der Technik Geschwader donnern in den Lüften, Tankformationen dröhnen durchs Land, Schnellfeuergeschütze und Maschinengewehre erfüllen mit ihren schmetternden Geräuschen das Gelände, mit einem ganzen Arsenal verschiedener, oft komplizierter technischer Geräte ist das Heer der Neuzeit ausgestattet.
Und trotz allem entscheidet noch immer d e r Mann, nicht „die Maschine". Die Technik bietet Hilfsmittel, doch nicht mehr. Die Rolle des Menschen, des Kämpfers im Waffenrock ist nicht ausgespielt; zum Gebrauche wirkungsvoller Werkzeuge ist die Technik da, sie hat aber die Mittel der Natur nicht auszuschalten vermocht. Freilich gehören die „attackierenden" Reitergeschwader, die zum Werfen des feindlichen, dicht aufgeschlossenen Fußvolks in stäubendem Galopp aufs Schlachtfeld geschickt werden, dem versunkenen Jahrhundert an, und freilich befördern heute starke Motoren die schwersten Geschütze des Heeres, für die noch vor fünfzig Jahren Gespanne aus dem Lande gemietet oder beigetrieben wurden. Trotzdem sind die Tage der Reiterei beim Heere — und auf unabsehbare Zukunft hinaus noch! — keineswegs gezählt, und trotzdem hat der Motor das Pferd auch als Gespann nicht verdrängt.
Soweit die gegenwärtige Erkenntnis reicht, ist das Pferd aus'dem Heere nicht zu beseitigen. Den Reiterregimentern der Neuzeit sind neue Aufgaben gestellt Es ist ein Unsinn, die Leistungsfähigkeit eines Pferdes mit einem Kraftfahrzeug zu messen und einen schiefen Vergleich zu versuchen. Zuweilen hat trotzdem das Pferd gegenüber dem Kraftfahrzeug zuletzt den Erfolg auf seiner Seite gehabt. Im Weltkriege haben verwundete Pferde oft noch bis zum Versiegen der Kräfte gedient: die Frage nach der Weiterarbeit eines durch Treffer be chadigten Motors aber ist vorerst ungelöst angefich s der Fälle bei denen mitgeführte Ersatzteile nicht ausreichen Das Pferd bleibt deshalb auch 'm zwanzigsten Jahrhundert der treue Gehilfe des Soldaten, es ist ein kostbarer Bestandteil unter allen vielfältigen Hilfsmitteln im Heer. Nur .nebenbei sei vermerkt, daß es gegenwärtig noch kerne „motorisierte" Armee ohne Pferde in der Welt gibt
Die Erhaltung der wertvollen P^rdebestande^des Heeres erfordert Fürsorge und Pflege. Vom
Vorhandensein der vollen Kriegstauglichkeit der Zehntausende von Pferden, die ein neuzeitiges Heer umfängt, hängt die Schlagkraft der Waffen und die Versorgung des Heeres mit ab. Dazu gehört die Ausmusterung der Bestände und die Ersatz z u f u h r während des Friedens, die Anleitung und Unterrichtung über die Wartung, die Aufsicht über die Gesundheitspflege, die Heilung von Beschädigungen und die Fürsorge für die Beschaffung eines angemessenen Futters. Damit ist eine Fülle von zoologischem und tierärztlichem Wissen gefordert. Der Weltkrieg vor allem hat dem Heere als bewährte Hilfsmittel den Hund und die Brieftaube hinzugebracht.
Damit ist der Bestand an Tieren tm Rahmen einer neuzeitigen Wehrmacht zu beachtlichem Umfang angewachsen. Sein besonderer Wert liegt neben den jeweiligen Ankaufskosten in der sorgfältigen Ausbildung dieser Tiere, mit der sie für ihre besonderen Aufgaben geschult worden sind. Aus diesen Zusammenhängen ist die Einrichtung eines besonders sachkundigen Personals, das „V e - terinäroffizierkorps" mit seinen Gehilfen, hervorgegangen. Es bildet, gleichsam Schulter an Schulter mit dem Sanitätsoffizierkorps, eine in sich geschloffene Gruppe und einen überall in der Welt vorhandenen Bestandteil der Führer im Heere. In der Entwicklung der Deterinäroffizierlaufbahn spiegelt sich dabei ein Stück Geschichte. Ursprünglich, noch zu Friedrichs des Großen und Napoleons Zeiten, hat niemand an die militärische Gesundheitspflege am Tier gedacht. Der Vorläufer des Veterinärs des zwanzigsten Jahrhunderts ist der Schmied. Der Beschlagmeister beim Reiterregiment war der sachkundige, mit alterprobten Heilmitteln vertraute Mann bei der Truppe, der dem Kaoallerieoffizier etwa beim Lahmen seines Pferdes als Gehilfe beistand. Im übrigen bestand die sehr einfache, heute unmögliche Regel, em irgendwie beschädigtes Pferd schnell als unbrauchbar abzugeben und das kriegsbeschädigte Tier entweder zu töten oder seinem Untergang zu überlassen. Im Weltkriege sind dagegen Hunderttausende von Pferden bei allen Heeren durch sachgemäße Pflege und Heilung erhalten und wieder voll verwendunqsfähig hergestellt worden. Gegenüber bm früheren Jahrhunderten sind Menschen und Tiere wertvoller geschätzt: wie der Arzt, so dient der Veterinär der Erhaltung der Gesundheit. Neben der Fürsorge für Pferd, Hund und Brieftaube beim Heere ist die Fleischbeschau für die Ernährung der Truppe eine seiner verantwortungsvollen Aufgaben.
