Ausgabe 
6.4.1937
 
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liche Merkmale der spekulativen Preisüberhöhung Zeigt.

Drei kurze Ausblicke seien in diesem Zusammen­hang eröffnet: Die jetzt von verschiedenen Seiten auftauchenden Anregung einer neuen Welt- w i r t s ch a f t s k o n f e r e n z, an die man auch untv Umständen eine Abrüstungskonferenz koppeln will, gehen nicht zuletzt auf die Sorge der Regie­rungen in den sogenannten liberalen Ländern zurück, daß der jetzige konjunkturelle Auf- st i e g, der mit der Aufrüstung so eng verbunden ist, sich überschlägt und zu einer Wirtschafts­katastrophe führt, nachdem er noch vorher die be­troffenen Länder in den typischen Zustand ders o - z i a l e n U n r a st" (Streiks, Aussperrungen) durch eine absolute Verschiebung des Preis- und Lohnverhältnisses gebracht hat. Hier setzt die sehr rührige kommunistische Bewe­gung mit ihrem selbständigen Ziele der Revolu­tionierung der Welt ein, wofür die sich häufenden offenen oder wahscheinlichen Sabotagefälle in England und wilde Streiks, sowie Durchsetzung der Gewerkschaften mit kommunistischen Zellen ein deut­licher Beweis sind. Die englische Regierung sucht in einer für uns Deutsche geradezu unbegreiflichen Vogel-Strauß-Politik über die sich hier auftuenden Schwierigkeiten hinweg zu kommen. Diese Vogel- Strauß-Politik ist das zweite Faktum, das wir zu beachten haben. Sie hängt auf das Engste wie­derum mit der dritten Tatsache zusammen, daß der englischen Regierung die finanziellen Be­rechnungen für die von ihr geplante Auf­rüstung einfach unter der allerwertesten Sitzfläche weggerutscht sind, weil die Steigerung der Preise ganz neue Gestehungskosten schafft. Kurz gesagt: die Preise laufen gegen das Pfund! Dr. Ho. Was sagt man nun in Enqland?

Gandhi jüngster Kandidat für den Friedens-Nobelpreis?

London, 5. April. (DNB.) Die aus Oslo kom­mende Nachricht, daß Mahatma Gandhi als Kandidat für den sogenannten Nobel-Frie­denspreis aufgestellt worden ist, hat in Eng­land peinliches Erstaunen hervorgerufen. So hat ein englisches Blatt festgestellt, daß Gandhis hauptsächlichster Beitrag zum Frieden die Anzet­telung von Unruhen in Indien gewesen sei. Das Blatt wies auf die Protestbewegung in Indien gegen die neue Verfassung hin und erklärte, Gandhi sei es, der den General st reik in In­dien ausgerufen habe.

Nach Reuter ist der Vorschlag von einer Organi­sation erfolgt, die sichFreunde Indien s" nennt. Die Vermittlung habe ein linksstehender Po­litiker übernommen, dessen Name nicht genannt wird. Von anderer Seite verlautet hierzu, daß diese Kandidatur bei einigen kleinen Nationen a u f Wohlwollen gestoßen sei.

Man muß sich immer wieder wundern, mit welch fataler Geschicklichkeit gewisse Kreise in Norwegen es verstehen, die Großmächte vor den Kopf zu stoßen unter Benutzung von Institutionen, die angeblich der Förderung des Friedens unter den Völkern die­nen sollen. Die englischen Kreise, die seinerzeit Deutschlands Stellungnahme bei der Zuteilung des Nobelpreises an den Landesverräter Ossietzky nicht verstehen konnten, dürften jetzt wohl nachträglich für die Haltung Deutschlands Verständnis aufbringen.

Oie Huldigung des Imperiums." Eine britische Weltsendung

am Krönungsabend.

