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Hr.181 Erstes Blatt

187. Zahrgang

Zreitag.b. August 1937

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Gießener Anzeiger

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Englands neue Partei.

Von unserem tbg -Berichterstatter.

London, August 1937.

Stellen wir, ehe wir Schlüsse zu ziehen beginnen, erst einige Tatsachen fest, die auf den Stand der i n n e r p o l i t i s ch e n Entwicklung Eng­lands ein bezeichnendes Schlaglicht geworfen haben! Am vergangenen Montag erzwang die A r- beiterpartei im Unterhaus eine Aussprache über den neuen englischen Plan zur Ueber- brückung der Schwierigkeiten in der Nichteinmi­schungspolitik. Eden selbst hat dieses parlamentari­sche Erpressungsmanöver der Opposition als ein einzigartiges Ereignis in der langen parlamentari­schen Geschichte Großbritanniens bezeichnet. Wäh­rend früher auch der Sprecher der Opposition auf die jeweilige außenpolitische Lage Rücksicht zu neh­men pflegte, schlug diesmal der Führer der Ar­beiterpartei A t t l e e Töne an, die in Westminster bisher nicht üblich waren. Er machte sich zum Dolmetscher der Moskauer Interven­tion zugunsten der Valencia-Behör­den und zwang damit vielleicht gewollt, viel­leicht auch ungewollt die Regierung zu einer schärferen Kennzeichnung ihrer Spanien-Politik, als dieser vielleicht erwünscht war. Die große Rede Edens am Montag hat dann auch bewiesen, daß der Opposition wenigstens eines gelungen war, nämlich die Regierung aus ihrer bis dahin geübten Reserve herauszulocken.

Nicht auf der gleichen Stufe, wie der Angriff der Opposition im Unterhaus, wohl aber auf der gleichen Linie lag ein Aufsatz, den bas konservative Unterhausmitglied Beverley-Baxter in der zum Berry-Konzern gehörendenSundy Graphic" veröffentlicht. (Zum gleichen Konzern gehören her Daily Telegraph" und di^Sunday Times".) Wir erwähnen diesen Aufsatz um seines Verfassers we­gen, der als politisch wohlunterrichteter Mann gilt und möglicherweise in die kleine Schar der kommen­den parlamentarischen Größen gehört. Beverley- Baxter machte für die kommende innerpolitische Entwicklung folgende Voraussage: Nach seiner Mei­nung sind bie' Tage der Arbeiterpartei gezählt. Er ist der Auffassung, daß sich bei den nächsten Wahlen die Arbeiterpartei und der kleine Rest der liberalen Partei zu einer neuen Partei zusammenschließen, hinter der die großen Gewerkschaftsorganisationen stehen wer­den. Der Führer dieser neuendemokratischen" Par­tei wird, nach der Auffassung Beverley-Bäxters, der jetzige Vorsitzende des Grafschaftsrates von London, Herbert Morrison, sein, der weder ein intel­lektueller Revolutionär, noch ein Tory in sozialisti­scher Gewandung ist, sondern ein in allen Verwal­tungsfragen wohl geübter Vertreter der gemäßigten Linken.

