Nr. 233 Zweiter Blati
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Mittwoch. 6. Oktober (937
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Frankfurt erhält eine neue Frauenklinik
einem großen und einem kleinen Gebäude,
die
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den
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Wie wird der kommende Winter?
Der gegenwärtige Stand der Witterungsvorhersage für Jahreszeiten.
hohe Fenster sorgen für genügend Luft und Sonne. Bei geöffnetem Fenster liegt der Kranke wie im Freien. Das Gebäude, das aus akustischen Gründen ein Ziegelbau werden wird, umfaßt insgesamt neun Stationen. Eine halbe Station befindet sich in dem kleineren Längsgebäude Die Stationen sind alle auf einen Typus gebracht. Ein Teil des kleinen Längsgebäudes ist außerdem für die Chefarzt- Wohnung vorgesehen. In dem Quergebäude werden die Aufnahme, die Poliklinik, die Strahlentherapie, der Hörsaal, die Operationsanlagen, der Kreißsaal und das Laboratorium untergebracht In den anschließenden zwei Seiten- und einem Quergebäude
des Jahres 1870 zurücksteht. Ganz analog hat auch der vergangene Sommer 1937 im Vergleich zu seinen Vorgängern ein erheblich gesteigertes Maß an Hitzeperioden gebracht. Im Juni des Jahres 1937 hatten wir eine dreiwöchige Hitzewelle mit Rekordwerten von 33 bis 35 Grad, und auch im Anfang des August konnte sich nochmals tropische Wärme bis zu 36 Grad in ganz Mitteleuropa festsetzen. Aus den früheren Erfahrungen wäre nun der Schluß zu ziehen, daß der kommende Winter wesentlich kälter als die vorausgegangenen wird. Natürlich besitzt eine solche Vorhersage nur einen bestimmten Wahrscheinlichkeitswert — es läßt sich nicht Vorhersagen, ob ein früher oder später Winter eintritt, sondern man prophezeit lediglich eine kältere Durchschnittstemperatur, die ebenso gut durch einige kurze, aber sehr scharfe Kältewellen wie durch längere, leichte Frostperioden entstehen kann. Auch läßt sich regional damit nichts Bestimmtes sogen, hatte doch im vorigen Jahr das östliche Deutschland, das fast vier Wochen eine Tagesdurchschnittstemperatur von 3 bis 10 Grad unter Null aufwies, einen verhältnismäßig strengen Winter, während Westdeutschland und überhaupt ganz Westeuropa nur wenige Tage nennenswerten Frost aufwies. Es bestand hier also ein scharfer
Die neue Universitäts-Frauenklinik Frankfurt im Modell. Der Neubau vom Mainufer aus gesehen. Rechts der Schöpfer des Projektes, Professor Dr. Guth mann, links der Leiter der Universitäts-Frauenklinik, Professor Dr. Sei tz. (Aufn.: Schwarz. NSG.)
also nach dem Luftdruckzyklus Temperaturverhätt- nisse aufweisen, die niedriger als der Durchschnitt liegen.
Aus den angeführten Forschungsergebnissen geht hervor, daß jetzt die Fachwissenschaft'von verschiedenen Seiten aus einen Angriff auf dos schwierige Problem der G r o ß w e t t e r v o r h e r s a g e und damit auch der langfristigen Witterungsvorhersage versucht. Daß es sich dabei um eine Aufgabe handelt, die nicht nur theoretisches Interesse hat, sondern noch viel mehr für wirtschaflliche Planungen der verschiedensten Art Bedeutung hat, braucht nicht besonders unterstrichen zu werden. Sehr erfolgreiche Arbeit auf diesem Gebiet leistet der deutsche Meteorologe Prof. Dr. Franz Baur, der Leiter der Staatlichen Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage in Bad Homburg. Seine Zehntage-Wettervorhersagen für die Sommermonate wurden in diesem Jahre mit besonderem Nachdruck in der Oeffentlichkeit behandelt. Professor Baur hält auf weitere Sicht hin auch eine Ausdehnung der regelmäßig veröffentlichten Vorhersagen auf Monate und ganze Jahreszeiten für durchaus möglich. Noch ist, wie gesagt, dieses Problem bei weitem nicht gelöst, aber die bisher bereits erzielten Fortschritte lassen es erhoffen, daß wir in absehbarer Zeit unsere Winter- oder Sommerreise auf Grund der Langfristprognosen rechtzeitig in eine Periode günstiger Witterung verlegen können.
