liche Merkmale der spekulativen Preisüberhöhung Zeigt.
Drei kurze Ausblicke seien in diesem Zusammenhang eröffnet: Die jetzt von verschiedenen Seiten auftauchenden Anregung einer neuen Welt- w i r t s ch a f t s k o n f e r e n z, an die man auch untv Umständen eine Abrüstungskonferenz koppeln will, gehen nicht zuletzt auf die Sorge der Regierungen in den sogenannten liberalen Ländern zurück, daß der jetzige konjunkturelle Auf- st i e g, der mit der Aufrüstung so eng verbunden ist, sich überschlägt und zu einer Wirtschaftskatastrophe führt, nachdem er noch vorher die betroffenen Länder in den typischen Zustand der „s o - z i a l e n U n r a st" (Streiks, Aussperrungen) durch eine absolute Verschiebung des Preis- und Lohnverhältnisses gebracht hat. Hier setzt die sehr rührige kommunistische Bewegung mit ihrem selbständigen Ziele der Revolutionierung der Welt ein, wofür die sich häufenden offenen oder wahscheinlichen Sabotagefälle in England und wilde Streiks, sowie Durchsetzung der Gewerkschaften mit kommunistischen Zellen ein deutlicher Beweis sind. Die englische Regierung sucht in einer für uns Deutsche geradezu unbegreiflichen Vogel-Strauß-Politik über die sich hier auftuenden Schwierigkeiten hinweg zu kommen. Diese Vogel- Strauß-Politik ist das zweite Faktum, das wir zu beachten haben. Sie hängt auf das Engste wiederum mit der dritten Tatsache zusammen, daß der englischen Regierung die finanziellen Berechnungen für die von ihr geplante Aufrüstung einfach unter der allerwertesten Sitzfläche weggerutscht sind, weil die Steigerung der Preise ganz neue Gestehungskosten schafft. Kurz gesagt: die Preise laufen gegen das Pfund! Dr. Ho. Was sagt man nun in Enqland?
Gandhi jüngster Kandidat für den Friedens-Nobelpreis?
London, 5. April. (DNB.) Die aus Oslo kommende Nachricht, daß Mahatma Gandhi als Kandidat für den sogenannten Nobel-Friedenspreis aufgestellt worden ist, hat in England peinliches Erstaunen hervorgerufen. So hat ein englisches Blatt festgestellt, daß Gandhis hauptsächlichster Beitrag zum Frieden die Anzettelung von Unruhen in Indien gewesen sei. Das Blatt wies auf die Protestbewegung in Indien gegen die neue Verfassung hin und erklärte, Gandhi sei es, der den General st reik in Indien ausgerufen habe.
Nach Reuter ist der Vorschlag von einer Organisation erfolgt, die sich „Freunde Indien s" nennt. Die Vermittlung habe ein linksstehender Politiker übernommen, dessen Name nicht genannt wird. Von anderer Seite verlautet hierzu, daß diese Kandidatur bei einigen kleinen Nationen a u f Wohlwollen gestoßen sei.
Man muß sich immer wieder wundern, mit welch fataler Geschicklichkeit gewisse Kreise in Norwegen es verstehen, die Großmächte vor den Kopf zu stoßen unter Benutzung von Institutionen, die angeblich der Förderung des Friedens unter den Völkern dienen sollen. Die englischen Kreise, die seinerzeit Deutschlands Stellungnahme bei der Zuteilung des Nobelpreises an den Landesverräter Ossietzky nicht verstehen konnten, dürften jetzt wohl nachträglich für die Haltung Deutschlands Verständnis aufbringen.
„Oie Huldigung des Imperiums." Eine britische Weltsendung
am Krönungsabend.
London, 3. April (DNB.) Die Britische Rund- sunkgesellschaft hat für die Krönungsfeierlichkeiten ein Programm vorbereitet, das am Abend des Krönungstages in einer Sendung unter dem Schlagwort „Die Huldigung des Imperiums" gipfeln wird. An dieser Sendung, die nach f a st sämtlichen Ländern der Welt übertragen werden soll, werden sich neben König Georg, der britische Ministerpräsident Baldwin, die fünf Ministerpräsidenten der Dominions, der indische Vizekönig und Vertreter einiger K o - Ionien beteiligen. Die meisten werden in London sein und von hier aus ins Mikrophon sprechen. Ferner werden britische Staatsmänner in allen Teilen des Imperiums sich an der Sendung ' beteiligen, die mit einer „Botschaft des Königs an sein Volk" enden wird.
