mH, Dünn gäbe es immerhin noch Wege, Durch inter- nationalen Zusammenhalt, Durch eine Begünstigung Der Länder, Die Die Zollschranken usw. niederlegten, diesen Widerstand Der Unvernunft und Des Eigennutzes zu brechen. Aber wird die Wirtschaftspolitik der USA. zur Sammlung aller Vernünftigen aufrufen? Wird sie wirklich nn Allgemeininteresse eine Aera der Niederlegung der Handelsschranken einleiten, also wieder gutmachen, was sie selbst angerichtet? rt.
Van Zeelands Auftrag.
Brüssel, 6. April. (DNB.) Im belgischen Ministerrat hat Ministerpräsident van Zeeland Bericht erstattet über die Einladung der französischen und englischen Regierung, eine Untersuchung oorzunehmen, über die Möglichkeiten einer allgemeinen Herabsetzung der Kontingentierung und der andern Hindernisse im internationalen Handel, um der Erklärung, die gemeinsam von den Vereinigten Staaten, England und Frankreich nach der französischen Abwertung am 26. September 1936 abgegeben worden ist, Wirkung zu verschaffen. Van Zeeland hat sich grundsätzlich bereit erklärt, diese Mission zu erfüllen. Es sollen unverzüglich Untersuchungen vorgenommen werden, damit van Zeeland sich darüber vergewissern kann, ob die Bedingungen für eine wirksame Aktion vorliegen.
„T i m e s" glaubt, daß die Zeit rasch für eine internationale Konferenz für den Abbau der Zollschranken reif werde. In den Vereinigten Staaten seien Regierung und Geschäftsleute von der Besorgnis ergriffen, daß die wirtschaftliche Gesundung sich in einem K o n j u n k t u r r a u s ch verlieren könne. Man höre die Befürchtung, daß falls nicht schnell Maßnahmen ergriffen würden, die augenblickliche Erholung ein Wiederaufleben der Zustände von 1929 und in ihrem Gefolge einen neuen Zusammenbruch bringen könnte. Der Punkt, auf dem man heute in den Vereinigten Staaten und in England angekommen sei, Zwinge die Regierungen beider Länder, ein Mittel zu suchen, um die Basis der Wiedergesundung zu verbreitern und so stabil wie möglich zu gestalten. Die Zeit scheine gekommen zu sein, wo die Länder, die ihren eigenen wirtschaftlichen Wiederaufstieg gefördert hätten, zusammenkommen müßten, um zu sehen, wie sie sich gegenseitig helfen könnten, um eine mehr stabile und allgemeine Ausweitung des Handels zustande zu bringen. Die Erkenntnis wachse daß die Handelshemmnisse auch den Weg zur wirtschaftlichen und politischen Befriedung verbauten, und diese Erkenntnis berechtige zu der Hoffnung, daß man nun auch gemeinsam sich bemühe, diese Hindernisse wenigstens teilweise aus dem Weg zu räumen.
Ständig steigende preise in Frankreich.IZi Oie katastrophale Auswirkung der 40-Stunden-Woche.
Paris, 6. April. (DRB.) Die plötzlich aus agitatorischen Gründen erfolgte Einführung der 40-Stunden-Woche in Frankreich, durch die auf die Woche ein Arbeitstag weniger entfällt, hat nicht nur in Wirtschaftskreisen, sondern auch insbesondere in Arbeiterkreisen erhebliche Besorgnis hervorgerufen. Abgesehen davon, daß die zugebillgten Lohnerhöhungen den Ausfall eines Tagesverdienstes nicht zu ersetzen vermögen, haben sie sofort ein weiteres Anziehen der Preise auf allen Gebieten zur Folge gehabt. Die Preissteigerung beunruhigt die Bevölkerung außerordentlich und hat im allgemeinen d i e Spanne der Abwertung länast überschritten. Inzwischen ist bereits die Aufwertung der landwirtschaftlichen Preise verlangt worden, eine Forderung, der sich sowohl Regierung als auch Parlament nicht werden widersetzen können, wenn nicht die gesamte Landwirtschaft zusammenbrechen soll. Die Ausdehnung der Sozi a l g e s e tz e von der Industrie auf die Landwirtschaft beschleunigt diese Entwicklung weiter. Schon jetzt übersteigt die Verteuerung der Lebenshaltung die den Arbeitern zugebilligten geringen Lohnerhöhungen. Daraus ergeben sich neue Lohnforderungen, neue Streiks, neue Beunruhigungen für die Wirtschaft und ein weiteres Abgleiten von Aufträgen in andere Länder, so daß bereits jetzt große Werke über Auftragsmangel klagen und es nicht unmöglich ist, daß sie ihre Betriebe stilllegen müssen.