W. Lammert
An die Führer der Betriebe
Bon Or.Kimmisch, Reichsireuhänder der Arbeit für das Gaugebiet Hessen-Nassau.
Wiederum beginnt in besonderen Veranstaltungen in allen-Gauen des Reiches die Deutsche Arbeitsfront ihre Winterschulungsarbeit. Hier werden sich in gemeinsamer Arbeit Betriebsführer, Vertrauensmänner und Gefolgschaftsmitglieder zusammenfinden, um eine einheitliche Ausrichtung im Dienste einer wahren Betriebs- und Volksgemeinschaft zu erleben.
In Würdigung dieser für den Arbeitsfrieden so bedeutungsvollen Arbeit bitte ich die Betriebsführer, diese Schulungsmaßnahmen der Deutschen Arbeitsfront zu unterstützen und den Gefolgschaftsmitgliedern die notwendige Freizeit zur Tellnahme, insbesondere an Wochenend- und längeren Kursen, zu gewähren.
durcharbeitete. Das Modell besichtigte Gauleiter i werden die Aerzte- und Schwesternwohnungen ein- Sprenger. Die neue Frauenklinik besteht aus I gebaut.
Dom Jahre 1928 die Erfahrung unterstrichen, daß der Witterungscharakter in solcher Zeit erhöhter Sonnenfleckentätigkeit zu Externen neigt Auf einen zeitweise sehr warmen Hochsommer folgte Anfang 1929 ein abnorm strenger Winter — der kälteste seit 100 Jahren — mit Kälte und Schnee, der den Erdboden in manchen Gegenden bis zu 200 Zentimeter Tiefe frieren ließ.
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Rach dem Durchschnittswert der Periode wäre das neue Sonnenfleckenmaximum erst im Jahre 1939 fällig. Der auffallend starke Anstieg der Fleckenhäufigkeit in den letzten zwei Jahren hat aber die Fachwissenschaft in Zweifel gebracht, ob die Sonne sich diesmal streng an die Norm halten wird. Vielmehr spricht die bisherige Entwicklung der Periode mit ihrem scharfen Tempo dafür, daß vielleicht bereits der kommende Winter den Höhepunkt bringt. So hat die Sonnentätigkeit in den letzten Monaten schon einen Grad erreicht, der nur wenig hinter dem berühmten Maximum
parallel zum Mainufer verlaufen, einem Quergebäude, an das sich unmittelbar zwei kleinere Seitengebäude mit einem Quergebäude so anschließen, daß ein Binnenhof entsteht. Bei dem Bau wird Wert auf vollständige Zusammenfassung sämtlicher Behandlungsabteilungen gelegt. In dem großen Längsgebäude befinden sich die Patienten- und Wirtschaftsräume. Während die Wirtschaftsräume auf der Seite nach dem Mainufer untergebracht sind, liegen die Krankenzimmer auf der Südseite. Breite
NGS Durch die Aufwärtsentwicklung der Stadt Frankfurt a M. hat sich gezeigt, daß verschiedene Abteilungen des Städtischen Krankenhauses nicht mehr den wachsenden Anforderungen genügen. Man ist deshalb darangegangen, Pläne für Neubauien zu entwerfen. Danach sollen die Frauenklinik das Verwaltungsgebäude, die Zentralküche, Krankenhausbibliothek Apotheke, die Magazine und das Aerztekasino neu gebaut werden. Im Baustil sollen sich die Gebäude dem des Hauses der Volksgesundheit, an oie sie anschließend links des Mainufers errichtet werden, anpasfen.
