Ausgabe 
6.3.1937
 
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llr.55 viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, ö.MSrz 1937

Vorbildliche Schweinezucht in Lang-Göns.

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Gesunder Wurf einer Erstlingssau.

und Fleiß ließen schon

und Fleiß ließen schon in den ersten Jahren die schönsten Erfolge heranblühen. Auf den Landes­ausstellungen vor dem Kriege, z. B. im Jahre 1905, in Mainz und später in Gießen, erzielten die Züch-

Es war von jeher das Bestreben der Lang-Gön- ser Bauernschaft, in allen Berufs- und Zeitfragen an der Spitze zu marschieren, und so darf es nicht wundern, wenn auch in der Viehzucht in der Ge­meinde Lang-Göns Vorbildliches geleistet wurde. Das trifft vor allem auf die Schweine­zucht zu.

ter hohe Auszeichnungen.

Nach dem Kriege, im Jahre 1927, erhält auf der Landesausstellung in Darmstadt ein Lang-Gönser Zuchttier den allerhöchsten Preis: die Staatsmedaille. Daneben gab es noch zahl­reiche erste und Ehren­preise, ebenso auf der DLG. in Köln. Dort wurde zum ersten Male der

I. Sa mmlungspreis geholt, auch auf der

Reichsnährstandsschau und in Erfurt. Dort in Erfurt war es der bekannte Fach­mann, Prof. Dr. F r ö h - l i ch (Halle), der die Lang- Gönser Zucht besonders erwähnte und ihre vor­trefflichen Ergebnisse lo­bend hervorhob.

Aber die Hauptaufgabe des Schweinezuchtvereins ist mit der Erringung von Preisen noch lange nicht gelöst. Die wirtschaftliche Bedeutung der Zuchtver-

Tat zur Seite steht. Der Bestand der Züchtermit­glieder ist ziemlich unver­ändert erhalten geblieben. In zahlreichen Familien ging die Hauptarbeit vom Vater auf den Sohn über.

AlsHauptzielschwebteden Gründern vor V e r b e s - serung der Sch weine- z u ch t an und für sich. Nirgends fand sich zu damaliger Zeit eine ein- heitliche Rasse. Das Zucht- ziel fehlte. Es galt deshalb, ein frühreifes, frohwüchsiges Tier zu züchten, das allen Anfor­derungen gerechtwird. Der Zuchtverein inLang-Göns legte sich zunächst auf die Zucht des deutschen Edelschweines. Ausdauer

Mutterschweine in der Herde. (Aufnahmen: Heinrich.)

Lang-Göns ging in Oberhessen als erste Dorf­gemeinde an die Aufgabe, gute Zuchttiere heran­zuziehen. Es hat also den ältesten bäuerli­chen Schweinezuchtbetrieb in ganz Oberhessen.

Die Zucht des deutschen Edelschweines in Lang-Göns ist hervoraegangen aus der Zucht des Oekonomierates Hofmann, Hof-Güll, der einer der ältesten Züchter von ganz Deutschland ist. Um die Jahrhundertwende, im Jahre 1901, grün­dete man in Lang-Göns einen Schweinezuchtverein, dem 14 Mitglieder beitraten. Der damalige Vor­sitzende war Ludwig Konrad L u h, der auch heute noch mit unermüdlicher Zähigkeit und pie erlah­mender Ausdauer dem Zuchtverein mit Rat und

besserung erhellt erst aus der Tatsache, daß jähr­lich siebzig bis achtzig tadellose, junge Eber aus Lang-Göns für andere Gemeinden er­worben werden. Erst dadurch wird die gesamte Zucht gehoben. Diese jungen Eber werden haupt­sächlich in Hessen abgesetzt,' es gehen aber auch viele Tiere nach allen übrigen Teilen Deutschlands. Zur Zeit besteht die Bestimmung, daß diese Eber in Gießen versteigert werden. Voran geht eine ge­naue fachmännische Besichtigung. Es kommen also nur allerbeste Zuchttiere zum Verkauf.