Die Großhandelsrichtzahl für 45 verschiedene Waren ist von 372 im Juni 1936 auf 517 Ende Februar 1937, auf 525 am 6. März 1937 und auf 536 am 27. März 1937, also im ganzen um 4 4,1 v. H. (!) gestiegen. Die Richtzahl für I n- dustrieerzeugnisse stieg von 351 im Juni 1936 auf 528 Ende Februar 1937, auf 536 am 6. März 1937 und auf 552 am 27. März 1937, also im ganzen um 57,3 v. H. (!) Die Kleinhandel s r i ch t z a h l, die 34 Artikel umfaßt, betrug Ende Januar 1937 567, Ende Februar bereits 577; die Zahl für März dürfte abermals höher sein.
Für die Entwicklung der Einzelhandelspreise gibt das Bulletin de la Statistique Generale de la France u. a. folgende Angaben:
Brot: Im August 1936 1,80 Franken je Kilo
gramm, im Januar 1937 2,20, im Februar 1937 2,40 Franken.
Milch: Je Liter im August 1936 1,20 Franken,
im Januar 1937 1,50 und im Februar 1937 1,60 Franken.
Butter: Im August 1936 16,15 Franken, im Ja
nuar 1937 21,75, im Februar 1937 22,80 Franken.
Zucker: Im August 1936 3,50 Franken, im Ja
nuar 1937 3,95, im Februar 1937 4 Franken.
Rotwein: Je Liter im August 1936 2,05 Franken,im Januar 1937 2,40 und im Februar 1937 2,45 Franken.
Rudeln: Je Kilogramm im August 1936 5,65 Franken, im Januar 1937 6,50 und im Februar 1937 6,65 Franken.
Kalbfleisch: August 1936 22 Franken, im Januar 1937 23,75 und im Februar 1937 27,25 Franken.
Die Richtzahl für die Ausgaben einer Arbeiterfamilie von vier Personen ist von 438 Ende 1935 auf 540 Ende 1936, also um 23,3 vom Hundert gestiegen.
Die Einführung der 40-Stunden-Woche hat den gesamten Erzeugungsplan in Unordnung gebracht. Die Lieferungszeiten werden nicht mehr innegehal- ten, Bauprogramme werden endlos verlängert, es fetzt Mangel an verschiedenen Waren ein. Das beste Beispiel für die Auswirkungen ist die Weltausstellung, deren Bau trotz aller Anstrengungen der Regierung nur sehr langsam weiterschreitet und die jedenfalls am 1. Mai, der ursprünglich als Eröffnungstag vorgesehen war, nicht fertig sein wird. Wohin dieses Spiel: Herabsetzung der Arbeitszeit — Erhöhung der Löhne — Erhöhung der Preise — Erhöhung der Löhne — wieder Erhöhung der Preise — führen wird, dafür ist die deutsche Inflationszeit das beste Anschauungsmaterial.
„Moskau kommandiert." Empörung über das Strafverfahren gegen de la Rocque.
