7.
4.
Verdunkelungsprobe in derHeil- und pflegeanstalt
ver-
rasch und fand sofort in seine Rolle als Zufalls- Laternen beleuchteten trübe flackernd seinen Heim- tavalier und ärztlicher Ratgeber zurück. *roeg..a (Fortsetzung folgt.)
Erweiterter Selbstschutz und Verdunkelungsübung
fallen...
Fast stolpernd hastete er wieder die Treppen empor. In allen Villen, an denen er vorbeikam, schlugen die Hunde an. Ein Wind hatte sich er» hoben, der eine dicke, schwarze Wolke über den Mond wälzte. Alles lag auf einmal in Finsternis, Meer und Kap und Gebirge — die ganze Zauber» landschaft war plötzlich wie von Dämonenhand ausgelöscht. Und nur die künstlichen Lichter der
Schöffengericht Gießen.
Dem einschlägig vorbestraften, 30 Jahre alten R. St., wohnhaft in Gießen, wurde zur Last gelegt, in der Nacht vom 17. auf 18. Mai 1936 seine ge» schiedene Ehefrau körperlich mißhandelt und bedroht, ferner in deren verschlossene Wohnung an der Kläranlage eingedrungen und einen Diebstahl begangen zu haben. Der Angeklagte bestritt die ihm zur Last gelegten Handlungen und behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben. Er wurde jedoch auf Grund des Beweisergebnisses in der Hauptverhano- lung überführt. Das Gericht verurteilte ihn zu eine Gesamtgefängnisstrafe von sechs Wochen und legte ihm die Kosten des Verfahrens auf. Wegen des ihm weiter zur Last gelegten Diebstahls wurde der Angeklagte mangels Beweises freigesprochen. *
Wegen Beleidigung des Bürgermeisters F. in Dorheim standen Hugo S ch u d t und Wilhelm Becker, beide aus Dorheim, unter Anklage.
Dem Angeklagten Schudt war zur Last gefegt, zwei Eingaben an das Kreisamt Friedberg und an den Reichsinnenminister gerichtet zu haben, in denen der Bürgermeister von Dorheim aufs
Wer durch die Tat des Führers feine sichere Existenz hat, der kann am Eintopffonntag doppelt opfern!
schwerste beleidigt und von ihm behauptet wurde, daß er noch 1935 mit einem Juden Wechselgeschafte getätigt habe, dies für einen Bürgermeister nicht vertretbar sei, außerdem, daß seitens der Bewohner der Gemeinde Dorheim fortgesetzt Beschwerden wegen willkürlicher Eigenmächtigkeiten des Bürgermeisters erhoben worden seien, der Bürgermeister nur seine guten Bekannten und Verwandten, sowie Freunde betreue, während er die anderen Volksgenossen in der ihm anvertrauten Gemeinde bekämpfe und unterdrücke. r, , ,
Dem Angeklagten Becker war zur Last gelegt, dem Mitangeklagten Schudt im Februar 1936 erklärt zu haben, es sei nicht recht von dem Bürgermeister, daß er ihn als Bürge ablehne, während er dem Juden Wechsel unterschreibe.
In der eingehenden Beweisaufnahme wurde ein Wahrheitsbeweis für die von dem Angeklagten aufgestellten Behauptungen nicht erbracht. Durch die eidliche glaubhafte Aussage des als Zeugen vernommenen Beleidigten steht fest, daß dieser als Vorsitzender der Spar- und Darlehenskasse in Dorheim weder Wechsel akzeptiert, noch giriert oder überhaupt Beziehungen zu dem Juden zur behaupteten Zeit unterhalten hat. Auch für die Behauptung, daß der Bürgermeister die Bürger seiner Gemeinde unterdrücke, ist der Wahrheitsbeweis mißglückt.
