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Den Kameraden imLager junger Bühnenkünst-

j)eute abend

Mitarbeit von Beamten

in der Partei und ihren Organisationen.

Der am Mittwoch in Bad Tölz nach langem Lei­den im 67.Lebensjahre entschlafene frühere Inhaber des Lehrstuhls für Hygiene und Direktor des Hy- 1 aiemfchen Instituts der Universität Gießen Professor ! Dr Philalethes Kuhn war am 13. Oktober 1870 in j Berlin geboren. Seine medizinische Ausbildung hatte ; er an der Kaiser-Wilhelm-Akademie in Berlin er­halten. Im Jahre 1895 bestand er das medizinische , Staatsexamen. Dann leistete er als Militärarzt ; Kolonialdienst bei der Schutztruppe in Südwest­afrika, machte 1897/98 den Feldzug gegen die Hot­tentotten mit und wurde später Dlstriktschef von Grootfontein. Nach dem Feldzug gegen die Herero im Jahre 1904, in dem er Omaruru verteidigte, erhielt er ein Kommando im Reichskolonialamt und im Reichsgesundheitsamt. Später wirkte er als Chefarzt der Schutztruppe und Medizinalreferent beim Gouvernement in Kamerun. 1902/03 war er in das Institut für Tropenkrankheiten in Hamburg und 1909/11 in die Bakteriologische Abteilung des Reichsgesundheitsamtes kommandiert. 1914 wurde ihm das PrädikatProfessor" verliehen. Im gleichen Jahre wurde er an der Universität Straßburg a. o. Professor für Hygiene und Leiter der Bakteriologi­schen Anstalt für das Elsaß. Von 1920 bis 1926 wirkte er als Ordinarius für Hygiene an der Uni­versität Tübingen und an der Technischen Hochschule Dresden, in letzterem Amt war er außerdem Kurator des Hygiene-Museums und Direktor der sächsischen Landesstelle für öffentliche Gesundheitspflege.

Im Jahre 1926 wurde Prof. Kuhn als Nachfolger von Prof. Gotschlich auf den Lehrstuhl für Hygiene an der Universität Gießen und als Direktor des Hygienischen Instituts berufen. Hier wirkte er in segensreicher Weise, bis er am 1. Mai 1935 wegen schwerer Erkrankung aus dem ihm liebgewordenen Amte scheiden mußte.

Prof. Kuhn beschäftigte sich zur Zeit seines Ko­lonialdienstes, seiner Kommandierung zum Reichs­gesundheitsamt und auch späterhin noch mit Ar­beiten über die Aetiologie der Pferdesterbe und über die chemisch-therapeutische Wirkung des Anti­mons. Ferner erschienen zahlreiche Veröffentlichun­gen von ihm über das Wesen des d'Herellefchen Phänomens, über die Aetiologie der Krebserkran­kung und über Bakterienvariabilität. Weiterhin ar­beitete er über die Aetiologie der multiplen Skle­rose und veröffentlichte Untersuchungen zur lieber« tragung von Krankheiten durch einheimische ste­chende Insekten. Ganz besonders am Herzen lagen ihm alle Fragen, die mit der Rassenhygiene und Bvölkerungspolitik in Zusammenhang stehen. Schon sehr frühzeitig (seit 1922) trat er in Wort und Schrift für die Bedeutung nicht nur, sondern vor allem auch für die Realisierung rassenhygienischer Lehren ein. Kuhn war Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene und war einer der ersten deutschen Hochschulprofessoren, der ein offi­zielles Kolleg über Rassenhygiene und Bevölke­rungspolitik ankündigte und so schon in der System­zeit Grundsätze proklamierte, die erst im Dritten Reich und zwar in allererster Linie eine ge­setzliche Fundamentierung erfuhren. Kuhn war ein alter und nimmermüder Verfechter der Frühehe, für deren Realisierung sich der Staat gerade im Augen­blick in besonderem Maße einsetzt.