Paris, 6. April. (DRB.) Die Eröffnung einer strafrechtlichen Verfolgung gegen den Obersten de la Rocque und drei seiner ersten Mitarbeiter aus der Französischen Sozialpartei bildet das Hauptereignis der Pariser Presse. Die Beschuldigungen, gegen die sich die Leiter der Sozialpartei wehren müssen, sind: Zusammenrottungen und Wiederherstellung eines aufgelösten Kampfbundes. Die Rechtsblätter protestieren gegen die Beschuldigungen und überschütten die Regierung mit beißendem Spott. „Echo de Paris" schreibt: Die Anklage folgt auf das von den Arbeitergewerkschaften ge st eilte Ultima- t u m. Die Regierung ist vor der Drohung der Gewerkschaften zurückgewichen, und die Justiz weicht nun vor der Drohung Der Regierung. Man versagt de la Rocque ein Bürgerrecht, nur weil er der einzige Mann ist, der sich fähig zeigte, eine große Nationalpartei aufzustellen. Die Regierung wird aber vielleicht schon morgen die unangenehme Ueberraschung erleben, daß sie die Voraussetzungen für einen französischen Faschismus schuf. Der „Jour" unterstreicht, daß sich über den Kopf^des Kabinetts Blum hinweg ein unverantwortliches aber allmächtiges „Ministerium der Massen" gebildet hat. Bei Licht besehen ist es Moskau, das kommandiert!
Oie Parade der Lustwaffe in 3R»m.
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B I ■ M ’ ■:
Das faschistische Italien beging den 14. Jahrestag der Gründung der Luftwaffe mit einer großen Parade, zu der 10 000 aktive und Reserveoffiziere der Luftwaffe aus ganz Italien in Galauniform aufmarschierten. Der König und Kaiser überreichte den Truppenteilen neue Fahnen. — Von links nach rechts unter der Fahne Marschall de Bono, König Viktor Emanuel, Mussolini, Marschall Badoglio und Luftmarschall Balbo bei der Parade am Nationaldenkmal in Rom. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Unter Ausnahmerecht.
Oer deutscheprotestinpretoria gegen dieSonderstellungderDeutscheninLi.. west
Die Protestnote der Reichsregierung an die Regierung der Südafrikanischen Union zieht in maßvoller und doch hinreichend deutlicher Sprache die notwendigen Folgerungen aus der Tatsache, daß Südafrika im Dezember vergangenen Jahres Die nicht nur in Deutschland laut werdenden Warnungen gegen Die Verkündung eines Sonderrechtes zuungunsten der Deutschen überhört hat. Es ist nicht allgemein bekannt, daß es sich bei dem Mandatsgebiet, in dem die meisten Deutschen sitzen, um ein sog. G - Mandat handelt. Das bedeutet, daß das Mandatsgebiet lt. Artikel 22 der Völkerbundssatzung einfach als zugehöriger Bestandteil des au'fsichtführenden Staates, in diesem Fall also Der Südafrikanischen Union, behandelt wird und daß es nach den Gesetzen dieses Staates regiert wird. Mit anderen Worten, das südafrikanische Mandatsgebiet, die ehemalige deutsche Kolonie Deutsch-Südwestafrika, ist im Vergleich zu den für die A= und B-Mandate geltenden Maßnahmen den schärfsten Bestimmungen unterworfen, genau wie die ehemals deutschen Süd- fe einfein.
Nichts ist bezeichnender, als daß gleichwohl der Mandatarstaat die Bestimmungen der Völkerbundssatzung über den Schutz Der eingeborenen Bevölkerung ostentativ durchführt, aber mit der deutschfeindlichen Verlautbarung vom 2. April gerade denjenigen kulturell und zivilisatorisch h o ch- stehenden Bevölkerungsteil unter ein Sonderrecht stellt, der sich der südafrikanischen Regierung gegenüber nachweislich stets streng loyal verhalten hat und trotzDem schon bisher zahlreiche Beeinträchtigungen seiner vertraglich verbrieften Gleichberechügung hinnehmen mußte! Wir erinnern nur an den Vorgänger Der neuen VerorDnung, nämlich an das U n i f o r m v e r b o t und das Verbot nationalsozialistischer Organisationen vom Juli 1934. Wir erinnern aber auch daran, daß Die neue südafrikanische Verfassung vom Jahre 1925 das deutsche Element ausdrücklich als i n t e g r i e r e n D en Bestandteil Der gesetzgebenden Versammlung anerkennt
Im November 1934 versuchte die südafrikanische Regierung, das Mandatsgebiet durch eine Abstimmung des Landesrates als „fünfte Provinz" dem eigenen Staatsgebiet anzugliedern. Nur Das peinliche Aufsehen, Das dieser versuchte Vertragsbruch in der Welt erregte, und das sogar zu einer
peinlichen Erörterung des Falles in Genf führte, veranlaßte damals Die Union, von dieser neuen Vergewaltigung Des ohnehin höchst zweifelhaften Mandatsgedankens abzusehen. Aber seitDem ist der teils offene, teils getarnte Kampf gegen das Deutschtum in Südwest von der südafrikanischen Regierung immer wieder vorgetragen worden. Natürlich hat sich die neunköpfige Kommission des V ö l k e r b u n d e s, der die Durchführung der Man- datsbestimmunaen und ihre korrekte Einhaltung unterstellt ist, weder damals noch im Dezember vergangenen Jahres bei Bekanntwerden des südafrikanischen Sonderrechts-Planes, noch jetzt am 2. April bei feiner Verkündigung mit der pflichtschuldigen Energie um ihre Aufgaben gekümmert. Denn, der Völkerbund ist in seiner gegenwärtigen Form glc'^bedeutend mit der Machtgruppe Frank- reich-Ensiland, und es handelt sich ja bei dem gefährdeten Volkstum in Südafrika nur um Deutsche ...!