Als dritte Tatsache schließlich verzeichnen wir, baß sich bie Zeitungen plötzlich mieber einmal ben Kopf über bie Wahlreform zu zerbrechen be­ginnen. Hier liegen bie Dinge so, baß bie Eintei­lung ber Wahlkreise zwanzig Jahre alt ist unb eine Neueinteilung ungeachtet ber Bevölkerungsverschie­bung nicht oorgenommen würbe. Vor zwanzig Jah­ren hatte man als notmenbige Stimmenzabl für jeben gewählten Vertreter im Unterhaus 50 000 Wähler zugrunde gelegt. Diese Ziffer würbe bereits daburch erheblich oeränbert, baß man ben Frauen bas Stimmrecht einräumte. Mit Hilfe ber Frauen errangen bie Konservativen ihren ersten großen Wahlsieg in ber Nachkriegszeit. Im heutigen Un­terhaus find aber von insgesamt 650 Mitgliedern nicht weniger als 119 mit mehr als 60 000 Stim­men gewählt. Einzelne Wahlkreise haben sogar über 100 000 Wähler; Romforb z. B. 167 939. In anbe- ren Wahlkreisen ist burch bie Verschiebung ber Bevölkerung, in erster Linie burch ben Wegzug vom Lanb in bie Stabt, bie Zahl ber Wähler ganz er­heblich gesunken. Es gibt zehn Wahlkreise, in benen die Zahl ber Wähler weniger als 30 000 beträgt. Das englische Wahlsystem hat es nun mit sich ge­bracht, baß ein Kanbibat in bem kleinen Wahlkreis Barmab Castle mit 27 309 Wählern ebenso wahl­fähig ist, wie ein Kanbibat im Wahlkreis Dartforb mit 106 043 Wählern Die Wahl-Reform-Ueber- legungen gingen nun bahin, bie Wahlkreise neu auf­zuteilen. Alles in allem würben etwa 40 neue Wahlkreise entstehen. Diese brei Tatsachen, bie wir eben aufgezählt haben, machen es wahrscheinlich, baß sowohl bie Regierung wie Opposition mit ber Möglichkeit rechnen, bie fommenben Wahlen unter neuen Vorzeichen unb Voraus­setzungen auszufechten. Eine anbere Frage ist es allerdings, ob man auf Seiten ber Regierung in Wirklichkeit eine Veränberung ber Wahlorbnung wünscht. Zweifellos würbe bie Regierung in min­destens 30 von den 40 neu zu schaffenden Wahl­kreisen bie Majorität erringen. Die konservative Mehrheit würbe bamit noch kompakter werben, als sie es ohnehin jetzt schon ist. Was sich aber parla­mentarisch alh Gewinn ber regierenben konserva­tiven Partei erweisen würbe, wäre anbererfeits eine erhebliche Schwächung bes parlamentarischen Sy­stems überhaupt. Zu biesem gehört nun einmal bas Sviel unb Gegenspiel zwischen Regieru-ng unb Opposition.

Kein Zweifel: Enalanb steht, wenn man die Dinge auf weite Sicht betrachtet, vor einer wichtigen politischen Alternative. Die Entwicklung hat es mit sich gebracht, daß, wenn auch unter parlamentarischen Formen, die Idee ber autoritären Staatsführung Schritt für Schritt an Boben gewon­nen hat. Zurückschrauben läßt sich biese Entwick­lung nicht. Solange aber Großbritannien an ben Methoben ber parlamentarischen Demokratie festzu­halten gewillt ist, solange kann es auch nicht ber Frage ausweichen, wie innerhalb bes langsam sich

Oer Nichteinmischungsausschuß will Ferien machen.

3m Augenblick geringe Aussicht für erfolgreiche Arbeit.

London, 6. Aug. (DNB.) Wie von unterrich­teter Seite verlautet, will man auf ber Sitzung bes Hauptausschusfes bes Nichteinmischungsausschus­ses am Freitag versuchen, bie Lage so zu bereinigen, baß man zu einer Grunblage für bie späteren Be­mühungen um ben Abschluß einer Vereinbarung gelangt. Man hält es für möglich, daß der Haupt­ausschuß beschließen wirb, zunäch st eine Pause einzuschieben unb ben Zeitpunkt einer neuen Zusammenkunft noch nicht festzulegen. Verschiedene Vertreter bes Ausschusses wünschten in ihre Länder z u r ü ck z u k e h r e n , um sich von ben Anstrengungen ber letzten Wochen zu er­holen unb um mit ihren Regierungen in per­sönliche Verbinbung zu treten. Die ständi­gen Sitzungen bes Hauptunterausschusses, sowie bes Nichteinmischungsausschusses hätten lange Zeit hin- burch solche Heimreisen für bie Vertreter ber Län- ber unmöglich gemacht.