Das Gericht verneinte, daß die Angeklagten in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt haben. Nur mit Rücksicht darauf, daß beide Angeklagten im gereiften Alter stehen, seither unbestraft sind und daß es sich um persönliche Reibereien handelte, wurde von einer Gefängnisstrafe abgesehen und der Angeklagte Schudt zu einer Geldstrafe von 150 Mark, der Angeklagte Becker zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt. Im Nichtbeitreibungsfalle haben die Angeklagten für je 5 Mark einen Tag Gefängnis zu verbüßen. Die Kosten des Verfahrens wurden den Angeklagten auferlegt.
Nundfunkproaramm.
Freitag, 8. Januar.
*7* Die Polizeidirektion Gießen übermittelt uns diese vom Reichsluftschutzbund zur Verfügung gestellten Artikel. D. Schriftltg.
Richtlinien für die beteiligten Betriebe
1. Alle Betriebe, die nicht zum Werkluftschutz gehören, werden vom Reichslustschutzbund be-
Gietzener wochenmarktprelfe.
* Gießen, 7.Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, V«1,57 3)tt f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 12, ungezeichnete 10, holländische, Klasse B 11» Wirsing, 2 kg 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 28 bis 30, Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 60, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 20 bis 30, Kartoffeln kg 5 Pst, 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,40 Mk., Aepfel, kg 15 bis 20 Pf., Tafeläpfel 25 bis 30, Birnen 10 bis 25, Nüsse 30 bis 55 Pst, Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pst, Ganse 90 Pst bis 1 Mk Tauben, das Stück 50 Pst, Blumenkohl 30 bis 70, Endivien 5 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15 Pst
*
** Straßensperrung. Wegen Ausführung von Bauarbeiten wird die Reichsstraße Alsfeld — Eifa vom 15. Januar ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Alsfeld—Brauer- schwend—Rainrod—Eifa. ..„
** Technische Vorschriften über Baustoffe für Grundstücksentwässerungsanlagen betrifft eine Bekanntmachung des städtischen Hoch- und Tiefbauamtes in unserem heutigen Blatte, auf die wir die Interessenten besonders hm- weisen. _. .
** Die Bezahlung der Strom- und G a s g e l d e r wird zur fristgerechten Erledigung tn einer Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil angemahnt. Säumige Zahler mögen die Bekanntmachung nicht übersehen.
** Geschäftsjubiläum. Am gestrigen Mittwoch konnte der Schneidermeister A. Wagner, Wilhelmstraße 1, auf ein 25jähriges Bestehen seiner Maßschneiderei zurückblicken. Der Jubilar, der m Gießen das Schneiderhandwerk erlernt hatte, eröffnete sein Geschäft im Jahre 1912 au Straßburg i. E, wo er vorher 12 Jahre lang als Zuschneider tätig war. Er brachte sein Geschäft zu hoher Blute und konnte bei Kriegsausbruch bereits zehn Gehilfen beschäftigen. Der Feldzug sah Schneidermei- fter Wagner vier Jahre lang als Artillerist auf den Kriegsschauplätzen in Rußland, Frankreich und Belgien. Nachdem Elsaß-Lothringen nach dem Kriege an Frankreich abgetreten werden mußte, war es ihm als deutschgesinntem Manne nicht mehr möglich, sein Geschäft in Straßburg fortzuführen, er
6 Uhr: Choral, Morgenspruch. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Landfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund (XXXII). 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Die kleine Garnison. Funkbild um ein Hessenstädtchen und seine Soldaten. 16: Nachmittagskonzert. 17: Klaviermusik. 17.30: Die wahre Volksschwester! Ein Zwiegespräch. 17.50: Das gute Rezept. Allen empfohlen, die es angeht! 18: Musik zum Feierabend. 19: Tanzmusik. 19.40: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Schubert-Konzert. 21: Aus dem Grabbe-Zyklus: Don Juan und Faust. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Sportbericht.
werden.
Hausbesitzer und Verdunkelung.