Was bedeutet das Deutschtum in Sudwest?
Pretoria, 6. April (DNB.) Der Verkehrsund Verteidigungsminister von Südafrika Oßwald P i r o w eröffnete Den Bazar Der Deutschen Schule in Wynberg bei Kapstadt. Er verwies auf die zahlenmäßige Bedeutung des Deutschtums in der Südafrikanischen Union, das die Hälfte des südafrikanischen Beoölkerungsteiles, Dem auch er angehöre, blutsmäßig ausmache. Pirow betonte d i e Disziplin und Die Loyalität des deutschen Volksteiles, Die ihm früher als Justizminister Die geringste Mühe verursacht habe. Auch EnglänDer besuchten gern Die Deutschen Schulen, Da ihnen Dort schätzenswerte Deutsche Eigenschaften vermittelt wür- Den. Bei Der Frage Der Naturalisation handele es sich um ein heikles Thema. Das Wort „Kulturdünger" sei ein böses Wort. Die Union erwarte Die Einbürgerung Der Deutschen, Die in Der Union ihre Heimat, ihren Broterwerb und ihre endgültige Niederlassung gefunden hätten, im Interesse ihrer Familie und Kinder.
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Der in Pretoria erscheinende „Deutsch-Afrikaner" erinnert an die Stellungnahme des „Volksblad", das seinerzeit, als Die Einführung Der Deut»
Freundschast ohne Wort.
Von Walter Bauer.
Wenn er früh zur Arbeit geht, trifft er regelmäßig ein junges Mädchen. Sie kommt ihm entgegen, ihre Arbeitsstätte liegt also dort, wo er herkommt. Zur gleichen Zeit geschieht noch mehr: sie treffen sich an einer bestimmten Stelle. Wenn er sich dieser Ecke nähert, ahnt er schon: jetzt muß das Mädchen kommen, seine — nein, Freundin ist zuviel gesagt. Jeden Morgen, manchmal, wenn sie gerade aneinander vorübergehen, pfeift die Sirene der Fabrik und füllt die Luft mit einem schnell ansteigenden und wieder fallenden Ton. Sie wissen beide: fünf Minuten vor acht, es ist noch Zeit, sie brauchen sich nicht mehr zu beeilen, als sie schon tun.
Er kann sich genau erinnern, wie diese bekannte Unbekannte aussicht. Er weiß, welches Kleid sie gestern trug und wann etwas Neues an ihr zu bemerken war. Sie kennen sich nicht. Die Namen sind ja auch belanglos, vielleicht würden sie nur enttäuscht werden, wüßten sie das, und die stille, freilich nicht hingehende Freude ihrer täglichen Begegnung müßte erlöschen. Nun, — sie kennen sich nicht, ihre Geheimnisse bewahren sie, jeder für sich; dennoch sehen sie sich Mit einer bestimmten Vertraulichkeit an, die ein anderer niemals verstehen wird. Sie entstand allein durch das Zusammentreffen an einer gewissen Stelle zur gleichen Tageszeit. Der Werktag schenkte ihnen diese Bekanntschaft auf Distanz.