So finb auch bie Lonboner Morgenblätter ber Ansicht, baß bie heutige Sitzung bes Unterausschus­ses bes Nichteinmischungsausschusses keine neue Entwicklung bringen werde, ba 6 o w j e t = rufjlanb an seiner Weigerung f e st - h a l t e, ben Parteien in Spanien bie Rechte Krieg­führender zuzuerkennen. Die meisten Zeitungen rechnen bamit, baß ber Ausschuß sich nach ber heu­tigen Schung auf einige Zeit vertagen wirb unb baß bis auf weiteres bie Spanien- Kontrolle in ihrer jetzigen Form bleibt.Daily Telegraph" schreibt, in vielen Krei­sen sei man ber Ansicht, baß es besser sei, bie Nicht­einmischung in ihrem gegenwärtigen Zustanb zu be­lassen, als bie erbitterten Streitigkei­ten im Nichteinmischungsausschuß über neue Pläne der Kontrolle und Zurückziehung ber Freiwilligen zu verschärfen. Die Aussprache im Ausschuß habe gezeigt, baß keine Aussichten vorhanden seien, eine Vereinbarung zur Durchführung bes englischen Kompromißplanes zu erzielen. In ber heutigen Sitzung werbe baher wahrscheinlich nichts

weiter beschlossen werben, als bie Angelegenheit baburch am Leben zu erhalten, baß ber Ausschuß in Beratung über eine Ermächtigung für Englanb eintreten werbe, bie Fühlungnahme auf Grund ber Arbeiten bes technischen Ausschusses fort­zusetzen. Ader selbst bieses Zeil stehe in Zweifel. Sowjetrußland habe bis jetzt in amtlichen Mittei­lungen sich unnachgiebig gegen einen grunblegenben Vorschlag im Rahmen bes britischen Planes gezeigt. Morning Post" schreibt, bie Folge ber Weige­rung bes Sowjetbotschafters, bie Gewährung ber Rechte Kriegsführenber zu erwägen, scheine keine Aussicht auf eine Vereinbarung zuzulassen. Die beste Lösung sei etwa, wenn sich ber Ausschuß für eine kurze Ferienzeit vertagen würbe.

Der marxistischeDaily Heralb" bringt unverhüllt bie Hoffnung zum Ausbruck, baß sich bie Meinungs- verschiebenheiten im Nichteinmischungsausschuß s o verschärfen würben, baß bas ganze Nichtein­mischungsabkommen auf gegeben werben müßte. Wenn dies ber Fall fei, bann solle man bie Nicht­einmischung ruhig sterben lassen, bann möge bie britische Regierung bieallzu ehrenvolle Alterna­tive" ergreifen, nämlich berrechtmäßigen spanischen Regierung" ihre vollen Rechte wieder zu geben und bie Spanienfrage dem Völkerbund zu überweifen.

Lord Plymouth

bei einem Autounfall verletzt.

L o n b o n, 6. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Vor­fi tz e n b e bes Nichteinrnischungsausschusses Lorb Plymouth würbe am Donnerstagabenb bei einem Autounfall verletzt. Eine Kraftbroschke, in ber er sich befanb, stieß im Zentrum Lonbons mit einem Kraftwagen zusammen. Lorb Plymouth erlitt eine leichte Verletzung am rechten Auge unb eine leichte Gehirnerschütterung. Er würbe sofort nach bem Westminsterhospital gebracht, konnte aber später i n feine Wohnung entlassen werben.

Oie Wahrheit über die kommunistische Revolution in Spanien.

Oie katholischen Bischöfe Spaniens an ihre Glaubensbrüder in aller Welt.

Salamanca, 5. Aug. (DNB.) Die höchsten kirchlichen 9Bürbenträger bes nationalen Spaniens haben einen Brief, ber von zwei Karbinälen, sechs Erzbischöfen, 35 Bischöfen und fünf Generalvikaren unterschrieben ist, an bie katholischen Bi­schöfe ber ganzen Welt gerichtet. In bem Brief werben bie ausländischen Kirchenfürsten bei der Verbreitung der Wahrheit über bie Lage in Spanien zur Mithilfe aufgefor­dert. Von größter Wichtigkeit ist die Feststellung, daß bie letzten Parlamentswahlen vom Februar 1936 gefälscht waren, ba bie Rechte trotz ihrer Stimmenmehrheit oon über einer halben Million 118 Abgeordnete weniger als bie Volksfront erhalten hätte unb ba bie Wahl­akte ganzer Provinzen willkürlich annulliert worben seien. Seit bem Juli vergangenen Jahres habe es nur eine Wahl gegeben, entweber ben Kommunisten zu unterliegen ober einen Versuch zu machen, sich bieses schrecklichen Feinbes zu entlebi- gen. Der Ausbruch ber kommunistischen Revolution sei zeitlich mit ber Befreiungsbewegung zusammen­gefallen. Die anarcho-kommunistische Revolution sei grünblich vorbereitet und äußer st grausam durchgeführt worben, währenb bie Befreiungsbewegung vom ersten Augenblick an die Unter st ützung des ganzen Volkes gehabt habe.