Von den Projekten ist am vordringlichsten zunächst der Bau der Universitäts-Frauenklinik, da das jetzige Gebäude in keiner Weise den erhöhten Anforderungen unserer Zeit entspricht. Die Aufgabe, eine zweckentsprechende Bauform zu finden, die allen klinischen Bedürfnissen gerecht wird, wurde vom Oberarzt der Klinik, Professor Dr G u t b m a n n , in hervorragender Weise gelöst. Er entwarf selbst den Bauplan den er dann zusammen mit Magistratsbaurat Weber und Stadtbaumeister Pfaff vom Städtischen Hochbauamt
Gegensatz auf dem verhältnismäßig kleinen Raum von 2000 Kilometer Durchmesser.
Einige Meteorologen wollen jetzt auch dem wechselnden Gefälle des Luftdrucks eine sechsjährige Periode zuschreiben. Nach dem Wetterzyklus, der sich daraus ergibt, müßte schon der vergangene Winter zu den kalten gerechnet werden. Denkt man an seinen Verlauf zurück, namenllich an die aü- norm strenge Kälte, die im Januar und Februar das östliche Mitteleuropa, sowie ganz Nord- und Osteuropa beherrschte, so kann man'wohl sagen, daß der vergangene Winter — abgesehen von der westlichen Hälfte Europas — recht kalt gewesen ift, ’ zweifellos war er erheblich kälter als 'der Winter 1935/36. Der nun kommende Winter 1937/38 müßte
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Der nachstehende Artikel berichtet über einige aufschlußreiche Forschungsergebnisse, bei denen es sich darum handelt, die jetzt ja bereits für zehn Tage gültigen Wettervorhersagen auf die Witterung ganzer Jahreszeiten zu erweitern. Dieses Problem ist durchaus noch nicht gelöst, aber die Meteorologie verfügt doch bereits über einige wichtige Anhaltspunkte, die es auch gestatten, einige wissenschaftlich wohlbegründete „Prophezeiungen" über den Witterungscharakter des kommenden Winters zu geben.
Schon in der Schule hörten wir von jenem biblischen Traum des Pharao mit den sieben fetten und sieben mageren Kühen, die fruchtbare und ebenso viel unfruchtbare Jahre bedeuteten. Aus dieser Geschichte geht hervor, daß bereits im Altertum eine gewisse Erfahrung über einen rhythmischen Gang der Witterungsoerhältnisse und besonders auch der Niederschläge Vorgelegen hat. Aber erst gegen Ende des porigen Jahrhunderts wurde erstmalig ein Versuch gemacht, Erfahrungsregeln dieser Art auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Es war der Geograph Brückner in Wien, der ein sehr reichhaltiges Material verarbeitete, das sich auf die Bewegung von Gletschern und auf die Veränderlichkeit von Wasserständen bei einigen grö- steren Landseen bezog. Auf Grund seiner Untersuchungen erklärte er, das Mitteleuropa einer ,Flimaperiode" von 35 Jahren unterworfen sei, allerdings handelt es sich um einen Durchschnittswert, der kleinere Abweichungen aufweist. Mit der Brücknerschen Klimaperiode, wie sie genannt wird, haben sich in der letzten Zeit die Meteorologen aller Länder eingehend beschäftigt. Um ihren Verlauf genauer festzustellen, hat sie der Forscher Otto Myrbach in sieben Fünfjahrperioden zerlegt, die er besonders charakterisiert hat. Danach fällt in die Jahre von 1936 bis 1 9 4 0 die Phase des stärksten Ansteigens der Niederschlagsmenge. Man hat auch von anderer Seite das Jahr 1936 als das „kritische" Jahr bezeichnet, in dem sich der Uebergang von einer ausgesprochen trockenen zu einer nassen Witterungsperiode vollzog. In der Tat war das vorige Winterhalbjahr ausgesprochen niederschlagsreich; in den Sommermonaten dieses Jahres waren vor allem die tropischen und subtropischen Gegenden mehr als Mitteleuropa dem Wasserkreislauf unterworfen So hat-Südafrika zeitweilig ungewöhnlich starke Niederschläge gehabt.