*7* Die am 13. Januar stattfindende Derdunke- lungsübung ist in aller Munde. In den Familien und Betrieben, auf der Straßenbahn und in den Geschäften steht dies Ereignis im Mittelpunkt der Gespräche. Kein Wunder! Denn an diesem Tage wird es in Gießen keine Wohnung geben, in der nicht fleißige Hände alle notwendigen Maßnahmen treffen. Die Gießener wissen: Es gilt zu zeigen, daß die in den letzten Monaten vom Reichsluftschutz, bund durchgeführte Aufklärung nicht umsonst war. Gießen wird am 13. Januar beweisen, daß es den Wert und die Notwendigkeit der Verdunkelungs- Übungen schon im Frieden erkannt hat.
Hausbesitzer Gießens'. Kümmert euch um die Verdunkelung in euren Häusern! Setzt euch mit den Luftschutzhauswarten in Verbindung! Nehmt Fühlung mit den Mietern! Um euer Eigentum handelt es sich. Hausbesitzer, Mieter und Luftschutzhauswart müssen einträchtig zusammenwirken! Klärt die Zweifler auf! Reißt die Zögernden mit! So | bient ihr der Volksgemeinschaft und dem Reichl
Eingeschränkte Beleuchtung der Schaufenster.
3m Anschluß an di« Besichtigung der Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt wurden im Zentrum der Stadt noch einige Schaufenster besichtigt, die gegenwärtig schon für eine „eingeschränkte Beleuchtung" als Musterbeispiel hergerichtet sind. Am besten geeignet erwies sich die Durchführung der Maßnahme dort, wo eine indirekte und gedämpfte Beleuchtung gewählt worden war, bei der die eigentliche Lichtquelle von der Straße her nicht zu sehen, im Schaufenster selbst aber doch die ausgestellte Ware klar sichtbar ist. Die beiden Besichtigungsgänge waren sehr aufschlußreich.___________
nicht stärker als 25 Watt sein, weil sonst die Umhüllung durch die 'Hitzeentwicklung vernichtet wird. Die Einzelbeleuchtung erspart weitgehende Ablenkungsmaßnahmen. Bei Raumbeleuchtung sind Vorrichtungen zur Ab- blendung unerläßlich. Stoff, Decken, Holzrahmen mit Pappe (der letztere in der Große eines Fensterflügels) sind geeignet. Auf Lichtundurchlässigkeit ist zu achten.
Lampen für Außenbeleuchtung von Arbeitsstätten sind auf das Notwendigste zu beschränken. An besonderen Gefahrenstellen können die Lampen in Betrieb bleiben, müssen aber nach allen Seiten, auch nach unten abgeschirmt
treut.
2. Zum erweiterten Selbstschutz zahlen u. a. Waren- und Geschäftshäuser, alle Betriebe des Einzelhandels, Banken und bankähnliche Betriebe, Bildungs- und Unterhaltungsstätten, Gast- und Vergnügungsstätten, Hotels und Krankenhäuser, Altersheime und Stifte, Kirchen und Klöster.
Was besonders zu beachten ist:
3. Alle Lichtreklamen sind auszuschalten. Die Schaufensterbeleuchtung ist auf ein Mindestmaß (eingeschränkte Beleuchtung) herabzusetzen und bis zur vollständigen Verdunkelung durchzu-
Mit Befriedigung stellte er fest, daß sie seine Anordnungen gehorsam befolgt hatte, sie war also offenbar nicht mehr gar so schwach. In seinen viel zu großen Bademantel vermummt, wirkte sie erst recht wie ein erschrockenes Kind, das halb trotzig, halb ängstlich eine Straf predigt erwartet.
Aber er zog es vor, von diesem Eindruck keine Notiz zu nehmen und sie möglichst unbefangen, wie irgendeine Patientin in der Klinik, zu behandeln. Sie ließ sich ohne jede Ziererei fast widerstandslos von ihm frottieren und massieren, aber es entging ihm nicht, daß sie während dieser ganzen Prozedur unablässig, ohne au schluchzen, vor sich hinweinte. Die Tränen quollen aus den weit offenen Augen und liefen über die schmalen Wangen wie das Wasser einer übervollen Brunnenschale. Er überließ sie ruhig ihrem Gefühl, ohne sie durch Fragen oder Tröstungsversuche zu stören. Er war Arzt genug, um zu wissen, daß sie sich so am ehesten fassen würde. Als er sie, nach einer Weile innehaltend, fragte: „Ich glaube, jetzt ist Ihnen wieder ganz warm?" — nickte sie folgsam mit dem Kops und begann gleich darauf von selbst, mit Hilfe seines Handtuches, das noch feuchte Haar und die tränen- naffen Wangen zu trocknen.