London, 3. April (DNB.) Die Britische Rund- sunkgesellschaft hat für die Krönungsfeierlichkeiten ein Programm vorbereitet, das am Abend des Krönungstages in einer Sendung unter dem Schlag­wortDie Huldigung des Imperiums" gipfeln wird. An dieser Sendung, die nach f a st sämt­lichen Ländern der Welt übertragen werden soll, werden sich neben König Georg, der britische Ministerpräsident Baldwin, die fünf Ministerpräsidenten der Dominions, der in­dische Vizekönig und Vertreter einiger K o - Ionien beteiligen. Die meisten werden in London sein und von hier aus ins Mikrophon sprechen. Ferner werden britische Staatsmänner in allen Teilen des Imperiums sich an der Sendung ' be­teiligen, die mit einerBotschaft des Königs an sein Volk" enden wird.

Oie polonisierungswelle in PommereUen.

Posen, 5. April. (DNB.) Die reichsdeutsche Presse vermerkte mit Genugtuung, daß die vom polnischen Westverband anberaumte ,P o m m e - rellenwoche" keine offen deutschfeindlichen Ten­denzen aufwies, wenngleich sie nicht ihre Sorge um das dortige Deutschtum angesichts der neuen Pro­pagandawelle verschwieg. Alle diese Befürchtungen werden bestätigt. Auf die Frage, ob diesePomme­rellenwoche" nützlich und notwendig sei, wurde dem Westverband geantwortet, daß es die vordringlichste Aufgabe jeder Propaganda sein müsse,d a s p o l - nische Leben in Pommerellen zu stär- ken und gleichzeitig fremde .Einflüsse zu beseitigen."Man muß die Ueberzeugung zum Ausdruck bringen, daß es wichtiger ist, in der gc^enwärtigenPolonisierungsetappe au, dem Gebiet Pomerellens alle deutsche Ueberlegenheit auf dem Wege zur Ostsee und nach Gdingen zu beseitigen, als weitere Millionen in den Ausbau des ©Dinger Hafens zu stecken." DerDziennik Poznanski" meint u. a., daß die Beseitigungaller deutschen Ueberlegenheit" in dem genannten Gebiet einmal durch die Stär­kung des polnischen Nationalbe­wußtseins und zweitens durch eine s y st e - malische Unterstützung polnischer Be­triebe erfolgen müsse. Es betont, daß es auf die negative Seite dieses Kampfes, d. h. die Besei­tigung deutscher Wirtschaftsorgani­sationen und Betriebe, nicht erst eingehen wolle, dadiese deutschen Betriebe eines natür­lichen Todes st erben müßten in dem Augen­blick, in dem es gelingt, die polnische Kundschaft von diesen deutschen Einrichtungen wegzulenke n." Neue Etudeuteutumulte in Warschau.

Warschau, 6. April. (DNB. Funkspruch.) In der Technischen und in der Landwirtschaftlichen Hochschule waren die Vorlesungen nach längerer Unterbrechung wieder ausgenommen worden, wäh­rend die Universität noch geschlossen ist. In der Technischen Hochschule wurden bald nach Beginn der Vorlesungen in Hörsälen und Gängen Stink­bomben und Flaschen mit Tränengas geschleudert. Die Räume füllten sich mit

beißendem Rauch, so daß alle Vorlesungen a b - gebrochen werden mußten. Der Stellvertreter des Kultusministers, Professor U j e j s k i, erklärte über alle polnischen Sender: Verbrecherische Ele­mente versuchten, das akademische Leben zu beherr­schen. Sie scheuten vor keinem Mittel physischen und moralischen Terrors zurück, von anonymen Schmäh­schreiben bis zu Bomben. Ueberfälle auf einzelne Studenten seien beinahe eine normale Erscheinung geworden. Man terrorisiere die akade­mischen Behörden und suche die Universitäts- richter in Schrecken zu versetzen. Unter diesen Um­ständen könne von einem normalen Unterrichts- bctrieb an den Hochschulen nicht die Rede sein. Den gegenwärtigen Zuständen müsse energisch und wirksam entgegengetreten werden.