In den letzten Jahrzehnten hat man immer mehr den Gedanken verfolgt, daß die Klimaperiode auf Schwankungen der Sonnentätigkeit begründet sein muß. Wir wissen ja schon seit langem, daß die Häufigkeit der Sonnenflecken einer Periode unterliegt, deren Durchschnittswert auf etwas über elf Jahre bestimmt wurde. Nun hat man nach statistischen Aufzeichnungen festgestellt, daß gewöhnlich bei jeder dritten Periode das Flecken- maximum stärker ausgeprägt ist als im Durchschnitt. Es spricht also vieles dafür, daß in der Brücknerschen Klimaperiode die dreifache Sonnenfleckenperiode enthalten ist. Wir wissen jetzt, daß die Sonnenilecken und besonders die in ihrer Nähe auftretenden Sonnenfackeln und Protuberanzen elektrische Strahlungen aussenden, die auch in unsere Atmosphäre gelangen. Wenn nun diese Strahlen im Rhythmus der Sonnentätigkeit ab- und zunehmen, so erfolgt dadurch eine Einwirkung auf die Großwetterlage, vor allem die Intensität der Niederschläge.
Gegenwärtig befinden wir uns nun mitten in einem sehr stark ausgeprägten M a x i m a l st a - d i u m der Sonnenflecken. Vor sechs Fleckenperioden, im Kriegssommer 1870, befand sich die Sonnenoberfläche in einem ähnlichen Stadium. Damals war der Sommer zeitweise ungewöhnlich warm, ihm folgte ein extrem kalter Winter der die Kriegführung sehr erschwerte. Auch das Sonnenfleckenmaximum im Kriegsjahr 1917 war außerordentlich wirksam. Der Winter dieses Jahres der berüchtigte Steckrübenwinter, war bekanntlich sehr streng, in vielen Gegenden Europas war der Erdboden in der Ebene bis auf 80 Zentimeter Tiefe gefroren. Noch deutlicher hat das letzte Maximum
Dort, wo die Betriebsordnung über die Weitergewährung des Einkommens für die Dauer der Freizeit noch nichts vorsieht, empfehle ich eine entsprechende Bestimmung aufzunehmen, die den ~ satz für den Lohnausfall sichert.
Ferner würde ich es begrüßen, wenn die triebsführer als verantwortliche Leiter ihres triebes sich, soweit wie möglich, persönlich an ..... Schulungsveranstaltungen beteiligen würden. Denn nur das gemeinsame Erleben eines Schulungslagers, Wochenendkurses oder eines gemeinsamen Aus» spracheabends wird in der täglichen Arbeit den ideellen und praktischen Nutzen dieser Einrichtung zeigen.
IhtiWOoWM!
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz:
Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.
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„Sag' mir erst, Stefan, ob du mir sehr böse bist."
„Nein. Ich habe keine Veranlassung dazu. Das sagte ich Ihnen ja bereits."
„Aber du warst es. Warst du mir sehr böse, Stefan?"
„Das bedarf wohl keiner Frage Ich hätte ja sonst ein Mensch ohne jedes Ehr- und Selbstgefühl sein müssen. Aber heute ist diese Frage ja vollkommen gegenstandslos geworden und kann Sie meines Erachtens ebenso wenig interessieren, wie sie mich noch interessiert Uebrigens würde ich es für durchaus Angebracht halten, daß^Sie mich „Herr von Achenbach" nennen, wie ich Sie — nach Lage der Sache eine Selbstverständlichkeit — „Frau Konsul" nenne."
„Nein, Stefan, ich kann nicht ,Sie' zu dir sagen. Es wäre Lüge, Verstellung, Theater. Mir ist nicht nach Theater zumute. Und du mußt mich anhören, Stefan. Ich weiß ja heute selber nicht mehr, wie das alles gekommen ist. Ich habe es schon damals nicht gewußt. Vielleicht — du warst noch so jung, ich war wohl deine erste Liebe, und da habe ich deine Gefühle für mich wohl nur für jugendliches Aufflammen gehalten. Ja, so wird es gewesen fein, Stefan."