Oie polonisierungswelle in PommereUen.
Posen, 5. April. (DNB.) Die reichsdeutsche Presse vermerkte mit Genugtuung, daß die vom polnischen Westverband anberaumte ,P o m m e - rellenwoche" keine offen deutschfeindlichen Tendenzen aufwies, wenngleich sie nicht ihre Sorge um das dortige Deutschtum angesichts der neuen Propagandawelle verschwieg. Alle diese Befürchtungen werden bestätigt. Auf die Frage, ob diese „Pommerellenwoche" nützlich und notwendig sei, wurde dem Westverband geantwortet, daß es die vordringlichste Aufgabe jeder Propaganda sein müsse, „d a s p o l - nische Leben in Pommerellen zu stär- ken und gleichzeitig fremde .Einflüsse zu beseitigen." „Man muß die Ueberzeugung zum Ausdruck bringen, daß es wichtiger ist, in der gc^enwärtigenPolonisierungsetappe au, dem Gebiet Pomerellens alle deutsche Ueberlegenheit auf dem Wege zur Ostsee und nach Gdingen zu beseitigen, als weitere Millionen in den Ausbau des ©Dinger Hafens zu stecken." Der „Dziennik Poznanski" meint u. a., daß die Beseitigung „aller deutschen Ueberlegenheit" in dem genannten Gebiet einmal durch die Stärkung des polnischen Nationalbewußtseins und zweitens durch eine s y st e - malische Unterstützung polnischer Betriebe erfolgen müsse. Es betont, daß es auf die negative Seite dieses Kampfes, d. h. die Beseitigung deutscher Wirtschaftsorganisationen und Betriebe, nicht erst eingehen wolle, da „diese deutschen Betriebe eines natürlichen Todes st erben müßten in dem Augenblick, in dem es gelingt, die polnische Kundschaft von diesen deutschen Einrichtungen wegzulenke n." Neue Etudeuteutumulte in Warschau.
Warschau, 6. April. (DNB. Funkspruch.) In der Technischen und in der Landwirtschaftlichen Hochschule waren die Vorlesungen nach längerer Unterbrechung wieder ausgenommen worden, während die Universität noch geschlossen ist. In der Technischen Hochschule wurden bald nach Beginn der Vorlesungen in Hörsälen und Gängen Stinkbomben und Flaschen mit Tränengas geschleudert. Die Räume füllten sich mit
beißendem Rauch, so daß alle Vorlesungen a b - gebrochen werden mußten. Der Stellvertreter des Kultusministers, Professor U j e j s k i, erklärte über alle polnischen Sender: Verbrecherische Elemente versuchten, das akademische Leben zu beherrschen. Sie scheuten vor keinem Mittel physischen und moralischen Terrors zurück, von anonymen Schmähschreiben bis zu Bomben. Ueberfälle auf einzelne Studenten seien beinahe eine normale Erscheinung geworden. Man terrorisiere die akademischen Behörden und suche die Universitäts- richter in Schrecken zu versetzen. Unter diesen Umständen könne von einem normalen Unterrichts- bctrieb an den Hochschulen nicht die Rede sein. Den gegenwärtigen Zuständen müsse energisch und wirksam entgegengetreten werden.
Oie Befreiung Belgiens von femen £ofarno=Serpflidi<ungen. London, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Am Quai d'Orsay und im Foreign Office ist der Entwurf eines Briefwechsels zwischen Paris, London und Brüssel über die Befreiung Belgiens von seinen Locarnoverpflichtu n g en eingetroffen, der während des Besuches des Königs Leopold in London festgelegt worden ist. Belgien hatte schon früher zwei Entwürfe eingereicht, denen aber Paris und London nicht zustimmten. Der jetzige Entwurf enthält die Verpflichtung gegenüber Paris und London, jederzeit eine genügend starke Armee zur Verteidigung des Landes zu unterhalten.
Deutscher Protest in Pretoria.
Oie Neichsregierung warnt die (Südafrikanische Union vor weiterer Verletzung ihrer Treuhänderpflicht im Mandatsland Südwestafrika.