Die Universität Gießen verdankt ihm die Mit­schöpfung des Amtes für Leibesübungen und die Erstellung des Universitäts-Sportplatzes und des Universitäts-Tennisplatzes. Dem Ausbau und Auf­bau feines Instituts galt feine ganze Sorge. Durch rege Beziehungen zur Industrie ermöglichte er es, sich für feine wissenschaftlichen Arbeiten einen größe­ren Stab von Mitarbeitern zu schaffen, die seiner wohlwollenden und stets gerechten Leitung willig und freudig folgten. Bei der Neuorganisation der Universität Gießen nach dem Umbruch war er un­ablässig und unermüdlich tätig, und es gelang sei­ner gewinnenden Art stets, bei irgendwelchen Diffe­renzen Brücken der Versöhnung zu schlagen und

vor allem seinen Studenten ein väterlicher Freund und Berater zu sein.

In Anerkennung seiner großen Verdienste um Hochschule, Volk und Vaterland hatten ihm Anfang April 1935 der Rektor und der Dekan der Juristi­schen Fakultät der Universität Gießen das Diplom des Ehrendoktors der Juristischen Fakultät der Uni­versität Gießen überreicht.

Bei seinem Scheiden aus dem Dienst ging ihm als Zeichen der besonderen Ehrung auch ein per­sönlicher Brief des Führers zu. Die hohe Wert­schätzung, die der Führer Prof. Kuhn zuteil wer­den ließ, kam in diesem Schreiben in einigen Sätzen die wir in unserer gestrigen kurzen Mit­teilung über das Ableben des Gelehrten bereits mitteilten, zum Ausdruck. Prof. Kuhn gehörte zu dem Kreise der ältesten Gefolgschaftsmänner des Führers, denn schon seit 1923 stand er in der na­tionalsozialistischen Bewegung. Während er damals in Dresden wirkte, war er gemeinsam mit dem jetzigen Gauleiter und Reichsstatthalter in Sachsen Mutsch mann in der Führung der nationalso­zialistischen Bewegung in Sachsen tätig. In dank­barer Anerkennung jener Arbeit wurde Professor Kuhn von dem'Gauleiter Mutschmann das Ehrenzeichen von 1923 des Gaues Sachsen der NSDAP, verliehen. Ferner schmückten ihn die in opferfreudigem Dienst für fein Volk und Vaterland erworbenen beiden Klassen des Eisernen Kreuzes und andere Orden.

Prof. Kuhn war ein Mann, dem die Zuneigung aller derer gehörte, die mit ihm je in nähere Be­rührung gekommen waren. Seine charaktervolle, vornehme Gesinnung, seine allezeit beispielhafte Liebenswürdigkeit und stete Hilfsbereitschaft, seine offene und gerade männliche Denkart, sein ausge­prägtes soldatisch - kameradschaftliches Empfinden, das man bei ihm immer aufs neue in Worten und Taten überzeugend bekundet sah, machten ihn zu

Der Reichsstatthalter in Hessen Landesregie­rung hat an alle unterstellten Behörden, Ge­meinden, Gemeindeoerbände und sonstigen Körper­schaften des öffentlichen Rechts folgende Verfügung

Hitler-Iugend.

Unterbann 1/116.

(6. August) um 20 Uhr findet im 2/116 eine Besprechung aller Geff.-,

einem Menschen von bester deutscher Art. Darum wird ihm auch über den Kreis seiner wissenschaft­lichen Mitarbeiter, Schüler und Kameraden hinaus in der Bevölkerung von Stadt und Land unserer engeren Heimat stets eine dankbare und verehrungs- volle Erinnerung gesichert sein.

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

NSDAP. Amt für Beamte: 20 Uhr: Eaf6 Leib Kameradschaftsabend mit der Hitler-Urlauber-Kame- radfchaft Wetterau. Gloria-Palast, Seltersweg: Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit". Deutsche Werkstoff-Ausstellung im Saale der Liebighöhe von 10 bis 20 Uhr.

SportamtKraft durch Freude".

Neue Tennis-Kurse.