Unwillkürlich hatte er sie dabei eingehender betrachtet, und sie mußte seinen Blick gespürt haben. Denn plötzlich huschte eine schwache Röte über ihr Gesicht, und während sie mit beiden Händen ihr Haar zu ordnen versuchte, quälte sie mit dem Anflug eines Lächelns die ersten paar Worte hervor:
„Entschuldigen Sie — ich sehe natürlich schrecklich aus — und überhaupt
Gott sei Dank, die kleine Eva war wieder in ihr 3um Leben erwacht! Aber er ließ ihr gar keine Zeit, etwa verlegen zu werden. Mit heiter kameradschaftlicher Ungezwungenheit bot er ihr seinen Taschenkamm an und bat sie, ihn zu rufen, wenn ihre Toilette beendet wäre. Er benutzte absichtlich scherzhaft konventtonelle Wendungen, um ihr die äußere Sicherheit wiederzugeben. Einfach eine ganz normale Badebekanntschaft — nichts weiter. Nur zufällig um 12 Uhr nachts statt um 12 Uhr mittags.
„Ich bin fertig", klang bald darauf eine kleine, etwas verlegene Kinderstimme aus dem Pinienschatten, und als er sich umdrehte, stand da in durchaus damenhafter Haltung ein junges Mädchen — ein verblüffend schönes Mädchen. Aber er faßte sich
„Stützen Sie sich ein wenig auf meinen Arm", sagte er, „der Weg ist steinig, und Sie werden noch ein wenig schwach auf den Deinen fein. Wohin darf ich Sie begleiten? Pension Souvenir — ah, ausgezeichnet. Das muß ganz in der Nähe meines Hotels sein. Ich habe den Namen da auf einem Wegweiser gelesen. ,Am Fuß der Treppe' steht darauf, glaube ich. Eine komische Sache hier, man weiß nie recht, ab eine Treppe öffentlicher Durchgang ist ober zu einer Privatbesitzung führt."
Er tat fein möglichstes, sie in eine Art von Unterhaltung zu verwickeln, als kämen sie eben zusammen von dem normalsten Badeausflug und nicht aus der Nähe sehr dunkler Gesilde, von denen es sonst keine Rückkehr gibt. Er wollte sie sogar überreden, in einer kleinen, noch offenen Bar einen heißen Kaffee mit Kognak zu nehmen. Aber sie lehnte so heftig und beinah erschrocken ab, daß er nicht weiter darauf bestand, sondern in harmlosem Geplauder den Weg mit ihr fortsetzte.
Durch ein Gewinkel von Treppen und Treppchen gelangte man endlich zu der kleinen Pension, die wie ein verstecktes Vogelnest zwischen den größeren Nachbarhäusern eingeklemmt lag und vermutlich mehr idyllisch als komfortabel war. Alland schloß seiner Begleiterin höflich die Haustür auf und drehte ihr im Flur das Licht an. Sie murmelte etwas von Dank, was er mit einer flüchtigen Bewegung ablehnte.
„Schlafen Sie wohl und — seien Sie mir hübsch vernünftig", sagte er fast rauf), nur um bas leise Wehgefühl zu erftitfen, das sich bei diesem Abschied in ihm regte. Er hätte gern ein Wiedersehen verabredet, er zögerte ein paar Sekunden, in der Hoffnung, daß sie von selber etwas sagen würde. Aber sie blieb stumm, und jetzt erst fiel es ihm auf, daß auf dem ganzen Weg nur er geredet hatte.
„Gute Nacht", sagte er kurz und ließ ihre Hand
Das fremde GeW.