Oie Befreiung Belgiens von femen £ofarno=Serpflidi<ungen. London, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Am Quai d'Orsay und im Foreign Office ist der Ent­wurf eines Briefwechsels zwischen Paris, London und Brüssel über die Befreiung Belgiens von seinen Locarnoverpflichtu n g en eingetroffen, der während des Besuches des Königs Leopold in London festgelegt worden ist. Belgien hatte schon früher zwei Entwürfe eingereicht, denen aber Paris und London nicht zustimmten. Der jetzige Entwurf enthält die Verpflichtung gegenüber Paris und London, jederzeit eine ge­nügend starke Armee zur Verteidi­gung des Landes zu unterhalten.

Deutscher Protest in Pretoria.

Oie Neichsregierung warnt die (Südafrikanische Union vor weiterer Verletzung ihrer Treuhänderpflicht im Mandatsland Südwestafrika.

Pretoria, 5. April. (DNB.) Der deutsche Ge­sandte Wiehl überreichte am Montag dem General H e r tz o g folgende Protestnote gegen die letzte Verlautbarung der Mandatsregierung, die eine Kampfmaßnahme gegen das dortige Deutschtum bedeutete:

Die deutsche Regierung sieht sich genötigt, gegen die . Verlautbarung der Union-Regierung vom 2. April Verwahrung einzulegen, weil diese im Rahmen allgemeiner Bestimmungen die deutsche Bevölkerung des Mandatsgebietes Südwest­afrika unter Ausnahmerecht stellt. Die deutsche Regierung hat ihre Bedenken gegen diese Maßnahme bereits in früheren Noten dargelegt. Sie beschränkt sich deshalb auf folgende Ausfüh­rungen:

Die Verlautbarung' stellt sich als eine Kampf- maßnahme gegen das Deutschtum in S ü d w e st a f r i ka dar. Das ergibt sich aus dem Zusammenhang der Verlautbarung mit.dem Bericht her Südwestafrika-Kommission, deren unbewiesene Behauptungen ihr zugrunde liegen. Für eine solche Kampfmaßnahme der südafrikanischen Regierung gegen das Deutschtum in Südwestafrika fehlt jeder berechtigte Anlaß. Die dafür vor­gebrachte Behauptung einer unzulässigen Ein­mischung Reichsdeutscher in die Einrichtungen des Landes treffen weder allgemein noch für die letzten zwei Jahre zu. Das Südwester Deutschtum kann sich mit Recht beschwert fühlen, weil ihm trotzdes Londoner Abkommens und späterer

Zusagen politische, kulturelle, sprachliche und teil­weise auch wirtschaftliche Gleichberechtigung immer mehr versagt wird und weil es durch die ver­schiedensten Maßnahmen in seiner Entwick­lung behindert wird. Dieser bedauerliche Zu­stand, der schon im Widerspruch steht mit der M a n d a t sb e st i m m u n g, nach welcher die Mandatsregierung als Treuhänderin die Pflicht hat, das Wohleraehen aller Bewohner des Mandats­gebiets zu fördern, wird nunmehr durch die Ver­lautbarung vom 2. April noch verschärft, da sie dem freien Ermessen einer Verwaltungsstelle weitesten Spielraum eröffnet.

Die deutsche Regierung hat die Regierung der Südafrikanischen Union wiederholt gebeten, die südwestafrikanische Spannung durch beiderseitiges Einvernehmen zu beseitigen. Die jetzigen unberech­tigten Maßnahmen der Union-Regierung werden aller Voraussicht nach im deutschen Teil der Be­völkerung van Südwestafrika den Eindruck verstär­ken, daß der Union-Regierung nicht an einer Versöhnung der verschiedenen Bevöl­kerungsteile gelegen ist, und werden not­wendigerweise zu einer Verschärfung der Gegensätze zwischen den verschiedenen Bevolke- rungsteilen führen. Die deutsche Regierung hält sich für verpflichtet, ihre warnende Stimme zu erheben und muß es nunmehr der Union-Regierung über­lassen, Vorsorge zu treffen, daß nicht durch eine Durchführung der Verlautbarung schwerer Schaden angerichtet wird.