Für die wieder neu beginnenden Tennis-Kurse werden Anmeldungen auf der Dienststelle, Schanzen­straße 18, Zimmer 7, entgegengenommen. Die Kurse beginnen am Sonntag, dem 8. 8., von 8 bis 9 und 9 bis 10 Uhr, und Montag, dem 9.8., von 18 bis 19 und 19 bis 20 Uhr auf den Tennisplätzen am Schützenhaus. Die Gebühren betragen für 6 Unter­richtsstunden RM. 6,. In der Gebühr ist enthalten die Stellung von Schläger, Bällen, Platz und Ten­nislehrer. ______________51510

Vermerk über fre Wehrfleuerfreibeit.

NSG. Durch das Wehrsteuergesetz ist die Wehr­steuerpflicht mit Wirkung vom 1. September 1937 ab eingeführt. Wehrsteuerpflichtig sind erstmals die Angehörigen der Geburtsjahrgänge 1914, 1915 und 1916, soweit sie nicht zur ordnungsmäßigen Er­füllung ihrer Dienstpflicht herangezogen find oder waren. Die Wehrsteuer wird bei Arbeitnehmern im Wege des Abzugs zusammen mit dem Lohn­steuerabzug, für sonstige Steuerpflichtige durch Ver­anlagung erhoben. Soweit Arbeitnehmer in Frage kommen, die nicht wehrsteuerpflichtig sind, müssen sie zur Vermeidung der sonst vorzunehmenden Ab­züge ihre Steuerkarte für 1937 durch die Gemeinde­behörde mit einem Vermerk der Steuerfreiheit ver­sehen lassen. Die erforderlichen Nachweise (Wehr- paß, Ausschließungsschein, vorläufiger Musterunqs- ausweis) und die Steuerkarte 1937 sind bei Stel­lung des Antrages vorzulegen.

Nie Urlaubsgewährung im Baugewerbe.

Für die Berechnung der Urlaubsmarken ist der Bruttolohn maßgebend.

LPD. In letzter Zeit wurde verschiedentlich fest­gestellt, daß manche Betriebsführer des Bauge­werbes die Urlaubsmarken nicht ordnungsgemäß, insbesondere nicht in der vorgeschriebenen Höhe ge­klebt haben, so daß in diesen Fällen der Gefolgs­mann nach der Wartezeit von 32 Wochen für feine Urlaubstage ein Urlaubsentgelt enthält, das bei weitem nicht an feinen durchschnittlich verdienten Lohn heranreicht.

Von zuständiger Stelle wird deshalb darauf hin­gewiesen, daß die Berechnung der zu klebenden Ur­laubsmarken stets vom Bruttolohn und niemals vom Nettolohn zu erfolgen hat und daß die Be­stimmungen der Tarifordnung über den Urlaub nach dem Markensystem im Baugewerbe und in den Baunebengewerben als Mindestbestimmungen anzusehen sind. Unterschreitungen dieser Bestimmun­gen ohne besondere Genehmigung des Reichstreu­händers der Arbeit können mit Geld- oder Gefäng­nisstrafe geahndet werden. Außerdem besteht in diesen Fällen die Möglichkeit der Einleitung eines sozialen Ehrengerichtsoerfahrens.

** Straßensperrung. Wegen Straßenbau­arbeiten wird der W a r t w e g zwischen Aulweg und Bergwerk für die Zeit vom 5. August bis 18. September für jeglichen Fährverkehr polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungs- : schilder sind zu beachten.

Theatersührung im neuen Deutschland

Intendant Schultze-Griesheim imLager junger Bühnenkünstler".

Heim der Gef.----- . ,, z w

Sondereinheitsführer (auch S. Z.) des Unterbannes 1/116 statt. Mitzubringen ist eine genaue Aufstellung, welche und wieviel Instrumente in den einzelnen Einheiten gespielt werden.