Tioman von Laren.
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Es ist ein Wettschwimmen. Denn eben hat der Kopf da vorn sich gedreht, sie muß am Geräusch gemerkt haben, daß jemand ihr folgt, und scheint nun, unsinnig genug, erst recht ihr Letztes herzugeben, um voranzukommen. Vielleicht in blinder Angst vor einem Verfolger — ober vielleicht doch in einer anderen blinden Entschlossenheit ...?
Jetzt versucht sie auch zu kraulen, aber sie scheint noch nicht recht trainiert, die Beinarbeit ist schlecht. Gott sei Dank, so wird der Abstand immer geringer Jetzt ist er schon bis auf Rufweite heran. Aber was foll man ihr eigentlich zurufen? Eine komische Situation! Vorstellen kann man sich doch hier nicht gut — und wenn sie sich am Ende gar nicht umbringen wollte, dann bringt sie sich womöglich um aus Angst vor dem fremden Mann, der sie hier mitten in der Nacht mitten im Meer verfolgt
Auf einmal packt ihn die Wut. Er hebt den Kopf und schreit — auf deutsch — in dem energischen Ton, der nur für die widerspenstigsten Patienten reserviert ist:
„Lassen Sie jetzt den Unsinn! Sofort umkehren — oder erst mal auf dem Rücken ausruhen! Hören Sie?"
Aber der autoritäre Befehl wird nicht befolgt Alland sieht, wie sie statt dessen nur heftigere Anstrengungen macht, ihm zu entkommen, obwohl ihre Kräfte offenbar schon ziemlich erschöpft sind.
„Zum Donnerwetter — ich will Ihnen doch nur helfen!" schreit er noch lauter und kommt erst in diesem Augenblick darauf, daß er Deutsch spricht, was sie wahrscheinlich nicht versteht.
Englisch — Französisch —? Ehe er sich noch entschieden hat, sieht er plötzlich, wie sie die Arme hochwirft und lautlos in dem flüssigen Metall des Meeres untersinkt ...
Aber da sind es auch nur noch ein paar Meter. Er schnellt sich vorwärts, und gerade als sie noch einmal auftaucht, kann er sie packen von rückwärts, genau so, wie er es tausendmal geübt hat. Aber sie wehrt sich verzweifelt — unglaublich, was dieses kleine Wesen noch für Kräfte hat! Sie ringt mit
geist, Sublimatlösung und dergleichen) ohne baß Vorkehrungen getroffen werben, durch die der Gefahr einer Verwechslung des giftiaen Inhaltes der Gefäße mit einem Nahrungs- ober Genuhmtttel vorgebeugt wirb. Infolge dieses auf Untenntms und Unachtsamkeit, auf Gleichgültigkeit oder Rücksichtslosigkeit zurückzusührenden Verfahrens sind schon häufig Personen, die aus Versehen aus solchen Flaschen getrunken Haden, schwer erkrankt oder gestorben. Ebenso wie cs Gifthändlern verboten ist, Gifte in Trink- oder Kochgesäßen oder in solchen Flaschen oder Krügen abzugeben, deren Form oder Bezeichnung die Gefahr einer Verwechslung des Inhalts mit Nahrungs- ober Genußnutteln herbeizuführen geeignet ist, muß auch bemjenigen. Der giftige Flüßigkeifen im Besitz hat, um sie im $aus» halt ober Gewerbe zu verwenden, schon im Hinblick auf feine Ml. und strafrechtliche Derantwor kchkeit dringend empfohlen werden, die gleiche Vorsicht bei ihrer Aufbewahrung obwalten zu lassen.
Iachschastsabend
der Reichsfachschast deutscher Werbefachleute, Ortsgruppe Gießen.