Augenblicklich sind in Lang-Göns in den Hän­den der Züchter etwa 40 bis 50 eingetragene Muttersauen. Ganz besonders müssen bei diesem Bericht über die Lang-Gönser Schweinezucht die

Verdienste und die tatkräftige Unterstützung des Tierzuchtamtes Gießen unter dessen lang­jährigem Leiter Ober-Landwirtschaftsrates Dr. Wagner, hervorgehoben werden, der die erst­klassigen Zuchteber aus den besten Zuchten Nord­deutschlands auswählte und für Lang-Göns be­stimmte.

Um auch weiteren Forderungen gerecht zu werden, wird seit einigen Jahren in Lang-Göns neben dem deutschen Edelschwein das veredelte Land­schwein gezüchtet. Ne­ben'dem Zuchtverein hat sich eine Anzahl Züchter zusammengeschlossen und züchtet das veredelte Land­schwein. Auch diese Züch­ter haben schon sehr schöne Erfolge zu verzeichnen (z. B. auf der Landeseber­schau August 1936). Nach den neueren Bestimmun­gen sind alle Schweine­züchter Oberhessens zu einem Verbände zusam­mengeschlossen und stehen unter Leitung des Tier­zuchtamtes Gießen.

Die Z u ch t z i e l e sind in der Hauptsache diesel­ben geblieben. Man will frühreife, schnellwachsende Tiere züchten, die aber mit w i r t s ch a f t s ei­gen e m Futter herange­zogen werden. Im Alter

von etwa sieben Monaten soll das Tier 100 bis 110 Kilogramm wiegen. Daß die Lang-Gönser Züchter auf dem rechten Wege sind, haben ihre Er­folge bewiesen, die sie bei den Prämiierungen auf Leistung und Form erzielten.

Daneben muß aber erwähnt werden, daß der Schweinezuchtverein und die einzelnen Züchter sehr stark dazu angeregt haben, daß nun in der Ge­meinde Lang-Göns von anderen Bauern etwa 150 bis 200 Mutterschweine gehalten werden. Das ist

im Gegensatz zu andern, gleich großen Gemeinde* eine sehr beachtliche Zahl. Und daß die Ferkel poH Lang-Göns auf den Märkten gesucht sind, beweise» die Nachfragen.

Wie es schon vor Jahrzehnten das Hauptziel der Lang-Gönser Schweinezüchter war, Den Bauern durch Einstellung von nur guten Zuchttieren in der Viehwirtschaft zu helfen, so soll es auch in Zukunft bleiben. Die Züchter wollen im Rahmen des Vier«

jahresplanes mit dazu beitragen, daß nur aner­kannte und vorzügliche Zuchttiere in die Hand des deutschen Bauern kommen, damit Höchstleistun­gen erzielt werden. Es sollte niemals vergessen wer­den, daß die Züchter nicht nur ihre wirtschaftlichen Vorteile im Auge haben, sondern daß zu dem Be­rufe eines guten Züchters vor allem Idealis­mus gehört, d. h. sich einzusetzen für seine Be­rufskameraden. Einer für alle, alle für einen!

Ein Zuchteber, der auf der 1. Reichsnährstandsschau in Erfurt mit einem 1. Preis bewertet wurde.

Der gleiche Wurf (wie oben links): Die Ferkel drängen sich zu den Quellen ihrer Nahrung.

Das Mädchen m't dem Gilberhaar

Roman von Anny von panhuys.

21 Fortietzung (Nachdruck verboten.)

Ihre Mutter ist lange tot, und das, was Sie vorhin sagten, müßte Sie eigentlich beruhigen. Denken Sie doch an das große Fenster in der Ewigkeit. Aber an dem Fenster steht nicht nur Ihre Großmutter, sondern neben ihr auch Ihre Mutter, und beide freuen sich zusammen, weil es Ihnen gut geht."

Franziska lächelte unter Tränen.

Hübsch haben Sie das gesagt, Kathrin, und jetzt möchte ich schlafen gehen; es kann spät werden, ehe mein Mann heute heirnkornrnt. Ich fühle mich mit einem Male sehr müde."