Aus der Stadt Gießen

profestor Nr. Kuhn f.

gerichtet:

Der Beamte im Reiche Adolf Hitlers ist Ver­waltungssoldat. Er steht zum Staat in einem be­sonderen Treueverhältnis und muß sich ihm unein­geschränkt hingeben. Das verpflichtet den Beamten mehr als jeden anderen Volksgenossen, außerhalb seines Dienstes in der Partei, einer ihrer Gliede­rungen oder einem angeschlossenen Verband mitzu- arbeiten. Der Partei dienen heißt, für Führer ünd Volk arbeiten. Die hohen politischen Anforderun­gen, die der Nationalsozialismus an die Nation stellt, haben zur Folge, daß er der ehrenamtliche Dienst an irgendeiner Stelle der Bewegung Adolf Hitlers den Deutschen voll qualifiziert. Ich erwarte daher, daß die Beamten und Angestellten im Staatsdienst, soweit sie noch keine aktive Arbeit für die NSDAP, und ihre Organisationen übernom­men haben, sich beschleunigt zur Verfügung stellen.

Heil Hitler! Sprenger.

ler", das wir berichteten bereits darüber ge­genwärtig auf dem Gleiberg 25 junge Menschen vereinigt, die von der Bühne kommen oder zur Bühne wollen, hielt am gestrigen Donnerstag­nachmittag der Intendant unseres Stadttheaters Schultze-Griesheim einen aufschlußreichen Vortrag über das ThemaTheaterführung im neuen Deutschland".

Der Redner stellte zunächst die Verantwortlichkeit des Intendanten dem Theater gegenüber voraus, das nicht mehr beeinflußt werde von den Wünschen vieler Parteien und Gruppen, wie es in der Sy­stemzeit der Fall war. Der Intendant sei heute in erster Linie der Reichstheaterkammer bzw. der Reichskulturkammer verantwortlich im Hinblick auf den künstlerischen Weg, der eingeschlagen werde. Dem Intendanten seien zwar Richtlinien gegeben, die sich aber keineswegs in Einzelheiten erschöpf­ten, sondern einen großen Rahmen darstellten, den er mit seiner Persönlichkeit ausfüllen müsse. Der Theaterleiter könne dabei dem Charakter der Stadt entsprechen, für das sein Theater zu wirken habe. Für das Theater unserer Gegenwart gehe es nicht allein darum, daß sich das Theater lohne, auch habe es nicht allein um fein Ansehen zu ringen, sondern vor allem der Zukunft und der Jugend zu dienen.

In feinen weiteren Darlegungen schilderte der Intendant seine eigene Arbeit, insbesondere im Hin­blick auf den neuen Weg, den er mit den Morgen­feiern beschritten habe, in denen mancher junge Autor zu Worte komme. Im nächsten Jahre solle ferner der Versuch gemacht werden, ein engeres Verhältnis zwischen Theater und Hitler-Jugend zu schaffen, Schauspieler und Hitler-Jugend zusammen­zuführen zu einer gemeinsamen, zukunftweisenden Arbeit. Mehr und mehr sollten auch neue Stücke in den Spielplan eingebaut werden, wenngleich es noch

nicht möglich fei, sie den Spielplan bestimmen zu lassen. , r ...

Im mittleren und kleinen Theater bestehe für den Intendanten immer die Notwendigkeit, sich dessen bewußt zu sein, welche Stücke unter aller künstlerischen Verantwortung mit dem zur Verfü­gung stehenden Ensemble herausgebracht werden könnten. Fehl am Platze sei es, Stücke aufzuführen, die uns in Widersprüche zu unseren Erkenntnissen rassenpolitischer, staatspolitischer oder religiöser Art zu bringen geeignet seien, oder die einer falschen Auffassung begegnen müßten. Eine große und dank­bare Aufgabe habe vielmehr das Theater !der Ge­genwart in der Gestaltung des klassischen Dramas, das, mit neuem Geiste erfüllt, darzustellen sei.

Dann sprach Intendant Schultze-Grieß­heim über das Wesen der Darstellung, über das Verhältnis des Schauspielers zum Regisseur, über die Arbeit des Schauspielers an sich selbst und über die Wandlung im Geist der Darstellung, wie sie sich heute aus einer anderen Erziehung des jungen Schauspielers her anbahne. Er forderte die jungen Kameraden des Lagers auf, mit allem Ernst an sich selbst zu arbeiten, bereit zu sein für das Thea­ter unserer Zeit, das in einer Umformung begriffen sei, wie es für den Intendanten gelte, diest Be­reitschaft zu erhalten und zur Auswirkung zu bringen.