Am gestrigen Mittwochabeiü) trafen sich die in der NSRDW. zusammengefaßten Werbefachleute unserer Stadt zu ihrem ersten FachgruppenabenD in diesem Jahr. Ortsfachgruppenleiter Bnola eröffnete den Abend und begrüßte seine Berufskame- raten. Dann gab er einen Bericht über bie un letzten Vierteljahr von ber Ortsfachschaft burchge- führten Arbeiten, wobei besonders die Werbeaktion anläßlich ber WHW.-Weihnachtspakete in ber Schau- feiüterausgeftaltung behandelt wurde. Viele Neuanregungen wurden gegeben, und m der anschließenden Aussprache trat die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit aller Werbeleitte in Gießen deutlich zutage. Der Gruß an den Führer beschloß die anregend verlaufene Zusammenkunft.
mußte die Stadt verlassen. Er verlegte seine Firma ; in die Hauptstadt seiner Heimatprovinz, nach Gie- : ßen. Vor einiger Zeit nahm er seinen Sohn, ■ Schneidermeister Helmut Wagner, als Teilhaber auf und führt nun bas Geschäft unter ber Firma „A. Wagner & Sohn" fort. Die Firma erfreut sich allen Ansehens.
♦♦ Neuauflage bes amtlichen Fern- sprechbuches. Die amtlichen Fernsprechducher ür den Reichspostbirektionsbezirk Frankfurt (Main) und den ehemaligen Reichspostbirektionsbezirk Darmftabt sollen zu Anfang 1937 neu aufgelegt werden. Neueintragungen, Berichtigunaen ober Streichungen müssen bie Fernsprechteilnehmer dem'
Die bevorstehende große Verdunkelungsübung am Mittwoch, 13. Januar, veranlaßt schon jetzt umfangreiche Vorbereitungsarbeit. Jeder verständige Volksgenosse wird einsehen, daß er mit ber Vorsorge für diese Hebung nicht bis zum letzten Augenblick warten darf. Was für den einzelnen Volksgenossen für die Verdunkelung seiner Wohnung gilt, trifft in noch größerem Maße für Betriebe, Anstalten usw. zu, deren Betrieb ungeachtet der Derdunkelungsübung in vollem Umfange fortgeführt werben muß, währenb nach außen hin der Derdunkelungsübung Rechnung getragen wird.
In Erkenntnis der Notwendigkeit, für den 13. Januar gerüstet zu sein, wurde am gestrigen Mittwochabend in ber Provinzial-Heil- und Pf 1 egeanstalt eine Verdunkelungsprobe durchgeführt. Vertreter des Polizeiamtes Gießen, des Reichsluftschutzbundes unb ber Presse wohnten die- ser Verdunkelungsprobe bei. Auf einem Rundgang durch einen Teil der Anstaltsgebäude konnte man sich davon überzeugen, daß die Direktion alles veranlaßt hatte, um die Verdunkelung restlos durchzuführen. Von der Pförtnerwohnuna bis zu den riesenhaften Fenstern des großen Küchenbetriebes, dem großen Fenster des Operationssaales, den vielen Fenstern der Anstaltsgebäude, war alles vorschriftsmäßig verdunkelt. Nur an wenigen Stellen war die Verdunkelung nicht sofort restlos gelungen; in der Nachforschung nach der Ursache wurde aber
Amt, von dem sie ihre Fernsprechrechnung erhalten, möglichst umgehend, spätestens aber bis zum 31 Januar 1937 schriftlich mitteilen, wenn sie in der Neuauflage berücksichtigt werden sollen. Nach dem 31. Januar 1937 besteht kein Anspruch mehr auf Ausnahme in bas neue amtliche Fernsprechbuch ober Berichtigung vorhandener Eintragungen. Bestehende gebührenpflichtige Eintragungen, deren Aenderung oder Wegfall nicht spätestens bis zum 31 Januar 1937 beantragt wird, werden in der gleichen Fassung unter Berechnung der bestimmungsmäßigen Gebühr in die neue Auflage übernommen.
ihm, stumm und verbissen. Und dann — den Mund schon voll Wasser — schreit sie noch einmal auf: „Loslassen, ich will nicht leben — ich will nicht!"