Katholischer Geistlicher für die Gemeinschaftsschule.

Ein offener Brief an Gauleiter Bürckel zur Abstimmung im Gau Saar-pfalz.

Saarbrücken, 5. April. (DNB.) Die Abstirm mung über die Gemeinschaftsschule im Gau Saar-Pfalz brachte eine Mehrheit von mehr als 90 v. H. für die Einführung der Gemeinschaftsschule. Die Folge war eine große Zahl von Angriffen aus der katholischen Geistlichkeit gegen Die Lehrer­schaft des Gaues Saar-Pfalz, die mit der unpar­teiischen Durchführung der Abstimmung beauftragt worden war. Im Auftrage des Gaues Saar-Pfalz ist jeder einzelne der von der Geistlichkeit angeführ­ten Fälle untersucht worden. In Verfolg dieser Un­tersuchung haben nun die einzelnen Geistlichen Er­klärungen abgegeben, in denen sie ihre Behauptun­gen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück- nehmen und feststellen, daß sie unwahre Behaup­tungen aufgestellt hätten. Sie hätten sich durch falsche Informationen zu diesen Behauptungen ver­leiten lassen. In einem Brief eines katholischen G e i st l i ch e n an Gauleiter Bürckel, der sich für die Einführung der Gemeinschaftsschule ausspricht, heißt es:

Wir katholischen Geistlichen, die wir in nicht geringer Zahl auf dem Boden des Nationalsozia­lismus stehen, haben kein Interesse an den macht- politischen Kämpfen desPolitischen Katholizis­mus". Wir wollen einzig und allein als Christen Gott und Volk in Treue dienen. Wir nehmen öffentlich Stellung gegen alle Hetzer im geistlichen Gewand, die ihre Autoritätsstellung mißbrauchen, um von der Kanzel herab unter dem Deckmantel: Die Religion ist in Gefahr!" den nationalsozia­listischen Staat zu bekämpfen. Diesen deutschfeind­lichen Verbrechern gegen Volk, Führer und Staat muß das Handwerk gelegt werden. Als Geistlicher, der vier Jahre lang in Bayreuth an einer Ge-> meinfchaftsschule tätig war, muß ich mich auch

öffentlich gegen die Behauptung wenden, daß an der Gemeinschaftsschule die Kinder religiös schlech­ter betreut werden als an einer Konfessionsschule. Als Dozent an der Hochschule für Lehrerbildung in Pasing kann ich Ihnen über die religiöse Be­treuung der Kinder unserer Uebungsschule (Gemein­schaftsschule!) nur sagen, daß 1. regelmäßiger Religionsunterricht erteilt, 2. Gelegenheit zum Empfang der heiligen Beichte und Kommunion gegeben und 3. der Besuch der heiligen S ch u l m e s s e regelmäßig ermöglicht wird. 4. In jedem Schulzimmer hängt ein Kreuz. 5. Zum Beginn und Schluß des Unterrichts wird gebetet.

Ich hoffe und wünsche als deutscher Geistlicher, daß diese Zeilen, die Sie jederzeit und überall, auch in der Presse, verwerten dürfen, dem leidigen Schulkampf und dem politischen Katholizismus ein Ende bereiten helfen. Es wäre mir eine große Freude und Genugtuung, wenn ich als bewußt katholischer und nationalsozialistischer Geistlicher meinen Teil zum religiösen Frieden in unserem Volke beigetragen .hätte. Die Losung heißt: Unsere Religion ist Christus! Unsere Politik ist Deutsch­land! Sie war mir immer Richtschnur und hat mir die Vereinbarkeit von Nationalsozialismus und Christentum zum Erlebnis gebracht. Für diese Ver­einbarkeit bin ich unerschrocken immer eingetreten und sehe meine Lebensaufgabe darin, junge Men- scheu zu treuen und nationalsozialistischen Deutschen Zu erziehen.