Nachdem sich der Redner noch in wenigen grund­sätzlichen Erörterungen mit dem Wesen des Dra­mas und den Möglichkeiten der dramatischen Ge­staltung der Probleme der Gegenwart beschäftigt hatte, schloß er feinen mit größter Aufmerksamkeit verfolgten Vortrag.

Eine rege Aussprache schloß sich an, in der manche aus dem Kreise der Zuhörer aufgeworfene Frage Beantwortung fand.

Goethe spürt die Inflation.

Von JR. W. v. Mebenau.

Jedes Jahr pflegte der Dichter und Staatsmann Goethe einen Badeort aufzusuchen, um sich für neues Schaffen zu ftätfen. Karlsbad darf sich rüh­men, die Liebe des Dichters bis in dessen hohes Alter genossen zu haben.

Aus der Zeit des Karlsbader Kuraufenthaltes im Jahre 1811 findet sich in Goethes Tagebuch fol­gende, feine erste Bekanntschaft mit einemHeuri­gen" betreffende Eintragung:

In Weheditz, einem Dorf über der Eger gegen Dalwitz gelegen, hatte sich ein Bauer, der als Fuhr­mann bis Ungarn frachtete, auf dem Rückweg mit dem jungen geistigen Wein beladen und in Hof und Haus eine kleine Wirtschaft errichtet. Bei dem niedrigen Stand des Papiergeldes, fast wie 10:1, trank man eine anmutige Flasche Wein für den Be­trag von wenig Silbergroschen. Das Seltsame und die Wohlfeilheit hatte einen gewissen Reiz; man zog hinaus, lachte, sang, spottete über sich und andere und hatte immer mehr des Weines ge­nossen, als billig war.

Zu drei bejahrten Männern, jeder aus einem anderen Teil Deutschlands stammend, gingen wir von Karlsbad nach Weheditz zum Wein; zusammen zählten wir 253 Jahre und zechten wacker. Nur der Jüngste, 82jährige, zeigte beim Nachhausegehen einige Spuren von Bespitzung, aber die beiden anderen griffen ihm unter die Arme und brachten ihn glücklich in seine Wohnung."

Kostverächter war Goethe weder im Essen noch im Trinken. Aber übervorteilen ließ er sich nicht. Dies besagen folgende Eintragungen in fein Tage­buch:

21. Juni 1811: Früh gegen 6 Uhr ausgefahren nach Schlackenwald. ImRoten Ochsen" zu Mittag Händel mit dem Wirt wegen übertriebener Forde­rung.

22. Juni: Pro memoria wegen des Wirts in Schlackenwald und Vorschlag an den Kreishaupt­mann.

Das Goethesche Pro memoria aus den Archiven der Karlsbader Kreishauptmannschaft ist für die Beurteilung Goethes als Kritiker und Beschwerde­führer interessant genug, um der Vergessenheit ent­rissen zu werden, denn der Dichter erteilt keine Rüge, ohne nicht gleichzeitig praktische Vorschläge zur Abstellung von Unzulänglichkeiten zu erstatten. Die Beschwerdeschrift hat folgenden Wortlaut:

Gestern, den 21 dieses, fuhr ich mit den Mei­nigen nach Schlackenwald. Es waren unserer vier.

Wir kehrten zumRoten Ochsen" ein und genossen ein Mittagsmahl, mit dessen Detail ich weder be­schwerlich sein, noch dessen Wert allzusehr herab­setzen will. Genug, man tat ihm sehr viel Ehre an, wenn man den Preis desselben dem der Picknicks auf dem Pvsthvfe gleichstellen und die Person auf neun bis zehn Gulden anschlagen mochte. Der Wirt verlangte jedoch 68, und für den Kutscher zehn, zusammen also 78 Gulden.