An einem Sonntag geht er mit jemandem in einen Park. Plötzlich trifft er die Vertraute seiner eiligen Morgengänge zur Arbeit. Sie sehen sich an, finden am andern ungewohnte Kleidung, finden ihn in einem anderen Teil des Lebens und wissen errötend nicht genau, mit welchem Blick sie sich an= sehen sollen. „Kennst du sie?" wird er gefragt. „Nein", antwortet er; aber er weiß selber nicht, ob er log ober die Wahrheit sagte. — Am folgenden Montag schweben wieder die gleichen Blicke zwischen ihnen, gefüllt mit der forschenden Frage, wie wohl der Sonntag verbracht wurde...
So gehen wir aneinander vorüber und kennen uns und sind uns fremd. Nur ein einziger Augenblick des Tages gehört uns gemeinsam, gleich darauf zerfallen wir' wieder in zwei Menschen, Die zur Arbeit gehen. Bliebe einer von uns an einem Tage aus, so könnte das mancherlei bedeuten: Urlaub, eine kurze Reife; Krankheit, eine längere Reise voller Schweigen; Tod, Die Reise ohne Ende. Alles wäre zu erkennen, Der Urlaub an der frischen Farbe des Gesichtes, die Krankheit an den Schatten unter den Augen und an Der Blässe ohne Blut. Das völlige Ausbleiben könnte natürlich auch beDeuten, daß eine neue Arbeitsstelle gefunden oder die alte verloren wurde. Das möchte ich nicht wünschen.
Vielleicht geht man so an seinen treuesten Freundschaften vorüber, an einem Menschen, auf den man sich verlassen könnte, der einem Reichtümer des Herzens, die nicht die geringsten sind, schenken würde. Nur einmal habe ich davon gehört, daß ein Mensch die Mauer dieser Distanz durchbrach. Ich finde die Geschichte so schön wie viele Erzählungen in Büchern, sie ist wirklich und unwirklich. Man kann an ihr sehen, wie reich das Leben ist. Die Geschichte spielt in einem südlichen Lande.
Der Mann, den ich meine, wanderte auf seiner Reise durch einen Ort. Er ging unter Der schönen Bläue dahin und war seines Lebens sehr froh. Unten rauschte Das Meer unD in ihm vor Entzücken sein Herz. Er hatte Den Ort schon durchschritten, nur ein paar Häuser standen noch vereinzelt an Der Straße. Als er an einem Garten vorüberging, sah er ein junges Mädchen. Es erschien ihm schön, ja, seinen von der Weltfreude erfüllten Augen war sie gleich die Schönste auf der Welt. Er sagte in der fremden Sprache „Guten Tag" und lächelte sie an. Sie antwortete ihm und lächelte auch, vielleicht, weil sie Den fremden Ton hörte. Sie stand im Garten, und er ging vorüber. Als die Bäume an Der Straße ihm Den Blick auf Den Garten wegnehmen wollten, drehte er sich um und winkte, und das Mädchen winkte auch. Nachher sagte er, es sei ihm vorgekommen, sie habe ihm unverwandt nachgesehen und ihr» Hände hätten sich zu gleicher Zeit erhoben.
Von diesem Augenblick an begann die Unruhe in ihm. Er brauchte einige schöne Tage, um das Ge
sicht, Das sich in ihm festgesetzt hatte wie ein Bienenschwarm, mit anderen Anblicken zu beDecken. Er wanderte weiter, bis an sein Ziel, Dann kehrte er zurück. Nun war es merkwürDig: je weiter nörd- lich er kam, um so mehr wurde in ihm Die Unruhe wieder frei, Die er schon vergessen hatte. Er wehrte sich Dagegen, unmöglich konnte er sich eingestehen, ein Gesicht, flüchtig gesehen, sei mehr als alle Kirchen und Paläste, mehr als Die goldhäutigen Säulenhallen. Er konnte zwei Reisewege wählen. Aber er folgte seiner Unruhe, und mit klopfendem Herzen ging er durch Den Ort zurück, in Dem Der Garten stand. Er wurde blaß, Denn Der Garten war leer und Die Fenster Des Hauses waren durch Läden lichtlos gemacht worden, niemand wohnte mehr darin. Er war traurig und erbittert, daß er feiner grundlofen Unruhe gefolgt war. Darauf fuhr er gleich weiter und verbrachte noch einen Tag in einer großen Hafenstadt. Er ging durch die Straßen und nahm sich vor, nichts zu vergessen, da er ja nie zurückkehren könnte.