Pretoria, 5. April. (DNB.) Der deutsche Gesandte Wiehl überreichte am Montag dem General H e r tz o g folgende Protestnote gegen die letzte Verlautbarung der Mandatsregierung, die eine Kampfmaßnahme gegen das dortige Deutschtum bedeutete:
Die deutsche Regierung sieht sich genötigt, gegen die . Verlautbarung der Union-Regierung vom 2. April Verwahrung einzulegen, weil diese im Rahmen allgemeiner Bestimmungen die deutsche Bevölkerung des Mandatsgebietes Südwestafrika unter Ausnahmerecht stellt. Die deutsche Regierung hat ihre Bedenken gegen diese Maßnahme bereits in früheren Noten dargelegt. Sie beschränkt sich deshalb auf folgende Ausführungen:
Die Verlautbarung' stellt sich als eine Kampf- maßnahme gegen das Deutschtum in S ü d w e st a f r i ka dar. Das ergibt sich aus dem Zusammenhang der Verlautbarung mit.dem Bericht her Südwestafrika-Kommission, deren unbewiesene Behauptungen ihr zugrunde liegen. Für eine solche Kampfmaßnahme der südafrikanischen Regierung gegen das Deutschtum in Südwestafrika fehlt jeder berechtigte Anlaß. Die dafür vorgebrachte Behauptung einer unzulässigen Einmischung Reichsdeutscher in die Einrichtungen des Landes treffen weder allgemein noch für die letzten zwei Jahre zu. Das Südwester Deutschtum kann sich mit Recht beschwert fühlen, weil ihm trotzdes Londoner Abkommens und späterer
Zusagen politische, kulturelle, sprachliche und teilweise auch wirtschaftliche Gleichberechtigung immer mehr versagt wird und weil es durch die verschiedensten Maßnahmen in seiner Entwicklung behindert wird. Dieser bedauerliche Zustand, der schon im Widerspruch steht mit der M a n d a t sb e st i m m u n g, nach welcher die Mandatsregierung als Treuhänderin die Pflicht hat, das Wohleraehen aller Bewohner des Mandatsgebiets zu fördern, wird nunmehr durch die Verlautbarung vom 2. April noch verschärft, da sie dem freien Ermessen einer Verwaltungsstelle weitesten Spielraum eröffnet.
Die deutsche Regierung hat die Regierung der Südafrikanischen Union wiederholt gebeten, die südwestafrikanische Spannung durch beiderseitiges Einvernehmen zu beseitigen. Die jetzigen unberechtigten Maßnahmen der Union-Regierung werden aller Voraussicht nach im deutschen Teil der Bevölkerung van Südwestafrika den Eindruck verstärken, daß der Union-Regierung nicht an einer Versöhnung der verschiedenen Bevölkerungsteile gelegen ist, und werden notwendigerweise zu einer Verschärfung der Gegensätze zwischen den verschiedenen Bevolke- rungsteilen führen. Die deutsche Regierung hält sich für verpflichtet, ihre warnende Stimme zu erheben und muß es nunmehr der Union-Regierung überlassen, Vorsorge zu treffen, daß nicht durch eine Durchführung der Verlautbarung schwerer Schaden angerichtet wird.
Katholischer Geistlicher für die Gemeinschaftsschule.
Ein offener Brief an Gauleiter Bürckel zur Abstimmung im Gau Saar-pfalz.
Saarbrücken, 5. April. (DNB.) Die Abstirm mung über die Gemeinschaftsschule im Gau Saar-Pfalz brachte eine Mehrheit von mehr als 90 v. H. für die Einführung der Gemeinschaftsschule. Die Folge war eine große Zahl von Angriffen aus der katholischen Geistlichkeit gegen Die Lehrerschaft des Gaues Saar-Pfalz, die mit der unparteiischen Durchführung der Abstimmung beauftragt worden war. Im Auftrage des Gaues Saar-Pfalz ist jeder einzelne der von der Geistlichkeit angeführten Fälle untersucht worden. In Verfolg dieser Untersuchung haben nun die einzelnen Geistlichen Erklärungen abgegeben, in denen sie ihre Behauptungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück- nehmen und feststellen, daß sie unwahre Behauptungen aufgestellt hätten. Sie hätten sich durch falsche Informationen zu diesen Behauptungen verleiten lassen. In einem Brief eines katholischen G e i st l i ch e n an Gauleiter Bürckel, der sich für die Einführung der Gemeinschaftsschule ausspricht, heißt es:
„Wir katholischen Geistlichen, die wir in nicht geringer Zahl auf dem Boden des Nationalsozialismus stehen, haben kein Interesse an den macht- politischen Kämpfen des „Politischen Katholizismus". Wir wollen einzig und allein als Christen Gott und Volk in Treue dienen. Wir nehmen öffentlich Stellung gegen alle Hetzer im geistlichen Gewand, die ihre Autoritätsstellung mißbrauchen, um von der Kanzel herab unter dem Deckmantel: „Die Religion ist in Gefahr!" den nationalsozialistischen Staat zu bekämpfen. Diesen deutschfeindlichen Verbrechern gegen Volk, Führer und Staat muß das Handwerk gelegt werden. Als Geistlicher, der vier Jahre lang in Bayreuth an einer Ge-> meinfchaftsschule tätig war, muß ich mich auch
öffentlich gegen die Behauptung wenden, daß an der Gemeinschaftsschule die Kinder religiös schlechter betreut werden als an einer Konfessionsschule. Als Dozent an der Hochschule für Lehrerbildung in Pasing kann ich Ihnen über die religiöse Betreuung der Kinder unserer Uebungsschule (Gemeinschaftsschule!) nur sagen, daß 1. regelmäßiger Religionsunterricht erteilt, 2. Gelegenheit zum Empfang der heiligen Beichte und Kommunion gegeben und 3. der Besuch der heiligen S ch u l m e s s e regelmäßig ermöglicht wird. 4. In jedem Schulzimmer hängt ein Kreuz. 5. Zum Beginn und Schluß des Unterrichts wird gebetet.