Hinsichtlich der kommunistischen Revolutionsfüh- rung heißt es in dem Brief ber spanischen Kirchen­fürsten: lieber 2OOOO Kirchen unb Kapel-

l e n finb 3 e r ft ö r t unb ausgeraubt worben, 4 0 v. H. b^r Priester ber verwüsteten Diözesen sind ermorbet. In mehreren Diözesen betragen biese Morbe 80 v. H. Die Zahl berer, bie lebiglich wegen ihres Glaubens ermorbet würben, wirb auf 300000 geschätzt. Diele hat man auf schreckliche Weife gemartert. Man hat ihnen bie Augen ausgebrückt, bie Zunge abgeschnitten, sie von oben bis unten aufgeschlitzt, lebendig begraben unb ver­brannt unb mit Seilen erschlagen. Sie würben getötet ohne Anklage, ohne Beweise, unb in ber Mehrzahl aller Fälle ohne Urteil. Die Revolution hat bas Werk einer Jahrhunberte alten Zivilisation zerstört unb bie elementarsten Prin­zipien bes Menschenrechtes mißachtet. Die Mär­tyrer zählen nach Taufenben, ber Haß gegen Jesus Christus unb bie Heilige Jungfrau hat sich zum Wahnsinn entwickelt.

Die nationale Bewegung hat bie Vater- lanbsliebe gefestigt unb bie wahre Nächstenliebe ge­bracht. Sie hat Orbnungunb Ruhe wieber- h e r g e st e l l t, überall ist bas christliche Leben wieher aufgeblüht. Diese im nationalen Gebiet ge­schaffene Lage verspricht für bie Zukunft ein R e - gime ber Gerechtigkeit unb bes Frie­dens. Zur Wieberherstellung ber Gerechtigkeit unb bes Friebens in Spanien gibt es nur eine Hoffnung, ber Sieg ber nationalen B e - w e g u n g. Mit ber Bitte ber spanischen Kirchen­fürsten an bie auslänbischen Boschöfe:Helft uns bie Wahrheit zu verbreiten!" schließt ber Brief.

entwickelnben autoritär-parlamentarischen Systems bieOpposition Seine Majestät" organisiert unb für bie Gesamtheit nutzbar gemacht werben kann. Holland plant HeeresverMkung.

21 m ft er b a m, 6. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach Blättermelbungen beabsichtigt bie Nieberlänbische Regierung, bie Aushebung für ben Mi l i - tärbienft z u erhöhen, was eine Vergröße­rung ber hollänbifchen Armee bebeuten würbe. Es fei zu erwarten, baß auch bie Stellungspflichtigen 1938, bie bisher vom Heeresbienft be­freit waren, ba Brüber von ihnen bienten, nun­mehr boch 3 u ben Waffen berufen würben. Die Einbringung entsprechend Gesetzentwürfe fei in nächster Zeit zu erwarten. Den auf Grunb von Bruberbienst" Freigestellten sei von ben Behörben mitgeteilt worben, baß biese Freistellung nur eine vorläufige fei unb baß sie bamit rechnen müßten, noch in bie Jahresklasse 1938 als Dienst­pflichtige eingereiht zu werben. Außerbem sei es nicht unmöglich, baß bie bisherige Auslösung oon Stellungspflichtigen in Fortfall kommen werbe. Die Auslösung erfolgt, weil bie Zahl ber Stellungspflichtigen bisher immer größer war, als bie Zahl, bie für bie Ergänzung ber Armee nötig war.