Er sah an ihr vorüber in die dunklen Stamme.
„Ich war jung damals, gewiß. Aber nur den Jahren nach. In meiner Anschauung vom Leben war ich viel älter. Meine freudlose Jugend hat mich frühzeitig ernst gemacht. Aber wir sprechen von Dingen, die längst abgetan sind, von längst vergessenen Dingen."
In Glorias Stimme glühte die Leidenschaft.
„Ich, Stefan — ich habe nichts vergessen... Sieh mal, ich habe damals gar nicht gewußt, wie sehr ich dich liebte. Es ist mir erst zum Bewußtsein gekommen, als es zu spät war. Und heute — ach,
Stefan, ich muß es sagen, und ich darf es sagen, weil alle Schuld bei mir liegt: heute liebe ich dich, wie eine Frau nur lieben kann. Glaubst du mir das, Stefan?"
Sie forschte mit brennenden Augen in seinem abgewandten Gesicht. Langsam wandte er sich ihr wieder zu.
„Und das sagen Sie mir als Frau eines anderen? Als Frau eines Mannes, der sein Glück in Ihnen sieht und Sie auf Händen trägt?"
Der Funke einer jähen Hoffnung glomm ungesehen in ihren Augen auf.
„Ist es nur das, Stefan? Scheust du dich nur, das Glück eines anderen zu zerstören? Oh — es ist doch alles nur Schicksal, alles Bestimmung. Du sollst ja auch gar nicht die Frau eines anderen antasten. Wir wollen geduldig warten, bis ich frei bin. Bruckner liebt mich auf seine Art. Er wird mich freigeben, wenn ich ihn bitte, er ist selbstlos genug, um meinem Glück nicht im Wege sein zu wollen."
„Ihrem Glück, Frau Konsul...? Glauben Sie wirklich, daß Sie heute noch mit mir glücklich sein könnten ...?"
„Ganz gewiß, Stefan. So glücklich, wie es eine liebende Frau nur sein kann."
„Nein, Frau Konsul. Sie würden sogar noch unglücklicher werden, als Sie es anscheinend jetzt schon sind; denn der Stefan von Achenbach, zu dem Sie heute sprechen, ist ein anderer als der von damals. Er hat Ihnen nichts, aber auch nichts mehr zu geben. Und damit wollen wir unsere Unterredung als beendet betrachten. Sie zittern ja an allen Gliedern."
„Es ist nicht die Kälte, Stefan..."
Sie beugte sich plötzlich vor.
„Kannst du wirklich nicht vergeben und vergessen? Oder sprichst du so, weil — dein Herz nicht mehr frei ist...?"
Er schwieg in leiser Betroffenheit.
„Ist dein Herz nicht mehr frei?" wiederholte sie mit drängender Stimme und angstvoll geweiteten Augen.
Er wandte das Gesicht zur Seite
„Ich — weiß es nicht."
„Doch, du weißt es. Sag', Stefan, ist es — Annelore Hildach..."
Er fühlte, daß sein Gesicht sich mit einem tiefen Rot überzog. Es drängte ihn, zu sagen: Laß die Hände von diesen Dingen! Aber er tat es nicht. Stumm sah er in das schneebedeckte Gezweig. Dort funkelte ein einsamer Stern glückverheißend durch den Frosthauch des Abends herab.
Als wenn er einer inneren Stimme gehorchte, wandte Stefan sich plötzlich Gloria wieder zu. Seine Schultern reckten sich.
„Du sollst — Sie sollen es wissen, Frau Konsul: Wenn ich noch einmal lieben werde, dann wird es eine ganz große Liebe sein. Und dann wird es ein Mädchen wie Annelore Hildach fein. Es ist auch gut für Sie, zu wissen, daß ich mich schon heute nicht mehr gegen eine Neigung für Fräulein Hildach wehre — wie ich es noch vor kurzem getan habe, weil ich gelernt hatte, die Frauen zu verachten..."
Ein leises Stöhnen kam von Glorias Lippen.
„Ich habe es gewußt, Stefan. Und ich sehe, daß ich nichts mehr zu hoffen habe..."