Ich hoffe und wünsche als deutscher Geistlicher, daß diese Zeilen, die Sie jederzeit und überall, auch in der Presse, verwerten dürfen, dem leidigen Schulkampf und dem politischen Katholizismus ein Ende bereiten helfen. Es wäre mir eine große Freude und Genugtuung, wenn ich als bewußt katholischer und nationalsozialistischer Geistlicher meinen Teil zum religiösen Frieden in unserem Volke beigetragen .hätte. Die Losung heißt: Unsere Religion ist Christus! Unsere Politik ist Deutschland! Sie war mir immer Richtschnur und hat mir die Vereinbarkeit von Nationalsozialismus und Christentum zum Erlebnis gebracht. Für diese Vereinbarkeit bin ich unerschrocken immer eingetreten und sehe meine Lebensaufgabe darin, junge Men- scheu zu treuen und nationalsozialistischen Deutschen Zu erziehen.
Heil Hitler!
A. Kober,
Dozent für katholische Religionswissenschaft und Katechetik an der Hochschule für Lehrerbildung in Pasing.
Die Verhaftung Jagodas.
Das Sterben der roten Gotter in Sowjetrußland nimmt seinen Fortgang. Herschel Jagoda (Jehuda), einst der allmächtige Herrscher der GPU., der die Todesurteile am laufenden Band unterschrieb, der Zehntausende von „Feinden der Sowjetunion" ums Leben gebracht hat, ist nun selber als Feind des proletarischen Kassenstaates verhaftet worden. So frißt die Revolution noch immer ihre eigenen Kinder, ja heute auch ihre eigenen Väter. Dies ist bezeichnend für den gegenwärtigen Zustand im Sowjetreich.
Jagoda, der blutbefleckte Henker der sogenannten Konterrevolutionäre, ist Jude, und man hat geglaubt, seinen Sturz mit antisemitischen Tendenzen in Zusammenhang zu bringen, die im Reiche Stalins in den Vordergrund drängten. Daß die Verbitterung über die jüdische Vorherrschaft in der Arbeiterschaft, in Stadt und Land, überhaupt in den breiten Schichten des russischen Volkes dauernd zunimmt, ist wohl richtig. Aber von einer antijüdischen Richtung in der Kommunistischen Partei oder gar in den Regierungskreisen kann keine Rede sein. Das haben gerade die zahllosen Umgruppierungen der letzten Wochen innerhalb des Partei- und Staatsapparates bewiesen. Denn es sind nicht nur Juden aus ihren Positionen verdrängt, sondern noch mehr Juden in einflußreiche Stellungen hineingeschoben worden.
Man hat, zumal in England, auch davon gesprochen, daß Jagoda der Rivalität zwischen dem I n - nentommiffariat (früher GPU. und Tscheka) und der roten Armee oder dem angeblichen Gegensatz zwischen Stalin und Woroschilow zum Opfer gefallen wäre. Wir halten auch diese These für verfehlt. Zwar ist es richtig, daß die GPU. sich eine eigene 200 000 Mann starke Armee herangebildet hatte, die gelegentlich auch in die' Offizierkreise eindrang und dort ihre Opfer
suchte, aber im großen und ganzen ist das reguläre Heer doch immer ein selbständiges Werkzeug der Staatsführung geblieben.