Kleine politische Nachrichten

Der Führer unb Reichskanzler hat zu ehrenamt­lichen Mitgliebern bes Volksgerichts­hofes auf die Dauer von fünf Jahren ernannt: SS.-Oberführer Wilhelm Graf von Wedel (Potsdam), SS.-Oberführer Zenner (München), SS.-Oberführer von Humann-Hainhofen (Münster), SS.-Obergruppenführer Krüger (Ber­lin), SS.-Brigadeführer Harm (Berlin), 66.= Standartenführer Mozek (Berlin), SS.-Standar- tenführer Katzmann (Berlin), SS.-Oberfturm- bannftihrer Tondock (Berlin).

Zum Abschluß ihrer Deutschlandfahrt kamen 4 5 0 Avantgardisten unter Führung bes Com- manbante Zenturionen Banbini zu zweitägigem Besuch in bie Reichshaupt st ab t. Den italie­nischen Jungen, bie zwischen 16 unb 18 Jahren alt finb, würbe ein herzlicher Empfang bereitet.

Zu ber Welterzieherkonferenz in Tokio hat nicht, wie vom DNB. genießet würbe, ber NSLB. eine Aborbnung entfanbt, vielmehr hanbelt es sich um eine vom Reichserziehungs­ministerium entfanbte Aborbnung, bie auf Ein­labung ber japanischen Regierung bas Deutsche Reich vertritt.

Wie sieht es in derMrlschafl ans?

Dieses Jahr hat das beutfche Volk eine richtige Urlaubsstimmung ausgekostet. Der Ferienver­kehr war erfreulich stark. In einzelnen befonbers begünstigten Kurorten und Bädern war der An­drang so lebhaft, daß fürReisende auf gut Glück" gewissermaßen aus dem Handgelenk Uebernach- tungsgelegenheiten geschaffen werden mußten. Der Besuch aus dem Ausland war gut. Auch viele Aus­ländsdeutsche hatten sich eingefunden und konnten feststellen, daß niemand in Deutschland verhungern muß. Sie haben es sich alle gut schmecken lassen. Es hat den Anschein, daß sich auch-die Spät- und Nachsaison des Fremdenverkehrs befriedigend an- läßt. Eine einfache Daykespflicht zwingt im An­schluß an das ThemaFröhlicher Urlaub" zu bem Hinweis, baß bie Ferienwochen bes Stäblers für ben Lanbwirt burch ungemein anfpannenbe Arbeit ausgefüllt waren. Die Ernte ist fast ganz ein­gebracht, aber überall sieht man auf ben frühest abgeernteten Felbern schon zahlreiche Nachsaaten ober Spätpflanzungen, um bis zum Spätherbst aus bem Acker herauszuholen, was herauszuholen ist. Kennwort:Zweite Ernte!"

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In ber Berichtswoche hat in ber Reichshauptstabt ein internationaler Kongreß für gärungs» lose Früchteverwertung stattgefunden, der von nicht weniger als 2000 Teilnehmern aus 34 ausländischen Staaten besucht war. Wenn der Hun­ger nach Urlaub und seiner wirklichen Ausnutzung durch die Maßnahmen ber Reichsregierung in einem Umfang angeregt worben ist, ber vor noch 30 Jah­ren undenkbar erschienen wäre, so hat ber Auf­schwung ber Sportbewegung und bie bamit ver- bunbenen Strömungen ber Lebensreform unb Lebens­erneuerung auch ben Geschmack weitgehend gewan­delt. Nutznießer dieser Entwicklung ist eben die gärungslose Früchteverwertung, die ihren Ausgang von der Schweiz genommen hat, um sich in ben letzten Jahren mit merklicher Schnelligkeit über ganz Europa auszubehnen. Es ist bezeichnen!), baß bie schweizerische Bevölkerung jetzt jährlich 5 bis 6 Liter flüssigen Obstes, bie bulgarische Bevölke­rung aber auch schon 2% Liter verbraucht. Dagegen ist ber Verbrauch an bem altenApfelwein" zu­rückgegangen. Es hat sich eine ganz neue Spezial- Jnbustrie für bie Herstellung ber Apparaturen ent­wickelt. Der Nutzen für ben Obstbauern liegt auf ber Hand. Aber auch bie Freunde eines guten Tropfens und zwar nicht eines gärungslosen, sondern eines alkoholischenguten Tropfens" sind in ber Be­richtswoche interessiert worben. Es finb eben bie einheitlichen fiieferungsbebingungen für ben in bie­sem Jahr zum Ausschank fommenben Paten- m e i n erlassen worden. Nur bie Jahrgänge 1934, 1935 unb 1936 dürfen unter diesem Stichwort aus- geschenkt werden. Weine mit Geruchs- unb Ge­schmacksfehlern ober Fehlern in ber Farbe, bie überschwefelt finb, werben nicht zugelafsen. Neben bem Patenwein wirb auchFestwein" angeboten, will sagen, Weine von überburchschnittlicher Quali­tät, bie sich der Volksgenosse für besondere Gele­genheiten hinlegt, der sich durch den Patenwein hat überzeugen lassen, daßim Weine die Wahrheit" liegt. DasFest ber beutschen Traube unb bes Weines 1937" findet am 25. und 26. September statt.