Plötzlich erblickte er im Gedränge auf der anderen Straßenseite das Gesicht des Mädchens! Es muß ihm zumut gewesen sein wie einem Arzt, Der das Ergebnis nächtelanger Mühe findet; nein, noch ganz anders. Nie hat er erklären können, was und wie alles geschah. Das Mädchen sah ihn auch, beide traten aus dem Gedränge, sie tat einen Schritt auf ihn ju, und er ging über die Straße zu ihr. Was später kam, ist hier nicht mehr so bedeutsam.
Ihnen war die Möglichkeit gegeben worden, die Mauer Der Distanz, die ihre Lebensläufe voneinander trennte, zu durchbrechen. So behielten sie sich, während doch sonst so leicht die Menschen sich verlieren. Freilich: das war auch noch der einzige Augenblick; im nächsten wären sie schon so weit voneinander entfernt gewesen wie wir alle in den Sternen.
Freundschaft ohne Wort, Bekanntschaft auf Distanz — zarter Faden schweigender Vertraulichkeit zwischen den Menschen, du gibst uns kleine, aber niemals unwichtige Freuden, da die großen Freuden manchmal lange auf sich warten lassen.
Was mit einem eiszeitlichen Höhlenbewohner geschah.
Nicht immer sind die fossilen Zeugen der Vorzeit, wenn sie durch Zufall entdeckt wurden, ohne weiteres den Männern der Wissenschaft vorgelegt worden und so erhalten geblieben. Es ist vorgekommen, daß man die Toten der Höhlen nach Brauch und Glauben auf dem Friedhof bestattete. So entdeckte die Wissenschaft auch den eiszeitlichen Neandertaler erst, als er sein Höhlengrab nach Zehntaufenden von Jahren mit einer christlichen Ruhestätte vertauscht hatte. Ein besonders merkwürdiger Vorfall dieser Art wird in der bei K. F. Köhler in Leipzig erscheinenden Monatsschrift „Germanien" erzählt. Vor kurzem wurde am eiszeitlichen Donaulauf eine neue Wohnhöhle aufgedeckt, in der vor 20 000 Jahren die Mammut- und Höhlenbärenjäger bei ihren Wanderzügen weilten. Erst während der Ausgrabungsarbeit erfuhr der Entdecker, daß hier vor drei Jahrzehnten in einer genau bekannten Nische ein Höhlenmensch „mit auffallend starken Knochen" bei der Freilegung Des Höhleneinganges ausgehoben wurde. Damals wurde eilends eine Kommission vom Nachbarort herbeigerufen, die den Fall wegen Mordverdachtes untersuchte. Da sie Schädel und Gebein eines menschlichen Höhlenbewohners zu erkennen glaubte, wurden diese auf dem Friedhof bestattet. Nach den Aussagen der Augenzeugen, Die heute noch über Ort und Lagerung des aufgefundenen Skelettes übereinstimmende Angaben machten, mußte es sich hier, nach wissenschaftlichem Ermessen, um die Bestattung eines eiszeitlichen Menschen handeln. Nun bot die Höhle glücklicherweise noch Die ungewöhnlich günstige Gelegenheit, die ursprüngliche Lagerstätte des Fossils genauer zu untersuchen, und wirklich fanden sich auch auf einer ausgedehnten Brandschicht der eiszeitlichen Höhlenbewohner noch mehrere Teile des starkknochigen Skeletts: ein kurz gedrungener Oberschenkelknochen, Rippen, Wirbel und schließlich das gewaltige Gebiß eines — Höhlenbären. Nur das Schädeldach und die übrigen Gebeine fehlten; denn sie waren bereits damals auf dem Friedhof des Ortes beigesetzt worden.