Die Gründe, die tieferen Ursachen für die Ausschaltung Jagodas liegen auf einem anderen Gebiete. Sie sind einmal in dem System selber zu suchen, das ohne Intrigen, Denunziationen, Kulissenaffären und Gruppenkämpfe gar nicht denkbar ist, zum anderen in dem dauernden Bemühen Stalins, seine Machtstellung durch die Abhalf- terung der alten Parteigarde Lenins zu festigen. Stalin muß, um die ewigen Mißerfolge seiner Wirtschaftspolitik zu verdecken und um sich vor dem Vorwurf der Unfähigkeit zu reinigen, Sündenböcke finden, die an seiner Statt die Schuld für die zweifellos vorhandenen Mißstände zu büßen haben. Diese „tollen Hunde", wie es im Jargon der sowjetrussischen Presse heißt, aber nimmt der rote Zar mit Vorliebe aus dem Kreise der alten Parteigenossen, weil diese noch so etwas wie einen eigenen Willen und eine eigene Linie verkörpern.
Sachlich dürfte auch Jagoda nicht mehr vorzuwerfen sein, als sich alle anderen Größen in Sowjetjudäa zu Schulden kommen ließen. Denn das, was der Jude Jagoda tat, als er seine Kulacken- jagden begann, als er das System der Zwangsarbeitslager ausbaute, als er die Trotzkistenverfolgungen auf ihren Höhepunkt führte, alles das paßte so ganz und gar in die Richtung der (Stalin» scheu Methoden überhaupt, daß ihm vom Standpunkt des Regimes bestimmt nichts vorgeworfen werden kann. Es ist auch zweifelhaft, ob die planmäßige Ausrottung der alten Intelligenz nicht nur, sondern auch die Lahmlegung der qualifizierten Arbeiterschaft, die Jagoda betrieb und die zu gefährlichen Rückschlägen in der Produktion führte, schließlich zu seinem Sturz beigetragen hat. Denn auch diese Maßnahmen leitete der Hetzhund Jagoda
im vollen Einvernehmen mit Stalin, dessen engster Vertrauter er lange Jahre hindurch war. Viel wahrscheinlicher ist, daß in Jagoda ein Ueberbleib» sei und einer der wichtigsten Männer aus der (Generation Lenins getroffen werden sollte — als abschreckendes Beispiel für alle alten Kommunisten. Denn Jagoda, der im übrigen aus derselben Gegend des ehemals russischen Polen stammt wie Litwinow- Finkelstein, trat bereits 1907 der bolschewistischen Partei bei, während die meisten neuen Männer, mit denen sich „Väterchen" Stalin umgibt, erst in der Nachkriegszeit ihre Bekehrung vollzogen. Das Wort Menschinskis „Mitleid muß abgeschafft werden", das Jagoda als GPU.-Chef einst von feinem Vorgänger übernommen und in die Tat umgesetzt hatte, wird jetzt an ihm selber wahrgemacht.
Sowjetsendungen des deutschen Rundfunks.
Berlin, 5. April. (DNB.) Am 6. April 1937 in der Zeit von 19.45 bis 20 Uhr setzen die Reichssender Berlin, Hamburg, Leipzig und Köln die Kurzsenderreihe des deutschen Rundfunks „Hier spricht Sowjetrußland" fort. Das Sendeprogramm ist aus sowjetrussischenPresse- ft i m m e n zusammengestellt. Von den Sowjetbehörden öffentlich zugegebene Mißstände zeigen die Verlogenheit der bolschewistischen Propaganda. Seit Jahren sendet Sowjetrußland über seine Anlagen in 60 verschiedenen Sprachen Verleumdungen und Falschmeldungen in die Welt. Selbstverständliche nationale Belange anderer Länder werden dabei rücksichtslos übergangen. Die Fülle fremdsprachiger Sendungen versucht Moskau damit zu erklären, daß sie nur an die völkischen Minderheiten innssrhalb der UdSSR, gerichtet seien, aber alle Welt hat dieses Gebaren längst durchschaut. Die Sendereihe „Hier spricht Sowjetrußland", die allwöchentlich Dienstag stattfindet, wird mithelfen, das wahre Bild des Bolschewismus aufzuzeigen und ihn als das hinzustellen, was er ist: Weltfeind Nr. 1.
Präsident Venesch in Selarad.
WenigZuversicht in der französischenPresse.