Als sie im Bett lag und nur noch die kleine grünbeschirmte Nachttischlampe brannte, sann sie über das traurige Schicksal ihrer Mutter nach, und mit dem Gedanken an sie fielen ihr die Augen zu. Aber ihr war es, als neigte sich eine schlanke schemenhafte Gestalt über sie, als hauche eine weiche sanfte Stimme: Mir geht es gut, mein Kind, schlafe du ruhig, ganz ruhig!

Am nächsten Vormittag trat Eva Zoll in Fran­ziskas Büro der Radio-Radix.

Kann ich dich ungestört sprechen, Fränze?"

Franziska nickte.Natürlich! Mein Mann macht mit einem Geschäftsfreund aus Wien einen Rund- S durch den Betrieb, und ich habe augenblicklich sehr dringende Arbeit. Setze dich, Eva, und erzähle mir, was es gibt."

Eva Zoll kramte in ihrer Tasche herum, mur­melte:So, da habe ich's ja!" Sie wickelte aus einem Stück Zeitungspapier einen großen blauen Stein, legte ihn vor Franziska auf den Schreib­tisch.Gestern abend gab ihn mir mein Vetter, der Oberkellner vom ,Einhorns Der Stein wurde neftern beim Saubermachen auf der Galerie ge­sunden, er hatte sich unter einen Balken geklemmt.

Mein Vetter erinnerte sich, daß ich damals nach dem Diadem gefragt habe und meinte, es könnte ein Stein daraus fein. Es ist vielleicht Unsinn, daß ich ihn dir bringe, aber weil das Diadem doch ein Andenken an deine Mutter gewesen, dachte ich, bes­ser ist's, dir bleibt ein einziger Stein davon zur Erinnerung, als gar nichts."

Die Herbstsonne lag in einem breiten flirrenden Streifen schräg über' dem Schreibtisch und warf auf den erbsengroßen Stern wundersame Lichter. Helleres und dunkleres Blau strahlte sanft und doch kraftvoll immer wieder von neuem auf, wenn die Sonne darüber hinstrich.

Franziska nahm den Stein sorgfältig hoch.

..Natürlich jst's besser, ich besitze zum Andenken wenigstens den einen Stein als gar nichts von dem Diadem. Wie hübsch das Blau funkelt durch den Schlifft" Sis lächelte die Freundin an. ,Hch danke

dir recht sehr, Evalein. Besuche uns, bitte, am Sonntagnachmittag, da darfst du als Belohnung so viel Schlagsahne essen, bis dir schleckt wird."

Eva lachte und ging dann an ihre Arbeit. Fran­ziska aber dachte jetzt nicht daran, die vorhin abge­brochene Schreiberei wieder aufzunehmen. Der Stein hatte in ihr überaus lebhaft die Erinnerung an den Maskenball erweckt, und dadurch war mit einem Male alles, was sie schon beinahe überwun­den geglaubt, wieder ganz lebhaft und deutlich ge­worden. Unheimlich deutlich.

Sie sah den Fremden, von dem sie nun wußte, daß er einmal ein berühmter Geiger gewesen, vor sich; sie fühlte, wie seine Arme sie umschlangen, sie spürte seine Küsse auf ihren Lippen.

Ihr Herz klopfte stark; sie sprang von ihrem Stuhl hoch, dachte, es durfte doch nicht sein. Sie hatte doch ihren Mann, den sie gern hatte, den sie lieben wollte.

Warum quälte sie wieder der andere, dem fte gerade recht gewesen zu kurzem Spiel, der sich im Hotel unter falschem Namen gemeldet, und der längst nicht mehr daran dachte, daß er sie geküßt?

Sie legte die Fingerspitzen an die Schläfen. Sie fühlte ein Frösteln und sagte sich, daß es besser gewesen wäre, wenn der Stein verloren geblieben wäre.

Es klopfte, und sie riß sich zusammen, rief her­ein.

Prokurist Weller trat ein.

Ich wollte melden, daß der Herr Direktor gleich mit dem Besucher kommen wird."

Danke schön", nickte Franziska, und als sich die Tür hinter Weller geschlossen, entnahm sie ihrer Handtasche ein Spiegelchen, betrachtete sich ein­gehend, ob ihr auch keine Erregung mehr anzu­sehen wäre. Sie befahl sich: Ganz ruhig sein! Der Spuk von damals soll nicht mehr existieren, ich will meinen Mann lieben!