Ich weigerte die Zahlung und äußerte, daß ich den Vorfall dem Herrn Kreishauptmann Hochwohl­geboren anzeigen würde, welches hierdurch mit Bei­lage der 78 Gulden gehorsamst bewirkt wird.

Es ist hierbei zu bemerken, daß nichts als das bloße Mittagessen und weder Frühstück noch Wem und Kaffee genossen worden ist. Der Kutscher erhielt sich mit geringerer Kost und hatte seinen Hafer bei sich.

Unterzeichneter bittet um Vergebung, *r mit dieser anscheinenden Kleinigkeit beschwerlich fallt, aber es ist in diesen Tagen schon öfter zur Sprache gekommen, daß Gesellschaften, welche durch die schönen Wege, die herrlichen Naturgegenstande und das gute Wetter auswärts gelockt wurden, mit Ver­druß über ganz unerwartete Zechen nach Hause ge­kehrt und ihre erhoffte und genossene Freude ver­gällt worden!

Ob die Kreishauptmannschaft nun ben berühmten Kurgast nicht verletzen wollte oder ob sie die Ford^ rung des Ochsenwirtes zu Schlackenwald wirklich zu übertrieben fanb, eines ist gewiß, bie Beschwerde­schrift Goethes hatte vollen Erfolg.

Eine Aktennotiz auf dem Schriftstück besagt daß die Rechnung des^Wirtes mit 41 Gulden 29 Kemern festgesetzt wurde und er wegen Über­vorteilung eines Gastes zehn ®ulbc£ ££

hielt Wenige Tage nach diesem Vorfall sah sich Goethe zu folgender Eintragung in fein Tagebuch veranlaßt, woraus hervorgeht, daß er die Beweg­gründe des Wirtes für die übertriebene Forderung wohl verstand:

alle Welt war durch ein ergangenes Pa­tent verwirrt worden; die vorhandenen Geldzettel batten allen Wert verloren und man erwartete die f0a Antizipationsscheine. Die Verkäufer und Emp- änaer konnten dem sinkenden Papierwert nicht ge- nua nachrücken, den Käufern und Ausgebenden ge­riet es auch nicht zum Vorteil: sie verschleuderten ihre Groschen und wurden so ihre Taler los!'

Damit lieferte der Kurgast Johann Wolfgang von Goethe eine geradezu klassische Definition der Inflation.

Sensation bei den Pavianen.

Von Geno Ohlischlaeger.

Das Freigehege der Paviane im Zov ist wie üblich von vielen Besuchern umlagert. Alles be­lustigt sich an dem Treiben der munteren grauen Gesellen und vor allem an den possierlichen Sprün­gen der Affenjungen. Die einen machen erste Kletterversuche an den Felsen und an dem großen Baumstamm, die mit nicht wichtig genommenen Purzelbäumen enden, andere reiten auf Mamas Rücken, zwei spielen, genau wie Menschenkinder, an einem der Felsblöcke Verstecken. Die Großen sind im Augenblick ziemlich ruhig; jetzt aber be­ginnt einer von ihnen plötzlich ein Geschrei und Gezänk mit einem anderen, und das ist wie ge­wöhnlich das Signal für die ganze Bande, sich in Bewegung zu setzen und wie wild hintereinander herzurennen, sich anzufauchen und allerlei Allotria zu treiben.

Ebenso plötzlich wie sie in Aufregung geraten sind, beruhigen sie sich wieder. Da wird die augen­blickliche Ruhe durch einen Ruf aus dem Kreis der Zuschauer unterbrochen.

Himmel, mein Paket!" ruft jammernd eine junge Dams, die über die Brüstung der Mauer ge­lehnt steht, die den Graben um das Affengehege gegen die Zuschauer abschließt. Sie ist dabei ge­wesen, den Affen, die unten auf dem Grund des Grabens mit bittenden Gebärden und Gesten hocken, Futter zuzuwerfen, und dabei ist ihr ein kleines Paket entglitten.