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Nun haben wir von ben angenehmen Seiten bes Lebens genug gesprochen unb kommen zu einem Gegenstand von bem nun einmal nach unerforsch- lichem Ratschluß bas Sprichwort gilt:Wat bem een' fin Uhl, is bem anberen sin Nachtigall". Es liegt nun bie Statistik über bas Ergebnis ber frei­willigen Hypotheken-Zinssenkung in ben neun Monaten vom 1. Juli 1936 bis 1. April 1937 oor. In ben verschobenen Krisenzeiten ber letzten zwölf Jahre waren Hypotheken zu Bebingungen untergebracht worben, bie vorn Stanbpunkt bes Schulbners schwer ober gar nicht tragbar unb vorn allgemein volkswirtschaftlichen Stanbpunkt unbillig waren. Nach ber Senkung ber Zinsen für Schulb- verschreibungen würbe auch ber Hypothekenmarkt für eine entsprechend Bereinigung reif, wobei für erststellige Hypotheken eine neue 'Zinsverpflichtung von 5 v. H., für zweitstellige eine solche von 5V2 bis 6 v. H. im allgemeinen als angemessen gilt. Der Ge­setzgeber machte von vornherein eine gerichtliche Entscheibung zur Ausnahme unb bie gütliche Eini­gung zur Regel. Nur für einen Bruchteil bes ge­samten Hypothekenkapitals, nämlich nur für 170 Mill. Mark würben 10 000 Anträge gestellt, von benen sich 6000 burch Vermittlung erledigten, wäh­renb nur in 2000 Fällen gerichtliche Entscheibung erfolgte; 2000 weitere Fälle waren am 1. April noch nicht erlebigt.

Auf bem B a u m a r k t hat sich sowohl bie Steige­rung ber Bauvorhaben, bes Baubeginns sowie ber Bauvollenbung weiter günstig fortgesetzt. Beim Wohnungsbau finb im ersten Halbjahr 1937 runb 63 000 Wohnungsbauten hergeftellt worben gegen 56 600 in ber gleichen Zeit bes Vorjahres. Dabei ist ber Anteil bes Kleinwohnungsbaues be­trächtlich gestiegen, was wohl in ber Hauptsache auf bie erhöhte Bautätigkeit ber gemeinnützigen Woh­nungsunternehmen zurückzuführen ist. Dabei finb es vornehmlich bie Mittel ft äbte, auf bie ber größte Teil ber Bauvorhaben unb ber Bauvoll­enbung entfällt. Erheblich ist auch bie Steigerung beim Nichtwohnungsbau, gegenüber bem ersten Halbjahr 1936 würben in ber gleichen Zeit 1937 bei ben Bauerlaubniffen allein 11 600 Kubik­meter umbauten Raumes gezählt, also um 26 v. H. mehr als 1936. Hier finb bie Auswirkungen bes Dierjahresplanes zu ersehen, benn es werben vor- wiegenb Neuanlagen von Werkstätten aller Art sein, bie errichtet werben. Bei ber Beschäftigung ber In-