Sie lächelte sich gezwungen im Spiegel an, zupfte ihr Haar zurecht, und nun wurde auch schon die Tür geöffnet, ihres Mannes Stimme erklang:Du erlaubst, liebe Fränze, daß ich dir Doktor Steinke aus Wien vorstelle; du weißt, er ist dort unser Großabnehmer."

Franziska sah sich einem stattlichen dunkeläugi­gen Herrn gegenüber.

Sie lächelte liebenswürdig, lud zum Sitzen ein, freute sich, als ihr Man sagte:Meine Frau ist die tüchtigste Kraft der Radio-Radix, Herr Doktor. Wenn man etwas Geschäftliches über unser Werk wissen will, gibt sie wie ein Lexikon Auskunft."

Das ist ja ein Wunder, daß eine so junge Frau so fleißig und strebsam ist", lobte der Wiener. Er lächelte:Aber die gnädige Frau liebt trotzdem alles, was Frauen lieben, vor allem wohl seltene Juwelen." Er deutete auf den blauen Stein, den Franziska vergessen hatte, fortzulegen.Das ist ja ein ganz prachtvoller Saphir! Gestatten Sie, daß ich ihn näher betrachte?"

Franziska antwortete freundlich:Natürlich, Herr Doktor, betrachten Sie ihn nur."

Ihr Man blickte sie forschend an. Er begriff nicht, was es mit dem Stein für eine Bewandtnis hatte,

aber er mochte auch nicht in Gegenwart des Be­suchers fragen.

Der drehte den Stein nach allen Richtungen, lobte:Ein erlesenes Stück! Meine Frau schwärmt für Saphire.

Er legte den Stein zurück, und dann sprach man vorn Geschäft. Auch Franziska beteiligte sich lebhaft an der Unterhaltung, die um das Fernsehen ging, ein Gebiet, auf dem Franziska besonders beschlagen war, weil sie sich ja über alles, was mit dem Radiofach zusammenhing, so eingehend wie möglich unterrichtete.

Später fuhr man mit Doktor Steinle nach Hause, wo man in Gesellschaft von Frau Radix zu Tisch ging. Gegen Abend reiste der Besucher wieder ab, und erst, als sich das Ehepaar ober in seiner Wohnung allein befand, konnte Berthold Radix die Frage tun, die ihn seit dem Vormittag beschäftigte. Franziska gab wahrheitsgetreu Aus­kunft, wie es sich mit dem blauen Stein verhielt, setzte hinzu:Doktor Steinle scheint allerdings nicht viel von Edelsteinen zu verstehen, sonst hätte er das Stückchen gefärbtes und geschliffenes Glas nicht für echt halten können."

Ihr Mann nickte:Es spielt sich ja mancher als Kenner auf, der keine Ahnung davon hat." Er neigte sich zu ihr, flüsterte ihr ins Ohr: Bewahre den Stein als Andenken gut auf, vergiß aber, was sonst für dich damit zusammenhängt. Ich kann es ja gar nicht erwarten, Fränze, daß du mir sagst, dein ganzes Herz gehöre nur mir, und es gäbe darin fein noch so winziges Reftchen der Erinne­rung an einen anderen Mann."

Sie neigte bejahend den Kopf, aber sie schwieg, und er dachte traurig, weshalb ihm der Stein wie­der einen Weg verbauen mußte, der schon beinahe frei gewesen war.

Den Stein hob Franziska tief unten in ihrer Schmuckkassette auf, in der schon allerlei hübsche Dinge lagen: Hochzeitsgeschenke und Gelegenheits­geschenke von Mann und Schwiegermutter. Wenn sie keine Trauer mehr trug, wollte sie sich damit schmücken.

16.