Er hat kaum Zeit, darüber erstaunt zu sein, daß sie Deutsch spricht. Er ist mit aller Energie auf diesen schon nicht mehr sportlichen Wettkampf, auf diesen Kampf mit dem Tode konzentriert. Er muß sie noch einmal etwas Wasser schlucken lassen, bis sie nachgibt und halb besinnungslos, mit geschlossenen Augen, sich endlich von ihm mitziehen läßt.
Es ist weiter bis zur Küste, als er gedacht hat, aber man hat schließlich nicht umsonst das jahrelange Training. Mit wohlbemessenen, gleichmäßigen Zügen, den Kopf der Geretteten sorgsam über Was- (er haltend, strebt er dem Ufer zu, das, inzwischen schon nicht mehr so taghell bestrahlt, in einer fast drohenden Dunkelheit liegt. Endlich hat er Boden unter den Füßen, ein Glück, daß er gerade an einen verhältnismäßig günstigen Landungsplatz geraten ist. Er kann den leichten Körper gut aus dem Wasser heben unb die paar Schritte über bie Klippen tragen bis zu der Pinie, wo er vorhin gesessen hat. Behutsam bettet er sie auf seinen Bademantel. Hat sie boch schon zu viel Wasser geschluckt? Dann muß man ...
Aber nein, da schlägt sie schon langsam, zögernd bie Augen auf, als fürchte sie sich davor, ins Leben zurückzukehren...
Wie schön sie war in diesem Augenblick, diesem Augen-Aufblick! Aber er war jetzt nichts als Arzt, Durfte nichts als Arzt sein, schon um ihr über die Peinlichkeit dieser ungewöhnlichen Situation hinwegzuhelfen.
„Bleiben Sie ruhig noch etwas liegen, ich bringe Ihnen Dann gleich Ihre Sachen. Inzwischen können Sie das nasse Zeug ausziehen und den Bademantel umnehmen, Damit ich Sie frottieren kann. Ich bin Arzt", fügte er seinen gewollt sachlichen Anordnungen noch hinzu, als er eine Spur von Ablehnung in ihrem blassen Gesicht zu entdecken glaubte, diesem blassen Kindergesicht, Das ihn so merkwürdig rührte. Beinah brüsk wandte er sich ab, um dann mit betonter Geschäftigkeit seine eigenen Kleidungsstücke und Die ihren zusammenzusuchen. Als er nach einer Weile mit absichtlich lauten Schritten, Die sein Kommen ankündigen sollten, sich wieder der Pinie näherte, war er selber schon wieder angezogen und trug Den nassen Badeanzug in Der einen, bas leichte Strand kleid unb die Sandalen des Mädchens vorsichtig in Der andern Hand.
auch an diesen Stellen Der Mangel schnell behoben.
In Der Provinzial-Heil- unb Pflegeanstalt ergaben sich für die Verdunkelung eines Teiles der Gebäude besondere Schwierigkeiten dadurch, daß ein Teil der Fenster von außen her verkleidet werden mußte. Die Anstalt mußte ja damit rechnen, daß Patienten eventuell bie zur Derbunkelung getroffenen Maßnahmen behäbigen unö unwirksam machen könnten, sofern bie Fenster von innen ----
kleidet worben wären.
In allen Betrieben mit starkem Publikumsverkehr muß verhinbert werben, baß beim Oeffnen ber Türen Lichtschein nach außen fällt. Es müssen Lichtschleusen angelegt werben. Diese finb abgeblenbete Vorräume zwischen der Außentür unb dem erleuchteten Jnnenraum. Die Außentür darf nicht gleichzeitig nut der zwischen Schleuse unb beleuchtetem Jnnenraum befindlichen Tür geöffnet werden.
5, Die Fenster ber Hinterfront, Keller- unb Man- (artenfenfter, Lichtschächte, Oberlichter unb Glasbächer müssen Derbunfett werben.
6. In Den gewerblichen Betrieben ist die Einzel- beleuchtung des Arbeitsplatzes durch tief hängende, nach allen Seiten abgeschirmte Lampen anzustreben. Verhängte Glühbirnen dürfen