Heil Hitler!

A. Kober,

Dozent für katholische Religionswissenschaft und Katechetik an der Hochschule für Lehrerbildung in Pasing.

Die Verhaftung Jagodas.

Das Sterben der roten Gotter in Sowjetrußland nimmt seinen Fortgang. Herschel Jagoda (Jehuda), einst der allmächtige Herrscher der GPU., der die Todesurteile am laufenden Band unter­schrieb, der Zehntausende vonFeinden der Sow­jetunion" ums Leben gebracht hat, ist nun selber als Feind des proletarischen Kassenstaates verhaftet worden. So frißt die Revolution noch immer ihre eigenen Kinder, ja heute auch ihre eigenen Väter. Dies ist bezeichnend für den gegenwärtigen Zustand im Sowjetreich.

Jagoda, der blutbefleckte Henker der sogenannten Konterrevolutionäre, ist Jude, und man hat ge­glaubt, seinen Sturz mit antisemitischen Tenden­zen in Zusammenhang zu bringen, die im Reiche Stalins in den Vordergrund drängten. Daß die Verbitterung über die jüdische Vorherrschaft in der Arbeiterschaft, in Stadt und Land, überhaupt in den breiten Schichten des russischen Volkes dauernd zunimmt, ist wohl richtig. Aber von einer antijüdi­schen Richtung in der Kommunistischen Partei oder gar in den Regierungskreisen kann keine Rede sein. Das haben gerade die zahllosen Umgruppie­rungen der letzten Wochen innerhalb des Par­tei- und Staatsapparates bewiesen. Denn es sind nicht nur Juden aus ihren Positionen verdrängt, sondern noch mehr Juden in einflußreiche Stellun­gen hineingeschoben worden.

Man hat, zumal in England, auch davon gespro­chen, daß Jagoda der Rivalität zwischen dem I n - nentommiffariat (früher GPU. und Tscheka) und der roten Armee oder dem an­geblichen Gegensatz zwischen Stalin und Woro­schilow zum Opfer gefallen wäre. Wir halten auch diese These für verfehlt. Zwar ist es richtig, daß die GPU. sich eine eigene 200 000 Mann starke Armee herangebildet hatte, die gelegentlich auch in die' Offizierkreise eindrang und dort ihre Opfer

suchte, aber im großen und ganzen ist das reguläre Heer doch immer ein selbständiges Werkzeug der Staatsführung geblieben.

Die Gründe, die tieferen Ursachen für die Aus­schaltung Jagodas liegen auf einem anderen Ge­biete. Sie sind einmal in dem System selber zu suchen, das ohne Intrigen, Denunziationen, Ku­lissenaffären und Gruppenkämpfe gar nicht denk­bar ist, zum anderen in dem dauernden Bemühen Stalins, seine Machtstellung durch die Abhalf- terung der alten Parteigarde Lenins zu festigen. Stalin muß, um die ewigen Mißerfolge seiner Wirtschaftspolitik zu verdecken und um sich vor dem Vorwurf der Unfähigkeit zu reinigen, Sündenböcke finden, die an seiner Statt die Schuld für die zwei­fellos vorhandenen Mißstände zu büßen haben. Diesetollen Hunde", wie es im Jargon der sow­jetrussischen Presse heißt, aber nimmt der rote Zar mit Vorliebe aus dem Kreise der alten Parteigenos­sen, weil diese noch so etwas wie einen eigenen Willen und eine eigene Linie verkörpern.