Das Pariser Leben pulste stark und laut unter der beinahe sommerlich warmen Herbstsonne. Im Bois de Boulogne mischten sich schon gelbe und rotbraune Farbtöne in das Grün der Bäume, aber die Luft war lau und betörend. Weil er früher dort oft gewohnt, war Berthold Radix mit seiner Frau im Hotel Continental abgestiegen. Sie fuhren am Vormittag nach ihrer Ankunft durch das Bois, und er erklärte ihr: Siehst du, hier vor dir, das ist der Mont Valerien, weiter drüben, dort, das ist die Anhöhe von Saint Cloud."

Sie nickte.Du, Bertel, es ist wie ein Traum, so mit dir allein und arbeitsfrei durch den sonnigen Vormittag zu fahren! Ich bin wie taumelig vor Freude, was ich jetzt alles fenmnlernen werde. Die alten berühmten Schlösser, das Louvremuseum, Versailles, die Oper, das Montmartreleben und noch jo vieles andere."

Er lächelte sie an:Das ist unsere zweite Hoch­zeitsreise, Fränze."

Sie saßen Hand in Hand in dem offenen Auto, und plötzlich befiel Franziska das quälende Gefühl: Vielleicht ist meine Mutter vor langen Jahren auf denselben Wegen durch das Bois gefahren wie ich heute, und vielleicht hat auch ein Mann neben ihr gesessen, und sie hat gelächelt und sich ihres jungen Lebens gefreut, wie ich mich des meinen freue.

Ihr Mann fragte:Was ist dir, Fränze? Du siehst mit einem Male so traurig aus."

Sie riß sich zusammen. Hatte nicht Nähkathrin ihr geraten, sie solle denken, an dem großen Fenster der Ewigkeit stände nicht nur die Großmutter, son­dern auch ihre Mutter, und beide freuten sich, weil es ihr gut ging?

Sie antwortete:Ich dachte an meine Mutter, die in Paris lebte, aber so müde und traurig von hier heimkehrte und gleich bei meiner Geburt starb."

Er drückte zärtlich ihre Hand.

Sollst nicht traurigen Dingen nachhängen, mein Liebling, sonst werde ich auch traurig. Und das willst Du doch nicht? Wir besuchen heute nach­mittag ein paar Modehäuser; du mußt dir einige Pariser Kleider mitnehmen, und dann hast du auch gleich etwas Apartes für hier anzuziehen."

Sie schüttelte den Kopf.

Ich besitze hübsche Kleider genug, du Ver­schwender! Höchstens könnte ich ein Abendkleid brauchen, wenn mir mal etwas Besonderes Vor­haben. Aber natürlich auch nur etwas in Schwarz."

Er zog ihre Hand an die Lippen, küßte das feine Gelenk.

Auf seinen Wunsch machte das Auto kehrt, fuhr an der Seine entlang bis zur Kirche Notre-Dame.

Still gingen sie durch das Gotteshaus und fliegen hinauf zur Plattform. Paris lag ihnen zu Füßen und die lärmenden Geräusche der großen Stadt wurden zu einem einförmigen Summen, als wäre ein mächtiger Bienenschwarm nahe.

Franziskas Augen nahmen das großartige Bild, das der Rundblick bot, in sich auf, aber zugleich quälte sie unablässig die Frage, in welcher der vielen Straßen und Gassen, auf die sie nieder­schaute, ihre Mutter einstmals gewohnt haben mochte. Vielleicht ganz nahe von hier, vielleicht traf ihr Blick gerade das Haus, in dem sie gelebt.

Sie war zornig auf sich, weil sie schon wieder schwach wurde und ihren zudringlichen Gedanken freien Lauf gab. Wollte sie dem gütigen Mann, der sie mit Liebe überschüttete, den Aufenthalt hier verderben, dann stellte sie es gerade richtig an.

Er schlug eben vor:Wir essen am besten im Hotel, dann erfrischst du dich ein wenig, und danach wird eingekauft."

Franziska war mit allem einverstanden, nur ab­lenken mußte sie sich, um den Spuk hier zu bannen, vor dem sie sich schon vor der Reise ein wenig ge­fürchtet hatte. Der Spuk waren die Gedanken an die Mutter

Sie fuhren ins Hotel, begaben sich gleich in den Speisesaal. Es waren ziemlich viele Tische besetzt.

L Fortsetzung folgt l)