Alles, was sich an Affen gerade in der Nähe im Graben und an dessen Böschung aufhält, stürzt sich jetzt auf die Stelle, an der das Paket nieder­gefallen ist. Ein Kampf entbrennt, aus dem schließ­lich ein Affe als Sieger hervorgeht. Er rast mit der Beute davon, klettert den Berg herauf und er­klimmt mit ein paar Sätzen den Baum. Er wird von den anderen als Sieger anerkannt, und keiner folgt ihm mehr. Die Affen zerstreuen sich wieder und kümmern sich im Augenblick nicht mehr um das Beutestück. .

Um so mehr aber interessieren sich die Zuschauer dafür, was sich nun abspielen wird. Aller Blicke hängen an dem Affen, der jetzt das Paketchen auf seinen Inhalt zu untersuchen beginnt. Was wird es enthalten? Die Umstehenden sind genau so neu­gierig wie der Pavian.

Seinen geschickten Händen gelingt es bald. Die Schnur abzustreifen. Nun zerreißt er das Papier. Die Spannung ist auf den Höhepunkt gelegen. Was wird zum Vorschein kommen?

Vorsichtig zieht der Affe einen rosaroten Gegen­

stand hervor, beschnüffelt ihn, scheint enttäuscht, daß es nichts Eßbares ist, und entfaltet ihn.

Schallendes Gelächter ringsum. Der Gegenstand hat sich wie sag ich's meinem Leser? « als eine zart "rosa seidene Kombination entpuppt. Der Affe weiß nichts damit anzufangen und wirft ihn zu Boden. Unten aber reißen sich die jungen Affen darum und entführen das willkommene Spielzeug.

Und dieser Anblick wirkt so erheiternd, daß jetzt auch die Dame, die das Paket verloren hat, ihren Unmut über den Verlust überwindet und in das allgemeine Gelächter mit einstimmt, was das beste Mittel war, zum Schaden nicht auch noch den Spott einstecken zu müssen.

Na liegt der Hund begraben.

Es ist sehr sonderbar, daß der arme Hund im Volksmund herzlich schlecht wegkommt. Seine Name dient, allein oder mit so schmeichelhaften Beiwör­tern wie feige, frech, erbärmlich, schamlos, misera­bel, räudig geschmückt, als vielgebrauchtes Schimpf- und Unglimpfwort, und der Lumpenhund, der Sa­tans-, der Blut- und der Schweinehund sind gewiß keine erfreulichen, sondern hundsgemeine Zeitgenos­sen. Und wer für eine lumpiges Hundegeld oder einen erbärmlichen Hundefraß, vielleicht gar bei grimmiger Hundekälte oder sonstigem Hundewetter, eine mühselige Hundearbeit verrichten muß, um sich abends hundsmüde in sein elendes Hundeloch von einer Behausung zu schleppen, der führt weiß Gott ein rechtes Hundeleben. Die paar spärlichen Anerkennungen, die der Vvlksmund demgegenüber etwa für die rührende Treue unseres braven Vier­beins übrig hat, können die ihm sonst allerenden zugefügte Unbill nicht wettmachen. Die feit dem 17. Jahrhundert häufiger begegnende, auch heute noch gang und gäbe Redensart ,Da liegt der Hund begraben will besagen: Das ist der Kern der Sache, das Wesentliche, worauf es ankommt; dann aber auch, vielleicht durch das Wort begraben her- oorgerufen, mit leidigem Beigeschmack: Daran stößt sich die Sache, da. liegt die Schwierigkeit. Eine wis­senschaftlich hinreichend begründete Erklärung hat, wie Hans Dörsam in einem Aufsatz im August­heft von Velhagen & Klasings Monats­heften auseinanderfetzt, dieser Ausdruck bisher nicht gefunden. Nach vorherrschender Meinung lei­tet er sich von dem in vielen deutschen Sagen auf­tretenden Hunde gewöhnlich ist es ein schwarzer, dämonischer Hund mit glühenden Augen als Hüter unterirdischer Schätze her; mit Bezug auf diesen Glauben nannte man bann, das Gehütete mit dem Hüter vertauschend, einen verborgenen Schatz auch Hund.