Sachlich dürfte auch Jagoda nicht mehr vorzu­werfen sein, als sich alle anderen Größen in Sow­jetjudäa zu Schulden kommen ließen. Denn das, was der Jude Jagoda tat, als er seine Kulacken- jagden begann, als er das System der Zwangs­arbeitslager ausbaute, als er die Trotzkistenverfol­gungen auf ihren Höhepunkt führte, alles das paßte so ganz und gar in die Richtung der (Stalin» scheu Methoden überhaupt, daß ihm vom Stand­punkt des Regimes bestimmt nichts vorgeworfen werden kann. Es ist auch zweifelhaft, ob die plan­mäßige Ausrottung der alten Intelligenz nicht nur, sondern auch die Lahmlegung der qualifizierten Arbeiterschaft, die Jagoda betrieb und die zu ge­fährlichen Rückschlägen in der Produktion führte, schließlich zu seinem Sturz beigetragen hat. Denn auch diese Maßnahmen leitete der Hetzhund Jagoda

im vollen Einvernehmen mit Stalin, dessen engster Vertrauter er lange Jahre hindurch war. Viel wahrscheinlicher ist, daß in Jagoda ein Ueberbleib» sei und einer der wichtigsten Männer aus der (Ge­neration Lenins getroffen werden sollte als abschreckendes Beispiel für alle alten Kommunisten. Denn Jagoda, der im übrigen aus derselben Gegend des ehemals russischen Polen stammt wie Litwinow- Finkelstein, trat bereits 1907 der bolschewistischen Partei bei, während die meisten neuen Männer, mit denen sichVäterchen" Stalin umgibt, erst in der Nachkriegszeit ihre Bekehrung vollzogen. Das Wort MenschinskisMitleid muß abgeschafft wer­den", das Jagoda als GPU.-Chef einst von feinem Vorgänger übernommen und in die Tat umgesetzt hatte, wird jetzt an ihm selber wahrgemacht.

Sowjetsendungen des deutschen Rundfunks.

Berlin, 5. April. (DNB.) Am 6. April 1937 in der Zeit von 19.45 bis 20 Uhr setzen die Reichs­sender Berlin, Hamburg, Leipzig und Köln die Kurzsenderreihe des deutschen RundfunksHier spricht Sowjetrußland" fort. Das Sende­programm ist aus sowjetrussischenPresse- ft i m m e n zusammengestellt. Von den Sowjetbehör­den öffentlich zugegebene Mißstände zeigen die Ver­logenheit der bolschewistischen Propaganda. Seit Jahren sendet Sowjetrußland über seine Anlagen in 60 verschiedenen Sprachen Verleumdungen und Falschmeldungen in die Welt. Selbstverständliche na­tionale Belange anderer Länder werden dabei rück­sichtslos übergangen. Die Fülle fremdsprachiger Sendungen versucht Moskau damit zu erklären, daß sie nur an die völkischen Minderheiten innssrhalb der UdSSR, gerichtet seien, aber alle Welt hat die­ses Gebaren längst durchschaut. Die Sendereihe Hier spricht Sowjetrußland", die allwöchent­lich Dienstag stattfindet, wird mithelfen, das wahre Bild des Bolschewismus aufzuzeigen und ihn als das hinzustellen, was er ist: Weltfeind Nr. 1.

Präsident Venesch in Selarad.

WenigZuversicht in der französischenPresse.

B e Ig r a b , 5. April. (DNB.) Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik Dr. Benesch traf mit seiner Gemahlin im Sonderzug in Belgrad ein. Zum Empfang Beneschs hatten sich Prinzregent Paul mit Gattin und die Mitglieder des Regent­schaftsrates Dr. S t a n k o w i t f ch und Dr. Per o- witfch eingefunden. Nachdem Dr. Benesch und Prinzregent Paul die Ehrenkompanie abgeschritten hatten, fuhren sie zum Alten Schloß, wo' Dr. Be­nesch Wohnung nimmt. Prinzregent Paul gab Montagabend zu Ehren des tschechoslowakischen Staatspräsidenten im alten Schloß ein Festessen, an dem auch die jugoslawische Regierung teilnahm.