Eine Schwäche schien sie anzukommen. Sie suchte Halt an dem eisbedeckten Mauerrest.
Da klang ein leises, diskretes Hüsteln von der Seite her. Der Revierförster kam zögernd heran. Er hatte im Walde noch einmal nach den Futterplätzen für das Wild gesehen und wußte offe^^c nicht recht, wie er sich verhalten sollte.
Stefan rief ihn heran.
„Bitte, Lohmann — die Frau Konsul fühlt sich nicht wohl — vielleicht sind Sie so freundlich, sie ins Haus zurückzuführen.
Gloria riß sich zusammen.
„Nein, danke, bemühen Sie sich nicht."
Mit gesenktem Kopf ging sie davon.
Der Revierförster zögerte noch.
„Danke, es ist gut", nickte Stefan ihm zu. Dann war er wieder allein.
Ein tiefer Atemzug hob seine Brust, die so frei war wie feit Jahren nicht. Es war nicht nur der Gedanke, daß das Kapitel Gloria nun endgültig abgeschlossen war. Da war noch etwas anderes. Ihm war, als ob er eben etwas für Annelore getan hätte. Etwas ganz Großes, Unerhörtes. Er hatte sich zu ihr bekannt — vor der Frau, der feine erste Liebe gehört hatte! Und hatte er damit nicht auch gleichzeitig vor sich selbst ein Bekenntnis abgelegt?
„Wenn ich noch einmal lieben werde ..." Äch, es gab da ja gar kein Wenn mehr! Die große Liebe
feines Lebens war da. Jeder Pulsschlag, jeder Atemzug, jeder Gedanke^gab Kunde davon. Man hatte es nur nicht wissen wollen, hatte sich dagegen ge- wehrt. Weil man sich selber nicht traute. Well man nicht noch einmal enttäuscht werden wollte. Weil man die Frauen hassen und verachten gelernt hatte. Durch jene eine Frau! Aber diese Frau war ja kein Maßstab für alle. Annelore war gar nicht in einem Atemzuge mit ihr zu nennen. Man begriff es heute nicht, daß man Gloria Rettner einmal geliebt hatte. Es war eben nicht Liebe gewesen, sondern Leidenschaft der Jugend, ein sehnsüchtiges, haltloses Aufflammen nach den Jahren einer freudlosen und liebeleeren Jugend. Gloria hatte das wohl richtig empfunden. Und sie hatte feinen Weg wohl kreuzen und ihm Wunden schlagen müssen, damit er reif wurde für die wahre Liebe, die das Schicksal ihm bestimmt und aufgehoben hatte.
Ja, Annelore, du bist doch das Glück! dachte er, als er mit raschen, leichten Schritten wieder ins Schloß zurückkehrte. Nun galt es, Annelores Herz zu gewinnen. Und wenn die Wege des Schicksals wirklich sinnvoll waren, konnte ihr Herz ihm nicht verschlossen bleiben.
12.
Die Probe im Stadttheater war beendet. Die Künstler atmeten auf. Das war eine außergewöhnlich stürmische Angelegenheit gewesen!
Die erste Sopranistin war plötzlich erkrankt, Ersatz konnte im Augenblick nicht beschafft werden, und so hatte sich der Intendant gezwungen gesehen, die Oper für ein paar Tage vom Spielplan abzusetzen und an ihre Stelle eine Operette einzuschieben. Man war darauf natürlich nicht vorbereitet gewesen. Außerdem mußte mit Hochdruck gearbeitet werden, ein Umstand, der die Schwierigkeiten naturgemäß nur noch steigerte. Der Spielleiter war in gelinde Verzweiflung geraten, der Kapellmeister hatte mehr als eine biffige Bemerkung hören lassen Immer und immer wieder war abgebrochen worden, bi» sich endlich alles in Zufriedenheit aufgelöst hatte.
Der nicht mehr junge, aber immer noch sehr beliebte Tenorbuffo fuhr sich aufatmend mit dein Taschentuch über die feuchte Stirn.
Fortjetzung folgt