B e Ig r a b , 5. April. (DNB.) Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik Dr. Benesch traf mit seiner Gemahlin im Sonderzug in Belgrad ein. Zum Empfang Beneschs hatten sich Prinzregent Paul mit Gattin und die Mitglieder des Regentschaftsrates Dr. S t a n k o w i t f ch und Dr. Per o- witfch eingefunden. Nachdem Dr. Benesch und Prinzregent Paul die Ehrenkompanie abgeschritten hatten, fuhren sie zum Alten Schloß, wo' Dr. Benesch Wohnung nimmt. Prinzregent Paul gab Montagabend zu Ehren des tschechoslowakischen Staatspräsidenten im alten Schloß ein Festessen, an dem auch die jugoslawische Regierung teilnahm.
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Die Reise des Präsidenten Benesch wird von der französischen Presse mit beträchtlichem Interesse verfolgt. „Oeuvre" weiß zu berichten, daß Benesch Stojadinowitsch erklärt habe, daß die Tschechoslowakei die nötigen Schlußfolgerungen ziehen werde, wenn der jugoslawisch^italienische Vertrag eine Sonderpolitik Jugoslawiens einleite. Stojadinowitsch sei also gezwungen, Farbe zu bekennen. Die „Humanite" schreibt u. a., so herzlich der (Empfang auch sein möge, er könne den unglücklichen Eindruck doch nicht verwischen, den das bedauerliche Ergebnis der Kleinen-Entente-Konfe- renz hinterlassen habe. Jugoslawien habe mit Bulgarien und dann mit Italien zweiseitige Pakte abgeschlossen, die ganz offensichtlich im Widerspruch zu den Satzungen des Völkerbundes und denen der Kleinen Entente ständen. Die Konferenz habe es nicht einmal fertig bekommen, für die Zukunft eine derartige Politik zu verhüten. Darüber hinaus habe sie die Prüfung des von Frankreich gemachten gegenseitigen Beistandsvorschlages vertagt. Dieser Mißerfolg der französischen Diplomatie fei äußerst schwer. Man würde der französischen Regierung schlecht dienen, wenn man ihr die Tragweite des Fehlschlages verheimlichen würde.
Verleihung der „Goldenen Vose" an die Königin Helena.
Rom, 5. April. (DNB.) Die von Pius XI. der Königin von Italien und Kaiserin von Aethiopien verliehene „Goldene Rose" ist nach einem Hochamt, dem das italienische Herrscherpaar mit hohen Würdenträgern und Regierungsmitgliedern in der Schloßkapelle des Quirinals beiwohnte, von Nuntius Borgongini Duca feierlich der Königin und Kaiserin überreicht worden. In einer besonderen Verleihungsurkunde, die der Nuntius dem Herrscherpaar überreicht hatte, wendet sich Pius XI. mehrmals an den König von Italien und Kaiser von Aethiopien, was als stillschweigende Anerkennung des italieni- schen Imperiums durch die KuPie gelten muß.
Kleine politische Nachrichten.
Mit dem 1. April 1937 ist Cuxhaven aus hamburgischem Besitz auf das Land Preußen übergegangen. Aus Anlaß dieses Ereignisses fand am Sonntag in Cuxhaven in Anwesenheit der Gauleitung, Reichsstatthalter Kaufmann und Staatsrat Telschow, die Ueberleitungsfeier statt, an der die Einwohnerschaft außerordentlich regen Anteil nahm.
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Einer Einladung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Generaloberst Göring, folgend, sind in Deuffchland L u f t f a h r t k o m Missionen" aus Brasi- lien und Chile eingetroffen. Der brasilianische Saft ist der Chef der brasilianischen Marineflieger, Admiral S ch o r ch t. Die chilenische Kommission wird geführt von dem Chef der chilenischen Luftstreitkräfte, General der Flieger Aracena. Den Kommissionen wird Gelegenheit geboten werden, Anlagen und Einrichtungen der deutschen Luftwaffe, Luftfahrt und Industrie kennenzulernen.
Reichsminister Rust und seine Begleitung sind mit dem Dampfer „Milwaukee" in Neu-Phaleron bei Athen eingetroffen.
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Der ungarische Reichsverweser Admiral von Hvrthy empfing den scheidenden Budapester Gesandten von Mackensen, der zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ernannt worden ist, zu einer fast einstündigen Abschiedsaudienz, an die sich ein Frühstück im engsten Kreis anschloß. Der Reichsoerweser überreichte hierbei dem Staatssekretär von Mackensen sein Bild "mit Unterschrift. Die ungarische Regierung verabschiedete sich von dem scheidenden Gesandten mit einer Reihe von Abschiedsessen, die den aufrichtigen Dank für die großen