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Die Reise des Präsidenten Benesch wird von der französischen Presse mit beträchtlichem Interesse verfolgt.Oeuvre" weiß zu berichten, daß Benesch Stojadinowitsch erklärt habe, daß die Tschecho­slowakei die nötigen Schlußfolgerungen ziehen werde, wenn der jugoslawisch^italienische Vertrag eine Sonderpolitik Jugoslawiens einleite. Stojadinowitsch sei also gezwungen, Farbe zu be­kennen. DieHumanite" schreibt u. a., so herzlich der (Empfang auch sein möge, er könne den un­glücklichen Eindruck doch nicht verwischen, den das bedauerliche Ergebnis der Kleinen-Entente-Konfe- renz hinterlassen habe. Jugoslawien habe mit Bul­garien und dann mit Italien zweiseitige Pakte abgeschlossen, die ganz offensichtlich im Wider­spruch zu den Satzungen des Völkerbundes und denen der Kleinen Entente ständen. Die Konferenz habe es nicht einmal fertig bekommen, für die Zukunft eine derartige Politik zu verhüten. Dar­über hinaus habe sie die Prüfung des von Frank­reich gemachten gegenseitigen Beistands­vorschlages vertagt. Dieser Mißerfolg der französischen Diplomatie fei äußerst schwer. Man würde der französischen Regierung schlecht dienen, wenn man ihr die Tragweite des Fehlschlages ver­heimlichen würde.

Verleihung derGoldenen Vose" an die Königin Helena.

Rom, 5. April. (DNB.) Die von Pius XI. der Königin von Italien und Kaiserin von Aethiopien verlieheneGoldene Rose" ist nach einem Hochamt, dem das italienische Herrscherpaar mit hohen Würdenträgern und Regierungsmitgliedern in der Schloßkapelle des Quirinals beiwohnte, von Nuntius Borgongini Duca feierlich der Königin und Kaiserin überreicht wor­den. In einer besonderen Verleihungsurkunde, die der Nuntius dem Herrscherpaar überreicht hatte, wendet sich Pius XI. mehrmals an den König von Italien und Kaiser von Aethiopien, was als still­schweigende Anerkennung des italieni- schen Imperiums durch die KuPie gelten muß.

Kleine politische Nachrichten.

Mit dem 1. April 1937 ist Cuxhaven aus ham­burgischem Besitz auf das Land Preußen übergegangen. Aus Anlaß dieses Ereignisses fand am Sonntag in Cuxhaven in Anwesenheit der Gauleitung, Reichsstatthalter Kaufmann und Staats­rat Telschow, die Ueberleitungsfeier statt, an der die Einwohnerschaft außerordentlich regen Anteil nahm.

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Einer Einladung des Reichsministers der Luft­fahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Gene­raloberst Göring, folgend, sind in Deuffchland L u f t f a h r t k o m Missionen" aus Brasi- lien und Chile eingetroffen. Der brasilianische Saft ist der Chef der brasilianischen Marineflieger, Admiral S ch o r ch t. Die chilenische Kommission wird geführt von dem Chef der chilenischen Luft­streitkräfte, General der Flieger Aracena. Den Kommissionen wird Gelegenheit geboten werden, Anlagen und Einrichtungen der deutschen Luftwaffe, Luftfahrt und Industrie kennenzulernen.

Reichsminister Rust und seine Begleitung sind mit dem DampferMilwaukee" in Neu-Phaleron bei Athen eingetroffen.

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Der ungarische Reichsverweser Admiral von Hvrthy empfing den scheidenden Budapester Gesandten von Mackensen, der zum Staats­sekretär des Auswärtigen Amtes ernannt worden ist, zu einer fast einstündigen Abschiedsaudienz, an die sich ein Frühstück im engsten Kreis anschloß. Der Reichsoerweser überreichte hierbei dem Staatssekre­tär von Mackensen sein Bild "mit Unterschrift. Die ungarische Regierung verabschiedete sich von dem schei­denden Gesandten mit einer Reihe von Abschieds­essen, die den aufrichtigen Dank für die großen