Dor einem Jahrhundert hieß der Veterinär unschön, aber deutlich „Roßarzt"; er stand als Beam
ter bei der Truppe. Vom Anfang an war das fachliche Hochschulstudium gefordert. Wenige Jahre vor dem Weltkrieg ist das Beamtenverhältnis zur Offizierstellung umgewandelt worden: gegenwärtig umfaßt die Laufbahn alle Dienstgrade, wie „bei der Front", vom Fähnrich an bis zum Generaloberstabsveterinär mit dem Range eines Generals der Kavallerie. Die Abzeichen sind diejenigen der übrigen Offiziere. Das Gattungskennzeichen ist die Aeskulap-Schlange, das Sinnbild der Heilkunde, ohne den Stab der Aerzte, auf dem Schulterstück. Die Kennzeichen-Farbe ist hochrot. Gewöhnlich sind die Veterinäroffiziere den Truppenstäben mit Kommandeuren beigeordnet. Sie haben die eigene Befehlsgewalt nur in den Dienststellen, bei denen sie im unmittelbaren Vorgesetztenverhältnis sind, in veterinären Depots, in Lazaretten, Untersuchungsanstalten, Lehrschmieden und bei der Deterinär- akademie, die sich in Hannover befindet.
Zur Wahl des Veterinärosfizierberufs sind zwei Eingangsmöglichkeiten geschaffen. Das Reifezeugnis einer Vollanstalt ist Bedingung. Der Diensteintritt des Freiwilligen, der nicht älter als 21 Jahre alt sein darf, muß als „Fahnenjunker im Veterinärkorps" erfolgen. Im April erfolgt die Einstellung bei einem Reiterregiment. Nach der Frontausbildung schließt sich für die Fahnenjunker (L Vet.) die Versetzung zur Veterinärakademie an, wo das Studium auf eigene Kosten und in vorgeschriebener Mindestzeit mit den Prüfungen abzulegen ist: die Hochschulserien dienen der weiteren Ausbildung bei der Truppe, in den abschließenden Semestern der wissenschaftlichen Schulung. Die Unterbringung an der Akademie ist gemeinsam. Nach der Approbation als Tierarzt folgt ein dreimonatiges Kommando an einen Schlachthof. Vor der Wahl und Beförderung zum Veterinäroffizier ist noch ein halbjähriges Kommando zur Heereslehrschmiede zurückzulegen.
Nach 6 Monaten Dienstzeit in der Front erfolgt die Beförderung zum Gefreiten, nach 8 Monaten zum Unteroffizier, nach Zurückstellung der tierärztlichen Vorprüfung mit mindestens 16 Monaten Gesamtdienstzeit zum Fähnrich, nach dem Schlachthofkommando zum Unterveterinär, etwa 9 Monate danach zum Veterinär mit dem Range des Leutnants. Gleichzeitig muß die Verpflichtung zu 25- jähriger Dienstzeit übernommen werden. Die Verfolgung dieser schönen, verantwortungsvollen und angesehenen Dienstlaufbahn im Heere ist mit besonders hohen Anforderungen verknüpft, noch bevor die endgültige Zulassung, die Wahl und Beförderung zum Veterinäroffizier erfolgt. Der Veterinär soll ein guter Tierarzt und ein must er
Hafter Offizier sein. Liebe zur Sache und Takt sind verlangt. Dafür ist der Dienst schön, und man sieht den Betreuer der Tiere überall gern beim Regiment.
Der Ausbau des Reichsttressminlsteriums.
Das vorn Reichs- und Preußischen Minister des Innern herausgegebene Handbuch für das Deutsche Reich 1936 bringt auch eine Uebersicht über den Aufbau des Reichskriegsministeriums. Dem Reichskriegsminister untersteht direkt das Wehrmachtsamt unter Leitung des Generalleutnants Keitel. Weiter unterstehen dem Reichskriegsminister das Oberkommando des Heeres, das Oberkommando der Kriegsmarine und das Oberkommando der Luftwaffe. Das Oberkommando des Heeres fetzt sich zusammen aus dem Heeres-Personal- a m t unter Leitung des Generalleutnants von S ch w e d l e r. Die 2. Abteilung des Reichskriegsministeriums ist der G e n e r a l st a b d e s H e e r e s. Chef des Generalstabs ist General der Artillerie B e ck. Durch diese Eingliederung in das Reichskriegsministerium ist eine Einheitlichkeit gewährleistet, die vor dem Kriege in dieser Form nicht vorhanden war. Die 3. Abteilung ist das Allgemeine Heeresamt unter Leitung des Generalmajors Fromm. Die 4. Abteilung bildet das H e e - r es-Verwaltungsamt unter der Leitung des Generalleutnants K a r m a n n. Die 5. Abteilung bildet das Heeres-Waffenamt unter der Leitung des Generalleutnants Liese, und die 6 Abteilung bildet die Heeres-Feldzeugmeiste- r e i unter Leitung des Generalmajors Barck- hausen. Chef des Stabes ist Generalmajor von Reiche.
Dem Reichskriegsministerium unterstehen weiterhin neben den Wehrerfatzinfpektionen und den Truppenübungsplätzen die Wehrmachtakademie, deren Kommandeur General der Infanterie Adam ist, die Kriegsakademie unter der Leitung des Generals der Infanterie L i e b n a n n , die Militärärztliche Akademie unter Leitung des Oberstabsarztes Dr. G u n d e r l o ch , die Heeres - Ve * e - rinär-Akademie in Hannover unter der Leitung des General-Veterinärs Dr Fontaine die Heeres-Sportschule in Wünsdorf unter der Leitung des Majors Rübel und die Deutsche Heeres-Bücherei unter dem Direktor Professor K l e f e k e r.


